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Full text of "Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen"

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Beiträge 



zur künde der 



indogermanisehen sprachen 



herausgegeben 



Dr. Adalbert Bezzenberger. 



Zwölfter band. 




Göttingen, 

Vaiulenhoeck und RuprecKt*s verlag. 
1887. 



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ßrtCV 



2.M 



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Inhalt. 

Seite 
Die ursprüngliche sprachform und fassung der hesiodischen Theo- 

gonie. Von A. Fick 1 

Griechische vocalstudien. Von Karl Foy 38 

Litauisch ai aus a. Von A. Bezzenherger 75 

Etymologien. Von A. Bezzenherger ----- 77 

Die Vertretung des altitalischen ss im Oskischen (etc.). Von Chr. 

Bartholomae ----- _ 80 

Yasna 30. Von Karl Geldner --- 93 

Iranica. Von Eugeti Wilhelm 101 

Das alter und die heimath des Avestä. Von C. de Harlez • • - 109 

Lykische Studien. I. Von W. Deeche 124 

Volksetymologische studien. II. Von O. Weise 154 

Ein neuer infinitiv im Avestä. Von Karl Oeldner 160 

Etymologien. Von A. Fick - 161 

Ed. Sievers, Grundzüge der phonetik, 3. aufläge. Angezeigt von 

Julius Hoffory -.-- - 163 

Nachtrag zu s. 162. Von A. Fick ---168 

Dialekt-inschriften von Korinth, Kleonai, Sikyon, Phleius und den 

korinthischen kolonien am ionischen meere. Von F. Blass - - 169 
Ueber die (lettische) mundart von Saussen und Fehteln (Livland). 

Von J. Kaulin --.-.-.-.-... 214 

Etymologien. Von A. Bezzenherger 239 

Simul. Von Jüh7i B. Bury 242 

Wahrung meines rechtes. Von Hermann Collitz 243 

Erklärung. Von A. Fick und A. Bezzenherger 248 

Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt und erklärt. Von 

C. Florenz 249 

Lykische Studien. II. Von W. Deecke 315 

Etymologien. Von A. Bezzenherger - 340 

Register. Von W. Prellwitz - - 341 



Die ursprüngliche sprachform und fassung der 
hesiodischen Theogonie. 

Die überlieferte sprachform der hesiodischen Theogonie 
sieht äusserlich, wie die des homerischen epos, ionisch aus. 
Aber diese ionische färbe ist hier wie dort nur äusserlich auf- 
getragen. Man erkennt dies hier wie dort mit voller Sicherheit 
daran, dass die ionischen formen sich der regel nach in die 
gleichgemessenen formen eiaes nicht ionischen dialects über- 
tragen lassen, die metrisch gesicherten ionismen sich aber fast 
nur in kritisch verdächtigen oder raüssigen stellen finden, also 
in solchen stellen, welche besser fehlten oder doch fehlen 
können und sich dadurch als spätere zusätze verrathen. Nur 
selten kommen feste ionismen in muthmasslich ächten partien 
vor und lassen sich hier fast durchweg mit leichter mühe 
beseitigen. 

In kritisch verdächtigen oder überflüssigen versen der Theo- 
gonie (mit vorläufiger ausscheidung der proömien 1 — 115) finden 
sich die im folgenden verzeichneten festen ionismen, zu denen 
ich hier auch solche jüngeren formen ziehe, welche bereits bei 
den alten loniern von Archilochos bis Hipponax vorkommen, 
dagegen dem ächten homerischen epos und den anderen, nicht 
ionischen dialecten in ihrer älteren gestalt fremd sind. 

125 'Egeßei (piXoTrjTi. Die £ff- stamme contrahieren früh 
bei den loniern, gar nicht im ächten epos. Der vers ist über- 
flüssig, ja abgeschmackt: dass die nacht den äther und den 
tag gebiert, ist schön und natürlich gedacht, dass sie aber zu 
solchen lichtgeburten aus dunklem schoosse vom Erebos, dem 
dunkel der unterweit, befruchtet wird, ist doch sehr seltsam; 
jedenfalls ist eine befruchtung gar nicht nöthig, denn Hesiod 
kennt auch sonst, wie z. b. 131—2, jungferngeburten, geburten 
areQ (pil6TT]Tog. Uebrigens fehlt der vers auch in einem citate 
bei Origenes. 

Beiträge z. künde d. indg. sprachen. XII. \ 



2 A. Fick 

130 vvf.iq)i(x}v für vv(.i(pao}V', 127 — 9 hängen mit 130 untrenn- 
bar zusammen und sind wie dieser zu streichen ; mit der rata 
sind die berge gesetzt, jedenfalls ist es höchst befremdlich, dass 
diese als geburten der Gaia mit himmel und meer, Uranos und 
Pontos, auf dieselbe stufe gestellt werden. 

145 ocp&al/uog eeig. 144 — 5 sind von fast allen kritikern 
verurtheilt; der einschub ist sehr jung wegen des g3,nz nich- 
tigen €€ig, welches irgend einem missverständnisse seine ent- 
stehung verdanken muss; „einer" heisst griechisch elg = sens. 
Uebrigens gehören auch 139—46 nicht zur ächten dichtung; 
für rjoav stt eQyoig liesse sich freilich i]v enl faqyoig setzen 
vgl. tjv „waren" auch 320. 825. 

153 STtl ELÖu für faidei. Der vers ist durchaus überflüssig. 

196 Der fast allgemein verurtheilte vers enthält die jüngere 
form dcpQoyev^ (so). 

199 — 200 Die beiden von Flach mit recht eingeklam- 
merten verse mit der albernen deutung von (pt,XofA.(.iEidt]g aus 
fiTjdea enthalten die Verstösse gegen die alte spräche KvTtgo- 
yavfj (ia), cpiXofXfxridvi (ea) und /nrjdsiov ; yevro 200 ist sachlich 
nicht richtig, sondern widerspricht der vorhergehenden erzäh- 
lung 190—3. 

230 Der vers ist jedenfalls unnöthig und enthält in avvrj- 
d^iag einen Verstoss gegen das digamma in frjd^og. Der gedanke, 
der an sich nicht übel ist, wird einer sentenz entnommen sein. 

275 'iv '^EoTtEQLÖeg. Der vers ist überflüssig; feoTtsQog hat 
digamma vgl. lat. vesper. 

277 ayrjQOj aus dyrjgda) ist eine jüngere contraction; ein 
zweiter Verstoss gegen die spräche des ächten gedichts wird 
weiter unten zur spräche kommen. 

284 xw für xat o ist jedenfalls gegen die alte spräche; 
für ijv 282 liesse sich dorisches rjg einsetzen. 

Das ganz späte verzeichniss der flüsse 338 — 45 enthält die 
Verstösse lAx^^^ov % für uiyßXioiov und 2ifiovvTa 342 für 2i' 
fioevva. 

364—70 verrathen sich als einschub durch den falschen 
hiat in dvögl iviaTvelv 369 und den Verstoss gegen das digamma 
in h(.aaTOi l'aaaiv (/iaaaiv) 370. 

381 — 2 sind jedenfalls später zugesetzt, weil l^ffr^al/og = 
^X/oXog bei Homer ursprünglich nur vater der winde ist; 



Die ursprüngl. sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 3 

sprachlich gerichtet durch li^tEv'^EwacpoQov 381: ecog neuionisch 
aus ^Hwg = dorisch V/wg, äol. Av'iog. 

392 dg av mit festem ionischen av in der episode von der 
Styx 386 — 403, die jedenfalls nicht dem ältesten kerne des 
gedichtes angehört. 

In dem ganz allgemein als eingeschoben anerkannten Hekate- 
hymnos 411 — 452 ist das digamma nicht beobachtet in dvartifx- 
(peXov EQydtßviai (fegya^ovrai) 440, evxovraL d' ^ExccTrjL {Fe- 
xara) 441 ; ^Eq/h^l 444 steht für '^Eg/ueiai, '^Eg/iidtün, y,al «x 447 
ist unepisch zu x^x contrahiert, ^Hovg 451 steht für lAoog. Man 
beachte auch den verkehrten hiat in dytovL ded-lsvwaiv 435 
und ylavy.r]v 440 für meer, ylavKrj d-dXaooa. 

484 mit dem Verstösse gegen die alte spräche in oqel für 
^oQs'i hängt eng mit 481 — 3 zusammen; die ganze partie muss 
fallen, sie soll nur die ansprüche von Dikte und Aigaion be- 
gründen ; nach ausscheidung des emblems treten xov (xev (Zeus) 
479 und twl de (Uranos) 485 wieder in ihr natürliches ver- 
hältniss. 

486 fiiy dvaycTL verstösst gegen das digamma in /dva^. 
Ausserdem ist der vers, der nur darum eingeschoben ist, weil 
durch das emblem 481 — 4 die beziehung von rwi de 485 auf 
Kronos verdunkelt war , durch die thörichten worte d-scav tcqo- 
TeQcoc ßaoilfj'i genügend gezeichnet; als ob Kronos nicht bei 
der geburt des Zeus noch götterkönig gewesen wäre. 

518 TCQOTiaQ 'EoTtegidcüv. Der vers ist überflüssig: Fearte- 
q'löiov. 

543 dgidslyceT dvdxTcov (/dva^). Die anrede ist überflüssig 
und wohl erst durch die scheinbar entsprechende 548, die aber 
innerlich begründet ist, hervorgerufen. Zur correctur dgideiycsTe 
Xaiov (Flach) ist kein grund. 

590 — 614 enthalten sicherlich eine spätere fälschung; die 
richtige fortsetzung des Prometheus-mythos findet sich, wie 
späterhin gezeigt werden wird, in Hesiods Opp. 70 ff. In 
unserer partie finden sich die Verstösse ^vv^ovag egycov 595 
und 601 (/egyiov), d^wvzai 599; die ächte Theogonie contra- 
hiert nicht ao zu w; öid xr^aiv öateovraL 606 und das höchst 
bedenkliche dQrjQvlav 608 für das acht epische aQccQvlav. 

619 dywf.ievog rjöe yial elöog, zwei Verstösse in einem verse; 
ao wird nicht w, und elöog hat digamma. 619 — 21 können 
unbeschadet des Zusammenhanges fehlen. 

1* 



4 A. Fick 

645 ocpQ ilnoi titX. Der bekannte standvers kann eigent- 
lich überall entbehrt werden und ist daher, wo er in einem 
alten und ächten zusammenhange erscheint, unbedenklich zu 
streichen; zur correctur wg felTto) oder ocpq svinü) ist wohl 
kein genügender grund. 

696 — 711 sind später zugesetzt; das zeigen die unschönen 
Übertreibungen, die platte darstellung in 700 — 5, der gebrauch 
von x^oviog in der jungionischen bedeutung dieses wertes 
„schrecklich", wofür der scholiast zu dieser stelle nur Anakreon 
(frg. 64 Berg k, wo aus versehen Hes. Theog. 767 citiert ist) 
anzuführen weiss. „Unterirdisch" kann hier xd^oviog nicht be- 
deuten, wenn man den Verfasser der stelle nicht für geradezu 
thöricht erklären will, da ja die Titanen erst nach dem kämpfe 
unter die erde gestossen werden. Gegen den verf. der ächten 
Theogonie spricht auch die Verwendung von x^og für „luft", 
welche dem dichter von v. 1 , dem xaog der Urzustand der 
dinge ist, gar nicht beikomraen konnte. Poetisch ist an der 
ganzen partie nichts verloren und sprachlich wird unser ver- 
werfungsurtheil durch die Verletzung des digammas in x«og* 
uaato 700 (felaaTo) und g)iQOt ä" laxi]v 708 {fifaxd) be- 
stätigt. 

Nach Flach und anderen sind 746 — 819 „unhesiodisch", 
aber 720 — 745 sind ebenso wenig zu halten ; die ganze beschrei- 
bung der unterweit steht ausser allem zusammenhange mit dem 
einfachen und klar durchgeführten plane der alten Theogonie. 
Auch sprachlich unterscheidet sich das stück deutlich genug 
von dem alten bestände: vrcb y^g für yaiag 720, arto yrjg 721, 
yrjg QiK.aL 728, Iloaeiöewv für IIoaELÖdcüv 732, yfjg 736, TtvXJlov 
für TtvXcKav 741, dats^cpecog 748, law 750, sav av ixt^rai 754 
mit metrisch festem av 754, -qsQOBLÖel für -dei Ibl, yrjv 762, 
^ft'dfiw 768 und 774, vrjXen^g 770, €«t 772 für Idei,^ rrvlicav 
773, yrjv 790, dd-Xog für aed^Xog 800, Trdvza ttsa- dezdriot, 803, 
wo sTt] für /hea, yrjg 807, Bgiagscov 817. Einiges andere 
wird noch später zur spräche kommen. 

Die verse 826—9 sind müssig; nach ihrer ausscheidung 
ßchliessen 825 und 830 scharf zusammen. Sprachlich ist der 
einschub deutlich gekennzeichnet: XeXeLx^ioreg 826 beruht auf 
einer sonderbaren Verwirrung von Xeixü) und Xtx/^da), naaiwv 
rf" h, -KECfaXkov für rvaadtav — yierpaXäfov 828; auch d-eaTteairjig 



Die ursprüngl. sprachform xi. fassung d. hesiod. Theogonie. 5 

827 und eaav 829 sind nicht der spräche der alten dichtung 
gemäss, wie sich weiterhin ergeben wird. 

867 ist ganz müssig, einer der gewöhnlichen abschliessen- 
den verse: aaXai nvQog für asXa'i. 

869—80 sind später zugesetzt; dass der dichter der Ty- 
phoeus-episode sich diesen letzten und furchtbarsten rivalen des 
Zeus nicht als bösen wind gedacht, sondern als erdfeuer oder 
Vulkanismus, liegt auf der band. Sprachlich: Bogeco und aqye- 
arlio für Bogiao und agysarao 870, zu d^vt/rotg 871 siehe 
weiterhin, Ttif-irtlevaaL 880 Hesse sich durch 7tii.inXäo(xi ersetzen. 

910 — 1 sind jedenfalls müssig; riov 910 steht für xaiav der 
alten spräche. 

Der schluss der Theogonie liegt ganz ausserhalb des alten 
planes und enthält sprachlich schlimme Verstösse: 

933 vaiEi xQvoea öco. Der Verfasser dieser stelle hatte für 
die alte spräche alle empfindung verloren : er gebraucht dio als 
nomen und zwar als plural, während ötö doch in der alten 
spräche nur postposition ist, welche, wie öe in rnxhsQOvöe^ 
nur an den accusativ gehängt werden kann, öo) ist identisch 
mit altsächsisch tö , englisch to, ahd. zuo, während de in 
T^f-iiregovöe dem ahd. ze-, zi- entspricht. Weitere Verstösse 
sind: '^Eqf.iriv 938, uoXvyrid-ri 941, ayrjQO) lies ccyiqQiov 949 für 
ayr^qaov, y^v 972, rtaaiv mit v iq)elyi. in der Senkung 973 und 
1016, dcpveiov für aq)veCov 974, ßoüv (zu lesen ßwv) eveyc 983, 
Alr(CE(x) 994, Ig VwX/o'v für 'läolyiov 997, Dazu kommen ganz 
junge sagengestalten wie Mrideiog 1001, mit dem zweifellos der 
Stammvater der Meder gemeint ist, und ^'Aygiog rids Aavivog 
1013; m\i'"AyQiog neben ytartvog ist vielleicht der a^/er Roma- 
nus in Latium gemeint. 

Selten findet sich ein fester ionismus in einem alten und 
ächten stücke und ist hier meistens leicht zu entfernen. 

149 KoTtog re Bgiaqsiog ts. Der riese heisst wohl ur- 
sprünglich BgiaQEvg, nach Et. M. die attische form. Sollte 
Bgiageiog bloss aus der ionischen Schreibung EOZ für EYE 
entstanden sein? 

229 NeiY.€a re ipevdeag re Aoyovg. Die contraction von 
eag zu rfi ist gegen die alte spräche. Aber die theorie erfordert 
i/'udijg : ij^ievdog , und dieses ifjvd'qg hat einst bestanden , vgl. 
ijjovdia- i^ievörj, vermuthlich kretisch, bei Hesych. 



6 A. Fick 

232 (ke yJv rig «cwv (/€xwv). Lies mit Flach oze tig 
xe fey.tov. 

233 Zu Nrigia d^ aipsvÖTJ (ea) mit der jüngeren contraction 
von €a zur] ist aipvd-ig' aXrid-eg. ov ipevösg bei Hesych heran- 
zuziehen und demnach axpvd-ia oder vielleicht besser mit hin- 
blick auf 229 dxpvöea zu lesen. 

310 — 11 eTLxrev \ l^'tdeta ywva. Der Verstoss ^Atöeu) ist zu 
berichtigen nach 309 ^'Ogd-ov fiev jtqwtov /,vva yeivato Fr]- 
qvov^'l; es ist leicht zu begreifen, wie die seltenere con- 
struction mit dativ hier durch den geläufigeren genetiv ersetzt 
werden konnte. 

361 ytal 2tv^, r^ drj O(peoiv TtQOcpEQearäTr] eaxlv ctTtaGswv. 
Das ionische aTtaoeiüv, vielleicht aus der jüngeren stelle 79 
KaXXiOTtr] &^ • rj de TtqocpEQEOxatri iatlv ccTtaoecov hier einge- 
drungen, wird am einfachsten durch die lesung xat 2tv^, ri d^ 
ytaoaiov TtQOipeQEOzccTtj eaxiv entfernt. 

459 og Tig eimarog (j^eyiaarog) ist mit Flach og ts oder 
wg TS fexaoxog zu lesen. 

497 E^riixEoaE : lies s^EfEfxEaaE. Bei ionischer lesung müsste 
man wenigstens l^ELixEoaE setzen. 

537 ist für TtQovd-rpcE unbedenklich Ttqoed^rfAE zu schreiben. 

572 = Erga 71 lässt sich Kqovlöeio durch Zrjvog ersetzen. 

661 TW ytal vvv ccteveI te vocol ytal srticpQOvi ßovXiji. te 
hinter ccteveI ist überflüssig, man vergleiche nur 122 voov xat 
E7tiq)Qova ßovX'qv; es ist zu lesen drepi^L votoi mit dehnung des 
€ unter dem ictus. 

678 — 9 afX(p6TEQ0i' öelvov ös TtEqiaxE rcovtog ccTtEiQCDV | yij 
ÖS fiiy iafiaqdyriaEv, ertiaTEVE ö' ovqavbg Evqvg. Hier ist y^ 
für yala sprachwidrig, auch die äolische lesung via^E in rtEglaxE 
höchst bedenklich. Die stelle ist zu heilen durch die Wieder- 
holung des ETtl in STtiarEVE : ÖEivbv S' snE/laxE rcovtog aTVEi- 
Qü)v^ I yaia 6* Ire eofiagayriaEv, etcegteve S* ovqavog EVQvg. 
Man kann annehmen, dass AEPEPIAXE aus AEPEFIAXE ver- 
lesen sei. 

715 azißaQiüv d/tö /«t^wv (für arißagcuov) macht Schwierig- 
keit; man kann zur noth azißagaloc xeqeool oder x^Q^i^ orißa- 
Qatai lesen. 

832 zavQOv EQLßqvxEO). Aber hymn. hom. Merc. 116 lesen 
wir toq)Qa <J' EQißqvxovg ?Afc)t«g ßovg und igißQvxog ist auch 



Die ursprüngl. sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 7 

nach der analogie von eQLfiv/Log zu erwarten : sQißQvxog : ßqv- 
xdoinaL = eQLfivyiog : fiv/.dof.iai. 

835 V7tb d' rjx«£>' ovQea fj.a%Qct (/axico). Man kann durch 
Umstellung helfen: Wo (J' ovgea /a/ee fj,axQd. Vielleicht noch 
besser Ivtefdxse ^ ovqea (xa^AQu. 

903 a% T tqy: lies at fsQy. TEPf könnte aus FEPf ver- 
lesen sein. 

907 7tohmiQ(xxov eJdog (J^eldog). Eine hs. bietet TjroQ. 

917 ist für T^iaiv adov (fddov) mit einer hs. r^tcr«. zu 
setzen. 

928 i^Qioev tut: lies rjQiae fwt, oder ^gia e/m. 

Bloss scheinbar liegt ein ionismus 235 in ovdi d-e/ÄLOzicov \ 
Xri&BtaL. Aber ein nomen ^Sjulatr], wovon der gen. pl. ionisch 
d^E/iuaTsojv lauten würde, existiert nicht, und so ist unbedenk- 
lich mit M 3, der besten hs. , d-e^ioxiov , der richtige genetiv 
zum epischen ^eixioteg^ zu lesen. Die alte flexion von d^sfiig 
ist: nom. d^s/xig, gen. abl. ^e/iLzog und d^efiiarog, loc. dat. 
d^ifxidi, acc. d^ifxLv, voc. d^iiii. d^ifXiTog ist ursprünglich ablativ 
und gebildet wie lat. coeli-tus, sv-rog Ik-rog, s. näma-tas = 
ovofxarog zu näma:ovo/j.a; ebenso s. yakr-tas aus yakr = riTtaq 
lat. jecur. Durch neue anfügung von zog entsteht aus d^Efxitog: 
d^sULOTog = ^sfiiTTog wie s. yakrttas aus yakrtas. Der locativ 
dativ ^si-itdc ist wie xdixadi == xcLfiadug gebildet; die locativ- 
formen -öl in xcif^ddi, -Ce = dje in /a^ar«, -dtg in xöjuatJtg, 
-g = Sg im delphischen olg „wohin", -ae = das in rtöae und 
-GL = doi in Ttooai , roX-Oi sind offenbar eng verwandt; so 
kann man z. b. zweifeln, ob das homerische ctyma in dyma 
sXiov mit mir zu ayxaffc, oder mit J. Schmidt zu dy/xtai zu 
ergänzen sei. Für mich spricht cty^Aae: dyxd&ev = Ttooe: Ttodsv. 

Einige andere ionismen treffen auf verdächtige stellen oder 
sind metrisch nicht voll gesichert, könnten durch analoge 
formen anderer mundarten ersetzt werden. 

277 rj fxsv sriv dyrizri ist ionisches Irjv, umgesetzt aus ijev, 
überliefert. Aber die partie ist mehr als zweifelhaft, derselbe 
vers bietet die unepische form a/^^w für dyriQdio. Die ver- 
tauschung von h]v mit dem äolischen sev würde zu nichts 
helfen, da ausschliesslich äolische formen in der Theogonie, wie 
gezeigt werden wird, sonst kaum vorkommen. 

Für r^v 282 lässt sich, falls das emblem älter ist, dorisches 
ijg lesen, welches sich auch 637 einsetzen Hesse. 



8 A. Fick 

Aeolisch ist slg, ionisch ig, nur unterm ictus elg. Metrisch 
gesichertes ig erscheint 285 ig ad^avdrovg in einer jedenfalls 
jüngeren partie, dagegen an alter und ächter stelle 404 riXd-ev 
ig evvriv. Hier braucht jedoch 4* nicht gerade ionisch zu sein: 
die Dorier sprachen bekanntlich ebenfalls ig und die West- 
griechen z. b. die Delpher gebrauchten das metrisch gleich- 
werthige iv mit dem accusativ. elaavißaivs 508 und elg ^'Egeßog 
515 beweisen nichts gegen iv, da das wort hier unter dem 
ictus steht vgl. elv all, elv ^^glfioiatv bei Homer. 

467 TLatETtivE' Petjv d' «x«. Die Verkürzung von el zu « 
in Piriv, wofür man jedenfalls wenigstens Piav schreiben müsste, 
weist nicht noth wendig auf den ionischen dialect: auf dem 
Kypselos-kasten (Korinth um 600 v. Chr.) stand nach Paus. V 18: 
Mriöiav ^laacov yaiiieei. 

In nQ0i.Oj^€a 510, ^EnLixyid^ia braucht nicht die ionische 
contraction von «a zu iq vorzuliegen : dorisch (äolisch, arkadisch) 
sind formen auf rß neben evg bekanntlich sehr beliebt, man 
könnte also bei dorischem Ursprünge des gedichtes sehr wohl 
nQOfxa&i^v, Erti^ad^riv lesen. 

Die ionische zusammenziehung der adjective auf eog scheint 
dem ächten bestände des gedichtes fremd : %Qvoiriv steht 578 an 
höchst bedenklicher stelle, atörjQerj und xcc^'^^ov 764 finden sich 
in der „unhesiodischen" Schilderung der unterweit, /^ffffiiyg 975 
in dem später angefügten schlusstücke und so bleibt in altem 
zusammenhange nur 822 öia xqvoiriv '^(pQOÖlTriv, an einer stelle, 
die uns noch weiter unten beschäftigen wird. In Delphi sprach 
man diese formen noch spät offen vgl. CIG. 1688 z. 31 
XQvoea. — 

Wenn nach dieser musterung feste ionismen fast durchweg 
nur in kritisch bedenklichen, also rauthmasslich jüngeren und 
jüngsten Zusätzen erscheinen, so ist damit die abfassung der 
ächten dichtung im ionischen dialecte ausgeschlossen, denn 
einen metrischen text grösseren umfanges, in welchem kaum 
eine einzige ionische form durch das metrum gesichert ist, für 
ionisch zu erklären, wäre doch einfach lächerlich. Wir müssen 
also annehmen, dass die hesiodische Theogonie, wie die home- 
rische dichtung, erst später, vermuthlich zur gleichen zeit aus 
einem anderen dialecte in die las übertragen sei. 

Es fragt sich nun, was dies für ein dialect gewesen sei, 
in dem die Theogonie ursprünglich abgefasst war? 



Die ursprüngl. sprachform u. fassnng d. hesiod. Theogonie. 9 

Um dies zu ermitteln, haben wir alle die formen zu unter- 
suchen, welche in den verschiedenen griechischen mundarten 
verschieden gemessen werden. Zunächst die dative des plurals 
oioi mm : oig aig. Der alte und ächte bestand des gedichtes 
weist nur die volleren formen auf, aig (tjtg) und oig findet sich 
nur in solchen partien, welche jüngeren Ursprungs dringend 
verdächtig sind. 

146 rjffav e7t eg-yoig. Durch die conjectur i^v „waren" wie 
320. 825 lässt sich allerdings der Verstoss gegen das digamma 
beseitigen, doch kommt ^oav in derselben Kyklopen-strophe auch 
142 und 144 vor und gehört der nur hier vorkommende ge- 
brauch von ^aav für das ächte ^v zusammen mit oig in eQyotg 
wohl zu den kennzeichen des jüngeren Ursprungs von 139 — 46. 

198 Kv&i^Qoig am versschlusse. Der vers muss wie 196 
und 199 — 200 gestrichen werden. 

215 — 6 aig fxrjXa \ xqvaea xaXa hsXovol. Der zusatz xaAa 
ist auffallend und müssig, die natürliche Stellung wäre x^vffca 
firika Diese gewinnt man, wenn man 215 aiaiv te Ttigav und 
216 x^i;(7€a f.iriXa (.iskovat schreibt. 

269 loyteltjig ntsQvyeooi. Die verse 268 — 9 sind ganz 
überflüssig und werden besser gestrichen; der schluss von 269 
fiEtaxQOVKXi yccQ XaXkov ist kaum verständlich. 

334 \qE\iv6lg y.Evd^Eai. 333 — 5 enthalten offenbar einen 
späteren nachtrag zu den Zeugungen von Phorkys und Keto, 
die verse hätten hinter 276 ihren richtigen platz gehabt. Der- 
selbe vers 334 enthält noch einen sprachlichen Verstoss in 
ysLvato öetvöv ocpLv: in der alten spräche wirkt der ursprüng- 
liche anlaut d/ in öuvog position. 

Auch der ausdruck TtayxqvGea firjla 335 für das einfach 
natürliche xQ^cfea fiijXa weist auf spätere entstehung der partie. 

348 xat Jlotaixöig, ravrriv de xrA. Der vers ist auf jeden 
fall überflüssig und stört, wie sich weiterhin ergeben wird, die 
strophische anordnung. Uebrigens tlieilt in der ächten Theo- 
gonie Zeus auch keine ämter aus. 

373 ad^avccTOig te d^eolai. Die stelle gewinnt nur, wenn 
man den ganz leeren und müssigen vers streicht. 

387 -neivoig d^eog in der Styx-episode 386 — 404, die auch 
aus anderen gründen fort muss, jedenfalls nicht zum alten 
gedichte gehört. 

In dem sehr jungen Hekate-hymnos 411—452 findet sich 



10 A. Fick 

viermal festes oig: ad^avaTotg re d^eotat 415, oig x sd^elriLaL 
432 und 439, toig rtaQayiyvsTUL 436. 

506 TÖlg Ttiowog. Die verse 501 — 6 sind von Göttling, 
Flach u. a. mit recht beseitigt; die Kyklopen sind der hesiodi- 
schen Theogonie ursprünglich fremd und scheinen nach Phot. 
319a Bekker aus der kyklischen Theogonie eingedrungen zu 
sein. 

628 avv ytEivoig vlytrjv. Wie hier zu helfen, ist mir nicht 
klar, da die gestaltung der Titanen-schlacht noch einigen be- 
denken unterliegt, vielleicht avv ■Kslvotai 'Kqaxog xrA. 

643 dri Tore xoig fierhiue. Hier lässt sich Tolg leicht 
durch die wähl einer anderen formel beseitigen, fällt also 
nicht ins gewicht. 

In die „unhesiodische" Schilderung der unterweit 720 — 819 
fallen veq>sXrjig %BY.ah)ix(.iEva -/.vaver^LOLV lAb und d-efie&loig 816. 

860 ev ßriaoriLOiv ^Atrvrjg uaiTtaXoeoariLg. Besser schreibt 
man Ttaijzaloiaarjg, zieht das wort also zu Idtjviqg und nicht 
zu ßr]aar]iaiv; auch sonst wird Ttairtaloeig von bergen ge- 
braucht: OQEog TtaLTcaloevTog iV 17, rc. Mlfxag hymn. Apoll. 
Del. 39, Kvvd^ov TtaiTiai^oevrog ebenda 141. 

871 d^vrfcolg (Asy ovEiaq in der partie 869 — 880 die auch 
aus anderen gründen zu beseitigen ist. 

904 Molqag d^ rjtg (alg) 7tXEiar7p>. Da die Moiren schon 
217 als kinder der nacht aufgeführt sind, kann derselbe dichter 
sie hier nicht als kinder des Zeus und der Themis bezeichnen: 
also sind 904 — 6 später zugesetzt. 

In dem jüngeren schlussstücke 930 — 1022 findet sich ^a- 
d^ioLö ivi vYiölg 990. 

Nur 538 und 540 scheint rolg in zolg ^liv — lolg de (denn 
80 ist an der zweiten stelle statt des unsinnigen twl de zu 
schreiben) in einer ächten partie metrisch gesichert zu sein, 
doch wird sich uns weiterhin eine möglichkeit ergeben auch 
hier den Widerspruch gegen die regel zu lösen, wonach sich in 
dem alten bestände der Theogonie nur oioi und aiOL {rjKTt), 
nicht oig und aig (rjig) finden. Für die bestiramung des dialects 
wird hieraus freilich nicht viel gewonnen, denn die lonier wie 
die Aeoler (ausser im artikel) bedienen sich bis späthin der 
volleren formen und auch die Dorier scheinen nach alten metri- 
schen inschriften zu urtheilen ursprünglich im hexameter die 



Die Ursprung], sprachform u, fassung d. hesiod. Theogonie. 11 

ihnen viel früher geläufigen Verkürzungen meist vermieden zu 
haben. 

Die characteristischen formen des asiatisch-äolischen dialects 
sind im ächten bestände der Theogonie ebensowenig metrisch 
gesichert, wie die der las; durch das metrum geschützt, finden 
sie sich fast durchweg nur in den jungem partien. Im alten 
zusammenhange nur: 

306 (xiyri^BvaL ev q)iX6TriTi, doch würde hier nichts im 
wege stehen fXLyrjfxev svl zu lesen. 

Nur 480 rQa(peixev azLzalXifxevai te sind infinitive der frag- 
lichen art durch das metrum gedeckt; da aber eine hs. xQE(pev 
bietet, ist vielleicht mit hinblick auf ^ 201 iifiev rgdcpav r^^ 
iysvovzo zu schreiben rifisv tqacpev lycJ' axLxaXXiqv. Der Infinitiv 
praes. tqacpev = XQäcpriv von r^aqpw = rqsq)a) würde bei dori- 
schem Ursprünge der Theogonie nichts befremdliches haben ; auf 
der delphischen inschrift CIG. 1688 steht (psQsv. 

Die infinitive k^if^ev 394, STtißriaefxev 396, efifXBvai oqxov 
400 fallen in die jüngere Styx-episode. 

500 orjix e'fxEv k^ortlou) ist l/u£v nach äolisch-poetischer 
weise aus efxfxev verkürzt, aber der vers ist gänzlich überflüssig 
und nichtssagend. 

883 ßaoLleviixev. Die partie 881 — 5 ist nicht acht. 

Andere formen sind nicht ausschliesslich äolisch, sondern 
auch andern dialecten gemein: 

Der dativ plur. auf egol ausserhalb der «tr-stämme findet 
sich 371 TvavtEOOi, 487 xeiqeoglv, 519 xsQEaGL^ 650 und 674 
Tu'rivEOOi{v), 716 ßEXsEoai, aber dieselbe endung war auch in 
Böotien und Delphi üblich, und gerade auf Delphi weisen auch 
andere momente als den entstehungsort der hesiodischen Theo- 
gonie. Vgl. CIG. 1688 TtdvtEOOL, lEQOfivaixovEaoL ^ Curtius 
Anecd. delph. 46 sfi ttccvteogl totg dycovsaai. 

Ebenso ist es mit dem epischen -d^Ev = -d-rioav in der 3 plur. 
aor. pass. Wir lesen dies Theog. 183 aTiEoav&Ev^ 639 TcaQEO%Ed^Ev 
und 674 yLccvEOtd&Ev. Dieselbe endung findet sich auf delphischen 
Inschriften: Bull. corr. hell. V p. 157—178 (saec. 2) xare- 
azä&Ev vgl. ebenda VI p. 215 dLEliyev. 

330 ist oIy£1(ov überliefert. Diese form entspricht aller- 
dings dem äolischen TtoS^rita, ddiwrua, sie lässt sich aber eben- 
falls in Delphi nachweisen: Wescher-Foucart Inscr. de 



12 A. Fick 

Delphes bieten avli^ovreg 435, 10. 442, 11 vgl. avXrjv, STtitifxijv, 
sowie axeq)av(aET(jo u. a. 

Hiernach würde ich auch 532 in rifxa agidelyterov vlov: 
%ifxa d. i. rlf-iäe lesen; contraction von ae scheint im alten 
gedieh te nicht vorzukommen, denn 170 Ttqoorivda ^rjreQa kann 
man TtQoorivöa sehr wohl offen lesen. 

Statt r^oav, k'aav scheint die ächte Theogonie nur rjv „sie 
waren" zu haben, '^aav kommt nur in den später eingescho- 
benen versen, welche die Kyklopen einführen, vor: 142. 144. 
146, k'aav nur 829 in einer Jüngern schon aus anderen gründen 
verurtheilten partie, dagegen rjv „waren" 320 und 825. riv 
„waren" ist bekanntlich dorisch, aber auch den dialecten der 
Westgriechen z. b. dem Delphischen sehr wohl zuzutrauen. 

Dem ionischen wie dem äolischen dialecte widerspricht 
gleicherweise die kürzung von ursprünglichem avg zu ag in 
Ttaoäg ede^aro (sie!) 184, '!AQ7tviäg ^AeIXo) 267, ßovXcig vtteq- 
fievi'i 534, ßovlag vuo 653 und dr\oag alvytTOTcsdaiat 521, wie 
ohne zweifei mit Herodian zu lesen ist. Diese kürzung eignete 
wahrscheinlich auch dem thessalischen dialecte, wenigstens ist hier 
die entsprechende Umwandlung von evg in eg und von rovg in 
Tog bezeugt. Auch für Delphi ist CIG. 1638 og aus ovg be- 
legt in Tog, amog acc. pl. Diese formen sprechen besonders 
lebhaft gegen die asiatische Aeolis, denn eine Verkürzung von 
aig zu ag ist allerdings völlig undenkbar. 

Die musterung der metrisch gesicherten formen in den 
kritisch unverdächtigen stücken der Theogonie zeigt unwider- 
leglich, dass der ächte bestand dieses gedichtes weder im ioni- 
schen noch im asiatisch-äolischen dialecte abgefasst war. Es 
bleiben also nur der nordthessalische, der arkadisch-kyprische 
und der dorisch-westgriechische übrig. An den ersten habe ich in 
meiner Odyssee gedacht, allein die Voraussetzung eines stetigen 
Zusammenhanges der sog. hesiodischen dichtung mit dem thra- 
kisch-pierischen gesange ist doch zu gewagt und jedenfalls 
nicht zu beweisen. Auf Kypros weist manches im inhalte der 
Theogonie hin. Der erste abschnitt derselben gipfelt in der 
hervorbringung der Aphrodite-Kypris , der herrin von Kypros, 
ja es ist der kern der ganzen erzählung, wie üranos zur Urania 
wird und der uralte liebesgott Eros, das urprincip der welt- 
zeugung, in den dienst der jüngeren liebesgöttin tritt. Dieser 
ganz o£fenbare bezug auf Kypros erklärt sich dadurch, dass es 



Die ursprüngl. sprachform u. fasBung d. hesiod. Theogonie. 13 

eine ältere von unserem dichter benutzte kypri sc he Theogonie 
gab, auf welche in B der Ilias, einer auf Kypros verfassten 
rhapsodie, wiederholt bezug genommen wird. In dieser kypri- 
schen dichtung war Okeanos der Ursprung aller dinge, der die 
erde umfassende und vom himmel scheidende ström der lüfte, 
aus dem dann himmel und erde sich absonderten. Unserem 
dichter ist der Okeanos bloss vater der gewässer, und nur in 
der hohen theogonischen bedeutung der Okeaninen blickt die 
alte Stellung des Okeanos an der spitze der weltentwicklung 
noch durch, insbesondere mag 887, die beschreibung der Okeanine 
Metis mit dem metrisch gesicherten kyprischen tde, geradezu aus 
der kyprischen theogonie entnommen sein. Bei unserem dichter 
tritt an den platz des Okeanos, des alten luftgottes, in gleicher 
bedeutung, aber unpersönlich das x«/og, das klaffen, das offene, 
lose (vgl. %avvog), der luftraum und die luftform der dinge, 
die luft in einem weiteren sinne, während z. b. bei Ibykos 28 
Bergk die luft geradezu y^äog genannt wurde. 

Auf Kreta weist die nach 476 f. dort erfolgte geburt des 
Zeus. Darum braucht die Theogonie jedoch nicht in Kreta 
verfasst zu sein; denken wir uns dieselbe in Delphi, im kreise 
der dortigen priesterschaft entstanden, so erklären sich bezüge 
auf Kreta ebensowohl, denn nach dem homerischen hymnos auf 
den pythischen Apoll (etwa 600 vor Chr. verfasst) ist das 
delphische heiligthum von Kreta aus gestiftet, eine thatsache, 
an welcher nicht wohl gezweifelt werden kann. So lassen sich 
auch einzelne anklänge an den kretischen dialect erklären, da 
eine kretische colonie ja sehr wohl einzelne kretismen länger 
bewahrt haben kann. 

227 liest Bergk statt des überlieferten sinnlosen .^^^j^ t« 
Al^iov xb sehr ansprechend Aäod-riv xe Avfiriv xe. Legen wir 
hier für das erste wort die kretische form Idd-d-a zu gründe 
und nehmen an, dass kretisches ^^ hier wie so oft in Kreta 
mit ^ bezeichnet war, so begreift sich allerdings, wie aus AA0AN 
bei der Umsetzung in das Ionische rein durch missverstand 
uirid^riv werden konnte. 

Auch i/^i'd^g, welches 229 gefordert wird, scheint kretisch 
zu sein nach ipovdla- xpevdrj bei Hesych, wo M. Schmidt viel- 
leicht mit recht „Cretes" hinzufügt. 

Auf die mundart von Delphi weist noch ganz besonders 
die stelle 538—40. Hier kann das zweimal metrisch gesicherte 



14 A. Fick 

rolg in rölg fxsv — tdlg de nicht dat. plur. sein, denn, wie oben 
gezeigt wurde, kennt die ächte dichtung nnr xoIol; auch wäre 
der ausdruck „für die einen" — „für die anderen" jedenfalls 
sonderbar, das naturgemässe wäre „hierher that er dies, dort- 
hin that er das". Dieser forderung des sinnes und Zusammen- 
hanges wird genügt , wenn wir hier rolg als correlat zu dem 
auf delphischen Inschriften vielbezeugten olg ,, wohin", z. b. in 
der formel oig xa d^eXr], fassen. 

639 ist ccQ/xaTa die bessere lesart für ccQ/xeva von dem bear- 
beiter als „speisen" (vgl. agfAuXia) verstanden, wie der von ihm zur 
erklärung beigefügte vers 640 vsAtaQ x ccf^ßQoolrj re, tcc neq 
d-eol avTol sdovaiv beweist. Aber was soll dann Ttavca bei aq- 
fiata heissen? und ferner: waren die hunderthänder nicht ebenso 
gut götter wie die andern, also ebensowohl im besitze der Unsterb- 
lichkeit, des nektar und der ambrosia? oder hatten sie in ihrem 
unterirdischen verliesse hunger gelitten und waren dadurch von 
kräften gekommen? All diesen wunderlichen fragen geht man 
aus dem wege, wenn man in agixaTa das von Plutarch als 
delphisch bezeugte wort agixa erkennt, welches „fug, gefüge" 
im sinne von freundschaft und liebe bedeutete. Der vers ak)^ 
otB dii y,SLvoiaL TtaQBOxed-Bv aQfxara Tidvra wäre dann zu über- 
setzen „nachdem jenen alle freundschaft und liebe erwiesen war". 

Die sprachliche betrachtung der Theogonie würde für sich 
allein nicht die mittel darbieten, das werthvoUe, aber nach 
allgemeinem und begründetem urtheile arg interpolierte gedieht 
in seiner ursprünglichen fassung wieder herzustellen. Ein 
zweites moment kommt helfend hinzu. Nach ausscheidung 
aller der partieen, welche durch spräche und inhalt als jünger 
erwiesen werden, tritt ganz unverkennbar die thatsache hervor, 
dass der ächte und ursprüngliche bestand der dichtung streng 
stichometrisch angeordnet war. 

Diese erkenntniss hat ihre geschichte. Zuerst versuchte 
0. F. Gruppe in der gedankenreichen schrift ,,Ueber die 
Theogonie des Hesiod" Berlin 1841 den aufbau des gedichtes 
nach Strophen nachzuweisen, und zwar sollten nach ihm die 
ältesten bestände in dreizeiligen , jüngere in fünf- und zehn- 
teiligen atrophen gegliedert sein. Wenn man sich nun auch 
fünf- und zehnzeilige Strophen neben einander gefallen lassen 
kann, so ist es doch von vorn herein wenig wahrscheinlich, 
dass ein ursprünglich und noch erkennbar in dreizeilen abge- 



Die ursprüngl. sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 15 

fasstes gedieht durch fünfzeilen erweitert sein sollte, da das 
neu entstehende ganze doch wie aus einem gusse herrührend 
aussehen sollte. Wer würde heutzutage darauf verfallen, ein 
in terzinen abgefasstes gedieht durch achtzeilige stanzen er- 
weitern zu wollen? Strophen von fünf zeilen versucht G. Her- 
rn ann De Hesiod. Theog. forma antiquissima in den opuskeln 
8. 47—68 herzustellen. Einwände gegen die annähme einer 
strophischen gliederung begründet sehr eingehend Schoemann 
Opusc. n 393 ff. so wie gelegentlich an anderen stellen. 

Zweifellos ahnte Gruppe das richtige, wenn er strophenbau 
in der Theogonie annahm; nur musste er statt drei-, fünf- und 
zehn- vielmehr drei-, sechs- und neunzeilen zu gründe legen. 
Freilich widerspricht auch das abwechselnde vorkommen von 
drei-, sechs- und neunzeilen in demselben gedichte unserem 
begriffe der strophe, welche immer die gleiche verszahl ent- 
halten muss, und so ist auch am Schlüsse meiner Odyssee der 
eigentliche kern der sache noch nicht getroffen worden. Die 
genannten kürzern und längeren strophen ergeben sich erst 
secundär als folge eines anderen princips : der dichter hat nicht 
Strophen in beliebiger zahl an einander gereiht, sondern viel- 
mehr sein gedieht nach einem einheitlichen das ganze beherr- 
schenden Zahlensysteme angeordnet. 

Der erste abschnitt reicht von 116 bis 206 und enthält 
den bericht von Uranos entstehung, Zeugungen und entmannung. 
Streicht man hier 121 , der den Zusammenhang stört und 
unpassender weise von den menschen spricht, die noch gar 
nicht da waren, 125, der sachlich ungehörig ist und den Sprach- 
fehler "EQsßei enthält, 128—30 mit Nv^cpewv 130, ferner 139 
— 146 den offenbaren einschub von den Kyklopen mit den 
sprachlichen Verstössen r^oav 142. 144. 146, teig 145 und dem 
doppelfehler ert egyoig 146, endlich 153 — 4, ersteren mit dem 
fehler in elöel, letzteren offenbar aus 421 eingedrungen, so 
erhalten wir von 116 — 166 sechsunddreissig in sechs sechs- 
zeilige strophen abgetheilte verse. 

In der zweiten hälfte des abschnittes sind die müssigen 
verse 196 (wo aq^QoyEvii), 198—200 mit den Verstössen Kv^iq- 
Qoig, KvTtQoyBvri, (pilofxf^ridrj, /xr^öeiov auszuwerfen : dann erhalten 
wir von 167 — 206 wiederum sechs und dreissig verse, die aber 
diesmal in vier neunzeilige strophen zerfällt sind. Nach aus- 
scheidung der allgemein verurtheilten verse 207 — 10 folgt nun 



16 A. Fick 

die nachkommenschaft der nacht, in welcher sich das geschlecht 
des Chaos fortsetzt 211—232. Werfen wir das anerkannt 
jüngere emblem 218—20, den noch allgemeiner verurtheilten 
Ters 224 und den wegen avvrid^mg (/^d-og) sprachlich unmög- 
lichen 230 aus, so bleiben achtzehn verse übrig, welche deutlich 
in drei sechszeilige Strophen zerfallen. Die Strophenanfänge 
211 und 217 enthalten in Moqov y,al KrJQa und Moigag xat 
KriQag eine beabsichtigte parallele, die dritte strophe von 226 
ab ist ganz der nachkommenschaft des nachtkindes Eris ge- 
widmet. 

Die verse 234 — 281 zählen das geschlecht des Pontos auf. 
Hier ist zunächst 234 mit 235 zusammenzuziehen, und das 
Nereiden-verzeichniss, gebildet nach dem ähnlichen in der Ilias 
2" 40 f. und in einzelnen punkten darnach zu berichtigen, als 
jüngerer zusatz zu streichen. Dasselbe ist offenbar durch das 
verzeichniss der Okeaninen 349 — 361 veranlasst, aber diese 
sind theogonisch bedeutsame wesen, während die alte dichtung 
keine Nereiden als einzelwesen kennt: wenn 930 die Nereide 
Amphitrite, offenbar mit bezug auf unser verzeichniss, wo sie 
im ersten verse 243 genannt ist, als gattin des Poseidon er- 
scheint, so ist das eben nur ein beweis mehr für die spätere 
abfassung des schlusstückes der Theogonie. 240 scheint mir 
HeyriQiTa nicht [xeyrJQaTa die richtige lesung: /ueyriQiTa heisst 
„zahlreich", vergleiche vi^QtTog, STtriQiTog, fxevrjQiTog und ist 
mit -aqiTog „gezählt, zahl" (vgl. ocQtd^fxog) zusammengesetzt, 
welches auch im germanischen hund-red ,, hundert" erscheint, 
und zu lat, reri rätus gehört. Durch ueyriQLxct „zahlreich" als 
beisatz zu xe^va d^edwv ist die folgende auf Zählung eigentlich 
ausgeschlossen. — Weiterhin sind die traurigen verse 268 — 9 
mit dem Verstösse wxe/ijtg, die noch traurigeren 271—2 und 
der wegen IV ^Eanegideg {FeaTteglöeg) sprachlich unmögliche, 
ausserdem auch völlig überflüssige vers 275 auszuscheiden. Die 
verse 277 — 9 sind in manchem betracht verdächtig: i'r^v und 
ayriQw Verstössen gegen die spräche der ächten dichtung; auch 
ist durch die Sterblichkeit der Medusa zwar die ihrer nach- 
kommen begründet, aber ihre eigne Sterblichkeit bleibt uner- 
klärt, der dichter hätte daher besser gethan, die sache gar 
nicht zu berühren. Auch war es wohl die meinung des alten 
mythos, dass Chrysaor und Pegasos mehr durch theilung des 
Wesens der Medusa als durch gehurt aus dieser hervorgegangen. 



Die ursprüngl. sprachform u. Fassung d. hesiod. Theogonie. 17 

Ich meine, die versa sind zu streichen und 280 — 1 dafür einzu- 
setzen. Dann erhalten wir mit den obigen athetesen 233—281 
achtzehn verse, welche in drei sechszeilen das ältere geschlecht 
der Pontes vorführen. 

Das jüngere, die nachkommen des Chrysaor enthaltend, 
wird von 282 — 33G behandelt. Die ersten verse 282 — 6 sind 
mit Wolf zu streichen aus gründen, welche man bei Flach 
angegeben findet; übrigens hängt die Vorstellung des blitze 
bringenden Pegasos mit den blitze schmiedenden Kyklopen zu- 
sammen, welche die ächte Theogonie nicht kennt. — Der 
rest des abschnittes von 28G ab bis 336 lässt sich ohne mühe 
in sechs sechszeiligen Strophen unterbringen, obwohl die ein- 
schiebsei ziemlich zahlreich sind. 

291 — 2 müssen nothwendig fallen, weil sie nicht zum 
vorhergehenden passen: der dichter kann nicht gesagt haben 
„Herakles tödtete den Geryoneus in Erytheia — also jenseits des 
Okeanos — an dem tage, als er die rinder des riesen nach 
Tiryns trieb". 

Der abschnitt von der P^chidna 295 — 300 liegt, wie Her- 
mann erkannte, in einer doppelten recension vor. Ich folge 
Flach, indem ich die von ihm p. 40 gegebene erste fassung 
als die ursprüngliche betrachte. Dann muss nothwendig 307 
im folgenden abschnitte fallen, weil nach der adoptirten fassung 
der Strophe von der Echidna diese eine einfache schlänge ohne 
mädchenkopf war; auch ist Typhoeus erst in späterer Vor- 
stellung wie in dem emblem 869 f. ein windgott „avefAog". 

In der Chimaira-strophe muss von den beiden auch in der 
Ilias Z 181 f. vorkommenden versen nothwendig der zweite 324 
fehlen, weil sein inhalt schon in 319 enthalten ist; dagegen 
kann 323 = Z 181 geduldet werden, weil er etwas neues, 
nämlich die art der anordnung der drei köpfe angiebt. 

In der letzten strophe muss 331 fallen, weil sonst zweimal 
— vgl. 329 — berichtet wird, dass der nemeische löwe in 
Nemea gehaust habe. Der an sich unanstössige vers, welcher 
localkenntniss verräth, wird einer Heraklie entnommen sein. 

333 — 5 enthalten einen nachtrag an falscher stelle mit 
den fehlem yeivarö deivov und egeiuvöig; endlich 335 ist einer 
der gewöhnlichen müssigen abschlüsse. 

Die bisher betrachteten abschnitte bilden den ersten theil 
oder das erste buch der Theogonie. Dasselbe umfasst die 

Beiträge z. künde d. indg. sprachen. Xn. 2 



18 A. Fick 

geschlechter des Chaos, Uranos und Pontos und enthält insge- 
sammt hundert und vier und vierzig verse. Diese sind zunächst 
in zwei hälften zu je zwei und siebenzig versen zerlegt, so dass 
zwei und siebenzig verse entstehung, geschlecht und geschick 
des Uranos enthalten, zwei und siebenzig verse das geschlecht 
der nacht (Chaos) und des Pontos darstellen. Der erste ab- 
schnitt zerfällt wiederum in zwei hälften zu je sechs und dreissig 
versen, deren erste in sechs sechszeilen, die zweite in vier neun- 
zeilen zerlegt ist. Die zwei und siebenzig verse der zweiten 
hälfte des ersten buches enthalten in sechs und dreissig versen 
das geschlecht der nacht (Chaos) und das ältere geschlecht des 
Pontos, jedes in drei sechszeiligen Strophen, in wiederum sechs 
und dreissig in sechs mal sechs zerlegten versen das jüngere 
geschlecht des Pontos, an dessen spitze Chrysaor steht. 

Hiernach beruht der aufbau des ersten buches nicht auf 
einer durchgeführten anordnung in sechs- und neunzeilige 
Strophen, sondern auf der regelmässigen zerfällung einer grund- 
zahl — 144 — welche zugleich die gesammtsumme der verse 
des ganzen buches ist. — 

Das zweite buch der Theogonie enthält das geschlecht der 
Titanen oder des Kronos und seiner fünf brüder. Zunächst 
das des Okeanos 337 — 370. Diese partie ist durch die ein- 
schiebung des Verzeichnisses der flüsse 338 — 345 übel entstellt. 
Man muss sich wundern, dass ein so albernes mach werk, das 
noch dazu nicht einmal original ist, sondern aus der aufzäh- 
lung der flüsse der Troas im anfange von Ilias M erweitert 
ist und sich mit einiger kenntniss der geographie in's unend- 
liche hätte ausdehnen lassen, dazu mit Sprachfehlern wie 
^^X^^^ov und ^L^ovvxa behaftet ist, dem dichter der Theogonie 
hat zugetraut werden können. Alles kommt ins gleiche, wenn 
man 337 unmittelbar mit 346 verbindet, wobei dann auch die 
beabsichtigte unmittelbare folge von xixe und r/xre wieder 
hervortritt, 348 ist müssig und muss schon wegen üoTaixolg 
fallen, ebenso sind 364 — 70 zu streichen, wenn man nicht vor- 
zieht 365 — 6 statt 362 — 3 einzusetzen. Unter den gestricheuen 
versen ist 366 völlig leer, 369 mit einem falschen hiat in ccvöqI 
iviOTceiv, 370 mit dem Verstösse «taaro/. caaaiv (flaaaL) be- 
haftet. 

Nach vornähme dieser ausfegung bleiben achtzehn verse 
für das geschlecht des Okeanos, welche sich nicht weiter zer- 



Die ursprüngl, sprachform u. Fassung d. hesiod. Theogonie. 19 

legen lassen; sie bestehen aus zwölf inneren versen, welche das 
verzeichniss der Okeaniden enthalten, drei einleitenden und drei 
abschliessenden versen; insgesammt bilden sie eine strophe von 
achtzehn versen, entsprechend den achtzehn folgenden versen, in 
welchen die nachkommen von drei anderen Titanen, Hyperion, 
Krios und Koios, abgethan werden, wobei der dichter, offenbar 
mit absieht, die 134 gegebene reihenfolge: Koios, Krios, Hy- 
perion — umkehrt. 

Um den ächten bestand der partie 371 — 452 wieder zu 
gewinnen, haben wir zunächst den müssigen vers 373 mit dem 
Sprachfehler ad-avavoig auszuwerfen; 381 — 2 sind schon durch 
den Verstoss in '^EioatpoQog verurtheilt, mehr noch durch die 
erkenntniss , dass der '^OTgatog dem homerischen ^l'olog ent- 
spricht, also nur windgott ist; sein name konnte ja leicht 
anlass geben, ihn auch zum vater der gestirne zu machen. 

Die Styx-episode 386—403 passt durchaus nicht in den 
plan des alten gedichtes und ist durch die Sprachfehler dg av 
391, k^sfisv 394, STtißrjoifAev 396, efxixevai 400 gerichtet, wo- 
gegen allerdings die Verkürzung in i^BTavaiizäg eivac der spräche 
des ächten bestandes entspricht. Die leeren und zweimal mit 
f.ielXLxov alel in 406 sinngleichen verse 407 — 8 wird man gerne 
missen; endlich ist 410 mit einem anderen Schlüsse, etwa 
y,y(,alXt7rdQaLov'^, zu versehen, da der angeknüpfte Hekate-hymnos 
411 — 452, wie allgemein anerkannt, ein jüngeres mach werk ist, 
nach Otfrid Müllers höchst wahrscheinlicher vermuthung 
von Kerkops dem Milesier (ca. 500 v. Chr.) herrührt, der auch 
sonst die hesiodische dichtung redigiert und ins Ionische um- 
gesetzt zu haben scheint, für Hesiod also vielleicht dasselbe 
war, was Kynaithos für Homer. 

Nach vornähme dieser Säuberungen bleiben uns für das 
geschlecht der drei Titanen Hyperion, Krios, Koios achtzehn 
verse, welche ganz regelrecht in sechs dreizeilige Strophen ge- 
brochen sind, deren eine auf Hyperion kommt, während drei 
auf Krios und zwei auf Koios entfallen. 

Die verse 453 — 500 enthalten die Zeugungen des Kronos, 
der hier die fünfte stelle vor lapetos einnimmt, während 134 
— 138 lapetos an fünfter, Kronos an letzter stelle genannt ist. 
Der grund der änderung liegt auf der band : der dichter beab- 
sichtigt, das zweite buch mit den lapetiden und dem Prome- 



20 A. Fick 

theus-mythos abzuschliessen , dieser aber setzt Zeus' herrschaft 
schon voraus. 

Die ganze partie lässt sich leicht wieder auf ihre ursprüng- 
liche fassung in sechs sechszeiligen Strophen zurückführen; man 
hat nur eine reihe von ganz offenbar verkehrten und müssigen 
versen zu streichen. 

465 ist ganz überflüssig, 470 leistet an leerheit das kaum 
glaubliche, 473 mischt ungehöriges zu, denn kaum geborene 
kinder haben keine Erinnyen, endlich 476 scheint für einfältige 
zugesetzt zu sein. Für die athetese von 481 — 4 mit dem Sprach- 
fehler OQSi 484 ist bereits oben das nöthige bemerkt, 486 ist 
schon wegen ixty ava%TL (fava-Kzi-) unmöglich, endlich 494, 
496 und 500 sind gänzlich müssig, der letzte vers noch mit 
dem Verstösse e'fisv, äolisch poetisch für k'f-if^ev, behaftet. 

Nach ausscheidung der auf die Kyklopen bezüglichen verse 
501 — 6 mit dem sprachlichen Verstösse rolg in tolg Ttlavvog 
506 beginnt mit 507 das geschlecht des lapetos, des letzten 
der Titanen. Dieser abschnitt lässt sich bis zum verse 570 
ohne mühe in sechszeiligen Strophen gestalten, man hat nur 
wenige theils müssige theils mit fehlem gegen die spräche des 
ächten gedichtes behaftete verse auszuscheiden. 

In dem ganz überflüssigen verse 518 ist in jtqÖTtaQ ^Earce- 
QLÖtov das digamma in FeOTVEQidcov verletzt, ebenso in dem 
gleichfalls unnöthigen 543 das in fava§. 550 ist mit 553 zu 
dem verse: (prj ^a doXocpQovitov' Zevg d^ eiXero Ievxov aXeiipa 
zu verbinden; was dazwischen liegt ist aus epischen phrasen 
zusammengeflickt um die thatsache zu verdecken, dass im alten 
gedichte Zeus von Prometheus betrogen war, was sich einer 
späteren zeit nicht mit der Weisheit des höchsten gottes zu 
vertragen schien. Die ehrenrettung des Zeus ist nun freilich 
doch nicht geglückt, denn wenn in der jetzigen fassung seine 
einsieht auch gewahrt ist, so erscheint er nach 551 f. /.axa 
<J* oaasTO d-v^ioi \ dyi^vöig avü^QWTtoiaL einfach boshaft; auch 
widerspricht dem jetzigen texte völlig 554 f. , wonach Zeus in 
hellen zorn über die täuschung ausbricht. — 559 ist jedenfalls 
müssig, auch liegt ja eine anrede schon in w Trenov 560; 
müssig sind auf jeden fall auch 561, 564 und 568. 

Nach vornähme dieser wenigen ausscheidungen entstehen 
507 — 569 neun sechszeilige ?frophen; dagegen ist die partie 
YOü 570 — 616 zur vervollstäuaigung der erzählung vom Prome- 



Die ursprüngl. sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 21 

theus gar nicht zu gebrauchen, weil hier der sinn des alten 
mythos gar nicht mehr verstanden ist. Von 570 ab wird näm- 
lich unter der yvvri Tvlaatiq das menschliche weib, die Eva, ver- 
standen und darauf hin nach der weise der lonier von Archi- 
lochos bis Hipponax allerlei misogynes gerede verführt. Der 
alte dichter verstand unter der rcXaoTri yvviq vielmehr das trüge- 
rische bild einer götterfrau, etwa wie Zeus dem verlangen des 
Ixion statt der Hera ein wolkenbild derselben, eine veffslt], 
unterschob. Nur hier hat meines wissens yvvi^, welches besser 
rvviq geschrieben würde, die bedeutung des lautlich entspre- 
chenden vedischen Gnd, welches oft zweisilbig, also etwa Gtnd 
oder Günä zu lesen ist. Gnä, Gtnä heisst „götterweib" und 
wird oft mit devapatni „götterfrau" verbunden, wie ja die 
griechische götterfrau auch Ttorvia oder rtorvia d^ea genannt 
wird. Das götterweib aber, welches den Epimetheus berücken, 
oder den Promutheus zum Epimetheus machen soll, ist eine 
TtXaocri^ ein blosser spuk und trug, ein gespenst, nur dazu 
geschaffen , um etwas dem Prometheus und den von ihm ver- 
tretenen menschen verderbliches auszuführen, wie etwa der 
trügende träum in Ilias B nur zu Agamemnons bethörung in 
das dasein gerufen wird, welches er nach ausrichtung seines 
auftrags alsbald wieder verliert. Was ist es nun, das die Fvvri 
Ttlaofti ausrichten soll? Die antwort wird uns in den hesio- 
dischen Erga 70 — 95 gegeben. Der Pandora-mythos findet sich 
bekanntlich auch in den Erga, ist hier aber nicht am platze, son- 
dern aus der Theogonie übertragen, so jedoch, dass während dort 
die ersten drei viertel der alten erzählung wesentlich intact 
blieben, in den Erga das letzte viertel in erträglicher gestalt 
aufnähme fand. Das Stichwort, womit das letzte viertel in den 
Erga an die vorgängigen drei in der Theogonie anschliesst, ist 
avTLAa in 570 der Theogonie = avtl/.a in 70 der Erga. 

Aus Erga 70 — 95 lassen sich drei nach sinn und form 
genügende Strophen zur Vervollständigung der geschichte der 
lapetiden bilden, wenn man 76 — 82 als auf Pandora als die 
Eva, die starammutter der menschheit, bezüglich auswirft und 
92 mit dem Sprachfehler ciQyaXecöv für ccQyaXeacDv , sowie den 
aus der Odyssee 19, 360 unpassend eingeschobenen vers 93 
streicht. Dann fehlt der letzten strophe nur der schlussvers, 
den ich aus Erga 99 entnommen, freilich ohne gewähr dafür 
zu übernehmen. 



22 A. Fick 

Die erzählung von Prometheus hatte hiernach den sinn: 
götter und menschen, letztere vertreten durch Prometheus, der 
sie wohl aus thonfgeformt hatte, hatten ursprünglich gemein- 
same mahle und einen heerd. Sie scheiden sich zu Mekone. 
Zuerst soll der rechtliche antheil beider am früher gemein- 
samen mahle, d. i. am opfer bestimmt w^erden. Da betrügt 
Prometheus, im Interesse seiner Schutzbefohlenen, den Zeus. 
Darüber erzürnt will Zeus bei der entscheidung über den 
antheil beider an dem früher gemeinsamen heerde den menschen 
nicht den selbständigen besitz des feuers gewähren. Aber Pro- 
metheus stiehlt das feuer für seine geschöpfe. Darüber er- 
grimmt Zeus noch mehr und lässt Hephaistos das bild einer 
götterfrau anfertigen, einer Fwi^ rcorvia, dem er als seele die 
Weisung eingiebt, im hause der lapetiden das fass zu öffnen, 
in welchem die übel eingeschlossen lagen. Die Vorstellung von 
den beiden mit gutem und bösem angefüllten fässern findet 
sich auch in der Ilias, in der erweiterung der Menis Q 527 — 33. 
Hier ist Zeus der xuixiag, aber da in der Theogonie Prometheus 
den menschen vorsteht und sie unter den göttern vertritt, hat 
er für seine menschen, als raixiag ihrer geschicke, die ent- 
sprechenden fässer in seinem hause und hier ist es denn, wo 
der spuk, im besitze der hausfrauenmacht , den deckel vom 
übelen fasse abhebt und — herausfahren die übel wie die winde 
aus dem schlauche des Aiolos und liegen nun über den men- 
schen. So betrachtet, ist die erzählung einfach und sinnreich, 
lässt sich auch trotz der etwas knappen fassung wohl verstehen, 
wenigstens von solchen, die mit den anschauungen der alten 
mythen etwas vertrauter sind, 

Trilft unsere Wiederherstellung des lapetos-abschnittes zu 
zwölf sechszeiligen Strophen das richtige, so enthält das zweite 
buch, welches die Titanen, Kronos und seine fünf brüder be- 
handelt, wie das erste, insgesammt einhundert und vierundvierzig 
verse. Diese sind so vertheilt, dass auf lapetos die zweite 
hälfte, also zwei und siebenzig in zwölf sechszeilen entfallen. 
Auf die übrigen fü-af Titanen kommt die erste hälfte des 
buches, also ebenfalls zwei und siebenzig verse, und zwar fallen 
auf Okeanos und die drei anderen Titanen ausser Kronos und 
lapetos sechs und dreissig, auf Kronos die gleiche zahl von 
versen. Diese zahlen sind wieder so eingetheilt, dass auf 
Okeanos achtzehn, ebenso viele auf Hyperion, Krios und Koios 



Die Ursprung], sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 23 

kommen; aber die achtzehn verse für Okeanos bilden eine 
Strophe, während die achtzehn verse, welche den drei folgenden 
Titanen gewidmet sind, sich deutlich in sechs dreizeilen gliedern. 
Die sechs und dreissig verse für Kronos sind in sechs mal 
sechs zerfällt, während die zwölf mal sechs verse, welche auf 
lapetos fallen, wiederum dem sinne nach in drei gleiche theile 
zerlegt sind, so dass vier und zwanzig verse auf die erzeugung 
und die geschicke der lapetiden, ebenso viele auf Prometheus 
ersten betrug, endlich wiederum vier und zwanzig auf Prome- 
theus neuen betrug und Epimetheus überlistung entfallen. 

Das dritte buch der Theogonie beschäftigt sich mit den 
Kroniden, Zeus und seinen geschwistern. Der erste abschnitt 
617 — 719 enthält die Titanomachie , der zweite 820 — 868 die 
bewältigung des Typhoeus, der dritte 886—929 die Zeugungen 
des Zeus und der Hera. 

Der Titanen-kampf ist durch allerlei müssige einschiebsei, die 
sich jedoch meist leicht als solche erkennen lassen, entstellt. So 
enthält 619, mit welchem auch 620 fällt, die Verstösse dyw(A.evog 
und rißs yial elöog (J^eidog); 623 ist müssig, ebenso 634, 
während die genaue Zeitangabe in 635 — 6 sich nicht mit dem 
drjQov in 629 verträgt. 638 enthält in ovöeregoig laov in jedem 
falle einen Sprachfehler, mag man nun ovösrigoig flafov oder 
ovÖETSQOiö' loov lesen; der vers kann sehr wohl fehlen. 640 
ist blosse erläuterung zu dem missverstandenen aQfxara des 
vorhergehenden verses, 642 schon von Wolf und anderen aus- 
geworfen. Der standvers 645 ist müssig und mit dem fehler 
0(pQ iiTtia {feiTto)) behaftet. 663 kann unbedenklich fehlen, 
auch ist Tlt^glv für TiT'^veoai bedenklich, wenn auch an sich 
nicht unrichtig. 671 — 3 stammen aus 150 — 2. Vers 676 ist 
bereits von Göttling ausgeschieden. Die gründe für die 
Streichung von 696 — 710 sind bereits oben angegeben. 

Nach vornähme dieser Sichtung bleiben zwei und siebenzig 
verse, welche sich deutlichst in acht neunzeilige Strophen glie- 
dern, nur dass zwei derselben von 664 — 685 zu einer acht- 
zehnzeiligen strophe verbunden sind, was kein bedenken hat, 
da wir achtzehn Zeilen und damit der halbirung der grundzahl 
sechs und dreissig auch sonst begegnen. 

Der kämpf mit Typhoeus bildet sechs sechszeilen, wenn 
man ein paar sprachlich verkehrte und müssige verse aus- 
wirft. 826 — 9 sind überflüssig, da man sehr wohl iieq>aXai 825 



24 A. Fick 

unmittelbar mit jravTolrjv ort Xüaai 830 verbinden kann, und 
durch die sprachlichen Verstösse lEkEiy^^öxEc,, d^eüTtealrjig, na.- 
aecDv, y.€q)alkov, saav und deivriig gekennzeichnet. 846 ist 
schon von Wolf und Hermann ausgeschieden, 849 kann 
jedenfalls fehlen, 850 — 2 sind von Wolf und anderen verurtheilt. 

Nicht minder enthält der letzte abschnitt 886 — 929, Zeus 
Zeugungen enthaltend, sechs und dreissig, regelrecht in Strophen 
zerfällte verse. Man hat nur wenige und schlechte verse zu 
tilgen. 

898—900 sind ganz öde, 900 schon von Heyne und Wolf 
gestrichen. 904—6 müssen fallen, obgleich sie eine richtige 
dreizeilige strophe bilden, weil die Moiren schon 217 und zwar 
als kinder der nacht genannt sind, sowie wegen des sprach- 
lichen fehlers rjlg (für alat), 910 — 11 sind überflüssig und ent- 
halten die verkehrte form zwv (Tetov) für xdwv. 

Nach dieser bereinigung enthält der abschnitt 886—929 
im ersten drittel zwei sechszeilige Strophen, während die vier 
und zwanzig verse der letzten beiden drittel in acht dreizeilen 
zerlegt sind. Das ganze dritte buch umfasst wiederum wie 
das erste und dritte einhundert vier und vierzig verse. 

Die gesammte ächte Theogonie besteht nach ausweis der 
vorstehenden betrachtung aus vierhundert zwei und dreissig 
Versen. Diese sind auf die drei bücher — vom Uranos, Kronos, 
Zeus — gleichmässig vertheilt, so dass auf jedes buch ein- 
hundert vier und vierzig verse kommen. Diese sind wieder je 
in viermal sechs und dreissig zerlegt und zwar so, dass immer 
zweimal sechs und dreissig, also zwei und siebenzig verse in 
jedem buche eine grössere zusam.menhäugende erzählung bilden, 
während der rest in je zwei abschnitte zu je sechs und dreissig 
Versen zerfällt. Die weiteren brechungen der zahl sechs und 
dreissig geschehen durch halbierungen zu achtzehn und neun 
und durch die Wurzelzahl sechs, sodass die anordnung zu sechs 
mal sechs entsteht , welche bei weitem die häufigste ist. Die 
gliederung in dreizeilige Strophen endlich beruht wieder auf 
der halbierung der Wurzelzahl sechs. Das oberste zahlenprincip 
ist demnach zwölf mal sechs und dreissig, zerlegt in drei drittel, 
mit regelrechten brechungen der grundzahl sechs und dreissig, 
wie es das folgende Schema verdeutlicht: 



Die ursprüngl. sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 25 

A. 

6x6 + 4x9 (= 72 == 2 X 36) und 3 X 6 + 3 x: 6 (= 36) 

und 6x6 (= 36) = sa. 144 (= 4 x: 36). 

B. 

18 + 6 X 3 (= 36) und 6 X 6 (= 36) und 12 X 6 (=- 72 

= 2 X 36) = sa. 144 (= 4 x 36). 

C. 

4 X 9 + 2 X 18 (= 72 = 2 X 36) und 6 X 6 (= 36) und 

2 X 6 + 6 X 3 (= 36) = sa. 144 (= 4 x 36). 

Man könnte fragen, ob ein so folgerecht durchgeführtes 
zahlenspiel dem griechischen geiste gemäss sei oder nicht viel- 
mehr auf einer anregung des Orients beruhe, und so mag daran 
erinnert werden , dass die zahlen , welche die Babylonier für 
ihre zeiteintheilung verwendeten, eine auffallende ähnlichkeit 
mit dem zahlenspiele in den versen der Theogonie — 6 X 6 X 
12 = 432 — zeigen. Die Babylonier rechneten nämlich nach 
gewissen jahrescyklen , sossen von 60 , neren von 600 und saren 
von 3600 Jahren und bestimmten die urzeit bis auf Xisuthros 
auf 432,000 Jahre (vgl. Duncker Gesch. d. alterth. I 180. 
187). Die grundzahl in diesen babylonischen cyklen ist offenbar 
360, entnommen der zahl der Jahrestage, welche wieder nach 
den monaten auf 12 X 30 beruht. Mit dieser so entstandenen 
babylonischen grundzahl 360 stimmt nun allerdings die der 
hesiodischen Theogonie, 36, nicht ohne weiteres, allein diese 
kann doch sehr wohl aus der grösseren durch theilung mit 10 
entstanden sein, wie die babylonische sare zu 3600 auf der 
Vervielfältigung von 360 durch 10 beruht. 

Wenn das von mir in der hesiodischen Theogonie nach- 
gewiesene Zahlensystem wirklich auf eine einwirkung des Orients, 
insbesondere Babylons, zurückzuführen ist, so war es höchst wahr- 
scheinlich Kypros, wo derartige zahlenspiele ihren weg aus der 
babylonischen in die griechische cultur fanden, denn auf Kypros 
weisen die spuren einer älteren Theogonie, an deren spitze Okea- 
nos stand, und die insel war ein volles Jahrhundert 715 — 606 
v. Chr. der herrschaft der Assyrier unterworfen, deren cultur 
die von Babylon war. 



26 A, Fick 



Qsoyovla. 
u4.. Ta jteqI Xdovg, Ovgavov, Hovtov. 

H TOI i^ev TtQWTiara Xdfog yevez , avtäg STteita 116 
Fol EVQvareQvog, Ttavxijüv eöog ctocpaXeg ai/el 
d&favaTCüv, oc e'xovti xdga viq)6/€VTog ^OlvfiTtco 
taQxaqa. x ctfeQOfevra [xv%ol x^ovog evQvodelag, 
Tjd Eqog, og y,dXXiaTog sv ccd-favctTOioi. d^eoloi 120 

6 dd(xvaraL Iv oz^d^eoGi vöj-ov Aal ETcicpQOva ßcoldv. 122 

E% XaJ^eog ö ^'Egeßog re fisXaivd ze Nv^ syevovzo, 
Nvyizbg d' avz^ ^Id^riQ ze yial t^f^iga s^eyivovzo' 
Faia de zoi tvqwzov [xev syiqvazo fia/ov ccTtdvzr] 126 

'Qgavov aozegofevd- , iva viv Ttegl Ttdvza y,aXv7tzoi ' 
a öi %al dzQvyezov rtiXayog zeyie, ol'df.iazi d^vov, 131 

12 IIovzov, azEQ g)iXözazog icpifxeQco, avzdq hteiza 

^QgavwL EvvaS^rjaa reV ^Qy,Eav6v ßa^völvav, 

Koij-6v ZE KqIoV ^ , "YTCEQLOvd Z ^lauEZOV ZE, 

GeIuv ze '^PeIüv ze, Qi(A.iv ze Mvafxoavvav ze, 135 

(Doißav ZE xQVGoozeq)avov Tiq^vv z sQazrjvdv 

zwg öi f.i€d^ OTtXozazog yivEZO Kqovog dv'/.vloidiqzag, 

18 öfEivozazog Tiaflöiov d^alEQov S* rj/^a^€ zoy.rl/a. 

uiXXoi d* av Falag ze %al ^^Qavw s^ eyevovzo, 147 

ZQrjg TtdfiÖEg f^EydXoL ze yial oßqi^ot ova. ovofAaazoi 
Kozzog ZE BQifaQEvg ze Fm^g d^, v7TEQiqg)ava zeyiva' 
zcov s^azov fxev /%£? dyt tofxiov dflaaovzo 150 

anXazoi, %EcpdXai ds fEA,doziOi TVEvziq-aovza 

24 «^ io/n(ov S7CE(pvy,ov S7tl azißagotoL f^eXsaai, 

ö/Eiv6zazoi TTa/lSwv, OfpEziqwL ^ zixd^ovzo zo^r^J^i 155 
€^ aQ%ag, yial zwv fiiv OTtiog zig ttqwzu ysvoizo 
ndvzag arto'AQVTtzEOXE — ytal iv cpdj^og ova aviEaxs — 
Faiag iv y,ev&fiwvi., xaxwt ö' STtEZEQTtEzo fegycoL 
^Qgavog' a S* ivzbg ozEva^itEzo Faia tveXioqu 

30 azEvfofieva' öoXiav öi Aarmv icpQaaaazo ze'xvav. 160 

u4.i\pa öi TtOLfi^aaaa yivog TtoXico dödfxavzog 
ZEv^E fxeya ÖQertavov •Aal ircicpQaÖE rcaiol cpiXoiaL' 
S^UTiE öi d^aQavvcoaa, cpiXov ZEZirjfxiva tjzoq' 

„TtaXÖEg ifiol ytal Ttazqog azaa^dXw, ai x s&sXijte 
TtEid^Ea&ai, Ttazqog xa auauv ZELoalfMEd^a Xwßav 165 

36 vfiEztQM' TCQozEQog yaQ dj^ELAea fiiqaazo fiqya*^. 



Die ürsprüiigl. sprachform u. Fassung d. hesiod. Theogonie. 27 

£2g (fdro, tiog d^ aga Ttavrag eXe öfsog, ovde rig avtwv 
g)^€v^aTO' d^agoT^aag de fxiyag Kqovog avAvXo^riTag 
axp avrig f.iv&oiaL nordvöaB f-iarega xeövciv' 

„f.iaT€Q, iyiüv ya y.a zovro VTcoaxo fievog reXiaaifiL 170 
fiqyov, krtsl natgog ya övatüvvf.io} ov% dXeylCo) 
af.ieT€Q(jü' TtQOTEQog yocQ afEixta firiaaro fsQya^'. 

wg (pdxo' yäd^r^oe di ixeya (pqaal Fala TtelwQa. 
rjooe ÖS VLV XQvipaaa X6x(oc' evsd^rf/ie de x^Qf' 
45 aqrtav yiaQxaQoöovra' doXov (J* vTied^r[/iaTO rtdvra. 175 

Hv&e öi vvY,T 87tdyo)v f^iyag Qgavög, dfx(pi de Faiat, 
i/ni^Qtüv cpiXoraTog eTtiaxevo '/.al q ezavvaS^rj 
rrdvzri' o (J' Ix Xoxeolo ndj^ig wqe^ato %riQ^ 
aA.aiJ^äif de^iTBQai öi TteXwqiov r^Xaßev aqnav, 
fxa-KQCiv, xaQxoQGÖovra, (piXo) ö^ arto (xr^öea. Ttatqog 180 
ioav/nivcog ocfxrjae, TtäXiv S s/giipe epigead^ai 
i^OTtlaiü' zd fisv ov n srcaaia ^/.cpvye XVQ^S' 
oaaai ydq fga^diiivyeg drtioovd-av aifiaxofEoaaL 
54 TtüOag eöe^ato Fala ■ TteQiTtXofisviov ö' eviavrwv 

yrivar ^Egivvg re ^Kgaregdg fxeydXiog tb rlyavtag, 185 
tevxeai Xa(.i7tofxev(jüg, öoXix svxbu x^Q^f^^ sxovrag, 
vvfucpag ^ ag MeXiag xaXsovr sn aTti^gova yalav 
liiiqÖEa ö cog to jtgcoTOv dnoTf-id^ag dödfiavri 
yidßßaX OTt aniigoio TtoXvyiXvaTCüL svl ytovroi, 
log (pEQEz^ afXTciXayog TtoXXbv xQovov, df.i(pl Ö8 XEvy,6g 190 
dg>Q6g drc dd-favdxio XQOfog wqvvto' twl 6* svl y-oq/o 

sd-QStpd^t]' TtQlOTOV ÖS KvdrjQOlÜL ^ad^soioi 
63 STtXax , svd-Ev srcELTa tceqiqvxov %'aexo Kvttqov. 
jEx ö sßa alödta yiaXd d^Eog, dixcpl öi rcoia. 
Ttoaolv VTto fgaöivolaiv dfs^Exo' xdv ö^ ^^(fgoölxav 195 
■M'AXriiayiovxL d-sol xe xal dvsQsg [acpQoysvEiav]. 197 

xat d' Egog wi-idQxriOE Aal "ifXEQog sotvexo %aX6g 201 

yiyvof.iivai xd Ttgwxa d^EWv x sv (pvXov Iwaai. 
xavxav ö' i^ aqxag xifxdv s'xel riöi XsXovxe 
fxolgav SV dvd^QOJTtOLOi xat dd^/avdxoLOi ^EÖlcf 
Ttag^Eviajg x' o/dgiog fxELÖdfxaxd x s^aTtdxag xe 205 

72 xsQXpiv XE yXvyiEQUv cpiXoxaxd xe i^rjXixiav xe. 



28 A. Pick 

Nv^ d' «Vexe atvySQOv re Moqov itat Kaga fielaivav 21 1 
xat QfdvuTov, tsvie J' ^YTtvov, etiKre de cpvXov 'Ovaigcov 
öv tivi y,oiiuad^rjoa d^ea riyie Nv^ igsßrp^d. 
ÖBVTBQOv av Maif^ov y,al ^Ofl^vv dkyivofeffaav, 
FeüTtEQidag ^', aiaiv te Tteqav yXvxw ^Q/.€avolo 215 

78 xQVGEa fxaXa [ifXovtl (psqovid te devÖQEa 'Aagnov. 
Kai Moiqag Y,al KoQug Eyqvaxo vrjXEfOTtolvcog, 
a% t dvÖQWv TE d-Ewv TE Ttaqaißaaiag icpsTtovTC, 220 

ovde Ttoyia X^yovTi &Eal d/Eivölo xoXoio, 

TtQLV y OLTtO Ttüi dcoCOVTL '/MY-CCV OTZLV, og Tig tti-iaQTrii. 

TiXTE de '/.al Nsi^eaiv, Ttrj^a d^vazoioi ßgoTolat, 
84 rrjgdg t coXo/jevov, xal ^'Eqlv texe xagTEQod-v/dOV. 225 

AvTaq ^Egig OTvyEqd. te%e ^iev IIövov dXyivö/EVTa^ 
yid&^av TE uivfidv te 'Aal ^.AXyEa 6a.y.QV0j^EVTa, 
'^Yafilvag te Ooviog te, Mdxccg t ^AvÖQoyLTaalag te, 
NEiytEa TE ipvösag te ytSycog Idfxq^iXoyicxg te, 
^'Oqtlov ^, og dri tiXeIotov smx^ovltog dvd^QMrt oyg 231 

90 Ttrji^alvEi, oxa Tig xa /eticüv eTtioqy.ov o/Aoaarii. 

NrjQEfa d' dipvd-m ymI dXad-ia yrjvuTO IIovTog 
TtQEoßvTUTOv TtaJFidoiv ö^ aq riTtiog, ovde d-EfxlaTiov 234/5 
Xdd^ETai, dXXd dr/,aia xal iqTria ddvsa fnlds' 
avTig ö' av Oav/navTa fxiyav "/,al dydvoqa Oogytvv 
raiai fxiayof^Evog -aal Kijroa xaXXtTtdgaiov, 
96 EvQvßlav T dödfxavTog evl (pgaal S-vf.i6v Eyoiaav. 

NriQrjfog d^ syevovTo jXEydgLTa rev-va d-Eacov 240 

TiövTWi Ev drgvysTWi y,al JcoQidog riv/,6[xoio, 
'/.OQfag 'QyiEavolo, TEXi^fEVTog 7voTafio7,o' 
Qavixag 6^ ^QxEavoio ßad-vQE/sTao d^vyaTqa 265 

uydyET ^^Xhagav a 6^ u-ai/iav rr/e Fiqlv, 
102 riVÄ.6fA.o)g d' lAgsTtviag, ]AfEXXoa t ^Qytv^cdav te. 

(DoQY.vi d av Krfriol Fgaiag teae y.aXXi7iaQaUog 270 
TECpQrjÖCüV T SV7tE7cXoV ^EVVIOV TE %qo-MTCE7tXov, 273 

Tbqywg if , cti vaiovTL Ttäqav '/Xvtvj £2xeavoio 
2d-Evvo)L T EvQvfdXa te Msöcoad te, Xvygd Ttad^waa' 21 fi 
Tag d' oy.a öi^ ITEQGEvg y,EcpdXav d7rEdrjQOT6f.irj(TE, 280 

108 e'aS-oqe XQvodfwQ te fieyag yial Udyaaog tuTtog. 



Die ursprüngl. sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 29 
XQvadfcüQ d^ erex« tQiv.lfpa'kov raQvforqfa 287 

tov (xev ixQ s^evccQi^e ßia ^Hgaytlefeia 
ßovolv €7t TJ^iTtodeaai 7ceqiqvtiül ^v ^EQvd^eiai, 290 

"Oq&ov IE %Trivag /uxi ßovKokov Evgvziwva 293 

114 Gtad^i-ioji iv d/EQOfevfi nsqav y,Xvtio ^Q%eavöio. 

^ d^ 8TE7L aXlo TciXwQOV a/.idxavov, ovde /£/oiy.6g 295 
d^vaTola dvd^QU)7ioLO ovo* ad-favaTOiai d-Eolai 
ev (jTCEEi yXacpvQiüi, d-Eiav xqaxEQOcpQOV Exidvav, 
tcol-mXov, wiaeotov, Kad-eag vno '/.Evd^EOL yaiag' 300 

Evd^a di foi orcEog eori ■kcctco yiofilai vrco tcetqui 

120 TijAw «TT dd-favccTcov re ^ecSv d-vazüv x dv&Qwnwv. 

Tai de Tvcpdfovd cpaoi fxiy^fAEv evI (pikoTari, 306 

a d^ IvtoxvoafAEva teaeto yiqaTEQOcpQOva TEKva' 308 

'OqS-ov fisv TtQCüTOv %vv EyrivuTO Fagv/ov^fc 
ÖEVTEQOv avTig ETiKTEv di.idx(xvov, OV TL (pazEiov 310 

KiqßEQOv io(XEOxdv ^^fidai yf.vva xf^^'^^0(p(ji)vov, 

126 7tEvxrjy.ovxay,€q)aXov, dvaidea xe '/.quxeqÖv xe. 

Tb XQixov "Ydqav avxig Eyx^axo^ 'kvygd. fidvlav, 
yiEQvaiav, av d-QSipE ^sd AfifxwAevog Hqu 
drtXaxov xoxiwoa ßiai ^HgayilEj^staL. 315 

xat xdv (XEV JiJ^og vivg ivdgaxo vrjkEft xaAxcut 
it4fx(fixQviovidöag ovv dgri/Kpikwi FioXdfwi 

132 ^HQa/.Xefrig ßioXalai ^^d^avaiag dyEXalag. 

^A de XifxaiQttv exiy,XE, nvE/ioaav ai-iaifxayiExov nvQ 
d/ELvdv XE (lEydXav xe, noöioAEd xe XQaxEgdv xe. 320 

xdg d iqv XQ^g AECfaXai' ftla fxiv x^QO^olo Xefovxog, 
a de xi^H^cciQccS) ^ ^ ocfLogj -/.QaTEQolo ÖQdxovxog, 
■rvQOO&E Xefiov, OTiid^ev de d^a/wv, fxtooa de x/^uat^a. 

138 xdv (.iev Udyaoog r/Ae /iai eaS-Xög BeXXEQoq)6vxag, 325 

a (5' dga (Dia oXofdv xeke, KadfiEioioiv oXed^qov, 
^'ÖQd-iüi tTtod/xad-rjoa NE(.iEiaiov xe Xefovxa, 
xov q' '^'Hga ^gexpaoa, Jtfbg -Kvdvd Tcaqd'AOixig, 
yovfoiGi xaxEvaaae Ne(.iEiag, nrjfia ßgoxotai. 
evd^ o yE J^or/ii^ojv eXE(paiQETO (pv)^ dvd^qwcwv, 330 

144 dXXd fe /lg eddfxaooE ßiag '^HgaA.Xefuag. 332 



30 A. Fick 



JB. Ta TtSQi Kqovov xal adeX(pwv. 

Tridrig <5' 'ÜKeavm TIoTafitüg reue ÖLva/evrag, 337 

Tt'xTfi de d-vyaT€Qü)v laQov yivog, ao xara yaiav 346 

avdqag '/.ogfiQom ovv IAttoXXwvl /avayiTi' 
neid^ioi T l^d^d^a re Fiav^a x ldXE-/.TQCi te 349 

JiOQig TB IlQVfivtoL te %ai ^QQavla d-eofeiörig, 350 

^I7t7t(6t TS KXvfieva re Fqodeia re KaXXiQofa re 
Zev^iüL TE Klvtia te Fidvta re ITaaid^ofa re 
IIXa^avQa te FaXa^avQa x SQard te ^ifcava 
MrjXoßoTig te Go/a te %al EvfEidr^g üoXvdcüQa 
KEQxr]fig TS g}väv egaToc IIXovTiüt te ßofwTiig 355 

JlEQOrifig T ^Iccvrigä t l^xadra te Sdvd^a te 
nsTQaia T igofEüGa MEVEod-wi t EvQWTta te 
M^Tig T EvQvv6fj.a te TeXectcoc te y,QOKÖn:E7tXog 
XQvarjflg t Idoia te y.al IfXEQOfEOoa KaXvifjoii, 
EvdcüQa TE Tvyja. te y,al ^ixq)iQioL Q.%vQ6fa te 360 

xat 2tv^, a öii Ttaadcov TtQocpEQEOTdta eötL' 
avTat, ö^ £2/,Eav(x) xat Trjd^vog e^ eyavovTO 

18 jtqEoßvTaTai noQfaL' TCoXXal yE ixev evtl y,al aXXai. 

Qsla ($' ^udfeXiov te fieyav XafiTtQdv te ^sXdvav 371 
'^/6a -3^, a TcdvTEOöiv STttxd^ovioiat (pafi^vEi, 

21 yijVa^ vTtoöf^ad^ija '^YTtEQiovog sv cpiXoTaTi. 374 

Kqliüi, ö EvQvßla tbxev ev qnXoraTi (iiyriöa 375 

^AaTQoiJ^ov TE (xeyav üdXXavTa te dla ^Eawv 

24 JlEQarjv ^, og aal Ttäoi {xetsttqette fiS^oavvaiai. 
^AoTQaifojL d^ lAftjog dvey-wg Te%E "AaQTEQod-viucog, 
aQyioTav ZeqivQov, Boqiav t alipaQOineXEvd^ov 

27 "Mxl NoTOv, SV q)iX6TaTL ^sd d^EWL Evva^aa. 380 

2tv^ (J' IVex* ^QyiEavtü d^vydTr^q JJdXXavTt fiiyriaa 383 
ZaXov %al Nlxav xaXXiag)VQOv ev (XEydQOLGL' 

30 xat KqaTog rjdi Biav agidEiytETa yrjvaTO Teycva. 385 

Ooißa (J' av Koi/io ftoXvn^QaTov rjvd^sv iv sivdv 404 

'Kvaafj.Eva drj STtELTa d^sd d^Ew iv (ptXoTaTL 405 

33 ^aTwv 'KvavoTtETtXov syi^vaTO (iiqXLXOv al/si' 

yrjvaTO d 'AoTEglav svwvvfxov, av 7to'/.a IIeQ(n]g 409 

dydyei ev fidya öujfia q)iXav Y.E'/.Xriad-ai ockoitiv' 410 

36 a <5' vnoy.voafxiva FeadTav texe [xaAAtTra^atov]. 



Die ursprüngl. sprachform u. Fassung d. hesiod. Theogonie. 31 

*Pfi ta d^ VTtodfxad-ijaa Kqoviül T«xe cpaidifxa liv.va 453 
FiaTLav, Jaixaxqa xal ^Hquv xq^OotveÖlIov 
i'q>d-Lin6v T ^^fidav, og vtto xd^ovl dcofxara valei 455 

vr^Xefsg titoq s%iüv, yial eQi'HTvytov ^Hvoalyaiov 
Zriva TB ^riTio/Evra, ^ecöv rcaTeq ridi %al avdqiov, 

42 TCJ Aol V7td ßgovrag rcEkaiiitexai evQefia ^d^wv. 

Kai Tcog ^ev ■^atknivB, Kqovog fxsyag, cog te fSKaOTog 
vridvog s^ lUQag juar^og 7coTt yovfad- iyioiTO, 460 

ra (pQOvsiov, %va (.iiq Tig ayavwv QQaviwviov 
aXlog SV a&favaxoioi t^oi ßaaiXr]fida rifiav 
7tevS-eT0 yccQ Faiag te xat ^QQavcö aOTEQOfeviog, 

48 wWxa /ofc TtsftQWto hfwi vtto naiöl öafiijfiEv. 

TcjvsTi aq ovx akaJ^0OY,07TLäv «%£, aXXa doAEvoJv 466 
Ttalöag sfiog xaTSTtivB' '^Piav (J' Ixe TzivS-og aXaarov. 
aXX^ OYXt drj Jij^ e'fxaXXE d^etov naxkq r^^k y,al avÖQiüV 
Ts^ead-aiy tox etzeltcc qilXcog XiTavEVE Toy.ijfag 
(xritiv ovfxcpQaooaad-aL, orttog XsXad-OLTO raY-cÖGa 

54 ftatda cpiXov, TsloaLTO d^ SQivvg itaxQog sfoio. 471 

O" ÖS S-vyaTQL cplXai ^aXa ixsv yCXvov ^d* STtid^ovro 
%ai fot 7tEq)QaÖ€Tav oaarzsQ rtkiZQUixo yEveod^ai' 416 

TTEfMipav 6^ SV Av'AXOv^ Kqrf^xag sv Jtifova da^iov, 477 

OTCTCOA aq OTiXoTarov Ttaflötov ti^eXXe zE/^a&ai 
Zriva (usyav tov fisv foi sös^avo Fala TtsXcoQa 

60 Kgi^TttL SV EVQEfiai ri^sv Tqacpsv ij(5' axvraXXitiv 480 

xwi de OTtaqyavLoaoa f^syav Xid^ov svyvaXi^E' 485 

TOV TOX sXwV xilQEGOi Sfdv SV'AaX&ETO VTjövv, 487 

axsrXiog, ovd^ svo/rjUs (xetcc cpQaol, cog foi ÖTclaao) 
avrl Xi^co s/ög vivg ävLxaxog Y.al OÄ.ad'qg 
XeItze^, o vlv x&x sf^sXXs, ßim y,al xe^crt dafidaaag, 490 
66 TLfxäg s^EXdr]v, o d' sv dS^favdzoiat /ava^r^v. 

KaQTtaXifxcog (J' aQ* srcEixa fisvog y.al (paidifxa yvla 
av^ETO TOio fdvawcog ' STtLTrXofxsvoJv ö sviavxwv 
föv yovov aifj dvsriyiE (.isyag Kqovog (xvy.vXo(j.iqrag' 495 

TtQWTOV Ö^ S^EfSfXEOOE Xl&OV, 7CV(XaT0V AaTaTtlCDV 497 

TOV (xsv Zsvg axriQi^E Y.axd x^ovbg EVQvoösiag 
72 Ilv&di SV dyad-sai yvaXöla' vno n.aqvaooolo. 



32 A. Fick 

KoQ/av d^ 'Ja/rfiTOg KaXXlacpvQOv ^Qy,eavLvav 507 

dyccyero KXvfiivav -aal Ofxbv ksxog rivaveßaive' 
a de foi ^Ax^avta ■/,QaTeQ6g)Q0va yiqvaTO rtaida ' 
liAtB ö^ vTteQyivöavTa Mevoitiov rids JlQOixa&iiv 510 

■rtOLy-iXav, al/oXofiriTiv, afxuQTLvofov x '^ETti^aSr^v, 
78 og "aayibv e^ ccqxccq yever avÖQccoiv aXcpeaxaiüL. 

iljpwrog yciQ ^a ^ifog rcXaoxav vTteÖEAXo yvvcuv.a 
Txaqd-evov vßqioxav de Mevoixiov evQv/OTta Zevg 
riv^'Egeßog -/.athte^ipe ßaXcov ipoXofevxi AsgawioL 515 

rivsyi axaad^aXlag xe %al avoqeag vtcbqottXo). 
^xXag d coQavov evQvv e'xei "AQaxsQag vre a.v6cv'A.ag^ 
84 soxafcog, ■/,sq)aXät xe y,al a/Miiaxaiai xegeaai. 519 

Tavxav ydq /ot fxdlqav edaooaxo fxrpcLexa Zevg, 520 

örioag dXvyixoTtedaiai ÜQoixa&ea 7vorALX6ß(x)Xov 
öeaiA.otd aqyaXeoiOi }xeoov did, y^iov eXdaaag, 
vial fOL e7t alfexbv wQoe xavvTtxeqov avxdq o y rjTtuQ 
riad-LBv d&/dvaxov, xb ö' dfe^eio fiofov drcdvxrj 
90 wz-xog, baov TtqoTtav af.iaQ eöoL xarvalnxegog ogvig- 525 
Tdv fxev aq ^X^ix'^vag /.aXXiacpvQO) aX'Mixog vlvg 
'^HqayiXefrjg e/^XTp/e, yiaxav ö^ drtb vovaov aXaXyie 
^lanexiovldai, y.al iXvaaxo övoifQocfvvdtüv, 
ovA aft/^axL Zrivbg ^OXvfiTzUü vipifxaöovxog, 
og)Q^ ^HqaxXe/eog Qr]ßayeveog yiXefog el'tq 530 

96 TtXrjiov ex iq xo ndqoL&ev enl x^bva rctoXvßoxriQav. 
Tovxov aQ aC,6[xevog xi(xa dqideiAexov vivv 
■Mxl 7t eq %ojo^evog nav^t] xoXio, ov tiqIv e'xeOKe, 
iöve-A eqiQexo ßcüXdg VTteQfxeveL Kqovicovi. 
y.ai ydq o% eyiQivovTO ^^eol d^vaxoi x dv&QWTTOL 535 

Mayiwvai, xox eTxeixa ixeyav ß(ov TTQocpqovi d^v/nwi 
102 daaod^evog Ttqoed^rf/ie Jifbg vo/ov e^a7taq)iay.iüv. 

Totg fxev ydq adqyiag xe x,al evy,axa Tilfova drjfAioi 
ev fQivcji ■x.axedrf/.e, KaXvipag yaaxqi ßo/elai, 
xolg (J* avx oaxej^a Xevxd ßo/bg doXiai eTti xixvccv 540 
ev&exioag xar«i9^rjxe, y,aXvipag agyeri dr^(.iwi. 
ör^ x6/.a viv TcoxefeiTte rtaxriQ dvÖQcov xe &ewv xe' 
108 „cü nertov, cog exeqo^dXcog dieödaaao fxoiqag". 544 



Die Ursprung!, sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 33 

Qg qxxTO yce^roiuecov Zeug aq)d^iTa fiiqdea feidatg. 545 
Tov d avTig Ttorifeirce JlQOfxad-evg avY.vXofX'qtag 
7]% ercifxeidaaag' öoXiag 6^ ov Xad^ETO ttyivag' 
„Zev xudiOTe, (xayiOTe d-eoiv alfsLyeveTcccov, 
Tcovö fXe , oytTtOTBQOV GS Evl cpqaGi d-vfxog avcoysL^^ 
114 cpä QU öoXocpQOvhov, Zevg d^ tjXeto Xev/,6v aXetcpa. 550. 553 
XcüOazo de (pQtvag afxcpi, x^Xog de viv Xtleto d-vfxov, 
(og fidev ooxsfa XevAa ßo/og doXiai S7tl xeyfvaL' 555 

EY. TCO d^ ad^favdxoioi snl %d^ovl cpv)^ ovS-qcotciov 
yialovr oarffa XevKcc d-vrjfavTiov stvI ßcof-iojv. 
TOV Ö8 (xey ox^rioccg TiOTScpa vEcpeXayeqsTa Zsvg' 
120 „w TTETTOv, ovy. aqa rtw doXiag STtEXdd^EO TEjyag^K 560 

B% TOVTO) örj ETVELTa, doXo) f.iEfAvdi.iEvog aifEi 562 

ov/. ediöco ^vatolac TtvQog /.isvog a/.a/xaTOio. 
aXXd viv E^audcaGE e'vg Ttdfig 'IuttetoXo 565 

'/Xeiliag a-/,afxdToio Jtvqog TT^EG/onov avydv 
. iv y.ofiXiüL v(XQd-a/i' dcc/E de fE vEifo&i drfiov, 
126 log fiö^ iv av&QiOTtoiGL Ttvqog TijXEGyiortov avydv. 569 

^mi/a ö £•/, yalag TtXdGGE xXvtög ^^/.Kpiyva/rjg "E^ya 70 
Ttagd-ivcoL alöotai fi-nEXov Zrivög öid ßioXdg' 
CiÖGE ÖE y,al xoG/iiiqGE d-Ea yXavyi^Ttig L4d^dva' 
a^cpl ÖE fOL XdqiTEg te d^sal i^al rcmvia TlEid^uii 
OQfxojg xQvGEiiJog ed^EGav xQOfi'^i.iq)l de Tdv ys 
132 Qgai. /.aXXlxofxoL GTEcpov ccvS^egi /riaQivotGo. 75 

^vTaq ETtEi ööXov alrcvv d}idxavov e^eteXegge, 83 

»jv ETtLfxad^Efa TtsfirtE uaTriQ xXvtov lAqyELcpovTav 
öwQOv ayovTa d^Eiov Ta%vv dvyEXov ovd^ ^E7cifi.ad-Evg 85 
ECfQaGad- , lüg foi EfEirtE UQOf-iad^Evg (.iri no/a dwQOv 
ÖE^aGd^ai TtccQ ZTqvbg 'OXv^ittuo, dXX^ djtOTCEfXTcriv 
138 i^oniGco, fxii itov tl awagv d^vaxolGi yivr^Tai. 

^vtdq o ÖE^dfÄEvog, o/m (5iJ ytavibv 7jx, ivo/rjGE. 
7TQLV f.iEv ydq "Cmeg/ov etvI x^ovl q)v?k dvd^Qtaniov 90 

VOGCfLV (XTEQ TE '/a/MV %al CCTEQ X<xXE7t0l0 TtOVOlO ' 

aXXd yvvd x^Q^^oi Ttid^o) y.Eya 7t(X)\i dg)EXä)Ga 94 

€G/,EÖaG ' dvd-QWTtoiGi ö* EfxiqGaTO '/.dÖEa Xvygd ' 95 

144 aly 10X10 ßioXaiGi JiJ^bg vEtpEXayEQETao. 99 



Beiträge z. knnde d. indg. sprachen. X[l. 



34 A. Fick 



r. Ta TtEQL Jiog xal adeXcpiov. 

BqLfaQSCoi ö^ Mg nqwra rcarriQ <^^<^<y«70 dvfxdii, 617 
KoTTCüL T rjöi Fvitji, drjae yigazegtoi ivl öeOfAiot' 
tvd^ 0% y aXyi l'xovTeg vrcb x^^ovl vaiETCcovreg 621 

ijav £7t foxaiiai, fieyaXag tv yiriQaai yaiag, 
aXXd acpag KQOviöag ts y,al ad^favaTOi ^eol akloi, 624 
log Ttxev '^vytof.iog '^Peia Kqovcoi tv cpiloraTi, 625 

Faiag fpQadfxoawaiai avdyayov ev (fafog avcig' 
avra yccg 0(fLV aicavTa ÖLrjvexacüg -naTfle^e, 
9 avv TÖlaiv vixav ts xal aylaöv evyfig agtaS-ai. 
/Ifäqov yccQ (xoQvavro, novov d^vf.iaXyt^ eyovTeg, 
TiTccvsg %e d^eol vmI ogol Kqovio a^ eyävovTo, 630 

avTLOv dXXdloioi Y.a%d /.gazegdg vafxivag' 
Ol luiv dcp viprjXäg^ O^Qvog Tiraveg ayavol, 
di ö* aq ctTt £2XvfX7voio, &eoL, dcoTr^qsg s/cccüv, 
ovds Tig r^g igidog yaXETtag Xvaig ovdi reXevrd. 637 

dX}^ O/ca dii y.fjvoiGL TcaQtaye&ev aq^ara Ttdvra^ 639 

TcdvTiov d^ h ozrid^EGOi a/e^ero S^viudg dydvtoQ, 641 

18 TÖioiv dri [xsTe/eiTte TtaxiiQ ^'^^Q^'^ '^* d^eaiv re* 643 

,,K€aXvt€ (xev, Faiag ze ymI £2Qavco dyXad zi/jva' 
7\6r[ ydq i^sv öfagov ivavTiot aXXdXoioi 646 

vvAag '/.al 'AqdxEog Tteqi ^aqvdf.ied^ a^xara rcdvia 
Tixdvtg xe d-eol -^al oool Kqovco f/, yev6f.iEoda • 
v(.iEg de (.leydXav xe ßiav /mI XTJgag d/dvcxcog 
qiaivExe Tixaveaai ivavxioi ev daj-l Xvyqai, 650 

{xvaodi^BvoL cpiXoxaxog evr^ftog, oooa nad^öwEg 
h' (fdfog aip d(fL"Aiode, övaaXeytog dad ÖEaf-uo, 

27 afiExegag did ßcoXdg vtcÖ töfpio dfEQOfevxog". 

'i2g <pdxo' xbv ö^ i^avxig dinEißETO Koxxog df.iviAiov' 
„dai{.i6vi, or/, döafrixa 7tL(paiö/.Eai' aXXd 'Aal avToi 65.) 
flÖf-tEP, XOL 7tEQl fjiv TtQajliÖEQ, TCEQl ()' töxi v6f'q(.ia, 
aAxTij^ (}' diyfavdxoLOL dgäg yavEO y.QVEQÖio' 
ailiOQQOv d^ e^avxig dfxrjXlxxiov dvib ÖEOf.nov 
aaXoiv ETticpQoovvaLOL miö C.6q>io d/EQO/Evxog 
7]Xvd-o^£v, Kqovü) viv f-dva^y dvdfEXnxa rtad^ovreg' 660 

^ xiö YMi vvv dcEvrii vofioi y,al ETtigjQOvi ßtoXdt, 

36 fqvaofiBda /.gdcog v^üv ev aivdi da/tucaii^^. 



Die ursprüiigl. sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 35 

£2g cpccT, sjcdivrjaav de d-eoi, öwTiJQeg 8fatov 
l-iu^ov aytovaavTEg' TtoXifia) ö^ {iXiXaleTO d-vj.i6g 665 

fxäXXov €T 7] To TTUQOid^E' (.layav ö" cc/jsyaQTOv lyTiqav 
TtavTEg d^i^Xeial rs ytat aQGEveg, a/xari, yn^vioi, 
Tixaveg re S-eol Aal ogol Kqovo) a^ lyivovxo, 
log te Zevg ^EQtßeorpiv vtto xd-ovbg ri%B (pdfoaöe, 
dfeivol re /.QaiEQoi re, ßiav vtteqottXov tynvTEg' 670 

OL TOYM Titövegol '/MXEGtd&Ev h> öa/l XoyQai, 674 

TTETQag dXißdrag azißagald' iv %EQOiv tyovxEg, 
■riQOffQOVEiog ' xiqQOJV de ßiag 0- df.ia fEgyov ecpaivov 677 
di-ifporEQOi ' öfEivöv (5' stc e.fiayE Ttovrng dnn'iQwv, 
yaia ö^ In EGf-iagayriGEv, Ijzegteve d" lugavog Evqvg 
GELOf-iEvog, TCEÖod-Ev d' IzivdoGEio f^ia'/.Qdg^ OXii-iTtog 680 
fQLTidi V7T dd^/avdrcov, evoGig ö' Ykuve ßagsia 
Tagragov dfEQOfEvra, Ttodiov d' aiTtEia fuod 
aaneTio lioxf.io7o ßoXdojv te XQaTEQdiov ' 
wg aq Irt dXXdXoLG IsGav ßeXEU GTOvofEvza, 

54 (fcovd d^ df.icpoT6Qiov %v.ex wQavov doxEQÖfEvva. 685 

Ovo ag ext ZEvg iGyE efdv (.dvog, dXXd vv xw ye 
Ei&aQ i^iEv ftevEog nXrpfxo (pQSVEg, i'A de xe /caGav 
(faivE ßiav afj,voig o ag aii logavio -»jo arc UXvfiTvco 
doxqdTtxwv EOXEiyE owioyadov ol ös y.SQavvoi 690 

YyixaQ df^a ßqovxäi xe "Aal aGXEQOTtdi tcoxeovxo 
XtjQog dno oxißaqdg, lagdv (fXbya fVjXvcfdovxEg 
raQ(fsfEg' df.i(pl de ydia (pegeGßLog €G(.iaQdyiI^8 
'Aaiofueva, XdxE d' d^i(fl tzvqI lUEydX! aGTtsxog vXa, 

63 eCee de x^d)v nccGa Y,al ^QAEavölo gefEd-ga. 695 

^EuXivd^rj de f-id^w Ttgiv d^ dXXdXoiG^ ertixovxeg 711 

if-if-iEvkog f(.idxovro did y.gax£gdg tGf.uvag. 
dt d^ ag evl TtgioxoiGL f^idyav dgiinEiav eyrigav 
Koxxog XE BgifagEvg te rvT]g x aaxog TtoXefxoio, 
Ol ga xgia/Mxiag Tttxgag yßgGl GTißdgaiGi 715 

Tce^Ttov ETtaGGvxegag, y,axd d' eOMaoav ßeXeEGGi 
Tixdvag xat Twg f.tev vtto x^ovög EvgvodEiag 
nef^^iav y.al deGi-idiGiv ev dgyaXeoiGiv edrjGav, 

72 viAdoavxeg y^Qol v7rEgd-vf.uog Tisg eovtag. 



36 A. Fick 

^VTOCQ sTtel Tixävag an cogavcö e^eXaae Zsvg, 820 

OTtXotaTov xixB fcalda Tvg)cos/a Fala tieIioqu 
Tagrago) sv (fiXöraTi diu xQvaaav lAcpQoditav' 
a XVQ^S |f'^*' ccfaTtzot In lo%v'i fiqy^at' e'xcoaai 
y.ttl nödeg axccf.iaToi ^gaTsgcü d^ew' sy. ös foi io^mv 
IS rjv sxaTOv y.e(paXal ocpiog, dfEivolo dga^ovrog, 825 

navToiav fön Irjoav d^saq^arov aXXoyia jlisv yccQ 830 
cpd^evyovd^ , cog re d^eolai avvie/iiev, alAoxa d' avre 
ravQü) EQißqvxoj (xevog aoxirio oaoav dyavQio, 
aXkoxcx d' civtB, XefovTog, dvaidea d-vubv sx^vtog, 
aXkoyta ö^ av axvXdxsooL fsforMra, d^avuar dnovaai, 
84 aXXoxa S* av fQolteox-, vnefdyßs d' üqsa fxaT^gd. 835 

Kai vv X£v enXsTO fsgyov d/Lidyarov a/iiavi yii^vcüi, 
■Kai y.ev b ys d-varolac xal dd^favdxoia efäva^s, 
al (XYj dg 0^ vofrjoe naxrjQ dvögtov rs ^ecov te. 
ay,Xr]QÖv ö^ ißgovraas xat oßQtfiov, d/ucpl öe yala 
afAEQÖaXEOv y.ovdßrjaE v.al logavog EVQvg vnsQd-Ev, 840 

90 novTog t 'ßxfiavw te qo/al xat rdgraga yaiag. 

Tloaal ö* vn d&favdroiai fxiyag nEXEi-dtET* ^'OXv/.iTVog 
OQVVfÄEvoLO fdvaxxog' vnEGXEvdxitE de yala' 
■navf-ia S* vn dfxcpOTEQwv KatexE fiofEiöia növrov 
ßgovTag te aiEgonag te nvgog t dnb toIo nEXiogw 845 
E^EE ÖS x^d)v näaa xat logavog i^ds d^oXaooa' 847 

96 d^vls ö' dg dfA(p dicidg nEgi % d/Li(fl te Kvf.iaTa fxay.gd. 

ZEvg (J' insl wv xdg&vvEv sfov fxivog, tjXeto d' bnXa, 853 
ßgnvxdv te OTEgondv te "Kai ald^aXo/Evva Ksgawov, 
nXä^Ev dn ^^Xvf.inoLO snaXf-dvog' d/^cpl öi ndaag 855 
Engrj d^EonEoiag KEcpaXdg dfEtvoio nEXiogiu. 
avTag snEt drj viv öd/iiaoE nXayaHoiv 'iudaoag^ 
102 rjginE yviwd-^g, OTEvdxitE ds yala neXcöga. 

0X6^ de KEgavvwd^evTog dneaavTO toIo fava^Tog 
ojgEog ev ßdaaaiai Idtzvag nautaXofeooag 860 

nXayevTog' noXXd de nEXcoga xa/dro yala 
aTf-iai ^EOnEOiai xal STduETO, xaooiTsgog aig 
TEXvai vn al^atüv vno t emgrixio xofdvoio 
108 d^aX(pi^i)g rje aiöagog, b nEg yigazEgcoTaTog eoTi. 



Die Ursprung!, sprachform u. fassung d. hesiod. Theogonie. 37 

Zevg di &€iuv ßaaiXsvg TtQwrav aXoxov ^ito Mfjziv^ 886 
TtXeTara d^ecov te fiövlav iöe d^vatüiv dvd^QtoTtojv. 
cfAA* oxa ö^ Q ij/iiekXe ^eav yXavKCOTtiv '4^dvav 
TS^eod^ai, Tox' eTreiva doXcoi cpQtvag s^artazäuag 
aij.ivXioiGi XoyoiOL sfdv svxdrd^eTO vrjövv 890 

114 Faiag (pQCtö/^ioovvaiai xal ^^Qavw doTeQOfevTog. 

Taig ydg foi qiQaadvav, %va fitj ßaaiXi]fida rifidv 
aXXog e'/ot Jtfog avxi ^etdv al/eiyeveTacov 
iy, ydg rag fjuagTO rcegicpQova rey-va ysvea&ai • 
TtQwrav f.iiv xogfav yXavyicoTtiöa TQLToyiveiav, 895 

J-iofov txtüoav Ttaxql /.isvog xal IrticpQOva ßcoXdv 
120 avTag ensiT dqa rcalda d^ecöv ßaaiXfjfa xal dvögiov. 

JevTSQov dydysTO Xirtagctv Qe(.uv, a rixev 'Qgag, 901 
Evvo/iuav T£ JUav t€ xal Eigrjvav zeS^aXvlav, 
123 OL fsqy wqevovtl xarad^varoloi. ßgozdiOL. 

Tglg de fOL EvQvvofxa Xccgizag zsxe xuXlmagaiiog, 907 
^Qy.savi!) xoQfa TtoXvrjgazov rjzoQ e'xojoa, 
126 t^yXdi'av zs xai EvcpQoavvav QaXlav z eQazrjvav. 

AvzaQ Jdf.iazQog TtoXvcpoQßag ev Xixog tjvd-e, 912 

a zexe ITeQOSipovav XevxcoXsvov, av lAfidcovevg 
129 agnaas J^äg rtagd /iiazgög' k'dcoxe öi (.irjzUza Zevg. 

Mva/iioovvag d' s^avzig sgdaoazo xaXXixo^oio, 915 

i^ ag foi Möjoai xgvGdf.i7tvxEg e^eyevovzo 
132 EvveJ-a, zaia' efaöov d^aXtai xal zlgxpig dfOLÖag. 
^azwl (5* ^AnöXXcova xal ^Ldgzeuiv l/oxsfaigav, 
ijiiegofevza yovov negl Ttdvziov ^Qgaviiovcov, 
135 yiivaz ag alyioxoLO ^ifög (piXozazi fuyfjaa. 920 

yioLod^ozdzav 6^ "Hgav d^aXtgdv Ttoifrjoat' dxoiziv 
a d^ "Hßav xal '!^4grj/a xal 'HXsvd^viav ezixzs, 
138 (.iixi^rio SV (piXozazL d^stov ßaaiX^ft xal dvdgcov. 

u4vz6g d' 8X xscpaXäg yXavxioniöa yy]vaz Idd^dvav, 
öfSLvdv, sygexvdoLLiov^ dyiozgazov, dzgvziovav, 925 

141 Ttozviav, di xeXadoi z sfadov Tc6Xei.ioi ze /iidxai zs. 
"Hga ^ '.A(paiözov xXvzbv ov (fiXözazi /Luyrjaa 
y^vazo xal ^a/nsvtjoe xal ^giae /cut rtagaxoizai., 
144 ix Ttdvzcüv zix^aiOL xexaofXEvov 'Qgavitoviov. 

A. Fick. 



38 Karl Foy 



Griechische vocalstudien. 

I. 
Anlaut der neutra. 

Die erklärung der vocalprothese ist eins der schwierigsten 
Probleme. Für das Altgriechische ist nur ein resultat von 
allgemeiner gültigkeit gefunden worden, dass nämlich sich vor 
ursprünglich anlautendem r regelmässig ein vocal entwickelt 
vgl. G. Meyer Gr. gr. 98. Al>er bei A fx und / ist das ein- 
treten der prothese äusserst schwankend. G. Curtius Zur 
kritik der neuesten Sprachforschung p. 28 fragt daher: „Auf 
welchem lautgesetz sollte es wohl beruhen, dass die wurzel Xiit 
in dXeicpio vor sich ein a erzeugt, die gleichlautende aus Xiy, 
entstandene wurzel hn ohne prothese bleibt?" Dass es ein 
gesetz auch hierfür geben müsse, wird heute, denke ich, nie- 
mand mehr bezweifeln; anzuerkennen ist nur, dass dies gesetz 
bisher noch nicht gefunden ist. Ausser dieser ersten Schwierig- 
keit, dass wir den grund nicht wissen, warum hier eine pro- 
these eintritt und dort ausbleibt, besteht eine zweite, auf die 
ich Curtius folgend im „Lautsystem der griech. vulgär- 
sprache" p. 110 hingewiesen habe, darin, dass wir den grund 
für die jedesmalige wähl des vocals nicht wissen, der durchaus 
nicht immer mit dem der folgenden silbe correspondirt. 

Was die von mir a. a. orte zusammengestellten beispiele 
der vulgfirgriechischen vocalprothese mit den bei Meyer ge- 
sammelten der altgriechischen prothese gemeinsam haben, ist 
nur der eine negative punkt, dass die wähl des prothetischen 
vocals nicht durch den der folgenden silbe bedingt wird, im 
übrigen zeigt sich lebhafte Verschiedenheit; zunächst fällt auf, 
dass sich in den modernen beispielen die prothese vor allen 
möglichen consonanten und nicht blos vor q X /.i befindet 
und sodann, dass a der unverhältnismässig häufigere vocal ist, 
wennschon zugegeben werden muss, dass die pontischen mund- 
arten die prothese s mehr begünstigen, als die übrigen mund- 
arten. Hieraus ergab sich leicht die einsieht, welche auch 
Hatzidaki IHäruiv 1883 p. 246 f. i) gewonnen hat, dass es 

^) Hatzidaki gesteht rov 'ia/nrov Xöyov tov nQod^frixov toviov a 
ayvoovfitv ; deshalb, denke ich, müssen wir ihn suchen. Uebrigens passen 



Griechische vocalstudien. 39 

mit der neugriechischen vocalprothese eine wesentlich andere 
bewandtnis haben muss als mit der altgriechischen. Doch an 
eine ernstliche Untersuchung ist seither niemand gegangen und 
die frage befindet sich immer noch auf demselben punkte, wo 
ich sie verlassen habe. 

Ich beginne mit einer allgemeineren Untersuchung über 
den anlaut der neutra. Die heutige spräche zeigt drei fälle: 
vocalisch anlautende neutra haben, soweit der alte anlaut nicht 
erhalten ist, entweder Veränderung oder abfall desselben er- 
fahren, consonantisch anlautende dagegen oft prothese. Von 
diesen drei erscheinungen kann man nur der des abfalles den 
Charakter der allgemeinheit zuerkennen , obschon auch sie 
durch ein den laut a betreffendes princip beschränkt ist. Alle 
drei erscheinungen erkläre ich durch einfluss der artikelform 
ra, zum theil auch to. 

I. Statt ursprünglich anlautend e o (i?) erscheint a. 
Dieses a, gleichviel ob betont oder unbetont, ist das regel- 
rechte produkt, das die krasis zwischen dem auslaut von tä 
und dem anlaut des nomen ergab. Sichere beispiele sind 

xa tvisQu Tccvrega daher avTsqa ') därme 

tot ogyava tagyava „ aQyava^) musikinstruraente 

T« OQxeiöia tccQx^idia ,, dq^sidict i) hoden 

xa oQvid^ia rccQVLd^ia „ aQvid-ia'^) hühner 

va iyyovLa xdyyövia „ ayyovia ^) enkel. 

Bei allen diesen Wörtern ist der plural häufiger als der 
Singular, und die Übertragung des a auch in den singular 
machte daher keine Schwierigkeiten. Ueber weniger sichere 
beispiele weiter unten! 

II. Viele ursprünglich consonantisch anlautende neutra 
haben ein a vor sich. Es sind solche, die hauptsächlich im 
plural vorkommen, woher wieder einleuchtet, dass einfluss von 



schwerlich alle bei H. angeführten beispiele, sicher nicht dtfalös, das 
durch vocalattraction aus öifalös entstand; darüber in einer späteren 
Studie. 

*) Skarl. = 2:y.a()XäTov J. tov Bvl^avilov ^e^. ttjs xkO^ ^fidg ii.Xfj- 
vixfjs SmXixTov. 3. Ausgabe Athen 1874. Ein oft vornehm verachtetes, 
aber viel benutztes, sehr nützliches buch. =•) Chalk. = Nicol. Chal- 
kiopulos: De Bonorum affectionibus quae percipiuntur in dialecto Neolo- 
crica. Curt. Stud. V 339—376. Mit dem specifisch Lokrischen ist es 
schwach bestellt. Die ganze arbeit ist leicht. 



40 Karl Foy 

ra anzuerkennen sein wird. Der artikel verbindet sich über- 
haupt so eng mit dem Substantiv, dass er ton und Selbständig- 
keit verliert und mit dem nomen eins wird ^). Indem man nun 
aus einem solchen artikelnomencompositum — venia sit verbo — 
den artikel nach verschiedenen mustern abstrahirt, können ver- 
schiedene erscheinungen im anlaut des nomens eintreten, so 
kann TdXdg)ia 1, richtig als Td + eXdq)ia aufgefasst werden, 
2. aber auch als Tcc + Xäcpia und 3. als Tä-{-dXdq)ia nach dem 
muster von Tdgvdyiia = ra dgvdMa, woher sich drei wirklich 
zu belegende formen ergeben: iXdqua Xdcpia dXdfpia. Einen 
ähnlichen einfluss von Tjyv hatte man bereits früher (s. Laut- 
system p. 69) in dem v von formen wie vovqd = ovqd und 
voiy.oy,vQrig = olao'/.vQLog erkannt. 

Der auslaut von zd wird übrigens nur unter bestimmten 
bedingungen zu dem ursprünglich consonantisch anlautenden 
nomen gezogen. Er erscheint in der regel vor dreisilbigen 
stammen, unmittelbar vor der tonsilbe (nur eine dumpfvocalige 
silbe kann trennen bei den viersilbigen stammen), und in der 
mehrzahl der verbreiteteren fälle attrahirt durch ein hoch- 
toniges a, das also nach dem gesagten fast immer in der ersten 
silbe des nomens steht. Sichere beispiele mit vocalattraction 
sind 

tä-\-ßQdf.irjXa TdßqdfiriXa, daher aßQdfxrjXa schieben (alt /?^a- 
ta-\-^daia Tad^daia „ dd-dava mandeln [ßvXa) 

zä+Tigdveia TaxQdvEia „ dngdveia korneelkirschen 
zd -{- OTdxicc ^) Tdaraxia „ dord^ia kornähren 

Ta+^wofpaxta Tdf-iovQcmia „ dfxovgdKia maulbeeren (von 

f.lWQOV) 

td + dovdxia tddovdv.ia „ ddovduLa makedon.: röhricht 

(alt dova^). 
Neben den angeführten formen bestehen ebenso die ursprüng- 
licheren ohne a je nach der mundart. 

Besondere veranlassung zu der (nun nothwendigen) pro- 
these des a, auch ausserhalb der vocalattraction, gab 

1. eine consonantverbindung, die nicht wortanfangend sein 

*) Dies faktum verkennt Psichari, der in einer gegen mich gerich- 
teten stelle Essais de gramniaire historique neogrecqne. Paris 1886 p. 45 
die artikelform al mit den prädikaten monosyllabique und accentuee 
belegt, aber weder das eine noch das andere passt. *) Skarl. schreibt 
TÖ aräxv. Die form wurde gebildet, als v bereits wie t klang. 



Griechische vocalstudien. 41 

kann. Eine solche liegt vor in xa + Qd^ovvia aus ta + QOvd^ovvia 
(t ttQd^ovna Prodr. VI 332); hieraus wurde dg&ovvia (Lauts, 
p. 110, doch nicht blos kretisch) abgelöst, weil gd- in fast 
allen mundarten als wortanfang gemieden wird; bedeutung: 
nasenlöcher (alt ^tod-cov). 

2. die spirantisirung eines ursprünglich anlautenden vocals, 
die in Verbindung steht mit einem später zu besprechenden 
prinzip betreffend die einsilbigkeit. So wurde aus tavxla ==• 
ratoTLa ein avzl resp. dcprl ohr und aus ravd = tatod ein 
av6(v) [nur in einem compositum avoxdqaxa Prodr. III 348 
belegbar], jetzt avyö resp. dßyö ei^). 

Einige besondere noch näher zu prüfende fälle von prothet. 
a ausserhalb der vocalattraction sind 

dßqvd == ßgva {NeosX. livdl. I p. 158: av de üTa&fj rj 
TtetQot, dßgvd öiv y.dv€i. Skarlatos schreibt dßgl und setzt 
es = ^üxi tang), wahrscheinlich früher dßgva. 

? dqiviov. Suidas im Et. M, ^ivvj o^vTOvwg (.isv XiyeiaL 
to iv avvrjd^eicjc dglnov. Wo belegbar? 

dygovatado ^) bovesisch Mor. ') = neugr. '/.Qovazallo 
d. i. yiQvaraXXog. 

Besonders zeigen die jüngeren neutra auf -t, welche aus 
tritoklita auf -og durch eine vom plural ausgegangene anbil- 
dung an die deuteroklita auf -i entstanden sind, in vielen mund- 
arten die prothese a, so 

dxelXt, lippe t* d^sili Pass. *) 89, 13 (Thessalien); d^BiU 
354, 5 (Psara), auch kretisch 

darrjd^i brüst t dotijS-i Pass. 89, 12 (Thessalien); daTi]d^i 
640, 25, auch kretisch 

dayieliv bein kypr. Sak. ^). 

dudlli Schönheit in zakynth. liedern bei B. Schmidt, 

*) Es ist wohl kaum nöthig, den misbrauch zu urgiren, den G. Cur- 
tius noch in der jüngsten aufläge seiner grundzüge mit avyS und avrC 
zu gunsten seiner Urformen getrieben hat. S. gegen ende dieser abhand- 
lung. ') Ich schreibe fi= 6, y = g, S = d. Zur bezeichnung der 
doppelconsonanz bediene ich mich des teschdid, das mir zu den grie- 
chischen lettern ebensogut zu passen scheint wie zu den arabischen. 
") Mor. = G. Morosi: Dialetti Romaici del mandamento di Bova in 
Calabria. Arch. glottolog. IV (1878) 1—116. Die beste dialektologische 
arbeit, die auf unserem gebiete existirt. *) Pass. = Popularia carmina 
Graeciae recentioris ed. Arn. Passow. Leipzig 1860. *) Sak. = 2« 
KvnQiaxa vno 'A. li. ZaxiXkttQlov III Athen 1868. 



42 Karl Foy 

Griech. märcheii p. 273. Schm. schreibt 58, 17 a/.aAA?/ und 
hält diese form für einen plural, auch 57, 24 rd xdlXrj corr. 
r' axdllr] oder besser r' dx,dlXi. 

In ddeX(pivLa delphine neben öelcpivia scheint sich das a 
unter dem einflusse von ddelcfoi befestigt zu haben. Die Über- 
tragung wäre in diesem falle, um mich eines Brugmann'schen 
ausdruckst) zu bedienen, wirklich stumpfsinnig, da von einer 
bedeutungsbeziehung zwischen delphinen und brüdern nicht die 
rede sein kann. Es ist, worauf ich später zurückkomme, das 
vorkommen der Umbildung eines wortanfanges in einen geläu- 
figeren für das vulgärgriechische unbestreitbar. Während hier 
ra ein leichtes mittel zu dieser Umbildung bot, ist sie erheb- 
lich gewaltsamer in IdÖElcpoi = JeXcpol^). 

Mundartlich, namentlich im Kyprischen und Kretischen, 
erscheint jüngeres a anlautend an stelle eines ursprünglichen 
o so 

KU 

kretisch d(.ifxdTi kypr. d/^i/.idTiv Gl. gr. sub aAaoffxo- 
TtiT^ : tajv df.if.iaTL(Jöv und sub dvjtvog : t df-if-idzid tov Meurs. 
= d/n^driov äuge, 

kret. dvvx^ (und nicht 3) dvv%i) nagel ovvx'-ov, 
dcpQvdi augenbraue = Hesychs oq)Qvdiov, 
daTQsldi auster Cor. pret.*) datQLÖia, ostrea ooTgea. 
Auch bei diesen Wörtern stammt das a unfehlbar aus dem 
plural. Ich lasse jedoch vorläufig dahingestellt, ob es auf 
krasis zwischen dem ursprünglichen anlaut o und rd beruht 
oder auf verwachsen des a der artikelform mit den jüngeren, 
gleich zu besprechenden, um den anlaut verkürzten formen 
fidxia vvxia orgeiöia. — Einen ähnlichen zweifei kann man 
vorläufig hegen in bezug auf 

neugr. dxslt neben /«At aal von eyxeXvg, 
draldi (giebt es raiöi.?) m arder von inrig, 



') Brugmann Zum heutigen stand der Sprachwissenschaft p. 86 
anm. ^) Lauts, p. 130 = Andresen Ueber deutsche Volksetymologie 
p. 27. '} Wie G. Curtius in seiner letzten bekannten schrift p. 106 
und im index nach Lauts, p. 98 citirt, wo das richtige steht. Uebrigens 
ist bei Curtius dies wort in sehr unangezeigter weise als beweis dafür 
benutzt worden , dass « aus kurzem o hervorgehen könne , während ich 
gerade a. a. o. davor gewarnt hatte, dies « als direkt aus o hervorge- 
gangen zu fassen. *) Corona pretiosa von Stephanus a Sabio. 
Venedig 1527. 



Griechische vocalstudien. 43 

rhod. al6i>i neben lod^i unreife feige von olovd-og^), 

bov. dQig)i, in vielen mundarten Qicpi. böckchen, 
eQiq)iov. 

Findet sich ein ursprünglicher anlaut e oder o durch a 
ersetzt und enthielt die nachbarsilbe bereits ein a, namentlich 
ein hochtoniges, so ist ausser den beiden genannten möglich- 
keiten noch die dritte denkbar, dass jenes letzterwähnte a den 
ursprünglichen anlaut attrahirte, so könnte axväqia spuren 
nicht nur aus Taxvaqia oder Ta ^vägia , sondern direct aus 
IxvaQva geworden sein. Nur die historisch-statistische forschung 
wird hier entscheidung bringen können, die, denke ich, nicht 
nur für verschiedene beispiele, sondern auch für dasselbe wort 
in verschiedenen mundarten verschieden ausfallen dürfte. 

Solche beispiele, die vorläufig eine dreifache beurtheilung 
zulassen, sind 

dxvccQtcc, wie erwähnt, 

axtUTtoÖLCc =: x^aTtödta polypen OKTaTtoöia^ 

kypr. drtTtdQLa = iTtTrccQia ä), 

dcpdx,icc (z. b. auf Rhodos) = of^cpania. 

Modernes a als anlaut abgeleiteter neutra braucht nicht 
immer der artikelform rd entsprungen zu sein, sondern kann 
bereits aus dem grundwort stammen, so geht djirjör^fia. 
saltum. cil^ia Cor. pret. — d TtTi^ötj ^la Gl. gr. — d/tTt^iv 

Sak. zurück auf a/rjjdtU, kypr. drrrjöw; ähnlich geht das 
zakonische dipicpoviiia dämraerung auf dxpKpovTOE es ist 
dunkel geworden. Beide wörter bei Oikonomos^) i. gl.; 
dann auch bei Deffner Zak. gr. p. 149, aber ohne dass 
der letztere den wahren Sachverhalt erkannt hätte. — Ferner 
wurde «Aaxar/a. machinae belli cae genus. Meurs. p. 17 aus 
dXa^dtri, dcpdXi (Cor. pret. schreibt d(pdXrj) aus dcpaXog. 
6(Ä(paX6g, djidqÜ^eva Y,OQdaia Arav.i 406, 19 aus djtaQd^eva. 

^) "OXov&og fehlt zwar noch in den lexika , obwohl es bei Athenaeus 
handschriftlich bezeugt ist = oXwd^og. Doch das Greek-english lexicon 
von Liddel und Scott. Oxford 1869 führt die form auf. ^) Tn tn- 
nccQta Imb. I 186 InnäQiov Porphyrg. III 243, 7. 11 schon alt vgl. Phryn. 
App. tnnC6iov, ov juovov InnäQLov , wird schon Xenoph. Cyr. 1, 4, 19 
edirt. Aus dnnaQiv neukypr. annaQoq, dessen a keineswegs auf Über- 
lieferung beruht, wie Rothe: Quaest. de Cypr. dial. p. 42 meint s. da- 
gegen Lauts, p. 97. *) SaöS (üQos 'Isqsvs xal Olxovofios: FQafj.- 
f^ttTixT] TTJs Tauxwvixrjg SiaXixxov. Athen 1870. 



44 Karl Foy 

Bei dem mundartlichen, nach Mor. auch in Bova gebräuch- 
lichen aXdÖL öl kann man mit Sicherheit annehmen, dass es 
aus ikdÖL durch regressive vocalattraction hervorging, weil 
dieses wort zu selten im plural gebraucht wird. Die form 
iXadiv kommt mit ihrem ursprünglichen e nicht nur in den 
älteren vulgärtexten und selbst noch in den dem 16. Jahrhun- 
dert angehörigen quellen vor, sondern findet sich auch heute 
noch in den pontischen mundarten, daher der annähme der 
directen entstehung von dldÖL aus släöt, historisch nichts im 
wege steht. Wenn Deffner also Zak. gr. p. 140 meint, dass 
aldi, wie unsere form in Kastanitza lautet, zwar aus elddi, aber 
auch aus Iddi hervorgegangen sein könne, so muss ich mich 
gegen die zweite hier behauptete möglichkeit erklären, denn 
es bleibt unbegreiflich, woher das a gekommen sein sollte. 

III. E, i, als anlaut der neutra sind in fast allen mund- 
arten von heute verschwunden und vergessen ; nur bei * giebt 
es einige abweichende gleich aufzuführende fälle. Der grund 
war nicht nur der, dass durch die flexion nie gelegenheit zur 
betonung des anlauts geboten wurde, sondern speciell das 
fehlen an schütz durch consonantisch endigende artikelformen, 
das verhältnismässig seltene iiov ausgenommen. 

Ehe ich zur exemplification übergehe, sei eine allgemeinere 
bedingung für den Schwund des vocalischen anlauts erwähnt, 
die zwar nicht sehr verborgen liegt, aber doch gerade in 
neuester zeit vielfach verkannt worden ist. Hatzidaki z. b. 
schreibt in einer bekannten abhandlung JeXxlov zfjg iaTOQiy,rjg 
xal sd^voXoymfjg kraiQlag trjg "EXXädog I p. 238 anm. : „Die auf 
ultima betonten zweiten aoriste [ß'jvQf, [«^^.^ \}']^'ü [ß]Q^V ^- s- '^* 
beweisen nichts für alte betonung auf ultima, weil diese formen 
nach Schwund der ersten silbe ^) 'nothwendiger weise' auf der 
allein übrig bleibenden zweiten betont werden müssen". Dieser 
ausgezeichnete gelehrte nimmt hier also ohne die geringste 
Schwierigkeit abfall eines „betonten" anlauts an. Nicht besser 
Psichari, der in seinem Essai de phonetique neo-grecque 
p. 42 mit grosser bestimmtheit sagt: La chute de la voyelle 
initiale accentuee est un des phenomenes les plus frequents du 
neo-grec und meint weiter, dass der betonte vocal des anlauts 
„ganz einfach" abfalle unabhängig von der syntax des wortes 

*) Ofienbar ist e nicht die erste silbe von iQf^^. 



Griechische vocalstudien, 45 

und der ton sich dann auf die zweite silbe übertrage. Ich 
selbst hatte mich früher von einer ähnlichen ansohauung nicht 
frei gehalten, denn ich behauptete Lauts, p. 120, dass das 
betonte augment „selten" abfalle. Aehnlich urtheilt Morosi, 
der z. b. Bov. 162 nöma = ovof.ia unter der rubrik dilegui an- 
führt. Psichari geht a. a. o. p. 43 sogar soweit, diesen 
behaupteten Schwund eines betonten anlautes als bedeutsames 
Charakteristikum des Neugriechischen gegenüber dem Romani- 
schen zu constatiren, und doch ist nichts gewisser, als dass 
dieses Charakteristikum gar nicht existirt. Wie sollte man es 
sich auch nur vorstellen oder wer hätte es je plausibel gemacht, 
dass ein hochtoniger vocal je in irgend einer spräche ohne 
weiteres unterdrückt werden könne? Alles, was man aus dem 
Neugriechischen zum beweise vorgebracht hat, beweist nichts, 
sondern setzt jedesmal eine accentveränderung voraus, durch 
die der anlaut unbetont wurde, ehe er abfiel. Ich habe auf 
diesen irrthum nachdrücklich hingewiesen in einem kleinen 
aufsatze^), in dem ich die bekannte von Hatzidaki so ent- 
schieden vertheidigte conjunctivtheorie wesentlich widerlegt 
zu haben glaube. Ich bemerkte dort zu den von Hatzi- 
daki aufgeführten um den anlaut verkürzten conjunctiven, 
dass die vollen formen mit verschobenem accent svq^ ürtfj iöfj 
u. s. w. die älteren und übrigens auch jetzt noch nicht ausser 
gebrauch wären, was beweist, dass die accentveränderung das 
prius war und hier also kein betonter, sondern ein unbetonter 
anlaut schwand. Vgl. onov. Aoristformen wie ygaipav sind 
nicht aus syQaipav sondern aus eyqäipav zu erklären. Bove- 
sisches voixa entsprang aus dem plural Tdvofiava d. i. Ta + 
6v6(.iaTa aufgefasst als tu vo/iiaTa. 

Nach diesen auseinandersetzungen versteht es sich von 
selbst, dass die vorhin gemachte behauptung eines allgemein 
gewordenen Schwundes des anlautenden e i o der neutra sich 
nur auf unbetonten anlaut bezieht. Wie in der geschichte des 
vocalabfalles die krasis überhaupt eine grosse rolle spielt, so 
in diesem falle die von den artikelformen zö und tcc ausge- 
hende. Indem man von den durch solche krasis entstandenen 

*) Tb l^rixrifia twv ana^tfx(f)axcxm' xvnwv iv tj veoslktjvtx^ yXataa^ im 
'^HfieqoXöytor Tf\g ^vaToJLiji für 1886. Konstantinopel 1885 p. 211. 



46 Karl Foy 

formen die erste silbe als artikel abstrahirte , ergaben sich die 
neutra mit geschwundenem anlaut: 

TÖ odoVTLOV tOÖOVTl , » / , 

^ >„, j^, also oovTi zahn. 

ta ooovTia Taoovxia 

ro sXdcpiov ToXawi , , , i • i 

^ ,, / 3, / also lawt hirsch. 

Ta sAaqiia ra/Mcpia 

t6 iyvdgiov Toyväoi , , 

s , , , also vvaoL spur. 

TU ix^agia raxvaQia 

Aus dieser Übersicht wird klar, warum anlautendes a in 
der regel nicht abfiel, denn da ro + a- nur r^ d- ergab, konnte 
es nicht als t6 abstrahirt werden. Ich komme auf diesen fall 
gegen ende meiner abhandlung noch einmal zurück. Beispiele 
aus dem Neugriechischen sind: 1. abgefallenes o (häufigster 
fall) dovTL s. vorher! — [xcctl . o(.if.i(XTLOv äuge — ^siöi . 
o^eiöiov essig — Tttogiyio . 67icüQiy.6v obst — cp e 1 6 l . oq)€i- 
diov schlänge — (pQvdi . 6(pQvdL0v braue — xxaTtödi . 
o-^TartoÖLOv polyp — xp d q i . dipagiov fisch ^) — ottItl. 
hospitnim haus 2) — qoX'o i . loQoXoyiov uhr — bov. azio . 
oaxsov knochen — bov. ^dXt . öudliov ebene. 

2. abgefallenes e (e oder ai): lädt . eXddwv öl — xigi 
(oder xaiQi?) von svsqog (kzaiQiov Luc. Lexiph. 19, 1, d) das 
eine von einem paare 3) — Z^^* von eyxelvg aal — 
Q l (f i a . 8Qiq)ia böckchen — y i ö i a . alylöia ziegen. 

3. abgefallenes i: axdöia auf Rhodos getrocknete 
feigen Venet.*) Vgl. iaxddiv . iaxdg carica Lex. Herrn. ^) 



*) Das oifjov x«t' l^oxrjv bestand, worauf schon Korais aufmerksam 
machte, in fischen nach Plut. 2. 667 F. noXltSv ovtwv otpcov ixvfvixtixev 
o l}(&vg fiovog rj juccXcaia ye o\pov xaXila&ai,. Das deminutiv oxpÜQtov sagte 
nach Athen. IX 385 c xai nkdrojv (6 xui^ixog) inl xov i^S-vog. Vgl. 
(voxfj^w „fischreich sein" bei Strabo und tvoipkt „fischreichthum" bei 
Alciphro. Statt ?/^i'? wird oxpäfiiov mehrmals gebraucht im evang. Joh. 
XXI z. b. v. 10: iv^yxaTS dnb t(ov oxpaQCwv tbv inidaars vvv. *) Die 
bedeutungsveränderung gehört nicht dem Vulgärlatein an, sondern ist 
specifisch byzantinisch, da die romanischen sprachen hospitium nicht in 
dieser bedeutung gebrauchen. Uebrigens ist in älteren texten die Schrei- 
bung öan^Tiv die häufigere, deren r; den modernen nicht mehr belieben 
sollte. ^) Man schreibt gewöhnlich raCQt, aber die bedeutung scheint 
mir die herleitung aus 'heQog zu fordern. *) Venet. = Btvfroxl^g. 
') Lex. Herm. = Handschriftliches lexikon von Hermonymos (vulgär- 
altgr.-lat.). Auszüge durch Decharme: Annuaire de l'as. pour l'enc. 
d. et. gr. 1873. 



Griechische vocalstudien. 47 

Alt laxaöiov Aristoph. Plut. 798 — %vaQia s. oben! — ydi 
oder yovdi mors er vgl. ydiv Sath. II 164, 14 von l'yör], das 
Phrynichus^) verwirft; lydlov bei den Geopon; /licctc kleid in 
Bova nach Mor. 162, ebenso in der kyprischen chronik Sath. 
II 168, 3 jLKXTiv, neukyprisch i/Lidviv oder fidriv, besonders 
in Paphos Sak. III. Alt : ifiaTiov, häufig bei Byzantinern ^) — 
^oßeqyo leimruthe aus l^ög und ital. verga Lauts, p. 120, 
auch i^oßsQyo — yiovia/Liara . siy.oviai.iaTa heiligen bilder z. b. 
Tö naXrjd Ta xoy/a^/ara xd 7iQ£f.iovv g x6 yvvaiy,ei6 Arav. Par. 
n. 1892, gewöhnlich Er/.oviaf.iaTa. — Sehr problematisch ist die 
herleitung von xddia liebkosungen aus rjxddiv^). 

Es ist sehr beachtenswerth , dass in den älteren vulgär- 
texten (bis circa 1400) consequent, ja noch hie und da in 
quellen des sechszehnten Jahrhunderts der anlaut erhalten er- 
scheint und dass sein schwund auch heute noch nicht in allen 
mundarten allgemein geworden ist, besonders nicht in den ponti- 
schen, so steht slddiv (sXddiv Legr.) Prdr. II 53, III 591 tb 
fXddi {fldÖL Wagner) Quadrup. 138. 139 und eXdd sagen 
auch die Trapezuntier, so gebraucht nicht nur die dem ende 
des 13. Jahrhunderts angehörige Pariser handschrift 396 des 
Prodromos regelmässig, sondern auch noch der dem 16. Jahr- 
hundert angehörige Parth. Hier.*) p. 117 z. 10 xd 6^i(.idxia 
und p. 119 z. 20 xtov o (.i(.iaxiiov und ofifxdx ist trapezun- 
tisch. Die in der genannten Prodromos-handschrift vorkom- 
menden neutra vocalischen anlauts sind dfiavixaQiv, ilcf- 
div, ijiidxiv, ivxißiv, d ^vyalav , o^vdiv (o^sidiv), 6[x- 
f.idxiv, ooTtrjxiv {oanixiv), 6\pi6vtv. Legrand, der das 

') Phryn. ed. Lobcck sagt S^viiccr Xs'yf, /nrj ly&rjv. Lobeck meint 
Phryn. hätte iy^^rjv verworfen, weil es veraltet gewesen wäre, und schliesst 
aus Sextus Enipiricus, dass der gemeine mann es nicht einmal mehr ver- 
standen hätte. Aber unsere form beweist das gerade gegentheil. Oveia 
war das vornehmere wort. *) In den meisten mundarten heisst /.täri 
das äuge, doch kyprisch ammdtin bovisch artärmi. Die volle form Ifiäri« 
kleider hörte ich von Peloponnesiern. ^) So erklärt Skarl. und Ku- 
manudis Zwaytoyi] Xfittnv u&TjaavQ(aT(ov Athen 1883 p. 149 vermuthet 
dasselbe, ohne sich indessen auf Skarl. zu beziehen. ^H/uf^iov {l/d^cov, 
i/ä&iv) ist ein musikalischer ausdruck, der öfter bei Porphyrogennetos 
vorkommt, das deminutiv von VX^S- Ich zweifele wegen der bedeutung 
an der Zusammengehörigkeit mit;f«(yt«. *) Idv^xSoros S^q^vos üagd-eviov 
^ IcQofiovaxov im Archiv für mittel- und neugriechische philologie. Athen 
1880. 



48 Karl Foy 

historische moment verkannte, hat freilich I 148 ^atia und 
öfter öTcitiv im sinne der jüngeren spräche gegen das zeugnis 
der handschrift hergestellt. Wegen der trapezuntischen bei- 
spiele sehe man bei Kusis TlXaTOJv 1883 p. 394 und das 
glossar bei Joannidis '^larogia xal avaziaTiyirj TqaTtsQovvTog. 
Konstantinopel 1870 nach, einiges auch im index der Passow- 
schen Sammlung. Formen, deren richtigkeit ich verbürgen 
kann, sind sXdd s. vorher — iyölv mörser lydiov — ixvaQ 
spur ixvccQiov — o^elö essig — ofifidr s. vorher — ofxdX 
ebene öi-iähov — ocpQvd braue öcpQvdtov — oxpotQ fisch s. 
xpaQL — datgeid auster düTgsidiov — vq)dd neugr. g)döc 
einschlag von vcpalvco — co/nlv schulter — wrlv ohr; 
geschwunden ist der anlaut jedoch in azovö knochen von 
ooTOvv. Auch im Kerasuntischen wird der anlaut gewahrt vgl. 
ö^aXiv . rörcog d/naX6g . Ttedidg — boves. fxdki und ixvdqiv . 
Y%vog im glossar der kerasuntischen komödie EifiaQf4gvr]g Ttal- 
yvia von 7wav. BaXaßdvrjg Athen 1860; dasselbe gilt für 
den dialekt von Phertakaina s. o^elöi o^og o^eiöiov im 
phert. glossar bei l^vaar. ldXey,roQidYjg im JsXtiov ttiq 
laroQiyifjg Y.ai sS^voloyiyti^g etaiQiag v^g '^Elkddog 1884 p. 500, 
und für andere, wenn nicht alle mundarten des ferneren Klein- 
asien. 

Die Vulgärsprache hat eine abneigung gegen einsilbige 
nomina, eine bisher völlig unbeachtet gebliebene thatsache, die 
ich an einer späteren stelle ausführlich besprechen werde. 
Deshalb ist der anlaut von wov erhalten worden, hat sich hier 
aber spirantisirt ratod zavd später ravyd und daraus avyo 
8. vorher p. 41. 

Im pontischen ovön oder ovyon^) scheint der anlaut das 
erhaltene co zu sein, v ist eine consonantentfaltung wie sie öfter 
zwischen vocalen vor oder hinter o oder u vorkommt vgl. 
vorläufig Lauts, p. 67 ; übrigens wvyov : lovov = avyo : avö. 

Auch bei dreisilbigen neutralstämmen auf -lo wird der 
anlaut nicht abgeworfen, wenn er vor einem einfachen conso- 
nanten steht, weil die dann entstehende im nominativ und 
accusativ übrigens einsilbige form zu wenig gepräge haben 
•würde. So blieb der anlaut in vvlv, deminutivform von vng 

') Ich behalte die von mir im Lauts, befolgte Umschrift bei, über 
deren thunlichkeit Hübschmann: Die Umschreibung der iranischen 
sprachen und des Armenischen p. 6. 



Griechische vocaktudien. 49 

pflugschar, und entwickelte später vor sich ein jod s. das wort 
bei Skarl. , wo fälschlich vvvi und yvvvl mit doppeltem v 
geschrieben wird. Aus demselben gründe erhielt sich aber 
auch der anlaut in cotIov = pontisch iotIv, der sich wie bei 
loov im plural hinter dem a der artikelform spirantisirte , also 
TaajTia ravTia und daraus avxl{v). 

Noch ist eine, wie ich glaube, gleichfalls unbeachtet ge- 
bliebene eigenthümlichkeit betreffs a zu bemerken. Dieser vocal 
hat sich im Vulgärgriechischen nicht nur auf fast allen punkten 
gehalten, sondern auch viele andere vocale verdrängt und ein 
ungemein grosses gebiet erlangt, eine erscheinung, über die ich 
später ausführlich zu handeln gedenke. Vielleicht kann sie 
zur illustration der ausbreitung des ^-lautes im Indisch-Irani- 
schen dienen. Hier sei erwähnt, dass anlautendes a sich in 
der regel bis heute unverkümmert gehalten hat. Ein beson- 
derer grund lag bei den neutris vor, wie zu der Übersicht des 
abfalles bereits bemerkt wurde. Dennoch giebt es auch hier 
einige fälle des Schwundes, allein man bemerkt, dass überhaupt 
nur solches a abfällt, welches mindestens um eine silbe von 
der tonstelle entfernt ist. Der vocal der trennenden silbe ist 
ein heller und der accentträger des wortes selbst wieder a. 
Sehr beachtenswerth ist hierbei, dass das Verhältnis des accen- 
tes einen geraden gegensatz zu den bedingungen bildet, unter 
denen die prothese des a erfolgt. 

voix%aQiv kyprisch neben avotx'sa^t»' „Schlüssel oder 
vielmehr das holz , mit dem die kyprischein dorf bewohner ihre 
hausthüren öffnen" Sak. vgl. xa wy^ragia [^jiaXlov voi-KTaqia 
Sath.) in der kyprischen chronik Sath. II 79 "^ten i). 

fiavLxäQL pilz = df^avitccQLOv^) vgl. d/naviTccQiv Prdr. 
II 39. 

^tvccQc Skarl. (^ivaQiov Sath. II 86 in der mitte) axt 
von d^ivrj. 

') Die ursprünglicbe form war dvoixri^Qiov Sath. I 40 von dvoCyoi, 
Wegen der vertauschung von -tt^qiov mit -tccqiv vgl. kypr. S^onäqtv = 
iSqwttjqiov und neugr. (fvkaxräqi = ipvXaxiriQiov. Uebrigens ist das 
türkische .LL:Äi^ ana/tar Schlüssel nichts als unser dvoixräQiv. *) lAfia- 
wiäqiov wird von Meursius p. 21 angeführt aus Demetrius Constantinop. 
Hieracosophii lib. II cap. XXIII, ohne dass er das wort verstände. Das 
grundwort dfiavhris bei Athenäus. 

Beiträge z. kiiude d. indg. spiacheu. XII. 4 



50 Karl Foy 

artaQdyyi spargel von doTtdgayog vgl. ital. sparago 
von asparagus. 

GTQaydXia in Salzwasser eingeweichte, dann geröstete 
erbsen (cicer arietinura), beliebtes naschwerk Deffn. Archiv 
285 von dorqdyalog Heldreich: Nutzpflanz, (iriechl. p. 71^). 

yeXdÖL Chalk. kuh häufiger ayeldÖL di.h. ßovg dyBlaia^). 

aTQaTCOxdti zakonisch gewitterhagel — dargartö- 
XaXdCiov Deifn. 

Zu dem compositis mit dxqo- bestehen in manchen mund- 
arten nebenformen mit geschwundenem anlaut. Es können 
auch neutra betroffen werden: y-godw^ia ,,der vorstehende 
da ehr and" z. b. in Kypern (aber auch aus Phertakaina in 
Kappadokien bezeugt) neben dngodtofia, ebenso kypr. x^o- 
(xoxnv neben dy.QOfiox'Piv „das holz, welches das dxQO- 
diüiua stützt". 

Zu den mitgetheilten Wörtern kommen, wie man sieht, 
ebenso formen mit erhaltenem anlaut vor, nur in aTtaqdyyi. 
scheint derselbe durchaus verloren zu sein. 



II. 
Accent und vocalveränderung. 

Tiaaega — r^fivov — ayovgog — ox^gög und ^xtqu. — 
2ur geschichte von v. 

Das accentverhältnis ist bei der besprechung der vulgär- 
griechischen vocal Veränderungen nirgends gebührend berück- 
sichtigt worden. Zwar giebt es italienisch geschriebene special- 
arbeiten, in denen, ähnlich wie es in der romanistik zu 
geschehen pflegt, alle vocal Veränderungen consequent in zwei 
Massen geschieden werden, je nachdem der veränderte vocal 
sich an betonter oder unbetonter stelle befindet. Allein mit 
dem blossen Schematismus wird hier doch nur wenig erreicht, 
denn einerseits giebt es viele fälle, in denen nur durch eine 
historische einsieht ausgemacht werden kann, ob die vocalver- 
änderung zuerst an betonter oder unbetonter silbe eintrat, 
andererseits sind vocalveränderungen anzuerkennen, die ebenso 
gut an betonter wie an unbetonter stelle vorkommen und über- 
haupt kein Verhältnis zum accent haben. Zu der letzteren art 

*) Zu berichti/en Lauts, p. 75. *) Zu herichtigeti Lauts, p. 117. 



Griechische vocalstudien, 51 

gehören alle „plötzlichen" vocalveränderungen. Ich will an 
dieser stelle nicht die bemerkung unterdrücken, dass es ein 
mangel der meisten arbeiten über vocalismus ist, dass sie den 
unterschied zwischen den allmählich vollzogenen und den plötz- 
lichen Veränderungen nicht erkennen. Es ist zweifellos, dass 
z. b. ^'EkvfXTtog Lauts, p. 100 sofort aus ^'Olviurtog wurde und 
nicht erst durch eine reihe von mittelformen. Und ebenso 
zweifellos ist es, dass das i, welches sich in makedonischen, 
thrakischen und einigen ägäischen mundarten an unbetonter 
stelle consequent für e findet, erst allmählich zu i verdünnt 
wurde: mittelstufen begegnen uns in der mundart von Imbros, 
die in bezug auf diesen process noch auf halbem wege steht; 
auch weitaus die meisten fälle, in denen u für o erscheint, 
beruhen auf allmählicher verdumpfung. Doch dies nur im 
allgemeinen, da die ganze im einzelnen äusserst schwierige 
frage, auf die ich, so gott will, bald ausführlicher zurück- 
kommen werde, heute von meinem thema abliegt. 

Denen, die sich mit dem Neugriechischen beschäftigen, 
kann die thatsache schwerlich entgangen sein, dass es hier bei 
gewissen Wörtern eine durch den accent behinderte vocalver- 
änderung giebt, indem derselbe vocal nicht in allen flexions- 
formen eines Stammes verändert wird, sondern nur in den- 
jenigen, in denen er unbetont ist, während er da, wo die 
flexion ihn zum accentträger machte, consequent unangetastet 
geblieben ist. Indessen erinnere ich mich nicht, irgendwo 
etwas genaueres über diese höchst beachtenswerthe erscheinung 
gelesen zu haben. Dieselbe gewinnt dadurch an reiz, dass sie 
keineswegs auf die modernere spräche beschränkt ist, sondern 
sich auch aus der xoivrj und — was in weitere fragen ein- 
greift — nicht minder aus verschiedenen dialekten der alten 
spräche belegen lässt. 

Ich beginne mit einer geschichte von reaGSQ- = xiooaQ-, 
Diese form ist da, wo sie im Neugriechischen vorkommt, wegen 
der äusseren ähnlichkeit oft für ionisch erklärt worden, aber 
völlig mit unrecht. TEOoeqa steht bereits in der apokalypse 
Johannis ausg. Tischendorf IV 6, V 8, V 14, XIX 4; es ist 
jedoch höchst beachtenswerth, dass nur nom. und accus, in der 
zweiten silbe ein e aufweisen, im genetiv dagegen, wo die zweite 
silbe betont wird erscheint in ihr nur a: reaaccQtDv, sächlich 
V 6, VI 1. 6, VII 11, IX 13, männlich XXI 17. Dasselbe 

4* 



52 Karl Foy 

Verhältnis besteht noch heute, man sagt zwar tiaasQU xQoria 
vier jähre, aber nur naiSt xsaoaQwv xqoviöv kind von vier 
Jahren. Mavrophrydis in seinem Joy.ifA.ov larogiag ttjq 
elXrjviKTJg yXoiaarjg. Smyrna 1871 p. 552 bemerkt ausdrücklich, 
dass der genetiv in der Volkssprache TsaoaQojv laute, und 
Skarlatos in seinem schon erwähnten ^fi^tzoV p. 469 schreibt 
z. b. Teaa€()7]g nriyong und reaaccgtov Tzrjxiov neben einander. 
Hier zeigt sich der unterschied vom Ionischen, da das letztere 
ja auch im genetiv das e aufwies. Nicht ionisch, sondern vulgär 
und genau wie in der apok. ist auch das Tsoaeqa, welches 
G. Meyer aus ägypt. papyrus 189 n. Chr. anführt (Wilcken 
Berl. sitzgsber. 1883 p. 916 XV 8; p. 919 XXII 16: Meyer 
p. 376 n. 400). Eine form t€00€quv erscheint weder im Atti- 
schen noch in der xoiv^ noch im Byzantinischen noch in den 
vulgärtexten des mittelalters noch in den heutigen mundarten. 
Jedoch ist eine differenz zwischen den ältesten und den heuti- 
gen formen unseres Zahlwortes zu constatiren. In der apoka- 
lypse kommen im ganzen nach dem codex sinaiticus (Tischen- 
dorfs M), der nach Tischendorfs überzeugender darlegung 
aus dem 4. Jahrhundert stammt, 25 beispiele dieses Zahlworts 
vor. Vocalveränderung zeigt sich aber nur im neutrum (in der 
Verbindung tu reaasga ^aia an den erwähnten 4 stellen), wozu 
die oben herangezogenen papyrusstellen stimmen und ev. Joh. 
XIX 23 tiaasQa f^egr]; ausserdem 2 mal in TeaasQccaovTa VII 4 
und XXI 17, das auch ev. Matth. IV 2 bis Marc. I 13, Luc. 
IV 2, Joh. III 20 steht. Dagegen stets zaaaageg (V 8, VII 4, 
IX 15, XI 16, XIX 4) und Ttooaqag (IV 4 zweimal, VII 1 
dreimal, IX 14). Ich habe, durch diese thatsache betroffen, 
die lesarten unserer Prodomos-handschriften i) geprüft, was bei 
dem vorzüglichen kritischen apparat, den Leg r and (Biblio- 
theque grecque vulgaire band I) giebt, möglich war, und habe 
gefunden , dass formen unseres Zahlwortes , einschliesslich der 
formen für 14 und 40, in den dichtungen I III IV V VI (in 
II fehlen sie), wenn man jede lesart auch an identischen stellen 
besonders rechnet, im ganzen 17 mal begegnen. Die älteste 
handschrift Paris. 396, die ohne frage aus dem ende des 13. 
Jahrhunderts stammt, enthält nur ein beispiel V 55 xaV xsa- 
aaqa. Wie hier a in der zweiten silbe erscheint, so überwiegt 

*) Glykas und die anderen ältesten vulgärtexte gestatten leider keine 
ausbeute. 



Griechische vocalstudien. 53 

dieses auch an den übrigen stellen entschieden und zwar für 
alle drei geschlechter. Nur zweimal ist die vocalveränderung 
zu belegen und diese beiden male bemerkenswerther weise 
gerade wieder im neutrum: IV 172 reoaega nach Paris. 382, 
dem sogen. Coislinus, aus dem anfang des 15. jahrhdts, und 
VI 124 Tsaoega nach Paris. 1310, aus dem ende des 15. oder 
anfang des 16. Jahrhunderts (an der letzten stelle schreibt 
382 y.avT8aaQa i) ). 

Man wird nun geneigt sein, diese form mit e, trotzdem sie 
nur durch die jüngeren Codices bezeugt ist, für die zu Pro- 
dromos zeit einzig vom volke gebrauchte form zu halten, und 
dagegen Teaaaga (Paris. 396 in V 55, Paris. 1310 in III 83, 
172, 199, dexareaaaQa 198, Paris. 382 in IV 196, xadexarea- 
aaga 198) als eine gelehrte einmischung zu betrachten. Hier- 
gegen ist im allgemeinen zu erinnern, dass bei dem erst kürz- 
lich begonnenen eingehenderen studium der vulgärtexte sich 
doch bereits manches als wirklich vulgär erwiesen hat, was 
allgemein für gelehrt gehalten wurde, und dass also in diesem 
punkte vorsieht geboten ist 2). In unserem falle ist zu con- 
statiren, dass auch spätere vulgärtexte tiaaaqa bieten z. b. der 
Physiologus 934 ra xloaaQu 6aif.ioviy.d (die einzige stelle des 
Phys. , wo unser numerale im neutrum vorkommt), um von 
dem /uixccrjXdra riooaqa, in einem halbvulgären testament v. j. 
1112 bei Trinchera p. 511 zu schweigen. Ja, diese form mit 
tt lebt auch in unseren tagen noch im volksmunde vgl. Jfijca- 
riaaaga in einem Hede aus Thera in der genauen Sammlung 
Petala NeoslX. yivixd. II p. 457, und freund Bizyenos 
gebraucht teoaaqa wiederholt in seinem ganz vulgär gehal- 

^) Vgl. TKQla tiaasQa auf einer membrane v. j. 1265 bei Trinchera 
p. 428. *) Gleiche vorsieht gilt auch bei der annähme halbgelehrter 
misbilclungen. So hat Krumbacher: Beiträge zu einer geschichte der 
griechischen spräche, Weimar 1884 verschiedenen bildungen ohne grund 
den volksmässigen charakter abgesprochen. Warum yvvr], yvvrjs u. s. w. 
nicht wirklich volksthümlich gewesen sein sollte, wird nicht klar; das 
gleichzeitige vorkommen von formen des Stammes yvvaix- kann nicht als 
gegenbeweis angeführt werden; die bildung gen. nvd-svros p. 58 lebt 
mundartlich fort als difSVTog und war also nicht zu verurtheilen vgl. 
t' dtpsvTÖg fias aus Thera NeofL liväl. II p. 445. — Zu p. 59: ifllrart 
fem. scheint wie neugr. x«A^ und (lOiQi auf weibl. wesen bezogen; x«ra- 
par« ist altgriechisch. 



54 Karl Foy 

tenen gedichte M€Taf.ioQq)(oa€t,g (L^Td-ldeg avgai. London 1883 
p. 36)1). 

Aus dieser thatsache lässt sich eine allgemeinere, nicht zu 
verachtende einsieht gewinnen: die vulgärformen, welche uns 
das neue testament bietet, dürfen niemals ohne weiteres so 
aufgefasst werden, als wären sie allgemein gewesen, sondern 
sind localformen. Dies gilt offenbar in besonderem sinne von 
dem erwähnten reaaeQdxovTa. In den membranen und in 
unseren vulgärtexten, sowie in den heutigen mundarten er- 
scheint fast ausnahmslos das attische -aaQ-, dessen a sich 
jedenfalls im schütze des hochtonigen d der folgenden silbe 
hielt. Wie lange das volle xEOoaQä-KOvza 2) gebräuchlich war, 
vermag ich nicht zu sagen; es steht z, b. in dem erwähnten 
testament p. 511 und noch im Physich 179; hieraus ent- 
wickelte sich später eine kürzere form GaQäy,ovTa, die man in 
allen neugriechischen grammatiken vergebens sucht 3) z. b. 
oaQdy,ovTa avvxQocpwv Porphyrog. De cerem. p. 479, ferner töiv 
ayiwv aagayicowa (laQTVQOiv auf einer membrane v. j. 1239 bei 
Trinchera p. 405 und aa^axoj'ra Physich 148; erst aus dieser 
form konnte das heute allgemeine accQavxa entstehen vgl. aa- 
gavTccTtfjxov Prodr. III 92, oaQavtdoLfxov IV 92. 

Dennoch findet sich andererseits aeQa-Kooxov auf einer mem- 
brane V. j. 1265 Trinchera p. 428 (ebenda auch ziaaega), 
dementsprechend seränta in Condofuri Mor. Bov. 14 anm. und 
die trapezuntische mundart von heute sagt aegarza; jedenfalls 
fliessen die quellen für aeg- ausserordentlich spärlich. Also: 
zeaaagdyiovTa TeaasgdAovza 

aagdKOvza asgd^iovza 

aagdvza aegdvza. 

Uebrigens ist aagdvza die form, welche in die dialekte der 
griechischen, rumunischen und polnischen Zigeuner eingedrungen 

*) Auch Skarlatos schreibt in den beispielen unter riaaeqris bald 
riaatqa bald TiaauQu. •) Uebereilt wäre es, wollte man dieser form 
den vulgären Charakter absprechen für die zeiten, wo sich bereits aa^a- 
xovra und aaQccvra finden. Ich will nur daran erinnern, dass trotzdem 
man in allen lehrbüchern des Neugriechischen für 30 nur die form 
TQiMVXtt als volksthümlich findet, die mundart von Bova doch das volle 
TQiäxovra bewahrt. ') Koraes Atakta II p. 324: Tb TsaaagdxovTa 
TfSv nalaiäiv , IxoXößwdav ngcSrov eis t6 ^a^axovTU , xaX Itihtu, fik tt^v 
n^öoSov Tfjs ßaQßaQorrjTos, eis tö Zagävta (quarante). 



Griechische vocalstudien. 55 

ist (Miklosich Die mundarten und Wanderungen der Zigeuner 
Europas VIII 62), ebenso in die der türkischen (Paspati: 
Etudes sur les Tchinghianes p. 78) ; das ungarische Zigeunerisch 
sagt stärdndd (H. von Wlislocki: Die spräche der transsil- 
vanischen Zigeuner, Leipzig 1884 p. 31). — Auch dies faktum 
beweist das entschiedene übergewicht der formen mit a. 

Also nicht T€Ga€Qd/.ovTa, sondern nur ziaaega hat weitere, 
wenngleich nicht ausschliessHche Verbreitung erlangt. In der 
neueren spräche erscheint nun ferner xeaaeQ- auch im mascu- 
linum und femininum, aber in den texten bis 1500 kann ich 
diese neuerung noch nicht entdecken. In den membranen bei 
Trinchera begegnet nur Teaoageg z. b. als weiblicher accu- 
sativ in einer sehr vulgär gefärbten stelle p. 511 Ttavviv Tiixag 
ELY.OOL r&aoaQeg v. j. 1112 vgl. p. 17 T>]g Teaaagsg y.al ÖEüavrjg 
IvdiXTiwvog V. j. 1016; auch bei Prodr. nur Tiaoageg IV 195, 
rig TtaaaQsg yi 101 (nach 1310) = rag xeaaqag (nach 382); 
bei Infort. nur xaooaQag fem. 448. 528; im Physiol. 377 tia- 
aageig rtodag^). Ja, selbst der dem sechszehnten Jahrhundert 
angehörige grammatiker Sophianus p. 44 kennt nur i Tsaaageg, 
Tidv Tsaadgcov' rä tloasQa xiov xeooaQiov. Dagegen zeigt der 
Digenis inLambros' collection bereits die formen mit e: xea- 
a€Q€ig^) begegnet dort häufig. Herr Antonios Jeannarakis, 
Kreter von gehurt, declinirt in seiner Neugr. grammatik. Han- 
nover 1877 p. 276: 

m. f. n. 

xiooega 

xsaasQa 

[g. natürlich xeoadgcov für alle drei geschlechter]. 
Ska riatos kennt in dem erwähnten ^e^ixov nur ziaaegtjg 
für beide geschlechter und beide casus. Herr Ktovox. ^Hlid- 
ÖTjg bezeugt mir dieselbe form (n. xeoaega) für Imbros.^). 
Hiernach könnte es scheinen , als wäre xeooaqeg heute ver- 
schollen, doch dem ist nicht so: sowohl Mavrophrydisp. 552 



n. XEOOSQOl 


xeaasQsg 


(auch xsaoEQLg 


XEOOEQig) 


a. xtooEQOvg 


xEaasQsg 


(auch xeaaegig 


XEOOEQig) 



*) Wegen der endung -is vgl. r^'ac/a^eis in der kypr. chronik Sath. 
II 192, 7. ^) Was die endung -is dieser form (bald -HS, bald -»??, bald 
-tg geschrieben) betrifft, so bin ich geneigt anzunehmen, dass dieselbe 
auf anbildung an r^ilg beruht. ') Zakonisch: masc. fem. Useri neutr. 
Usera. — Maked. Usiris, tesira. 



56 Karl Foy 

wie Legrand p. 42 führen es auf und Bizyenos gebraucht 
es an vulgärsten stellen s. das gedieht Ol Kaigol in den 
^Atd-ldeg Avqai p. 25 v. 1 u. 2. Im Erotokritos gehen die 
formen Tsaaegsig und TsaaaQsig neben einander her (ausgäbe 
von 1777 nach den citaten bei Legrand p. 134). ^ hat 
sich auch in den metaplastischen formen reoaaQoi (z. b. Pas- 
sow Carm. pop. 110, 17) und ziaaaQOvg (z. b. Passow 83, 25) 
erhalten. Ich habe gelegenheit gehabt, die mundart von Tenos 
nach dieser richtung zu prüfen: hier hat das femininum e, 
TEoasQsg nom. u. acc, das mascul. a, zsaaaQoc viaaaQovg, das 
neutrum e, riaasQa. Trapezt. xeaadq, neutr. xeaoBqa Kusis 
nXätfüv 1884 p. 71. 

Aus dem vorstehenden ergiebt sich: 

1. Die vocalveränderung hat sich zuerst im neutrum ein- 
gestellt; 

2. sie hat nie und nirgends den betonten vocal zu beein- 
flussen vermocht; 

3. sie ist in zeaaaQccyiovTa durch die nähe des betonten 
a in den meisten mundarten verhindert worden; 

4. sie hat sich erst in jüngerer zeit auch im mascul. und 
femin. eingestellt, ist jedoch weder hier noch im neutrum aus- 
schliesslich geworden. 

Consonantische Veränderungen wie z. b. in titasQU (auf 
Karpathos Ross Inselr. HI, 147) gehen uns hier nicht an. 

Ich erwähnte eingangs, dass das eben an rsoasq- nach- 
gewiesene Verhältnis zwischen vocalveränderung und accent auch 
in der alten spräche vorkomme. Ein schlagender beweis ist 
die form rj^vav. Diese ist inschriftlich so gut, so vielfach und 
für so verschiedene gegenden i) bezeugt , dass hier bei dem v 
der zweiten silbe an ein verschreiben durchaus nicht gedacht 
werden kann; zugleich geht diese form in eine ausserordentlich 
alte zeit zurück, denn sie findet sich schon auf einer Inschrift 
V. j. 378 v. Chr. CIA. 11 17, 45. Fr. Blass hat in seinem 
bekannten buche über die ausspräche (2. aufl.) p. 36 fj^vav 
benutzt, um zu zeigen, dass v nicht = u, sondern = ü lautete, 

*) G. Meyer Gr. gr. 1. aufl. nr. 89, Eumanudis Zvvayoyyri Xi^toyv 
dd^aavqtaron) p. 146, Blass Aussprache des Griechischen 2. aufl. p. 36, 
Meyer Gr. gr. 2. aufl. p. 106 n. 91. Beispiele aus Attica, Delos, Megara, 
Thessalidn, Aegypten. 



Griechische vocalstudien. 57 

erkennt ijfiiav als die ursprünglichere form an und sieht in 
dem jüngeren v einen Wechsel mit t, den er in der anm. genauer 
als assimilation charakterisirt. G. Meyer dagegen behauptet 
in beiden auflagen seiner Gr. gr. nr. 89 = nr. 91, die Schrei- 
bung r](.ivov nebst ein paar anderen Schreibungen verrathe uns, 
dass in folge mangelhafter lippenarticulation der lautübergang 
von ü in i hie und da schon verhältnismässig früh eingetreten 
sei; also hält Meyer fj/.ivav für die ältere form, und es wäre 
das L von fjf.uav gerade so aus v entstanden wie das i des 
heutigen Ukos — Iv-nog. 

Es dürfte nicht überflüssig sein, an dieser stelle mit nach- 
druck darauf zurückzukommen, dass, wenn man von den bei 
Meyer behaupteten Vorläufern absieht, sich vor dem 10. Jahr- 
hundert keine sicheren spuren des lautwerthes l für v ent- 
decken lassen!). Sowohl v wie oi lautete im 9. Jahrhundert 
noch ü. Aber im zehnten (und nicht erst im elften) jahrhdt. 
begegnet itazistische ausspräche, und steht in den dem ende 
dieses Jahrhundert angehörigen membranen bei Trinchera*) 

^) Ich habe kürzlich gelegenheit gehabt, mich von diesem faktum 
von neuem zu überzeugen. Der als archaeologe, namentlich metrologe 
bekannte gelehrte herr Kerameus Pappadopulos hatte die gute 
mich die von ihm gesammelten, noch unedirten mittelalterlichen in- 
schriten, von denen verschiedene der zeit vor 1000 angehören, zu sprach- 
lichen zwecken benutzen zu lassen. Ich fand unter andern die stampage 
einer mit alter unzialschrift beschriebenen platte in zwei stücken aus 
Panido in Thrakien, welche das datum ST<? = 882 trägt. Diese ist 
glücklicher weise umfangreich und durchweg unorthographisch : es werden 
i 1] tt überall verwechselt, doch nur unter einander, nie mit oi oder v. 
Diese letzten zwei, die damals gleich lauteten, bleiben entweder unange- 
tastet oder statt oi erscheint v, so awTQrjfiov = avvrgififiov, xagärjas, 
fxakij = ixäXsi, oöfjs ■= (üSlg, saS-iTtQfia = ala9-r\rriqia, Xriag = XfCag, 
fiovadrja, ngor^Xlno = nQosiXsro, aarrj = aarei, tj? = dg, ayayrjv, vfirjv 
= vfj.tv, jueTiXr](p6V, (ft = JtJ, firjvr] = fitjvi; aber Xvnrjg = Xvnrjgy \pvxr]g, 
Tvg = Toig, &OQvßvg = S-ogvßoig^ ruf ay-rjanaTotg vavg = rolg dyioncctoig 
vaoig. *) Vgl. p. 5 xogupaiov v. j. 975, p. 6 ^omniovg v. j. 981, p. 8 t6 
Zfiriaoi = rifiiav V. j. 984, ebenda olyovfxivov = riyovfiivov, ol/Lctiav = 
rjfiöjv u. s. w. Man kennt die griechisch-lateinischen membranen Italiens 
(Neapel) meist nur aus dem mangelhaften buche Z. ZafinsXtov: 'Ira- 
XoeXXtjVixd. Athen 1865. Daher kann ich mir nicht versagen, auf die 
Wichtigkeit des noch oft zu citirenden Syllabus graecarum membranarum 
U.S.W, von Fr. Trinchera. Neapel 1865 hinzuweisen. Weder Hatzi- 
dakis noch Krumbacher haben diese Sammlung benutzt und auch 
Psichari in seinem neuesten buche Essai de grammaire historique neo- 



58 Karl Foy 

schon in voller blüthe. Für den anfang des 11. jahrhdts. 
bezeugt sie ausser den merabranen schon die spartanische 
Inschrift CIG. 8704 v. j. 1027 i). Mavrophrydis irrt daher 
erheblich, wenn er den lautwerth l für v schon um Christi 
gehurt ansetzt, aber er stützt sich freilich noch auf Occos 
münzsammlung, die bekanntlich keinen werth hat 2). 

Dass schon die Lesbier v mit t gesprochen hätten ist gar 
nicht zu erweisen. Grammatiker führen bestimmte wörter mit 
L statt V an, aber die inschriften widersprechen, MeyerGr.gr. 
p. 103 anm. 1. Das ist alles, was wir wissen: aber kann man 
den grammatikern denn trauen? Und wäre ihr zeugnis auch 
richtig, was wäre denn mehr erwiesen, als dass die Lesbier in 
diesen vier Wörtern Xipr]log Yipoi^sv l'ipog XrisQ t statt v sprachen, 
aber noch lange nicht, dass sie überhaupt die neigung hatten 
V wie I, zu sprechen. Man bedenke, dass alle vier beispiele 
das i nur im anlaut, vor p und betont bieten! Wie windig 
ist deshalb die hierauf gebaute annähme bei Ran gäbe in 
dessen Neugr. gr. p. 20 und anderswo, auch bei Mavrphr. 
p. 35, dass die heutige ausspräche überhaupt von den Aeolern 
zu den übrigen Griechen gekommen sei ! Wobei übrigens kaum 
nöthig ist, darauf hinzuweisen, dass das Aeolische unmöglich 
einen weiter gehenden einfluss auf die übrige gräcität geübt 
haben kann, nachdem wir gesehen haben, dass sich erst tief 
im mittelalter mehrfache und unzweifelhafte Verwechselungen 
von V mit andern heute l lautenden lettern entdecken lassen, 
während gleichzeitig ununterbrochen bis zu jenem kritischen 
moment im mittelalter, ja durch nachschreiberei noch über 
denselben hinaus angaben der grammatiker und lexicographen 
die Verschiedenheit von v und t ausser zwei fei stellen. Ich 
will hier nicht wiederholen, was vom seligen G. Curtius*) 

grecque. Paris 1886 kennt sie nicht. Nur Morosi hat an einigen stellen 
seiner trefflichen dialektologischen arbeiten auf sie verwiesen. 

*) Angeführt bei Hatzidakis l4{hi^vainv 1882 p. 427 z. b. vno noXvs 
fiov nevCag dvrjxoöo/jiiqd^y]. Man findet bei Hatzidakis a. a. o. verschiedene 
treffende bemerkungen nebst citaten betreffend den laut von v. Auch 
wird dort auseinandergesetzt, dass das verschwinden des Optativs in 
keinerlei beziehung zu der Umwandlung der ausspräche von v stehe. 
*) S. darüber namentlich Gustave d'Eichthal im Ann. pour l'encour. 
des et, gr. 1869 p. 81 anm. ') „Ueber die ausspr. der vocale und 
diphthonge" in Ztschr. f. d. östr. gymn 1852 p. 1 ff. und Erläuterungen 
p. 19 £f. 



Griechische vocalstudien. 59 

und anderen (zum theil in der Meyer' sehen gr.) über diese 
angaben gesagt worden ist, ich möchte nur auf zwei scheinbar 
entgegenstehende stellen bei Ulfila, einem in der aussprache- 
frage doch noch nicht genug beachteten zeugen, hinweisen. Er 
umschreibt bekanntlich v stets mit y z. b. azyme Marc. XIV 2 
hyssaun Luk. XVI 19 hyssopo martyr. Nymfas Syria spyreida 
Tyra Tykeikus u. s. w. y = ol in Saurini — Fynikiska Mrk. 
VII 26. Für V las er jedoch i in dem einen namen (bei per- 
sonennamen kommen am leichtesten ungenauigkeiten vor) Didi- 
mus = Jidv/iwg ev. Job. XI 16, wo das zweite i durch das 
erste entstanden sein kann, vielleicht auch nur wegen der 
häufigkeit der endung -i/iiog, doch wahrscheinlich aus beiden 
gründen gleichzeitig; für l dagegen las er v in Symaion = 
2if4a(6v, wo erinnerung an composita mit avv gewirkt zu haben 
scheint, die labiale m begünstigte gleichzeitig das y. 2vixaiiov 
finde ich wiederholt auf einer membrane v. j. 984 Zambelios 
p. 89 = Trinchera p. 8. 

Uebrigens lässt sich die geschichte des v nicht blos aus 
anorthographieen , grammatikerangaben und Umschreibungen 
fremder alphabete stabiliren, sondern auch aus Veränderungen 
im wortbestande , der nicht unabhängig von der ausspräche 
sein kann. Es ist ja klar, dass die Verständlichkeit bedeu- 
tenden abbruch erleidet, sobald durch Veränderung der aus- 
spräche verschiedene Wörter lautlich zusammen fallen. Dies 
ist meines erachtens der einzige grund, weshalb Wörter wie oig 
vg so früh und so radical geschwunden sind. Das neue testa- 
ment gebraucht ngoßarov und x^^Q^S- Die heutige Schrift- 
sprache ebenso und wagt trotz ihres ausgesprochenen purismus 
jene alten formen nicht mehr anzuwenden. Diese zwei wörter 
schwanden, weil v und ol schon früh lautlich zusammen fielen, 
jedenfalls schon um Chr. gehurt; doch mit i fielen beide laute 
erst im späteren mittelalter zusammen. Da ergaben sich neue 
lautliche congruenzen. Es deckten sich z. b. da rj seit anfang 
unserer Zeitrechnung i lautete, '^f^elg und vfxeig^ an deren Schei- 
dung doch aus deutlichkeitsrücksichten sehr viel gelegen sein 
musste. Die analogie lehrte nach dem Verhältnisse von {e)fAE 
zu (s)i^ag und (e)//fi7g nun zu (s)a€ ein (s)acig und {s)a€ig 
bilden 1). Da sich nun diese formen bereits im 10. Jahrhundert 

*) Man schrieb und schreibt freilich noch das dem volke unver- 



60 Karl Foy 

finden (aag sehr oft beim kaiser Porphyrogennetos De cerem. 
s. Mrphr. p. 587. In den membranen bei Trinchera finde 
ich es zuerst p. 69 v. j. 1091, aber in den vorhergehenden 
membranen war keine gelegenheit, es anzuwenden), so bestätigt 
sich auch von dieser seite, dass die ausspräche v = i nicht 
erst dem IL, sondern bereits dem 10. jahrhdt. angehört haben 
muss 1). 

Kehren wir nach diesem langen excurs zu fjij.vav zurück, 
so ist zunächst zu erwägen, dass wenn schon in alter zeit die 
neigung vorhanden gewesen wäre, v wie i zu sprechen, sich 
diese neigung doch nicht an drei wörter (so viele sind es nach 
abzug der paar etymologisch zweifelhaften eigennnamen bei 
Meyer a. a. o.) hätte binden können, und das 1400 jähre 
hindurch; es hätte sich doch während dieses Ungeheuern Zeit- 
raumes auch in andern Wörtern l für v einstellen müssen. 
Das wird niemand verkennen können. Nun kommt aber eine 
zweite frage: Warum erscheint in all den vielen quellen immer 
nur die eine form tjinvav mit v und nirgends z. b. ein ^/iivaea? 
Ich denke, die antwort kann keine andre sein, als dass das 
auffallende v dieser form gerade wie das jüngere e in Tsaaega 
auf die unbetonte silbe beschränkt war; und dies wird zur 
gewissheit, wenn es überhaupt in solchen dingen eine gewiss- 
heit giebt, durch die thatsache, dass CIA. II 1055, 38 auf 
derselben inschrift neben rj/iwav mit v wirklich das zu er- 
wartende rj/iilaea mit t geschrieben steht. Uebrigens ist die 
form mit c überhaupt besser bezeugt, und schon deshalb die 
herleitung von rjiiuav aus tj/uvav äusserst bedenklich. Ich er- 
kläre also rjfivav durch vocalattraction aus fj/uiov, die hier um 
so leichter eintreten konnte, da das ^u entschieden den w-laut 
begünstigte. 

Dass ßißUov neben ßvßXiov nichts für eine alte neigung, 
das V wie i zu sprechen, beweist, ist wohl bereits aus der zu 
fjjuvav gemachten allgemeineren erwägung klar. Hat Meyer 
recht — was ich glaube — , der die priorität des v wahr- 
ständliche v/ieZg und vfiaSj aber nur um dem äuge ein altgriechisches 
vergnügen zu bereiten. 

*) Schon Eichthal a. a. o p. 88 — und jedenfalls er nicht zu- 
erst — hat die lautliche inconvenienz als veranlassung zur bildung von 
laets erkannt, ohne jedoch die folgerung für die Chronologie der aus- 
spräche zu ziehen und ohne sich der analogie bewusst zu werden. 



Griechische vocalstudien. 61 

scheinlich findet, so ist das i leicht begreiflich: der wortanfang 
ßvß- war völlig isolirt, dagegen ßiß- verbreitet, daher konnte 
unter dem einflusse des hochtonigen i der zweiten silbe auch 
das ihm lautlich so nahe liegende ü in i verwandelt werden. 
Es ist sehr beachtenswerth , dass auf den älteren inschriften 
eben nur der stamm ßißXio- vorkommt, wo das i der ersten 
silbe die ganze flexion hindurch unbetont bleibt, aber kein 
ßlßlog, welches letztere sein / erst nach der gleichung ßvßXiov : 
ßvßXog = ßißliov : ßlßlog erhielt. Die im etymon dunkelen 
und unter sich der bildung nach verschiedenen formen (.löXißog 
und (.loXvßdog (später auch ^oXvßog neugr. /noXißi resp. /aoXvßi), 
bei denen auch die frage nach der priorität noch schwebt, sind 
offenbar nicht geeignet, aus ihnen Schlüsse für die ausspräche 
des V zu ziehen. Das gleiche gilt von den (der Veränderung 
überhaupt am leichtesten ausgesetzten) eigennamen, wo v und t 
wechseln, indem sich dieser Wechsel meistens durch anbildung 
an andere wörter, durch paretymologie, zum theil auch durch 
vocalattraction erklären lässt ^). 

Bei rjfnv' und xioatQ- sehen wir, dass diese stamme den 
jüngeren vocal nie in den casibus aufweisen, wo er betont sein 
würde. Der grund ist kein lautlicher, sondern ein rein histo- 
rischer. In beiden stammen ist die vocalveränderung der art, 
dass sie nur an unbetonter silbe aufkommen konnte; um den 
veränderten vocal an die tonstelle zu bringen, um also ein 
*xeaoiQiov für laaoaQiov oder ein *ri(xvoEa für i^fniasa zu er- 
zeugen, wäre ein zweites nöthig gewesen, eine formassociation. 
Formassociation aber kann innerhalb einer flexionsreihe ent- 
weder durch die in der überzahl befindlichen fälle bewirkt 
werden oder auch, was wohl seltener ist, durch solche in der 
minderzahl befindlichen fälle, welche beim sprechen eine un- 
gleich häufigere anwendung finden als die übrigen fälle der- 
selben flexionsreihe. Da beide Voraussetzungen für ^/nv- und 
tiaasQ- nicht bestanden, so blieb auch in diesen zwei stammen 
der jüngere vocal auf die unbetonte stelle beschränkt. 

Bei ßißXiov aus ßvßXlov gab die flexion nie anlass zur 
betonung der ersten silbe, und daher zeigt diese in allen casus- 
formen den jüngeren vocal. 

*) Niemand wird leugnen können, dass in allen sprachen gerade die 
eigennamen am meisten der paretymologie ausgesetzt sind. 



62 Karl Foy 

Sobald ein zuerst an unbetonter silbe auftretender vocal 
sich über eine ganze flexionsreihe ausgebreitet hat und somit 
im stamme fest geworden ist, versteht es sich, dass er nun 
auch in die ableitungen desselben Stammes und in dessen 
composita übergehen muss und hier accentträger werden kann. 
— So ergab das im cod. Ven. des Athenäus stehende oXov&og 
im heutigen dialekt von Rhodos dXo&ia, taQ-KccÖL für toQ-KaÖLOv 
führte im Empiroti sehen zu o tdQy-og, drtTtdQiv für InTtaQLv im 
Kyprischen zu annaQog i) u. s. w. Ebenso können auch die 
durch entfaltung oder prothese an unbetonter stelle aufge- 
kommenen vocale in folge von accentveränderung oder Wort- 
bildung den ton erhalten. Ich erinnere beispielsweise an Yoiiiog 
aus laxm = ay.iä ^) und an das vielbesprochene dxofir] für 
ciy,o(.iri{v) aus dY.fxrjV^). 

Solchen thatsachen gegenüber muss die form dycogt, „knabe" 
neben ayovgog „Jüngling" auf den ersten blick befremdlich er- 
scheinen. Zur klarstellung des falles gestatte man mir trotz 
Lauts, p. 64 und trotz meiner bemerkung Bezzenb. Beitr. VI 
p. 226 noch einmal auf die etymologie des wertes dyovgog 
zurückzukommen. G. Meyer schreibt Gr. gr. 218 anm. 2, dass 
diese form schon wegen des ov jedenfalls nicht = acogog sei. 
Ich will hier nicht untersuchen, in wie weit diese bemerkung 
für eine gewisse ältere zeit der griechischen spräche ihre 
berechtigung hat, aber es sind eben „die zeiten zu unter- 
scheiden". Was für eine gewähr hat denn dyovQog? Es er- 
scheint bei Eustath zur Odyss. p. 1788, 56 Idxaiol de yiovgovg. 
QQ^yieg de dyovqovg. Hiernach wäre unser wort thrakisch, und 
Fick und Job. Schmidt haben eine etymologie aus sanskrit 
agru zend. ayru „un vermählt" beliebt; aber Eustath fährt 
a. a. 0. fort waamwg y.al ^Atxiv.oi. Ich glaube, dass jeder, 
der nur sehen will, hier sehen kann, dass es sich um nichts 

*) Mrphrd. p. 551 hält gerade so wie Rothe in seiner abhdlg. über 
das Kyprische das « von nmia^oq für ursprünglich; s. dagegen die 
I. Studie. *) Die form iaxiä finde ich z. b. Alph. rhod. 102, 6 und 
öfter beim dichter Dion. Solomos. ®) Es irrt G. Meyer, der Central- 
blatt 1880 p. 689 meine erklärung Lauts, p. 116 als unmöglich bezeichnet 
und ÖLKÖfiri mit dem rumän. acum in Verbindung bringt, wie übrigens 
schon Ascoli vor ihm gethan hatte. Siehe jetzt über das wort Krum- 
bachers verdienstliche Untersuchung Beiträge p. 18 ff., wo eine wichtige 
stelle nachzutragen ist: dxfxriv . hc . dxofii^ Gloss. graecob. citirt bei 
MeursiuB Gloss. graecob. Leyden 1614 p. 15. 



Griechische vocalstudien. 63 

weiter handelt, als um einen der bei späteren grammatikern so 
unendlich häufigen versuche, die vom Attischen abweichenden 
vulgärformen andern alten dialekten zuzuweisen. Ist es nöthig 
an den berühmten fall zu erinnern, dass formen wie al'xoaav 
bald für chalkidisch, bald für attisch, bald für böotisch, bald 
für euböisch, bald für äolisch, bald für asiatisch, bald für 
alexandriniscli und gott weiss wo für alles erklärt worden 
sind?i) Zum Überflusse hat das Etymologicum gudianum, das 
wörtlich mit Eustath übereinstimmt, statt Qq^xeg p. 124 das 
sinnlose yiadeg, welches Nauck als l^gyiadsg deutet vgl. Curt. 
Grdz. p. 613, also wäre unser ayovgog schon thrakisch, attisch 
und arkadisch!! Da ayovgog allgemein neugriechisch ist und 
sich erst bei Byzantinern (z. b. Anna Comnena) belegen lässt, 
da ferner das entsprechende deminutiv ay(6QL{v) im Mittel- und 
Neugriechischen noch das ursprüngliche w aufweist und da 
schliesslich ayovgog gleichzeitig noch „unreif" bedeutet (vgl. 
jy ayovQLÖa die unreife Weintraube), so kann kein zweifei dar- 
über sein, dass ayovgog erst im mittelalter entstand und dass 
es aus aiogog wurde. Natürlich fällt mit dieser einsieht die 
anschauung Curtius', dass das y entwickelung des alten jod- 
lautes oder womöglich dieser selbst sei. F ist eine gutturale 
Spirans, die sich im Vulgärgriechischen mehrfach vor u (oder o) 
eingestellt hat, wenn gleichzeitig ein anderer vocal vorherging, 
danach auch im anlaut der substantiva wegen der vocalisch 
schliessenden artikelform. In Epirus und anderswo sagt man 
d-ayög und 'kayog für d^aog und Xaog, yovia wird von Kontos 
neben ovia. bezeugt, yovgio für ovgiov finde ich in verschiedenen 
glossarien (yovgiov w6v auch in Syme), danach yovgidfyvatv 
Physiologus 240, allgemein ist ra yovXia zu ovXa „Zahnfleisch", 
dessen y Deffner freilich auf ein / zurückzuführen keinen 
anstand nahm 2). Wegen des ou in ayovgog will ich hier nur 
im allgemeinen bemerken, dass im mittelalter die verdumpfung 
des o-lautes in u bereits in vielen Wörtern eingetreten war. 



^) Nachweise bei Sturz: De dial. mac. et alex. p. 58, Lob eck 
Phryn. p. 340 und Mull ach: Gram, der gr. vulgärspr. p. 17. üeber 
solche fälle bei Hesych gedenke ich demnächst besonders zu handeln. 
*) Vgl. Neograeca p. 243. Ich bemerke übrigens zur richtigstellung einer 
Lauts, p. 63 gemachten bemerkung, durch die Deffn. sich beleidigt fühlt, 
dass dieser wirklich a. a. o. keine selbstconstruirte form im sinne hatte, 
sondern das lateinische vulva, was mindesiens ebenso schlimm war. 



64 Karl Foy 

indem ich mir das genauere für eine spätere besprechung auf- 
behalte. 

Was uns hier interessirt, ist die vocalische differenz 
zwischen aywqi und ayovQog. Wie ist dieselbe zu erklären? 
Ich denke nur so: Ehe aycogog zu ayovQog wurde, hatte sich 
bereits aywgiv (z. b. Prodromos V 41) gebildet mit der noch 
jetzt bestehenden bedeutungsdifferenz. IdywQi zeigt also deshalb 
kein ov, weil es gar nicht aus ayovQog abgeleitet, sondern älter 
als dieses ist. Wenn sich trotzdem dyovgiv (z. b. Glykas 210, 
auch trapezuntisch dyovg) findet, so ist die letztere form eben 
als ableitung aus ayovqog aufzufassen und jedenfalls später als 
dywQLv. Es dürfte überhaupt von nutzen sein, darauf hinzu- 
weisen, dass, wo eine vocalveränderung innerhalb eines Stammes 
auftritt, sie desshalb doch nicht in allen bildungen dieses 
Stammes durchzudringen braucht. So sagen zwar viele mund- 
arten oxtQog (durch vocalattraction aus sx^Qog), aber nirgends 
ist mir *oxTQa begegnet, sondern immer nur s'xTQa = e/^^a, 
worauf schon Kumanudis hingewiesen hat. Dennoch sollte 
es mich nicht wundern, wenn irgend jemand aus irgend einer 
mundart die form ox^Qf( nachwiese, der unterschied wäre dann 
dieser, dass ex^ga auf Überlieferung beruhte, gleich e'xS'Qcc dem 
grund- und Stammwort zu ex^^gog, während öx^ga eine neubil- 
dung aus ox^gog sein würde nach der weise von ^dXjuvga ^yXwa 
^xovToa ^Icoka ^xovcpa ^zvcpla ''Ttgiava ^Trixga ^rgeXXa ^^^iga 
u. s. w. aus dk/iivgog ylvnog v,ovTo6g u. s. w. = ^ salzgeschmack, 
^süssigkeit, 'hinken, ^ verrücktheit, ^taubheit, ^blindheit, ''Som- 
mersprossen, sjjitterkeit, ^ Wahnsinn, ^^ trockenheit, worüber 
ich in meiner demnächst endlich erscheinenden grammatik aus- 
führlicher handeln werde. 



m. 

Grenzen des vocalschwundes im anlaut vulgär- 
griechischer Wörter. — Zur ^-prothese bei männ- 
lichen und weiblichen Substantiven. 

Vor allem ist festzuhalten, dass ein betonter anlaut nie 
schwindet, wie ich im allgemeinen in der ersten Studie dar- 

*) Vgl. bovesisch oarqCa neubildung aus oaxqös == oxrqös. 



Griechische vocalstudien. 65 

gethan zu haben glaube. Auf vd — Iva gedenke ich später im 
zusammenhange mit anderen erscheinungen zurückzukommen i). 

Psicharis aufstellung *) , dass der Schwund des betonten 
anlauts im Neugriechischen etwas ausserordentlich gewöhnliches 
und ein dieses idiora von den romanischen sprachen unter- 
scheidendes merkmal sei, hat keinen grund, wie bereits früher 
bemerkt, wo auch schon ähnliche ansichten anderer gelehrten 
zurückgewiesen wurden. 

Aber ist denn Chalkiopulos im rechte, der Gurt. Stud. 
V 371. 372 die tilgung wenigstens des unbetonten anlauts als 
regel aufstellt? Ich bemerke, dass Michael Deffner dasselbe 
princip bereits Curt. Stud. IV 272 vertreten hatte: Aphaeresis 
autem in neograeca dialecto tarn late patet, ut statuere possi- 
mus, omnem vocalem, quae initio vocabuli est et accentu caret, 
in sermone vulgari abjici. Aehnlich hatten andere längst vor 
Deffner geurtheilt, und doch ist nichts verkehrter, als diese 
behauptung, wie sehr auch anerkannt werden muss, dass der 
abfall des unbetonten vocalischen anlauts in der heutigen 
spräche eine häufige erscheinung geworden ist. — Freilich war 
diese erscheinung in unseren älteren texten noch ausserordent- 
lich beschränkt. Ovdsv statt des heute allgemeinen öav bieten 
noch quellen des 16. Jahrhunderts, die modernen formen Tiäyio 
und nayaivoi sucht man in den ältesten texten vergebens 
ebenso naigvco, sondern immer begegnen nur vnayvu VTiayalvM 
vTtdoj und dnaiQü) oder ertctlQbi^). Legrand hat Prdr. I 176 

*) Schon für das 10. Jahrhundert lässt sich vd aus einer sicher datir- 
baren quelle nachweisen. In einer aus dem thrakischen Panido stam- 
menden, am 27. februar 965 abgefassten inschrift, die ich durch die gute 
des herrn Kerameus Pappadopulos in zwei von diesem angefertigten 
stampagen lesen konnte, steht deutlich xctragav Jf va e/r] (eine auch 
heute übliche phrase). Auch in den älteren membranen bei Trinchera 
kommt va vor z. b. p. 74 .... od^viovg va fxt, sxftv ... v. j. 1093 Bei 
Glykas und Prodromos dominirt vä bereits, wenngleich h'a daneben vor- 
kommt, aber man sieht nicht recht, ob das letztere noch wirklich volks- 
thümlich war. — Uebrigens ist herr Jean Psichari nach einer freund- 
lichen brieflichen mittheilung jetzt von seiner auffassung des vd zurück- 
gekommen. "-') Essai de phonetique neogrecque p. 43. ^) Deffner 
bemerkt Archiv p. 283 gegen mich, dass naCQvoi nicht = inaCQoi, sondern 
= dnaCqui sei, aber wie er es nun einmal liebt, ohne beweis, weder 
historischen noch theoretischen, und auch ohne die anzuführen, die diese 
erklärnng vor ihm gegeben haban. Ich bemerke, dass mir die bedeutung 
Beiträge %. konde d. iudg. spriichou. XU. 5 



66 Karl Foy 

mit unrecht rrccQrj hergestellt. Dass der abfall des anlauts der 
neutra erst jüngeren daturas ist, wurde in der ersten studie 
gezeigt. Ich halte vd = iva für das älteste beispiel der vocal- 
tilgung im anlaut auf vulgärgriechischem gebiete. 

Aber auch in der heutigen spräche tritt diese tilgung 
keineswegs regelmässig ein. Die dieselbe hindernden Ursachen 
liegen theils in den folgenden consonanten , theils in der zahl 
der Silben, theils in der natur des vocals selbst, theils in dem 
einfluss von stammverwandten, theils in dem schütz, den con- 
sonantisch endigende artikelformen gewähren. Auch ist zu 
bedenken, dass solche vocale, die durch flexion und Wortbil- 
dung nie den ton erhalten, leichter schwinden können, als die 
andern. 

I. Zunächst eine gegenbemerkung, die sich auf etwas ganz 
selbstverständliches bezieht. Wenn wir von den kyprischen 
und pontischen mundarten absehen, die den wortanfang „^4- 
consonant" nicht anstössig finden, so frage ich, wo jemals ein 
vocalischer anlaut abfiel, der vor ,,p + cons." oder vor „^ + con8." 
stand? Auch vor „/t-j-cons." ausser der Verbindung firr spr. mb 
ist nie ein anlautender vocal geschwunden, daher sgyaTtjg (jünger 
ccQydTrjg); elTtida (olrclöa); 6f.i(f)aX6g, daraus öcpalog, jetzt meist 
d,q)aX6g; OQyvia, auch ovQyvid; OQ&og; OQywvco pflüge; oiglid^u) 
heule; oqtv'kl u. s. w. u. s. w. 

II. Aber ausser dieser auf der band liegenden thatsache 
giebt es, wie gesagt, noch andere, die zur conservirung des 
anlauts beitrugen, aus denen ich zunächst ein bis jetzt unbe- 
achtet gebliebenes prinzip betreffend die einsilbigkeit hervor- 
hebe. Indem ich neugr. Wörter wie vygög resp. oyQog, oxvog, 
(Ofiog, sxTQog resp. oyrQog (ix^Qog), evai] (svxt]), iyco, oQog 

allerdings die herleitung aus unaCQca richtig erscheinen lässt, dass aber 
schon früh eine Vermischung zwischen dnaCQw und inaCQU) eingetreten 
sein muss. Wie das mskr. Prodr. I 17G InäQi] {innQrj) bietet, so finde 
ich im pseudoevangelium De descensu 3 xal indQW i'Xaiov. Malalas hat 
oft (z. b. 180, 17. — 198, 11. — 200, 2) die Verbindung ini^Q»rj t6 ßaaC- 
Xewv und 462, 19 inagovres xal at/fiaXwTovg. 'Enaipeiv gebrauchte auch 
der kaiser Porphyrogennetos, worüber R e i s k e im index der Bonner aus- 
gäbe der ceremonien , wo dieser gelehrte sieh freilich nichts daraus 
machte, unsere form aus difctiQHV zu erklären. — Imperativ ena^e Prodr. 
I 58, öfter in ^Aktfäßr]xos ttj: dyänrie und in noch späteren quellen, inaQov 
auch heute noch im Trapezuntischen, doch Prdr. I 173 dnaC^ta (trapztisch 
(nalouii, 216 «71 ij^«, 254 dnfjQav. 



Griechische vocalstudien. 67 

(„molken" nur in einigen mundarten), i^og Skarl., oq>tov kypr. 
u. in mittelalt. glos. u. ä. prüfte, fand ich, dass bei diesen 
in keiner mundart und unter keinen umständen der anlaut 
schwindet 1), zugleich aber überzeugte ich mich schnell, dass 
die erhaltung des anlauts keineswegs auf dem einflusse der 
folgenden consonanten beruhen könne und noch weniger auf 
einer etwaigen resistenzkraft der vocale selbst, denn dieselben 
vocale fallen ja bei so vielen anderen Wörtern ab, wie jeder 
leicht durch vergleichung von Lauts, p. 118 ff. sehen kann. 
So ergab sich die einsieht, dass die silbenzahl die Ursache 
gewesen sein muss, und ich glaube als gesetz aufstellen zu 
können: 

,,Die griechische vulgärsprache bewahrt bei zweisilbigen 
„nominal- resp. pronominalstämmen den anlaut ausnahmslos". 

Das gleiche Verhältnis liegt im Zakonischen vor. Das war 
also auch der grund, weshalb das co von coov nicht getilgt 
wurde, während doch sonst das anlautende o zu schwinden 
pflegt. 8. stud. I. Es wurde in diesem worte spirantisch. — 
Was die pronominalstämme betrifft, so macht /nag „uns" von 
dem gesetze keine ausnähme, denn es ist nicht aus i^/uag, 
sondern durch anbildung an /ni entstanden (s^e : /lis = ajiiag : 
fiag). 

Auch bei den dreisilbigen neutralstämmen auf -w fällt 
der vocalische anlaut vor einfacher consonanz nicht ab, weil 
hierdurch der vielgebrauchte nom. und acc. sg. nicht nur ein- 
silbig sondern überhaupt fast körperlos werden würde. Dies 
ist meines erachtens der grund, weshalb der anlaut des wortes 
vviv „pflugschar" gewahrt werden konnte, der später die spirans 
vor sich erzeugte (die Deffner freihch in seiner alterthümeln- 
den manier Neograec. 243 für entwickelung aus dem asper 
erklärt): yvvi neugr. Lauts, p. 62; und weshalb auch das to 
des Stammes cotio unter der form einer spirans erhalten worden 
ist avTt ,,ohr" s. Studie L Die formen vi und rl wurden als 
zu ausdruckslos nicht gewagt 2), dagegen entstand schon früh 
TO ydlv für lydiov s. Studie L 

Von den Zahlwörtern der ersten dekade haben die formen 

*) Ich habe für tj evx^ und o d/r^o? wohl i-fkH und o-xtrös gehört, 
aber im accusativ stets tin-efkH, ton-oxtrö, woraus folgt, dass im nomi- 
nativ krasis vorliegt und nicht Schwund des anlauts. *) Nur das Bove- 
sische bietet uvi — irvlov. 

5* 



68 Karl Foy 

für 7, 8 und 9 unbetonten vocalischen anlaut; 7 und 8 sind 
zweisilbig, 9 wenigstens in der jüngeren ausspräche. Alle drei 
verlieren den anlaut nie: neugr. scpra o^rw ivvid'^); ebenso 
wenig die abgeleiteten formen e^rjvxa öyöofjvTa (oyöwvTo) iv- 
vevijvta. Das dreisilbige exazör lautet dagegen häufig und, wie 
es scheint, in einigen mundarten ausschliesslich xarö. 

in. Drittens erinnere ich an einen bekannten fall: ein 
anlautender vocal vor einem anderen vocal fällt nie ab; i wird 
spirantisch z. b. neugr. Iccql grünspan von log, laaovi^i oder 
iaasfil . Iccaf-irj, iargog . larQog, iSQciyiL . Uqu^, vaXi . veXog. Auch 
wo ein ursprünglich betonter anlaut vor einem vocale durch 
accentbewegung unbetont geworden ist, bleibt er erhalten, so 
ist neugr. ja = üa und also eld zu schreiben, wie es schon 
bei Prodromos steht; Jon (häufig in kyprischen quellen, Legr. 
schreibt in den liedern Bibliothek. II yoLOv) — olov. Auch e 
vor wird spirantisch, daher jorti geschr. yioQT^ = €0()ttj. 
Ueber os, gewöhnlich wg geschrieben, = swg, das nicht so ein- 
fach mit Skarlatos xar' ccTtOKorrrjv ix rov scog zu erklären 
ist und etwa gar ^tog zu schreiben wäre, muss ich mir leider 
das genauere vorbehalten. Vgl. vorläufig ähnliches im inlaut: 
d-toQco, fid tb ^0, Qo-, vooaiä, vtoarög Gl. graecob., u. a. — 
Spirantisirung von anlautendem o liegt vor in dem früher 
besprochenen avyo. — A anlautend vor einem vocal hält sich 
unverändert: neugr. dr^dovi, asgag (äysQag), dszog (dirög, dyi- 
Tog), dö/nf^azog u. s. w. — Anlautendes ov vor einem vocal 
kommt nicht vor. 

IV. l4, der entschieden begünstigte vocal der vulgärsprache, 
schwindet im anlaute nur unter gewissen bedingungen. Ich 
halte es für überflüssig, an dieser stelle beispiele für im anlaut 
erhaltenes a aufzuzählen, da jeder sie aus den glossarien leicht 
zu hunderten zusammenlesen kann. Fälle von aphaerese des a 
sind dieser masse gegenüber in der that nur sehr spärlich. 
Solche aphaerese findet sich zunächst bei gewissen neutris, die 
schon in der 1. studie besprochen wurden, und ebenso bei 
masculinis, bei beiden immer nur, wenn zwischen der den vocal- 
schwund bietenden silbe und der hochtonigen mindestens noch 
eine silbe liegt. Dass die grössere entfernung des accentes 

*) Dies sind die formen, welche in sämmtliche Zigeuner-mundarten 
übergegangen sind. 



Griechische vocalstudien. 69 

überhaupt den abfall des vocalischen anlauts befördert, lässt 
sich auch sonst zeigen; ich erinnere daran, dass die pontischen 
nmndarten auch anlautendes e zu wahren pflegen und also 
z. b. eXdÖLv „öl" sagen. In Trapezunt kommt nur diese form 
vor, dagegen ist ebenda XadsQOv „ölnapf" ohne e weit häufiger 
als ilaösQov. Welches ist der grund dieser Verschiedenheit? 
Die verschiedene entfernung des anlautes vom hochton. Im 
Zakonischen heisst „blitzend" doTgärpov und „der blitz" daTQaTtä, 
aber derselbe stamm verliert seinen anlaut in argaTtoxcc^i „ge- 
witterhagel'S und welches ist hier der grund des abfalls? 
Wiederum nichts anderes als die grösser gewordene entfernung 
der ersten silbe von der accentstelle. Für den abfall von a 
verzeichne ich ausser den bereits besprochenen neutris voix^^dQiv 
^aviTaQL ^ivdgc OTtagäyyia OTgaydlLU yeXdöi- ozqaTtoxati noch 
die maskulina Quvdarjg resp. Qavdaig . l^d^avdaiog , aeQvixög . 
dQa6vr/.6g, avaxög Skarl. „hummer" daraxog, argayaliävog 
Skarl. ,,distelfink" dorgayallvog. Freilich ist mit der blossen 
einsieht, dass ein von der accentstelle entfernterer vocal leichter 
abfallen kann, als ein ihm näherer, noch nicht die frage er- 
ledigt, weshalb gerade nur in den obigen beispielen das a 
abfiel und nicht z. b. auch in dxivog „seeigel". Nur so viel 
glaube ich schon hier mit bestimmtheit aussprechen zu können, 
dass die Ursache solcher Verschiedenheiten nicht innerhalb der 
einzelnen Wörter selbst gesucht werden muss, sondern auf ein- 
fluss anderer Wörter beruhen wird, also auf analogie resp. 
paretymologie. Ich will hier nicht unterlassen auf ein sonder- 
bares faktum betreffend die ^.-prothese hinzuweisen, das ebenso 
sonderbarer weise bisher von niemandem beachtet worden ist. 
Diese prothese ist, soweit sie die substantiva betrifft, stets an 
eine bestimmte silbenzahl und an ein bestimmtes accentver- 
hältnis gebunden. Bezeichnen wir mit _ die silbe, mit j. die 

tonstelle und mit — das prothetische a, so lässt sich für die 

maskulina folgendes ausnahmslose Schema aufstellen: 

a 

Beweis: dldöavog . Xrjdavov . lahdanum 

dyiqctvog — yagavog, ein tanz auf Faros und Mykonos be- 
schrieben bei Protodikos 'Idicümä -rrjg vsag kXXrjmfjg yXa.a- 
arjg. Smyrna 1866 



70 Karl Foy 

dyeQaytag =« Uga^, loannidis ^zaziamrj TQa/tsKovvTog 
p. 275, aber auch ausserhalb des Trapezuntischen 

dnrjyavog = jtrjyavog „raute" (geschlechtswechsel!) 

docpivrafxvog kret. nach Skarl. = ocpevda(xvog „ahornbaura", 
ebenso 

dzoif.idavE im Zakonischen 

dfxrjhyxag (Lesbos) = f.irjhyYag (Andros) = /^^viy§ schlafe 

dg)vXayy,ag (Lesbos) — (pvla^ schultornister der kinder 

dfxeX(x%ag (Syra) = ^lakdxr] 

dxl^övüvag (Thera) = xl^dcovag s. Passow Index 

dxigad^og (mir nur durch Hatz. bekannt) bedtg. KrJQtvd^og 
vgl. xsQad^L z. b. auf Imbros 

dudif^agog (mir nur durch Hatz. bekannt) = xdvd^agog 

dardkacpag (Bova nach Morosi n. 169) = yiovTdXaq>ag 
grille (s. d. neugr. lexika) 

do7tovQyL%a acc sing. Puell. juv. 10 d. h. OTtovQylzi](v) 
Sperling. 

Zakonisch d(pavs == cpavog^) wird durch vocalattraction 
aus 6(pave geworden sein, das zwar bei Deffner Z. gr. p. 149 
fehlt, aber bei Oikon. im glossar angeführt wird und mir durch 
eine hiesige Zakonin bestätigt worden ist. 

Bekanntlich gilt das schema 

e_ 

« 

auch für die neutra vgl. stud. 1, wo ich noch das imbrische 
daTidiiuva hinzufügen kann == av/,diA.iva (zunächst axdi-uva, 
dann azdfiiva). 

Das Schema für die feminina stimmt in bezug auf die 
viersiibigkeit, weicht aber in bezug auf den accent ab: 

a 

Beweis: dXeLxrjva (Thera, Imbros u. a.) = Aet^^*'« Skarl. 
d. h. Xsixv^ flechte 

d(xaa/.dXr] z. b. Pass. 441, 31 = jnaaxdlrj 

dvadqrj-Ka auf Karpasos = vagd^i]^ 

l^vegdiöa z. b. in athen. märchen = Negcciöa s. Bernh. 
Schmidt Volksleben p. 98 ff. 

drcald^iT] z, b. Pass. 324, 14; B. Schmidt Märch. p. 263 
= TialdfiT} 

*) Ein am cbarsamstag bei dem XQiarbs dv^arti angezündeter ge- 
sträuchhaufe. 



Griechische vocalstudien. 71 

ccTtaQ&iva = nuQ&evog Lauts, p. 111 

artetpvqa z. b. Archiv p. 146 aus dem Peloponnes = rca- 
ICpvqa Infanterie 

aararrida Skarl. = aracpig, schon Prodr. III 350 xot 
äaTaTtiöag oXiydg 

dacpsvTova = acpsvöovrj 

dxaläotQeg Archiv p. 146 aus Santorin vgl. xaXäatqa 
„bresche" 

dxsliova „Schildkröte" neben /«Awya 

dxrjßäöa neben xtrißäda = ^jfjUjy, auf Imbros dxccßdda. 

Ausserhalb dieses kreises stehend fand ich nur zwei Wörter: 
dßdiXXa = ßöiXla (ßö ist ein sonst unerhörter wortanfang; 
die im acc. pl. entstehende Verbindung aßS war vollends uner- 
träglich), doMa (z. b. in kretischen liedern, auch von dem 
dichter Tantalidis gebraucht; — prothese vor dreifacher conso- 
nanz; dazu kommt einsilbigkeit). 

Ich kann hier nicht genauer auf die frage nach der ver- 
anlassung zu diesem a bei den männlichen und weiblichen 
Substantiven eingehen, bemerke jedoch im allgemeinen, dass 
ich dieses a in weitaus den meisten fällen als eine entwicke- 
lung zwischen den consonantisch endigenden artikelformen und 
dem substantivum auffassen muss. 

Ich setzte die obigen beispiele her, um durch sie zwei 
punkte besonders deutlich zu machen: 

1. dass der anlaut « der masculina und neutra nicht 
schwindet, wenn er unmittelbar vor der tonsilbe steht, daher 
stets djud^i, und nie f-iä^t; 

2. dass er als anlaut der feminina auch dann nicht schwindet, 
wenn zwischen ihm und dem hochton auch noch eine silbe liegt, 
daher stets dlovrtov und nie Xovtcov. 

Würden wir auch noch die zahlreichen verba mit prothe- 
tischem a heranziehen — die in einer späteren studio besprochen 
werden sollen, — so würde das gewiss zur befestigung der 
Überzeugung dienen, dass anlautendes a der verba aus phone- 
tischen gründen oder rücksichten auf den accent nicht schwindet. 
Dagegen ist zuzugeben, dass in einigen mundarten, welche das 
syllabische augment bewahrt haben, gewisse analogien zur til- 
gung des anlautenden a beigetragen haben. So sagt das Bove- 

sische Mvvijj für dmvio, aber derselbe dialect bildet den aorist 



72 Karl Foy 

ijxova d. i. ijyiovaa und nicht aytovaa, wie der aorist in den 
meisten mundarten von heute lautet. Da das Bovesische aber 
auch z. b. rj^eXa, rjawa (= s'aaioa) und manches ähnliche 
bietet , so ist klar , dass hier analogieen wirkten nach der glei- 

chung ^ataa : awvo) = T]y.oim : y,ovvio und dass hier von einem 
abfall des a d. h. einem phonetischen vorgange nicht die rede 
Bein kann. 

In kyprischen quellen finde ich bei Wörtern, die mit dnQO- 
arto- d^- beginnen, nebenformen ohne «, was genauer zu unter- 
suchen bleibt. Statt dub ^Iva bieten einige mundarten no fxeva. 
Allgemein geworden ist Tied^alvco oder nod^dvw noi^aivw „sterbe", 
aber diese form ist in anbildung an den conjunctiv aoristi ent- 
standen (wie Tto^ävo) zeigt) und in dieser form wird dife tilgung 
des a zuerst eingetreten sein herbeigeführt durch krasis mit 
vd: va dnod^dvo), vdrcod^dvca, vcc nod^ävco. üaiQvw „nehme" 
ist heute allgemein, aber wahrscheinlich liegt hier nicht abfall 
von a, sondern von e vor vgl. die bemerkung im eingang dieser 
Studie! — 

Noch will ich bemerken, dass auch die bedeutung das a 
halten kann. So kann ein privativum schlechterdings nicht ab- 
fallen. Freilich sagt man S^andsis für ^ id^avdaiog (s. vorher), 
aber hier war natürlich der ursprüngliche sinn des wertes 
längst vergessen und das volk ahnte nicht mehr, dass dieser 
name etwas mit der Unsterblichkeit zu schaffen habe. 

V. Treu ist der anlaut bei ableitungen und Zusammen- 
setzungen erhalten , wenn er im grundwort den ton trägt und 
dies letztere in häufigem gebrauche ist; so verliert sich z. b. 
das sonst so allgemein schwindende e von €v nicht in den Zu- 
sammensetzungen von evüolog vgl. av'KoloTtioTog „leichtgläubig", 
smoXoTtiaaTog „leicht zu fangen"; — so verlieren die mit olo- 
beginnenden Wörter wegen olog ihren anlaut nicht, also 6X6- 
yvf^vog, oXofiovaxog, oXoaTQoyyvXog , bXöxQvaog, öXovaveQivog. 
Nur selten hat sich im laufe der zeit das bewusstsein für die 
bedeutung des ersten theils der composita von oXog verloren, 
und zwar wie zu erwarten steht, soweit ich sehe, nur bei bil- 
dungen mit oA-, nicht bei denen mit öXo- z. b. kretisch Xovqio 
(avyo windei Lauts, p. 73) = oX-ovqiov, Xögd^a bei Meur- 
sius = oXoQd^og Aravant. p. 40 no. 44, 18. 

In diesem Zusammenhang mag auch eine beschränkung 



Griechische vocalstudien. 73 

erwähnt werden betreffend den schwund des anlautenden n der 
verba. Man weiss, dass e und i im anlaut der verba ungemein 
häufig schwinden, aber o wird nur bei den verben getilgt, deren 
flexion nie zu seiner betonung anlass gab und zu denen auch 
keine stammverwandte mit betontem o bestehen, daher ohne o 
zwar (AiXb) . ofiilüj „spreche", [.iniätw . o(.ioLdt,o) (dies letztere == 
„ähnlich sein" schon ev. Mrc. 14, 70), (lovoiato) . ofiovoiüy 
ipovvl^M = oipiovio) vgl. xpovvl^Ei Prdr. III 87 gegen oxpiaviv 
II 31, inqÖEv Ttjv iiioXoyi]or]g Alph. rhod. 32, 18 = o/iioloy^ar^g, 
(fisXio == cocpeXw, aber im allgemeinen mit erhaltenem anlaut 
6v€iQ€vo/iiai 6vof.iat<jü OQitui oQtyo/nai lOQi/nd^co wegen oveigov 
ovofia ÜQioa OQe^i{g) wQif.iog. 

Auf demselben prinzipe beruht noch die erhaltung des 
anlauts an unbetonter stelle im plural der neutra, wenn der- 
selbe im Singular den ton trägt, also ovo/iiaTa nach ovo/au, 
ebenso im genetiv tov ovn^iccTov. Im bovesischen v6/na jedoch 
hat die krasis ihr spiel getrieben wie in Studie I gezeigt ist. 

Ich glaube, durch das vorstehende mein thema noch keines- 
wegs erschöpft, aber doch wenigstens so viel klar gestellt zu 
haben, dass der abfall des vocalischen anlauts nicht als regel 
aufgestellt werden darf. Ich könnte noch hinzufügen, dass das 
syllabische augment in einigen mundarten noch in weitester 
ausdehnung erhalten ist. Was den anlaut ov betrifft, so 
kommen von echtgriech. Wörtern nur ovqcc und ovgavdg und deren 
ableitungen in betracht, wo er nie schwindet, aber auch in 
den vielen mit u beginnenden lehnwörtern ist er meines wissens 
nirgends getilgt worden. 

Bei den männlichen und weiblichen Substantiven fällt der 
anlaut e i o gleichfalls häufig ab; er ist jedoch nicht so allge- 
gemein aus dem sprachbewusstsein geschwunden wie bei den 
neutris, so dass sich in den meisten fällen doubletten mit und 
ohne anlaut finden. Diese erscheinung hat ihren grund in dem 
oben erwähnten schütze, den die consonantisch endigenden 
artikelformen tov t^v (rovg reg) gewähren. Gerade in Ver- 
bindung mit diesen hat sich der anlaut am allgemeinsten er- 
halten, so sagt das volk fast stets (.leqa für ^f.i€Qa, aber nur 
TTjv ^fisga, und man liest in Aravantinos' Sammlung epiro- 
tischer lieder zwar 2, 8 yiv&T rj f^sga vvyro. und 4, 8 uagävta 
lUEQaig, aber 17, 12 zrjv ^/niga. Wenn trotzdem der nominativ 
i^judga (vgl. Arav. 15, 1 aaßßdio ^(.dga) vorkommt, so verdankt 



74 Karl Foy 

derselbe die erhaltung seines anlauts sieher dem accusativ. 
Wie sehr der artikel im accusativ zur conservirung des vocals 
im anlaut der masculina und feminina beitrug, dieses zeigt sich 
deutlich bei den ursprünglich vocalisch anlautenden Wörtern, 
vor denen sich das schliessende v von tÖv oder zrjv festgesetzt 
hat und stammhaft geworden ist: ^ viazia steht im Qavarixöv 
rrjg ^Pööov 507, voiy,oy.vQig und voiyioy,vQd ist allgemein = „haus- 
herr, hausfrau" s. verf. Lauts, p. 69 und Bezzb. Beitr. VI 228, 
voQog = OQog oder oqqog im Kretischen und Kyprischen, o vodov 
oder 6 dovbv in pontischen mundarten, vovga = ovqÜ in ver- 
schiedenen mundarten, so namentlich in Ortsnamen, die ja häufig 
im accusativ (mit elg) vorkommen, Naßaglrog, NLxaQLcc u. s. w.^) 
Bei Wörtern, welche im nominativ und accusativ ungefähr gleich 
viel oder im nominativ häufiger als im accusativ gebraucht 
werden, konnte die zuerst im nominativ eingetretene aphaerese 
gelegentlich auch in den accusativ eindringen, vgl. Arav. 3, 1 
Tov TtiayiOTto, aber 3, 6 fzi tbv in'iG'AOJtov. Es sind übrigens 
einige fälle anzuerkennen, in denen der ursprüngliche anlaut 
überall völlig verloren gegangen zu sein scheint, sei es dass 
dieser Schwund vom nominativ ausging (dann wäre nachzu- 
weisen, dass das betreffende wort ungleich mehr im nom. als 
im acc. gebraucht wird), sei es dass andere noch näher zu 
prüfende Ursachen wirkten : av.aqa. bratrost = kayjaqa 2), 6v6a/4og 
— rjdvoaf-iov, qlyavrj = oqiyavog, voi-iazoi „personen" von ovofia, 
meist yiaXog = aiyialog. 



Nachträge. 

Zu Studie I. ^udTtTtäqiv kann nur auf grund von IrtTtaqiv 
entstanden sein, da ein tvocqiv sich wirklich nirgends nachweisen 
lässt. — IdxzaTtodiv geht auf oxTauodiv zurück, nicht auf 

XtaitböiVy da es aus dem Schema ^ heraustritt. 

Zu Studie II. In bezug auf teoosq- versteht es sich, dass 
dasselbe sein « der zweiten silbe im gen. pl. behält, wenn dieser 
casus auf antepänultima betont wird, wie es z. b. im Epiro- 

*) Formen mit v vor betontem vocal wie vdS/xos = (Ojuog gehen uns 
hier nicht weiter an. *) Zur bedeutung vgl. Aristophan. Acharn. 888: 
i^iviyxajt rr\v la/agav fj.01, iivQo xal tijv ^mlSa. 



Griechische vocalstudien. 75 

tischen geschieht. Vgl. Aravant. 2, 23: NeioyafiTtQOv xiaasQwv 
liEQWv TovQjioi /LI €7trJQav ay.X(xßov. 

Zu Studie III. In einigen mundarten ist doch das einsilbige 
vi gewagt worden = vviov. Ich finde bei Du Gange: vvl . 
vomer. vvvig, aQotQÖTtovg, aber ohne belegsteile — bei Sakel- 
larios kyprisch (^Y)viv' vvig ocqx. vvl Ttag' Vl^^^f cilXcc y,al 
yvvl Tfaqd Tiaiv — bei Klon Stephanos in einem glossar 
von Syros (Bulletin de correspondance hellenique 1879): vi, 
dXXaxov yevi, vviov — bei Morosi bovesisch dvi. — Die form 
ysvi weiss ich sonst nicht zu belegen. 

Therapia am Bosporus. Karl Foy. 



Litauisch ai aus a. 

Am südostrande des kurischen haffes, in den dörfern Loye i), 
Inse, Tawe, Gilge und Nemonien, deren einwohner von ihren 
nördlichen nachbaren (den Auksztögalei) Marögalei oder 
Märgaliszkei genannt werden, wird inlautendes qp ausser 
durch ä (dafür gelegentlich ä) durch ai (wie mir schien, durch- 
weg gestossen betont) und teilweise auch durch o {ä) vertreten. 
Die einschlagenden formen, welche ich gesammelt habe, sind: 
dräsüs „dreist" Loye, Inse, acc. sg. msc. drdst} Loye (schrift- 

lit. drqsy,); 
iS'Se-gästü „ich erschrecke" Loye, nu-si-gastü dass. Gilge (schl. 
gqsti)i iszgäszcze „des Schreckens" Tawe (schl. Iszgcfstis); 
gräszts „bohrer" Loye, Inse (hier auch gräszts), dem. gräsz- 

Ulis Loye, Inse (schl. grqszfas); 
mdsta „er überlegt" Gilge (schl. mqsto)-, 
rästai „bauholz" Loye, Inse, Gilge (schl. rqstai); 
zäsls „gans" Loye (hier auch zase«), Inse (hier auch zäsls), 

Tawe, Gilge (schl. zqsh, acc. sg. zqs{) ; 
wdszas „haken" Loye (hier auch tvä'szes), Tawe, Gilge = 
wöszas Inse (schl. wqszas); 



*) In diesem dorfe und meines wissens nur in ihm spricht man cuzti- 
na'lika (oder wohl richtiger asztinatika, 'i = poln. y) „achtzehn", offenbar 
im anschluss an septyniölika (dort septina tika) und dewyniölika. 




76 A. Bezzenberger 

ie"^<^e (hier auch dizülts)^Ta,we, Gilge, N^onien } 
ilMdes jCb^, dizüla medis „ei^W^um" LoyeTs^m.y 
aizülelis i) Gilge"i^hl. duzülas) ; ^^°^'^^. 

käisti (oder kaiste, A^a/s^-^ „beissen" Loye (hier auch kdst)^ 
Inse (hier auch käste), Tawe, Gilge, Nemonien, I sg. fut. 
kdisu Inse, III fut. kdis Inse, II sg. imper. kdisk Loye, 
Inse (sohl, kc^sti), käisnis „der bissen" Gilge (sohl. 
kqsnis) ; 
räizytes „sich recken" Loye, Inse, Nemonien (nach Kurschat 
räizytis, nach Nesselmann razytis ; vgl. o. VII 163, 
166 anm., Beitr. z. gesch. d. lit. spräche s. 42); raizolys 
,,das sich recken" Inse; 
sdinarei „glieder" Gilge (schl. sqnariei) ^) ; 
säispara „gehrsass, winkelkerbung" Inse, Gilge (schl. sqspara)', 
szdiszlawas „kehricht" Loye, Inse, Gilge (schl. sqszlawos); 
zäislai „gebiss des zaums" Loye, Gilge = zdslai Inse (bei 
Kurschat zdslas eingeklammert). 
Hierzu kommt noch das nach Nesselmann in Inse vor- 
kommende szainoszai = schl. sqnoszai. 

Da ich ausser in wä'szes, wöszas o (ä) statt q in dem 
bezirk der Marögalei nicht gehört habe, und da diese formen 
aus der spräche derselben herausfallen, so halte ich sie für 
fremdlinge, welche aus der mundart von Karkeln (vgl. die 
generalstabskarte) — in welcher ä für q, ganz regelmässig ist — 
in Loye und Inse eingedrungen sind. Streicht man ferner in 
dem obigen verzeichniss die formen käst, käste und zdslai als 
schriftlitauische, oder als solche des Niederunger dialekts, so 
ergiebt sich folgende regel : in der spräche des haffstran- 
des von Loye bis Nemonien erscheint geschliffenes 
q als ä (ä), gestossenes q dagegen als äi^). 

Da sich di für q in einem falle in der spräche Kurschata 
findet (in dem o. angeführten rdizytis), so erhebt sich die 
frage, ob die aufgestellte regel auf die bezeichnete strand- 
gegend beschränkt ist, oder ob und ev. wie weit sie auch in 
dem daran stossenden binnenlande beobachtet wird. 

') Vgl. die diminntiva kudiMlis Gilge, baHnyUle, kudiMlis, watnikMia 
Timber (östl. von Nemonien). Die diminutivendungen -elis, -ele aollen in 
diesen orten gar nicht vorkommen. *) Vgl. im gegensatz hierzu sändora 
„eintracht" {d gestossen) Gilge (freilich hier ungebräuchlich). •) Man 
beachte daneben den acc. pl. rankäs Inse. 



Litauisch ai aus ^. 77 

Die antwort hierauf muss ich einstweilen schuldig bleiben. 
Allerdings habe ich von einer person aus Dannenberg bei 
Rautenburg ^d^fii^ „eiche'* und käiste „beissen" neben tmsegdstes 
„erschrecken" una^ase""^gans" gehört; da dieselbe aber bereits 
seit einiger zeit in Inse diente, so ist hierauf nichts zu geben. 

Dass in dem Ruhig'schen und in dem Mielcke'schen 
Wörterbuch nicht zqslas, sondern zdislas „gebiss" ^) steht, beweist 
durchaus nicht, dass Ruhig und Mielcke diese wortform geläufig 
gewesen sei. Beide haben sie offenbar aus der bibelübersetzung von 
1735 entnommen 2), an welcher sehr verschiedene leute gear- 
beitet haben (vgl. Rhesa Geschichte d. lit. bibel s. 39 f.), und 
in welcher deshalb das vorkommen einer Loyer oder Gilger 
form nicht befremden kann. A. Bezzenherger. 



Etymologien. 

1) Lit, kßnm (heemü) ,,reic|jLe»f*gelangen, genügen", su- 
Jcäkti „errisTchen", kaketi „beim waten den grund erreichen", 

"st^alcis „Übereinkunft", lett. kakts „winkel, ecke" — got. fähan, 
an. fd „erhalten, fassen, ergreifen, erlangen, geben*7" ags." föjj^^^:;^^'-- 
u. s. w., got. fulla-fahj an „genüge tun", ahd. fQ^enj"'fagön 
„satisfacere's7^^|*2Ljifügen" u. s. w. ^-v., .._.,- 

2) Lat. ^Mer2W?Hts^,,zura^'zittern kalt, schauerig" — gr. 
xaqxaiQio „erzittern, erlSbben, dröhnen" (vgl. xa^xw • Xa(.ua 
[yidfiia?^ Hesych) — got. fmirhts^ ,jfurchtsara", faürhtei „furcht". g 
— V^ie faürh(ts) zu querqu(ertis) verhält sich\}a.rigohaTd. ferehaVi tJ(t^ 
„eiche" zu dem von Max Müller Vorlesungen II ^ 244 hierzu/ i/ /§ 
gestellten lat. quercus. 

3) Lett, kust „schmelzen, tauen, ermüden'^, küsdt „auf- rAMJ 
tauen", )^ud^ „klein und zart" — lit. Brs i'^ticK »sch¥itäfi]^ich, ^^^ 

') Zur accentuation vgl. in diesen Wörterbüchern baigti, waikas — bäime, 
däiktas, wäikszczoti und laukas, raukti — Idukti, läuszti, rduti. *) Im 
deutsch-lit. teile verweisen sie unter „gebiss" bei arklio zdislas auf 2 Reg. 
XIX, 28, wo in der genannten bibelübersetzung zaißus steht; Rhesa, 
der ja am kur. haff wohl bekannt war, hat diese form in seiner bibel- 
ausgabe (vom j. 1816) beibehalten, und aus ihr ist sie in die bibel vom 
j. 1869 übergegangen. Bretken hat an jener stelle kamanas gesetzt. 



78 A. Bezzenberger 

kümmerlich" — asl. kymqti „madefi^ri", kvasiti „fermentare, 
humectare", kbShm „tardus", serb. kui^ßti „ini' Wät'lisLum »i»»-. 
rJidd>l^i»ftBL^ — ags. ahd. j^^, mhd. v^K^e, mndd. l^^»«b^ 
„feufelj^", mndd. vvüfhii^n „feucnt, weich macnen". Vgl. begr. 
lat. humidus „feucht" und' übertragen „matt", madidus „feucht", 
„weich", „schlaff"^^^^, ~ 

4) Pblnr^Vto; krsztyna „brocken, bischen", von Miklo- 
81 ch Etyra. wörterb. s. 145 auf krU- zurückgeführt — lit. 
krislas „brocken", lett. krisls ,,stäubchen, bischen" = krit-sla-s; 
vgl. lit. lett. krist „fallen" („meistens von kleineren dingen" 
Kurschat). \ 

5) Lett. kreens, kreena n&uda „ein geschenk an die braut, 
krongeld" (Lange) hat nichts mit deutsch kröne ^ lett. krönis 
zu schaffen, sondern ist ein echt-lettisches wort, das ehedem 
auch im Litauischen vorkam, vgl. Michalonis Lituani De mori- 
bus Tartarorum, Lituanorum et Moschorum fragmina X ed. 
Grasser Basileae 1615 p. 28: „Mercandarum sponsarum morem, 
qui est apud Tartaros, patet fuisse etiam apud Israelitas, Genes. 
29 et L Reg. 18 quemadmodum et in nostra olim gente solue- 
batur parentibus pro sponsis pretium, quod Krieno a Samagitis 
vocatur". Verwant hiermit sind skr. kri „kaufen", kreni 
„kauf"(?), gr. TtQLao&ai (Bopp Glossar." 'sanscr.) und "mög- 
licherweise altrusß. krhnuti (Miklosic^a. a. o. s. 144). ^ 

6) lAP'kJ^ze „krebsscheere", kß^zas „schief beinig" — ksl. 
klesta..f{$2iXi^^'' — skr. ^?^^,plagen, besc1«»&eyC|de machen","samr^^ 

Sia[^ „quet9«b£n". — Auch skr. küliga ,,axt, üeil, donnerkeil" 
unT^ech/ Ä;7^|Äj^ ,,bi^^ (Miklosich a. a. o. 

s. 119) sind vielreicht verwant. ---»*«— 

7) Ahd. mhd. nhd. .^^*h^ „vollständig, UHWktzt, TfeiV-gftd 
sund" — lit. gänif^ lett. _^h»<t^ „genug" — ksl. ^^^>»^i^ „gelTäg^" | 

— gr. aq)evog ,, reichlicher vorhat", dcpvEing „begütert", av-d^eveut * 
„sich wohl befinden, gedeihen", (povog {aij-iarog) „masse" -^ 
skr. ä-hands „schwellend, strotzend, geil, üppig", gket^d i^^feam- ^^^ 
pact, zäh, dicht, ununterbrochen, ganz, all" {prajnäna-ghana^ 
,^ganz, nichts als erkennen"). Vgl. o. VI 237, VIII 330. 

8) Lit. gendü, inf. ghsti „entzwei gehen, schadhaft werden, 
verwesen" (dkijsjaü apg^nda „die äugen werden schon schwach") 

— lat. hebes „stumpf, stumpfsinnig, schwach" (oculus hebes, 
aures hehetiores u. dgl.) — gr. y.od^w „ßldßr/^ — skr. gafi- 
dhdyate „verletzen" (vgl. Fick Wbch.' 11 546). 



Etymologien. 79 

9) Ksl. gnm ,,lebes", russ. gorm „heerd", gornüo „Schmelz- 
ofen, esse", poln. garniec ,,topf" — lat. furnus ,,ofen, back- 
ofen" (von de Saussure Memoire s. 17 zu skr. ^Äma gestellt), 
fornax „ofen". — Die Zusammenstellung von furnus und germ. 
hrinnan wird hierdurch nicht beseitigt , da 'üfas b des letzteren 

~Tur g stehen kann (vgl. skr. ghpioti und ghramsä = ghran-sä). 

10) Lett. güfcha (aus *güfja) „hüfte, lende, keule beim 
braten" — serb. guz ,,hinterbacken", poln. guz „beule, ge- 
schwulst, knöpf", guzica „steiss", russ. güzka „sterz, bürzel" 
(vgl. Miklosich a. a. o, s. 81) — gr. nvYrj „der hintere" (aus 
* (fvyha). 

11) Zemait. iveltui, adv. , „unnütz, vergebens" (Nessel-, 
mann), weitas, adj., „unnütz, umsonst" (Geitler), preuss.- \ 
nordlit. weif „gratis" (Lit. forsch, s. 196), lett. welti „vergeh- \ 
lieh, umsonst, unentgeltlich" — skr. vftha „nach belieben, I 
vergebens, umsonst". — Da weltui für wetiöi steht (vgl. weitou^A 
Dowkont Bud% s. 162, 169 u. s., Göttinger nachr. 1885 s. 160 f.), 
und vftJiä für vrthäi = vrthöi stehen kann (J. Schmidt K. Zs. 
XXVII 369), so ist die frage nicht zu umgehen, ob jenes hin- 
sichtlich seiner endung etwa mit vrthä identisch sei. Dieselbe 
ist jedoch zu verneinen, da die gegensätze ved. säkhä, avest. 
hdkha, gr. ytr]rw[i] — skr. täsmai, asmai, avest. aredräi, asäi, 
^r.'&eqi (lit. dewui = zem. deiwou) lehren, dass auslautendes 
geschliffenes öi der grundsprache im Altindischen 
und in der spräche des Avesta durch äi vertreten 
wirdi), und da der auslaut von weltui auf geschliffen be- 

*) Während hier für grundsprachliches gestossenes ö» im 
auslaut ä erscheint. Man erwartet hiernach für auslautendes ge- 
schliffenes öu der grundsprache in den arischen sprachen äu und für 
auslaate(5des gestossenes ei, öu der grundsprache dort ä (bez. a) zu finden, 
und^'flKn entsprechen auch die loc sing. ved. vdsau, avest. vanhäu (zemait. 
dong^Göit. nachr. 1885 s. 161), ved. agm, avest. gara (lit, szale, vgl. 
J. ScÜ^idt K. Zs. XXVII 287) und die nom.-acc. dual. ved. devä, 
avest. ahura (gr. &m, lit. krasztü). Aber z. b. ved. hdstau steht zu den 
letzt angeführten formen in befremdlichem Widerspruch. Am einfachsten 
würde man denselben durch die annähme heben, dass die endung des 
nom.-acc. dual, der masc. o-stämme (und ebenso des nom.-acc. des Zahl- 
wortes für 8) in der grundsprache sowohl gestossen, wie geschliffen betont 
wurde. Vgl. gv.'Ia&fiol, TrayJjj^f^ (Haussen K. Zs. XXVII 614 anm. 2). 
— Was Meringer K. Zs. XXVIII 217 über das gegenseitige verhältniss 
der erwähnten dunle auf -« und -au sagt, befriedigt mich nicht, denn es 



80 Chr. Bartholomae 

tontes öi zurückweist. — Vrthä ist offenbar ebenso gebildet 
wie tdthä, ydthä, vigväthä, avest. itha, katha. 

12) 2ovv£7tiäa^aL j^waxülov^rjoai bei Hesych, an alpha- 
betisch richtiger stelle, von M. Schmidt bekreuzt, ist nicht 
in avveneoi^at zu ändern (Ahrens II 125), sondern ganz 
richtig. Sein schlussteil entspricht dem lat. sectari : ovv-STCTäad^ai, 
= con-sectari. A. Bezzenberger. 



Die Vertretung des altitalischen ss im oskischen (etc.). 

§ 1. Die oskischen perfectformen wie prüfatted, profated 
sind — meines wissens — zuletzt von Ost hoff, zur geschichte 
des perfects, s. 234 ff. und von Danielsson, Pauli's altita- 
lische Studien IV, s. 133 ff. besprochen worden. Bei letzterem 
sind auch die frühem mutmassungen hierüber erwänt. 

Was zunächst den Osthoff sehen erklärungsversuch an- 
langt, so schliesse ich mich dem Deecke'schen urteil hierüber 
in Bursian's jaresbericht XLIV, s. 236 an. Dazu kommt noch, 
dass Ost hoff das zeitliche verhältniss der tt- und i^-formen zu 
einander gerade umkehrt. Osthoff hält die formen mit tt für 
die Jüngern und will sie als analogische neubildungen auf jene 
mit einfachem t zurückfüren. Aber die inschriften oskischen 
alfabets kennen — mit einziger ausname, cf. unten — nur die 
formen mit tt, z. b. prüfatted, dadtkatted , teremnattens etc., 
wärend z. b. profated — das freilich bei Ost hoff fälschlich 
in antiqua gedruckt ist (s. 248 f.), ebenso wie amanafed (s. 240 f., 
243 f.) — auf der römisch geschriebenen tafel von Casaca- 
lendae steht. 

Aber auch Danielsso n's versuch halte ich nicht für 
gelungen. Nach ihm beruht das ti jener formen auf einer 
„sporadischen konsonantengemination, die mit einer gewissen 
Vorliebe hinter ursprünglich langen (einschliesslich der diph- 

erklärt u. a. weder die Übereinstimmung der angeführten formen devä, 
agna, säkhä (gegenüber vdaau, täsmai) noch auch die gegensätze zwischen 
z. b. gaus und der Verbindung dfvinä sünftävatl und zwischen z. b. deva 
divisprfä (ä = au vor consonant) und täsmä akshi {ä — äi vor vocal). 
Was ferner die behauptung W. Schulze's ibid. XXVII 421 z. 15—22 
betrifi't, so wüsste ich uicht, wie er sie beweisen könnte. 



Die Vertretung des altitalischen ss im oskischen (etc.). 81 

thongen) und, nach dem lateiu zu schliessen, hochbetonten 
vokalen erscheint" (s. 140), und es sei somit „das altitalische 
^-praeteritum warscheinlich im gründe einer und derselben 
bildung mit dem gleichbenannten altirischen tempus und dem 
schwachen germanischen praeteritum" (s. 143 f.). — Nun ist 
ja jene von Danielsson angenommene doppelung oder deh- 
nung der tenues aus dem lateinischen hinreichend bekannt; 
cf. Stolz, I. Müller's handbuch II, s. 168. Aber — wird man 
mit recht fragen dürfen — wie kommt es denn, dass kk und 
pp nach ursprünglich langem vokal auch nicht einmal vor- 
kommen, und dass auch jenes nach ursprünglich langem vokal 
stehende tt ausserhalb des praeteritums fast nirgend mehr zu 
belegen ist? In der tat findet es sich in oskisch geschriebenen 
inschriften anderwärts nur noch zweimal, in üittiuf und [ajlt- 
üüm — und auf beide will die Danielsson'sche erklärung 
nicht recht passen, da sonst mit jener konsonantengemination 
Vokalverkürzung band in band geht; vgl. s. 139 und Stolz, 
a. a. 0. — , wärend z. b. im part. perf. pass. , das doch nach 
Danielsson zu jenem tempus „in allernächster beziehung" steht 
(s. 145), nur einfaches t nachzuweisen ist; z. b. teremnatust, 
ligatms, Ugatfüs] ; ferner hmtels, eituns, embratur, fruktatiuf, 
llkitud, lüvkanaiets, maatüis, regaturei, sakarater, sermtels, staa- 
tns, tif'atimn u. a. m. Anderseits aber tritt jene doppelung, 
welche, wie wir eben sahen, ausser dem praeteritum nur zwei- 
mal vorkommt, im praeteritum selber wieder fast ausnamslos 
auf; cf. *): dadtkatted 16, prufatted 18, 19, 63, 64, prüfattd 6b, 
prufatted 1, prüfattens 62, teremnattens 62, ?teremnaUe[ns] 73, 
trlbarakaüins Ab 48, trlbarakattuset Ab 39, 42, [p7'üfa]tted 70, 
[prüfajttens 75. Das sind 15 formen mit doppeltem t, welchen 
mit einfachem nur das eine duunated 17 2) gegenüber gestellt 



*) Ich zitiere nach Zvetaieff , sylloge inscriptionum oscarum und 
inscriptiones Italiae mediae dialecticae. ^) Und selbst diese form 

scheint mir nicht über allen zweifei erhaben zu sein. Der Zwischenraum 
zwischen den buchstaben T und 3 ist ein ganz unverhältnissmässig 
grosser, wie man sich aus den abbildungen bei Zvetaieff und Pauli, 
altitalische studien III, taf. I überzeugen kann. Vielleicht sollte an stelle 
des 3 ursprünglich eine ligatur von T und 3 auf den stein kommen, von 
der dann der Steinmetz die rechte hälfte des deckbalkens vergessen hat. 
— lamatir in 50 lasse ich als ganz unsicher bei seite. Auch wenn Da- 
nielsson's erklärung (a. a. 0. III, s. 183 ff.) das richtige trifft, so läset 
eich lamath' doch nicht unmittelbar mit duunated zusammen stellen, da 
Beiträge z. knndo d. indg. sprachen- XII. Q 



82 Chr. Bartholomae 

werden kann. — Soll man nun etwa an schulmässige Ortho- 
graphie glauben? Aber davon ist doch sonst in den oskischen 
Inschriften warhaftig nichts zu spüren. Oder an zufall? Der 
Zufall wäre so wunderbar, dass ich mich auch dazu nur ungern 
verstehen möchte. 

§ 2. Ich versuche eine neue erklärung jener formen, und 
zwar auf lautlichem weg, indem ich die gleichung ansetze: 

italisch ss zwischen vokalen = oskisch-sabellisch- 

volskisch tt. 

Dabei will ich es dahin gesteint sein lassen, welcher laut durch 
jenes tt ausgedrückt werden sollte. Warscheinlich doch ein 
solcher, der weder tt noch ss war, sondern zwischen beiden in 
mitten stand; vielleicht also eine geminirte oder auch ge- 
dehnte postdentale oder interdentale spirans. Die Schreibung 
trlbarakat . tins , trlbarakat . tuset im cippus Abellanus spielt 
jedenfalls bei der frage, wie der lautwert des tt zu bestimmen 
sei, keine rolle. Vgl. G. Meyer, griech. grammatik^, s. 272 f, 
sowie die dort angegebene litteratur über das griechische aa- 
tT-iyd^ etc. und wegen eines vielleicht änlichen falls im latei- 
nischen unten s. 83. — In den im römischen alfabet geschrie- 
benen inschriften ist statt jenes tt durchweg t geschrieben. 
Damit ist jedoch noch keineswegs der beweis geliefert, dass 
sich auch in der ausspräche anstatt des frühern, durch tt be- 
zeichneten lauts nunmehr ein gewönliches t eingestellt habe. 
Die Orthographie der tabula Bantina ist bekanntlich miserabel, 
und in den nichtoskischen dialektinschriften werden — mit 
ganz wenigen ausnamen i) — überhaupt nur einfache konso- 
nanten geschrieben. 

§ 3. Zur bestätigung der oben aufgestellten gleichung 
dienen folgende fälle: 

1) Die praeteritalformen mit tt. Dieselben sind identisch 
den lateinischen mit ss, wie amassem etc., welcher art auch 

auf der bleilammina von Capua überhaupt jede doppelsetzung von konso- 
nanten vermieden ist; vgl. Buecheler, Rhein, museum, n. f. XXXIII, 
8. 74 f. 

^) Und zwar: anniaes 20 (aber aniaes 22, ania 16), arghillus 23 (== 
gr. KQ/ilXos; auch der flexionsausgang ist griechisch) und meddis 4.5. 
Statt SEFFI 33 ist SEFEI zu lesen. Was pperci oder pampperci auf 
derselben inschrift sein soll, hat noch niemand zu sagen gewusst. Die 
form ist jedenfalls korrupt. — Die inschrift 14 mit acca ist lateinisch. 



Die Vertretung des altitalischen ss im oskischen (etc.). 83 

deren entstehuug sein mag. Vgl. Stolz, a. a. o., s. 234. Die 
Verbindung mit den altirischen praeteritalformen wie ro charus 
gilt auch mir für die annehmbarste. 

Die oskischen formen, soweit sie den im nationalen alfabet 
geschriebenen inschriften angehören, sind bereits oben aufge- 
zält. Dazu noch: osk. profated 7, ?lamatir TB 21; — pael. 
coisatens 29, locatinfsj 31, ? sestiatiens 32; — marr. famatens 
6; — volsk. sistiatiens 46: alle im römischen alfabet geschrie- 
ben ; — endlich vielleicht die auf der lateinischen inschrift von 
Luceria (CIL IX, 782) stehenden, aber doch wol unlateinischen 
formen fundatid, parentatid und proiecitad; vgl. Buchholtz, 
oskisches perfektum im lateinischen, s. 4fF. , Danielsso n, 
a. a. 0. IV, s. 154 f. — Oskisch prüfatted, j)rüfattens sind also 
die von Brugman, morpholog. unters. III, s. 56 gesuchten 
italischen indikativformen zu lat. amasso, amassim. Den regu- 
lären Optativ dazu haben wir in tribarakatüns i), cf. lat. amas- 
sint, wärend tribarakattuset sich zu * tribarakaited stellt, wie 
lat. dixerint zu dixit 

2) Osk. uittiuf Ab 40, 43, aus it. *oissiöns, cf. lat. üsio zu 
üti. SS — tt geht also hier auf idg. t + t zurück. — Stolz's 
ansatz: idg. t + t = urit. tt (a. a. o., s. 182 f.) halte ich dess- 
halb nicht für richtig, weil sämmtliche indogermanischen spra- 
chen — das altindische eingeschlossen , cf. dehi > av. dazdi 
aus *ded-dh{ — darauf hinweisen, dass ein vor t, th, d, dh 
stehendes t, d schon in der Ursprache assibilirt (ß, d) worden 
war. lieber J>p aus pt für t + t(h) kommen wir auf italischem 
Sprachgebiet nicht hinaus. Hat Cocchia recht mit der anname, 
dass in den bei Festus überlieferten altlateinischen formen 
adgretus, egretus, exfuti, gnitus das t (statt tt) phonetisch 
einem pp gleichzusetzen sei — vgl. Stolz, a. a. o., s. 183, 
Osthoff, zur gesch. des perf., s. 556; ich kenne Cocchia's 
aufsatz nur aus diesen zitaten — , so ist meine gleichung etwas 
zu modifiziren, nämlich : it. intervok. ss und// = osk. (etc.) tt 
Ein italisches pp würde den unter 2) und 3) aufgezälten Wör- 
tern zuzuweisen sein. — Osthoffs ableitung von üUtiuf 
aus *oititions (a. a. o. , s. 557) ist unnötig und one analogie. 

^) Nebenbei bemerke ich, dass ich in tribarakavüm etc. nicht das 
zweite a für svarabhaktisch halte, wie Thurneysen, Kuhn's Zeitschrift 
XXVII, s. 182, sondern das erste. Die bildung vergleiche ich mit der 
in lat. fabricare. 

6* 



84 Chr. Bartholomae 

Mit der Danielsson'schen erklärung haperts hier ebenso wie 
bei den nächstfolgenden beispielen; cf. oben s. 81. 

Stolz will auch lat. rutilus aus *rud-tilo-s erklären. Ich 
kann es jedoch nicht glauben, dass rutilus ein andres wort 
sein soll als das altind. rudhirds. Dann aber ist es lehnwort, 
ebenso wie rufus, und zwar aus dem etruskischen. Zu etr. 
t (d-) = idg. dh vgl. tece == gr. sd^rjyie, lat. fecit ; cf. Deecke, 
etr. forschungen u. Studien II, s. 46 1). Das scheint mir auch 
noch warscheinlicher als Kluge's anname (etymol. Wörter- 
buch, s. 276), dass das indogermanische zur bezeichnung des 
begriffs „rot" zwei verschiedene lautkomplexe rudh- und rut- ver- 
wendet habe. 

Auf alle fälle hat Stolz unrecht rutilus, das wärend der 
ganzen latininät gebräuchlich ist, mit den aus Ennius ange- 
fürten, also altlateinischen adgretus, egretus etc. in einen topf 
zu werfen. — Woher Petronius sich sein mattus geholt hat, 
mag der himmel wissen. Ist es acht lateinisch, so darf es nur 
unter der Voraussetzung mit egretus etc. verglichen werden, 
entweder dass Osthoff's erklärung von egretus etc. aus *egre- 
ditus mit später vokalsynkope das richtige trifft ^j, oder aber 

*) Ich sehe darin eine weitere bestätigung meiner zuerst in Kuhn's 
Zeitschrift XXVII, s. 355 ausgesprochenen ansieht über das verhältniss 
des lat. feci zu gr. I^jjxf; vgl. auch arische forsch. II, s. 64. /ec- 
und &r}x- sind direkt gleichzusetzen. Das k halte ich für ein stamm- 
bildungssuffix , das zunächst dem aorist vokalisch ausgehender wurzeln 
zukam; also zunächst in: * d-dhek-t ; gr. ^&tjx6, Isi. feci, etr. tece; — 
*d-jek-t : lat. j'eci, gr. fjxs ; — *e-dök-t : gr. ^Swxs; — *e-stäk-t = etr. estak, 
estak (das e wird prothetisch sein; oder augment?). Von hier aus drang 
es dann zuerst, und zwar schon sehr frühzeitig, in das praesens- und 
perfektsystem der nämlichen wurzeln, später auch in den aorist und das 
perfekt andrer verba. Man vergleiche hiezu die gar nicht seltene neu- 
bildung von praesensformen aus dem sigmatischen aoriststamm (vgl. 
verf. , ar. forschungen II, s. 85), — wozu die Verwendung des kon- 
junktivs in einer von der des praesens kaum geschiedenen bedeutung anlass 
gegeben haben wird, — sowie die uralte Übertragung des praesenssuffixes 
«k-Ji (kh, sc) bei der wurzel prek^- ,, fragen" (altiad. joapr^/fcAa, \a.i. poposci). 
Vgl. gr. xid^HXK, SäSoixa, X^X. facto; —/etr. zyfmce (s ^^ avit) Jlu k. kiox axan 
(locavit), gr. Siddoixa, ßeß^rjxs u. &. Cf. Bu|ji^, Bezzenberger's beitrage X,"' 
8. 112 ff. *) Sichere fälle solcher vokalsynkope zwischen dentalen liegen 
in cottidie und quotus vor (litteratur bei Osthoff, a. a. o., s. 557, 594). 
quotus für £Moi^^ji&,, entspricht — von t = th abgesehen — dem altind. 
katithds; dagegen ist griech. nöaxog auf idg. * k^optos zurückzufüren, das 



Die Vertretung" des altitalischen ss im oskischen (etc.). 85 

dass mattiis und egretus ihr t statt s auf dem weg der analogie 
erhalten haben, so dass also hier gerade das umgekehrte ein- 
getreten wäre, wie bei lapsus, fixuH, tersus etc., die s an stelle 
von t haben, das, wie tertiis zeigt, z. t. noch daneben vorkommt. 
ostentum und portenhim, die Froehde, Bezzenberger's bei- 
trage I, s. 210 aus *tend-\-tum ableiten will, gehören ebenso 
wie intetitus und attentus (vgl. ebenda) zur wurzelform ten-; 
vgl. Osthoff, a. a. o., s. 556. 

3) Osk. faJUtlüm Ab 53, aeteis TB 12, 18, 2l Auch 
hier fürt U (t) auf idg. t+t zurück; cf. eben. Zur etymologie 
und bedeutung vgl. man gr. aiaa aus "* a\aaa = * ait-ja und 
Buecheler bei Zvetaieff, SIO s. v. aeteis. Ueber das pael. 
aetatu s. jetzt Buecheler bei Osthoff, a. a. o., s. 236. 

4) Osk. patt . . 4. Ich ergänze das wort unbedenklich zu 
paltens, und erkläre dies als 3. plur. akt. des s-praeteritums 
aus der wurzel pat- „eröffnen", wozu patensins Ab 50, 51 als 
optativform des praesensstamms pat-n-oje gehört; vgl. lat. pan- 
derent und Thurneysen, Kuhn's Zeitschrift XXVI, s. 302. 
Hier steht sonach tt für idg. t + s und entspricht dem ss in 
lat. passus, part. pass. zu pandere. Das lat. perfekt pandi ist 
zweifellos eine jüngere , auf dem praesensstamm aufgebaute 
form. — Die kleine erztafel, die unser patt . . enthält, wird der 
anläge oder dem durchbruch einer Strasse gegolten haben. Die 
Verbindung der wurzel pat- mit vlu „Strasse , weg" findet sich 
auch in den inschriftfragmenten 73, wo wir vlu pat... lesen. 
Vielleicht stand viu pattust, d. i. via passa est auf der tafel. 

5) Osk. angetuzet TB 20 — geschrieben ange . tuzet; vgl. 
oben s. 82 das zu triharat . tuset bemerkte — entspricht viel- 
leicht einem lat. in(an)gesserint , einer sigmatischen praeterital- 
form von ges-(gerere). Dann wäre t — it. ss == idg. s-\-s. 
Falls diese erklärung das richtige trifft, so ist die hergebrachte 
Zusammenstellung von lat. gerere mit gr. ßaard^eiv — so zu- 
letzt Osthoff, a. a. o., s. 587 f. — , gegen die übrigens ausser 
dem vokal auch der anlaut g spricht, aufzugeben. 

§ 4. Nachdem ich die belege aufgefürt, die meine glei- 
chung it. ss = osk. tt beweisen sollen, erübrigt nun noch 

sich zu '-^ kiOft{h)os verhält, wie av. dug[e)dä zu ai. duhitd, gr. &vyäTT]Q; 
— av. ptä zu ai. pita, gr. nar^Q; —^'sXrstfBKu'zn'^r. äOTrJQ ; — äi. na 
zu gr. dv^Q u. 8. w. Vgl. noch aestas, aestimare unten s. 90. 



86 Chr. Barth olomae 

weiter zu untersuchen, ob ihr nicht etwa andere Wörter direkt 
entgegenstehen. 

a) Was zunächst das oskische anlangt, so liegt hier ein 
ganz sicheres beispiel eines s an stelle von idg. t + t vor in 
fegaogeiy d. i. lat. versori; cf. Mommsen, unterit. dial., s. 191 f., 
259. Aber hier stand das italische ss nach einem konsonanten 
und war schon vor dem inkrafttreten jenes gesetzes zu ein- 
fachem s reduzirt worden. Ebenso ergibt ja im attischen 
urgriechisches * f-ieXioaa aus °itja : (.liXiiza , aber * cpegovaua 
aus °ontja : q)€Qovaa, *rtdvooa aus °antja : näoa'^). — [Ist 
Cocchia's oben erwante anname richtig, so folgt aus unserem 
fEQGOQsi, dass der Übergang des p in den s-laut nach vokalen 
und konsonanten zu verschiedenen zeiten erfolgt ist.] 

Das gleiche gilt von dem bei römischen Schriftstellern über- 
lieferten vorsus, dem namen des nationalen ackermasses der 
Osker und Umbrer; es gehört ebenfalls zur wurzel vert- und 
entspricht dem lit. varstas. Vgl. Bechtel, Bezzenberger's bei- 
trage I, s. 171. 

Ferner steht ein oskisches s an stelle von lat. ss in aserum 
TB 24 = lat. asserere. Das wort ist eine junge zusammen- 
rückung, kein altes kompositum. In Sachen der lautlehre dürfen 
aber nur die letzteren gehört werden. 

Wo sonst im oskischen s zwischen vokalen auftritt, geht 
es auf altes s oder auf ks zurück. So ist z. b. s = s in: aasas 
> lat. arae, — fluusal > lat. florae, — deketasiül > lat. 
'^ario^); dagegen = ks in: esel, nesimois und vielleicht usurs, 
vgl. das folgende. 

Ein intervokalisches ss finde ich im oskischen nur dreimal 
bezeugt, in: melüssaii 95, worin man den griechischen namen 
MeXiaGoiog erkennen will; vielleicht aber gehören die buch- 
staben gar nicht zu einem worte zusammen. — essuf 17, wofür 
auf der tab. Bant. esuf (17, 21) geschrieben wird, nehme ich 
mit Danielsson, a. a. o. III, s. 141 ff. als lokaladverb = 



*) Ggr. ilaaa(ov, ^aaawv, aaöov, att. ^Xuttwv, xt^arrwv haben ihr aa, 
TT von rjaawv, tJTTCJv, xQeCaaojv, xQttxtuyv u. änl. bezogen. ') niumeriis 
24 gegenüber niumsieis zeigt die lateinische lautform, = numerius. — 
Merkwürdiger weise besteht die ganze inschrift aus fremdwörtern. Die 
beiden andern, der vorname tanas und der titel /runter, sind etrus- 
kisch; cf. Bugge, Bezzenberger's beitrage XI, s. 40, Deecke, etruskische 
forsch, u. stud. V, s. '60. 



Die Vertretung des altitalischen ss im oskischen (etc.). 87 

„hier, daselbst, allhier", und füre es auf * eksuf zurück. Altes 
ks wird im oskischen regulär durch ss, s vertreten, vgl. asateg 
> lat. sextius, — eestlnt > lat, extant, — ?nessimas, nesimois 
(cf. unten), — ?usurs 50 > lat. uxores, wärend die erhaltung 
oder wiedereinfürung des Ä;-lauts in exsiic, exac dem einfluss 
von ekak, ekas zuzuschreiben ist. Der einwand, den Daniels- 
son, a. a. o. , s. 153 f. gegen diese erklärung erhebt, nämlich 
„es wäre ziemlich schwer zu verstehen, warum das k nicht auch 
im adverb es(s)iif durch jene analogie wieder eingefürt, bez. 
geschützt worden wäre" ist nicht stichhaltig. Es geschieht oft 
genug, dass durch die analogie eine neue formenreihe (ein 
neuer „stamm") geschaffen wird, one dass desshalb die alte 
gleichzeitig verdrängt würde. Vgl. altind. pdgyati neben spastds, 
täras neben stj-bhis i) u. a. m. — n . ssimas 41 ist warscheinlich 
doch zu. nessimas zu ergänzen; dann geht auch hier das ss auf 
Ars zurück; auf der tab. Bant. steht das gleiche wort mit ein- 
fachem s, cf nesimois 25, nesimum 17, 32. Jedenfalls ist es 
mit nhd. nahe, nächst verwant. 

Endlich, die unbestrittene tatsache, dass im oskischen 
intervokalisches tt in ein par fällen nicht auf italisches ss 
zurückfürt, kann natürlich nicht als beweis dafür gelten, dass 
tt überhaupt niemals aus ss entstanden ist. Es sind das : siuitiis 
62, titti 108, y.OTT€Lr]ig 147, xottsi 148, 'mtti 149 und arairi- 
r]ig 160: sämmtlich eigennamen. Das messanische araxTirjig 
ist das einzige wort, das mit einiger Sicherheit zu gunsten von 
Danielsso n's erklärung des ^^-perfekts geltend gemacht werden 
kann. Aber die inschriften nationalen alfabets haben auch in 
diesem fall einfaches t, cf.: staties 49, 140, statis 31, statie 53, 
staaties 20. In den übrigen beispielen scheint der vokal vor U 
ursprünglich kurz gewesen zu sein ; dann mag man tt beurteilen 
wie z. b. pp in aTtTis'kXovvrjL 160, appellune , appellunels (cf. 
bulletino dell' inst. 1882, s. 189, 205, 223); vgl. auch noch 
unten s. 92. Die etymologie dieser namen ist ganz dunkel. 

Wieder ein andres ist es mit dem tt in alttram, alttrfus] 
Ab 53, alttrei AgA 17, B 21 und pimttram 62, wo es vor r 
steht. Auch hier geht es auf einfaches t zurück. Bezüglich 
der Schreibung lassen sich etwa lat. frattre, mattrona u. a. auf 

*) Das indogermanische wort für ,,8tern" zeigt also dreifach ver- 
schiedenen anlaut; cf. gr. daxriQ, ai. strbhis, ai. tdras. Wegen des anlau- 
tenden wurzelhaften rc cf. Brugman, Curtius' Studien IX, s. 387 S. 



88 Chr. Bartholomae 

afrikanischen inschriften vergleichen, püntfram aus *pontHram 
zu erklären sehe ich keine veranlassung. 

Der Vollständigkeit halber erwäne ich zum schluss noch 
. . . dittis aus dem inschriftfragment 40. 

b) In den inschriften der übrigen dialekte, für die ich den 
Übergang von ss zu tt ansetzte, ist, wie schon erwänt, die 
Schreibung von doppelkonsonanten vermieden. Ob sich etwa 
noch das eine oder andre der intervokalischen t auf ss zurück- 
füren lasse, soll hier nicht weiter untersucht werden i). Es 
handelt sich nur darum, ob nicht vielleicht ein intervokalisches 
s auf SS zurückgeht. 

Ein zwischen vokalen stehendes s entspricht: 1) altem s; 
cf. : pael. upsaseter 29 > lat, operareUir ; — coisatens 29 > 
lat. coiranmt; — valesies 28 > lat. valerius; — sab. flusare 8 
> osk. fluusai, lat. florae; — marr. asum 6 (infinitiv), volsk. 
asif 46 (partizip) > lat. arere, arens (cf. Buecheler, lexicon 
italicum, s. 5 f.; umbrica, s. 89) 2); — 2) altem ks; cf.: pael. 
usiir 11 >lat. uxor; — marr. esuc 6 > osk. essuf{ci. oben s. 86 f.); 
— 3) In einem unbestreitbaren fall endlich steht s in der tat 
an stelle von idg. t-\-t, also von it. ss, nämlich in oisa der 
paelignischen inschrift 12 von Corfiniura. oisa ist, wie Bueche- 
ler, Rhein, museum, n. f. XXXV, s. 495 richtig erkannt hat, 
dem lat. üsä, abl. sing. fem. des part. perf, pass, von oiti — 
üti „brauchen", identisch, vertritt also it. *oissäd 'dus*oit + tä-d. 
Ist nun diese form allein dazu angetan meine gleichung it. ss 
= osk. (etc.) tt über den häufen zu werfen? So lange sich 
nicht gewichtigere gründe dagegen ins treffen füren lassen, 
kann ich das nicht zugeben. Erwägt man: einerseits dass es 
lediglich einem herkommen entsprach jenen an die stelle des 
alten ss getretenen laut (oder lautkomplex) mit tt zu bezeich- 
nen, dass aber der gesprochene laut sich mit dem sonstigen 
wert des oder der geschriebenen zeichen keineswegs deckte; — 
anderseits dass zu der zeit, aus welcher unsre inschrift stammt, 
Corfinium und überhaupt das Paelignergebiet jedenfalls schon 
auf dem wege der latinisirung begriffen waren: so ergeben sich 



^) Sind vielleicht die medix oticus auf der paelignischen inschrift 31 
„die Schatzbeamten" (von as , assis in der bedeutung „geld")? ^) Das 
lat. assus stellt sich zu arere , wie hausus zu haurire , haesut zu hae- 
rere etc. 



Die Vertretung des altitalischen ss im oskischen (etc.). 89 

zwei möglichkeiten jene Schreibung zu erklären. Entweder es 
liegt hier ein vereinzelter versuch vor der ausspräche des sonst 
mit t (tt) dargestellten lauts in andrer als der herkömmlichen 
weise gerecht zu werden, oder aber, es ist in der Schreibung 
oisa der einfluss der lateinischen mundart und Orthographie zu 
erkennen. — Zu gunsten der letztern anname lässt sich noch 
ein weiteres moment geltend machen. In der gleichen inschrift 
begegnet uns das wort faber, von Buecheler, a. a. o., mit 
lat. faber identificirt. Fick, Kuhn's Zeitschrift XIX, s. 260 ff. ä 
stellt das lat. faber „künstler", fabre, affabre „geschickt" mit / 
got. gadaban „sich schicken", gadöbs „schicklich" zusammen, / 
und Bugge, Deecke's etrusk. forschungen und Studien IV, s. 202 
mit etr. d^afure. Sind diese vergleiche richtig, so folgt, dass 
auch jenes osk. faber nicht die strengoskische lautgestalt auf- 
weist; denn got. b, etr. f = idg. bh müsste lautgesetzlich durch 
f vertreten sein. Das b in faber wäre also ebenso auf latei- 
nische einflüsse zurückzufüren, wie das s in oisa. 

§ 5. Dem umbrischen dialekt ist der wandel von ss zu tt 
unbekannt. Hier entspricht ss oder s ; cf. : f,ssiu, fisiu, fisovie 
etc. > lat. *fissus, fisits zu fidere (cf. Buecheler, Wölfflin's 
archiv I, s. 104); -— frosetom > lat. frausus zu fraudare; — 
sesust (sigmatisches praeteritum, cf. verf., Kuhn's Zeitschrift 
XX VII, s. 354) > lat. sessiim zu seder e'^). Buecheler's ver- 
gleich: „tedtu, dirstu fit tetu, ditu ut a gradiendo egretus" 
(umbrica, s. 183) ist nur dann richtig, wenn man mit Osthoff, 
a. a. o., s. 556 egretus aus *egreditus mit späterer ausstossung 
des i ableitet. Vgl. umbr. ustentu > lat. osfendüo, kuverfu > 
convertitOj osk. actiid > agito. — Ueber tetfome cf. Bueche- 
ler, a. 0., 8. 48. 

Ebenso ist dem umbrischen die praeteritalbildung mit ss 
— U fremd. 

Dass das volskische in beiden stücken mit dem oskisch- 
sabellischen zusammengeht, hat nichts auffälliges. Die her- 
kömmliche anname besonders naher beziehungen zwischen dem 
volskischen und umbrischen dialekt beruht wesentlich auf irri- 
gen Voraussetzungen oder scheingründen. 

§ 6. Das oskische perfekt mit ff, f — cf. aamanaffed, 
manafum (auf der Capuaner bleilammina, die keine geminaten 

*) Buecheler, urnbnca, s. 45 setzt sesust = *sersust = lat. sederit. 
Aber der dabei angenommene ausfall eines r vor s ist ganz one analogie. 



90 Chr. Bartholomae 

kennt, cf. oben s. 81 n.) und amanafed (7, römische schrift) i) — , 



*) (ukdafed 15 ist doch wol nur ein versehen für aidfaked zu lat. aedü 
ßcare; vgl. W. Schulze, Kuhn's Zeitschrift XXVII, s. 422, Deecke, 
Bursian's jaresbericht XLIV, s. 235. Ob sich aber beide der tragweite 
dieser änderung bewusst waren ? — Dass lat. aedilis aus aedes zu griech. I 
ai&og, altind. idhmäs, inddhe gehört, gilt allgemein als ausgemacht. Dann | 
aber folgt: Entweder: der damit identische oskische amtstitel aidil, 
aidilis ist aus dem lateinischen entlehnt, wie etwa kenzsur 4 (wenn es 
nicht, wie ich vermute, blosser Schreibfehler für sonstiges kenzstur ist); 
in diesem fall ist die vorgeschlagene korrektur von aikdafed abzuweisen, 
da sich nicht annehmen lässt, dass auch der narae für „gebäude" aus 
dem lateinischen entlehnt worden sei. — Oder aber: das oskische und 
lateinische d in aedes, aedilis, aldil, aidfaked gehen auf urit, zd, d. i. 
indogerm. itdh zurück, also aides auf * aiddh^ aus aidh-^-f^ nach dem 
von mir in Kuhn's Zeitschrift XXVII, s. 206 formulirten aspiratengesetz. 
Bekanntlich gingen die indogerm. mediae aspiratae im italischen zunächst 
in tenues aspiratae und in der folge in tonlose Spiranten über. Aber 
nach einer spirans {z, a) haben sie eine andre behandlung erfaren. Hier 
wurden sie sogleich zu medien und blieben als solche erhalten; vor d 
ging die spirans späterhin verloren. Vgl. lat. creditum aus * k-iVectdlCtom 
^ altind. sräddhitani; miles (für mldes) aus *mizdh^ ]> ai. mldhdm, gr. 
fita&os, got. mizdo, ksl. mtzda (? wurzel meizh-); — cöda aus *kozdhä 
oder *koddhü > gr. nöa&rj (Havet, memoires de la soc. de ling. V, 
s. 444); — mergo, mergus aus '^mezgh- > ai. mdggati, mddgus, av. ma- 
zgem, an. mergr, nhd. mark, ksl. mozgü, lit. mazgoti (verf., Kuhn's Zeit- 
schrift XXVII, s. 352, 354). Die idg. gruppen zd, dd, zdh, ddh ergeben 
somit im lateinischen den gleichen laut, d oder dafür /; bez. zd cf. nldus 
aus *nizd6s ^ ai. nldäs, nhd. nest; — malus aus *mazdos > nhd.^lfJRySff^" 
[Andere beispiele bei Kluge, Kuhn's Zeitschrift XXV, s. 313 f., Stolz, 
a. a. 0., s. 184; dazu vielleicht noch crüdus aus * k^reuzdos > av. 
^raoMUa- „zäh, hart" vom holze] Aber idg. st, pf, sth, pth gehen im 
lateinischen bekanntlich auseinander. — W. Meyer's anname (Kuhn's 
Zeitschrift XXVIII, s. 166 f.), dass die idg. gruppe spirans-ft^Ä im lat. 
zunächst zdh, dann sp, endlich st geworden sei, halte ich für verfehlt. 
Mit credo sucht er sich dadurch abzufinden, dass er frühzeitige ersetzung 
von *crezdho, bezw. *crespö durch * crezdo postulirt. W^ie aber heimtles, 
cöda (und mergo, wofür nach W. Meyer *mesco zu erwarten wäre)? Die 
Meyer'schen beispiele beweisen nicht, was sie beweisen sollen: „aestus, 
aestas (s. u.) wz. eidh, custos wz. keudh, hostus (ertrag) und hasta, beide 
zu WZ. ghedh, ghed haften, festhalten" und auch „manifestus , infestus 
neben itifensus, defensus u. s. w., wz. hhedh" können, trotzdem sie ausser- 
halb des Verbalsystems stehen, doch ihr t statt d durch lautliche an- 
schhessung an die gewönliche form des part. perf. pass. und der ver- 
wanten bildungen erhalten haben. Es steht nichts im wege dieselbe in eine 
sehr frühe zeit zu verlegen. So, glaube ich, werden sich auch Osthoffs 
bedenken wegen lat. lectus u. a. (zur gesch. des perf., s. 32U) beseitigen 



/ 



Die Vertretung des altitalischen ss im oskischen (etc.). 91 

welches Osthoff, a.a.O., glaubte mit dem ^^-perfekt zusammen 
behandeln zu müssen, ist meines erachtens ganz davon zn 
trennen. Im anschluss an eine bemerkung Thurneysen's in 
Bezzenberger's beitragen VIII, s. 281, n. 1 erkläre ich ff als 
Vertreter eines indogermanischen bhu, der schwachen wurzel- 
form von hhau- , und für identisch mit dem b in lat. amabit, 
amabat und dem f in altir. no charfa^). Freihch ist dann die 
zuerst von Westphal aufgestellte und von J. Schmidt, 
Kuhn 's Zeitschrift XXVI, s. 397 wieder aufgenommene erklä- 
rung des lateinischen J-praeteritums, wonach z. b. sedebam aus 
* sede, einem infinitiv = altind. sdde, -\-bam, dem praeteritum 
von ybhau-, entstanden sein, eigentlich also „ich war beim 
(genauer „zum'') sitzen" bedeuten soll, nicht mehr streng auf- 
recht zu erhalten. Mag das e in altind. sdde auf ai, ei oder oi 
zurückgehen, im oskischen konnte keinesfalls ein e an dessen 
stelle treten. Wenn die erklärung auch fürs oskische stimmen 
soll — und sonst stimmt sie eben überhaupt nicht — , so muss 
das e in sedebam auf ein indogermanisches e zurückgehen. 
Vielleicht gehört es zusammen mit dem rj griechischer orts- 
adverbien wie ezaveQrj, oTtrj (vgl. G. Meyer, griech. gramm.^, 
s. 365 und dazu altind. antard, daksinä, madhjä, samanä) oder 
auch mit dem ä vedischer instrumentale wie abhikhjä. Man 
vgl. rgv. 10. 112. 10: 

abhikhjä nö maghavan nddhamänänt 

sdkhe bödhi vasupate sdkhinäm, 

lassen. Osthoff möchte annehmen, das ursprachliche resuliat von gh+t, 
bh+t sei nicht gdh, bdh, sondern gth, hth gewesen. Ich sehe aber nicht, 
was damit gewonnen werden soll. Denn die differenz zwischen got. gahugds 
(Kluge, Paul u. Braune's beitrage IX, s. 153) und tnahts bleibt ja doch 
bestehen. — Zu lat. hasta gegenüber got. gazds, nhd.gerte cf. eben; v 
Stolz's bemerkung liiBzu X»- a. o., s. 179) verstehe ich nicht. — aesti- 
mare gegenüber ai. l'de, got. gaaistan aus idg. ^zd^ dürfte ani * aizditimare 
zurückzufüren sein; vgl. hgittmare und zu den lautverhältnissen aestas 
aus *aizditas (s. oben und Paucker, Kuhn's Zeitschrift XXIII, s. 167). 
— Die Benfey'sche Zusammenstellung von l&i. juheo mit a,v. faozdätti 
und deren zurückfürung 9.\ii Javas + dhä- ist rettungslos verfehlt. 

^) Ost hoff, a. a. o. , s. 241 erklärt die anname einer komposition 
mit fust, furent in umbr. andersafust, ambrefurent (vgl. das folgende) für 
„unsinn" unter berufung auf Brugman, morph. unters. III, s. 47 f., 50. 
Vgl. dagegen Brugmann, Techmer's Zeitschrift I, s. 240 f. Unsinnig 
freilich würde es sein die komposition in jenen umbrischen verben für 
original zu halten. 



92 Chr. Bartholomae Die Vertretung d. altital. ss (etc.). 

wo die Verbindung ahhikhja hödhi „sei beim an-, herscbauen" 
= „schau an, — her" mit jenem vorausgesetzten *sede-hhuäm 
„ich war beim sitzen" = „ich sass" eine auffallende änlichkeit 
hat 1). 

Statt fufans Ab 10 erwartete man *f uff ans zu finden. Ich 
vermute, dass f für ff aus solchen bildungen übertragen ist, 
welche den umbrischen wie ambrefurent, ateäafust, andersafust 
aus ■\-\-*hhu-set entsprachen. Zwar sind uns solche formen im 
oskischen nicht direkt überliefert, haben aber doch wol auch 
hier existirt, wenn ich wenigstens recht habe anzunehmen, dass 
der M-laut in trlbarakattuset, fefacust, dienst etc. von ihrer seite 
her bezogen ist; vgl. auch Brugman, morpholog. unters. III, 
8. 50, W. Schulze, Kuhn's Zeitschrift XXVIII, s. 272 f. Das- 
selbe gilt von dem M in umbr. faktist, fakurent, dersicust, dersi- 
curent etc. ^) , wärend das lateinische fecerit, dixerit, fecerint 
an dessen stelle e für i aus idg. " (schwa; cf. gr. f^d-E-a, altind. 
dved-i-sam) bietet. 

Die mit h, f, ff gebildeten tempora der italischen sprachen 
enthalten somit die wurzel bhau- (oder wie man sie sonst an- 
setzen mag) in dreifacher gestalt; 1) bhu- in: umbr. ambrefu- 
rent, andersafU'St ; 2) bhu- in: osk. aamanaff-ed , manaf-um, 
amanaf-ed; umbr. pihaf-ei (wenn nach Breal 2. sing. opt. 
akt.), lat. amab-it; 3) bhuä- in: osk. fufa-ns, lat. amaba-t 

Das oskische prüffed 22, 60, das Osthoff, a. a. o., s. 239 
auf *profefed mit vokalsynkope zurückfüren will, hat mit jenen 
bildungen gar nichts gemein. Ich nehme prüffed für ein 
einfaches praeteritum wie upsed, ovrtotvg und erkläre ff — 
nach kurzem vokal! — wie pp in appelluneis (cf. oben s. 87), 
kk in tribarakkiuf neben trlbarakavüm, nn in kümbenm'eis u. a. m. 

Münster (Westf.). Chr. Bartholomae. 



*) Grassmann's auffassung von ahhikhja als 2.sing. des imp. wird 
von Ludwig, der rigveda V, s. 212 mit recht getadelt. Aber Lnd- 
wig's eigne erklärung, wonach ahhikhja nom. sing, („anblick", s. v. a. 
„augf-nweide") und nadhamänänt gen. plur. sein soll , ist ebenso wenig 
empfehlenswert. *) deren abenteuerliche erklärung aus fak+fust etc. 
doch endlich einmal in den rumpelkasten geworfen werden sollte. 



Karl Geldner Yasna 30. 93 



Yasna 30^). 

1. Nun will ich euch, die ihr darum nachsucht, von 
dingen sprechen, welche — wenigstens für den verständigen — 
lehren enthalten , für Ahura aber loblieder frommen herzens 
sind, und davon, welche nach dem gesetz die wohlberathnen 
sind, und welche wonne man mit den himmlischen lichtem 
schauen wird. 

2. Höret mit den ehren euer bestes, begreifet im herzen, 
was klar ist, indem ihr jedermann persönlich vor dem wichti- 
gen akt der entscheidung zwischen den beiden bekenntnissen 
belehrt, um ihm zu helfen. 

3. Und im anfang waren diese beiden geister, welche sich 
einstmals im träum (mir) offenbarten als das gute und böse in 
denken, reden und thun; zwischen diesen trafen die recht- 
schaffnen die rechte wähl, nicht die gottlosen. 

4. Und als die beiden geister zum ersten mal aneinander 
kamen, da setzten sie fest fürs erste: wahres und falsches 
leben, für später, dass für den gottlosen das schlimmste dasein, 
und dem gerechten das beste gewissen sein solle. 

5. Von diesen beiden geistern wählte sich der böse die, 
welche das schlechteste thun, die welche das rechte, der heilige 
geist, der mit den härtesten felsen bekleidet ist, und alle die, 
welche durch rechtschaffene werke es lieber dem Ahura Mazda 
zu dank machen. 

6. Zwischen diesen beiden geistern trafen auch die devs 
nicht die richtige wähl, da sie, als sie darüber beriethen, der 
wahn ankam, dass sie den bösesten geist wählen sollten, und 
sie zum Aeshma strömten, damit sie den menschen das leben 
vergifteten. 

7. Und dem da ging Armaiti mit Khshathra und Vohu- 
mano und Asha zur band und legte ausdauer in seinen leib 
und seine seele , damit er den deinen vorangehe mit schwert 
und banden. 

8. Und wenn die Vergeltung für jene frevler kommen 
wird, so wird er dir bereitwillig den Oberbefehl anheimstellen, 

^) üebersetzt von Haug, Spiegel, de Harlez, Ilübschmann 
(Zoroastrisches lied 1872), Bartholomae (Arische forschungen, 2, 
117 fg.). 



94 Karl Geldner 

damit du denen hilfst, welche den satan dem Asha in die 
hände liefern. 

9. Ich will der sein, welcher dir die menschheit vor- 
bereiten wird; Mazda und Asha, ihr geister, leihet mir 
beistand, damit die rechte einsieht komme, wo der falsche 
glaube ist. 

10. Und wann die Druj der vernichtungsstreich trifft, 
dann werden die ihre hoffnung erfüllt sehen durch das behag- 
liche wohnen bei Vohu Mano, Mazda und Asha, welche eines 
guten leumundes geniessen. 

11. Wenn ihr menschen diese mahnungen, welche Ahura 
Mazda gab, zu eurem glück und (ewigen) leben merkt, und 
dass dauernde pein den gottlosen, hilfe den gerechten zu theil 
wird, so wird es euch durch dieselben wohl ergehen. 



1. Die ähnlichkeit dieser strophe mit 45, 1 (at tä vakhshyä 
— at fravakhshyä, ishentö — yaecd ishathä, mazdäthä — maz- 
däonhddüm) ist auffallend. Die frage, ob ish hier „wünschen" 
oder ,, gehen" besage, scheint mir überflüssig, da ish ursprüng- 
lich beides oder genau genommen keines von beiden bedeutet. 
Die volle grundbedeutung von ish tritt im alten Sanskrit noch 
klar zu tage, ish heisst ursprünglich: in bestimmter absieht 
gehen, einer sache nachgehen , suchen. Daraus hat sich in 
zweiter linie die bedeutung „wünschen" entwickelt. Altpers. 
fräishayam gehört zu skr. preshayämi „ausschicken" d. h. 
ursprünglich „holen lassen", mazdäthä- subst. gebildet wie 
varedatha, skr. vidatha, von der basis mazdd- in mazdäiti, 
mazdäonhodüm. Zur bedeutung vgl. skr. medhd. Die änderung 
des a in ä, hier und in mazdäi Y. 27, 13 ist nicht begründet. 
hyat anknüpfend wie Y. 39, 2. hyatcU-, nämlich, wenigstens. 
Die zweite hälfte von a und zeile b sind parallel gebaut. Es 
entsprechen sich mazdäthä — staotäcä yesnyäcä und vidushe — 
ahuräi. Während die dinge, von denen der prophet sprechen 
will, dem menschen zur belehrung dienen sollen, dienen sie 
zugleich zum preis und rühm des Ahura. vidush von dem in 
religiösen dingen einsichtigen menschen auch 31, 12; 34, 9. 
staota yesnya ist in der späteren spraclie ein kunstausdruck 



Yasna 30. 95 

für poetische stücke , insbesonders für die gathäs i). Kapitel 
55 des Yasna, in welchem die hohe bedeutung der gathäs aus- 
einander gesetzt wird, heisst in Per. 7 hagha staotanäm yesnya- 
näm (etwa: bestimmung der st. y.) wie Y. 19 hagha ahunahe 
vairyehe u. s. w. Der ausdruck ist wohl unserer stelle ent- 
nommen, wo Zarathushtra seine erzeugnisse staofa und yesnya 
nennt. Wie yaj in den meisten stellen des Rigveda, so be- 
zeichnet auch im Avestä yaz fast nirgends die opferhand- 
lung, sondern das wort und gebet. Auch in Y. 33, 8 drückt 
yasnem — staomyä vacäo so wenig den gegensatz von opfer- 
handlung und gesang aus, wie z. b. Rv. 6, 16, 22 pra stomam 
yajnamca arca gäyaca. Zu humäzdra vgl. mäzdra Vd. 18, 51. 
Yt. 5, 94. Ich zerlege mäzd-ra , suffix ra. Andächtig, mit 
welchem begriff man überhaupt etwas sparsamer sein sollte, 
passt nicht recht. Es ist eher bedächtig, fürsorgend, wie skr 
mandhätar. Gemeint sind jedenfalls die, welche sich bei Zeiten 
ihres Seelenheils versichern. Für yecä hätte mit zwei guten 
mss. yaecä nom. plur. von ya- gelesen werden sollen 2). Die 
neigung der mss. bei dem relativpronomen ye... statt yae... 
zu schreiben, tritt noch in anderen gätha-stellen hervor, cf. 
z. b. yaecä in v. 6, yaeshü in Y. 34, 8. Y. 39, 7 haben alle Yasna 
sädes yeshäm statt yaeshäm und so öfters, urväzä darf von 
der Wurzel urväz in urväzishta u. s. f. nicht getrennt werden. 
Ich habe bis jetzt noch keinen grund gefunden, von der in 
Kuhn's Zs. 27, 586 gegebenen deutung dieser wurzel abzu- 
kommen, urväzä ist nom. sg, fem., dazu instr. urväzyä Y. 36, 1. 
Dort ist urväzä objektiv: der reiz, welchen das opferfeuer auf 
die götter ausübt, die anregung, anspornung, hier subjektiv der 
reiz, welchen die sehgen im himmel empfinden, also das ent- 
zücken, die wonne, vgl. a. a. o. 3. 

2. ä-vaen ist einsehen, sich überzeugen, cf. Y. 46, 2. 
ävarenäo als ein wort mit den meisten msc, zu ä-veretö 45, 1. 
Die metri causa verschränkte Wortstellung in b — c macht die 
Strophe etwas schwierig. Der genitv du. ävarenäo hängt von 
vicithahyä, dieser von maze yäonhö ab. narem narem^), so 

^) Man bemerke besonders die redensart staota yesnya yä data afiMus 
paouruyehyä 54, 1 ; 55, 6; 71, 18. Während gra^M mehr die form, charak- 
terisirt der ausdruck st. y. mehr den Inhalt. *) Die stelle 51, 2 ist mir 
noch nicht ganz klar. ') Die lesart nare nari habe ich nicht aufgeführt, 

weil das originalmanus. wie oben hat. 



96 Karl Geldner 

fast einstimmig überliefert, ist acc. sg. , den ich von baodarltö 
abhängig mache. Skr. budh in dieser bedeutung z. b. Rv. 7, 
21, 1, wo Säy. ganz richtig hodhaydmah erklärt. Dagegen 
scheint mir skr. prati-budh in den üshas-liedern vielmehr ent- 
gegenwachen d, h. wachend erwarten zu bedeuten. Die 
priester bereiten das frühopfer während der nacht vor. — Der 
wichtige entscheidende akt ist die Stellungnahme zu der neuen 
lehre, die annähme oder abweisung derselben, fie ist wohl 
nicht erklärende glosse zu ahmäi (nicht = skr. asme, sondern 
= asmai), vielmehr aus Y. 51, 16 verschleppt. 

sazdyäi. Die auch von Bartholomae gebilligte ablei- 
tung von sank widerstrebt besonders Y. 51, 16 dem Zusammen- 
hang. Es regiert an allen stellen den dativ. Ich führe sazdyäi 
auf sad = skr. \gad zurück. Zwischen beiden wurzeln hat 
dieselbe Verschiebung der bedeutung stattgefunden wie zwischen 
QU, SU. sad ist eigentlich: für jmd. ins zeug gehen, helfen 
förderlich sein. Y. 51, 8 „darum möget (oder vermöget) ihr 
uns helfen". Dazu auch der infinit, saste 30, 8; 46, 12, beide 
mal mit dativ. 

3. Die beiden geister sind das gute und böse in gedanken 
u. s. w., soll in der diesen alten sprachen eignen breviloquenz 
besagen: sie sind die Ursache oder das princip des guten und 
bösen. Die traditionelle erklärung von i/ema durch yomäi^) 
„eines tages" scheint doch nicht ganz aus der luft gegriifen zu 
sein, da auch skr. yäma, yäman den begriff der zeit in irgend- 
welcher festen abgrenzung ausdrücken, yäma ist nachtwache, 
in Av. 6, 21, 2 wohl geradezu für nacht gebraucht: somo 
hhaga iva ydmeshu deveshu varuno yafha ,,wie Soma (der mond) 
der herr in den nachten, wie Varuna unter den göttern". yämini 
nacht. Der locat. yäman lässt sich in einer reihe von stellen 
(vgl. PWb. yäman 2) am besten so definiren: zur zeit, zur 
stunde, jetzt. Es wäre also nicht unmöglich, dass yemä adv. 
acc. sg. von yeman- =■. skr. yäman ist. Die obige Übersetzung 
vermeidet die missliche lostrennung dieses hvafna von dem ge- 
wöhnlichen hvafna (svapna, np. Jchäh, schlaf und träum). Traum- 
gesichter spielen in der späteren Zarathushtralegende eine grosse 

*) Nach West ist in Shik. G. 4, 101 päz. /«m? ein falsch gelesenes 
huz. yöm-i; vgl. Weat zu d. st. lieber jume vgl. noch Shik. G. 19, 38. 
89. 76. Neriosengh übersetzt in Y. 30, 8 yömäi mit bhüynandale; er hat 
wohl ein ähnlich aussehendes damik gelesen. 



Yasna 30. 97 

rolle, ebenso bei Mohammed, Zu asrvätem siehe srdvt 45, 10, 
unten v. 7. 

4. Ich fasse dazde mit Hübschmann als 3. dualis, viel- 
leicht ist dazde synkopiert für *da-dh-ate und auf eine stufe 
mit 6 gute (Rv. 1, 25, 6; 1, 136, 3; 1, 144, 6) und ähnlichen 
ved. formen zu stellen, deren paenultima nach ausweis des 
metrums kurz gesprochen wurde, ham-jas kann hier unmöglich 
friedliche Zusammenkunft oder gar Übereinkunft bedeuten, son- 
dern das erste aufeinanderstossen der anfangs absolut getrennten 
und sich gegenseitig absolut ausschliessenden geister, vgl. 
Bundehesh 1, 4. 9 fg. " Sobald diese beiden geister in eine, 
natürlich feindliche, berührung gekommen waren, beginnt der 
die ganze Schöpfung durchdringende antagonismus beider. Or- 
muzd baut das reich des guten mit seinem ewigen sittengesetz 
aus, Ahriman das reich des bösen. Ormuzd setzt fest, was in 
dem ersten, irdischen leben gaya d. h. das wahre leben, welches 
zur Seligkeit führt, sein soll; Ahriman dessen negation — ajyäiti 
— das falsche , verfehlte leben , welches zur Verdammung oder 
Vernichtung der seele führt i). 

5. Die erklärung von verezijo als Infinitiv gebe ich wieder 
auf, da sie den gedankenfortschritt hemmt. Hier ist von dem 
hineinziehen der menschen in diesen antagonismus der beiden 
geister die rede, verezyö ist acc. plur. eines adj. verezi, gebildet 
wie dhuni, und verbal konstruirt. Zu ashem (neutr.) ist noch- 
mals verezyö zu ergänzen. Die zweite hälfte von b ist trotz 
Yt. 13, 3 8) ein seltsamer zusatz. Ich habe ganz wörtlich über- 
setzt. Der plur. von asan (genit. ashnö) wird sonst nicht vom 
himmel gebraucht, sondern nur von fels- oder feldsteinen. 
Steht äsend hier wirklich metonymisch für himmel, oder sind 
die felsen nur ein bild für die unvergänglichkeit und unver- 
wüstlichkeit? Vgl. khraozhdishta als epithet des Mazda Y. 1, 1. 

6. Vgl. Kuhn's Zt. 28, 199. Merkwürdig ist hier die auf- 
fassung der devs. Sie sind nicht a priori böse wesen, sondern 

*) lieber das endgültige Schicksal der bösen enthalten die Gäthäs 
keine klaren Vorstellungen. *) Dort scheint vlsh in der that „kleid'' 
zu bedeuten, also zu skr. vish, vesha. Westergaard hat falsch inter- 
pungiert Die worte manayen bis vish gehören eng zum vorhergehenden, 
sie enthalten das bild zu bavdva; aim yd bis thrishva sind ein (wohl 
irterpolirter) Zwischensatz. In i/im mazddo u. s. f. wird das erste bild 
fortgesetzt. 

Beiträge z. kunde d. indg. sprachen. XII. 7 



98 Karl Geldner 

sind es erst geworden, da sie durch thorheit bei der theilung 
der weit in zwei feindliche heerlager sich auf die seite der 
bösen schlugen. Aeshma scheint hier als der gedacht zu sein, 
welcher sie auf jene seite hinüberzog. 

7. Zu a ist drmaitish als Subjekt heraufzudenken, uta- 
yüitish acc. pl., cf. ved. itaüti. Die stelle ist durch den gegen- 
satz kehrpem — änmä für die erklärung von änman entscheidend. 
Bartholomae (Kuhn's Zt. 28, 11) muss namentlich in 44, 20 
einen weiten umweg machen, um zu einem sinn zu kommen, 
während Hang durch seine gleichsetzung mit äfman das richtige 
gestreift hat. ä-man von wz. an heisst das innere, die seele, 
cf. skr. präna : 45, 10 ye änmeni mazdäo srävi ahurö ,,der sich 
in meinem inneren als der weise Ahura offenbart hat", cf. oben 
V. 3. Y. 44, 20 

ciihend mazdä hukhshathrd daevd donhare 

at U peresd yoi pishyeintt aeihyö kam 

ydis gäm karapä usikhshcd aeshemäi data 

yäcä kavd änmeni^) urüdöyatä 
„sind denn, o Mazda, die devs je gute herrscher gewesen, und 
ich frage, die, welche ansehen müssen 2), wie ihnen (den devs) 
zu lieb der Karpan und Usikhsh die kuh dem Aeshma (= 
grausamkeit) preisgeben ^), und welche dinge der Kava im her- 
zen bejammern macht" (caus. von rud, wie nrüpayeinti von rwp 
schmerzen machen)? 

8. Vgl. Kuhn's Zt. 28, 262. saste zu sad; vgl. v. 2. 

9. Der prophet spricht hier von sich im plural. frasha: 
Bartholomae's einwand gegen die ableitung von fra-asha ist 
wohl stichhaltig, seine eigene ableitung von j^^^änc aber unsicher, 
jedenfalls die lesart frashhn nicht haltbar. frasJia heisst 
bereit, frashem kar vorbereiten, dazu frashö-caretar , frasho- 
kereti; mit instr. gemäss: Y. 46, 19 ye tnöi ashät haithim 
hacd vareshaiti zarathushträi liyat vasnd ferashötemem „wer mir, 
dem Zarathushtra, durch rechtschaffenheit erfüllt *), was (meinem) 
willen am gemässesten ist". Vielleicht hilft frasha das dunkle 

*) So ist der bedauerliche druckfehler unmini in der ausgäbe zu 
korrigieren. ^) Zu pish in Y. 50, 2. ^) Bezielit sich auf das thier- 
opfer des dev-kultus, das dem Zarathushtra ein greuel ist. Aeshma heisst 
anderswo khrvidru. *) haithim varez ist in der alten spräche: wahr 
machen d. h. erfüllen; davon haithyd-varez- erfüllend, und dann ein abstract 
Aai<Äj/d?jaresA<a „erfüllung": 50, 11 „der Schöpfer der weit verfüge gnädig 
die erfüllung dessen, was seinem willen am gemässesten". 



Yasna 30. 99 

xedische prJcsha erklären, vgl. besonders Rv. 3, 7, 10 prksha- 
jn'ayajah „denen opfer bereit stehen", von den Ushas? maz- 
däoscä ashäcä nominat. und vocativ, dazu als apposition ahu- 
räonho. hafhrd mit ähnlichem bedeutungsübergang wie skr. 
samyak, beisammen, richtig, gehörig. 

10. Ueber sJcenda vgl. Hübschraann, in Zt. deut. morg. 
ges. 38, 424. skenda ist nicht eigentlich schlag, sondern bruch : 
in Vd. 5, 59 bruch — leibesschaden , beinbruch u. s. w., 
askenda ungebrochen — ungeschwächt (keusch); in Y. 9, 28 
ist skenda wol adject. : gebrochen, vom geist. An unserer 
stelle s. v. a. Zusammenbruch, ruin. spayathra ist ein nomen 
abstractum, von wz. spä, die der lexikalischen Umarbeitung 
bedarf. Wir haben eine wurzel spä, welche heisst: sich an- 
ziehen, schmücken, putzen in sispemnö, fraspdt und apa-spä, 
und hierzu auch wohl aipi-spä in Yt. 14, 13. Für das andere 
spä scheint mir die bedeutung „fegen" aus der luft gegriffen 
zu sein. In Vd. 3, 40. 41, von welcher stelle wir ausgehen 
müssen, heisst spä einfach: wegnehmen, tilgen^). Ebenso ge- 
nügt für avi-spä Vp. 3, 35, para-spä Yt. 10, 37 (neben para- 
vaz), fra-spä Yt. 10, 43 2) „raffen, wegraffen". Darauf 
gründet sich die Übersetzung von spayathra. 

Zusammen gehören asishtä yaojante; yuj regiert 49, 9 den 
locativ hyat daenäo vahishte yüjen mizh.de „wann sie (die götter) 
die Seelen des besten lohnes theilhaftig machen". So fasse ich 
auch hier asishtä als locativ von asishti in Y. 44, 9, das Bar- 
thol omae mit recht zu skr. gäs-\-d stellt; doch hätte die 
specifische bedeutung von skr. ä-gäs dabei berücksichtigt werden 
sollen. Skr. d+gäs bedeutet ,,erwünschen, erhoffen, erwarten", 
vgl. skr. dgas, äcä hoffnung. Für av. asishti passt einzig und 
allein die bedeutung: hoffnung, erwartung. Ich übersetze 
die Strophe 44, 9 

tat thwd peresd eresh möi vaocd ahurä 
kathd möi yäm yaosh daenäm yaosh däne 
yäm huddnaosh paitishe sahydt khshathrahyd 
ereshvd khshathrd thwäväs asishtish niazdd 
hademöi ashd vohucd shyäs mananhä 

*) Auch Yt. 24, 44 asta avaspayama. Bartholomae (Ar. f. 2, 177; 
diese zt. 8, 219) bringt anra mit ästa zusammen. Dadurch gewinnen wir 
die eigentliche bedeutung von ai'ira; sie ist: opponirend. *) Es ist 
hier ausdrücklich nach den folgenden werten vom abmorden die rede. 



100 Karl Geldner 

„das frage ich dich, sage es mir aufrichtig, o Ahura; kann 
mir , der ich ^) die seele des rechtscliaffnen salviren möchte, 
Mazda, ein herr wie du, vermöge seiner grossen gewalt;, 
hoffnungen auf sein reich machen 2), der du mit Asha 
und Vohu mano zusammen wohnst". Etwas anderes ist asista 
Y. 60, 3, so nach den besten msc, für a-sizd-ta, zu syazd „ver- 
scheuchen, fliehen". 

Der Zusammenhang von Y. 62, 6 ergibt, dass vanhäu 
sravahi zu den eschatologischen begriffen gehört. Es ist das 
gute zeugniss, welches dem frommen im gericht ausgestellt 
wird, und das ihm die himmelsthür öffnet. Zu zazenti ist vor 
allem zazäiti Yt. 5, 130 und zazäitee Yt. 5, 34 zu vergleichen. 
Ich vermuthe, ohne dass mir irgend eine anknüpfung in den 
verwandten sprachen gelingen will, aus den stellen die bedeu- 
tung: besitzen (acc), theil haben an (locat.): Yt. 5, 130 „er 
besitzt ein sich vergrösserndes reich" (wohl eine glosse zum 
vorhergehenden). Yt, 5, 34 „welche (beiden töchter) an körper 
die schönsten zum besitz sind", zazushtema in Yt. 13, 18 „ist 
der reichste", zazväonha in Yt. 5, 132 dem sinn nach: mit 
beute beladen. Y. 62, 6 spielt wohl auf unsere stelle an; auch 
dort der locativ. Die übrigen unter zä zusammengebrachten 
stellen gehören zu skr. 2 hä. 

11. hvUicä dativ wie hviti Yt. 10, 68. Ueber Sneiti, das 
von ainiti in Y. 58, 5 kaum zu trennen ist, und auf die wz. an 
weist, habe ich in einem bei Kuhn erscheinenden aufsatz ge- 
sprochen. 

Gedankengang: Nach einer programmartigen eingangs- 
strophe (1) ermahnt der redner die versammelten sich selbst 
und andere von der Wichtigkeit des gegenständes zu über- 
zeugen (2). Darauf entwickelt er mit wenigen strichen seine 
hauptlehren : den wahren charakter der beiden urwesen , der 
nur dem frommen klar geworden ist (3), ihre begegnung, den 
dualismus ihrer gesetzgebung (4), die theilung der geschöpfe (5), 
die Stellung der devs (6). Mit kühnem schwung kommt der 
redner auf sein eingreifen und eintreten für Mazda zu sprechen, 
nachdem ihn die guten geister zum propheten ausgerüstet 
haben (7), der aber bei dem entscheidenden kämpf (wohl am 
ende der dinge) auf das persönliche eingreifen des gottes 

') yam = yS tarn. ■') wörtlich: verkündigen. 



Yasna 30. 101 

rechnet (8), während er vorläufig die menschen für die heils- 
ertheilung reif machen will (9), auf welche er mit bestiramt- 
heit hofft (10). Schlussermahnung (11). Das lied, wesentlich 
siegesfroher als z. b. 46 , lässt bereits einen lebhaften abfall 
vom alten glauben zum neuen voraussetzen. 

Tübingen. Karl Geldner. 



Iranica. 



dareffha, dareghu, dregu, drigu. 

Es ist kein zweifei darüber, dass das im Avesta nicht 
selten vorkommende wort daregha lang bedeutet, wie die tra- 
dition ergiebt und Burnouf bereits erwiesen hat (Ya^na p. 387, 
388); derselbe hat auch das wort bereits mit scr. dirgha ver- 
glichen. Es darf wohl als sicher angenommen werden , dass 
diese wörter auf eine wurzel dargh zurückgehen und dass die 
eränische form mithin die ursprünglichere ist. Ein verwandtes 
wort findet sich auch im Altpersischen; man kann dasselbe 
nach der eigentümlichkeit der altpersischen schrift sowol darga 
als daraga lesen, in beiden fällen stimmt das wort zu daregha 
und entspricht dem neupersischen jj> der^ dessen ähnlichkeit 
mit scr. dirgha nur scheinbar ist. Es ist nämlich daregha in 
daghra umgesetzt und gh in i verwandelt worden, cf. D arme- 
steter Etudes I, 94, Man kann aber das altpersische wort 
auch dranga lesen ; in diesem falle entspricht es dem neupersi- 
schen i£jo,>> dirang cunctatio, mora, tempus. Wurzelhaft 
ist auch dranga nicht von daregha unterschieden. Die weiteren 
vergleichungen von daregha mit gr. doXixog^ lit. llgas == dilgas 
u. s. w. sind bekannt. 

Verschieden von daregha ist aber im Avesta dareghu, 
welches nach der Überlieferung „arm" bedeutet und gewöhnlich 
mit drighu wechselt, wofür in den gathas drigu, dregu er- 
scheint. Beide lesarten lassen sich handschriftlich begründen. 
Ys. 34, 5 lesen Spiegel und Westerg aard drigüm, aber 
Ys. 52, 9 hat Spiegels ausgäbe drigave mit den vendidäd- 
sädes, Weste rgaard dregave mit den handschriften mit Über- 
setzung; Ys. 38, 13 liest Spiegel daregudäyanhö mit K 5, 



102 Eugen Wilhelm 

Westergaard dregndäyanhd mit den übrigen Codices. Im 
Jüngern Avesta steht Ys. 10, 35. 36 dareghaoah in den hand- 
schriften mit Übersetzung und bei Westergaard, drighaosh in 
den vendidäd - sädes und bei SpiegeU), dasselbe Verhältnis 
kehrt wieder Ys. 56, 4, 2. Beide ausgaben lesen aber Vd. 
18, 40; qafsa dareghö masyäka noit te sacaiti, d. i. schlafe, 
armer mensch, es ziemt sich nicht für dich (aufzustehen). 
Beide wörter, sowohl drighu als dareghu haben ihre Vertreter 
im neueren Persischen. An drighu schliesst sich offenbar neup. 
«jy> diregh suspiratio, molestia an, dann Lib.o dirSghä 
prob dolor. An daregha oder vielmehr eine nebenform 
dareghush schliesst sich neup. i^Äj->,0> \ 'frivjfUkk^ m&ft^Sti^i^i 
p at^y.,Qr un d^^^^sjo, ^> d^jf^iQ^i m e n ffi'calTo an. Verwandt mit 
drighu ist auch dinw]^"'äriwish , was wir deswegen erwähnen, 
weil Ys. 56, 4, 2 drivi als femininum von drighu vorkommt. 
Mit driwish steht natürlich neup. (jä>.j^.^ dah^4^ indigens^ 
pauper in Verbindung und vß^.ö ädtTyman.dsLS dieselbe bedeu- 
tung wie 'dfum^zaj^t Unser resultat ist demnach, dass sowohl 
drighu als äaregMT em gut eränisches wort ist und dass man 
unrecht thun würde, das eine oder das andere derselben aus 
unsern texten zu verbannen. Denkt man, dass dareghu und 
drighu in einer vokallosen schrift ganz gleich aussehen, so 
begreift man die Schwankungen, welche bei dem umsetzen in 
die jetzige Schriftart entstehen konnten. 

barez, barej. 
Justi in seinem wörterbuche kennt blos ein verbum berejay, 
dem er die bedeutungen : wünschen, segnen, preisen giebt. Mir 
scheint, dass dieses verbum barezay zu lesen ist, eine lesart, 
für die sich überall, wo dasselbe vorkommt, bestätigende 
Varianten finden. Die bedeutung wünschen ist zu streichen, 
barezay ist das causativum von y barez, wachsen (der wurzel- 
vocal bleibt unverlängert wegen des doppelconsonanten rz) und 
bedeutet 1) wachsen machen, grossziehen, 2) rühmen, 
preisen. Die erstere bedeutung ist die ursprüngliche: Ys. 64, 



^) Ergänzend wollen wir noch hinzufügen, dass jetzt auch Geldner 
(Ys. X, 13) drighaosh schreibt. (Jeher die verwandten von drighu im 
Litauischen vgl. Bezzenherger in den Göttinger nachrichten von d. 
k. gesellschalt d. Wissenschaften 1878. pag. 267. 



Iranica. 103 

42. 43. 65, 11 Westergaard): dpo ishtvm vö jaidhyämi 
pöuru sareähäm amavaitim frazainthnca qäparäm yenhäo pou- 
rush barezayän (Spiegels ausgäbe hat: herejayän, vgl. 
aber dessen Varianten) d. i. wasser! ich bitte euch um viel- 
artigen reichtum und um kräftige, starke nachkommenschaft, 
von der sie viele grossziehen mögen! Yt. 10, 108: kahmai 
ishtim pöumsh - qäthräm azem hakhiäni khsayamno kahmdi 
äsnämcit frazaintim usca para barezayeni d.i. wem soll ich 
reichtum von vieler Schönheit schenken, der ich es vermag, 
wem leibliche nachkommenschaft grossziehen? Mit unrecht 
hat Westergaard herejayeni gegen die handschriften corri- 
giert. Die bedeutung preisen findet sich Yt. 10, 90: herezayat 
ahurö mazdäo herezayen amesä spenta: es preist Ahura 
Mazda, es preisen die Ameshaspenta, wo die lesart von K 15 der 
in Westergaards texte stehenden berejayen vorzuziehen ist. 
Vd. 7, 134. 135 (7, 52 Westerg.): äberezaydonti he zarathushtra 
streushca mäonhemca hvareca azemca he berezaem, es preisen 
ihn, o Zarathushtra, sterne, mond und sonne, ich preise ihn. 
Es sind wieder die vendidad-sades, welche die formen auf 
ybarez zurückführen, die handschriften mit Übersetzung auf 
y/barej. Aus der wurzel barez stammt neupers. qJ*~JIj bälidan, 
crescere, berezay würde dem neueren ^^vXo'^Ij bälänidan ent- 
sprechen. Die bedeutung preisen hat sich in dem mittel- 
eränischen burzidan erhalten, dem Neupersischen ist das wort 
verloren gegangen. 

Eine wurzel barej soll darum dem Avesta nicht abge- 
sprochen werden, nur zweifeln wir, ob das verbum finitum zu 
belegen ist. Nach der tradition kommt dieser wurzel die be- 
deutung wünschen, weben zu, auf ein substantivum bet-ej 
geht der häufige instrumentalis bereja zurück, der Ys. 35, 3 
durch pun arjük d. i. == neupers. *j.T iu übersetzt und von 
Neriosengh mit abhipsayd erklärt wird. Es gehört hierher 
das besonders in den gathäs vorkommende berekhdha, aus berej 
gebildet wie pukhdha aus panca. Auch dieses wort wird in 
der Pehlevi-übersetzung stets durch arjilk d. i. neup. »^^ über- 
setzt, während Neriosengh verschiedene wörter wählt, wie 
priyatara, mitra, hita. Auch bereghmya-saeta Yt. 10, 77 lässt 
sich ohne Schwierigkeit an berej anschliessen (vgl. Spiegels 
commentar zum Avesta II, 565). Was dieser wurzel barej in 



104 Eugen Wilhelm 

den verwandten sprachen •entspricht, ist nicht leicht zu sagen. 
Man denkt zunächst an scr. bhrajj , rösten, allein das par- 
ticip. perf. pass. lautet bhrishta, im Neupersischen lautet das 
entsprechende verbum gleichfalls ^^JC^j birishtan, das particip. 
praes. ^ü^ buryän, bratend wird von den Persern allerdings 
auch von zerknirschter anrufung gottes gebraucht. Nicht un- 
möglich wäre es auch scr. brahman hierher zu ziehen und eine 
Wurzel brah , ursprünglich bhragh anzunehmen. Brahman und 
*flagmen = flamen würden sehr schön zusammen stimmen. 
Anderer ansieht hierüber ist Sophus Bugge, welcher flamen 
als flad-men deutet (o. III, 98) und zu got. blotan stellt. 

nap, nabh. 

Ueber diese wurzeln ist schon oft gesprochen worden, 
gleichwohl dürfte eine genauere berücksichtigung des eränischen 
Sprachschatzes noch einige neue gesichtspuncte ergeben. 

Es wäre nicht gerade nötig, wegen formen wie napta, 
napti, nafsu im Avesta oder wegen naptar im Sanskrit, gr. 
avexpiog^ lat. neptis eine wurzel nap anzunehmen , es würde 
auch -\/nabh zu ihrer erklärung genügen. Unumgänglich nötig 
ist sie für das in beiden arischen sprachen vorkommende napät, 
an welches sich lat. nepos und gr. venodeg anschliesst. Wir 
wollen die grundbedeutung dieser zu den verwandtschaftswörtern 
gehörenden bezeichnungen vor der band unentschieden lassen | 
und bemerken nur, dass das eränische mmta sicher r§tpdb.|| 
bedeutet, und auch dieses wort, mit dorn* ra^''Ta^s!''va(^ä | 
verglichen hat, an eine wurzel nap anzuschliessen bestimmt uns 
die notiz des Hesychius: Ndrtag rj XQrjvrj etil tiov oqlov Trjg lA 
UeQoiöog laTOQEiTai , ^ cpeqovaa rd ctaqda (vergleiche hierzu^/| ^ 
La gar de, Abhandig. p. 219), so dass %gaw^ßwa,^ ursprüng- 
lich wasserquelle bedeuten würde, was ^ch vora^ eränischen 
standpuncte aus sehr wohl rechtfertigen wü^e i). M^^eachte 

auch arabisches c>^ u'n3*:±»Ä4^v e^fif'Hijien t e r bullivit^lla) 

endlich „bxi scaturivit, manavit aqua uncl den namen der 
Nabatäer, welche die Sumpfgegenden Niederchaldaeas bewohn- 

*) Lat. JVejj^MWM» VI« Grass mann (Kumh^^gjtschr. 16, 167) zu nabh 
gestellt, dagegen vgl. Pot^SsEtymolog. for8chungen*HL2. p. 1015 flg. 



Iranica. 105 

ten. Es wäre nicht das einzige wort, welches sich die Araber 
in dieser weise angeeignet hätten. 

Bekannter als nap ist die wurzel nabh. Nach Weber 
(Väjasan. specimen 2;, 96 fg., vergl. auch Ludwig Rigveda 
III, 76) sind «ä^SL und wMÄk^ nur Spielarten derselben wurzel, 3 
als deren grundbedeutung er li^n^re, tt-e^tere, coniuTörg*«<|^ 
angiebt und er scheint damit oa^ richtige getroffen" zu" Käbeti.T 
Auf eine wurzel nap, verbinden gehen im Avesta die Wörter nd- 
fanh, näfya, hama-näfaena zurück, im Neupersischen u^ljj*«/! Oä.S?.".«^ 
bilicus) »ilj näfa (vesica moschi) und 8j!o7jflw»«<i»«^prAi««T 
e^^r^-fflTb). Angesichts dieser formen wird man sich nicht be- 
denken dürfen auch napäf, nepos von dieser wurzel nap ver- 
binden abzuleiten. In den meisten der vergleichbaren Wörter 
zeigen die verwandten sprachen die wurzelform nohh, so in 
nähhi , na bei und nabhänedishtha , der in der Verwandt- 
schaft nächste. Einige ableger dieser wurzelform lassen 
sich auch im Avesta nachweisen, so nabänazdishta , das mit 
obigem nabhänedishtha ganz identisch ist, dann anabdäta oder 
anabdasta Vd. 18, 115. 120 (vgl. späraddshta und späradästa 
Yt. 19, 54), das doch wohl in a-nab-däta zu zerlegen ist und 
nicht umbunden bedeutet. Vielleicht auch dass adenaba, 
ohne stützen (Ys. 43, 4) hierher gehört, de ist dieselbe 
praeposition , die wir auch in debazanh finden. Gegen die von 
Weber vorgeschlagene bedeutung verbinden hat Pott (Ety- 
mologische forschungen 5, 344) Widerspruch erhoben, wie mir 
scheint, ohne grund, denn will man scr. näbhi, eran. ndfa mit 
griech. öftq)aXog, lat. umbilicus verbinden, wie stets geschieht, 
so wird man notwendig eine Umgestaltung der wurzel nabh in 
amhh zugeben müssen. Diese wurzelform findet man in scr. uhh, 
binden, wovon das arische ubha, uba, beide stammt, gr. afxqxx), 
lat. ambo, lit. abü. 

Eine wurzel nabh, welche eine Spielart von -^nap, feucht 
sein wäre, wird man gleichfalls annehmen dürfen. Dahin 
gehört scr. nabhas atmosphäre, im ky&sisi Mämyäsu (Ys. 
9, 52), mit feuchten Stengeln, neup. *i «a)>i^feift>4^. 
Die eränische wurzelform wird nmHb = indogerm. nambh ge^ 
wesen sein, der schlusslaut ist geschwiihnjen {\g\bän fürl^anrf, 
gan für gandh). Im Griechischen gehört flferher J^^^g, vecpsh^ 



106 Eugen Wilhelm 

im Latein, nimbus, nehula und unser nebel. Scr. ambhas ist 
vielleicht auf -^amhh == -y/nahh zurückzuführen. 

Lat. nuhes lässt sich zwar ohne Schwierigkeit aus -^nambh, 
feucht sein erklären, aber nubere giebt uns die bedeutung 
verhüllen, wesshalb Johannes Schmidt (Vocalismus I, 59) 
eine wurzel nambh verhüllen annimmt, von welcher es 
ungewiss bleiben muss, in welchem Verhältnis sie zu ynambh 
feucht sein steht. Im Eränischen würde sich sehr gut ^v>H^ 
fhtkuftan, ve^l^^rgenSijjSchliessen; die gewöhnliche erklärung 
aus sw£^ gup + ni i^ gewis^*fe^sch , es müsste niguftan oder 
niyuftmi lauten, der ableitung aus ynambh setzt aber auch 
das h in nuhuftan bis jetzt unübersteigliche hindernisse ent- 
gegen. 

Man wird bemerken, dass unsere ansichten von denjenigen 
mehrfach abweichen, welche Benfey in seiner abhandlung: 
Einige derivate des indogermanischen verbums ANBH = NABH 
(Abhandl. der Göttinger gesellschaft der Wissenschaften bd. XXIII) 
ausführlich begründet hat. Benfey verwirft p. 12 die von "Weber 
und Ludwig angenommene bedeutung „verbinden" für die 
ynabhy welche uns durch scr. tibh eine beachtenswerte bestäti- 
gung zu erhalten scheint, und nimmt, auf einige schwierige 
vedenstellen gestützt, die bedeutung „reissen" als grund- 
bedeutung an, die aber sonst im Indogermanischen nicht nach- 
weisbar ist (vgl. Fick: Wurzelwörterbuch P p. 127). Näbhi, 
nabel lässt sich allerdings aus dieser grundbedeutung sehr gut 
erklären, ebenso leicht aber auch und, wie ich glaube, viel 
natürlicher aus der bedeutung „verbinden". Die bedeutung 
,,feucht sein'* für ^nabh, 7iambh scheint uns hinlänglich er- 
wiesen, vgl. auch noch pehlevi nambu bei Justi: Bundehesh 
p. 250. Ueber nubere vgl. Fick a. a. o. 

qanisakhta. 
Dieses wort erscheint zweimal im Avesta: Yt. 10, 109. 111, 
beide male als bei wort zu khsathra, reich. Das wort hat 
verschiedene erklärungen erfahren. Windisch mann übersetzt 
„selbst befestigt" und leitet es auf scr. ^lak^ können zurück, 
das aber sonst in dieser bedeutung im Eränischen nicht vor- 
kommt. Spiegel und Justi übersetzen es mit ,, glänzend 
gerüstet"; will man diese bedeutung annehmen, so muss man 
qaini-sakhta lesen, was allerdings die handschriften auch geben. 



Iranica. 107 

Allein sakhta = neupers. xä:>L« säkhia, gerüstet ist bedenk- 
lich wegen der Verschiedenheit des vocals. Geldner (Kuhns 
Zeitschrift XXV, 506) übersetzt in sich mächtig, ohne eine 
weitere erklärung zu geben. Zu beachten ist Vd. 15, 26, wo 
in den vendidäd-sades anusakhtäm, in den handschriften mit 
Übersetzung anuthakJitäm als beiwort zu ndirika vorkommt und 
allerdings unklar ist, aber doch sicher auf y^sanj oder ythanj 
hinweist, dessen grundbedeutung „wägen'' ist, wie neupers. 
^yL^^Urf und ^lAxj^««- sanjidan beweist, woraus sich erst die 
bedeutung anfügen, anspannen entwickelt, khsathrem qa- 
nisakhtem könnte demnach bedeuten: „ein reich, das sich von 
selbst fügt, von selbst gehorsam ist". Westergaards con- 
jectur qanühakhta würde also so ziemlich das richtige treffen, 
ohne dass es gerade nötig wäre den text zu ändern, da die in 
der ausspräche sehr ähnlichen buchstaben th und s öfter in 
den handschriften mit einander wechseln. 

taradhäta. 
Dieses schwierige und nicht sehr häufige wort erscheint in 
der redensart: taradhäto oder taradhätem anyäish dämän. So 
z. b. tritt dieselbe als apposition zu äkhshti, friede Yt. 2, 1.6. 
S. 1, 2, zu vayu, wind, Ys. 22, 27: vapaosh taradhäto anyäish 
dämän, ebenso Ys. 25, 16, Yt. 15, 0; ferner Yt. 19. 9 zu kavaem 
qarenö .... ashvandarem taradhätem etc. und Yt. 19, 45 zu 
aqaretem qarenö. Endlich kommt sie Yt. 12, 1 in der frage 
vor; kat asti mäthrahe spenfahe ... taradhätem anyäish dämän. 
Spiegel hat Ys. 22, 27 zuerst übersetzt: höher als die andern 
geschöpfe, indem er tara = tarö nahm, also eigentlich darüber 
hinaus gegeben oder geschaffen, also höher. So im wesent- 
lichen auch Justi. Hiergegen ist zu erinnern: 1) dass diese 
erklärung ganz gegen die tradition ist, welche das wort mit 
am meisten peinigend oder sehr peinigend übersetzt; 
2) dass es durchaus unerwiesen ist, dass tara dasselbe ist wie 
tarö, welches in der composition mehrfach erscheint, vgl. tarö- 
idita, tarötbaesa, taropithtva , tarömaiti (Ys. 33, 4 taremaitim, 
Westerg. taramaitim), taromata, taröyära. Andere mehr von 
der etymologie ausgehende (so viel ich mich erinnere Hang) 
haben taradhäta = scr. tiröhita genommen, aber übersetzt: „der 
die andern geschöpfe verscheucht". Das kommt allerdings der 
tradition etwas näher, bedenklich aber macht mich ausser tara 



108 Eugen Wilhelm 

= tiras die active fassung von -dhäta. Ich kann mich zu 
einer activen fassung von tarodhäta nur dann verstehen, wenn 
man annimmt, es stehe = taradhätar, so dass die endung ta 
= tar stände wie im Griechischen -rrjg neben -rrjQ. Einige 
weitere beispiele hat Spiegel in seiner Vergleichenden gram- 
matik p. 179 am ende von nr. 36 angeführt. Darmesteters 
Übersetzung (part. II: The Sirozahs, Yasts and Nyäyis pag. 4) 
von S. 1, 2: „to Peace, whose breath is friendly, and who is 
more powerful to destroy than all other creatures" kommt der 
Pehlevi-übersetzung vollkommen gleich, welche lautet: tarvlni- 
iärtüm min zahl an dämän pun anäshtih dkdr kartan „more 
destroying than other creatures, to make Non -peace (Anäkhsti) 
powerless". 

Meine ansieht über die fraglichen worte: taradhäfö anyäish 
dämän ist folgende: gestützt auf die Pehlevi-erklärung und 
unter vergleichung des neupersischen _t .Ij" täraj und (ji^* teldsch 
dissipatio und die phrase ^^ö\o J*)\^ diripiendum dare fasse 

ich tara als selbständiges Substantiv in der bedeutung: pein, 
quäl, dhäta aber in passivem sinne: geschaffen. Ich übersetze 
demnach das ganze also: zur quäl geschaffen für die anderen 
geschöpfe. Zu dieser Übersetzung hat mich insbesondere eine 
Untersuchung über das, was man unter dem Yt. 19 vielgenannten 
aqaretem qareno zu verstehen hat, geführt. Wenn ich hier- 
unter das glück der guten, rechtschaffenen menschen überhaupt 
verstehe, so schliessen sich, wie ich meine, die beigegebenen 
Worte taradhätem anyäish dämän in passender, ungezwungener 
weise an. Dieses glück, welches nach der auffassung des Avesta 
nur den guten zu teil werden kann, die bösen hingegen meidet 
und seiner natur nach fliehen muss, ist zur quäl geschaffen 
für die anderen geschöpfe, unter welchen natürlich nur die 
bösen menschen zu verstehen sind, welche jenes glückes nie 
teilhaftig werden können und deshalb von der quäl des neides 
gegen die guten beständig gefoltert werden. Bei dieser auf- 
fassung des aqaretem qareno ergibt sich die deutung der 
„anderen geschöpfe" als der „bösen menschen" ganz von 
selbst. Ich erwähne dies besonders im hinblick auf Opperts 
erklärung des in den altpersischen keilinschriften vorkommenden 
aniya als Anromainyns^ welche Ludwig (Rigveda III, p. 312) 
eine schöne entdeckung nennt. In dieser hinsieht habe ich 



Iranica. 109 

dieselben bedenken, welche Darmesteter in seinen Etudes 
II, 9 ausgesprochen hat: je doute fort que anya ait pu s'era- 
ployer dans un sens aussi determine: anya est autre et non 
Vautre, alius ou alienus, non aJ^ter. Eugen Wilhelm. 



Das alter und die heimath des Avesta. 

Unter dem titel „Das land und Zeitalter des Avesta" (Ab- 
handlungen der k. bayr. akademie d. w., philos.-philol. classe, 
1884, s. 315) hat herr dr. W. Geiger eine abhandlung ver- 
öffentlicht, welche man als die äusserste kraftanstrengung der 
vertheidiger des hohen alters des Avesta bezeichnen kann. 
Herr Geiger hat alles mögliche getan, diesen zum siege zu ver- 
helfen, alles mögliche, eine sache zu verfechten, unter deren 
anhängern ihn zu finden uns übrigens lebhaft überrascht hat. 
Er hat alles zusammengetragen, alles studirt, die wichtigsten 
beweisgründe hat er zu finden sich bemüht für seine meinung 
und wider die seiner gegner. Ich glaube sogar, dass es unmög- 
lich ist, hierin besseres zu leisten. Ist es ihm trotzdem nicht 
gelungen, von der richtigkeit seiner meinung zu überzeugen, 
so ist das sicher seine schuld nicht, sondern beweist nur, dass 
er unmögliches unternommen hat. 

Ich werde im folgenden die unhaltbarkeit seines Stand- 
punktes darzuthun versuchen. 

Der erste theil der genannten arbeit bedarf nur einiger 
kurzer bemerkungen. Zu allererst ist die beweisführung nicht bei 
der Sache. Handelt es sich doch gar nicht um das land des 
Avesta im sinne des herrn Geiger, sondern um seine heimath 
d. h. um den ort der entstehung, das land, wo es seine ersten 
anfange und seine hauptsächlichste entwickelung genommen, 
und das seine leitung und richtung bewahrt hat. Hier kann 
es nur von untergeordneter bedeutung sein, dass verschiedene 
theile sonstwo verfasst worden sind z. b. der yesht X in Aria 
oder Vendidad III in N. E. 

Nun ist es aber eine ausgemachte thatsache, dass das Avesta 
im grossen und ganzen das werk Mediens und der Magier ist. 
Vergebens hat man dies zu bestreiten gesucht; denn der beweis 



110 C. de Harlez 

dafür ist so klar und unwiderleglich als möglich. Siehe meine 
abhandlung „Der avestische kalender und die heimath des 
Avesta", V. orientalistencongress, t. II pp. 237 fF., Berlin 1882. 

Ohne hierauf zurückzugreifen will ich nur an die zwei 
folgenden thatsachen erinnern: 1) Der medisch- magische Ur- 
sprung des Avesta ist bezeugt durch das beständige und ein- 
stimmige zeugniss der geschichte seit ihren ersten dunkeln 
anfangen; und nur erst im ausgange des mittelalters haben 
einige Chronisten etwas anderes erdacht. 

2) Das Avesta selber deutet auf denselben Ursprung. Nie- 
mand wird wohl im ernste behaupten können, dass das Baß 
des Y. XIX nicht Rä'i, Ragha sei. Die tradition bezeugt das 
(Ragh). Uebrigens besteht die wurzel raj == herrschen im 
Eranischen gar nicht, und räji mit königreich zu übersetzen ist 
eine unzulässige willkür. Gegen das gewicht aller dieser ein- 
stimmigen zeugen hat man allerdings nur eine einzige einwendung 
vorzubringen, deren Widerlegung nach so vielen Widerlegungen 
überflüssig erscheint. Man sagt, das wort „Magier" komme nur 
ein einziges mal im Avesta vor. Dieses stillschweigen scheint 
nicht nur natürlich, sondern von den umständen selbst geboten. 
Welcher grund hätte wohl die Magier bewogen, diese verhasste 
racenbezeichnung anzuwenden, die nur zu missliebigen Ver- 
wechselungen anlass geben konnte. Der liturgische name der 
Magier als priester war nvQaid-og d. h. ätharvan und viel- 
leicht noch ein anderer, denn dieser name findet sich nicht 
in den gathas, aber sie hiessen keineswegs „Magier'* i). Die 
Magier waren durch den zoroastrismus an die stelle der 
Atharwan getreten und hatten gewiss allen grund, diesen durch 
die religiöse litteratur des nord-iranischen volkes geheiligten 
priestertitel beizubehalten. 

Uebrigens ist es keineswegs gesagt, dass alle Magier an- 
hänger des Zoroaster waren und dass diese benennung auch 
nur angewandt werden konnte im Avesta. 

Bis auf die Achaemeniden ist Ost-Eran ganz im hinter- 
grund geblieben, und nirgends macht sich sein einfluss bemerk- 
bar; es hat keine geschichte. Aller Wahrscheinlichkeit nach 
hat es wie Persien seine civilisation aus dem westen und im 
besondern aus Medien erhalten. Kann man nun auch nur mit 

') ätharvan steht im Avesta wie „sacerdos" im christlichen ritual. 



Das alter und die heimath des Avesta. 111 

einem scheine von grund annehmen, Persien und Medien hätten 
ihre religion aus einer gegend erhalten, die stets eine so unbe- 
deutende rolle gespielt hat? Diesem hält herr G. entgegen, dass 
Bactriana unter den Achämeniden einen hohen tribut gezahlt 
hat. Hält er diesen umstand wirklich für einen gegenbeweis? 
Und ist der widerstand welchen dieses land dem griechischen 
eroberer leistete wohl ein anderer? Was würde herr G. wohl 
sagen, wenn jemand mit gleichem rechte aus dem widerstände 
des verstorbenen Mahdi folgern wollte, die bewohner des Sudan 
civilisirten Aegypten? Doch lassen wir das. 

Ost-Eran ist gänzlich null in der geschichte des zoroas- 
trismus. Und wenn Bactriana bis zuletzt Alexander wider- 
standen hat, so kommt das einfach daher, dass die griechische 
armee erst zuletzt dahin kam. Uebrigens hat man, als dieser 
Osten Erans selbständig wurde, darin auch nicht die geringste 
spur von zoroastrismus gefunden , während der westen davon 
ganz durchdrungen war und ihm zum siege verhalf. Gewiss 
der beste beweis, dass er hier daheim war. Herr Geiger lässt 
alle diese beweise bei seite und- beschäftigt sich nur mit ge- 
wissen einzelheiten ; so spricht er z. b. von Koschrou Parwiz 
aber keineswegs vom griechischen alterthum u. s. w. 

Und wollten wir selbst den Standpunkt des herrn G. 
theilen, so könnten wir noch nicht seiner meinung sein, es sei 
denn, dass wir die bedeutung der worte änderten. Eine gegend, 
welche die südlich vom kaspischen meere gelegenen länder: Ma- 
zenderan, Hyrcanien und den Khorassan, begreift, kann doch 
gewiss nicht Ost-Eran sein. 

Es ist übrigens klar, dass Hapta-Jnndu , wenn dieses wort 
den äussersten osten bezeichnet, nie dem zoroastrismus ange- 
hört hat; und kaum könnte man zugeben, dass Kabul dem- 
selben angehangen habe. Jedenfalls ist diese frage ohne jede 
bedeutung. Der zoroastrismus ist vom nord-westen ausgegangen, 
um sich im norden und osten auszubreiten. Das ist das wesent- 
liche und hierauf kommt es an. 

Gehen wir zum zweiten teile über: das alter des Avesta. 
Vorerst müssen wir eine allgemeine, vorläufige bemerkung 
machen. 

Indem herr Geiger die der seinigen entgegengesetzte meinung 
bestreitet, scheint es, dass er von der letzteren einen ziemlich 
falschen begriff hat, welches die Ursache auch sein möge. Es 



112 C. de Harlez 

handelt sich gar nicht darum, dass das ganze Avesta unter 
den nachfolgern des Darius verfasst sei, noch weniger unter 
den Seleuciden oder den Parthern. 

Um unsere ansieht richtig zu erfassen , ist es vor allem 
nöthig daran zu erinnern , was der zoroastrismus war. Die 
zoroastrische reformation oder was man mit diesem namen 
bezeichnet, schaffte keineswegs die alte eranische religion ab; 
sie änderte zwar das wesen derselben , liess aber nebensachen, 
wie die genien und die mythen, wenigstens zum grossen theil, 
bestehen. So kommt es, dass einzelne theile des Avesta vor- 
zoroastrische meinungen zur schau tragen, während andere das 
ergebniss der reformation sind und von verschiedenen zeiten 
herrühren können. Ja, derselbe abschnitt kann einen proto- 
eranischen Ursprung, einen proto-eranischen inhalt haben und 
dennoch verändert worden sein, nur um ihn in den rahmen 
des zoroastrismus einzupassen. Hierzu genügt z. b. die bei- 
fügung des einzigen Wortes mazdad'äta zu dem namen eines 
alten genius. 

So können einzelne gesänge, einzelne yesht, die zwar im 
3. oder 4. Jahrhundert v. Chr. abgefasst worden sind, ganz gut 
zehn Jahrhunderte früher vorbereitete Stoffe behandeln. 

Das Avesta kann demnach einzelne ganz alte theile ent- 
halten und wieder andere ganz neuen datums. Daraus dass 
z. b. der priester-sänger, welcher auf der flucht ausruft kam 
nemo zäm, einer der aus der magophonie entronnenen sei, folgt 
noch keineswegs, dass andere gäthäs aus derselben zeit her- 
stammen und nicht etwa zwei oder drei Jahrhunderte früher 
verfasst worden seien. Diese bemerkung widerlegt mit einem 
schlage einen grossen theil der beweisführung des herrn Geiger. 
Bemerken wir nur noch, dass alle anzeichen von bildung, 
welche er für das bedeutend grössere alter der gäthäs geltend 
macht, sich ganz gut durch die annähme einer ortsverschieden- 
heit erklären. Das heutige Central-Asien weist noch sessbare 
landbauern, nomadische hirten und räuber auf. 

Gehen wir jetzt zu den einzelheiten über: 

Um zu beweisen, dass das Avesta in uralter zeit abge- 
fasst worden sei, führt herr Geiger folgende gründe an: 

1. Obgleich das Avesta von politischen ereignissen, inva- 
sionen, kriegen spricht, so erwähnt es doch nie weder Meder 
noch Perser noch irgend ein anderes volk, sondern nur die 



Bas alter und die heimath des Avesta. 113 

Aryas; diese Völker existierten also damals noch nicht; weiter 
kannten die yeshts nur die einzige Stadt Babylon (Yt. V. 29); 
also stand zur zeit seiner abfassung Babylon noch in seiner 
blüthe. 

Es ist erstaunlich, dass man ein solches argument an- 
führen kann. Obgleich das Avesta in seinen yesht (denn 
hierum handelt es sich) sich ganz und ausschliesslich mit mythen 
beschäftigt, verlangt man dennoch, dass es von Persern und 
Medern spreche. Wir hätten darin einen römischen nachahmer 
Hesiods, der uns mit Carthaginiensern und Numantinern unter- 
hält. Wäre übrigens diese beweisführung gegründet, so würde 
sie beweisen, dass das Avesta verfasst wurde in der indoger- 
manischen zeit oder zur zeit der Sassaniden. 

Und in Wirklichkeit, mit ausnähme einer stelle, wo die 
rede ist von unbekannten Dähiken^) und Qäniken Yt. XIII. 
144 kennt das Avesta auf der weit nur drei Völker, die Aryas, 
die Turas und die Semiten (?). Ist es also das bild seiner 
zeit, so hat es damals das licht erblickt, als der indogerma- 
nische stamm nur ein einziges volk bildete, oder unter den 
sassanidischen königen, die ebenfalls nur Eran und An er an, 
Eranier und Aneranier kannten ; eine dritte annähme, in diesem 
falle, ist unmöglich. 

Und selbst stimmten wir herrn Geiger bei, wäre das Avesta 
wirklich geschrieben zu einer zeit als es weder Perser noch 
Meder gab, so wäre das zur zeit der eranischen union ge- 
schehen und die spräche wäre die primitive eranische. Ob 
Medien und Persien bestanden, oder nicht, ob sie im osten 
bekannt waren oder nicht, ist hier von gar keiner bedeutung; 
denn es lag gar keine veranlassung vor, sie im Avesta beson- 
ders zu erwähnen. Das Avesta ist ein ausschliesslich mythi- 
sches, rituales buch. Oder fänden vielleicht unsere leser, wenn 
sie hierzu zeit und lust hätten, in unseren heutigen euchologien, 
hymnologien, catechismen, sermonarien, in den moralhand- 
büchern u. s. w. unserer seminarien auch nur die geringste 
erwähnung von Deutschen, Engländern und Franzosen oder 
andern nationen? Ebenso verhält es sich mit dem Avesta. Es 
wäre geradezu unpassend gewesen, in demselben von Persern und 

*) Die Dähas sind den keilinschriften unbekannt; erst zur zeit Alex- 
anders des grossen kommen sie als nachbaren der Eranier zum Vorschein. 
Also kann schwerlich der yesht sehr alt sein. 

neiträKo z. knndo d. indg. »prafhon. XII. 8 



114 C. de Harlez 

Medern zu sprechen; war es doch nicht für ein einziges land, 
sondern für mehrere bestimmt , und diese legten sich alle den 
namen Äryas bei, welchen sie als einen ehrentitel betrachteten. 
Die Meder nannten sich Arioi xar s^oxi^v, die perser rühmten 
sich Arier zu sein, das war so zu sagen ihr familienname. 
(Pärsa Pärsahyä puti-a; Ariya Ariyacih'-a Dar. N. R. b, 13, 14.) 
Spräche man etwa in einem deutschen ritual von Preussen oder 
Baiern? Gewiss nicht, im gegentheil meidet man diese particu- 
laristischen benennungen. 

Was nun Babylon betrifft, so bemerken wir zuerst, dass 
man auf die tradition zurückgreifen muss, um eine erwähnung 
desselben im Avesta zu finden; diese tradition verwirft aber 
herr Geiger in dem geographischen theile seines werkes. Gewiss 
nicht consequent! Weiter, wenn Babylon erwähnt ist, so ist 
es in mythen. Daraus folgt also, dass Babylon für die Ver- 
fasser des Avesta nur mehr eine mythische existenz hatte, weil 
sie darin ohne weiteres Thraetaona wohnen lassen konnten. 
Dieses argument wendet also seine spitze gegen den, welcher 
sich seiner bedient. Und allerhöchstens würde es doch beweisen, 
dass der mythus nach dem falle Ninives entstanden ist, und 
das brächte uns höchstens zurück zum 7. Jahrhundert. Weiter 
kann der damals entstandene mythus mehrere Jahrhunderte 
später wieder aufgefrischt worden sein in der gestalt, wie wir 
ihn finden im yesht V. 29. Es ist sogar unwahrscheinlich, 
dass er damals gleich nach seiner entstehung aufgezeichnet 
worden sei; der yesht kann also selbst sehr gut Jüngern 
Ursprungs sein, während der mythus alt ist. Alles das hat 
also keine beweiskraft oder beweist gerade das gegentheil. 

Herr Geiger erklärt den satz des Herodot: Die Meder 
s-KaXsovto ÖS TTcclat TtQog Tiavtcov 'L4qiol folgendermassen: „Zu 
Herodots zeiten, d. h. im 5. Jahrhundert war die bezeichnung 
bereits antiquirt" und schliesst daraus, dass dieser satz zu 
seinen gunsten spricht. Aber leider ist dem nicht so; rtäXat 
bezieht sich auf Ttqbg nävtiov und nicht auf ^L^qloi. Was 
zur zeit Herodots nicht mehr der fall war, ist, dass sie 
nicht mehr von allen ^.Aqlol genannt wurden. Jedoch thut 
das alles nichts zur sache. Begonnen mit dem ausdruck Arija 
konnte das Avesta nur auf dieselbe weise fortgesetzt werden, 
weil es für ganz Eran bestimmt war. 

Der zweite beweisgrund des herrn Geiger ist hergenommen 



Das alter und die heimath des Avesta. 115 

von den vorzüglichsten beschäiftigungen der Verfasser des Avesta 
und im besondern der gäthäs. Dieselben sind gänzlich einge- 
nommen von weiden, ackerbau und dem kämpfe gegen die 
nomaden, während die Magier des 6. Jahrhunderts auschliesslich 
den kämpf um die herrschaft führten. Die gegenüberstellung 
dieser beiden thatsachen soll unter anderm beweisen, dass der 
anfang des gesanges XLV der gäthäs nicht nach der mago- 
phonie verfasst worden sein kann. 

Schon oben haben wir gesehen, dass herr Geiger nicht 
recht das wesen der frage erfasst hat, und werden auf diesen 
punkt noch später zurückkommen. Bemerken wir hier nur, 
dass dieser kämpf zwischen ackerbauer und nomade in Eran 
zu allen zeiten geführt wurde, ebenso gut in Herodots tagen, 
wie im raittelalter und noch heute. Ein prophet, der vor 
100 Jahren unter den Turkomanen oder Kurden aufgestanden 
wäre, hätte ganz wohl die rolle des sänger der gäthäs spielen 
können. Und möge man doch endlich mit der Wiederholung 
solcher beweisgründe aufhören! In betreff der Magier ist die 
Sachlage nicht, wie herr G. meint. Was er sagt, ist nur wahr 
von einer gewissen gruppe von Magiern und nur für einen 
Zeitraum von etwa zwei jähren. Unter Cyrus, oder Cambyses 
bis zum zuge nach Aegypten, unter Darius oder Xerxes dachten 
die Magier sicher nicht daran, dem grosskönig sein reich streitig 
zu machen; ja die mitbewerber des Darius waren nicht einmal 
Magier. Der versuch der dem Bardiyas verbündeten Magier 
beweist also keineswegs, dass die des nordens zu derselben zeit 
nicht einen theil des Avesta geschrieben haben, und ihre sorge 
um den ackerbau verweist sie keineswegs in's graue alterthum. 
Uebrigens kann zwischen dem gesange der verfolgten und dem- 
jenigen der beschützer der Viehzucht ein Zwischenraum von 
mehreren Jahrhunderten liegen. Sie gehören auch verschiede- 
nen schulen an. Hier verweilt herr Geiger besonders bei den 
gäthäs wie wir später sehen werden. Betrachten wir die weiteren 
beweisgründe des gelehrten Verfassers. Wir werden sie der reihe 
nach anführen und mit wenigen werten ihren werth zeigen. 

3. Die avestischen Arier kannten das salz nicht 
— Nun spricht aber herr Geiger selber von den weiten salz- 
flächen, den salzbergen, salzseen, welche sich im avestischen 
Eran befinden. (Siehe Alt-Er, 149, cf. Spiegel Eran. alt. I 
s. 29, 164.) Wie sollten nun diese Völker dieses mineral nicht 



c}P 



116 C. de Harlez 

gekannt haben? Das ist zu sonderbar um glaublich zu sein. 
Doch weiter. 

4. Das glas war ihnen unbekannt. Diese behauptung 
stützt sich auf eine willkürliche deutung des wortes yämä; 
ferner ruft man dafür an die nichterwähnung des glases unter 
den reinigungsgefässen Vd. VII. 73 — 75. Auf diese weise müssten 
alle Stoffe, von welchen im Vd. VIII die rede ist, aus dem ave- 
stischen gebiete verschwinden, weil sie an der angegebenen 
stelle ebenso wenig erwähnt sind; unter andern sogar das 
erwähnte yämä. Diese stelle beweist nur, dass das glas wenig 
gebräuchlich war und weiter nichts i). Herr Geiger behauptet, 
dass das persische jä^n nur ein gefäss bedeutet, und dass man 
erst später den begriff glas hinzugefügt hat. Doch das gerade 
gegentheil ist wahr; denn jäm bezeichnet einen spiegel von 
glas, die fensterscheiben der häuser (shlshah) u. s. w. Er 
schliesst also ganz ohne grund das glas aus dem Avesta aus; 
der besondere begriff „fensterscheiben" wird sich doch sicher 
nicht von dem allgemeinen begriff „topf" herleiten! 

5. Fehlen des geldes; die Zahlungen geschahen in roh- 
stoffen. Das findet sich an drei stellen und herr Geiger fügt 

"~ EffiSuT^Sollte im ernst jemand glauben, dass die Magier der 
späteren Achämeniden-zeit oder gar der Seleukiden- und Parther- 
zeit sich mit schafen, ochsen oder pferden bezahlen Hessen?" 
Die frage ist ziemlich seltsam, und beweist noch einmal, wie 
falsch herr G. hier die meinung versteht, welche er kritisirt. 
Wer hat ihm denn gesagt, dass es sich um diese Zeiten handelt ? 
Uebrigens wurde das gemünzte geld in Persien erst eingeführt 
unter Darius^ und es ist höchst wahrscheinlich , dass ~es'Tm" 
norden erst einige zeit später in allgemeinen gebrauch kam. 
Wir wären hier denn doch mitten in der zeit der Achämeniden. 
Weiter glaube ich nicht, dass selbst zur zeit des Artaxerxes 
es so sehr zu verschmähen gewesen sei, sich ein heilgebet mit 
einem ochsen bezahlen zu lassen, vielleicht hätte die Zahlung 
in klingenSTer" münze nicht so viel eingebracht. Oder wenn 
herr G. vielleicht nicht weiss, dass die naturalienleistungen 
noch heute bestehen, so hat doch der Verfasser dieser zeilen 

*) In dem selbigen falle erwähnen die Manu-gesetze die gläsernen 
gefäßse ebenso ganz und gar nicht. S. Mänavadharmayästra V. 110— 
123. Diese sind gewiss nicht aralt. 



Das alter und die heimath des Avesta. 117 

viele bekannte, denen man jährlich 10, 20 oder 100 scheffel 
waizen liefern muss. Und dennoch wird wohl an den ufern 
der Maas und der Senne die münze existiren? So zerfallen 
die versuchten erklärungen der avestischen worte, welche wirk- 
lich eine münze bedeuten wie z. b. asparena u. s. w., in nichts. 

üebrigens können die §§ VII. 41-43, IV. 2 und IX. 37, 
die ganz ähnlich sind, dem 7. Jahrhundert angehören und die 
andern aus dem 4. oder 3. Jahrhundert stammen. Von dem 
einen kann man nicht auf das andere schliessen. Und endlich : 
begreift man denn nicht, dass es sich hier nicht um die Magier 
von Ekbatana handelt, und welch sonderbaren begriff macht 
man sich von der frage? Diese abrechnung konnte ganz gut 
für Hyrcanien und ähnliche orte bestimmt sein, obschon die 
Magier Hamadans anhänger des Zoroaster waren. 

6. Dem Avesta ist das eisen unbekannt, es kennt 
nur die bronze. — Das soll durch zwei stellen bewiesen sein, 
wo das wort ayanh bezeichnet ist als raokhnem, zairi, eigen- 
schaften, welche das eisen nicht hat. Diese letzten worte 
sind zwar wahr, aber es ist dennoch Jeicht zu beweisen, dass 
ayanh manchmal im sinne von „metall im allgemeinen" ge- 
nommen wird, und im besondern ist dies der fall an der ange- 
zogenen stelle (Yt. X. 96) wo es heisst, dass Mithra eine mit 
glänzendem metall, mit gold überzogene (?) keule hatte: zaröis 
ayanho, zaranyehe. Weiter konnten wohl die messer von ayatlh, 
mit welchen man, nach Vend. IV. 49, die schuldigen peinigte, 
ebenso wenig von bronze sein, als die fesseln von ayanh des 
Franragyan (Y. XI), der kessel des Keresäspa etc. 

Endlich dürfen wir nicht vergessen, dass herr Geiger 
selber an derselben stelle das eisen erwähnt findet in paiti 
ayatih des Yt. XV. 7 (p. 147. 148). 

Hieraus erhellt zur genüge, dass keines der positiven argu- 
mente der these stichhaltig ist; sobald man sie angreift, fallen 
sie zusammen. 

Sehen wir zu, ob es besser mit den negativen steht. Be- 
merken wir vorerst im allgemeinen, dass herr Geiger die wich- 
tigsten gründe beseitigt, auf eine weise, welche bei einem solchen 
gelehrten kaum gesucht würde. Was ihm nicht passt, streicht 
er einfach. Zeigt man ihm die Veränderung in der spräche, so 
schiebt er die schuld auf die copisten, welche das aiphabet 
verändert haben (wohl auch die syntax?). Kommen neuere 



118 C. de Harlez 

namen von städten vor, so liegt die schuld wieder an den 
copisten. Lesen vfiv z. b. Mouru und Bäkhdhi im Vend. I 
statt Margu und Baktri (Behist.), so haben die copisten diese 
namen an stelle derjenigen des ursprünglichen Avesta gesetzt. 
Aber abgesehen davon dass diese behauptung durch nichts bewiesen 
wird, können wir auch fragen, wie es denn kommt, dass an 
derselben stelle die copisten ragha beibehalten und es nicht 
durch Räji oder Räi ersetzt haben? Man findet zwar Räji im 
Ys. XIX, aber da heisst es nach herrn G. nicht Räi, sondern 
reich, was jedoch, wie wir oben gesehen, unmöglich ist. Freilich 
erklärt die tradition dieses wort durch Ragha, jedoch herr 
Geiger, der ihr anderswo (richtig) glauben schenkt, hält sie für 
werthlos, wenn sie gegen ihn spricht. 

Uebrigens argumentirt herr Geiger gar nicht gegen die 
Sätze selbst, die er bekämpft. Er nimmt wichtige wahrschein- 
lichkeitsgründe für zwingende beweisgründe und so gelingt 
es ihm denn leicht, zu beweisen, dass sie letzteres nicht sind. 
Und weil sie keine absolute gewissheit erzeugen, spricht er ihnen 
allen werth ab, berücksichtigt sie gar nicht, und spricht den 
gegentheiligen satz aus ohne irgend einen beweis anzuführen. 
„Das kann anders sein, folglich ist es anders", so schliesst er. 
So ist offenbar TtvQaid^og, die bezeichnung der Magier, synonym 
mit Atharwan. Jedoch Strabon sagt nicht ausdrücklich, dass 
das eine dem andern gleichbedeutend sei, folglich, so schliesst 
herr Geiger, haben Atharwan und rtvQcxid-og nichts mit einander 
gemein. 

Ich muss gestehen, ein solches verfahren ist auffallend bei 
einem manne von der hohen bedeutung des herrn Geiger; nicht 
minder auffällig ist es, dass er auf die kleinigkeit zurückkommt, 
dass die Magier nur einmal im Avesta erwähnt sind. 

Mit bezug auf die spuren von buddhismus befindet sich 
herr Geiger im irrthum. Es handelt sich vorerst um v. 141 (Sp.), 
Vend. IV, das vollkommen deutlich ist, und nicht um v. 142. 
Seine kritik trifft also den nagel nicht auf den köpf. Könnte 
man uns an dieser stelle sagen, wer anders als die Buddhisten 
in diesen ländern vor der christlichen Zeitrechnung die ent- 
haltsamkeit predigen konnte? — Nach ihm ist der Gaotema 
des Yt. XIII kein repräsentant des buddhismus, weil manche 
handschriften die Variante gaotuma enthalten, hier soll also 
ein offenbarer fehler des copisten gesetz machen! Ist das wohl 



Das alter und die heimath des Avesta. 119 

ernst und eines gelehrten wie herr G. würdig? Dann soll noch 
weiter gaotema ein rein eranisches wort sein. Wo sonst noch 
hat herr G. dieses wort gefunden? In den vedas antwortet er 
uns. Soll das wohl ein beweis für den rein eranischen character 
des Wortes sein? Weiter handelt es sich gar nicht um einen 
streit der nur einen einzigen aussergewöhnlichen mann anginge, 
wie der des Yasht-i fryan, sondern um einen kämpf der 
allen Mazdeern überhaupt obliegt. Endlich wenn gaotema 
darum sich in der nacht der urzeit verlieren soll, weil die 
vedas den namen eines gotama enthalten, so können wir 
dasselbe mit gleichem rechte von Cyrus und Porus behaupten; 
denn auch sie sind in den heldengesängen Indiens erwähnt. — 
Schliesslich ist das paoirpo caJcrem urvaegayat (Yt. XIII. 89) 
am besten erklärlich, wenn man annimmt, dass der verf. dem 
Zoroaster die priorität gegen Buddha vindiciren will. ZaraC- 
ustra hätte, also, der erste, das cakhrem umgedreht. 

Es wäre sicherlich zu bewundern, dass diese drei stellen 
(Vd. IV. 141, Yt. XIII. 16 und 89) sich am besten und einfach- 
sten durch eine anspielung auf den buddhismus erklären lassen 
würden, wenn dieselben in keiner beziehung zu dem buddhismus 
ständen. Besonders da keine andere erklärung als genügend 
zu bezeichnen ist. 

Herr G. hat übrigens auch übersehen, dass ich in dem von ihm 
angeführten satze nur das erkläre, dass gaotema trotz verschie- 
dener vokalisation ganz gut von Gäutama kommen kann. Er 
glaubt, dass ich das geradezu als einen direkten beweisgrund 
anführe, und so bekommt er ohne grosse mühe recht. Was 
antwortet herr Geiger meinen gewichtigen gründen? Nichts, 
eine subjective und dazu noch falsche behauptung: „Das wort 
ist eranisch" und „es könnte auch anders sein". 

So verhält es sich auch mit dem übrigen. Starken Wahr- 
scheinlichkeiten, den genügendsten erklärungen gegenüber be- 
gnügt sieh herr G. zu erwiedern, dass all das keine zwingenden 
beweise sind, und dass es auch anders sein könnte, als ob 
das nicht jedermann wüsste. Er selber erklärt nichts, ihm 
genügt's in abrede zu stellen, und so dünkt er sich, bewiesen 
zu haben, dass das Avesta uralt ist. Von dieser argumentation 
möge hier eine federzeichnung folgen : Die spräche ist die einer 
späteren zeit — schuld des copisten — (der sogar die syntax 
verpfuscht!); — die städtenamen sind neueren datums — schuld 



120 C. de Harlee 

des copisten; — Atharwan ist gleichbedeutend mit rtvgai^og — 
reiner zufall; — Bäji (Bäi tradit.) wird der mittelpunkt des 
zoroastrismus genannt — die tradition täuscht sich, das heisst 
einfach königthum (oben hatte die tradition beweiskraft!); — 
Herodot schreibt dem Cambyses die einführung der ehe zwischen 
bruder und Schwester zu — werthlose anecdote; dieser brauch 
konnte bei den Magiern schon sehr alt sein; — die Sassaniden 
sagen, dass das Avestische die spräche der Magier ist — das 
hat nichts zu bedeuten — das ist ein irrthum. Worauf stützt 
denn doch der gelehrte kritiker sein urtheil hierüber? Auf nichts. 
Ich weiss wahrhaftig nicht, welcher beweisgrund, und wäre 
er auch noch so direkt, einem solchen verfahren gegenüber, 
bestehen könnte. Auf diese weise könnte man sogar in ganz 
bestimmten daten einen irrthum oder ein versehen, einen irrthum 
in den Ziffern unterstellen. Auch in den zwei letzten Para- 
graphen interpretirt, wie ich sehe, herr G. meine beweisführung 
ganz falsch, geht er doch so weit, mir entgegen zu halten, was 
ich denke: „Die Magier, sagt er, konnten seit lange den cultus 
der Anähitä erhalten haben", was ich auch vollständig glaube. 
Es verhält sich in Wirklichkeit nun so: 
Der cultus der Anähitä ist wahrscheinlich alt, doch darauf 
kommt's nicht an; aber dieser cultus hatte keine bilder; wie 
es uns das Avesta von anfang bis zu ende beweist, machten 
seine anhänger keine bilder von ihren genien und göttern. 
Nun enthält aber der yt. V in Wirklichkeit die beschreibung 
eines Standbildes, er spricht von einem halsbande, einem 
diadem, einer vollständigen bekleidung in all ihren einzelheiten, 
der haltung der person; es ist also eine sorgfältig bis in's 
einzelne ausgeführte beschreibung eines bildes. — Und weiter 
wissen wir ganz bestimmt die zeit in welcher die bilder der 
Anähitä in das persische reich *) eingeführt wurden. 

Welches ist demnach nun die wahrscheinlichste annähme? 
Hätte wohl dieses volk, welches von seinen göttern sich gar 
kein sinnliches bild machte, sich ein solches und noch dazu 
bis in's einzelnste ausgemaltes bild in der einbildungskraft 
geschaffen, sich so zu sagen ein bild im geiste geschaffen, 
bevor es eins in Wirklichkeit gesehen hätte; oder aber ist diese 
in jeder beziehung so genaue beschreibung von ihm erst nach 

') Pereien ist im sinne des historikers das persische reich, nicht 
Persien allein. Cf. meine Introduction ä I'etude de l'Avesta. S. CVI. 



Das alter und die heimath des Avesta. 121 

einführung der bilder gemacht worden? Ich meinestheils 
nehme keinen anstand zu behaupten, dass letztere die wahr- 
scheinlichere und allein zulässige annähme ist. Ich bitte fol- 
gendes zusammentreffen bemerken zu wollen: Nur die statue 
der Anähitä ist in Persien eingeführt, und nur Anähitä hat 
eine physische beschreibung im Avesta. Was soll das bedeuten? 
Ein Volk ohne bilder beschreibt dieselben nicht auf diese weise. 
Der bildenden kunst können wohl sinnliche versuche voraus- 
gehen aber keineswegs so vollkommene bilder. Endlich verkennt 
herr G. dass, im sinne des Berosus, Persien nicht das persische 
land allein, sondern das ganze achämenidische reich bezeichnet. 
Also die einführung der bilder durch Artaxerxes II gilt sowohl 
für Medien wie für Persien. 

Im letzten paragraphen bestreitet herr G. die annähme, 
dass die Verfolgung, über welche sich die sänger der gäthäs 
beklagen, diejenige sei, welche die Magier unter Darius zu 
erleiden hatten. Er hält ihr die gäthä XXIX entgegen, welche 
sich nicht auf diese zeit beziehen könne. In letzterem punkte 
hat er vollkommen recht, aber er übersieht, dass diese beiden 
gesänge auch nicht die geringste beziehung zu einander haben 
und zu sehr verschiedenen zeiten geschrieben worden sein können. 
Diese argumentation zerfällt also als grundlos in sich selbst. 
Im cap. XXIX ist übrigens gar nicht die rede von Verfolgungen 
der anhäuger des Avesta. Herr G. argumentirt übrigens fol- 
gendermassen : Die abfassung der gäthäs kann nicht in die zeit 
der durch die Usurpation des Bardiyas entstandenen Magier- 
verfolgung fallen , weil in denselben keine erwähnung ihrer 
feinde geschieht. Auf diesen grund hin könnte man schliessen, 
dass sie an gar keinem Zeitpunkt verfasst worden seien; denn 
welches auch immer derselbe gewesen sein möge, obiger einwurf 
kann immer gegen denselben vorgebracht werden. Uebrigens 
ist es leicht begreiflich, dass sie so furchtbare feinde, wie 
Darius, nicht zu nennen noch zu verurtheilen wagten: während 
es weit weniger zu verstehen wäre, dass sie sich über andere 
weit schwächere Verfolger nur in versteckten Worten beklagt 
haben sollen. So spricht denn gerade dieses stillschweigen zu 
gunsten einer annähme, die ich als die allein gestützte 
betrachte, und welche ich, wie das herr G. fälschlich behauptet, 
keineswegs als einen beweisgrund betrachtet habe. Wenn herr 
G. hinzufügt, dass die kuh der alleinige gegenständ der Sorgfalt 



122 C. de Harlez 

der Sänger der gäthäs gewesen sei, so will er damit wohl nur 
scherzen. 

Wir hätten gewiss noch manches andere zu bemerken; 
jedoch würde uns das zu weit führen. Wir wollen hier nur 
darauf aufmerksam machen, dass herr G. glaubt, dass Roth 
den nicht priesterlichen Ursprung der gahanbärs bewiesen habe. 
Dies ist aber ein irrthum: die gahanbärs sind religiöse feste, 
welche dingen des bürgerlichen lebens ihre einsetzung ver- 
danken, aber deswegen nichts destoweniger religiös und priester- 
lich sind. Ist wohl die katholische bittwoche z. b. nicht 
priesterlichen Ursprungs, weil sie für das gedeihen der feld- 
früchte eingesetzt worden ist? Wenn es mit dieser sich 
zweifelsohne so verhält, so ist dasselbe der fall mit den gahan- 
bärs. (Cf. meine o. s. 110 erwähnte abhandlung.) 

Zum schluss sehen wir, dass die arbeit des herrn G. zu 
einem rein negativen resultat gelangt. Alle gründe, welche man 
für das alter des Avesta beibringt, sind entweder positiv falsch 
oder haben gar keine beweiskraft; und diejenigen, welche man 
bekämpft, bleiben in ihrer ganzen kraft (zustand der spräche, 
form der städtenamen, erwähnung Räi's u. s. w.), oder sie 
behalten ihre Wichtigkeit als grosse Wahrscheinlichkeit. Die 
zweifelhaften stellen, wie z. b. die anspielungen auf den bud- 
dhismus, bleiben in dem System des herrn Geiger gänzlich 
dunkel, während sie klar und deutlich sind in dem unserigen. 
Uebrigens, hinsichtlich derselben, beschränkt er sich auf die 
negation und beweist nichts. Weiter lässt herr G. die stärksten 
beweisgründe unbeachtet und antwortet auf dieselben gar nicht. 
Dies ist besonders der fall bei der frage über die heimat des 
Avesta. (Cf. meine hier oben citierte abhandlung und ss. 111, 112.) 
An dieser stelle finden auch die stärksten und besten deductionen 
keinen platz in seiner arbeit. 

Hieraus folgt vom objektiven Standpunkte betrachtet: 

1. Es giebt gewichtige und starke gründe für den medi- 
schen und magischen Ursprung des Avesta; die constanten 
Zeugnisse der geschichte, offenbare thatsachen wirken mit, dies 
zu beweisen. Es ist gar keine Wahrscheinlichkeit für den osten 
Erans; im gegentheil spricht alles dafür, dass dort das Avesta nicht 
entstehen konnte, obgleich einzelne stücke dem osten gehören. 

2. Auch nicht der schwächste grund erlaubt, das Avesta 
in ein hohes alterthum zurückzuweisen. Die positiven angaben, 



Das alter und die heimath des Avesta. 123 

welche es indirekt gibt, die andeutungen, welche man aus dem- 
selben nehmen kann, weisen sämmtlich auf die zeit der Achä- 
meniden oder sogar auf eine noch neuere zeit. Dies will nun 
wohlverstanden keineswegs sagen, dass das ganze Avesta zu 
dieser zeit verfasst wurde. Niemand hat je daran gedacht. 
Das Avesta ist das werk ganzer Jahrhunderte. Einzelne theile 
können bis zum 7. oder 8. Jahrhundert v. Chr. hinaufreichen. 
Gewisse abschnitte können sogar noch älter sein als der zoroas- 
trismus. Die mythen sind dies gewiss, was ihren stoff angeht. 
Die bestimmungen bezüglich der hunde und gewisser reini- 
gungen können auf diese weise eben so alt sein, nur dass sie 
in einer späteren zeit eine neue fassung erhalten haben. 

Derselbe gesang, ein yesht oder irgend ein anderer kann auf 
diese weise aus mehreren theilen verschiedenen Ursprungs bestehen. 

Früher schon habe ich bewiesen, dass der yesht des Mithra 
aus zwei oder drei zum theil disparaten abschnitten besteht. 
Diese Zusammenstellung so wie die letzte redaction rühren 
wahrscheinlich aus einer zeit her, zu welcher der cultus des 
Mithra in Persien neuen glänz erlangte. Der yesht der Anähitä 
enthält vorzoastrische demente: die mythen und ihre beiden; 
die göttin Anähitä — das himmlische wasser (§§ 1 — 6; 21 — 88); 
ferner zoroastrische demente: dem Zoroaster gewährte gunst- 
bezeugungen, die legende des Zoroaster (§ 7 — 20; 89. 118), 
endlich einen schluss (122 ff.) der auf die zeit des Artaxerxes 
Mnemon hinweist; die letzte fassung dieses yesht müsste also 
zu dieser zeit erfolgt sein. 

Als die zoroastrische rehgion in die eranischen lander 
eindrang, konnte sie darin zu keiner vollständigen herrschaft 
gelangen , und so musste sie denn , ob sie wollte oder nicht, 
ihnen wenigstens zum theil ihre mythen, gewohnheiten und ihren 
cultus lassen; die neue rdigion suchte nur diesen Überbleibseln 
der Vergangenheit zoroastrischen anstrich und deutung zu geben. 
Und von da rühren die inconsequenzen und selbst Widersprüche, 
welchen man im avestischen zoroastrismus begegnet, her. Das 
Avesta besteht aus 2 oder 3 übereinander gelagerten schichten 
ungleichartiger demente, in welchen man im wesentlichen 
uraltes neben neuerem findet. Was nun den zoroastrismus 
selbst anlangt, so sieht man keinen grund, ihn über das 
8. Jahrhundert hinaufreichen zu lassen. Wollte man nur diese 
Unterscheidungen beachten, so würde man von den avestischen 



124 W. Deecke 

thatsachen nicht so grundverschiedene erklärungen geben und 
manche stelle nicht im dunkeln lassen, welche so leicht aufzu- 
hellen und zu erklären wäre. 

Wiederholen wir zum Schlüsse nur noch, dass herr Geiger 
in seiner abhandlung jedmögliche anstrengung gemacht, seine 
gelehrsamkeit entfaltet und grossen Scharfsinn angewandt hat. 
Hat er trotzdem seine ansieht nicht behauptet, so beweist das, 
wie ich schon sagte, einfach, dass sie nicht zu behaupten ist. 
Ich bedauere, dass er mich gezwungen hat, ihn zu be- 
kämpfen. C. de Harlez. 



Lykische Studien. 

I. 

Die genitive singularis auf -h(ä). 

Durch die beschäftigung mit den kyprischen und pam- 
phylischen inschriften, wie durch die Untersuchungen über die 
entwicklung des griechischen alphabets auch zu den resten der 
lykischen spräche hingeführt, glaube ich zu den bisherigen 
forschungen von J. Lassen, Mor, Schmidt, J. Savelsberg 
und J. P. Six einige nachtrage liefern zu können, und lege 
hier zunächst meine resultate über den genitiv singularis, 
der für alle stamme und alle geschlechter auf -hä, abgekürzt -h, 
auslautete, vor. 

Leider habe ich mich nicht entschliessen können, der 
Schmidt'schen Umschreibung des lykischen alphabets zu 
folgen, da sie ein zu irriges bild der etymologischen gestaltung 
der spräche giebt. Mag auch in der that im Lykischen, wie 
die griechische Umschreibung lykischer, die lykische wiedergäbe 
iranischer wörter zeigt, allmählich eine trübung der vocale und 
eine theilweise Verschiebung der consonanten stattgefunden 
haben, so war diese doch keineswegs ursprünglich, und zur 
zeit der annähme des griechischen alphabets sicherlich noch 
nicht durchgedrungen, muss vielmehr als eine spätere entartung 
gelten; und ebensowenig wie wir das griechische ai und oi 
durch ae und oe wiedergeben, weil die Römer diese diphthonge 
so umschrieben und die Griechen ihrerseits römisches ae und oe 
durch ai und ol ausdrückten, oder wie griechisches rj uns als 
i gilt, weil die Neugriechen es so aussprechen, ebensowenig 
dürfen wir z. b. auch die durch entlehntes griechisches s und o 



Lykische Studien. I. 125 

ausgedrückten lykischen vocale als i und u bezeichnen, weil 
sie in einigen lykischen namen griechisch durch i und v wieder- 
gegeben werden. Geschieht dies doch keineswegs conse- 
quent, und auch die spätesten uns erhaltenen inschriften ver- 
rathen durch den Wechsel der Schreibung noch häufig das 
schwanken der ausspräche und den rückfall in die alte geltung. 
Meine Umschreibung schliesst sich daher der griechischen lau- 
tierung so eng als möglich an: 
a (= gr. a). 

i> (= gl'- ß)- 

g (= gr. y; nur Pin. 4, 1 mit % wechselnd). 

d (= gr. ö). 

e (= gr. €, sich zum i hinneigend; Schm. i). 

V (= gr. digamma; Schm. /}. 

z (= gr. Q. 

h (= +). 

^ (= X). 

i (= gr. L, mittellaut zwischen i und j; Schm. j). 

h (= gr. x). 

l (= gr. A). 

m (= gr. ^). 

n (==- gr. v). 

(= gr. o, sich zum u hinneigend; Schm. w). 

p (= gr. TT). 

q (= gr. koppa; nur Lim. 8, 1; mit k wechselnd). 

r (= gr. q). 

s (=- gr. a). 

t (= gr. r, bisweilen mit doppeltem querstrich). 

u {== gr. v; Schm. v). 

jf (= gr. j^; zum y hinneigend; Schm. g). 

Hierzu kommen an eigenthümlichen lauten: 

ä (= var. des gr. a; getrübtes a; Schm. e). 

ü (= var. des gr. t;, mit vielen modificationen; getrübtes 
u; Schm. o). 

q (= X; nasaliertes a vor p, m, u und im auslaut; 
Schm. d). 

j (= H,' nasaliertes i vor ^^ w und im auslaut; einmal ^nt- 
Lim. 5, 3 neben sonstigem ■^t-; Schm. i). 

ö (aus kypr. o entstanden, mit mehreren Varianten; ge- 
trübtes o; Schm. o; vom ü nicht scharf geschieden). 



126 W. Deecke 

u (aus kypr. im, mittellaut zwischen u und w, Schm. ü). 

Ueber die Verwendung der überflüssigen griechischen buch- 
staben und die directe oder indirecte entlehnung kypri scher 
zeichen vgl. meine bemerkungen in 0. Müller's Etruskern* 
II, 523 ff. nebst der tafel ; auch meinen aufsatz „aiphabet'* in 
Baumeister's Denkmälern I, 50 ff., gleichfalls mit tafel. 

Bestätigt wird meine obige auffassung durch den etwa 
50 mal nachzuweisenden Wechsel von ä mit a, während es mit 
e nur etwa 12 mal wechselt; ferner durch seinen etwa 30 mal 
gesicherten austausch mit ö und ü, die in folge dessen auch 
etwa 12mal mit reinem a wechseln, während sie untereinander 
kaum ganz zu trennen sind, zumal auch ihre formen in ge- 
wissen Varianten sich einander nähern. Selten wechselt reines 
oder u mit ö oder ü, nur unsicher mit «. Andere vertau- 
schungen sind isoliert. Weicher und harter consonant wechseln 
in g (d. i. y) und x, ^ und p, z und s, aber immer nur ver- 
einzelt; ein paarmal scheinen d und l vertauscht; doch ist bei 
der grossen ähnlichkeit ihrer zeichen die zweifellose consta- 
tierung schwer. 

Alle lykischen Wörter scheinen ursprünglich vo- 
calisch ausgelautet zu haben. Die sehr seltnen Wörter 
auf -&, -n, -t, -X, -r sind, wenn richtig überliefert, sicher 
apokopiert, wie z. b. ön Myr. 6, 2, sonst öne; opazeipn Sur. 6, 
neben opazeionä Kady. 1; ulaiäh Lim. 11, 6, sonst ula : äbe 
u. 8. w. Häufiger finden sich im auslaut nur s, z und h; bei 
ersteren beiden scheint gewöhnlich ein e abgefallen zu sein — 
vgl. ar^nas mit atlase; x'^'^va^az mit sxxotraze, sppartaze — 
das hj das nur im gen. sg. auslautet, hat, wie die über 20 mal 
vorkommende nebenform auf -hä zeigt, ein ä hinter sich ver- 
loren; ja vereinzelt fällt dann wieder das in den auslaut 
gerathene h selbst ab, und es wird so von neuem ein voca- 
lischer auslaut hergestellt: so in pärmönä = TlaQ/nsviog Lim. 
19, 3 u. 6; wahrscheinlich in %ttarama = Kragd/xu) Kady. (mahl- 
zeitrelief). Wie aus diesen bilinguen, so steht auch aus anderen 
die genitivisch-singulare bedeutung der endung fest, und 
zwar gilt sie ohne unterschied für masculina, wie für 
feminina, wahrscheinlich auch für neutra. Die stamme, an 
welche das -h(äj antritt, zerfallen in 4 gruppen: auf -a, -ä, -e 
und -0, für die ich die einzelnen beispiele jetzt durchgehn will. 



Lykische Studien. I. 127 

A. Stammt auf -a. 
I. Masculina. 

1) apolänidah — l^rrolXwvLÖov , neben dem nom. apo- 
länida — '^Tiollwvidrjg , alle 4 formen in der bilinguis von 
Lewisü. Es ist natürlich griechisches lehnwort, doch entspricht 
der nom. auf -a eigentlich der dorischen form auf -äg, wie 
der genitiv auf -ah dem dor. -ä; s. n. 5. 

2) pomazali Lim. 13, 1, sicher herzustellen nach dem 
nom. pomaza Lim. 22, 1 ; s. zur endung n. 3 u. 6. 

3) spppazah Telm. 3, 2; der nom. spp^taza auf münzen, 
auch abgekürzt spp^ (Six 11, n. 119—122, etwa 410—405 
V. Gh.; dynast von Telmessos). Zu vergleichen sind iranische 
namen, wie gpiti-, gpitjura-, gpita-varenanh- (bergname), gpi- 
täma- ; gräcisiert ^TtiTccuag, ^Trita/nsvrjg, ^TtiTccKrjg; von gpiti-, 
gpita- „hell, weiss, leuchtend"; indisch gvitja-s, gveta-s, gleich- 
falls in namen, von wurzel gvet „leuchten", woher auch gvitra-s, 
iran. gpitra- „schimmernd", gräcisiert in 27tid^QaddTT]g , auch 
27tiS^QiddTr]g, ind. gviträ; s. Fick Griech. pers. CXXXVII u. 
CLXXXVIIL 

4) qparahä Lim. 16b, 3 neben dem zusammengesetzten 
nom. arttoqpara Pin. 2, 3; artoqpara auf einer münze (Six 
25, n. 221; dynast, wahrscheinlich von Pinara; gegen 380 — 
375); acc. arUoqparii Lim. 16 b, 3, mit qpara zusammen ge- 
nannt, so dass beide, wofür auch die namensähnlichkeit spricht, 
wohl verwandt waren. Auch diese namen sind iranisch; vgl. 
bactr. altpers. apara- „alius, alter", auch ind. apara-s „secundus, 
posterior"; ferner die altpersischen namen mit arta- (= bactr. 
asa-?), in griechischer Umschreibung l4QTa-, aber auch idqto- 
(selbst 14qtv-) und 14qt€-, wie lykisch auch ärta- (s. n. 7) und 
ärtä- (s. C I, n. 9); ind. rta- von rtd-s „recht, heilig, rein"; 
8. Fick 1. 1. CXVIII u. Deecke Messapisches im Rhein, mus. 
n. f. XXXVII, 373 ff. Die nasalierung endlich findet sich 
wieder in der griechischen Umschreibung L4QTSjiißdQr]g neben 
l^QTaßccQiog ; s. auch spätgriechisch 'Efißdgrjg neben dem skythi- 
schen namen 'L^ßagig; vgl. noch Tqdfxßrikog zu trqmele, am 
Schlüsse von C IL 

5) klah = yiä, bilinguis von Antiph. 3, 2 u. 5, einen 
nom. ^hla = gr. ^ag, das auch sonst vorkommt, voraussetzend; 
hl ist im lykischen anlaut sonst unsicher, da in hlqme (Myr. 



128 W. Beecke 

4, 4, 2 mal) das h auch zum vorhergehenden worte gezogen 
werden kann; doch s. im inlaut tählo... St. X. 0. 43. 

6) äppebazah Lim. 41, 2 setzt nach analogie von n. 2 
einen nom. ^äppehaza voraus, von echt lykischem stamme; 
s. die in ihrer hedeutung noch dunklen wörter äppä, äp^tade 
(auch appade St. X. W. 33), äpjtesäde (Ant. 2, 6) u. s. w., 
VFahrscheinlich verbalformen. Die endung erinnert an das 
iranische -ßa^og, auch -ßd^rjg z. b. !AQvaßdtr]g (neben ^Aqxa- 
ovdaör]g). 

7) ärtaxsserazahä St. X. 0. 59—60, ohne zweifei = 
^AQTa^sQ§ov, und zwar ist, nach der durch die münzen annä- 
hernd bestimmbaren zeit der auf der stele genannten gleich- 
zeitigen dynasten und persischen Satrapen, Artaxerxes II Mnemon 
405 — 362 gemeint. Die lykische form lehnt sich nicht an die 
altpersische artak^safra, sondern an die griechische in der 
Variante ^^gta^sQ^rjg ^ und diese an die medische artahsassa 
(arfahsasa), wohl aus *artahsarsa für *artahsasra, an, mit 
svarabhaktischem a und anschluss an die einheimische lykische 
endung -aza; das e stammt aus dem Griechischen; über x^s = 
Jcs, hs, gr. ^, a vgl. hinter n. 29, auch n. 9; s. De ecke 
Ursprung der altpers. keilschrift in der Ztschr. d. d. m. ges. 
XXXII, 279, n. 15; 287, n. 33. Wir werden noch eine ganze 
reihe besonderer beziehungen lykischer namen zu medischen 
finden. Zur endung vgl. man noch die männlichen nominative: 

mahenaza L. 41, 2, wahrscheinlicher eine amts-, als eine 
Verwandtschaftsbezeichnung ; 

mlohedaza Sur. 1 u. 4, desgl.; dat. pl. mlohedazüe ebdt 4; 

vasaza X. 3, 4, gleichfalls ein appellativum ; 
ferner auf blosses -za: 

edamaxzza Ant. 4, 3; nom. pr.; acc. edümaxzzü ebdt 7, 
ein zusammengesetzter name, wie wohl auch das dop- 
pelte ü zeigt; s. II, hinter 5. 

parzza St. X. n. 2; pafrzzja X. 5c, 1 — 2, auch parza 
St. X. N. 14, iranisches lehnwort = altpers. pärsa-, gr. 
UiQörig^ TlegaiMg; vielleicht acc. przzö St. X. S. 23; 
andrer casus przzä... ebdt 28; mit vocalischem r, nachl 
syncope des a, wie in trbb-, zrbbl-, %rbbl-j hrpp- u. s. w.l 
und ihren ableitungen. 

8) masasah Lim. 2, 1; Ant. 2, 1; vgl. zum stamme: masa 
Lim. 42, 1 (griech. schrift); masase St. X. N. 37; auch den 



Lykische Studien. I. 129 

karisclien stadtnamen Maoa-viogaöa mit dem eponymiis Maaa- 
r'WQdöt]^, und den karischen beinamen des Dionysos: MaaaQig; 
ferner iranisch und skythisch Maaa- , Maoaa- in eigennamen, 
daneben Maat-; wie indisch mahä- und mahi- in eigennamen, 
zu wd/ü, mahd-s, mahdt, mahä- „gross"; mahi (fem.) „erde, 
weit"; bactr. mazistn- „der grösste" ; mazanh, maganh (neutr.) 
„grosse" u. s. w.; s. Fick 1. 1. CLXXV und G. Meyer Karier 
in Bezz. Beitr. X, 196, n. 41. Das lyk. .s entspricht auch sonst 
bactr. Q (resp. z); s. B I, n, 10. Die endung begegnet wieder 
im nom. pr.: 

ddauasa Myr. 4, 1 u. 2 
vgl. noch karisch Megiftavaoa ( MavocoXov) C. I. Gr. 4216, 5. 

9) x^^^i^'^^X^^'^h Lim. 18,2; vgl. zum suffix der ersten 
hälfte den ml. namen: 

Xore^üna Kand. 1, 1; 
zur zweiten hälfte die iranischen namen auf -d^tjg (xss = ^, 
wie in n. 7), vielleicht verwandt mit den indischen auf -aksa-s, 
von aksd-s ,,auge, würfel" oder dem kaum davon zu schei- 
denden dksa-s „achse am wagen (radauge)"; s. Fick 1.1. CXLV; 
Grassmann Wörterbuch z. RV. 5—6. 

10) padrqmah Pin. 2, 1; vgl. zum stamme das appel- 
'lativ *padräta, nach Savelsberg (II, 131, note) = ind. 

p adrata-s „fusssoldat, 7r«^og", woher, mit wechselndem mittleren 
"vocal: pimräfä St. X. N. 51; padrötahäde ebdt S. 32; gen. pl. 
padretahe ebdt 0. 53; vielleicht auch pedretöne ebdt N. 57. 
Zum suffix s. n. 11. 

11) pexqmah Lim. 18, 1, gleichen Stammes vfie pexrä Ant. 
1, 1 = gr. nlygrjg (s. B I, hinter n. 12); pexädarä Pix. 1 
= gr. Ili^iodagog (ebdt). Dieselbe endung zeigen noch die 
nom. pr. : 

ddarssqma Pin. 2, 1 (andere lesen p statt r); 

hrexqma Myr. 6, 1; acc. hrexqmü ebdt 2; s. hrexttbele.. 
Tl. 1, 1. 
Andere namen haben -ama, s. n. 20. Iranische und klein- 
asiatische namen auf -df.irjg, -d/nag, auch -af.iog, sind nicht 
selten; s. oben unter n. 3 ^rtiTaf-iag; ferner: l^Qodftrjg, Jaxd- 
(XYig und Jaxd(.iag; Kagdf-iag, Kiöqdfxag; dann Uglaitiog, Tev- 
Ta/.iog,"I/.ißga^iog (der karische Hermes); lyk. vkafiog = xa^Trog, 
daher die Stadt "FAawoi,- s. G. Meyer 1. 1. 182, b, 1, beson- 
ders über die Ortsnamen mit gleichem und ähnlichen Suffixen. 

Beiträge z. künde d. indg. sprachen. XII. 9 



1/ 



130 W. Deecke 

12 — 13) kodalah : %plah X. 8, 1, doppelname, oder name 
und titel; s. zum ersteren lyk. kode Ant. 1, 1; St. X. 3 mal, 
unbekannter bedeutung; aucb das kleinasiatisch - griechische 
Sprichwort KiadäXov xoIvl^ (var. KoddXov, Kviodälov; s. auch 
karisch Kövöalog) klingt an. Das zweite wort begegnet wieder 
in dem zusammengesetzten ml. namen xplapünä Lim. 41, 1 
(s. B I, unter n. 11), während der stamm xp- i^^ appellativen 
und namen sonst noch mehrfach vorkommt und in griechischer 
Umschreibung durch Klvö- , Kiö- wiedergegeben zu werden 
scheint; s. B I, n. 9. Zu den Suffixen s. einerseits: 

mädäzzala Tl. 2, 2—3, nom. pr. masc; die lesung nicht 
ganz sicher; 

asavüzala Tm 3, 2; nebenbestimmung zu tedäeme „söhn"; 
vgl. auch auf dem bilinguen relief von Kadyanda: 

zzala = 2dXag, 
sowie lyk.-gr. 'EQfxaadXag 4303 h; karisch-gr. Kovdlrjg 4424; 
ferner lyk.-gr. ^sglaalog 43001; JalöaXog u. s. w. G. Meyer 
1. 1. 184, VI, 1. 

Andrerseits vgl. lykische Wörter, wie atla (wohl fem.) 
^^^selbst^; etlähe y,yEQOVGia(?)". 

14) ddavüpartah Lim. 4, 1 (andre lesen a statt p); 
vgl. zum ersten theile den gen. sg. fem. ddava : . ütnah Lim.* 
15, 2 (s. II, 3); auch den nom. sg. masc. ddävä St. X. N. 9 
(s. B I, hinter n. 12); thrakisch-phrygisch Jafog, lat. ^yws^ 
d. i. Ij^schakal^; lyk.-gr. ^EX^LÖdva (fem.) 4315 b. — Der zweite 
theil findet sich im namenstamme pärt- wieder (s. II, 5), auch 
wohl im dunkeln partaesäde St. X. 0. 33, Zweifelhaft bleibt 
die beziehung zu iranisch ITagi^-. 

15) kärd-d-ehahodah Kand. 2, vielleicht nur habodah, 
wenn kärd^d-e appositioneller titel zum vorhergehenden ml. 
nom. pr. ohohä ist; es kommt sonst nur isoliert vor (St. X. 
3 mal). Wegen des Suffixes s. : 

tovada X. 7, 3 (nom. pr. masc), 
und wegen der Ortsnamen auf -ada G. Meyer 1. 1. 180, III. 

16) zotreah Telm. 1, 2. Man erwartete *zotreiah, da 
sonst regelmässig zwischen e und a, e und ä ein i eingeschoben 
wird; s. die nom. pr. nom. sg. masc: 

sedäreia = ^iddqiog, bilinguis von Lim. 19, 2 u. 6; s. 
Stadt und hafen ^idaQovg in Lycien; ethnikon 2id(xqvv- 
tiog; aus dem Griechischen? 



Lykische Studien. I. 131 

äxäteia Lim. 26, 1; vgl. phrygisch und iranisch i^yarrjg, 

und zur endung %omäteiäh Lim. 22, 2; s. B I, n. 2; 
oriieia Myr. 8, 2 (das i mit zwei querstrichen); s. unter 
C I, n. 20. 
Zu vergleichen sind ferner mädheiahä n. 27, und das suffix -eiä 
B I, n. 1 — 3; doch finden sich auch sonst vereinzelte aus- 
nahmen ohne i, wie puueäläiä = JIvßLdlrj Lira. 19, 4— 5 u. 8; 
ähbeähe X. 4, 4, sonst ähbeiähe; s. auch slq'm?eä hinter B I, n. 12. 
Weniger sicher erhalten oder deutbar sind: 

17) sb[e]hazah Pin. 1, 8 (überliefert i statt .';), ergänzt 
nach dem nom. sg. fem.(?) sheqaza Lim. 8, 1 (s. II, n. 6). Der 
anlaut sb findet sich im Lykischen auch sonst; über das suffix 
-aza s. n. 2 — 3; 6 — 7. 

18) maxah Kyan. 1, 5; wahrscheinlich auch in z. 2 u. 4 
herzustellen und dann sicher männlicher personenname ; viel- 
leicht acc. ma-xü St. X. S. 11. Zu vergleichen ist kleinasiatisch- 
iranisch-griechisch Mäyag, nebst Mayaiog, MayadccTrjg u. s. w., 
stärker gräcisiert Meya-; da nun letzteres, wie altpers. baga- 
bnlcsa- = Meydßvtog zeigt, auch iranischem baga-, ind. })aga- 
entspricht, von ml. Bdga-s „gott, glück, liebe" — vgl. Bdyag, 
Bayaiog, Baya7idrr]g, BayaTtaiog (neben Dlsydnavog) — so ist 
möglicherweise das lykische und griechische m in obigen namen 
überhaupt aus b, urspr. 6\ entstanden; vgl. auch lyk.-gr. v = 
d in Msve^vöig neben lyk. mädämode; s. hinter C I, n. 18. 

19) äzzaiaah Lim. 6, 2, mit auffallendem doppeltem a; 
aber hinter i pflegt ein vocal zu folgen (s. n. 14 var. ddaviia- 
artah). Zum stamme vgl. *azzala; acc. azzalü'^t. X. N. 10; 
dat. pl. azzalüe ebdt 0. 59, dunkler bedeutung; auch eazzezä 
Myr. 3, 5. 

20) X'*^^(^^^" ~ Kzagdf-io) (überliefert pp , r und /), 
bilingues relief von Kadyanda (bei Fellows), wohl genitiv des 
besitzers vor dem namen eines hündchens: mola = Mol...; 
s. oben die einleitung über den abfall des -h. Die gleiche 
endung zeigen die ml. nom. pr.: 

zahama Lim. 4, 1; acc. zahürnü ebdt 2 (überliefert 7i statt 
m; auffällig das ü der mittelsilbe; doch s. edümaxzzü 
unter n. 7); 

ap^nütama Myr. 3, 2; s. n. 6 u. äp^nöne „nepoti" (dat. 
sg. fem.?) X. 2, 4; vielleicht herzustellen [äpfjnöne 

9* 



132 W. Deecke 

Ky. 1, 3 — 4 (nom. sg. masc); [äpj^Jnönä Myr. 5, 2 (dat. 
pl. masc.?), zusammengesetzt mit öne ,,kiud"; s. noch 
äppiä Ky. 1, 2; äpfri.. ebdt 4; auch n. 21. 
Sonst vgl. das suffix -qma n. 10 — 11. — Der anlaut x^/ findet 
sich auch in xtthade Rhod. b, 2; St. X. 0. 10; daneben xtotbü 
Myr. 5, 4; im innern in ejlta - '7xxag, biliuguis von Anti- 
phellos 3, 2, und in hrexUbele . . . Tl. 1, 1 (s. C I, hinter n. 21). 

21) äp^xoxah Lim. 31, 1 , ziemlich sicher herzustellen; 
vgl. unter n. 20, und auf münzen: 

^X^Ti^ (Six 3, u. 89), vielleicht gräcisiert ^Qyvyrjg, alter 
lykischer königsname, woher ^Qyvyioi. • Avuot (St. Byz.). 

22) moüahahä Telm. 2, 2 (anfang nicht zweifellos; auf- 
fäUig das m), sonst im anlaut mov- , mova-. Zum suffix das 
nom. pr. masc: 

zauaha, auf münzen; s. zauaha St. X. S. 37; vielleicht 

auch: 
orähellaha Pin. 2, 2. 

Männlich sind ferner die verstümmelten genitive: 

23) ak...rah X. 5b, 2—3 (anlaut und zahl der feh- 
lenden buchstaben unsicher). Zur endung vgl. die ml. nom. pr.: 

lapara ~ u^arcdgag, bilinguis von Lewisü 1 u. 4; 

eiamara Rhod. a, 2; dat. eiamarajä ebdt b, 1; 
s. lyk.-gr. */ffcf^ofg (Plut. de virt. mul.); auch ndvdaQng,"lxaQog, 
üi^cjöagog, Ortsname Ksvagog u. s. w.; s. G. Meyer 1, 1, 183, 
V, 1; auch oben n. 4. 

24) ...le.ahä St. X. N. 3; s. ebdt 2 hä : tedäeme 

(=. „filius"). 

25) ma..nah Tl. 1, 1 — 2; s. St. X. 0. 48 maliüna; s. 
C I, hinter 18. 

26) vahä St. X. fr. a, 4; s. unten paiava. 

Endlich gehört hierher wohl: 

27) mädheiahä St. X. S. 43, schon oben unter n. 16 
erwähnt; doch ist seine deutuiig als personenname unsicher. 

Weit zweifelhafter noch ist die Zugehörigkeit von: 

28) hütahä, 9 mal auf der St. X., vielleicht gar kein 
nomen. 

Eine etwas unregelmässige bildung wäre: 

29) .. .torlläh X. 6, 2 (vielleicht vorn unvollständig), 
wenn es zu ...torlla auf dem relief von Kadyauda (darüber 



Lykische Studien. I. 133 

f^ano) geliört; doch lässt die analogie von fkojprlläh neben 
koprlle (C I, n. 7) eher auf einen nom. *...torlle schliessen. 
Weitere ml. nom. sg. von nom. pr. sind: 

äkatamla, [äjkofomla = '^E/.axof.Lvag (2 mal) auf dem 
bilinguen relief von Kadyanda; verstümmelter gen. 
äkat... = 'Exar... Pix. 1 u. 9. Der kleinasiatisch-gr. 
nan)e lautet auch '^EyMTOf.ivog, -Sfivtog^ -ö/uviov (gen. -ovog) 
== „hundertminer(?)"; s. unten s^topä B I, n. 10, von 
lyk. Sita -r- 100(?), und tärssexle — „dreiseckler" (C. 
I, 21). Das ml braucht nicht verschrieben zu sein, 
wenn das wort gr. lehnwort ist, da mZ eine beliebte 
lykische lautverbindung ist, mn nicht sicher vorkommt. 

Xodrähela Lim. 40, 2; Ky. 2, 1; vielleicht mit dem namen 
des gründers von Myus KvÖQrjXog verwandt. 

ärempioh a Myr. 2, 1 ; s. einerseits ärezüna St. X. 0. 4 
(name?): äredade Ant. 2, 5 (vielleicht eine verbalform), 
kleinasiatisch- und iranisch-gr. ^^t-, ^Eqt- in namen; 
andrerseits nifnohä Lim. 14 (3 mal; nom. pr. masc); 
m^nosama Ant. 1, 4 (dunklen sinnes); m^näöäedähä X. 
1, 5 (gen. eines nom. pr. masc); suffix -ha auch in 
n. 22. 

paiava X. 5 a u. 5b, 1; s. auf münzen pa.a.. (Six n. 13). 

extta — "ixrag, bilinguis von Ant. 3, 2 u. 5; s. über x^ 
n. 20; auch extdiiö Ant. 1, 2 {td auch in tdekä Lim. 
3, 4, sonst stets tekä). 

pddöxi'ta Pin. 4, 2, mit der häufigen präposition j)ddö zu- 
sammengesetzt (vgl. äol.-gr. Ttsdd); s. xi^^^ ^- ^^- ^^^ 
name entspricht etwa einem gr. * MsTayitrjg ; s. Msxa- 
yivrjg und TTjliyhr]g (Phot. lex.) neben xrjXvyetog; lyk. 
X\tniKLta. (mindestens 12raal) „der verwandte", nebst 
andern ableitungen, wie x{f<^^(^^^^^^ ) x{^(^^ora u. s. w.; 
s. auch unter x^ßf^^ B I, hinter n. 12. 
Iranische lehnwörter sind: 

me&rapata St. X. 0. 16 und auf münzen = * Mi&Qartarrjg 
(s. oben Baya7cdzr]g u. unten ratapata), erhalten in der 
gräcisierteren form MiTQoßdrrjg, sonst in namen auch 
Mid^Qo- und MiTQa- = bactr. altpers. mit'ra-, ind. 
mitra-s ,, freund, sonne, Sonnengott", auch als zweites 
namensglied iranisch und indisch häufig; s. Fick 1. 1. 
CXXXI u. CLXXVI; Deecke L 1. 283, u. 25. 



134 W. Deecke 

ratfapjaia X. 5 c, 1, wohl zweifellos richtig ergänzt, von 
^^**"***%leicher zweiter hälfte, wie der vorige name; s. noch 
l^rQonäzTjg = bactr. ätarepäfa- ; dieselbe gehört zu 
Wurzel jpä „schützen^'; s. das folgende wort. Der erste 
theil geht auf bactr. rata-, ind. rafa-s „rad, wagen, 
kriegswagen'' zurück; s. skyth./Pa^a-j'wöog,- ind. rata- 
räga-s u. s. w.; auch als zweiter theil in iraiÜ.-gr. ^uigta- 
Qce^Tjg; bactr. -rata-, ind. -rata-s; s. Fick 1. 1. CXXXII 
u. CLXXVIII. 

xssadrapa X. 5 c, 1; gen. pl. xssadrapahe St. X. 0. 26, aus 
altpers. ^Usatrapa-, nebenform von Usatrapävan = oa- 
VQUTtrjg (auch ^aTQCcrcrjg, sogar i^azQoiTtrjg), aus Usatra-m, 
ind. ksatra-m „herrschaft" (häufig auch in eigennamen) 
und ^ä „schützen" ; s. noch namen wie bactr. fare^mopa-, 
ind. nrpa-s, mahipa-s, und -pata in den vorhergehenden 
Wörtern. Die abweichende form des ersten gliedes in 
ärfa-xsseraza-hä ist unter n. 7 erklärt. 
Wahrscheinlich ist auch iranisch: 

otilna St. X. N. 5 =r^ altpers. utäna- = 'Oravjyg, med. Hutana 

(Deecke 1. 1. 274, 3), mit verdumpfung des mittleren 

vocals; nach Fick 1. 1. CXIX zu wurzel av „fördern, 

helfen". 

Die eigenschaft als nom. pr. steht nicht fest bei dem echt 

lykischen worte: 

kezzapr^na St. X. N. 11 u. 14; acc. hezzapr^nü ebdt. 15. 
Der zweite theil prina scheint „oixoc;, haus" zu bedeuten ; 
davon pr^nava = ,yoi}iia, grabhaus", in der bilinguis 
Ant. 3 durch /uvrj/iia übersetzt; 3. sg. prät. prinavatö 
(über 40 mal), in bilinguen = STtonjoaTO, Eqyaoa.ro (sc. 
olxiav); 3 pl. prät. prfnavütö (bil. von Lewisü) = sgya- 
oavTo; wahrscheinlich 3 sg. präs. pr^navate (Lim. 11, 2; 
12, 2; 13, 5) = Ttoiei, olxodo/.i€i^); ferner prfnäze 
(9 mal) mit dem suffix der ethnika (s. hinter C I, n. 17) 
~ olnslog (so auch in der bilinguis von Lewisü). Ich 
denke eher an wurzel prl „lieben", als mit Mor. 
Schmidt an gr. tcqicü (stamm uqlo-) „sägen". So ist 

*) Diese verbalformen stellen schon allein den indogermanischen 
character des Lykischen fest. Das « ist = aw, am auch im acc. sg. der 
uomina auf -a; s. kezzaprjnü; pr^navü u. s. w. 



Lykische Studien. I. 135 

auch seine combination von kezza mit kar. yiaaa ,, stein", 
so dass das ganze „steiusäger" hiesse, kaum richtig; vgl. 
vielmehr die griechischen namen auf -oiv.og. 
Nur theilweise leserlich ist auf einer münze: 
äii? r? na, Six 17, n. 177, während ein anderes exemplar 
a^itü zu bieten scheint. 

IL Feminina. 

1) xäreuahä St. X. S. 5 neben x^reua ebdt n. 38; 51; 
Xäreii... S. 25 (wohl genitiv); yär... S. 13; ferner y/äreua auf 
münzen mit dem bilde einer fürstin (Six 14, n. 132 u. 184), 
herrscherin von Xanthos um 394; daneben die ältere namens- 
form xareua (Six 14, n. 172) auf einer xanthischen münze 
von etwa 420, wohl einer älteren gleichnamigen herrscherin 
angehörig; vgl. noch die (adjectivischen?) ableitungen xäreuazö 
St. X. W. 19; xäreuaz^ ebdt 45; herzustellen 53. Zur endung 
s. n. 2; der stamm begegnet wieder in den ml. namen tärifä 
B I, n. 8, und yäröe C I, n. 14, und ist vielleicht = Ää^-, 
alt Kaeg-; s. Lugebil in Bezz. Beitr. X, 303; auch G. Meyer 
1. 1. 194, 26, besonders die Ortsnamen mit Kagv-, Kagov-, auch 
lykisch KdgvaL (oder KaQvai); den karischen personennamen 
KaQv-otüXdog u. s. w. 

2) xä^ewa/f St. X. S. 26, gleicher endung wie n. 1, zum 
stamme s. ml. xäzremäh C I, n. 5. 

3) ddava: .iimah Lira. 15, 2; die drei punkte scheinen 
die endung vom stamme zu trennen; s. zu ersterer n. 4, zu 
letzterem I, n. 14. 

4) hqprümäh X. 1, 3 neben dem nom. hqprüma X. 2, 5, 
also unregelmässig mit ä statt a; s. I, n. 29. Unsicher ist 
hafpjroma als name eines fürsten (oder einer fürstin?) von 
Patara auf einer münze von etwa 390 (Six 21, n. 198); a und 
wären dort älter als hier q und ü. Man hat den ml. lyk.- 
griechischen namen 'ÖTtga/iioav (acc.) 4324 verglichen, aber mit 
wenig Wahrscheinlichkeit; ich denke eher an iran.-gr. ^AßQO-y 
'AßQa-, auch '^AßQO-. 

5) parte nah Kand. 2; daneben als m\, nom., aber in 
abtheilung und endung unsicher, pärtenamovoA Lim. 37, 1; 
s. St. X. N. 56 movate, leider auch mit unsicherm schlusslaut 
(var. b); s. sonst I, n. 14. 

6) morüzah Sura 1; vgl. more St X. N. 41; moräe ehdt 



136 W. Deecke 

51; morönäde ebdt 58, vielleicht zum stadtnamen *mora =- 
Mvga (ta u. jy), gräcisierter Mv^ga, gehörig; ethnikon MvQaiog 
und MvQsvg; s, n. 7 u. 8. Zum suffix vgl.: 
sheqaza Lim. 8, 1; s. I, n. 17; 

edazzala = Elöaaaala, bilingues relief von Kadyanda; 

s. ml. ecla-maxzza hinter I, n. 7, und zur endung ml. 

zzala — laXctg und mädäzzala hinter I, n. 12 — 13. 

zzfemaza] „tochter" Lim. 13, 1; mit Sicherheit herzustellen 

aus dem dativ zzemaze Lim. 22, 2; etwa „conjugio 

nata" zu ind. jamd-s „gepaart" , substantiviert im dual 

„paar", und -gä „geboren". 

Weiblich sind ferner höchst wahrscheinlich die lykischen 

Städtenamen auf -a, und zwar wegen ihres dativ-locativs auf -e 

(s. eben more), während die masculina auf -a im dativ -aiä 

haben; s. eiamaraiä hinter I, n. 23; ebenso adadfnaiä Lim. 

14, 2; so%enaiä St. X. 0. 63 — 64. Auch in der griechischen 

Umschreibung enden diese städtenamen nie, wie die ml. nom. 

pr., auf -ag, sondern stets auf -a, und werden als fem. sg. oder 

neutra pl. gebraucht. 

Der genetiv ist erhalten in; 

7) ar^nahä, auf münzen von Xanthos (Six 14, n. 184; 
18, n. 181; 19, n. 185; abgekürzt ar^ ebdt n. 189; aus der 
zeit von 400 — 335) neben dem nom. ar^na (Six 15, n, 157 u. 
sonst), auch St. X. 4 mal; Pix. 2, wo im griechischen texte 
z. 10 (in andrer construction) {_Sa]v~j-io[ig] entspricht (auch 
z. 17); äenn"^Qva ist als alter einheimischer name von Bdvd-og 
überliefert; eponym 'L^gvog; ethnikon ^^Qvaiog und lAgvsvg. 
Lykisch finden sich noch die locative arpias St. X. N. 13 {-s 
wohl = -se = gr. -ae) und arpiade X. 5 b, 10 {-de = gr. -ös), 
sowie ein casus des ethnikons: arpiatä St. X. N. 20; s. gr. 
auch seltner it^gvatrjg, IdQveattjg. 

8) ärbbenahä St. X. S. 20; der nom. ärbbena auf münzen 
(Six 27, n. 228; auch 26, n. 227; zwischen 400—390); der 
acc. pl. des ethnikons vielleicht 'rhbenäzes St. X. W. 53 (mit 
aphäresis des a nach vorhergehendem e; vgl. auf münze n. 227 
tälabärbbena vielleicht für täläbahe ärbbena, mit starker crasis); 
8. soräze hinter C I, n. 17. Der griechische name der Stadt 
ist unbekannt, denn Six' combination mit Tgeßerdai, Tgeßar- 
varcSv ist wenig glaublich. Eine kürzere namensform zeigt der 
dativ ärbbe St. X. 0. 35; loc. ärbbade ebdt S. 42; ärbbäde N. 13; 



Lykische Studien. I. 137 

0. 19. Einen anklang bietet der karische ml. name 'L^q- 
ßr)oaig. 

Im nominativ sind erhalten die städtenaraen: 
lamra St. X. N. 34; 38; W. 34; dat. lamre N. 44; gr. ^a- 
/uvga, meist rä uiif.ivQa oder /} yii/uvQu; auch der fluss 
heisst ui(xf.ivQog oder ^i^vgög. 
tlava St. X. 0. 30; Pix. 2 = Tlio"CT[ct]L<; z. 10; Tl[iott]aii 
z. 17 (s, oben unter n. 8); dat.-loc. tlave auf münzen; 
gr. Thog, auch Tluig und Tkw. 
pttara St. X. S. 38 = %a ndtaga, lat. Patara (fem.), vom 
lyk. -gr. naTÜqa = y.iaTr}, xißwTog, ayyog; ethnikon 
pttarazö auf münzen (Six 22, n. 199; abgekürzt pt 
n. 200; um 390—380). 
p^[nara] Pix. 2, zu ergänzen nach z. 17—18 TIivaQeoig; 
z. 10 [nivaQ']€o\_ig']; s. ar^nahä und tlava; gr. tcc IIlvaQa 
und 1^ nivaga, von lyk,-gr. nivaQa = ror azQoyyvla 
TtavTa, also == X6(fog otQoyyvXog. 
Zu erschliessen sind ferner noch: 
*mora — Mvga; s. unter n. 6. 
*sora — 2ovQa; s. soräze hinter C I, n. 17. 
Weiblich scheint endlich: 

9) atlahä St. X. S. 18, von *atla „selbst", vielleicht ver- 
wandt mit ind. ätman, gr. aT/tiog; dat. atle (oft), auch ätle Lim. 
19, 3; gen. pl. atlahe Lim. 4, 3; Sura 4; X. 1, 7; loc. cdlase 
St. X. W. .56; unsicher atla Sura 2; ä^/ä Lim. 13, 2. 

Weibliche nominative ^«f -a sind noch z. b.: I 

^^jifl . ^ul^flj ^ . etwa = ■ii^rr-rsfS^^Ä^^^r. .y/^'da (etr. latva^? » 
aatJflwJrföfl), in bilingueu ^ 7i;yam>;-^4iCi3r«l««?Ä'"(7 mal), • 
ätier auch lada Ant. 3 b, 3; Lim. 5, 1; dat. pl. ladüe | 
Lim. 9, 1, aber auch lada Lw. 2 (= yvvai^iv z. 5); 
X. 4, 4. 
^or«a ^„vidua(?)" Lim. 8, 1 u. 3; St. X. S. 13; acc. ^orttü 
""^ eMt 0.28; dat. pl. ^orttüe X. 4, 4; verstümmelt d^or... 
St. X. S. 19. 
Hierher gehören ferner, mit Sicherheit zu erschliessen: 
*Xopa „grab", a,cc. xopä (xopa) ; pr^nava „oiula^^; s. am 
Schlüsse von I; ftata „das innere", auch bezeichnung des- 
grabes; aravazeia „das bauwerk"; s. B II, n. 3; ada ,,mine" 
8. C I, n. 21 u. s. w. 



138 W. Deecke 



B. Stämme anf -ä. 

I. Masculina. 

1) mezpateiähä, Sura 6, neben dem nom. mezpäteiäy 
ebdt 1, mit getrübter zweiter silbe. Ebenso ist die endung 
-eiä, hier und in n. 2 u. 3, wohl nur eine trübung von -eta; 
s. A I, n. 17 u. 27. Zum ersten gliede des zusammengesetzten 
namens vgl. mezo = Mtoog D I, hinter n. 2; zum zweiten 
gliede die indischen namen mit -pati-s „herr", gr. Ttoaig, dial. 
TtoTig, auch bactr. paiti-. Einen auffälligen anklang bietet das 
dunkle mazpete Rh. b, 9; s, C I, hinter n. 3. 

2) xomäteiäh Lim. 22, 2; s. zum stamme xomaladä St. 
X. W. 65; zur endung ä^äteia 1. 1. 

3) ohäreiäh Ant. 4, 1; s. zum stamme: ohohä Kand. 2, 1 
(s. unter n. 9); oh^ (auf münzen) und die münzbezeichnung 
ohazata (acc. pl. neutr., 4 mal); zur endung sedäreia 1. 1. 

4) päreklähä Lim. 40, 2; 6, 3; abgestumpft ^äreHä'Ä 
Lim. 38, 2; 41, 1 — 2; nom. päreklä Lim. 16 b, 2 und auf 
münzen, entlehnt aus gr. TleQmXrjg; dies ist als name eines 
lykischen dynasten (sicher von Limyra), der Telmessos eroberte, 
aus Theopompos (bei Phot. bibl, p. 176; auch Polyaen. 5, 42) 
bekannt. Seine mehrfache erwähnung in inschriften als eines 
verwandten zeugt von seiner berühmtheit. Nach der Inschrift 
Limyra 16 b, 2 hat er auch den arttoqpara von Pinara (s. A I, 
n. 4) besiegt. Aus dem Griechischen ist auch entlehnt: 

eiätroxlä X. 3, 3 = ^IarQoy.Xrjg oder ion. 'irjTQOxk^g, mit 

aspiration; vielleicht: 
häreklä St. X. S. 45 = 'HQax.l^g; doch s. ärekläbä ebdt 

W. 17. 

5) etähä St. X. 0. 25; nom. etä ebdt W. 57, auch auf 
münzen (Six 9, n. 114 — 115) neben telm, also dynast von 
Telmessos; etwa 420 — 415; vgl. etlähe, häufiger dat. sg., viel- 
leicht ~ ysQOvoicf. 

6) sämotäh Myr. 2, 2. Bei diesen und den folgenden 
namen könnte man auch einen nom. auf -e ansetzen (s. C), 
aber die analogie spricht für -ä; vgl. sqtnötä St. X. W. 60 — 61; 
freilich auch schmale (verbalform?) X. 4, 4; Sura 7. 

7) pinotäh Pin. 3, 2 (mehrfach unsicher); vgl. den gen. 
pl. eines appellativs: p^notahe X. 8, 2. 



Lykische Studien. I. 139 

8) xärixähä X. 8, 2, mit autfälligem i zwischen conso- 
nanten, wie in apolämda, also wohl (karisches?) lehnwort; Six 
vergleicht den genitiv KagUa St. X. N. 32 ; s. unter xäreuahä 
A II, n. 1. 

9) xf^'^^oftä/t X. 4, 2; s. zum stamme: xpla A I, n. 13 
und pddö-x{ta, hinter A I, n. 29 ; unten xp^W^^^^y hinter n. 1 1 ; 
zum Suffixe vgl. : 

ohohä Kand. 2, 1 (vgl. n. 3). 
Der ganze name scheint wiedergegeben im lyk.-gr. gen. Kiv- 
öavvßov 4315 h ; s. noch karisch-gr. Kivdvt] (stadt), Kivdaipog, 
vielleicht auch Kid-; obwohl etymologisch xf^- = gent-, gnt- 
ist; s. 1. 1. 

10) Sf'topäh Myr. 4, 1; s. zur endung: alasedadopä St. 
X. W. 36; asaurätopä ebdt 5. Der stamm erinnert an sfta 
Lim. 14, 6; Rh. b, 4, wahrscheinlich ein zahlwort = 100, 
ind. gata-m , iranisch nicht erhalten, aber lit. szlmtas, altsl. 
süto. Der name würde dann dem sinne nach zum entlehnten 
äkatamla gehören; s. hinter A I, n. 29. 

11) senähä Ant. 3 b, 1; herzustellen ebdt 3; s. zur endung 
den nom. masc. : 

Xi'tlapünä Lim. 41, 1 (vgl. n. 9). 
Weniger sicher gehört hierher: 

12) säpozäk St. X. N. 20. 

Dagegen finden sich noch eine grössere anzahl männlicher 
nom. pr. auf -ä im nom. sg. : 

pexädar(ä) Pix. 1 = IIi^iüöaQog ebdt 9; gen. JIi^cdöccqov 
ebdt 19; bei Schriftstellern auch mehr gräcisiert IIi^w- 
6a)Qog; auf einer inschrift IliaeöaQog 4253, 3; s. zum 
stamme: pexqma A I, n. 11 u. unten pexrä; zum suffix 
die folgenden namen: 

mlötädärfäj Lim. 24, mit jüngerem ä vor dem r; ml ist 
kein seltener lykischer anlaut. Zum suffix vgl noch 
l4f4iawdaQog Ilias Z 168, in den scholien auch l^/niao- 
öuQog; ferner das verstümmelte ...uqov /Sw|U[ov] Pix. 20; 
sowie den karischen Zavg IlavdfxaQog; auch die epo- 
nymen der städte auf -aga, -dga, wie ndvagog, Itivagog 
u. s. w.; s. auch -ara A I, n. 4 u. 23. 

växssärä, auf münzen (Six 20, n. 191 — 196, auch abge- 
kürzt väx), vielleicht dynast von Patara; etwa 406—390. 
Der name ist wohl iranisch = altpers. uvafcsafra = 



140 W. Deecke 

Kva^dgrjgj und zwar in medischer form (s. A I, n. 7); 
vgl. xssndrapa A I, hinter n. 29. Lykisch findet sich 
ein der bedeutung nach noch dunkles Substantiv vaxssa 
(va%sa); dat. vayße ; loc. vaxssade (va^sade); abgeleiteter 
name(?) vaxssäpddeme (s. C I, hinter n. 6), der stamm 
im ganzen 9 mal auf der St. X.; daneben vexsabalaba 
ebdt N. 64. 

pexrä Ant. 1, 1, wohl r^: IliyQrjg, gen. -rjTog u. -ov, oft bei 
Schriftstellern; auch auf inschriften 4305; 4329; vgl. 
noch ÜLyga^/jg oder Pigranes , persischer heerführer 
Zos. 3, 25; Amm. 24, 6; auch den karischen Ortsnamen 
niyivda. 

edüxrä Ky. 1, 5, als name nicht ganz sicher; doch s. eda- 
maxzza , acc. edü-maxzzü hinter A I, n. 7 ; edazzala 
hinter A II, n. 6. 

tönäuorä auf münzen (Six 5, n. 100 — 102; auch n. 71), 
etwa 430—420; ort unsicher; vgl. ionävfne St. X. N. 64; 
W. 62; zur endung xp<^^ora neben ;f^Yate- u, s. w. 

tälä Lim. 9, 1; auch erstes glied des namens täläbähe (C I, 
n. 1); vielleicht auch in täläaete St. X. N. 17 (etwa 
täläpete?, wie mazpete; s. B I, n. 1); vgl. noch tälöze 
„miles", hinter C I, n. 17; täle Lim. 32, 2; St. X. S. 10 
(2 mal); 0. 35; aber tale ebdt N. 63. 

ddünävälä auf münzen, auch abgekürzt ddä (Six 24, 
n. 209—220), vielleicht dynast von Antiphellus; um 
395 — 380; vgl. griech. Java/ög; zum suffix -ala s. A I, 
n. 12; auch -eXa; s. G. Meyer 1. 1. 185, 5. 

m^'nohä Lim. 14 (3 mal, aber mehrfach entstellt); s. äre- 
m^noha u. s w. A I, hinter n. 29. Man wird an gr. 
Mtvwg erinnert. 

ehüä, auf einer münze (Six 10, n. 118), um 415; ort 
unbekannt. 
Eigenname ist ferner mit grosser Wahrscheinlichkeit: 

ddävä St. X. N. 9; vielleicht acc. düvö ebdt 0. 57 (s. viel- 
leicht dadö Sur. 2 neben ddüde Lim. 6, 2); vgl. ddav- 
A I, n. 14 u. II, n. 3. 
Kein eigenname dagegen ist: 

xhedä St. X. N. 6; 2 (mit dem zusatze parzza „persisch"); 
47; S. 46 „könig" = altpers. Ä^^sä/aZ/ya-; vgl. zum anlaut 
lyk. x^^(hj "= bactr. k'svas = 6; ein labiallaut zeigt 



Lykische Studien. I. 141 

sich auch in hebr. ^aU^veros = altpers. Icsiarsa == 
Xerxes d. i. „königsweiser". Abgeleitetes adjectiv 
xbedöf'fnäjhe St. X. N. 8 — 9 =• „regiorum" neben ;f<Ya- 
vafähe = ,,gentilium, cognatorum". 
Theilweise unsicher lesbar sind: 

ohakuä Telm. 2, 2 (überliefert r statt a); anfang und ende 
zweifelhaft, 

sl(fm?eü Pin. 3, 2 (hinter m rest eines unbestimmbaren 
buchstabens). Der anlaut sl ist lykisch nicht selten; 
s. besonders slamakär... St. X. W. 26; in der endung 
erwartet man -eiä; s. n. 1 — 3 und zotreah A I, n. IG. 

axlv.tä, auf einer münze (Six 17, n. 177); s. am Schlüsse 
von A I. 

IL Feminina. 
Die genitivischen beispiele sind nicht ganz sicher: 
1) äpththü— "^moLf^v^ in der bilinguis von Lewisü 2 u. 5, 
vielleiclit coUectivfer gen. s^s^fera. „(ihres) selbst"; dagegen 
steht der gen. pl. üpttühe X. 4, 6; äpttähe Lim. 23, 1 (über- 
liefert ö statt k); ahtfähe Lim. 9, 1, correct; ebenso der dat. 
pl. äbttä Lim. 9, 2, nach äp^ — irtl(?). Adjectivisch scheint 
der dat. sg. äpattä X. 5 c, 2 = t^ savxov oder hom. e^, neben 
tülöze „exercitui"; äpttä Lim. 23, 1 — xfi eavxiJöv oder 1^, 
neben atle „animae"; vielleicht dat. pl. [äbjtfä Lim. 9, 2 = 
roig savTÖiv oder kolg, neben [tedüemä] „filiis". Unklar bleibt, 
wegen Zerstörung des vorhergehenden , abättä Rh. b, 13. Das 
wort scheint danach ursprünglich ein adjectiv generis communis 
oder einer endung zu sein, = ,,suus, -a, -um"; dann substan- 
tiviertes femininum, — „sua sc. persona". Als grundform ist 
wohl äbüttä anzunehmen, zusammengesetzt aus äbe (sehr häufig) 
= „suus, -a, -um" und ättä — „hie, haec, hoc", erhalten im 
acc. fem. ütlü : aracazeia = „hoc sepulcrum", Lim. 32, 1; vgl. 
noch das mit einem andern demonstrativ pm componierte 
reflexiv äb-piö = kavtov (3 mal). Nun aber ist äbe nur die 
durch elision des h geschwächte nebenform des noch weit 
häufigeren ähbe — „suus, -a, -um"; vgl. z. b. xpiahe ähheähe 
— „gentilium suorum" X. 4, 3 — 4, mit ulahe : äbeiähe =: 
„posterorum suorum" Lim. 36, 4; oder, in zwei fast identischen 
Inschriften Lim. 17 a, 2 xopa : äbähe (Weiterbildung von äbe) = 
Lim. 17 b, 2 x^P(^ ' "^'^^ ~ „sepulcrum suum". Zur elision 



142 W. Deecke 

des h s. C I, n. 10; auch rppe Lim. 19, 3 neben sonstigem 
hrppe. In ähbe aber halte ich das ä für einen euphonischen 
Vorschlag — s. hbe Lim. 14, 2; hbefiähej Myr. 5, 3 — und 
setze hbe = bactr. hva-, ind. sva-s „suus, -a, -um"; vgl. das 
relativ kbe mit idgrm. kvd (schwach kve), lat. quo-, qui-s, goth. 
hva-; auch lyk. kbesj- = „quinque", wie wo£*"Jjiovem" üTsTwT 
Durch syncope entstand aus äbättä : äbttä , daraus 'Sit Ver- 
härtung des b vor tt: äpttä , endlich mit anaptyxis: äpattä; 
s. A I, n. 7. 

2) poväiähä St. X. S. 19, mit folgendem &or , viel- 
leicht zu ^or[tfahäJ „viduae(?)" zu ergänzen; s. A II, am 
schluss. Vom selben stamme kommt die vielleicht adjectivische 
ableitung poväiäh^ her (ebdt S. 34 u. 35); s. xäreuaz^ A II, 
n. 1. Die wurzel begegnet wieder in pova Lim. 5, 3 (acc. sg. 
fem.) = ,,poenam, multam" ; dat. pl. povüe St. X. 0. 42; s. 
noch pov... ebdt S. 8; pov?te ebdt N. 9—10. 

3) . . .ävä zeiähä St. X. S. 4 (s. noch ...ähä ebdt 3), 
kaum zu [är] äväzeiähä zu ergänzen , von aravazeia , äravazeia 
„sepulcrum; monumentum" (11 mal, in verschiedenen casus); 
doch s. auch aravazeiädä St. X. S. 16; [arav] azeiäde ebdt 26 
— 27; und z. b. xi^ävätä.. (Pin. 2, 2) neben sonstigem xpavata. 
Es scheint übrigens aravazeia eine art collectiv zu *arava zu 
sein, erhalten im acc. aravü Lim. 43, 2; und dies könnte, wie 
prpiava neben -prfna steht (s. kezzaprpia am Schlüsse von A I), 
auf das einfache ara St. X, S. 28 zurückgehn; wurzel ar „fügen, 
bauen, errichten". 

Weibliche nominative auf -ü sind: 
znobä Lim. 13, 1; s. lyk.-gr. Mondd/Sjy 4269 d ; m\. xpanobä, 

oJiobä, s. I, 9; unklar äbenobä St. X. N. 40. 
väh^tä, titel der xärewa auf einer münze (Six 14, n. 132, 
der „priesterin" deuten möchte); s. A II, n. 1; abge- 
leitet ist das adjectiv vähftäze Ant. 3, 4. 
Zu erschliessen ist ein gleichnamiger nominativ aus dem 
dat. sg. fem. oveif-ä Lira. 22, 2; s. eine reihe mit ov- begin- 
nender Wörter. Dasselbe gilt wohl von mädä X. 2, 3 — 4, wo 
ich hqprüma als subject fasse; vgl. den ml. namen mädämode 
C I, hinter n. 18. 

Generis communis oder einer endung sind noch eine anzahl 
relativ- und demonstrativ-pronomina auf -ä, wie: sänä, säeiä 
säeiänä — mänä, mäeiä, mäeiänä. 



Lykische Btudien. I. 143 

C. Stämme auf «e. 

I. Masculina. 

1) täläbähehä auf einer münze (Six 26, n. 225), dynast 
von ärbbena, um 400—390; abgekürzt täläb (n. 224), auch vor 
ärbbena (n. 227), wenn nicht eine crasis anzunehmen ist; s. 
n. 10. Zum stamme s. tälä B I, hinter n. 12; zur endung: 

märähe X. 8, 1; St. X. S. 12; vielleicht [mjärähe ebdt 
0. 24; vgl. märä ebdt S. 3; 0. 25. 
Der name täläbähe erinnert an den Tr]X€(piog drj^og in Lykien 
mit der xQi^vr] Tr]Xiq)ov; kleinasiat.-gr. sind auch die namen 
T^ltjg und TrjXog, letzteres auch inselname. 

Zweifelhaft nach sinn und formdeutung ist: 

2) tehä St. X. N, 17, vor zoq; da sich nun aber ebdt 
S. 36 nach zöq ein, wie es scheint enclitisches , teia findet, 
gehn beide wahrscheinlich auf ein pronomen te zurück, gleicher 
endung wie kbe, ühbe s. B II, n. 1. Dies pronomen kommt nun 
wirklich, enclitisch und proclitisch, häufig vor, meist in der 
bedeutung des indefiniten gr. tl als beziehungs-accusativ, z. b. 

Ant. 4, 7 Jd)e[:]alahade-te : äbäe : ^täffüj = „quod laeserit 
aliquä hoc sepulcrum"; 

Ant. 3, 3 säeiä te-äde tekä mötö = iav öe Tig ddix^arj . . 
x6 (.ivrii-ia (bilinguis); eig. oatig xl ddiytrjarj av tavtrjv (sc. ti)v 
Ta(priv). 

Enclitisch kommen ferner vor die formen: 
tä z. b. tebü-tä Lim. 4, 4; 36, 2; teka-tä Ant. 2, 6; 
teiä St. X. W. 65; 
teiüe X. 4, 5; Myr. 6, 3; teiü[e] Myr. 5, 5. 

Abgeleitet scheinen die sehr häufigen partikeln: 
tekä itdekä Lim. 3, 4) =- av, v.e{v); eig. tl x«? 
tehä = Tj (oder); aus te ähä = zL rovro? 

Die betrachteten fälle sind die beiden einzigen, in denen 
das e sich vor der endung -h(ä) behauptet hat, in allen andern 
ist es in ä übergegangen, so dass der genitiv mit demjenigen 
der Wörter auf -ä übereinstimmt und der nominativ, wo er 
nicht erhalten ist, nur nach analogie mit einiger Sicherheit 
erschlossen werden kann. Das ä findet sich übrigens auch im 
dativ auf -äiä (neben dem älteren e) und im loc. auf -öde 



144 W. Deecke 

(neben -ede?), so dass eine Übertragung von den ä-stämmen 
her wahrscheinlich ist. 
Sichere fälle sind: 

3) porehemätetähä — nvQif.iäxiog, bilinguis von Lewisü 
1 — 2 u. 5; noni. porehemütete Lim. 2, 1; s. noch TloQ/uarig 
4314; acc. n6Q(j.(.iaTiv (ml.?); vgl. zum ersten gliede: 

porehemüe Ky. 1, 3 (endabtheilung unsicher); auch wohl 
porüse auf münzen; s. n. 10; vgl. dazu noch kleinasiat.-gr. 
üvQaf^og, IIvQig u. s. w. 

Zur endung s.: 
pezzete Lim. 1, 1; kaum = pzzete St. X. N. 42; W, 16; 

8. noch pzzedätäs ebdt 0. 9. 
ynazpete Rh. b, 9; s. B I, n. 1. 

4) irbbönemäh Lim. 43, 1; mit in die paenultima ein- 
gedrungenem ä: trbbönämäh Lim. 32,%: nom. trbböneme St. 
X. S. 39; 0. 11, auchv auf münzen. DerSwortstamm trbb-Jßj;, 
Irisch häufig und scheint „bau, ort, stjNb" zu bedeuten; 



• 8. keft.-ital. treb-; ^oih. puürp- (auf trb- zurücfe^rend) ; vgl. 
den lyk. stadtnamen Tgeß-e^^i, ethnikon gen. pl. T^ewariov; 
Personenname Tgeßs-lvaiog (giin, masc?) 4269 d ; kariiseh und 
pisidisch Ta^^^^j^ s. G. l\leyer\l. 198, 67. Häufig ist aa^ch 
aie endung -eme; s. die folgenden wörter, und besonders /«om- 
neme; auch kar.-gr. i^QTi]vf.iog neben lyk. -äeme. 

5) xäzremäh Telm. 1, 4; s. xäzeuah A II, n. 2. 

6) tqpäemäh Lim. 14, 1; s. tqpävöte St. X. N. 59; 
W. 57. 

An nominativen gehören hierher: 

Xaovüneme Lim. 38, 1; s. x^^'^ ^^^- b, 5; x^^«^^^ St. X. 
0. 17; karischer fluss Chaos bei Liv. XXXVIII, 14. 

bäleme Ant. 3 b, 1; acc. ebdt 3. 

tedäeme „filius", auch gleichlautend als dat. u. acc, sehr 
häufig; nebenform tedeme Lim. 21, 3; dat pl. tedäemä 
(oft); acc. pl. tedäemes (3 mal). — Lim. 8, 4 scheint 
tedäeme (acc. sg. masc.) adjectiv = „den jüngsten", im 
gegensatz zu maläeme = „den ältesten" (s. die folgende 
n.): dann wäre -(ä)eme eine Superlativendung, und 
die entsprechende comparativendung könnte in tedäre 
„filius oder „frater minor (?)" Lim. 32, 1 stecken, 



Lykische studien, I. 145 

wenn es richtig überliefert ist; der positiv würde '^tede 
lauten ^). 
mäläfemje acc. sg. masc. „den ältesten", Lim. 8, 3; dat. 
pl. mäläemä „den ältesten" (substantiviert) Kady. 4; 
positiv male Rh. b, 7 (dat. sg.?); gen. pl. maleiahe — 
ysQovTtüv ebdt a, 2—3; St. X. N. 5; herzustellen 7 — 8; 
auch maleiahe ebdt S. 38 ; vgl. noch Myr. 1, 2 sä ; te- 
däemü : ähheiä : homäleiä =-r „et fihis suis bene adultis", 
wo ho- = iran. hu-, ind. su- „bene" ist; vgl. ho-vädre 
„bene nobilis" neben blossem vädre; ho-mrxxü neben 
mrsx%ü ; auch horttovütäh n. 20. 
vaxssäpddeme St. X. S. 44; s. unter växssärä B I, hinter 
n. 12. 
Nicht sicher in casus und bedeutung sind: 
madoneme St. X. S. 34 u. 35; s. madranä Ant. 1, 1. 
otqureme Ant. 1, 6; nebst nekquretnez St. X. W. 29; 30 — 

31; der stamm qur- ist nicht selten. 
rqpaeme Ant. 1, 7, neben dem loc. arqpaetnäde St. X. W. 21; 

s. noch arqpü ebdt W. 10 u. rqpale ebdt N. 43. 
Xpahaeme St. X. N. 44; s. xp- (häufig). 

Auf -me, und zwar -Ö7ne, gehen noch folgende ml. nom. 
pr. aus: 

äsädäplöme Myr. 1, 1; dat. äsädäplömäzä Lim. 17 a, 1; 
b, 1; zusammengesetzt mit der partikel äsä (präposition 
und conjunction, etwa = i^, s^ ov, sx tovtov), wie äsä- 
däfnäva „nachkommenschaft , snyovoi" (von wurzel d^e; 
s. lat. e-dere); äsä-jje-tade == „Ivi-v.oi.dori''^ ; gegensatz 
^tä-pe-tade — „elc-y.o^iorj'''- u. s. w. Zum stamme vgl. dä- 
pädäs Ant. 1, 4. 
ovöme Lim. U, 2; vielleicht zum folgenden zu ergänzen; 

sonst s. ove^tä B II, gegen ende. 
ökovöme auf münzen (Six 2, n. 86 — 88), dynast von Li- 
myra(?), gegen 440. 
7) [ko] prlläh St. X. S. 25—26, mit Sicherheit herzu- 
stellen; s. ebdt 16 koprl.., und auf münzen den nom. koprlle, 

^) Dass in lykischen wortbildungsuffixen bald a, bald ä oder e dem 
indgrm. o entspricht, beruht z. th. auf vocalassimilation z. b. stets -ama, 
-qma, aber -eme (superlativ), -Urne; -ada, -ädä, -ede; -aha, aber -ähc 
n. 8. w. 

Beiträge z. kuiicle d. indg. sprachen. XIL 10 



146 W. üeecke 

häufig, mit vielen Varianten (Six 15, n. 133 — 171), dynast von 
Xanthos, vielleicht könig der Lycier; um 440—400. Auffällig 
ist kopllä.. (ohne r) St. X. N. 39, Eine ähnliche endung zeigen 
...torlläh (s. A I, n. 29) und: 
prle, abgekürzt |;H, auf münzen (Six 8, n. 112 — 113 bis) 

um 430, ort unbekannt; Yg\. perle St. X. N. 58 und den 

Stadtnamen lAnsQlai. 

8) [arovüjtezäsäh St. X. 0. 21, mit Sicherheit herzu- 
stellen nach arovüt..., ebdt41, und dem nom. arovüteiäse, 
ebdt 18, auch auf einer münze (Six 28, n. 231 u. 232); nach dem 
münzbilde dynast von ärhhena, um 390—385. Zu vergleichen 
ist zum anfange des namens das iranisch- und kleinasiat.-gr. 
^Qv-f auch im lykischen stadtnaraen ^^Qvy.avda , besonders der 
Personenname IdQvwtrjg, und zur endung das karische L^Qvaaaig 
(s. auch n. 9); genau entspräche *^u4Qva}Tiaa(a)ig ; s. kar.-gr. 
Kßovdlaaoig (neben Kßwörjg). 

9) ärtäleiäsäh Lim. 22, 1; s. oben ärta- A I, n. 7 und 
art(t)o- A I, n. 4; auch kar.-gr. Idqxvaoaig und wegen des l: 

'!/iQXiaaig, nebst dem städtenamen l^ghaoog. 

10) mollehesäh = MoXXloiog, bilinguis von Lewisü 1 
u. 4; daneben mit contraction und ä statt e (wie in trhhönä- 
mäh n. 4): moläsäh Lim. 7, 2; lyk.-gr. auch MölXsaig, gen. 
-sog 4380 K 13; vgl. zu mollehe- oben porehe- = gr. TIvql- 
in n. 3, und zur contraction z. b. hrealadete Lim. 13, 5 neben 
alahadete Lim. 4, 4; Ant. 4, 7; vielleicht fäläbärbbena = tälä- 
bähe ärbbena (n. 1). Demnach könnte 

poräse (auf einer münze, Six 34, n. 263) = ^'porehese sein; 
s. noch poräsä Ant. 1, 4; porä — Pin. 3, 2 (Benn- 
dorf: sähovä — ). 

11) uanovatesäh Ky. 1, 3 (anfang unsicher); vgl. oväte 
St. X. N. 39; W. 7; uanoväfe Lim. 12, 3, beide dunkler bedeu- 
tung, aber kaum namen. 

12) ffareiäosähä St. X. 0. 59 = Jagslov; s. altpers. 
däriauus . Die eigen thümliche gestaltung des namens geht 
wahrscheinlich wieder auf die medische form zurück; das ^*i(- = 
int- erinnert an neugr. vt = stimmlosem d im anlaut von 
fremdwörtern ; danach hätte anlautendes lyk. dd (selten d) eine 
stimmhafte media bezeichnet, wie gr. d, was ein interessantes 
licht auf die lykische doppelschreibung gewisser consonanten 
überhaupt wirft. Auffällig ist auch die bewahrung dess: sollte 



Lykische Studien. I. 147 

dasselbe doch ursprünglich nicht nominativzeichen gewesen sein, 
obwohl es altpersisch so behandelt wird? 

Entlehnt, aber aus dem Griechischen, ist auch: 

13) pärmönä (mit abstossung des auslautenden h) = Tlaq- 
(.dviog, bilinguis von Lira. 19, 2 — 3 u. 6 — 7; dieselbe inschrift 
hat auch ein anlautendes h in rppe abgeworfen; s. noch yiita- 
rama(h) A I, n. 20. 

14) ;färöAä St. X. 0. 23, auch auf einer münze (Six 18, 
n. 182), zum nom. y^üröe St. X. S. 42 u. 43 und auf den münzen 
n. 181 u. 183; daneben, alterthümlicher xaröe (mit gr. A, das 
auch sonst den Übergang in ä bezeichnet) n. 178 , fürst von 
Xanthos; etwa 400 — 390. Kaum ist St. X. 0. 62 xarüe zu 
lesen, eher narüe. Die contraction des öe zu ö scheint auch 
sonst vorzukommen z. b. in mölönepä St. X. W. 43 aus mölö 
enepü. Zum stamme s. %äreua (%areua) A II, n. 1 ; %äriyä B I, 
n. 8. Die endung -öe ist bei ml. namen nicht selten; so 
noch in: 

üd'^neiöe Ant. 2, 1. 

tävenäzöe Telm. 3, 1 — 2; setzt ein einfacheres *tävenäze vor- 
aus; s. hinter n. 17; vgl. tävätä St. X. W. 10; tävötä 
S^ 48 (verbalformen?). 

motlöe auf einer münze (Six 1, n. 85), von etwa 445; ort 
unbekannt; vgl. motala St. X. W. 33 und kar.-gr. Mo- 
TvXoq. 

altöe Pin. 1, 8 (überliefert q statt ö; andere lesung läzöe, 
wovor Bdf. noch ptt hat; s. Tldtalog in Karien). 

15) ddäpinäväh Lim. 1, 1; wohl auch Lim. 34 (über- 
liefert t statt /?); vgl. ddäepnäoyez Sura 4; auch däpädäs Ant. 
1, 4 und äm-däp-löme (hinter n. 6). 

16) mosäväh St. X. N. 6 (als n. pr. nicht sicher); s. zur 
endung paiava A I, hinter n. 29; auch: 

mömrove X. 4, 2; s. mömrävä.. (schluss unsicher St. X. 
W. 58); vgl. auch möme (ebdt 60—61) und die karische 
Stadt Mov (.laoTog (wenn nicht = Bovßaorog). 

17) xzzohäzäh Pin. 4, 3; s. zum anlaut xzzütüpä St- X. 
W. 44 (auch im innern z. b. edama^zza A I, hinter n. 7); 
Schmidt's lesung üzzobäzäh und combination mit lyk. -gr. 
^Oaavßag 4269 d scheint irrig. Zur endung vgl. äppebazah 
A I, n. 6; ferner: 

sorüze Sura 1; 3; 7, ethnikon von *sora = ^ovqü^ 

10* 



148 W. Deecke 

auch JSovQa; griech. 2ovQiog und 2ovQrjv6g; s. hinter 
A U, n. 8. 
orssqmekäze (andere lesung p statt ^') Lim. 15, 1; s. iran.- 
gr. ^Oqao-öatrjg, und über das suffix -(^ma A I, n. 10 — 11. 
Appellativ ist: 
pv^näze „oly^eiog!-'', von ^prfna „olx.og", s. Abh. II, einl. 

Aehnlich enden noch auf -ze: 
sppartaze St. X. 0. 27, mit lykischer bildung des ethnikons 

= ^TtaQxidxrjg (adject.); s. sparft... ebdt 0. 64. 
atünazfe] St. X. 0. 27 = 'Ad^ijvaiog; vgl, atünas ebdt N. 3 

(= i4i^i]va^€?); s. arfnas A. II, n. 7. 
sxxotraze Lim. 5, 1; auch acc. ebdt; nom. pr. masc. , also 
ursprünglich wohl auch ethnikon eines Ortsnamens *s%xo- 
tra; vgl. illyr.-maced. ^MÖga, ^xvdga; für entlehnung 
spricht auch das a statt ä. 
tälöze X. 5 b, 3; dat. X. 5 c, 2, ein appellativ, vielleicht 
„miles" oder „comes", collectiv „exercitus" oder „cohors"; 
in letzterem sinne auch das coUective fem. *tälözeia, acc. 
tälözeiü Lim. 16 b, 4; gen. pl. tälözeiähe St. X. N. 12; 
herzustellen [täjlözeiähe ebdt 0. 13; s. zum stamme tölä 
B I, hinter n. 12; täläbähehä C I, n. 1; zur coUectiv- 
endung: aravazeia B II, n. 3. 
18) pezebedäh X. 1, 2; s. pezzete hinter n. 3. 
Aehnliche endung zeigen: 
przzede Lim. 32, 1, vielleicht zu p(a)rzza => „persisch" und 
mahanahede Myr. 8, 2, von ganz ähnlicher Stellung, und 
beide vor axüte; vgl. zum zweiten: mahenaza Lim. 41, 2; 
ma..nahe Tl. 1, 1; auch mahüe St. X. 0. 47; mahüna 
ebdt 0- 48; S. 22. 
texzzede St. X. 0. 40. 

Ferner enden auf -de die nom. pr. masc: 
ahuuade X. 1, 2. 

mädämode Lim. 12, 1; s. auf einer kleinas.-gr. inschrift 
MevefxvÖLog TtoXitrjg (Rh. mus. n. f. III, 246); s. über v 
= (? A I, n. 18; ferner 7nädü am Schlüsse von B II. 
Der gleiche stamm begegnet in mädä(:Jzpple St. X. N. 35 
— 36; mädäroplä ebdt N. 60; mädätävo Sura 5 u. s. w. 
In mädäzäde St. X. S. 32 möchte ich einen locativ von 
*mädäze = Mr]öix6g, Mrjdog sehen; daneben mafdäzej 
X. 5 c, 2, wie kypr.*gr. Mädot,. 



Lykische Studien. I. 149 

Appellativ ist: 
ddäde „bruder" Lim. 6, 2; kaum acc. dadö Sura 2. 

19) mfnäöäedähä X. 1, 5; das ö, von eigenthümlicher 
gestalt, ist vielleicht ein halbconsonant: vgl. St. X. S. 42 uast- 
täöär(; 0. 4 säöäöäres; 0. 33 öäro..; 0. 51 cäräöara ; N. 13 
pöhäöär — Zum ersten gliede s. äre-m'^noha AI, hinter n. 29. 

Wahrscheinlich gehen auch auf nominative mit -e zurück: 

20) horttovätäh X. 3, 3—4; s. oväte n. 11. Vielleicht 
ist hortto- = ho-ortto-; s. oben ho-mäle unter mäläeme, hinter 
n. 6, und vgl. ortto St. X. W. 50; ortteia Myr. 8, 2 (s. A I, 
n. 16) nom. pr. masc; vielleicht rtto Lim. 36, 2 neben hrottla 
ebdt 3; ferner orto St. X. W. 12; ortoz ebdt W. 63; ortovüz 
(schluss unsicher) W. 24. 

Aehnliche endung hat noch: 
zexläte Lim. 18, 1 (anfang unsicher). 

21) tärssexläh Rh. a, 2; s. unter äkatamla A I, hinter 
n. 29; tär- == 3 begegnet in derselben inschrift noch in z. 5 
tärä : äbähö = „tres eiusmodi", wo das demonstrativ ähähö auf 
z. 4 säftäre adaetö = ,,quatuor minas" (sättär- = ind. öatvar-; 
über ada s. am Schlüsse von A I) zurückweist: der acc. neutr. 
tre^a = „tria" steht X. 8, 2; entlehnt ist wohl treiärö = 
TQi^Qi] (acc. sg.) St. X. 0. 22 u. 23; dagegen wieder echt 
lykisch: trpplö „dreifach" neben tbeplö „doppelt" St. X. N. 54; 
treso „dreimal?" neben tbeso „zweimal?" ebdt N. 52; s. auch 
N. 65; W. 69; thäso W. 21; dazu trespie 0. 44 bei der münz- 
bezeichnung ohazata „goldstücke?" i) — Das wort sexle (gr. 
alyXog, oUlog) steht als acc. neutr. (?) Ant. 4, 3; im acc. pl.(?) 
sexla ebdt 4. 

Nom. pr. masc. auf -le sind ferner: 

odale Telm. 1, 2 (Bdf. xodale); s. male C I, hinter n. 6. 

fäborssäle Lim. 6, 1; 16a, 1; b, 1. Der narae klingt 
semitisch; s. das OQog ^Araßvqiov auf Rhodos (= Thabor); 
auch das karische castell Thabusion (Liv. XXXVIII, 14). 
Zur endung s. die kar.-gr. personennamen ^L^Qorjhg, Tli- 
aivörilig; auch die lykische stadt 0aar]kig. 

hreyjtbele Tl. 1, 1 (schluss unsicher), enthält die präpo- 
sition hre, verwandt mit hrppe, das in der bilinguis von 
Lewisü durch sttI mit dem dativ, sonst durch den blossen 

*) Lyk. zahlen: ae-, mo- == 1 ; tb-, tov-, to- = 2; tär-, tr- = 3; 
sättär- = 4; kbes^- = 5; ;f6a- = 6; ax^^a = 8; noj- = 9; sfta- = 100. 



150 W. Deecke 

dativ (commodi) wiedergegeben wird; vgl. äsä-pe- neben 
äsä, pä-pe- neben jYä; das h steht hier vielleicht, wie im 
Armenischen, für p, vermittelt durch iranisch f z. b. 
fra- = ind. prä- „vor". Ueber den anlaut x^^ s. ytta- 
rama A. I, n. 20. 
Andere ml. nom. pr. auf -e sind noch: 

täd-d-eväehe St. X. 0. 60 — 61 und auf münzen (Six 13, 
n. 124—131, mehrfach entstellt), um 409—395; ort 
unsicher; vgl. zur bildung des ersten gliedes: väd^d-e 
St. X. S. 21; lä^d-e ebdt 0. 61. Zur endung s. die kari- 
schen Ortsnamen Tevdr^ßa; Kavdrjßa (ethnikon Kav- 
ör]߀lg). 

krosste Lim. 32, 1; vgl. karisch-lykisch Vorgebirge und stadt 
Kqva, ethnikon Kqvevg; auch KQvaooog, ethnikon Kqv- 
aoasvg. Zur bildung s. tostte St. X. W. 21; x^stte-kä ebdt 
W. 49 neben x^sttäde ebdt N. 34. 

ärdmänöne Lim. 23, 1; vgl. lyk.-gr. ^Egv/iiag (Qu. Smyr- 
naeus III, 231); pamphyl.-gr. ^Eqvixviqg, sowie die lykische 
Stadt 'EQVf.ival, ethn. 'EQVjuvalog. Die endung -öne ist 
nicht selten. 
Keine eigennamen, aber nom. sg. masc. scheinen; 

kärd-d-e St. X. 3 mal; Kand. 2; s. A I, n. 15, wahrscheinlich 
titel, etwa „fürst" ; s. besonders tokädre : kärd^d-e St. X. 
0. 55, da nach Benndorf p. 131, n. 103 ersteres sicher 
eigenname ist. 

xahboxepe Ky. 1, 5, vielleicht eine Verwandtschaftsbezeich- 
nung; s. x«^Äö St. X. S. 26 „Schwager (?)"; x^^^ba Myr. 
3, 5 (überliefert r statt b). 

IL Feminina. 

"Weibliche namen oder appellative substantiva auf -e sind 
bisher nicht mit Sicherheit nachzuweisen; dagegen erscheint 
auch als femininum das einendige adjectiv: 

1) ähbe „suus, -a, -um" (s. B II, n. 1), neben lada -- 
yvvrj Lim. 11, 2; 23, 1; Tl. 1, 2; häufig im dativ neben lade, 
atle, äp^nöne (auch in den bilinguen Lim. 19; Ant. 3); im acc. 
4 — 5 mal, bei ladü (lada), x^P^7 xrssöne(?); dat. pl. ahbeiä St. 
X. 0. 46 (bei aravazeiä) u. s. w. Aehnlich mögen an dieser 
oder jener stelle weiblich sein: das pronomen kbe „qui, quae, 
quod"; einige adjectiva auf e, z. b.: 



Lykische Studien. I. 151 

2) trqmele „lykisch; Lykier", mit verschiedenen casus 
und ableitungen (nicht im gen. sg.) == gr. Tsg^illrjg oder Tq€- 
fiilrjg; gen. -ov und -rjrog; pl. auch Tge/mlelg; eponym Tqi- 
f.uXog, Tegf-iiXog u. s. w.; TQi/niUg (yfj) Menekr. bei Anton. Lib. 
35. Der gleiche stamm steckt wohl in tr(ime, trqmesf u. s. w.; 
vgl. die karisch-lykischen städtenamen: TsQjLisQog, tu Tigf^iega, 
rj TsQ/iisQr], Teg/iUQOv und TegjiiEQiov, nebst den mythischen wb. 
namen Tegintga, TsQ^egig; ferner Teg/urjaaog {TEQßEOog), ver- 
mengt mit TeX/iirjoaög u. s. w.; endlich den lelegischen könig 
TQdf.ißrjlog (af.iß = qm). 

Generis communis scheint auch äp(nöne ,,enkel, enkelin" 
(s. A I, hinter 20), nebst öne „kind". 

D. Stämme auf -o. 
I. Masculina. 

1) arppaxoh St. X. S. 25 = l^QTtdyov St. X. N. 25; ein 
andrer casus in arppaxos ebdt N. 58, kaum nominativ, es sei 
denn griechische form anzunehmen, wie in dem halbgriechisch 
geschriebenen aUaläos Lim. 23 = 'Attäluog (s. xd t^TTcclrjo); 
lykisch fällt das s des nominativs stets ab. Der name ist 
wieder medisch-iranisch. Die medischen ansiedlungen in Lycien 
scheinen bis in die zeit des Cyrus zurückzugehn. 

2) keroh Lim. 40, 2; s. die karische Stadt Kiq-afxog. 
Männliche nominative auf -o von nom. pr. sind noch: 

.»jie.r'o = Miaog, knabenname, bilinguis von Kadyanda; s. B I, 

n. 1: karische Stadt Miaaaßa; lydisch Meaawyig. 
zumoho, abgekürzt zom, auf münzen (Six 30 — 31, n. 247 

— 259; er hält zumoho für einen genitiv, der aber ganz 

isoliert stände). 
äro^ auf münzen (Six 16, n. 174), ort und zeit unsicher. 
vtslpo, desgl. (Six 12, n. 123); es scheinen einige vocale 

zu fehlen; das o mit innerem punct. 
Appellativa auf -o können sein: orto (orUo; s. C I, n. 20); 
jiastto Ant. 3, 4 = ETtlxQiTixogi^); s. uasttä St. X. S. 42. 

IL Feminina. 
1) /är^"•.% Lim. 10, 2, vor tohäs „gatte". 



152 



W. Deecke 



Fassen wir die resultate zusammen, so ergeben sich für 
die 4 arten der den genitiv auf -h(ä) bildenden stamme an 
belegbaren genitiven und ausserdem an sichern nominativen 
folgende zahlen: 

a-stämme 



ä-stämme 



e-stämme 



o-stämme 



ml.: 


gen. 


29 


nom. 


41; 


wl.: 




8, 




17; 


ml.: 




12 




19; 


wl.: 




3; 




4; 


ml.: 




21 




44; 


wl.: 




— 




3; 


ml.: 




2 




7; 


wl.: 




1 




— ; 



zus. 



70 
25 
31 
7 
65 
3 
9 
1 



g. 95 



38 



68 



10 



im ganzen also 76 genitive auf -h(ä); ausserdem 135 nomina- 
tive; zusammen 211 mit Sicherheit in einem der beiden casus 
nachweisbare wörter. Im nominativ und genitiv zugleich 
sind etwa 20 wörter zu belegen, wenn man diejenigen mitzählt, 
bei denen simplex und compositum sich ergänzen, wie qparahä 
neben art(t)oqpara A I, n. 4; in anderen casus, zum theil in 
mehreren, kommen etwa 40 der obigen wörter vor. Natürlich 
Hessen sich aus andern casus noch eine menge nominative her- 
stellen: davon aber habe ich hier absichtlich abgesehn. Geni- 
tive auf -h(ä) von vocalischen stammen auf -q, -f, -ü (oder -ö) 
kann ich nicht belegen, obwohl dergleichen stamme vorkommen: 
sie scheinen nach dem lykischen auslautsgesetz aus -an, -in, -im 
reduciert zu sein; s. für letzteres den oben mehrfach (z. b. AI, 
n. 4 bei arttoqpara, edamaxzza, parzza; n. 11 bei hrexqma; 
11, n. 9 bei lada, d-ortta) erwähnten acc. sg. der ml. und wb. 
a-stämme auf -ü (oder -ö) , offenbar aus -am, verdumpft -um 
(oder om)y dann -ün (oder -ön), entstanden; bei den femininen 
hat sich, wohl in folge der ursprünglichen länge des ä, auch 
-a erhalten, z. b. lada, %oj)a neben ladü, xopü. Den abfall des 
-m (resp. -n) zeigt auch der gleichfalls wiederholt (z. b. bei 
Xssadrapa, hinter A I, n. 2^\\^^dä, hinter B I, n. 12) citierte 
gen. pl. auf -he = ind. -säwr*T5en consonantischen stammen 
auf -t scheint im Lykischen ein -a angehängt worden zu sein, 
wie nach dem gothischen auslautsgesetz den neutris der adjectiva 
und pronomina z. b. laggata, ita. So entspricht lyk, xp(^-vat-a 
„gentilis, der verwandte" einem ind. *gäta-va(n)t- {x\t- = gent-, 
gi^t- ; s. pddö-xpob A I, hinter n. 29). Der gen. sg. ist von 
diesem wort • zufällig nicht erhalten ; wohl aber der gen. pl. 



Lykische studien. I. 153 

X^tavatahe St. X. S. 46; auch /^Vam^ä/te ebdt N. 6. Analoge 
erweiterungen der t- (resp. nt-) stamme sind auch aus dem 
übrigen gebiete des Indogermanischen bekannt, wie gleich 
wieder goth. -and-s, nom. sg. der part. praes. , aus -anda-s, 
verschoben aus -anta-s. In gleicher weise trat an die stamme 
auf -r im Lykischen ein -a oder -ä, so dass die namen auf 
'darä (-därä), wie pexädarä, mlotädärä (B I, hinter n. 12), gr. 
-öaQOQ z. b. noch JldvdaQog, l4/niocüöaQog (oder -odaQog; wie 
richtiger Tliosöagog, als IIi^tüöaQog) den indischen nom. ag. 
auf -tar entsprechen ; s. die ähnliche erweiterung in den latei- 
nischen participien auf -furo-, in gr. -roQog, -rvgog u. s. w. 
Die stamme auf -s mussten dasselbe im Lykischen in h ver- 
wandeln und büssten dies dann wahrscheinlich ein, so dass sie 
unkenntlich wurden. Genitive wirklich consonantischer stamme 
kann ich überhaupt im Lykischen nicht nachweisen, an nomi- 
nativen nur die scheinbaren beispiele tohäs „gatte" und xmä6 
„Schwager (?)" ; s. %ahboxepe, am Schlüsse von C L Ich halte 
nämlich beide für apokopiert, mit verlust eines e; vgl. zum 
letzteren; ähhe C II, n. 1; täd-&ei^äebe C I, hinter n. 21; zu 
ersterem: arovüteiäse C I, n. 8; poräse ebdt hinter n. 10. Die 
erhaltung des s = karisch-gr. ao zeigt, dass hier ursprünglich 
kein reines s stand: wahrscheinlich geht es zunächst auf -ws 
zurück, wie das s des acc. pl. in tedäemes (3 mal) „filios" (s. 
C. I, hinter n. 6); ähbes (2 mal) „suos" (s. C II, n. 1 u. unter 
äpttähä B II, n. 1); ömes Lim. 8, 3; kqmes Lim. 12, 2 u. s. w. 
Dass auch hier einst ein vocal, vermuthlich e, angehängt war, 
wird durch die als locative gebrauchten formen auf -se, -s wahr- 
scheinlich; s. atlase A. II, n. 9; artnas ebdt n. 7. 

Aus dem obigen geht hervor, dass ich die lykische genitiv- 
endung -hä, -h der indischen -sja gleichsetze, bactr. -hjä, -he, 
gr. -10, messap. -M, -he, -h, venetisch -h. Diese, ursprünglich, 
wie es scheint, nur den ml. u. neutr. o-stämmen eigene endung 
wurde in den verschiedenen sprachen verschieden ausgedehnt, 
und im Lykischen, wohl in Verbindung mit der durchführung 
des vocalischen stammauslauts und der trübung und mengung 
der vocale, ausschliesslich beibehalten. Ob man in dem allmäh- 
lichen durchdringen der apokopierten form -h eine nachwirkung 
des genitivischen s-suffixes, das lykisch zunächst zu h werden 
musste, sehn kann, lasse ich dahingestellt: ein sicheres ur- 
sprüngliches -h und ein unterschied zwischen -h und -hä lassen 



l54 0. Weise 

sich nicht mehr nachweisen: die münzen haben nur -hä. Das 
s des ml. und wb. nominativs ist, wie die angeführten Wörter 
zeigen, im Lykischen überall geschwunden; ebenso das m des 
neutrums. 

Personennamen, Ortsnamen und ethnika sind unter den 
211 Wörtern etwa 170; der rest von 41 besteht aus appel- 
lativen , besonders Verwandtschaftsbezeichnungen und titeln, 
einigen adjectiven und pronominen. Iranische, besonders 
medische fremd Wörter sind etwa 15 festzustellen; griechische 
etwa 10; sonst nur vereinzelte {xärixä B I, n. 8; vielleicht 
sxxotraze C I, hinter n. 17; täborssäle ebdt hinter n. 21); 
manche haben lykisches ableitungssuffix angenommen. Sehen 
wir von diesen lehnwörtern ab, so zeigt der rest des wort- 
materials in wurzeln und suffixen die nächste ähnlichkeit mit 
dem Karischen, dann einerseits mit dem Iranischen, 
andrerseits mit dem Griechischen, so dass das Lykisch- 
Karische, wie die phrygisch-thrakisch-illyrische Sprachgruppe, 
eine mittelstellung zwischen dem Arischen und Hel- 
lenischen einnimmt, eine thatsache, die durch die laut- 
gestaltung und flexion bestätigt wird. W. Deecke. 



Volksetymologische Studien. II. 

(Vgl. bnd. V 8. 68.) 

Unregelmässige Vertretung des spiritus asper in 
griechischen lehnwörtern der lateinischen spräche. 

Während die griechische spräche die entschiedene neigung 
zeigt, die Spiranten s, j und v vor vocalen im anlaut in den 
Spiritus abzuschwächen, dokumentirt sich im lateinischen das 
entgegengesetzte streben, sie möglichst unversehrt zu erhalten. 
Diese lautregel ist in beiden sprachen mit solcher konsequenz 
durchgeführt, dass wir jeden ihr zuwider laufenden lautüber- 
gang als ausnähme betrachten müssen i), und kann un» gerade 



*) Auch die erhaltung der Spiranten im anlaut ist nicht willkürlich, 
sondern an bestimmte lautgesetze geknüpft: so haben die mit ff+vokal 
anlautenden griech. Wörter hinter dem a ein digamma unterdrückt (cf. 



Volksetymologiache Studien. II. ' 155 

deshalb in vielen fällen ein kriterium der Originalität oder des 
griechischen Ursprungs lateinischer wörter abgeben. Denn wenn 
einem aus einer spirans hervorgegangenen griechischen spiritus 
asper in dem verwandten römischen worte nicht s, j oder v, 
sondern etwa h entspricht, wie in kälteres = altrjgeg cf. skr. 
sar, lat. salire, hora = diga cf. zd. i/äre, goth. jer (nach 
L. Meyer K. Z. 23, 60 sqq. = skr. vära-), heros = ijgiog (vgl. 
darüber L. Meyer o. 2, 255), so ist sicherlich an entlehnung 
zu denken ; wenn dagegen die lateinische spirans einem griechi- 
schen Spiritus gegenübersteht, so wird man wohl von vorn 
herein annehmen dürfen, dass man es mit einem echt römi- 
schen Worte zu thun hat. Die ausnahmen nun dieses letzten 
falles etwas näher zu betrachten, soll die aufgäbe der folgenden 
Zeilen sein. 

Thatsächlich existiren nämlich lateinische wörter, deren 
griechische abkunft sich entweder direkt nachweisen oder 
wenigstens wahrscheinlich machen lässt, die aber trotzdem 
statt des hauchlautes eine spirans aufweisen. Unwillkürlich 
drängt sich dabei die frage auf, ob man in diesem falle nicht 
zu der annähme berechtigt sei, dass die entlehnung zu einer 
zeit statt gefunden habe, wo auch im Griechischen, sei es über- 
haupt oder in einem dialekte, die spirans noch ihr dasein 
fristete; dies ist aber im höchsten grade unwahrscheinlich, 
weil schon zu Homers zeit die anlautenden Spiranten der er- 
wähnten charakteristischen eigenthümlichkeit der griechischen 
spräche zum opfer gefallen waren, die gründung der ersten 
griechischen kolonie in Italien dagegen, Kyme (cf. Duncker, 
Geschichte des alterthums III, 444 anm.) und der Seeverkehr 
beider klassischer Völker mit einander erst in nachhomerischer 
zeit erfolgt ist. Dazu kommt, dass die in rede stehenden 
lateinischen wörter theilweise erst späteren datums sind und 
ferner, dass auch solche wörter eine spirans im anlaut ange- 
nommen haben, die nachweislich ursprünglich vokalisch be- 
gonnen haben. Alle diese gründe zwingen uns, den gedanken 
an eine organische entwickelung aufzugeben und eine zufällige 
Störung der lautvertretung anzunehmen. Und in der that, 
wenn wir den grund der Unregelmässigkeit in dem einwirken 

Kuhn Zeitschr. 2, 132. Delbrück ebenda 17, 238. Fröhde ebenda 
22, 263. 23, 311. G. Meyer, Gr. gr. §. 222). 



166 * 0. Weise 

der Volksetymologie suchen, werden wir die Schwierigkeiten als- 
bald schwinden sehen. 

Betrachten wir zunächst die Wörter Segesia, samartia und 
sarpa. Da der griechische name der zuerst genannten, nach 
der gewöhnlichen sage von Trojanern gegründeten stadt bei 
den griechischen autoren entweder "Eysava (Thucyd. VI, 2) oder 
^^tysara (bei Strabo und Diodor. cf. Acesta bei Verg. Aen. 
V, 718) lautet, so schwebt das S des römischen namens, falls 
dieser wirklich aus der grundform Egesta gebildet ist, voll- 
kommen in der luft und erklärt sich nur durch assimilation, 
sei es an seges oder an den namen der saatgöttin (Segesta = 
Segetia Plin. 18, 2, 8) oder an die benennung der ligurischen 
Stadt gleiches namens Plin. 3, 5, 48. Dass dieser zusatz des 
S übrigens ein beabsichtigter war, ist ziemlich gewiss; denn 
Festus p. 340 ed. Müller berichtet uns ausdrücklich, dass der 
name diese Veränderung dem ominösen anklänge an egestas 
verdanke, indem er sagt: Segesta, quae nunc appellatur, oppi- 
dum in Sicilia est, quod videtur Aeneas condidisse, praeposito 
ibi Egesto, qui eam Egestam norainavit; sed praeposita est ei 
S littera, ne obscoeno nomine appellaretur , ut factum est in 
Malevento, quod Beneventum dictum est et in Epidamno, quod 
usurpatur Dyrrhachium. 

Auch die beiden folgenden wörter haben ursprünglich keine 
Spirans gehabt, haben aber allerdings im Griechischen, vermut- 
lich ebenfalls auf volksetymologischem wege, einen hauch ange- 
nommen. Denn gleichwie rjfxeig und iotwq durch anlehnung 
an r/ifiZg und Iotoq zu ihrem spiritus gekommen sind (diese 
und andere beispiele bei Curtius, Grundzüge* etc. p. 679), 
so ist auch bei äfiagTia, mag man es mit Curtius 1. 1. aus 
privativem a+f.i€Q^ „antheil erhalten" oder mit Benary K. Z. 
4, 49 aus a-\-fi€Q, „sorgen, eingedenk sein" ableiten, und bei 
a^nt], ardea, ein raubvogel, dessen Zusammenhang mit rapio 
nicht zweifelhaft sein kann (cf. Curtius 1.1. p. 264), der Spiri- 
tus unorganisch. Dass beide wörter im Latein fremdes gut sind, 
darauf scheint ihr vereinzeltes vorkommen und ihr gänzlicher 
mangel an ableitungen hinzudeuten; für den griechischen Ur- 
sprung des letzteren spricht ausserdem der umstand, dass bei 
Plinius 10, 204 der name desselben vogels in der form harpe 
erscheint, während Phnius sicherlich die vermeintlich römische 
form sarpe angewandt haben würde, wenn sie wirklich existirt 



Volksetymologische Studien. II. 157 

hätte. Samartia anlangend, so scheint auch Saalfeld im 
Programm von Wetzlar 1877 p. 30 sehr geneigt, dem worte 
griechischen Ursprung zu vindicieren, nimmt aber, durch das 
anlautende s davon abgeschreckt, zu der kühnen hypothese 
seine Zuflucht „die allerdings schwerlich verbürgte lesart ha- 
martia anzusetzen". Dem gegenüber sind wir in der läge, den 
Störenfried der lautvertretung bei diesem worte mit ziemlicher 
Sicherheit nachweisen zu können. Bei Augustin. nämlich Contra 
academicos 3, 15, im commentator Cruquiauus und in den 
scholien des Acron zu Horaz Sat. I, 6, 113 ist uns das afrika- 
nische wort samardacus überliefert, das auch bei griechischen 
kirchenschriftstellern als oa/^iagöaKog erscheint und neben der 
bedeutung „gaukler, betrüger" auch in dem übertragenen sinne 
eines leicht irre führenden, eine dreifache grenze anzeigenden 
Steins gebraucht wird Gromat. vet. p. 305, 22 , in demselben 
sinne also, in welchem samartia Gromat. vet. p. 360, 21 sich 
vorfindet. Diese gleichheit der bedeutung und das vorkommen 
beider wörter bei dem gleichen autor in verhältnissmässig 
geringer entfernung von einander macht denn doch eine gewisse 
beziehung derselben zu einander mehr als wahrscheinlich und 
giebt uns somit über die herkunft des vorgesetzten s von samartia 
= a/naQTta die beste auskunft. 

Weniger deutlich lässt sich das beeinflussende dement beii 
der bildung der form sarpa = aqnri erkennen , welche bei l 
Serv. zu Verg. Georg. I, 364 im cod. Gud. überliefert ist. Doch 
denken wir nicht fehl zu greifen, wenn wir einmischung des 
verbums sarpere (cf. sarmen, sarmentum Fick I, 798, Curtius 
p. 264) mutmassen, dessen echt italische abstammung nicht 
bezweifelt werden darf. Wenigstens spricht der umstand für 
unsere ansieht, dass auch von der wurzel sarp ein substan- 
tivum oQnrj, „sichel" gebildet worden ist, eine Vermischung der 
beiden hier in frage kommenden wurzeln also sehr leicht 
möglich war. 

Wir kommen jetzt zur betrachtung derjenigen nomina, die 
sich mit gleichlautenden griechischen mit spiritus asper begin- 
nenden Wörtern decken, aber entlehnt sind. Hierher gehören: 
serpullum, salgama, -orum, salacaccabia, und vielleicht sualiter- 
nicum. Die annähme des griechischen Ursprungs dieser wörter 
stützt sich grossenteils auf dieselben argumente wie bei den 
bisher besprochenen : auch sie sind vereinzelt und entraten bis 



158 0. Weise 

auf die form serpyllifer bei Sidon. Ep. 8, 11 v. 45 jeglicher 
ableitungen. Bei serpullum muss auf die häufige Schreibung 
mit 2/ (cf. Wagner Orthogr. Vergil. p. 485) hingewiesen werden, 
wiewohl wir diesem umstände wegen des nicht ganz seltenen 
gebrauchs des y in römischen Originalwörtern wie clypeus 
keineswegs entscheidende kraft beimessen; dann aber haupt- 
sächlich darauf, dass die beiden andern lateinischen namen 
derselben pflanzengattung cunila = conila und thymum oder 
thymus = ^vfiiov oder d^v/Liog unläugbar griechisches gepräge 
tragen. Die pflanze wird also gleich vielen andern von Grie- 
chenland nach Italien importirt worden sein und ist von da 
auch nach Deutschland gewandert, wie die namen quendel (aus 
cunila) und thymian deutlich beweisen. Sollte aber jemand 
mit rücksicht darauf, dass bei Apul. Herb. 105 die sich mit 
sQTivlXov buchstäblich deckende form herpyllum erscheint (cf. 
diaherpyllum bei Paucker Meletemata lexhistorica altera II, 17) 
an der entlehnung von serpullum zweifeln, so geben wir zu 
bedenken, dass die griechischen lehnwörter im Lateinischen oft 
in doppelter form erscheinen, wie citrus und cedrtis == '/.idgog 
(cf. Hehn, Kulturpflanzen und haustiere p. 326), groma und 
gnomon = yvwfxiav (cf. Hultsch, Jahrb. f. philol. 1876 p. 766), 
massa und maza, ohrussa und ohryzum etc., mag nun bei der 
Übernahme differenzierung beabsichtigt worden sein oder bei 
nicht gleichzeitig erfolgter entlehnung die etymologie des älteren 
Wortes zur zeit der reception des jüngeren bereits aus dem 
gedächtnis des volks geschwunden gewesen sein. 

Wir halten serpullum i) für eine durch assimilation an 
serpo vollzogene korruption von f'QTivkXov , die um so leichter 
möglich war, weil das römische volk sich der abstammung des 
griechischen nomens von sqttio und des Zusammenhangs des 
letzteren mit serpo vermutlich bei der Übernahme noch bewusst 
war. Das beweist unter anderm die erklärung des wortes 
herpes — sQTtrjg bei Plin. 30, 13, 116: herpes quoque animal 
a Graecis vocatur, quo sanantur, quaecumque serpunt. 

Schwieriger dürfte es sein, eine vollkommen überzeugende 
deutung der form salgama — al/ua7a zu geben. Die stärkere 
Verderbnis des wortes lässt uns auf eine frühzeitige entlehnung 

1) Fick, Et. w. 2, 263 und Vanicek, Gr.-lat w. p. 1031 halten 
das wort für original, jedoch mit der vorsichtigen bemerkung: „vielleicht 
ist das wort dem griechischen blos nachgebildet". 



Volksetymologiache Studien. II. 159 

schliessen, zu einer zeit, wo formen möglich waren wie Aperta 
== l4TtelX(x)v = l47t6llo}v, Catamitus «= Favvfjriörjg (cf. Paul. 
Diac. p. 7, 16; 44, 6), „deren alter eben ihre barbarei ver- 
räth" (Mommsen, Römische gesch. Plöö, Dietrich Com- 
mentationes grammaticae duae, progr. von Pforta 1846 p. 4). 
Die in der ersten silbe des wortes erfolgte lautveränderung aus 
anlehnung an sal zu erklären liegt sehr nahe, besonders wegen 
der bedeutung desselben „mit salz eingemachtes". Wie aber 
-gama entstanden ist, wird schwer zu eruieren sein: möghch, 
dass der einschub des -ga- aus euphonischen gründen erfolgt 
ist und gleichzeitig die Verstümmelung der letzten silbe -fiaia 
in -ma nach sich gezogen hat , möglich auch , wiewohl weniger 
ansprechend, dass eine anlehnung an ya/uico anzunehmen ist, 
die in salzlake eingemachten fruchte also gleichsam als dem 
salz vermählt betrachtet wurden. Uebrigens scheint in dem 
adjektiv salmacidus noch eine dem Substantiv al^ala näher 
stehende bildung erhalten zu sein ; denn hier an die Zusammen- 
setzung eines imaginären, aus salgama verstümmelten salma+ 
acidus oder des wortes salmentum ■{■ acidus zu denken, halten 
wir für sehr gewagt. Weit näher liegt es, die form für eine 
durch anlehnung an acidus erfolgte Verstümmelung einer Zwitter- 
bildung aus älf-iaia + idus zu halten , welche sich vergleichen 
liesse mit cumatilis von v^vitia, ospratura von oanQLOv, archi- 
tectura von ccQxiTey^zcov. 

Auch salacaccahia bei Apic. 4, 1, 116 (Sc buch schreibt 
dafür sola cottabia) wird anlehnung an sal erfahren haben. 
Zwar wird uns das griechische kompositum aloxaKxaßla oder 
a'kiY.ay.Y.aßia nicht überliefert, ist aber unseres erachtens an- 
nähernd sicher zu erschhessen, wie denn auch Freund und 
andere lexikographen kein bedenken tragen, die griechische 
form ohne weitere begründung anzusetzen. In einer vox hibrida 
aus sal + ■Kay.y.dßr] hätten wir sali- erwartet ; bei der reception 
des griechischen wortes dagegen war die assimilation des o 
oder L an das a der folgenden silbe leichter möglich, als in 
einem römischen worte von so unverkennbar klarem Ursprünge 
(cf. ahahalsamum = OTToßaXoafxov etc. Schuchardt I, 179, 
halapanta = halophanta bei Paul. Diac. p. 101. 18). 

In der ersten hälfte des wortes sualiternicum, dessen letzter 
teil mir allerdings ein rätsei bleibt, suche ich die an sucinum 
„bernstein" oder suavis angelehnte römische form des griechi- 



160 K. Geldner 

sehen vaXog „bernstein, glas". Das wort kommt nur an einer 
einzigen stelle des Plin. 37, 33 in der bedeutung einer röt- 
lichen bernsteinart vor und war den Römern, worauf die von 
einigen Codices gebotene lesart subaUernicwn zu deuten scheint, 
unverständlich und fremd. P]s wäre also immerhin, da sich 
die bedeutung mit der von icclog deckt, eine Zusammengehörig- 
keit beider wörter möglich, während in den drei letzten silben 
der korrumpierte name des bezugsortes oder landes, etwa ger- 
manicum stecken könnte. Unwahrscheinlich kommt mir dagegen 
die von Bessel, lieber Pytheas von Massilia. Göttingen 1858 
versuchte ableitung von germanisch sivelen ,, brennen" und 
ternigo „heimlich" vor, die augenscheinlich gesucht ist und 
neben formellen auch sachliche Schwierigkeiten involviert, welche 
durch die annähme, das Plinianische wort bedeute „braun- 
kohle" nicht gehoben werden können i). 0. Weise. 



Ein neuer Infinitiv im Avestä. 

srevtm Y. 28, 7 wird von Bartholomae A. f. 2, 145 als 
1 sg. des M-aorists gefasst. Nach meiner ansieht ist der sinn 
des ganzen verses nicht getroffen, srevim wird erklärt durch 
zevim Y. 31, 4; zevim kann nicht == skr. havyam sein, denn 
das müsste im gäthadialekt zevyem lauten, zevtm ist Infinitiv, 
acc. eines verbalabstrakt auf i, also zu vergleichen mit den 
dativischen Infinitiven des Veda auf aye, mahaye. Und zwar 
wird es im passivischen sinn gebraucht : yadä ashem zevim anhen 
mazdäoscä ahuräonho „wenn wirklich zu bewegen (skr. ju) sind 
Mazda und die götter". Ebenso ist srevim infinit, mit passiver 

.w<"t 1^ Aehnlich verhält es sich mit Suculae = 'YdSas, der römischen 
I benennung des Siebengestirns am köpfe des stieres, deren anlehnung 
(wenn nicht geradezu Übersetzung vorliegt) an sus ebenso evident ist, 
wie die volksthümliche ableitung des verschwisterten Siebengestirns der 
Pleiaden {ninäSig = niXsiäStg „flucht wilder tauben" cf. Odyss. (U, 62 
und Ameis, anhang zu e, 272) bei den Griechen. Mochten auch Cicero 
und Plin. 1. 1. über die alte volksthümliche ableitung des wertes von vg 
spötteln und die richtige von vhv an die stelle setzen, so blieb doch 
sicherlich neben Hyades die dem volksmunde bequemere, weil römischer 
klingende form Suculae noch lange im gebrauch. 



Ein neuer Infinitiv im Avesta. 161 

bedeutung. yd ve mäfhra srevhn drädäo „damit euer prophet 
einer sei, dem es gelinge gehört zu werden, d. h. sich gehör zu 
verschaffen". Ob ärädäo zu verbinden, oder ä rddäo zu 
schreiben sei, so dass rädäo nom. sg. eines adjeet., grdf. 
*rädhds (neben rtidhas), ist, vermag ich hier nicht zu ent- 
scheiden; die niss. lassen beides zu. Zu rddäo oder dräddo 
ist die gruudbedeutung von skr. rddh zu vergleichen. Jeden- 
falls hat rädao noch verbale kraft. Eine, wie scheint, nicht 
ganz geglückte infin. bildung auf ?w in den späteren büchern 
ist dsfärayeintim uonhät Vd. 5, 4. 

Tübingen. K. Geldner. 



Etymologien. 



1) ciixpa wird o. IV 336 richtig zu einer mit ya- anlau- 
tenden Wurzel gestellt, wozu auch aicpvidiog und ahd. jagön 
gehören; näher noch gehört culpa dann zu sskr. pra-ydksh 
„vorwärts eilen". 

2) ßhrjyjj, dorisch ßläxä steht zum deutschen klagd in 
einem regelrechten verhältniss der formabstufung. Ebenso yXioxeg 
(wozu germ. plöga- „pflüg" genau zu stimmen scheint) zum 
ksl. (jlogu „doTTT'mtid 0oW| zu lett. döni „schilf, binsen". — 

ptikavog „opferkuchen" HeiTfält sich zum lit. plöne „fladen" wie 
^Tisla-g „nahe", TiiXa-oauL zu a-nlä-Tog. Lit. jMm&.^A^^^'''' 
ist lat. pldnus, das auch im gallischen stadtnamen Medio-ldnum 
„Mailand" enthalten ist. jMa : plä : pla „ausbreiten" liegt auch 
in nXd^, jtlay.ovg „kuchen", Iqü. plakt „flach werden", deutsch 
ßühe, fach, nlad^avt], deutsch fladen und sonst vor. 

3) Lat. con-vexus kann nicht zu conve/io gehören. Ich 
vergleiche ahd. ivahs „scharf" und gebe zu bedenken, ob nicht 
auch q)n^6g hierher zu ziehen ist; grundform wäre Qlwksos. 
Anlautendes v = qh wird im Germ, auch sonst vermuthet, vgl. 
Bechtel Zs. f. deutsch, altert. XXIX 368. 

4) xsf.iq'dg, y.S7tcpog sind o. I 339 zum an. gabh „spott" 
gestellt worden. Hiervon ist jedoch engl, gump „narr", mhd. 
gampel, gumpel „possenspiel", wonach der „gürapel" benannt 
ist, der jetzt „gimpel" heisst. Diese wörter gehören zunächst 
zu mhd. ganipen, gunipen =■■ engl, to jump „springen, hüpfen" 
u. s. w. Dem alten starken verb gimpa gamp gumpans ent- 
spricht im Griechischen ad-i(.ißovoa (geschr. ad^spßovoa) : duo- 
laoTaivovoa und dem vogelnamen gümpel stellt sich cpdxp gen. 

Beitrag'- z- künde il. indjj;. spr»chon. Xu. 11 



162 A. Fick Etymologien, 

cpaßog „die wilde taube", cpaßo-y-Tovog „taubenhabicht" zur 
Seite. Die grundform des verbs ist Qh'engö. 

5) Die richtige Zusammenstellung von xaqayri mit an. dreggr, 
preuss. dragios „hefe" findet sich schon o. IV 320. Da nun 
aber dragia- „hefe" nicht von engl, draff und ahd. treber 
getrennt werden kann, gehört hierher, entsprechend dem griech. 
TQäx in TSTQäxa, TQäxi'g, auch germ. drob im got. gadröbrian, 
mhd. triiebe. «< ""«■ 

6) xemd • sTtvd bei Hesych entspricht nicht dem lit. 
hbptas (o. VI 237), sondern dem lit. degtas, skr. dagdha, wie 
durch eine andere glosse Hesychs erwiesen wird : ä^sTttavög • 
ccTTTOfievog. d^antavög verhält sich zu -d^e/tTog — xemög, wie 
ßozävrj zu ßoTO-g. Auch den Ortsnamen QsrcTivog (in Epirus) 
muss man wohl auf i^emog = s. dagdha zurückführen. 

7) Zu devdilXaj „zwinkern" gehört das gleichbedeutende 
mhd. zwingen (wovon dialectisch verziinmzen); dazu nhd. zwin- 
kert,, zwinkern, neufriesisch tinkeln u. s. w. 

8) dQilog ' Ttood^rj steht für dgioXog und ist demin. zu 
ags. teors, ahd. zers „penis". Zu öiQO). 

9) Sskr. didä „die schwankende", dola „das schwanken" 
geht auf * dela, wie tola, tulä auf tSla = zeXa. Dazu gehören 
lit. delsti „säumen" , dulineti „schlendern" und zu sskr. dudi 
„eine kleine Schildkröte" ags. tealtian „schwanken, wackeln", 
engl, to tut, ndd. taltern „fetzen", mhd. zelten „gehe im pass 
oder schritt"; zeiter u. s. w. 

10) Tvcpoi • ocpfjvsg Hesych. Dazu ist nd. döbel, mhd. tühel 
„stumpfer hölzerner pflock, womit die bodenstücke des fasses 
fest verbunden werden", wozu ahd. gitubili, regelrechtes de- 
minutiv. 

y^* 11) oq)aza' öeafiol agoTgiov l4xaQvccv£g und 6q)vig' vvvLg. 
/ agoTQOv Hesych. Grundform ist voghen, voglini und hierzu ge- 
I hört lat. vömis, vömer und die schon von Bugge o. III 121 
1 hierzu gestellten germanischen Wörter:-, ahd. ivaganso, mhd. 
I wagense und an. vangsni „pflugschaar". \vvvig ist aber hiervon 
abzutrennen, dieses gehört zu v^s^techen"''^ b. im germani- 
schen uzdd „spitze" und stimmcTautlich zum ht. usnis „distel". 
Dagegen ist mit o^ara u. s. w. auch lit. vägis ^*~Stitl. iveggi, 
wekki „keil" verwandt. 

12) %Xaß6v evTQa(pig, xakaßelv d^OQvßelv und xw- 
Xaßel' S-oQvßei sind glossen bei Hesych. Diesen Wörtern ent- 
sprechen im Deutschen: an. gj'älpa, ags. giljjan, mhd. gelpfen, 
as. gelp „übermuth", ahd. gelpli „übermüthig" u. s. w. Das 
verb wird wohl aus ghelag entstanden sein. Ä. Fick. 



Julius HoiFory Anzeige. ISS T" . 



Ed. Sievers, Grundzüge der phonetik zur einführung 
in das Studium der lautlehre der indogermani- 
schen sprachen. 3. verbesserte aufläge. Leipzig, Breit- 
kopf und Härtel. 1885. XVI u. 255 s. gr. 8°. 

lieber die zweite aufläge des vorliegenden werkes habe ich in meiner 
i. j. 1884 erschienenen schrift „Professor Sievers und die principien der 
Sprachphysiologie" mich zu äussern veranlassung gehabt. Während sämmt- 
liche recensenten meines büchleins mit alleiniger ausnähme des herrn 
W. B. im Literarischen centralblatt die sachliche berechtigung meiner aus- 
führungen jedenfalls zum theil anerkannten, wurde die vermeintliche 
schärfe meiner polemik von mehreren seiten getadelt. Ja ein schwedi- 
scher recenseiit, Herr J. A. L und eil, zog gegen meinen angeblichen 
mangel an mässigung mit so leidenschaftlichem eifer zu felde, dass er 
dadurch viel ausfallender gegen mich wurde, als ich es an irgend einer 
stelle gegen Sievers gewesen bin. 

Da ich im gegensatz zu den gedachten herren recensenten so fest 
von der nothwendigkeit eines entschiedenen auftretens gegen die Sie- 
vers'sche phonetik überzeugt bin, dass ich, falls ich die Streitschrift neu 
zu machen hätte, keinen einzigen ausdruck mildern würde, und da ich 
andererseits von forschern, mit denen ich in so vielen puncten überein- 
stimme, nicht missverstanden sein möchte, so sei es mir hier gestattet, 
in aller kürze die gründe darzulegen, die mich bewogen haben, die von 
mir gewählte form zu gebrauchen. — Im jähre 187G erschien unter dem 
titel ürundzüge der lautphysiologie die erste aufläge von Sievers' werk 
und kurz darauf in der Zeitschr. f. vergl. Sprachforschung XXIII, 525 ff. 
meine Phonetischen Streitfragen. Beide arbeiten sind nach anläge und 
ausführung so grundverschieden wie irgend denkbar. Während Sievers 
schon hier Druckes auf die herstellung eines allgemeinen lautsystems 
bezüglichen bestrebungen als „starren Schematismus" characterisirt, habe 
ich im eingange meiner abhandlung dieselbe als einen versuch das 
Brücke'sche System weiterzubilden bezeichnet. Einer auflforderung , die 
,, Grundzüge der lautphysiologie" zu besprechen, welche Sievers mit den 
Worten: „Reissen sie nur gehörig herunter, was falsches in dem buche 
steht" im jähre 1877 an mich richtete , konnte ich damals nicht nach- 
kommen , theils weil andere Verpflichtungen meine zeit in anspruch 
nahmen, theils weil ich — jung und unerfahren wie ich war — es nicht 
für unmöglich hielt, Sievers auf privatem wege zu meinem standpuncte 
zu bekehren. Wie sehr ich mich aber in dieser Voraussetzung getäuscht 
hatte, davon sollte mich die im jähre 1881 erschienene zweite aufläge der 
grundzüge überzeugen. Während im einzelnen vielfach änderungen, stellen- 
weise auch Verbesserungen vorgenommen waren, hatte sich die abneigung 
Sievers' gegen eine alljremeine Systematik fast bis zur monomanie gesteigert, 
und die angriüe auf Brücke sieh in eine schmähliche Verhöhnung dieses 



164 Julius Hoffory 

forschers verwandelt. Ich konnte nicht umhin, Sievers schriftlich mein 
bedauern über eine derartige kampfesweise auszusprechen, die nach 
meinem dafürhalten eine fruchtbringende discussion sehr erschwere, 
wenn nicht unmöglich mache, und als ich im frühjahr 1883 gelegenheit 
hatte, mündlich mit Sievers zu verhandeln, versuchte ich wiederholt, 
eine Verständigung über die principiellen Streitfragen anzubahnen, aber 
auch diesmal ohne den gewünschten erfolg. Als ich Jena verliees, war 
ich nicht mehr darüber im zweifei, dass die zeit freundschaftlicher Ver- 
handlungen über phonetische dinge zwischen Sievers und mir endgültig 
vorbei und eine principielle auseinandersetzung über die streitige frage 
unvermeidlich geworden sei. Ebenso wenig konnte ich darüber im 
zweifei sein, in welcher weise der kämpf nunmehr zu führen wäre. Es 
handelte sich ja nicht um die erstlingsarbeit eines anfängers , die als 
solche auf Schonung und nachsieht anspruch machen könnte, sondern 
um das werk eines bekannten forschers, welches in weiten kreisen eine 
autoritative Stellung einnahm und auf eine ganze richtung junger gram- 
matiker einen bestimmenden einfluss ausübte. Hätte ich nun meine 
einwände in milder form vorgebracht, so hätte vielleicht herr W. B. 
im Literarischen centralblatt denselben „im wesentlichen zustimmen zu 
können" erklärt und nachher wäre dann alles beim alten geblieben. 
Dies konnte selbstverständlich nicht in meiner absieht liegen. Je fester 
ich von der Schädlichkeit und Verwerflichkeit der Sievers'schen grund- 
sätze überzeugt war, um so mehr musste ich es für meine pflicht er- 
achten , meine ansichten mit möglichster schärfe und entschiedenheit 
vorzutragen, so dass niemand über den gegenständ des streites im 
zweifei sein könne. Wenn man zum kämpfe blasen will, pflegt man ja 
nicht die trompete mit watte zu umhüllen. Aber man würde sich sehr 
irren, wenn man annähme, dass ich mich von meinem eifer an irgend 
einem puncte zu weit habe hinreissen lassen ; im gegentheil : jeder satz, 
jedes wort ist so sorgfältig erwogen worden, wie es irgend in meinen 
kräften stand, und nichts kann ungerechter sein, als der Vorwurf, den 
Pniower in seiner sonst so anerkennenden besprechung meines büclileins 
(Beitr. X, 337 f.) gegen mich erhebt, dass mir „in der hitze auch manches 
übereilte wort entschlüpft". Habe ich thorheiten vorgebracht, so geschah 
es jedenfalls nach sorgfältigster Überlegung. ^- Den inhalt meiner Streit- 
schrift auszugsweise zu wiederholen kann hier nicht meine aufgäbe sein. 
Nur an die hauptmomente der Untersuchung möchte ich kurz erinnern. 
Als den grundfehler der Sievers'schen betrachtungsweise hatte ich seine 
verkennung der thatsache bezeichnet, dass die genetische seite der spräche 
auch die primäre sei, so dass man bei der analyse und classificirung der 
Bprachelemente von den articulationsstellungen auszugehen habe, und in 
Verbindung hiermit hatte ich darauf hingewiesen, dass das wesen der 
clusilen consonanten nicht die bildung oder lösung des verschlusses, son- 
dern dieser selbst ausmache, woraus weiter folgt, dass diese sprach- 
elemente an sich gänzlich unhörbar sind. Wie man sieht, habe ich 
■wesentlich danach gestrebt, alte aber von Sievers verkannte Wahrheiten 
wieder zur geltung zu bringen: die lehre von der bedeutung der articu- 



Anzeige. 165 

lationsstellungen ist schon vor 30 jähren von Brücke geltend gemacht 
■worden und oft von anderen, z. b. Tbausing (Nat. lautsystem s. 11) 
und mir selbst (Zeitschr. f. vergl. sprachforsch. XXIII, 545) wiederholt 
worden. Die lehre von dem wesen der verschlusslaute ist so alt wie die 
grammatik selbst; schon Inder und Römer wussten, wie die namen 
spargäo und mutae zeigen, dass der verschluss das constituirende dement 
dieser „laute" bilde, und dass sie deshalb gänzlich stumm seien. Zum 
überfluss hat in neuerer zeit Kempelen mit nicht misszuverstebender 
deuf lichkeit sich über diese frage ausgesprochen : 

,,Les consonnes muettes", sagt er (Mecanisme de la parole 235) 
„sont Celles, qui seules ne rendent point de son et ne peuvent etre 
prononcees ou entendues qu'ä l'aide d'une autre lettre" 
und nach ihm haben viele anderen wie Brücke (Grundz. ^ s. 83, 123 ff.), 
Thausing (Natürliches lautsystem 113) und ich selbst (Zeitschr. f. vgl. 
sprachforsch. XXIII, 544) das nämliche gesagt. Im selben sinne hat sich 
auch I. Flod ström in seiner auf anderen puncten vieles neue bietenden 
abhandlung: Zur lehre von den consonanten (Beitr. bd. VIII, 1 ff.) ge- 
äussert und die erwähnten ansichten mit soviel geschick vertheidigt, dass 
ich statt auf die älteren darstellungen zurückzugreifen es vorgezogen 
habe, an den betreffenden stellen meiner Streitschrift mich seiner formu- 
lirung zu bedienen und auf seine darstellung zu verweisen. Dass aber 
jemand, der sich für sachverständig ansah, auf den gedanken kommen 
könnte, dass diese alten grundwahrheiten von Flodström zuerst aufge- 
stellt seien, hielt ich natürlich nicht für möglich. Es stand mir jedoch 
auch in dieser hinsieht eine täuschung bevor. Im Lit. centralblatt vom 
17. Januar 1885 erschien eine von herru W. B. verfasste ausführliche 
besprechung meines schriftchens, in der der rec. an dem aufsatz Flodströms 
mit recht rühmt, dass dieser ,,als die grundlage der wissenschaftlichen 
pbonetik die lehre von den Stellungen der sprachorgane in anspruch 
nimmt und die betrachtung der akustischen phänomene als dazu nicht 
geeignet abweist'', und dass er die pause (d. h. der unhörbare verschluss) 
„als das eigenthüraliche wesen der sogenannten verschlusslaute" betrach- 
tet. Man traut aber seinen äugen kaum, wenn man weiter liest: ,,Aber 
diese ergebnisse Flodströms sind doch wesentlich neu und in gleicher 
weise noch von keinem Vorgänger vorgetragen. Ist es nun loyal, die- 
selben, so wie es Hoffory thut, gegen Sievers auszubeuten? Und kann 
man jemandem , der ein in so hohem grade förderliches buch schreibt, 
zum vorwürfe machen , dass er auf einem bestimmten puncte über das 
nicht zur klarheit gekommen sei, was erst einem nachfolger zu finden 
gelang" (! !). Ja, herr W. B. geht noch weiter. Er ist so fest von der 
neuheit der eben besprochenen alten grundwahrheiten überzeugt, dass er 
mir zum Vorwurf macht, ich habe meine brochure — zu früh erscheinen 
lassen. Ich hätte die dritte aufläge der phonetik abwarten sollen. Mein 
kritiker deutet an , ich habe das erscheinen meiner anzeige beschleunigt, 
weil ich vorausgesehen hätte, dass mir später „ein mann von Sievers' 
wissenschaftlichen qualitäten" „zu diesem vergnügen keine gelegenheit 
mehr lassen würde". Herr W. B. irrt sich. Ich gab meine broohure 



166 Julius Hoffory 

heraus, weil mir ein siebenjähriges warten hinlänglich erschien, und 
weil ich im gegensatz zu meinem recensenten vermuthete, dass die dritte 
auflege der phonetik nicht viel besser werden würde als die erste und 
zweite es waren. Die gedachte neue ausgäbe ist jetzt erschienen. Es 
lässt sich also leicht entscheiden, welche vermuthung die richtigere war. 
In der neuen aufläge erwähnt Sievers meiner Streitschrift nur um 
gegen meine person Verdächtigungen und Verunglimpfungen vorzubringen. 
Ich werde so kurz wie möglich darauf antworten. Ich hatte in meiner 
brochure gerügt, dass in der bibliographie der zweiten aufläge von Sievers' 
werk Winteler und Grundtvig durch einen stern als anhänger der 
englischen schule bezeichnet waren. Sievers bemerkt, dass dies auf einem 
versehen beruhe und behauptet, mir diesen umstand im jähre 1883 mündlich 
mitgetheilt zu haben. Die möglichkeit hiervon will ich nicht bestreiten, 
ich vermag mich jedoch noch heute nicht auf eine derartige mittheilung zu 
besinnen. Ich hatte ferner gerügt, dass Scherer's in der ersten aufläge 
angeführtes werk ,,Zur geschichte der deutschen spräche" in der zweiten 
aufläge nicht mehr erwähnt sei. Sievers gibt diese weglassung zu, meint 
aber, ich hätte nicht wissen können, dass sie vorsätzlich erfolgt sei, 
wenn er es mir nicht bei eben der erwähnten gelegenheit selbst mitge- 
theilt hätte. Denn ,, durch ein wunderliches spiel des zufalle" fehlt an 
der betreffenden stelle durch ein versehen des druckers ausser dem namen 
Scherer's auch ein vorhergehender und zwei nachfolgende namen. Ich 
kann darauf nur antworten, dass ich mich auch an eine solche äusserung 
absolut nicht zu erinnern vermag, obgleich ich die möglichkeit derselben 
nicht in abrede stelle. Ich habe einfach in der bibliographie den namen 
Scherers gesucht und nicht gefunden; um die nebenstehenden namen 
habe ich mich natürlich überhaupt nicht gekümmert, und es ist mir 
unerfindlich, wie man mir einen Vorwurf daraus machen kann, dass ich 
das fehlen anderer namen, die ich gar nicht suchte, übersehen habe. 
Uebrigens will ich bei dieser gelegenheit noch constatiren, dass Sievers 
gar nicht auf den kernpunct der frage eingeht, weshalb er denn Scherers 
buch absichtlich weggelassen. Ich will indess auf die lösung dieses 
rätseis nicht weiter insistiren; in gewissen fällen ist ja keine antwort 
antwort genug. Im übrigen hat Sievers „keinen anlass gesehen" sich im 
einzelnen mit dem Inhalte der Streitschrift auseinanderzusetzen. „Was 
in dieser schrift auf die Umgestaltung meines buches hätte einwirken 
können", sagt Sievers a. a. o. s, IX „ist lediglich eine Wiederholung dessen, 
was Flodström vorher gesagt hatte". Dies ist sehr richtig, — unter der 
Voraussetzung, dass man das von mir herrührende grundsätzlich nicht 
berücksichtigen will. Und dass dies in der that der fall war, geht 
mit erwünschter klarheit aus dem folgenden hervor. „Den rest der 
'Streitschrift' anlangend" sagt Sievers, „mag ich den freunden Hoffbry'- 
scher denk- und kampfesweise nicht durch einreden die freude an den 
Verdrehungen meiner ansichten und den schätzbaren kleinen witzen 
stören , welche der Verfasser in ermangelung von gründen in's treffen 
führt". Ich habe, wie der gewiss nicht für mich parteiliche Techmer mir 
bezeugt „die grundanschauungen von Sievers in objectiver weite, mög- 



Anzeige. 167 

liehst mit den werten von Sievers" vorgeführt (vgl. Internationale Zeit- 
schrift II, 325). Die behaiiptung, dass ich die ansichten Sievers' an irgend 
einer stelle ,, verdreht" habe, ist einfach eine leichtfertige Unwahrheit. 
Ob es mir oder meinem gegner an „gründen" gefehlt habe, überlasse 
ich getrost der beurtheilung eines jeden sachverständigen lesers. — — 

Man wird nach dem vorhergehenden nicht erwarten , dass Sievers 
sein werk der so dringend nothwendigen Umarbeitung unterzogen habe. 
Es ist dies in der that auch nicht der fall, ,, Stärkere Umarbeitungen", 
heisst es s. VIII, „haben ... in dieser neuen aufläge nur die einleitenden 
Paragraphen und der abschnitt über die vocale erfahren". Was die 
vocale betrifft, so hat Sievers zwar die neueste literatur mit berück- 
sichtigt, behält aber noch immer das Bell'sche System bei, ohne 
sich darum zu kümmern , dass dasselbe, wie ich in meiner kritik nach- 
gewiesen habe, mit seinen eigenen grundanschauungen in unlösbarem 
Widerspruche steht. Habeat sibi! 

In den ersten abschnitten hat der Verfasser dagegen eine kleine 
frontveränderung vorgenommen. Wie man sich erinnern wird hatte 
Sievers in der zweiten aufläge, leichten herzens, historische, genetische 
und akustische gesichtspuncte in einen topf geworfen, woraus dann ein 
ragout entstanden war, das eigentlich nur herr W. B. mit Wohlbehagen 
zu geniessen vermochte. In der neuen aufläge dagegen hat Sievera 
seine drei gesichtspuncte säuberlich neben einander gelegt wie drei 
bäringe auf einen teller, so dass jetzt ein jeder nach belieben wählen 
kann. Von dem historischen princip ist wesentlich nur in den einlei- 
tenden Paragraphen die rede , dann wird in § 6 ff. das genetische und 
schliesslich in § 10 das akustische princip abgehandelt. Die aku- 
stische Unterscheidung zwischen ,, geräuschlauten" und ,, sonoren", die ur- 
sprünglich die grundlage der ganzen beti-achtung bildete, ist also in den 
hintergrund geschoben , während die früher vernachlässigte genetische 
eintheilung nach articulationsarten und articulationsstellungen vorange- 
stellt wird. Sievers verwahrt sich s. IX dagegen , dass man diese Ver- 
änderung als einen ,,rückzug" betrachte. Ich würde sie gern als einen 
fortschritt bezeichnen, falls nicht gleich darauf in dem folgenden abschnitt 
der akustische gesichtspunct wieder vorangestellt wäre, indem „die ein- 
zelnen sprachlaute" zunächst in — sonore und geräuschlaute eingetheilt 
werden (,,cap. I. Die ursprünglichen sonoren", „cap. II. Die geräusch- 
laute" vgl. s. 75 und 115). Im einzelnen werden ferner sowol die sonoren 
als die geräuschlaute ganz wie in der vorigen aufläge wiederum theils 
nach genetischen, theils nach akustischen, theils endlich nach historischen 
principien eingetheilt, so dass ganz dieselben Widersprüche und Sinnlosig- 
keiten, welche die vorige ausgäbe verunzierten, hier wieder zum Vor- 
schein kommen. Ja nicht einmal grobe factische fehler sind berichtigt 
worden, es werden z. b. s. 127 noch immer übergangslaute mit den 
sonstigen consonanten parallisirt, velare reibelaute werden s. 127 aufge- 
stellt, obgleich ihre existenz s. 63 entschieden geläugnet wird u. s. w. 
Ueberhaupt ist die in ihrer art unvergleichliche „consonantentabelle" 
unverändert wieder abgedruckt worden, und damit als ein beredtes 



168 Julius Hoffory Anzeige. 

denkmal Sievers'scher Systematik für spätere geschlechter erhalten ge- 
blieben. 

Dass Sievers seines veralteten standpunctes wegen überhaupt nicht 
fähig sein würde, die von mir geltend gemachten principiellen gesichts- 
puncte zu verwerthen , eben so wenig wie er trotz seiner gegentheiligen 
behauptung im stände war, Flodströms ausführungen nach verdienst zu 
würdigen, hatte ich wol vorausgesehen. Es hat mich aber überrascht, 
dass er, statt seine Unfähigkeit offen einzugestehen, es versucht hat, meine 
kritik dadurch abzuschwächen, dass er sie als einen persönlichen angriff 
hinstellte, der keine ernstliche Widerlegung verdiene. Er wird durch 
ein solches verfahren keinen einsichtigen täuschen und den natürlichen 
lauf der entwickelung nicht einen augenblick aufhalten können: über 
machtlose proteste hinweg wird die phonetik in zukunft siegesfroh 
auf den bahnen vorwärtsschreiten, die ihr Brücke, Bell und Flodström 
vorgezeichnet haben. 

Berlin. Julius Hoffory. 



Nachtrag zu s. 162 n. 11. 

Bezzenberger macht mich brieflich darauf aufmerksam, dass alt- 
preuss. Wagnis „sech, pflugmesser" im Elbinger vocabular sich genau mit 
d(f}vis' vwig und der oben dafür angesetzten grundform vonhnis decke. 

A. Fick. 



169 



Dialekt-inschriften von Korinth, Kleonai, Sikyon, 
Phleius und den korinthischen kolonien am ionischen 

meere. 

I. Korinth. 
1. 

Grabstein, mit links verstümmelter Inschrift, 1/2 stunde 
südwärts von Korinth 1874 gefunden. LoUing Mittheil. d. 
archäol. instituts I, 40ff. ; Röhl Inscriptiones graecae antiquis- 
simae nr. 15, Imagines inscr. gr. ant. p. 57; Cauer Del.» 
nr. 71. Bustrophedon ; die erste z. linksläufig; in der 2. stehen 
die buchstaben auf dem köpfe, so dass auch diese linksläufig 
wird; in die 3. geschieht der Übergang mit einer biegung, so 
dass zwischen den zeilen steht. (Ende d. z. 1 u. anfg. z. 2 
verloren.) — Die ergänzung schon Kirch ho ff bei Lolling. 

A/Ey/«!) Tods [oä- I (2) jua,'] tÖv aikeas no- \ (3) vxog 

2. 

Tuffstein bei Oinoe in dem grenzgebiete nach Megaris zu 
gefunden. Forchhammer Halcyonia p. 14; Ross Arch. aufs. 
II, 661; Le Bas Voy. archeol. 79a; Röhl I. gr. ant. nr. 16, 
Imag. p. 57; Cauer Del.^ 72. Linksläufige grabschrift. 

3. 

Tuffstein bei Oinoe. Rangabe nr. 319 (nach Le Bas); 
Forchhammer u. Ross 11. c; Le Bas Rev. archeolog. I, 174 
u. Voy. archeol. nr. 77 taf. IV, 6; Röhl I. gr. ant. 18 (nach 
Ross' abzeichnung). Rechtsläufig. 

Jq-nit'cKov rddfi aajua. 

MavjdQOTtvXov Röhl; J Q0)7iv{X)l(n) Fick (Gott. gel. anz. 
1883 s. 117). Die buchstaben vor xöde so bei Forchham- 
mer; Le Bas hat die 5 ersten überhaupt nicht. An 6. stelle 
A Ross, Foucart (Le Bas Voy. arch.); frühere lesung Jqo)- 
Ttidov (Ross). 

^) Die korinthischen Inschriften unterscheiden E = €* und ti von B 
= « und »j. Die kolonien indes nehmen an diesem gebrauche nicht theil, 

BeitrSffO z. knnde d. indp. sprachen. XII, 12 



170 F. Blass 

4. 

Tuffstein bei Oinoe. Forchhammer 1. c. ; Le Bas "Voy, 
arch. nr. 78; Röhl I. gr. ant. nr. 19 (nach lioss' abzeichnung). 
Rechtsläufig. 

zfa-.iaa — 

Ja^ao[i7rnog oder ähnh'ch Röhl. 

5. 

Tuffstein bei Oinoe. Le Bas nr. 79, tab. IV, 17; Röhl 
I. gr. ant. 25 (nach Ross' abschrift). Rechtsläufig. 

Nach Le Bas' abzeichnung ist der erste buchstabe A. 



(Die andern archaischen inschriften von Oinoe, nr. 27 R., 
Le Bas 80—84, übergehe ich, da sich kein wort lesen lässt.) 



6. 

Röhl L gr. ant. nr. 20 (cf. add.), 125 bemalte thon- 
täfelchen oder fragmente von solchen, südlich von Akrokorinth 
ausgegraben, jetzt beinahe alle im königl. museura zu Berlin. 
Auswahl Cauer Del.^ 81. Die inschriften sind grösstentheils 
aufgemalt, nur wenige eingeritzt. Da sie zu einem grossen 
theile identisch sind , fassen wir sie nach gattungen zusammen. 
Zumeist rechtsläufig. 

a. 

R. 7: ^Lf^iiwv f.1 dvld^Ti^e noTEddfa)v[i /cevaxri. — 12: 
- noT']Eödfa)vt fdvaxrt (die letzten buchst, rücklaufend). — 
8: - (Dv 1.1 av£->7^x= JJoxEdavL fdv[ay.Ti; vgl. 74. 75 - i{vi) 
/dva'/.vi. — 16a (add.) : - t(d]l IIoxEöävi t[a)L J^d%>ay.ri'? — 
1: - dveO^TiKe xm IIoxEdavi ^ vgl. 17 (rückläufig), wo x(u(i); 
87a (add.): /u« dv. xm — . 22 IIo^rEddvt. 19 - x€ TIoxEöävi, 
vgl. 18. 113 (113 noxslidavi). 

b. 

68 (rücklaufend): - dvsO^Tjxe nox{s)L[dävi J-]dva(yi)xi auxo- 
jtoaia. Das s in JTor. scheint so gut irrthümlich ausgelassen 

wie das x in /dvaxxc; wenigstens wird in dem namen sonst 
stets (ausser 79, s. unter f) entweder E oder si («) geschrieben. 
u4vxdfcosia („selbstverfertigt") R. add., indem der drittletzte 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 171 

buchstabe, den er erst K las, auch e sein könne (ou für oi, 
wie «E d. i. au für at nr. 4, 5, unten h i). Am Schlüsse voll- 
ständig? — Vgl. 114 (rückläufig, rechts anhebend): - f]dva".%i, 
avT — . — Gleichen sinnes 36 a (add.), s. unten e. 

c. 

108a (add,): - - krt'jttyyellag' tv de dd[g xa]Qieo{a)av 
dfAoi/av. Vorher ein vers mit widmung an den gott (R.); 
Inayy. = sv^d/iievog (Pind. Pyth. 4, 31 ; Aesch. Choeph. 213). 
Jidofv x«e'£ö'ö'av df^oißrjv Od. y 58. — 62 (rechts anhebend, 
rückläufig): - öi'\öoi i^Qiaa{o)av [a](poq^dv'^ (R., der die 3 
letzten buchst, trotz der blassen züge für sicher hält.) — 63: 

— eTtayyeila'\g' tv Ö€ dög 'X(XQiEa{o)av — . — 64 (bustroph.): 

— ave]d^Tiy.E [iloretjdavt /[«vaxrt — tv de ö[og xaQUo{d)<xv — 

d. 

9 = 10 == 11: (DMßü)v {.i dved^TiKs /TorE(Jav[t (der gottes- 
name nur in 9 erhalten). Andre weihende (2iixio)v 7, s. a): 
38 ^AooDTCodwQog £f.ie dped-[7ixe. — 39 (Dvoy.a)v — (linksl.). — 
40 BevfoyilT^g — . — 41 "Oqi^o — . 16: (t>]ilo —. — 42 Jog^z-wv 
fx dved^7iii[€. — 43^'lyQwv /u dv[ßi)-., 43 a (add.; 0. Ray et 
Gazette archeol. 1880 p. 101 ff.) ^'lyf^ajv (zu corrigiren ^'lygcov) 
fi dvid^iiY-B (vollständig). — 44 QQaovi.ia[yog — . 46 ]A']qv71- 
oiojv — (R. add.). Linksläufig. — 47 ^vXoldag (.i dvsd^rixe 
(linksläufig; vollständig). — 48 EvgvfiTidiig f.i dvtd^Jixs (rück- 
läufig; vollständig). — 49 ^vaiddag i.i [dvai)-. — 52 Kdv- 

d-[(XQog — . 53 Bavd- \_(x~\ dvs^Ti-as (vollst, am schluss ; links- 

und rückläufig). — 55 (linksl.) ^AQLOTÖqiilcg, vgl. I^qlot — 37. 

— 101 ''Ef^€z[og — . — 102 II]eQi(l)log ^i Idve». (s. auch e). 

— Nur (.1 dvsd-7i7.e und 1—2 buchstaben des namens vorher: 
82—88. 89 (- g ^i av[M]£[^.)- 90. 91 (ohne ^i wie es scheint). 
92 (linksl.). 93-95. 85a (add.). 70. — 54: JTorEdjan — 

e. 

1 weitere Inschrift (s. oben c) : Ti/x(üvi[öag'] \ k'yQaips Bia 
(vollst,). Ein maier Timonidas auch auf der Troilos-vase, unten 
Kleonai nr. 1. — 36a (add.): Miöcovlöag eyqacpaev dvsd^Tixs 
(rückl.). In dieser von Jak. Dragatsas im üagraoodg 1881 
p. 138 f, herausgegebenen inschrift steht überall E (durch 
schuld des herausgebers ?) ; dazu für ö ein attisches l, was R. 
corrigirt; derselbe auch eyQacpos [x]avf^., sehr wahrscheinlich. 

— 102 (s. d) rückseite: - cov ii [ßyQaipe. 

12* 



172 P. Blafis 

f. 

2: l4(piTQl[ta (linksl.). TIotEöccv. Dieselben beiden namen 
oder einer davon: 8 (- glra unter d. inschr. oben a). 16. 20 
(nach IIotEödv unleserliche reste). 21. 23 (linksl.). 24 — 26. 
27 (linksl.). 28—32. 57. 76—78. 79 (noT{s)idd[v). 80 (linksl.). 
81 (noT(E)ödv). 110 (linksl, JTor£<t)d[av). 109 u. 111 (linksl.) 
u. 109a (linksl.): n]oTeiöd[v. 112: ]Avcpi{T)QLrct. noTE{i)däv. 
114: Tloteidäv (linksl.). ^AvcpiTQiTa (weitere inschr. oben b). 
Desgl. 2a (l^jLicp., UoTEd.); Amph. allein 71 (^^(xcp.), 72 (linksl., 
^Av(p.) , 73 (linksl., nur - xql -). — 3 'Aq)LTQEtav ^ und davon 
getrennt Flo - {Fl6).[(xq - R.; vgl. unten nr. 11). 

g- 

6: Il]oxEdäv6g^Ef.L dc^oixig, — 14: — a ^E^ii, — 15 (links- 

läuf): — ö/wo ^E/iiL Röhl erwartete - i^av für f.io; ist es nicht 
aber nominativ? Vgl. 109 Ja/iio — (Ja/uw?). — 107 (vgl. 
add.): — — ag ^E(.i[l. 

h. 

Weitere zu den bildern beigefügte namen: 4a. 4 (fragmente 
derselben tafel) Tev\_^Qog. Zd-']evBlog. 'Ad^avaE' a. ALfof-iii- 
drig. [ndvöa^Qog (hnksl.). — 36 (linksl.): — QOY.afxEa (name wie 
lAvÖQoyidiueia?). — 45: l4x]t^Q')svg. Avai7t{Tc)og. — 50: TIvq- 
/6 g. Ta^vögof-iog (pferdenamen). — 51 (linksl.) 9o — ,• da ein 
fuchs unter einer tanne dargestellt ist, so vermuthet R. geist- 
reich c^oQoiTig = dlioTtt]^ (Hesych.) , wiewohl er auch an 
(fSga^ denkt (auf dem verlorenen theile der tanne ein rabe, 
nach der äsopischen fabel). — 56: 'Ad-{a)valia]. 9ov-, vgl. 58. 
Aber 57 rückseite im dativ: räi l4-d^[avaiai], vorher freier 
räum. — 59 (linksl.) ^tittwv {2ti{X)'niov? R.). 60 ^riQig {Jeqig 
R.). 65 lAya(.d{iiiv(Dv) (die inschrift stets unvollständig gewesen). 
66 Zsvg. 67 (linksl.) Ao-nQig. 69 (/Jcüza od. q)(D/.a. 59a "Ovv- 
f.i(üv. 60a ^ägdig. — Reste von namen: 98 (Doo — (vor cp frei). 
99 ?e[o — . 

i. 

5 ÜBgaEöd-sv MI(^(Dv F/ii[i dved^rixe? Ueq. 'hof-ug R. ; 
aber zwischen v und i steht etwas, was ich als verstümmeltes 
(X fassen möchte; sodann corrigire ich das (.i nach 90 zu v, 
und das a zu (.1. Für die Vollständigkeit der inschr. will R. 
nicht einstehen. ne(i)Q. vermuthet Ca uer, gleichwie /Ior£(t)(Jav 
110. 112 (oben f) geschrieben ist. — 61: a/ro Jl/o- {Ji/ög 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 173 

R.). — Die unverständlichen stücke 33—35. 96. 97. 100. 103 
—106. 108 übergehe ich. 

k. 
13 aiphabet (rückläufig): aßyde^EftH&ixkin 



7. 

Thongefäss bei Korinth gefunden, unter dem namen Dod- 
well'sches gefass bekannt. Boeckh C. I. Gr. 7; 0. Jahn 
Vasensammlung zu München s. 65 nr. 211; Cauer Del.^ 73. 

Beischriften: "'Ayaf.ief.ivwv. JoQi^iaxog. ^Ahf.ä (frau), 3ax/g 
(frau, = aijxig). L4vdQtTag. Adc^wv (so 0. Jahn; IldcpiDv 
Boeckh; iTacptor Rhusöpulos s. 54; s. nr. 8). OlIvdv. &sq- 
aavÖQog. 

8. 

Thongefäss aus Korinth, Rhusöpulos Annali deirinstituto 
1862 s. 46 ff., tav. A. Oben ein frauenkopf, daneben die bei- 
schrift a; am bauche die weiteren namen in zwei columnen. 

a) Ahsra eiui (rückläufig), b) Meviag. Qrißwv. Mvq- 
/iiiöag. EüÖLQog. Avoavdqidag. [X]aQr/.lidag Ji^ilog. Sh- 
f(Dv. Oqv^. 

Alvha erklärt Rhusop. nach sonstigen analogen bei- 
spielen für genitiv des besitzers; dass es indes nominativ, zeigt 
die inschrift unten 10 (vgl. oben 6 g); der name Alvexa (od. 
AlviJTa) hat zudem viel bessere gewähr als Alvexag. 

9. 

Thongefäss aus Korinth, A. Michaelis das. s. 56 ff., tav. 
B (E. Curtius praef. C. I. Gr. IV p. XVIII; Gerhard Arch. 
anz. 1856 s. 187 f.). 

jCij-ag. u4ifag (beides linksl). Alveag (desgl.). Hi7t(7t)oxlil^. 
J6Xo)v (linksl.). 2aQ7tad(Dv (desgl.). 'Ey.ycT(DQ (desgl.). L^^fX- 
Xeovg. OoLvL^. 

Für 'E-Ky^riDQ corrigirt Robert (Annali 1874 s. 84, 1) 
H£ytra)Q (vgl. unten 26 a AHovrig). Indes kann weder die 
Verdoppelung des x, noch das fehlen der aspiration befremden ; 
letzteres auch nr. (14). 15. 



174 F. Blass 

10. 

Thongefäss (aus Korinth?), Th. Sophulis 'E(pT]fi.€Qlg 
agxaioloy. 1885 s. 255 ff., taf. VII. Das bild stellt zwei frauen- 
köpfe dar. 

NsßQig. K(a)lvy(,a. 



Die weiter folgenden vasen sind ausserhalb des korinthi- 
schen gebiets gefunden, haben aber die gleiche altkorinthische 
Schrift wie die vorigen, und sind daher als exportirtes korin- 
thisches fabrikat (einige vielleicht als ausländische nachahmun- 
gen korinthischer muster) anzusehen. Wir stellen voran die 
bereits im corpus inscr. gr. stehenden. 

II. 

Krater bei Capua gefunden, C. I. Gr. 7373; Cauer Del.^ 
75. Darstellung einer eberjagd. 

rioXvöag ( — öa^tlag] ? linksl.). l4vTig)dTag. UoXvcpag. Ev- 
doDQog (linksl.). TlavTiTtnog, lIolvdayQog (beides linksl.). 

12. 

Cäritisches gefäss, C. I. Gr. 7374; Cauer Del.^ 76. Desgl. 
eberjagd; vier Jäger auf jeder seite, jeder mit beischrift. 

TIoXvq)afxog (linksl.). FION dreimal. zii(Dv. Xccqidv (beides 
linksl.). IIoXvaTQccTog (desgl.). 9o^a^ (desgl.). 

FlÖv fasst E, Curtius als Interjektion = \w, oder als 
ausruf des Jägers Ibv seil. dog. Es wird aber doch wohl eigen- 
name Fioiv sein, vgl. Fiolafog, Fiovlg (nr. 15), Fim (nr. 23. 
33) u. s. w. 

13. 

Cäritisches gefäss, C. I. Gr. 7377 (Monum. dell'instit. II 
tav. XXXVIII A); Cauer Del.^ 77. 

^Lfag. HtyixiDQ. [.^^ivsag. 

14. 

Gefäss aus Capua; beischriften z. th. restaurirt. C. I. Gr. 
7378 (Gerhard u. Panofka, Neapels antike bild werke I, 324 
nr. 145; Kramer Ueb. d. styl u. die herkunft d. bemalten 
thongef, 52 f.). Ich lasse das allzu unsichere fort. 

EvQv{da)(xag linksl. (so E. Curtius; Evgvaag Gerh., Fv- 
Qvaag oder -fiag Kramer). 9vlaQog linksl., pferdename (restau- 



Dialekt-inechriften von Korinth etc. 175 

rirt; ovXagog? Gerh.; Gurt, vergleicht für Kv{X)kaQog nr. 8157 
und Stesichor. frg. 1). ('Ex)t(üq zweimal linksl. (man liest 
KETOP; "Ey.TcoQ schon Gerh.). ri(a)v(^og linksl., restaurirt 
(Curtius; wohl pferdename). EvQvkoyog linksl. 

15. 

Krater aus Caere, C. I. Gr. 7379, correkter E. Braun 
Annali dell'inst. 1855 tav. XX. Cauer Del.^ 78. Dargestellt 
ist der auszug des Hektor. 

IlQiainog linksl. Fsxaßa. 'Ec^twq linksl. ^Ivati desgl. 
(frau; ^Ino E. Curtius; ^Ivol mit bezug auf beide frauen, 
plur. von ^Ivco, eine art erinnyen Br.). Kiavig (frau; Kljijavlg 
C. ; Br. bezieht den namen Kiav. auf ein pferd. Verwechselung 
von L und v auch nr. 20 '^Yajiii]va). 96Qa^g linksl., pferd. 
HiTTTiof-iciyog rückl. KeßQiövag. Bccvd-og linksl., pferd. Jct'C- 
(fovog linksl. (für Jdi'cpoßog verschrieben? ß und v sind in 
dieser schrift recht ähnlich. Doch liest Jahn Vasensaramlung 
s. 37 nr. 124 denselben namen auch auf einer chalkid. vase 
AEI0YNOI; Welcker Ann. 1880, 103 giebt hier allerdings 
AE10V[B]OI an), nolv^eva linksl. Krioavöga (Ä[a](7. Cur- 
tius; KEZ. steht indes auch unten 38 u. C. I. Gr. nr. 7692). 

Auf der andern seite: darstellung von reitern; beischr. 
FIONIZ (von Br. auf ein pferd bezogen). 

Heibig Ann. 1863, 210 erklärt diese vase für cäri- 
tische nachahmung korinthischen fabrikats. Vgl. zu 
nr. 19. 22. 25. 

16. 

Gefäss von Volci, C. I. Gr. 7380 (Gerhard Neuerworbene 
denkm. nr. 1648). Ich gebe nur das lesbare. 

IdyävwQ (Curt.). Evfiaxog. Sdvd-og. 

17. 

Thongefäss aus Karystos, C. I. Gr. 7380b (Letronne Rev. 
archeolog. III, 380 f.; 0. Jahn Vasens. p. CXLVII anm. 1050; 
Brunn Bullet, dell'inst. 1861 s. 47). Cauer Del.2 79. In- 
schriften linksläufig; das c hat die dreistrichige form, welche 
nach Röhl Mitth. d. arch. inst. I, 229 später als die vier- 
strichige, in den meisten dieser vaseninschriften angewandte 
form auftritt. 

HiTtnoßdxag (Jahn; '^Irtrcoiccxag falsch Letronne Cur- 



176 F. Blas» 

tius, s. Wachsmuth Rh. mus. XVIII, 581). HiTtTtoargocpog. 
(Beides eigennamen ; es sind zwei krieger, wovon einer zu pf erde, 
dargestellt.) 

18. 

Gefäss aus Aigina, Welcker Annali 1842 s. 103 ff.; Alte 
denkm. III, 257 ff. taf. VI. Kampf des Herakles mit der Hydra. 

Fiokafog in korinth. schrift; die andern beischriften un- 
sicher. Bei Herakles steht H und dann anscheinend der 
rest eines gewöhnlichen E. ' 

19. 

Cäritisches gefäss im Louvre, Braun Bullet, dell'instit. 
1856 s. 28 ff.; Monum. dell'inst. VI (1859) taf. XXXIII; Wel- 
cker Annali 1859 s. 245 f., 249 f. Die beischriften von a von 
mir verglichen. 

(a) Tö^iüv linksl. (To^og liest Welcker, der To§evg für den 
richtigen namen hält). Klvrlog. JiöaiftDv linksl. (= z/a'icDV, 
JifCcüv W., der 2tovrpog und andere mit reduplication gebildete 
namen vergleicht. Dann steht also Jiöalj^wv für Jiöafioiv). 
EvQVTiog (d. i. EvQvzog W.). Fiq)izog. '^HriQay.lriß (beides 
linksl.). FioXa. — Zu einer andern darstellung gehörig (b): 
^l'/ag linksl. ^Ouva{a)€vg. \^jLf\oi.iVidr^Q (dieser name von 
Brunn bei W. erkannt). 

Nach Braun, Welcker, Heibig (oben zu nr. 15) 
cäritische nachahmung korinthischen fabrikats, 

20. 

Cäritisches gefäss des Museo Campana, jetzt im Louvre, 
Welcker Annali 1858 s. 35 ff.; Monum. dell'inst. VI (1858) 
taf. XIV. Beischriften linksläufig; von mir verglichen. Das v 
hat die dreistrichige form (oben zu nr. 17). 

9'^vtog. nsQK^Xv/u^evog. Tvdevg. Hva^T^va {=• ^[o[.irjvrj). 

21. 

Cäritisches gefäss der Sammlung Campana, Wachsmuth 
Rh. mus. XVIII, s. 581, der es für korinthisch erklärt. 
Sdvd-og. OtQTig. Ballog. 

22. 

Vase des Chares, unbekannten fundorts, J. de Witte 
Archaeol. ztg. 1864, 153 ff., tafel CLXXXIV. Cauer Del.» 80. 



Dialekt Inschriften von Korinth etc. 177 

TlakainTidrig. NiavcDQ. IlQaixealXag (rückl.). nodagyog 
(pferd). TlaTQOxXog. BaXiog (pferd). ^^xLXXevg. 'Oqi/idv 
(pferd, = l^gitov [Heydemann Rh. mus. XXXVI s. 617], was 
C. I. Gr. 7642 als pferdenarae; ebenso heisst das pferd des 
Adrastos [jetzt auch ^^qbuov geschr.]). Bodvd-og (pferd). 
'EyitiüQ. MifxviDv. ^ed-(Dv (pferd des Memnon). Xaqiig fi 
k'yQaips (rückl.). 

Nach R. Förster (Annali 1869 s. 171) etruskische 
nachahmung korinthischen fabrikats. 

23. 

Cäritisches gefäss mit darstellung von todtengebräuchen, 
im Louvre, Conze Annali 1864 s. 186 ff,, tav. d'agg. OP. 
Frauen um eine todtenbahre. Beischriften z. th. von mir ver- 
glichen. 

z/toit linksl. KX€07ta[tQä] (KXs- Conze). Fkül (das / in 
der Zeichnung deutlich ; ich sah nur einen kleinen rest). HctXa- 
&m. '^vlaio.ct. Fiaii linksläufig. 

24. 

Cäritisches gefäss, Brunn Bullet. 1865 s. 140 (der es im 
unterschiede von andern gefässen für echt korinthisch und nicht 
nachgeahmt erklärt); Conze Annali 1866 s. 285, tav. d'agg. Q. 
^Xviag (linksl.). 

25. 

Cäritisches gefäss mit darstellung zweier pferde, auf deren 
einem ein Jüngling sitzt; hinter demselben fliegt ein vogel. 
H. Brunn Bullet. 1865 s. 142. 

Beischr. FAXYZ (bei dem Jünglinge). 

Etruskische nachahmung nach Brunn; anders 
Löschke (unten zu 27). 

26. 

Cäritisches gefäss in Berlin, C. Robert Annali 1874 s. 82 ff.; 
Monum. vol. X, 1 tav. IV. V. Echt korinthisch nach R. ; aus- 
zug des Amphiaraos und leichenspiele des Pelias dargestellt. 
Das i hat bald die dreistrichige , bald die vierstrichige form 
(s. oben zu nr. 17). 

a. 'Egirpvla. Jauo[/]dvaa(a)a (beides linksl.). ^.IvircTra. 
EvQvoi-Ka. '^(pidgriog. Bätoiv. ytHovrlg (frau; R. corri- 



178 F. Blass 

girt u^sovTig, aber yiH{a)ovTig ist ebenso möglich). HiTtrvo- 
zi(Dv (beides linksl.). HaXif-n^diig (linksl.). 

b. '"Ax(ot)Gxoq (linksl). -Aqy.og (an 4. stelle nach R. ein 
K, d. i. der rest eines korinth. s; darnach will er lAQylog 14q- 
y^og = ^'Aqyog [erbauer der Argo] lesen), OsQTig. Evcpa/nog. 
KaoTWQ (beides linksl). '!Aöf.iazo[g']. Ld(ldoxü)Q. 'Aixcpidqiiog. 
I in(7t)acog. nriXevg. HlTtnalc^inog. 

27. 

Cäritisches gefäss in Berlin, G. Löschke Annali 1878 
s. 301 ; Monum. vol. X, tav. 52. Das t hat die dreistrichige 
form (s. oben zu nr. 17); nach L. ist diese vase und einige 
andre von ähnlicher arbeit (nr. 20. 25. 28) in den letzten 
decennien des 6. Jahrhunderts gefertigt. 

a. y.7iTog. TIsQoevg. l4vdQouiöa (beides linksläufig). 

b. Ev/agyog (linksl). ovng. 

28. 
Amphora in Florenz, Löschke das, s. 307 f. Das l drei- 
strichig (oben zu nr, 17); L. setzt die vase in dieselbe zeit 
wie nr. 27. 

AXfag. Uvhog. Tdqccg (linksl). 
(Eine von L. das. s. 313 besprochene; bei Korinth gefun- 
dene tasse zeigt einige unter einander geschriebene buchstaben 
ohne sinn.) 

29. 

Krater aus der Sammlung Campana, im Museo egizio ed 
etrusco zu Florenz, H. Heydemann IIL Halhsches Winckel- 
mann-programm (1879) s. 87 nr. 17. Ich verdanke der freund- 
lichkeit des herausgebers eine abzeichnung der beischriften. 

H{e)Qaaiog (EQ(.ialog Heydemann). — 2l . ivwi (Miaivoi H.) 
linksläufig. — ^lagzwi linksl, aber die buchstaben ausser den 
beiden letzten nach rechts gekehrt ; „etwa ^Icctqi^ ?" Heydemann. 
— ^cpoQTog (d. i. WÖQTog? Heydem.). — Aadafiafog {uictöa- 
jiiaiog? H.), — ytadäf-iag. HiTt{7t)oziü)v. 

30. 

Krater im Louvre; die beischriften von mir abgezeichnet. 
Dargestellt sind satyrn. 

Evvog linksl. (d. i. E^vvovg; ist das als ov zu fassen? 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 179 

Doch kann es auch Verkürzung wie in UoXvßog sein). Ocpi- 
kavÖQog links- und rückläufig. Ofxol(^og. 

31. 

Amphora im Louvre. Die beischriften von mir abgezeichnet. 

.V7t... (frau). J[L]a)v (krieger). Jcc/iküv (wagenlenker). 
Xäqwv linksl. (mann). Name einer frau unleserlich. \B]äv^og 
(pferd). 

32. 

Krater im Louvre. Die Inschriften von mir abgezeichnet. 
Das L dreistrichig. 

uidcLÖag. MvQiog. 

33. 

Krater im Louvre. Die beischriften von mir abgezeichnet. 

OiXwL (frau). EvQv[/c']vlXog] (mann auf dem wagen). 
(Beides linksläufig.) Fkül (frau). Hin(7t)oi linksl. Ho - 
linksl. (knabe). 

34. 

Krater im Louvre. Beischrift von mir abgezeichnet. 
HiTcnoXvtog. 

35. 

Amphora im Louvre. Desgleichen. 

TloXv.og (der unlesbare buchstabe hatte unten eine rundung; 
ein ß kann ich nicht darin erkennen). 

36. 

Oinochoe im Louvre ; abgezeichnet von Heydemann, der 
mir freundlich mittheilung gemacht hat, und von mir. 

(Däqrig (pferd) linksl. — avioxio . . linksl. (die beiden letzten 
zeichen erschienen mir wie zwei nach rechts gekehrte N in 
regelmässiger form. War dvloxog gemeint? Denn einem M = er 
steht die form am nächsten. Hingegen Heydemann avLOxtzag). 
— ytafomolEf.iog. — Bävi)-og linksl. (pferd). Tlaliog pferd 
(d. i. Baliog, und man könnte das n leicht zu einem korinthi- 
schen ß ergänzen. An letzter stelle sah ich die hälfte eines 
M = (7. Dagegen Heydemann IJahoKog, mit dem bemerken, 
dass das x sicher sei ; dasselbe liegt nach seiner Zeichnung 
merkwürdig schräg). 



180 F. Blass 

37. 

Krater im Louvre, von mir abgezeichnet. 

Unlesbarer name eines mannes ; die beiden äussersten buch- 
staben T und ein nach links gekehrtes N. — i^vtagha linksl. 
— ^Egarm linksl. 

38. 

Schale unbekannter herkunft, ohne figuren. Urlichs Bei- 
träge z. kunstgeschichte s. 24 taf. 9. 

'Ec^tajQ (linksl., auf dem köpfe stehend). JloXv^äva 
(linksl.). KiiadvÖQtt. 

Vgl. oben nr. 15, wo sich diese namen ebenso finden (wie 
schon U. bemerkt). 

39 

Attische lekythos zu Athen, Dumont Rev. archeolog. 
1873 XXV, 325; Collignon Catalogue de vases peints de la 
societe archeol. d'Athenes p. 60; Röhl I. gr. ant. 23. Das i 
hat bereits die gewöhnhche form, dagegen « und o noch die 
korinthische. Kirch hoff Stud.3 go. 

SsvoTcXiig EPOKPITOl 

S. ^EQoytQiTWL (Hqoxqltwl) nämlich edwKe (vgl. unten Sikyon 
3) bisher; Löschke indes (Arch. ztg. XXXIX s. 32, 13) fand 
vor dem original, dass die mit sichtlich ungeübter band ge- 
machte aufschrift S. f^ söto^i xoi bedeuten solle. Auch Col- 
lignon fand hinter xAe spuren eines angefangenen M d. i. er, 
wodurch das folgende zeichen für f.i verfügbar wird. 

40. 

Drei zusammenschliessende fragmente einer marmorplatte, 
Olympia. Der obere rand ist überall, der untere in dem ersten 
fragmente erhalten. Purgold Arch. ztg. XL (1882) s. 179 ff. 
nr. 435; Röhl L gr. ant. add. 26», Imagines p. 60. Bereits 
Purgold erkannte in den ersten zeilen das epigramm bei 
Paus. V, 10, 4, zu dem weihgeschenke gehörig, welches die 
Lakedämonier und ihre bundesgenossen für die schlacht bei 
Tanagra stifteten (ol. 80, 4; 457 v. Chr.). Die schrift ist aber 
nicht lakedämonisch , sondern namentlich das OY z. 4 weist 
für die Verfertigung deutlich nach Korinth (Kirchhoff b. 
Purg.). 1 und E haben bereits die gewöhnliche form; a kommt 
nicht vor. 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 181 

Naog /iiiv cpiaXav xQvaia]v ejei' sy ös [^TavdyQag \ 
Tol ^ayiedaijiiovioi ovf.i]-.iaxia t' av[^8d-£v \ 
öüigov an lAgyelmv xoft l4d^a\vaLü)v xat [^lavwv, | 
Tccv öeycccTttv vi'xag Hslv~\ey.a zov 7ro[A«^oü. | 
5 y.oQ . . . L - - — 

Q 

Z. 1 Purgold und Röhl vafbg ; aber zur buchstabenzahl 
stimmt mehr vabg, und bereits nr. 24 steht SevoxA^g, nicht 
Sev/oxA^g. — Das. Purg. R. falsch ex. 

2 in Paus.'s hdschr. rölg (r^g) ^axeöaLf-iovloig avfj.f.iaxiav 
{avi-ipiaxidog) x avd^ev (Tsd-sv); doch steht der v. bereits bei 
Schubart (Teubn. ausg.) in der obigen form, nach besserung 
von C. 0. Müller, Kayser u. a. 

3 ^Itüviov Paus., 'Idviov P. R. 

4 TCfJ TtoXif-uo Paus. 

5 KoqlLvd-yip - P. R. , die hier entweder ein Verzeichnis 
der bundesgenossen oder eine auf die anfertigung bezügliche 
inschrift vermuthen. (Statt x wäre auch y möglich.) 

41. 

Bruchstück einer lanzenspitze, Olympia. Kirchhoff Arch. 
Ztg. XXXVII (1879) s. 160 nr. 310; Röhl I. gr. ant. 24, 
Imag. p. 59. Schrift korinthisch (M = (T, I für t, OY); also 
Korinth oder eine kolonie Korinths oder immerhin auch Sikyon 
oder Phleius ist die widmende stadt. 

/iLo]g ^OXv 1.17t iofv. 



Die wenigen sonstigen (späteren) inschriften aus helleni- 
scher zeit enthalten nichts für den dialekt bemerkenswerthes. 
Oinoe 84a Le Bas (Lenormant Rh. mus. 1866 s. 393 nr. 
240): IdTTollodoTov (grabschrift ; nicht mehr archaisch). Korinth 
87b Le Bas (Pervanoglu Arch. anz. 1866 s. 174): 2inov 
d-enJg ocoTrjQioig (metallspiegel; 2. frauenname). Mylonas Bull, 
de corresp. hell. VI, 544: Beviddag Jloöwqov KoQivd^iog dvi- 
^Tjxev (inschr. eines dreizacks). Milchhöfer Mitth. d. arch. 
inst. IV, 161: Mv6g tlixL (inschr. einer thonlampe). Lenor- 
mant Rh. mus. XXI s. 394 nr. 243: Jaf.ioiilrjg. 



182 F. Blass 

il. Kleonai. 
1. 

Thongefäss aus Kleonai (Troilosvase) , von Timonidas ge- 
fertigt (oben Kor. 6e?). 0. Jahn Arch. ztg, 1863 s. 57 ff. 
tafel CLXXV. Die Schrift ist die altkorinthische, so dass auch 
Koriuth als ursprungsort angenommen werden kann; aber auch 
der annähme der Verfertigung in Kl. selbst steht nichts im wege. 

Ugia/iiog. . .&o ..a (Kgeovoa? Jahn), .^'o^^ag pferd. Socv&og 
desgl. TQWiXog. ^A%iX{^evg. TifAcuvidag (.i l'yQacps. 

Das a des zweiten namens steht unmittelbar vor 26ßag. 
2oßdg Jahn, als femininum; vgl. Hesychius v. aoßddeg. Man 
kann aber auch den attischen schiffsnamen 26ßrj vergleichen, 
wozu 26ßag maskulinum. — Das ^ von Sdvd-og ist jetzt auf 
ein kreuz reducirt. 

2. 

Steininschrift beim tempel von Nemea; links verstümmelt. 
Röhl Mitth. d. archaeol. instituts I s. 229, Inscr. gr. antiqu. 
nr. 26, Imag. p. 60. Korinthisches s, gewöhnliches c. 
— — i scpodiai. 

'O deiva dvid-rj-Kev 'Exaro;]^ (vel idqvifxLÖy) hcpodiaL Röhl. 

Ili. Sikyon. 

1. 

Lanzenspitze, Olympia. Kirchhoff Arch. ztg. XXXVI 
(1878) s. 140 f. nr. 181; dann wesentlich berichtigt nach Pur- 
gold das. XXXIX (1881) s. 169 ff. nr. 395; Röhl I. gr. ant. 
nr. [17] add. 27 a, Iraag. p. 63. Für e die form X, die speciell 
sikyonisch zu sein scheint; für o M, für l aber bereits I. 

Das wort scheint nicht ausgeschrieben gewesen zu sein. 

2. 

Eherner streifen, Olympia; ausgeschnitten aus einer in- 
schriftplatte und mit vier bohrlöchern versehen. Kirch hoff 
Arch. Ztg. XXXVII (1879) s. 162 nr. 315; Röhl I. gr. ant. 
nr. 21, Imag. p. 68. Die erhaltene zeile linksläufig; schrift 
dieselbe wie in nr. 1, weshalb Röhl jetzt (Iniagines) die früher 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 183 

unter die korinthischen gestellte inschrift den sikyonischen zu- 
weist (nach Purgold Arch, ztg. XXXIX s. 179). 

rö G']ra0^os zagiavegdv 7ivoo[oy, ro [de de^iov — ? 
JSTad^og? Kirchhoff; der obere strich des T nicht zu er- 
kennen. 

3. 

Attische vase von Caere, mit inschrift des verfertigers 
Exekias (1. hälfte des 5. jahrh.). Brunn Bullet, dell'instit. 
archeol. 1865 p. 241; Röhl I. gr. ant. 22; Imag. p. 63 unter 
den sikyon. inschriften, wegen der buchstabenformen, die mit 
denen der vorigen inschr. übereinstimmen (vgl. Purgold Arch. 
Ztg. XXXIX, 178). 

^EyGTiKiag f.i STioiTiae (attisch). 

^Enaivexog (.i EÖiDKev XaQOTiwi. 

4. 

Vase von Caere; auch hier dieselbe schrift. C. I. Gr. 7376 
(Monum. dell'inst. II tav. XXXVIII B). 

^7<A(A)£i;g (linksl.). Me/.iva)v. 

5. 

Steinmetzzeichen (versatzmarken) auf steinen vom Thesauros 
der Sikyonier zu Olympia. Curtius u. Adler Ausgrab, in 
Olympia IV s. 36; vollzähliger Purgold Arch. ztg. XXXIX 
(1881) s. 274 nr. 307; Röhl I. gr. ant. add. 27b, Imag. p. 64 f. 
Die erbauungszeit nach Purgold die erste hälfte des 5. Jahr- 
hunderts. 

Es kommen auf den 16 steinen folgende buchstaben und 
Verbindungen von solchen vor: a, ß (B), d (ad), das sikyon. e 
und das gewöhnlicher form, die also im gebrauche wie in 
Korinth geschieden sein mochten (Kirchhoff A. z. XXXIX, 
177 anm.), in den Verbindungen iE (t auch hier I), £/, /€, 
ferner /, C (COi f^, ^c- 

6. 

Antenblock vom schatzhause der Sikyonier, Olympia. Kirch- 
hoff Arch. Ztg. XXXIX (1881) s. 169 ff. nr. 394; Röhl I. gr. 
antiqu. add. 27 c, Imag. p. 64. Die inschrift war über die fuge 
des unten anschliessenden steins hinübergeschrieben. Das a hat 
hier schon die altattische form, das s aber noch die sikyonische. 
^exvcüvioi (Purgold; - (uv möchte R. vorziehen). 



184 F. Blass 

7. 

Antenblock ebendaher; Purgold Arch. ztg. XXXIX (1881) 
173 nr. 396; Röhl I. gr. ant. add. 27 d, Imag. p. 64. Auch 
hier war die untere der zwei zeilen über die fuge hinwegge- 
schrieben. Rechts können in jeder z. nicht mehr als 2 buchst, 
fehlen, da der stein nach rechts das ende bildete. 
ßo-^ . .\ y-vip . . 

Etwas wie Bdvd^og Kvip.. (vatersname) Purgold; ßooiv 
Kvipelov Röhl, als erneuerung einer alten weihinschrift des 
tyrannen Kypselos. Das kreuz in dem 3. buchst, z. 1 ist 
nach Purg. nicht sicher. 



Die spätere weihinschrift Le Bas 96 enthält nichts dialek- 
tisches. — Die münzen J.E(kvcoviiov) , später ^(xt'wvtW); 
aus achäischer zeit !Ax(xudv ^Lyjvioviwv; kaiserzeit 2tJKvoiviiov 
Mionnet II s. 162, suppl. IV s. 16 (nr. 93 magistratsn. Oarj- 
rog) , 160 ff. (nr. 1066 magistratsn. ldiÄB{i)vLa\j;'], 1067 ^^vöqo)- 
vlöag, 1068 L^vögavlöag [?], 1070 QQaavxlijg, 1071 ^VTtddag 
{^vaiadag?), 1065. 1099 ff. ^Iveag). R. Weil Ztschr. f. 
numism. VII (1880) s. 376 bespricht sikyon. münzen mit 0EY 
od. 0EY0, die er ins 4. jhdt. setzt. 

IV. Phleius. 
1. 

Steine mit archaischer schrift, in den mauern einer kirche 
bei dem dorfe '^yiog Fscogyiog, östlich von Phleius. Zwei dieser 
Inschriften (a. b) nur in Fourmont's abschrift vorhanden, 
C. I. Gr. nr. 21 u. 37; die 3. (c) öfter und zuletzt von Kirch- 
hoff gelesen, nach dessen abschrift und abklatsch sie Röhl 
giebt, I. gr. ant. nr. 28, Iraag. p. 64 (ebenda auch a b). Vgl. 
Le Bas 97; Kirchhoff Stud.^ s. 97 f. Die inschriften b und 
c sind linksläufig; Foucart (Le Bas) identificirt sie, und führt, 
was in b mehr ist, auf irrthum Fourm.'s zurück (?). Die 
inschr. a, die Röhl in zwei fragniente zerlegen möchte, ist bei 
der mangelhaftigkeit der abschrift überhaupt nicht zu ver- 
werthen. Möglicherweise sind alle diese stücke theile eines 
ganzen (Röhl). 

b. de^szai xovg Hoqc^ovq (oder rov Hoqc^ov) 
C. oJtT H6q(^ov Ott- a (ücpel^eia (Röhl). 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 185 

2. 

Grenzstein in dem dorfe "Ayiog FsioQyiog , I. B. Bullet, de 
corr. hell. VI, 444. Links gebrochen; die Inschrift linksläufig, 
aber mit sehr regelmässigen zügen. 

L4Qtä!.i[^iTog. 

Ein zweiter grenzstein, ebenda mitgetheilt, hat die auf- 
schrift "Hgag in gewöhnlichen, rechtsläufigen buchstaben. 

3. 

Grabschrift, Le Bas Voy. archeol, nr. 98. Ionische, doch 
nicht ganz junge schrift. 

MeXid^^vog, \ OiXuQxiöa, \ ^Ayad-oycXelag. 

4. 

Weitere grabschriften : Le Bas 99 Jafiaivitov. 100 ^Em- 
xgcxTsog (beide in ähnlicher schrift wie nr. 3). 101 ^coamXiog | 
Q[€o^6v']ov? (so Le Bas nach Ross' abschrift; seine eigne 
ü) — Ol). Jüngere schrift, wie auch 102 — 107, welche bedeu- 
tungslos sind (107 MvaadX\yM). — Die münzen achäischer 
zeit L^x^''^^^ Oleiaaicjv (l4. 0Xiaoi(jüv); kaiserzeit OXiaaicov. 
Mionnet Suppl. IV s. 15. 158 f. 

V. Korinthische Kolonien in und um Aicarnanien (Anaktorion, 
Herakleia, Leukas, Ambrakia). 

1. 

Stein unbekannten fundorts, aus dem nördlichen Akarnanien. 
Ross Bullet, dell'instit. archeol. 1840 p. 28; Welcker Rh. 
mus. n. s. I, 206; Boeckh C. I. Gr. 1794h; LeBas Voy. arch. 
nr. 1056; Kaibel Epigr. nr. 182; Röhl L gr. ant. 329 (nach 
Ross' abschrift), Imag. p. 60; Cauer Del.^ 91. Von Kirch- 
hoff auf Anaktorion bezogen, Stud.' s. 95. Rechtsläufig; jün- 
gere korinthische schrift (mit I und Z ionischer form), doch 
mit für ov und einer anderweitigen, sonst in Selinus und 
auf Melos begegnenden form des ß. 

(1) TlgoaXelöag toos Ga(.ia y.e/,X- \ (2) riöSTai svyvg oddlo, \ 
(3) Hog Ttegl rag avzdv yäg \ (4) ^dvs ßaoväf^isvog. 

Z. 1 IlQOKXsida war Boeckh zu corrigiren geneigt; Kaibel 
vergleicht für den nominat. den namen l^XMßiddrjg für einen 
park des Tissaphernes (Plut. Alcib. 24), und C. I. Gr. 2058 B 5 
6Wg Ol; 6 ^Q(og 2tüOLag. 

Beiträge z. Icnnde d. indg. sprachen. XII. 13 



186 F. Bl 



as8 



3 avTov (Boeckh u. s. w.) stimmt nicht zum dialekte; 
avTov Welcker. 

4 die änderung i^aqvdfx. wäre bei dieser gestalt des ß 
äusserst leicht; vgl. indes Korkyr. nr. 4 (auch Athen '^&rjv. 
X, 523). 

2. 

Ausgebrochene ecke eines steins, Anaktorion; die schrift 
läuft am rande nach rechts herum. Leake Northern Greece 
IV tab. XXXIV nr. 166; C. I. Gr. 1794g; Le Bas nr. 1049; 
Röhl I. gr. antiqu. 330. Formen wesentlich dieselben. 

— OAAYOIAMI — . Lieber als eigennamen, wie - oXlvog 
l4/ut[dvTov, erkennt Röhl hier etwas wie [TtövTog v—v drtjdillv, 
og u4(x\7tQav.Lav tcot tva.LEv\. 

3. 

Grosse Steinplatte, Ambrakia (Arta), Duchesne u. Bayet 
Archives des missions scientifiques 1876 p. 331; Röhl I. gr. 
antiqu. nr. 331. Grabschrift, rechtsläufig. 

^u4.q^ovla. 

Den spir. asper vorauszusetzen ist kein grund, s. Ähren s 
D. d. 38. 

4. 

Steininschrift, Leukas, Le Bas Voy. archeol. taf. VII, 13 
u. nr. 1040; Röhl I. gr, antiqu. 338, Imag. p. 60; Gau er 
Del.ä 92. Grabschrift, rechtsläufig (I = i, aber M = a). 

Mixvd^ag. 

5. 

Erzgefäss aus Dodona, mit aussen am halse umlaufender 
punktirter Inschrift. Carapanos, Dodone et ses ruines p. 40, 
tafel XXIII, 1; Röhl I. gr. ant. 339; Cauer Del.2 93. Ziem- 
lich moderne schrift, mit gewöhnlichem E für u und e. 
0iloyiXE' da(g) o JafxocpiXov ulevxddiog Jt NcHkdi. 

Die Schreibung Natioi, wird durch die späteren dodonäi- 
schen Inschriften widerlegt, welche das erste i vielfach aus- 
lassen (unten nr. 9); also N^og. 

6. 

Anaktorion, Le Bas 1048. Nach den buchstaben formen 
aus dem 4. — 3. Jahrhundert. 



Bialekt-inschriften von Korinth etc. 187 

l^ya&ai xvyci.i. ^EttI rcQvrdviog IIX . . | (2) ctQ^ov xov 0i- 
Xivov, yQafxi.iaTe\y- \ (3) ovl^tog aXiag lAydvoqog rdv lAXyia- 

-KOV (?), I (4) Xov TOV IdvÖQO - \ . 

Von Anaktorion bringt Fick S. d. griech. dial.-inschr. 
1388 ferner die inschrift C. I. Gr. 1794 f. = Le Bas 1050 
(Leake NGr. IV nr. 167): ^zihtag (gewöhnl. schrift). Ebenso- 
wenig von belang für den dialekt ist die grabschrift Le Bas 
1052 ^loTitüv xalge, oder die bei Heuzey Le mont Olympe et 
TAcarnanie p. 491 nr. 70: X]aiQinna \ .ivix&u \ Zayivvthla. Die 
münzen dieser Stadt (Mionnet II, 80; suppl. III, 456) gleich- 
falls ohne belang. 

Von Herakleia bei Anaktorion CA'iliag d. i. '^yiog ^HUag) 
stammt Fick 1387 (Heuzey nr. 71): KaXXaioxQov. Ferner 
(Fick 1385) C. L Gr. 1794ab (Le Bas 1046ab), ersteres eine 
metrische weihinschrift, die nicht in dorischem dialekt; darüber 
Maxutccg (s)7iörja€. Die inschr. b: uda](fdvrjg (so Boeckh nach 
a für o)q)dvrjg) ^aa^eveog lAoy.Xa7n(Jö \ dved^i]xe. Ma^diag 
knorjoe. — Die münzen von Her. (Mionnet II, 81; suppl. III, 
460) ^HQaKXeoiTäv. 

1. 
Von Leukas mangeln auch spätere inschriften fast ganz. 
C. I. Gr. 1919 L^TtoXlojvLccTai wiycod6/.irjaav ; das. 1920 — 24. 
1923b grabschriften ohne belang (1923 ^woi^gdTsi- x«^?«> doch 
wohl vocativ späten dial.). Die münzen (Mionnet II, 82ff. ; 
suppl. III, 461 ff.) haben ausser AevKadiwv magistratsnamen 
wie lAyrifxwv. Bäd^vog (C. I. Gr. 1846). Ja^vXog. uivY.iaY.og. 
MevsxX^g. üsialXaog. 

8. 

Ambrakia, C. I. Gr. 1797; Le Bas 1057. Weihinschrift. 

^E7tl ^TQdrwvog TcoXsf.idQxov \ ^Avdqovixog FoQyla j Zrjvcov 
NixdvdQOv I ^wöavÖQog — — . 

Aehnliche weihinschriften aus offenbar später zeit, dazu 
z. th. nur aus ungenügenden abschriften bekannt: nr. 1798, 
Le Bas 1058 (z. 1 AcpQodüxai^ z. 8 2ocpov.Xeog). 1799, Le 
Bas 1059 (z. 3 Maxdrag ^wxQdzeog). 1800, Le Bas 1060, 
Leake N. G. IV nr. 170 (z. 15 f. Evvavg ^ATtoXXocpdveog. 21 f. 
Idyaiyidag KaXXiYgdvsog. 25 f. /JwvvOLog TlXdxoQog). Die grab- 
schriften 1802—1807 (LeBas 1063-1068) ganz ohne dialekti- 
sches interesse; die von Duchesne u. Bayet Mission au mont 

13* 



188 F. Blass 

Athos (1877) unter nr. 197 — 199 veröffentlichten bieten einen 
genitiv auf -sog (197 z. 4 ENwYMENEOI, wohl Ev^vf-Uveog) 
und die namen Arjvct (197) und KlrjQiooia (199), d. i. Kkri- 
Qiaaxa = KXsaQLOxa. 

9. 

Bleitäfelchen aus Dodona mit der anfrage eines Ambra- 
kioten, Carapanos Dodone p. 76, 13, pl. XXXVI, 5; Pomtow 
D. Orakelinschriften von Dodona (Jahrb. f. philol. u. paedag. 
CXXVII, 305 ff.) s. 326 f. Oben und rechts verstümmelt; der 
bruch links war schon zur zeit der benutzung. 

[^E7tr/.oiv^Tai] .... I (2) ^g yi/ußgayucclzag | (3) Jii Ndwi 
Tial ^r][(6vai \ (4) Ttegl vyieiag avT[o']v [xat | (5) rcov vTtccQ- 
Xovvcov [vvv ] (6) '/.al elg tov erteiTa [xq- \ (7) ovov, zivag d^ediv 
\j- I (8) Xaayi6f.i£vog Xojlov [xa | (9) y,al äfxuvov 7iQd[aooi. 

Z. 1 ergänzt v. Pomtow. — 2 tjg Carapanos (Foucart), Tig 
P., da die beiden senkrechten, die auf dem faksimile vor Z 
stehen, zu weit von einander entfernt seien. — '^/itßQaxiio[rag 
wäre nicht ganz unmöglich, da das A auf dem faksimile nicht 
völlig deutlich ist. — 3 NdwL s. oben zu 5; Jrjtova st. Jiiova 
steht auch Carap. p. 75, 11. — 4 xal ergänzt Carap. ; ders. z. 5 
[y.ai vvv, was für den räum zu viel scheint. TcHv VTiaQxovTcov 
versteht Pomtow (gegen Bursi an Sitzungsber. bayr. akad. 1878 
s. 12) nicht vom vermögen, sondern von den nachkommen; aber 
die stelle Polyb. X, 17, 12 , auf die er sich bezieht, beweist 
nichts für diese bedeutung. — 8 Das unerlässliche xa hat weder 
Carap, noch Pomtow. 

10. 

Die münzen von Ambrakia (Mionnet II, 50 ff.; suppl. III, 
362 ff.) haben AM, AMB, AMBP, ausgeschrieben '^^/nßgaKitoTuv 
suppl. nr. 45, lAf.inQa'/,noTdv das. 43. 44. Mit ß wird der name 
geschrieben C. I. Gr. 1801, Le Bas 1061 (kaiserzeit, xoivtj). 
1808, Le Bas 1073 (Phoiuike, yioivrj). 1809, Le Bas 1062 
(gewichtstück AMBP); vgl. auch unten Korkyra 17. 

Vi. Korkyra (Apollonia, Dyrrhachion). 

I. 

Verstümmelter grabstein, 1819 gefunden; die inschrift ist 
besonders auf der rechten seite unvollständig. Boeckh C. I. 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 189 

Gr. 20 (nach Creuzer's abschrift); berichtigt Mustoxides 
Delle cose corciresi, nr. CI p. 268; darnach Wachsmuth Rh. 
mus. XVm (1863) s. 578; Kaibel Epigr. nr. I81a; Röhl 

I. gr. antiqu. 340, Iraagines p. 60; Cauer Del.* 82. Bustro- 
phedon in ähnlicher weise wie Korinth nr. 1 ; die beiden 
ersten (rechtsläufigen) zeilen haben umgekehrte buchstaben- 
stellung; die 3. ist linksläufig. Durchaus archaische schrift. 

2af.i ^Exs]^iftov jLiaTQog lyw HeOTa\yJ | (2) irtl TVjiKDi 
Tlolvvöfag ' (.i | (3) [xarfiAfi/JTTfiro (.lazQlpg. 

Z. 1 oä(.ia Kaibel; ^Exbt. Röhl. 

2 TlovXvvofas nicht richtig R. ; besser IIwXvv. Wilamo- 
witz bei Kaibel; doch entschuldigt der eigenname die licenz. 
— a[zovaxa de vhp ymtsX. fiuTQog Kaibel; aber der letzte buch- 
stabe z. 2 erscheint vielmehr als fn {(.loivvog öi rcdig y.ar€Xei- 
naxo (AaxQog o. derartiges, wofern auch nur xazeXeLTrsTO [xaxqög 
richtig ergänzt ist). 

2. 
Erzplatte, jetzt im britischen museum, Mustoxides 1. c. 
nr. LXIX p. 233; Vi scher Rh. mus. 1854 s. 385 f.; ders. 
Epigraph, u. archäolog. beitrage aus Griech. 1854 s. 6 taf. II, 1 
(Kl. Schriften II s. 12 f.); Röhl I. gr. ant. 341, Imag. p. 60; 
Newton The collection of the anc. gr. inscr. in the Brit. Mus. 

II, CLXV, plate II, 1. Linksläufig; schrift ebenso. 

yl6(piog (X dvaS^T^Ke. 

3. 

Grabmal des Menekrates, 1843 entdeckt; die Inschrift läuft 
unterhalb des geison in einer zeile von rechts nach links 
herum. Ran gäbe Ant. hell. I nr. 318; Franz Arch. ztg. 
1846 s. 378 taf. XLVIII, 3; Ross Jahn's jahrb. 1854 s. 535; 
Le Bas Voy. arch. taf. V, 14 (diese drei nach Philetas); 
Mustoxides nr. CHI s. 274; Riemann Corfou p. 30 ff.; 
Röhl I. gr. antiqu. nr. 342, Imag. p. 61 (alle drei nach eigner 
anschauung). Vgl. auch Schneidewin Gott. anz. 1845 s. 981 ff.; 
Leake, Transactions N. S. II, 1 ff.; Kaibel Epigr. 179; Cauer 
Del.* nr. 82. Schrift ebenso; der schluss eines verses durch 
Interpunktion (!) bezeichnet, die nach v. 1 und 3 wohl nur 
verwischt ist. 

Hviov TXaoiaJ-o MevsyiQccTeog roöe aujua, 
Oiav&iog yeveäv zöds d' avxm dSfxog snoiai' 



190 F. Blass 

rjg yccQ TTQO^evfog dd/nov cplKog' aXX^ evl ttovtqjl 

SleTO, dafxooLOv de xa 9 6v uu _ uu _ ^. 
5 Tlga^i^evTig ö' avTm y[aLa]g arro nargidog ivd^wv 

avv ddiu\_(ü]L Tode aaf.ia yiaaiyv^Toio Ttovi^d-Ji. 
V. 1 TXaaia/o halte ich für dorisirung des epischen geni- 
tivs, nicht für eine wirklich dialektische form. 

4 Den buchst, nach KA möchte ich für koppa nehmen, 
vgl. Mustoxides' wiedergäbe; dieselbe form oben Phleius b c. 
Orioli las 0, Philetas u. Röhl O. Nachher ON.PO Phil, 
ON Must., ONIO Röhl. Ergänzung unsicher; daiioaiov ds y.ax[ov 
TiQOOsds^aTo TTTJ^a Phil, bei Ross; in Röhl's öa/noaicov di xacpcHv 
(= anacpwv) qöd^iov rbv sd-aipsv ist schon die contrahierte 
form xacpcov kaum zulässig. 

5 avTOi = avTÖO€ Schneidewin. — yaiag ein englischer 
anonymus, Chrysoberges und Philetas (bei Franz). 

4. 

Grabstein des Arniadas, 1846 nahe bei dem denkmal des 
Menekrates, aber in einer etwas weniger tiefen erdschicht ent- 
deckt. Franz a. a. 0. s. 377 ff., taf. XLVIII, 2 (nach Orioli); 
Mustoxides nr. CIV s. 288; Vischer Rh. mus. IX (1854) 
s. 383 f.; Ross a. a. 0. s. 544 ff.; Vischer Epigr. u. archaeol. 
beitr. s. 10 (Kl. sehr. II, 17 f.); Le Bas Voy. arch. taf. VI, 1; 
Riemann Corfou p. 42; Kaibel nr. 180; Cauer Del.^ nr. 84; 
Röhl I. gr. ant. nr. 343, Imag. p. 62. Bustrophedon , die 
1. zeile rechtsläufig. Schrift dieselbe. 

(1) ^af.ia Tode lAgviaöa XaQonog' zov S' ails- \ (2) asv 
^lAqrig ßaQvd/iievov Tcaqd vavo- \ (3) Iv STt ^^Qad^&oLO gHofaloL 
TtokXb- I (4) V aQiaTsvllTjjovTa y.atd ozov6/ea(a)av d/vrav. 

Z. 1. Gewöhnlich ^Agvidda' xuQOTcog t6vö\ wobei ich die 
angäbe des vaters vermisse und am asyndeton anstoss nehme. 
Töv Ss entspricht dem epischen stil; nr. 3, 2 steht dafür 
tode Ö€. 

Z. 4. Das 2. T in dQLOZBvxovxa halte ich mit R. für 
irrthümlich zugesetzt, nicht statt eines / verschrieben. 

5. 

Grabmal des Xenvares, 1866 nicht weit von dem des 
Menekrates entdeckt. Decharme Comptes rendus de l'aca- 
demie des inscriptions 1866 s. 383, Egger das. 393, Miller 
das. 398 ff., Egger das. 1867 s. 158 f.; Bergmann Herm. II, 



Dialekt-inschrit'ten von Korinth etc. 191 

136 ff. (mit irrthümlicher Wiederholung dreier buchstaben); 
Engelmann Bullet, dell'inst. arch. 1872, 8.35; Kaibel Epigr. 
181; Cauer Del.2 85; Röhl I. gr. ant. 344, Imag. p. 61. 
Linksläufige inschr. in einer, am ende umgebogenen zeile. 
Schrift dieselbe. 

JSTccla SevfaQEoq zov MHei^iög uf.i S7tl tv/lkdi. 

6. 

Steinpfeiler, nahe beim grabmal des Menekrates gefunden. 
Franz a. a. o. s. 378 taf. XLVIII, 4; Mustoxides nr. LXXXII 
s. 252; Vischer Rh. mus. IX (1854) s. 384 f., Epigr. u. arch. 
beitr. s. 10 taf. II, 8 (Kl. sehr. II, 18); Kirchhoff Stud.3 
s. 93 f.; Röhl I. gr. ant. nr. 344, Imag. p. 61; Cauer Del.» 86. 
Der stein hat zwei inschriften, eine in linksläufiger, noch 
archaischer schrift (jedoch bereits mit I und Z für t, und ff), 
und eine in gewöhnlicher späterer; er ist also zweimal ver- 
wendet worden, und zwar wohl beide male als grenzstein. 

^e^siccTas i^ri^-) archaisch (seil. OQog nach Kirchhoff). 

Jiooy.ovQ(i)v gew. schrift. 

7. 

Steinsäule, 1845 gefunden. Rangabe nr. 356; correkter 
Mustoxides nr. LXXXIII s. 254; Wachsmuth Rh. mus. 
XVIII s. 575 (nach Must); Bergmann Hermes II s. 139 
(noch weiter berichtigt); Kirch hoff Studien^ 93; Röhl I. gr. 
ant. 346, Imag. s. 62 (nach eigner anschauung); Cauer Del.^ 
87. Grenzstein; schrift rechtsläufig; archaisch ist darin kaum 
mehr als die bezeichnung des Spiritus. 

(1) HoQfog Hiagog \ (2) Tag ^^/.giag. 

Richtig gelesen und verstanden zuerst von Philitas^ s. 
Wachsmuth. 

8. 
Zwei Steinpfeiler (grenzsteine) , Mustoxides Illustrazioni 
corciresi II, 98; Boeckh C. I. Gr. 1877; Franz Arch. ztg. 
1846 s. 379 taf. XLVIII, 5; Mustoxides Delle cose corciresi 
nr. LXXXVI s. 262; Röhl L gr. ant. 347, Imag. s. 62. 
Archaisch ist noch die form des theta, mit dem kreuze (vgl. 
Kirch ho ff s. 94). 

'Poog Tlvif^cuog. 



192 F. Blass 



C. I. Gr. II, 1909, nach der abschrift des Cyriacus von 
Ancona (p. XIX, nr. 131); Mustoxides Delle cose corciresi 
8. 261; Wachsmuth Rh. mus. XVIII, 577. Der stein ist seit 
Cyriacus' zeit verloren. 

"0^(/)og I (2) lagav x- | (3) al oalov. 

Als grenzstein richtig erklärt von Oekonomides u. Mu- 
stoxides (bei Wachsra.). Z. 1 OPBOZ Cyr., verlesen für 
OPFOZ? Möglich wäre auch eine spätere ausspräche oder 
Schreibung mit ß statt /. 



Die weiter folgenden inschriften haben nichts archaisches 
mehr; wir ordnen, da die Zeitfolge nicht zu ermitteln, nach 
Sachen und im anschluss an die Ordnung bei Boeckh. 

10. 

C. I. Gr. 1838, stein in Verona, von Scip. Maffei und von 
Venturi publicirt. Zwei Urkunden unter einander, auf beiden 
Seiten verstümmelt; links scheinen in a (vgl. z. 14) gegen 16 
buchst, zu fehlen, demnach in b, wo die schrift weitläufiger, 
etwas weniger. Auch oben ist der stein verstümmelt; unten 
fehlt der zweiten Urkunde jedenfalls nicht viel. Der tempel, 
für den die Urkunde a eine baurechnung, scheint dem Asklepios 
zugehörig (so schon Maffei, vgl. a, 8ff. ; b, 17). — Die eigen- 
thümlichen, von Boeckh erklärten Zahlzeichen für die drachmen 
ersetze ich durch die römischen, die für die obolen durch die 
gewöhnlichen griechischen. 

a. - - ag dytoyäg : I : ayuiyai STiaTOf^i (äsv - - \ (2) - [Ja- 
fiaJTQiiüL Tov ccTTOQ&wfiiaTog EQyaalag : C - - | (3) - - 7r]o(T)rOjU 
MrjTQOÖcüQov roixov sgyaouag: XXX - - | (4) - - g: XVII: fii- 
ad^ondig TtotTOfi ßtofiov: V, «': .... aßaXe - - \ (5) dywyäg-^ 

IIII, {ß' T»:) ld[ya}&Ld(xi %bov dytayag: III - - | (6) (Dilo(y)ivei 

%6ov dytoyäg: VIII: Si/nlai neöa - - | (7) - - rojig STiOfievoig 
taig d^id^aig: XXV, «': Melavd^itot, — | (8) HoXiraL tov 
[o9)t]og SQyaalag: Gl: KaaaizeQOV - - \ (9) - - ig'] tov ocpiv 
XaXyiov TalavTCv fjixiTalavtov dexa [- juval - \ (10) - - XII: 
l^haXXa: XXXV: x^^'^^^ ^S "^ov oq)iv - - \ (11) - - /na: I: 
yo/ncpiov ^afAx^wv] FXavAioi /ival dexa nivTs - - | (12) - - oy 
öv . . . va . . /na: II: ig xb/i ßoi/xov vitqov: — | (13) — Me- 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 193 

l']avd^i(oi I (frei) | (14) KscpdXaiov dvali6/.ia]Tog: CCIOOCXXII 
€ . . . (frei) I (15) - -' 0(p . . . 'Ertizvxog: CCCCVIII, (T. 

b. - - 6i öizaoral xal noivpl evdoycov - - \ (2) xal vrciq 
tav TtoXiv Twv avv\^dix.(ov? - - | (3) - - v (ö)iyiav elf-iev dno- 
diY.ov - - I (4) — aTO(i zag areyag xov vaov - - | (5) - - 
ß^XccTtTif] to Qv/ua töv Tolxov - - I (6) - - og e7tLoy.E(xCsLv tav 
TtöXiv - - I (7) dvaXwjLidztüv dvv/todixov - - | (8) - - zrjQitov a 
Ttegl zdv KoQxvQ6[av? — | (9) — av «x rag olmag elg zo 
va[ü)Qiov - - I (10) - - zov'] QVf.iazog zov Qsovzog dno — | (H) 
Inl zo vaioQiov ozQgipat, de - - \ (12) - - z^ccg ay,sod-i]yiag zdfi 
TiöXiv - - I (13) ifxßaXslv öi xat «lg € — | (14) - - pa oße- 
Xiav.ov OQd-ov OTT lüg - - | (15) - - >; dvayQaq)^za) elg azd[Xav 
Xi&ivav - - I (16) - - zov zoixov iv zwi da[f.ioaio)i? - - \ (17) 

- - dvaz'jsd^rj sig zo legov zov ^A[G'/.Xaniov'? — | (18) — og 
täv ETtLfxiXEiav - - ) (19) — dvayQaq)fj avza d stvl — | (20) 

— Ti iazl S7tizifii[ov - - | (21) — - - sqol 

PjS ist wohl kein grund , die inschriften höher hinauf als 
ins 3. jahrh. v. Chr. zu setzen. Vermischung von i und ei 
findet noch nicht statt; das t im dat. sing, fehlt nie. — Die 
ergänzungen und Verbesserungen sind von Boeckh, wo ich nicht 
das gegentheil angebe. 

a, 3 OITOM wird angegeben. Vgl. z. 4; dagegen TTOITAI 
auch unten nr. 13, 17. Ich wage nicht, das dorische Ttol hier 
einzuführen. 

5 nach den ersten zeichen für die drachmen TTOA.., von 
B. in HC: A verbessert. 

6 (PIAOYENEI (-NOI Vent.). 

10 die 2. zahl nach Vent. XXXI. 

11 ig zo ayaX/iia? B. - ;(a[Axwv] B. 

12 statt AY Vent. AI. 

14 nach der summe folgt noch -TCC , was auch B. nicht 
erklären kann. 

15 Ocp Eni Maff.; OcDEYEEni Vent.; oVe[a>[t]? B. 

b, 1 Anfang etwa: k'öo^e zäi dXiai' a] oi xre., dann svdo- 
xov[vzi. 

3 - NAIKAN. 

8 diyiaa]zrjQi(jüv Maffei, „non male" nach B. 

10 aTto [zag azeyag? B., indem er das gv/ua = ^ev/na auf 
das vom dache fliessende wasser deutet. Dies ist indes sehr 
zweifelhaft. 



194 F. Blass 

12 nach B. auch rov l^ljvolltovog möglich. 

19 a] avayQaq)\^a^ avta a srct B.; ders. 20 ojrt? 

11. 

C. I. Gr. 1839, stein im Museo Naniano. Zuerst von 
MontfauGon Diar. ital. p. 427 herausgegeben, dessen abschrift 
Boeckh zu gründe legt, unter benutzung des stiches in der 
Collectio antiquitt. mus. Nan. nr. 59. Die Urkunde auf allen 
Seiten verstümmelt; es können rechts und links zusammen leicht 
24 oder mehr buchst, in jeder z. fehlen (vgl. z. 5 f.). Das 
dekret verordnete heroische ehren für einen gefallenen Nau- 
archen. 

- - 7iqo\dl'KOig öiä xo noX - - \ (2) - - 'KwdvvEvaag f-iera 
TtkoLU - - I (3) - - o)v arfelkeTO (xev ra nXola v.an - - \ (4) - 
tüv 7toXsfx]i(av ÖLacp&SLQag rtoi Ttli^d^et vtxa^£i[g sTslevraoE - \ 
(5) - - xar]a rtoXiv ((f) aXoog log adXkiaTov, sl xa [yrgoßoiloig 
xal I (6) 7TQodiy.oig oyc]€rtTOf.i£voig agfxöl^Eiv cpctivrjTaL, -Kai y - -\ 

(7) - - 7tok£iii(ij)aavTag cog xdiXiava xa(l x)a^' "xaar[ov? — | 

(8) dQLöTOvg (xvdQ]ag yevof-ievovg, wg rJQCo TLiifjv tov re - - l 

(9) - - ocpoQiov dvwdexa exaTegcov riöfx f.ie.\ - - \ (10) - - '*] 
näaav didovrog avralg tov rdv - -\ (11) - - tolg l]xaffrax/5 
TiQoßovXoig Aal 7tQodixoi[^g - - \ (12) - - v, dfX(pinoXöv xe xa- 
^ccueQ Kai slg aX[^Xa iegcc? - - \ (13) - - laeig L4?^xtvovv xal 
z/ai/oKOA - - I (14) APEIONHOnAIKAIITEIAN - - 

Z. 1 TtQoßovXoig yiai 7tQ0~\d. wie z. 11? — Zu ende TOTTQ 
der stich. 

2 u€.xd 7tXoi[cüv? B. 

5 Afg. Montf AnOAAlNIAAIOI, der stich HOAINAVA- 
ZOZ, mit strich über A; darnach B. wie oben. — sl xa B.; 
vgl. unten nr. 14 f. 17 f. 

7 noXBßrjOavxag Ahrens D.d. 90: TtoXs/niüavxag. — KAI- 
MA0EKAIT- verb. von B. 

8 yevof-isvov Gio[x']^Q[og'\, xi/itrjv B. ; ders. xov x€ vavagxov 
xal xovg axQaxicöxag? Ebenso möglich xov x6{xeX€vxay.6xa. 

9 - ocpÖQtov scheint nach avxalg z. 10 femininum. 

12 KAGATTEPIEIIA der stich. Die ergänzung (wie die 
von 11) von B. ; oder eig IdX'JMvov vgl. 13? 

13 AAKIHOYN Montf., NOYN der stich; ders. AAMOKOA, 
Jaino}<.[Q']d[xi]v B. 

14 der stich nichts als A MUT. 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 195 

12. 

Fragment einer ähnlichen (möglicherweise derselben) in- 
schrift, Mustoxides nr. IV s. 182; Wachsmuth Rh. mus. 
XVIIl 8. 538. 

(1) - - g Tov TQOTtov nal xov (iX\Xov - - I (2) - - auai 
(pQOVQiov Vit aXKuiv - - \ (3) - - ^evav avtd rccf-i 7t6X[^iv - - | 
(4) - - E7tiöo]vg avTog avzov S7r[l - - ( (5) - - üt,v]dvvovg, ol 
7tQdör]X[oi- - - \ (6) - - g syevrjd-tj tcqo - -. 

Man könnte z. 6 ngo an nr. 11, 1 7tQo]dUoLg anschliessen 
wollen; doch ist der sinn dem nicht günstig. 

Z. 1 Ergänzt von Must, (ebenso 3 u. 5 afg.). 

Z. 2 Es wird gerühmt, dass die stadt ein kastell [irti ...] 
aibti^ welches durch andrer schuld an die feinde verloren war, 
durch den geehrten wiedererlangt habe (yio/Lu^a]fxevav z, 3?). 

13. 

C. L Gr. 1840, stein in "Venedig, nach Muratori's ab- 
schrift (H, p. DCXXXVIII, 1). Dittenberger Sylloge 320. 

(1) L^ya^ät xvfa.1. \ (2) TaÖB ifXTcqiaxo a TidXig rölg 
TtQO^ivoig, I (3) y.aQTtEV€iv boa Enixadeioi iovTi. ^vyöd- \ (4) /Ut 
(Deidcüvog Kvo)goiw(l) tifx Molo^cävTL av- \ (5) Ttsltov TtiXad^qa 
dena, iv tiöi Ttsölcüi, \ (6) dvTtskwv reTQaTtsXe&^Qiav. | (7) "Eq- 
(itavi TvXeaiiüi dvTtsXwv xetganXe- \ (8) d^Qiav iv xm 7r£[[i]]- 
öiioi. I (9) ^Q.TccQyo}L l4(7i)xaQauüi dvTteXiov TiXO^qa | (10) elxart 
h xüii nediwi •A.axd Bad^elav. \ (11) ^üiTtziat evegyexai dvniXoiv 
{7t)Xid^Qa ei/ia- | (12) xl ovo iv 3Jivma(i) 7tox(x)(Jüi tioqüjl 
ea(x)dx(ji)[i. | (13) OaLGxuoi Qa/nty-Xel y.al Oaivo^Xei dv- \ (14) 
TiiXojv xexQaTtXsd^Qiav ev xäi vdacoi, \ (15) iTtl ^irtagai dv- 
neXcDV xsxQaTtXed^Qiav. \ (16) lAQXctyoQai /JtXcpwi ülxiav iv xäi 
'HQatÖL, xpL' I (17) Xäg uXid^qa «^ 7ro(x)xäi Kwf.uiiov, dv- j 
(18) TteXojv xEXQaTtXed^Qiav iv xüi /teölcüi. | (19) MiaydXat, 
l^Qxddi dvrriXwv xexqaTtXe- ( (20) &Qiav iv tcÜL rceöicüi, aXXav 
dvuiXiov öl- I (21) TtXed^qiav ev xwi. nsdiioi, aXXav dvrti- \ 
(22) X(jov ÖLTtXed^Qiav iv ^x^^ovqi, olalav \ (23) [sv] xai l4XXa- 
vidi Y.{(a)fxaL. 

Das L im dativ fehlt z. 4. 12, wohl nur durch schuld des 
abschreibers (B.). 

1 ETiQiaxo B.; dagegen Ahrens D. d. 113, der TtlfUTtXrjfxi, 
7ti(.iTtqrifA.L vergleicht. 

3 (w)g (x') irtLxaö. wvxi? 



196 F. Blasß 

4 Moloxag von luoXoxrj = ^aldxr] benannt (B.). 
6 Tvk[rj]ouoi B. Ditt., nach schol. Lycophr. 993, Steph. 
Byz. Tvlrjaaög. 

9 nQ^ioTdQ[x](i)i l^vTalyÖQ^lcoi B.; i^TCzagalwi Ditten- 
b erger (Herrn. XVI, 170). 

10 ßa^slav seil. yQaf.i/ui]v B., Murat. deutet hinter dem 
Worte einen ausfall von buchstaben an (wie auch z. 3, wo kein 
ausfall ist, und 12). 

11 HAE0PA.EIKA Mur. 

12 hergestellt von Ahrens b. B. p. 986 {Minottjc). 7io(l) 
twi Ditt., vgl. 17. EIKATQ - - M. 

17 nOITAIKQMlKOY Mur. (ttoI auch oben nr. 10 a 3). 
22 hergestellt von B. (KOMAI). 

14. 

Erztafel aus Korfü, W. Vis eher Epigraph, u. archäolog. 
beitrage s. 7 nr. 22, taf. I, 4 (Kl. sehr. II, 13); Cauer Del.» 
nr. 89; jetzt im brit. museum, Newton (oben zu 2) CLXVI, 
plate III. Proxeniedekret für Dionysios aus Athen, unter den 
inschr. dieser gattung nach schrift und dialekt augenscheinlich 
die älteste und wohl noch dem 4. jahrh. angehörig (Vischer). 

IlQvravig STgceriov, \ (2) f.t6ig Wvdgevg, afisga ts- \ (3) rdgra 
€7tl div.a, nQOOxärag | (4) Fvad^iog 2iOY.Q(XTsvg, \ (5) TIqo^bvov 
jtoel d aXia \ (6) ^lovvolov Oqvvixov \ (7) l/i&r]valov avtov 
xal I (8) enyovovg, didwri de xal | (9) yag y.al oUlag sfirtaaiv. | 
(10) vdv de TiQO^sviav ygdipav- j (11) rag sig x<^X^ov dvd^s/^sv | 
(12) €i xa TTQoßovXoig y.al tzqo- \ (13) ömoig öoxrji TiaXdig exeiv. \ 
(14) Jiovvoiov I (15) (Dqvvlxov \ (16) Idd^rjvaiov. 

Z. 12 et xa Vischer, Cauer, Newton. 

Z. 14 ff. die Unterschrift getrennt mit grösseren buchstaben; 
ebenso in den ähnlichen Urkunden. 

15. 

Erztafel in Korfü, oft herausgegeben (Biagio, St. Sau- 
veur, Dodwell), C. I. Gr. 1841. Proxeniedekret für Boiskos 
aus Dodone. 

"Edo^e tai dllai, ttqo- \ (2) ^evov el/jev BotoKOv \ (3) ^v- 
x6g)QOvog /Iwöio- \ (4) vaiov , aviov xal exyS- \ (5) vovg. ei/tiev 
de avvoig \ (6) yag xal oix.iag k'yxta- ( (7) aiv x.al td dXXa 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 197 

tifj.1.- I (8) a, oaa xal tolg alXoig \ (9) rtgo^evoig xat evegys- | 
(10) raig. xav de ttqo^svI- \ (11) av yQdif.iavzag elg %6iX- \ (12) 
xw/ia dvad^e^iev onel \ (13) xa dox^ 7tQoßovXoig tiqo- \ (14) dt- 
xotff GTQaTayolg xa- | (15) Awg e'x^iv. tov ds Ta/ul- | (16) av 
d(6)/ii€v To yEvöf-iEvov I (17) dvdlcüf^a. (frei). | (18) Botayt-ov ^v- 
v.6q)QOvog \ (19) Jwdtovaiov. 

Nach Boeckh etwa aus ol. 140; das A hat gebrochene 
mittellinie. 

Z. 11 OTtal Ahrens b. B. s. 986; B.OTtr]. p]benso nr. 17. 
18. 21, 143. 

Z. 16 AEMEN alle ausser Mustoxides, dessen AOMEN 
B. auf correktur zurückführt. Hinter yBv6(.iEvov fügen Dodw. 
Mustox. KOPKYPA zu, was nach B. möglicherweise der besitzer 
hinzugeschrieben hat. 

16. 

Erztafel in Venedig, unten abgebrochen, C. I. Gr. 1842. 
Abschriften bei Biagio, St. Sauveur, eine dritte an Boeckh 
von Weber geschickt. Proxeniedekret für Lykiskos und Eche- 
sthenes aus Priene. 

"Eöo§€ TÜL dXiai, TtQO^s- I (2) vovg el^ev rag ttoXioq | 
(3) rcuv KoQAVQaiiov Av/.Loy.ov \ (4) xat ^Exsod^evr] Jr](xo7tsi- \ 
(5) i)-ovg Ilgirjvig, vTtdqxELv re \ (6) avxolg xat iycyovoig yäg | 
(7) xal oly-lag ky^iraaiv -Kai \ (8) tu dkXa Tiiiiia oaa xal \ (9) rolg 
aXXoig nqo^ivoLg \ (10) xal avsQyiraig vtcccqxov- \ (11) tl] rcaqd 
KoQxvQaioig. xdv \ (12) ök TtQO^evjiav i^ygaipav- | (13) rag eig 
xdly.üjf.ia dva^d^s- \ (14) fiev] tlxs., wie nr. 15. 

Statt El steht l in ÜQirjvlg z. 5; das A hat auch hier ge- 
brochene mittellinie; ferner hat ^ eine sehr junge form (n. 
Weber). 

Z. 10 ende XON Biiig., auch St. Sauv.'s und Weheres 
abschriften weisen auf dasselbe, so dass Boeckh's correktur 
vndgxlEi unberechtigt ist. Z. 11 afg. .APA W., — PA Biag. 
(welcher TAITTAPA vermuthet); das TT findet sich bei St. Sauv. 

17. 

Erztafel aus Korfü, C. I. Gr. 1843, nach Mustoxides und 
Dodwell; jetzt im brit. museum, Newton (oben zu 2) CLXVII, 
plate II, 2; Röhl Btr. z. gr. epigr. (Berl. 1876) p. 6. Proxenie- 
dekret für Pausanias aus Ambrakia. 



198 F. Elass 

''Edo^e rät, dXlai, ttqo^s- \ (2) vor u(.iev Tlavoavlav L^r- | 
(3) rdlov '^f-ißgav-iioTav \ (4) zag nöXiog rwv KoQKvgai- j (ö) cdv 
avTOv ycal iyyovovg. \ (6) eif.i€v öi avtölg Aal xd \ (7) aXXa 
tlfXLa ooa y,ai Tol[q \ (8) dlXoig rtgo^tvoig [xat | (9) eveqyexaig 
ysyQCc- I (10) Ttxai. xav ös Ttgo^svl- \ (11) av rcqoßovXovg xat 
TtQO- I (12) öi'KOvg ygdifjavxag slg | (13) xäXy.a)i.ia dva&sfxev. j 
(14) xov Ö8 xafxiav d6f.iev \ (15) x6 yevöfievov dvdla)- j (16) /xa. | 
(17) Ilavaaviav IdxxdXov | (18) ld(.ißQay,L(6xav. 

Das A gebrochen. 

Mustoxides' wiedergäbe, der Boeckh gefolgt ist, erweist 
sich durch Newton als stark interpolirt. 

18. 

Erztafel in Korfü, C. I. Gr. 1844, nach denselben; Cauer 
Del.ä nr. 90. Ehrendekret für den Lokrer Phihstion. 

"Edo^e xäi, dXlai, nqo- \ (2) ^evov elfiev xdg | (3) TtoXiog 
xwv KoQy.v- I (4) gaicov OiXiaxlwva | (5) Qevöojqov ^oxqov, 
av- I (6) xov aal kyiyovovg. ei- \ (7) ftsv de avxolg ydg | (8) xal 
oly.lag syxxaaiv \ (9) xal xd dXXa xluia, o- j (10) aa xal xolg 
aXXoug \ (11) Ttgo^evoig xal svsq- \ (12) yexaig yiyQarcxai. \ 
(13) xdv ÖS TtQo^eviav \ (14) ygdipavxag eig ydX- \ (15) v.(aiia 
dvad^e/.isv 6- | (16) nel xa doxrj nqoßov- | (17) Xoig xal tvqo- 
dUoig I (18) xaXüg k'x^iv. xov \ (19) ös xa^iav öofxsv xd | (20) 
yavöfxevov avdXioixa. j (21) OcXiaxlcova &€v- j (22) öwgov ^oxqov. 

Die zeilentheilung z. 1 f. und 17 f. nach D od well, dem 
ich auch in der zufügung von aal z. 17, welches bei Must. 
fehlt, gefolgt bin. 

19. 

Auf allen Seiten verstümmeltes fragment, Mustoxides 
Delle cose corciresi nr. XII p. 207; Wachsmuth Rh. mus. 
XVUI, 539. Inhalt ähnlich wie in dem besser erhaltenen 
stücke nr. 20, welches zugleich gefunden ist und ähnliche 
schriftzüge aufweist; doch lassen sich beide stücke nicht füg- 
lich zu einer inschrift vereinen. Die zeit wird auch hier der 
anfang des 2. jahrh. sein; s. zu 20. 

- - i^^d^af^dvcov TtSQi - - I (2) y.axaßdvxa)v xäi rce - - \ 
(3) slg öfxöXoyov xal arto xdg - - | (4) - - kq)' dv OQi^eiv xdg 
xujf^ag — I (5) ßoXd Xid^wv -Kai leqov noaeidd[vog — J (6) - - 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 199 

TO ort JIoGSiöavng eoti ngit - - | (7) - - a xov ßovvbv avco 
xa^wg - - I (8) — xa^' ay.QOv hcl röv |Ufi - - | (9) - - rig- 
^ova eiiiisv - -. 

Die ergänzungen von Must. — Das AO von ofiokoyov z. 3 
(d. i. o^oloyiav, wie im Böotischen) ist vom Schreiber über der 
zeile nachgetragen. — 6 TtqiVißiv Must.; eigenname? oder 

20. 

Links und unten , z. th. auch rechts verstümmelte Stein- 
platte, Mustoxides a. a. o. nr. XIII p. 208; Wachsmuth 
a. a. 0. s. 540. Schiedsgericht über grenzstreitigkeiten der 
Mondäer und Azoriaten, bei welchem einer der richter ein 
Korkyräer war, Azoria (Azoros) ist perrhäbischer ort (vgl. hier 
z. 5); also muss Mondaiai in dem damahgen Thessalien gelegen 
hab^n, vgl. z. 1; Latischew Mitth. d. a. i. VIII, 381 1). Der 
z. 1 genannte thessalische Stratege Hippolochos hatte dies amt 
zum ersten male 182 v. Chr., s. Mustoxides u. Wachsmuth 
(Euseb. Chron. I p. 245 Schöne); die zweite Strategie muss 
nach 180 fallen, und so die inschrift. Das A hat gebrochene 
mittellinie. 

(1) ^Tqatay6]vvtoq GeaoaXojv | (2) ftiv ^lmio^6%ov xov 
l^Xe^i/rTVOv \ (3) zö devT^egov viaQioaiov^ jurjvdg \ (4) log Qs]a- 
oalol ayovTi Gef-HOTiov | (5) af.ieQ]aL TQia/.döi , nsQQaißwv de 
axqa- \ (6) xayo]vvTOc. Jrjf^rjTQiov xov Jrj^aivs- j (7) xov IJov- 
y«cug, f^r^vög /.a&iog IIsQQCtißol j (8) ayoi^n Jiov a/usgac xgia- 
xddi, erciXQO- \ (9) icdv] öövxcov Movöaieiov aal ^ALjüoqi- j (10) 
axa.]v , (.ivafxovevovxog ^vodvo\jqog | (11) xov] OivxvXov l^Ttok- 
Xtovidxa^ yia[^rjiu€- | (12) vcov] diicaaxdv Ssvocpdvxov xov . . | 
(13) . . fiia KoQxvgalov , Kl£oaxQdzo[y | (14) xov'] Jaf.idQxov 
JvQQaxtvov, 8y(.Qiva(.i[ß- \ (15) g sld]6vxsg erci xdv Xf^Qcc^, ^sql- 
ayrjaa- \ (IG) /ntviov] azaxsQwv, oQOvg eij^isv Mov- \ (17) öaiäy] 

*) Auf denselben ort beziehe ich die dodonäische orakelanfrage 
Carapanos pl. XXXIV 3 bis (Pomtow Orakelinschr. s. 316 f.), welche 
spuren thessalischen dialekts zeigt: inixoC-vaTai Mov[S]aiaTäv t6 xoivbv 
{^i Ndwi xai ^iwvki übergeschrieben) naQ TON (d. i. tovv) \ JIvqqoi, ti 
^ifiCaroi, (von xf^ffiiaTOJini = {^(fiiaTÖoj d-ffxiaTev(o?) , al AIEKT..N iarl rä 

^■(fiC-\a]T(o)t x«t ßiXriov, «t (= ^) xi/qs/xsv Es scheint, wie auch 

Pomtow annimmt, eine erneuerte anfrage wegen bereits gegebener 
Weissagung zu sein. 



200 F. Blass 

ytal l^twQiag tcc l'aa rtm . . | (18) blt av Movdaiiwv 

^e[y . . I (19) QiCig xa. . 

Die ergänzungen grossentheils schon von Mustoxides. 

2 (xev fehlt Must. W., wird aber nach der buchstabenzahl 
verlangt. Einen rest des ersten von '^IrtTt. bezeugt M. 

3 rb demsQov unzweifelhaft mit M. zu argav. (gegen W.). 
Vor EPON im faksimile ein schräger strich, wie von einem A. 

4 wg W., ytad^cog M. 

10 (xvafiovevovTog = yQU/iiiLiarevovtog. — Das. ^vadvoQo\g 
xov M. W. , indes muss man für die inschr. dieser zeiten das 
princip des Zeilenschlusses mit voller silbe im allg. festhalten 
(allenfalls ixQLvafis-g sld^ovTsg 14 f. , mit hinüberziehen des a). 
Die Schrift wird auch sonst am ende der z. kleiner (z. 7. 14). 

11 f. ycald-iC-ovTMv^ M. W. ; zu afg. von 12 ist aber nur 
für 3 buchst, räum. 

13 Jd]iA.ia M. : sonst gut; nur wird dann z. 12 etwas 
kurz. 

14 sy.Qiva(.i-ev M. W.; s. zu 10. 

15 f. TteQiayrjaälfxevoi M. W. 

16 f. Movöaiscov M., was indes zu l^tioQiag nicht gut 
passt (s. W.). — Tolg anb M. W. 

18 vor El rest einer senkrechten, u %[_6]v M. W. 

19 vor PI rest einer senkrechten; auch nach TA reste (a 
oder "k, d). 

21. 

C. I. Gr. 1845, stein ehedem zu Korfü, in minuskelumschrift 
von Montfaucon herausgegeben, dann öfters abgedruckt, aber 
ohne neue vergleichung des Originals. Von Boeckh schon im 
Staatshaushalt II s. 400 ff. (taf. X) behandelt. Die abschrift 
ist leider sehr incorrekt, auch mit vielen itacistischen fehlem 
behaftet. Die zeilentheilung nach Boeckh; die des Originals ist 
unbekannt. 

^Eni ooitrjQiai. ÜQVTavevovTog ^^giazo/nevsog, fÄrjvbg Ma- | 

(2) %(xviog TeTaQT{ai) S7ti eixdöi , l/iQLatofxavrjg L4QLOtoXdida | 

(3) (YX)X€vg öiöwTi ra(t) tioIbl tcov KoQKvgaliov sig zctv twv \ 

(4) TSxviTciv /.uad^woiv tiol Jiovvoiol ccQyvQiov KoQLvd^iov j (5) ^ivag 
h^rj-KOvta' didtoTt öi '/.al WvlXallg]] ^Ahuf-iov '^Ykllg \ (6) rat 
TtöXec Tü)v KoQxvQaüov elg zdv tcov xexvLT{a)v f^iad^w- | (7) aiv 
%m JiovvawL aQyvQiov KoQiv&iov /nvag e§iJK.ovta. j (8) kkiad-o» 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 201 

öi a ßovXa fxaordxig slg iviavtov rovg sxda- \ (9) v(€)iaovvTag 
xo ccQyvQLOv dvögag rgelg rovg dvvaTWTccTOvg \ (10) XQi^(.iaoLV a 
ÖS STiöaveiaig xal dvccTtga^ig rov dgyvQiov yi- I (11) vsad-o) -Kai 
d XotTid öioly.r]aig Y.a&i6g y.a doKrj ßovXäi x«- | (12) Xiog t^siv. 
ug de y.o[i] yeviovxai lom^oiiUvat, f.iva.1 «xarov | (13) o/do)^xovra 
Aai hidavsiod^tovTi ai k'Karov oydoi^Kovra \ (14) ^val, Ttagel- 
d^övTog aviavTOv (.lExd xb sxdav{s)iad^r]{!ii£v) xdg \ (15) exaxnv 
nydorjy.ovx(x f-iväg oiTiooxeiXäxio d rtöXig v.axd xbv xov \ (16) 
dyiovo&ixa v6f.iov s7ti xdv xiZv xexvixdv (.liod^wöLV, y.al dyi- j 
(17) xio xd Jtovvöia dcp oh x' (XQ^{o})vxat naq äxegov svi- 
avxov, el \ (18) ,«^ xi öid 7r6Q.et.i0v) ddvvaxov yevoixo, ßovXag 
■Kai dXiag vjcegd^a- ] (19) fiivag. dyexo) ös dnb KoQivd^idv f.iväv 
Ttevxrjxovxa, dnb | (20) xov xöxov xüv xqiüv xaXdvxwv, /niod^ov- 
/ittva avXi^xdg \ (21) xgelg, Tgaywiöovg xgeig, •/.{co)uwidovg xgeig^ 
xal xd Xnind \ (22) noiovvxio ndvxa 01 fxaaxdxig iowsg dg- 
Xovxeg Kaö^wg \ (23) 6 xou dycovo&sxa vofxog xdaaei. öiöt'oi^io 
de ycal xd aixi]- \ (24) geaia xolg xexvixaig xd ewo/na dicb xov 
TOKOv xw(>tg I (25) xdv Ttevxrjxovxa /iiväv. el de xi x' dövvaxov 
yevoixo did \ (26) nöXefxov y.al jurj drtoaxeiXr] d riöXig enl xovg 
xexvixag 1] \ (27) firj nagayevoivxo ot xexvixai rj Xintj %ig xbv 
dyiova, eycda- \ (28) v(e)iteod^io y.al xb Xeiq)^ev dgyvgiov näv, 
xal vnagxexu) \ (29) xoycitdf-ievov eig xdv xwv xexvixäv uiod^co- 
atv. el de \ (30) dvvaxov eovxog xat ^^ STtmwXvovxog /iir]^€vbg 
f.irj dnoaxEi- \ (31) Xol d nöXig ertl xovg xeyyixag xara xdv 
negiodov endaxav, \ (32) t] rragayevo/uevwv xwv egyoXdßiov /htj 
ixia^cjaaixo xovg xe- \ (33) ;ji'/Tag, Vj firj didoit] xb/ii /Luod^bv xbv 
V7ioyeygaf.i(.ievov \ (34) r] xd aixr^geaia xd evvofxa, rj elg dXXo xl 
y.axaxgrjoaixo xb dgyv- | (35) gwv xal /nrj eig xdv xwv xexvL- 
x{S)v (.liod^waiv, L4giaxof.ieveog \ (36) xat H'vXXag e6vv(w) xd 
do{d^)evxa ygtjf^axa rrdvta rj xwv ercLvof-iwv \ (37) xwv ^giaxo- 
fxeveog xal '^vXXag. Mdgxvgeg MoXwxag rXavycov, ^- \ (38) 
waavdgog Qevdwgov, UgoiLiaxidag M(v)gxiXov. (froi.) | 

b. (39) nbO^odov rcoirjaaiuevwv Idtgioxo/neveog xov lAgtoxo- 
Xdida v.al WvX- \ (40) Xag x{ag) l4Xxiftov rtegl xov dgyvgiov ov 
edtöxav xät noXei y.ai xw(i) \ (41) Jiovvaw(C) eig xdv xwv 
xexvixdv fjiod^woiv endtegog Kogivi)^i- | (42) ag (.ivdg e^rjxovxUy 
edo^e xdi ßovXäi xb dod^ev dgyvgiov Ttagd | (43) yigiaxo/^teveog 
xai WvXXag ev-daveioai xovg alged^evxag' eXe- \ (44) o^ai de xdv 
ßovXdv xovg ^fct^florvrag xb dgyvgiov dvdgag | (45) xgelg slg 
eviavxbv xovg dvvaxwidxovg xQ^]!^^^^^ ''^^^ rtXei- | (46) ovdyiig 

Beiträge z. kuude d. iixilg. sptüoben. XII. 14 



202 F. BlaBB 

Tovg avtovg, diahrtovrag Itt] ovo, /htj vscoTSQOvg j (47) «rtSv 
TQidzovTa Ttevze. /iirjds TtQEoßvTtQOvg k{ß)do/j.rjy^ov- I (48) va. 
aiQslad^at dg sy^darov sviavrov /ntjvog Maxocveog ß/f ßov- \ (49) 
Xai 7] dXia(C). ol de aigsd^avTsg In l^QLOTOiiteveog rragala- 
ßovTsg 1 (50) tÖ dqyvQinv Tcaqd ^AQiGTO/iisvsog xal WvXXag syöa- 
veiodvTfx) I (51) s/ii /Ltr^vl övcoöey.dTtoL xal Evt^Xeiioi rwi S7tl 
'^giaro/iieveog, \ (52) Ttgoxagv^avTeg ev KaQvxrdi (.irj fxsiov i] 
d/^tegag Ttsvre, \ (53) XQrjuaTitovxeg Ttozl rolg l^gindzeaat, f.tr] 
TtXslovog Toy-ov | (54) öavei^ovreg rj ovo dqu^f^iüv tbv /nrjva Vxa- 
atov xdv fiiväv \ (55) k^darav, (.irjd* iXdoaovog, avvaXXdaaovT{€g) 
ü){c) Ti avTol TCQO- I (56) aigiüvrai, idave xbv TtQidfAEVov drco- 
döixev z6 TS y.£q)dXaLOv xal | (57) tov toxov kf-i f.ir]vl EvzXelajL 
twL fXBTa TcqvxavLV ^^QLaioi-iivrj. \ (58) dvaTtgd^avreg (di) t6 tb 
xe(pdXaiov v.ai xbv tokov sv xaii \ (59) EvytXeiiüi i^rjvl xwi f-isixf 
l4giaxo^ievt], Tcugadövico rolg j (60) aiged^elai elg xbv vrt avxd 
eviavxbv errl tüv XBigi- | (61) ^iv xov dgyvgiov. oi öi rtaga- 
Xaßovxeg '/^grjfÄaxiZ6vx{o}) x6 | (62) dgyvgiov ttüv iv raii yigxs- 
fiixitot /iirjvl xiOL 8cp avTiüv 7X0x1 xölg \ (63) lAg^dxeooi, ngo- 
xagv^avxeg xal xd Xoirtd ndvxa noiovv- | (64) reg y.a^cog aal 
xovg lit lAgLOTo/iievsog alged^evxag ys- \ (65) ygaTtxai. coaavxtog 
de ycal oi saaoxdxig aiged^evxeg not- \ (66) ovvxco. sl ös ol 
algad^ivxeg hrtl xdv xEigi^LV tov dgyvgl- \ (67) ov f.irj TtmrjoaUv 
TL TvÜv yeygaiÄfiBvoiv , (rj) f.irj SKÖa- \ (68) veiaaiev Tb dgyvgiov 
xa&a)g yiygartTai dvvaxoi sov- \ (69) xsg, d7iOT(e)iGdvxtt) dgyv- 
giov Kogiv^lov f.iväg TgidxovTa | (70) %al Tb xeq)dXatov o xa 
7tagaXdß{o))vxi nagadovxw el öi | (71) //?y, öiTtXij d7t0T(e)iadvT(j) 
TO xecpdXaiov. Txegl öi tov döv- | (72) vdTov ßovXd ■Kai dXia 
S7tiyivo)öy.txio. ei de eydavei- \ (73) oavTsg jutj dvTxga^aiav to 
7ieq>dXaiov xat tov tokov, | (74) rj /.lij 7Tagaöoi{€v) Tolg aigsO^eloi 
xad-ü)g yeygartTai, | (75) d7iox(e)iadvxa) to te y.e(pdXaiov xai 
Tbv Toxov diTtXrj, OTtö- I (76) xegov xa fxr] 7tagaö(io)vxi. ^Ervei 
de xa yevcovxai tokiCo- \ (11) jiievai /iivai exatbv oyöorjxovTa xai 
kydaveia{&)(Jov- \ (78) ti a\ exaxbv dydorjxovxa /iivai, nagtXdovxog 
Bviavxov I (79) f^exa to eyöav€io&rj/itev Tag exaTOV bydorjxovxa 
ftvag dno- \ (80) GTBiXdvxco o'i dgxovTsg erri Tav tüv zexviTav 
(.dad^ioaiv | (81) xaTa Tbv (tov) dycovo^BTa vb/nov, xai Ta Xoittu 
7cdvTa noLOvvTO) ol k- \ (82) xaoTdxig dgxovTsg yMd^wg ev r(at) 
d{6)aei yeygartTai, bI ju^ ti öi- \ (83) d TtoXe^iov (ddvvaTOv) 
ysvoiTO , ßovXdg xai dXiag vTtEgO^Bfxevag. /uiaö^ovo^iü j (84) öe 
TOvg TByviTag afp ov x dgy(d) yevoiTO Trag (d)Tegov ^viavTOv 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 203 

oiTTo Tov I (85) roxot' rcäv tqiwv laXdvTiov, aTto i-iväv nevcr}- 
novra, avlrjTccg \ (86) TQslg, TQaywiöovg tgsig, yi(w)fA.ü}idovg rgsig, 
xal Toc koLTia. Ttdvta \ (87) Y.aTCi tov rov dycüvo&ira vofxnv. 
öidood^ai (ÖS) ycal zd aizrjQaaia | (88) zolg zexvlzaig zd svvofia 
drto zov zöyiov xtaqig zdv TtevzrJKOv- | (89) za (xväv. ol ös xtiQi- 
tpvzeg zd aQyvQiov xa&^ ovg xa XQOvovg | (90) rcaQayiv{(o)vzai 
01 zexvizai, STtel % dvnqd^iavzi zo dqyvQLOV, \ (91) Ttevz^^ovza 
fivdg zov Luod^bv zolg ze^vizccig y.al zd ai-zrjQeaia \ (92) zd 
yivöfXEva 7taQadövz(ji) ztoi dytavod^izau zov ldQZE(.uziov fxtjvog | 
(93) 7rp6[[9]] zag ey,zag, zo öi koiTtöv zolg ecp{aL)Qed^€laiv. 6 de 
Ttagala- | (94) ßtov dyiovod-€z{a)g 7rot(«/)rw Ttdvza '/.azd zov 
vofiov y.al aTtoXoyt- \ (95) ^dad^co elg ßovXdv ev zac Ttgdzat 
ovvidqai, {oao)v z{£) xa 7ta- \ (96) QaldßHeiJjr] dgyvQiov nal 
■Kad-cog xa ty.aoT^a) d(ioi)x^ar]. \ (97) drcoXoyi^dai^coaav de xat 
ol x^iQtCovzeg zo dqyvQLOv kaa- \ (98) azdy.ig eig ßovXdv jurjvög 
l^QZ€fniziov , OL zs TiaQüXaßövzBg \ (99) xat ol Ttagaöiöovzeg^ 
xad^wg xa f'xaara 7taQaldß(a))vzL xal na- \ (100) qa8{(iJü)vzL. (fi)t 
(5« ^.ir] TtoiTjoaiev zi zwv ysyQauf.ievwv oi ze x^i^- I (101) qitovzsg 
zo dqyvQLOV rj ol dgxovzeg, drcoz(e)iaazcü ö aiziog dq- \ (102) 
yvQiov KoQivd^iov f.iväg zQidxovza xal o (xa) yiazaßldiprj dirtki]. 
si I (103) de zL xa o dycovod^ezag rj ol x^f^Q^^ovzeg zö dgyvQiov 
fxij oqd-iög \ (104) djtoloyl^wvzai, vof.ioq)vXaxsg exXoyiCova&o), 
xa^wg xat zd dX- \ (105) Xa zd leqd -Kai ö(a)ß6aia x^jy'^uara. 
/f^ e^ea{z)o} 6i /.ii^d^evl | (106) TtQoazazrjoai Tteql zov dvate- 
d-e'vzog vnb L^Qiazo/uevsog -/.ai \ (107) WvXXag aqyvQiov , aiazs 
elg dXXo zu iiazaxQi]0&rjiu.sv aAA' elg \ (108) zdv zwv zexvizäv 
lidad^tooiv, elg de dXXo (.irjd-ev firjS^a/Liuig | (109) fxr]deiuLat naqev- 
geasi. al di zig ngoczar^aat rj xazaxqrjoaizo j (110) elg aXXo 
ZI, duozeiadzio 6 TtQoazazrjoag xat o ycazaxQrjod- \ (111) /.levog 
'AQLazof.iev{e)L y.al WvXXai rj zolg i/tivoiiioig zolg l4Qiazo- \ 
(112) /iuveog y.al WvXXag dgyvglov Kogivd^iov (.ivdg e^rjicovza 
xal \ (113) zö dqyiiQiov o xazexQrjad^r] ÖLrtXrj. Ttdvzwv de zovziov 
Tcal I (114) eY zivog xa dXXov doxrj TtgodUoi, ßovXag XQiaLv 
aTidgßo- I (115) Xov ygaipa/nevot xat STtiyQaipavzeg zo dgyvQiov 
zo I (116) eq)^ eyidazov döiyir]/.iazog yeyga^f-ievov d{6)vz{io) ttqo- 
azd- I (117) zai nqoßovXoiv. 6[_[l]] öe elg zd öixaazrjgia (pegezo) 
d{(.i€Q)a(i) I (118) fxslov rj zgianoaraL. [[/UJ^]] s^eazo) de xal dXXioL 
ztÖL Xiovzi I (119) ycgivsad^ai xazd zavzd. zov de xazaxgid^evza 
ol zag 1 (120) xgiaiag ygaipa/.ievot eloTtgd^avzeg^ 8aa fxev rtozi 
zö y.01- I (121) vov avv{e)iy.ei zolg a(})gt]f.ievoig enl zdv yf^i'gtStv 

14* 



204 F. Blass 

Tov I (122) aqyvQiov naQadovTW oi di Eydavuoävxio xad^atg 
xai tb I (123) aXXo aqyvQLOv ysyQaTtTai. oaa öe ^AQioxofiivBL 
Iq ^vXlat, ! (124) tj Toig imvofxoig STtiTi/iua eTttßdklsi, avrol 
slaTtQaaaöv- \ (125) r(w) y.ai y.Qivioi)^oi e^aaroi zad^wg x avrol 
TCQOaiQOvvtai. ei \ (126) de rig tüv sttivo/uiov Tiovl4QLaTO(.iivEog 
rj WvlXag Tcgoata- \ (127) irjoau sig aXXo rc iiiaTaxQrjaü^rj i^uv t] 
xaraxQiJGCcifo ccXXat \ (128) nai, f^irj sövTto id ETTtTifua f-irjöi 
td yiQrii.i(xxa l^Qioto- | (129) ueveog xal WvXXag /urjös xöJv etil- 
vöj-itov ^AQLöTOfxivsog \ (130) xat ^'vXXag, dXXd d{a)(.i6öia elg xdv 
jwv TE^viTciv f-dad^cüaiv, xal \ (131) Eydaveiteod^o) usTa rov 
aXXov dgyvQlov xad-wg ETtdvu) yiyqa- \ (132) nxai. el öe xi 
dövvaxov öid 7t6X€f.iov yevoixo Tcal (irj aTtoaxei- \ (133) Xai a 
noXig E7tl xovg xexvixag, rj (.irj 7taQayev{(o)vxai ol xexvixai, \ 
(134) ExöttVEitead^iü y.al ai 7tEvxr]y,ovxa fxval xal xd aixrjQEOia 
c'x^[[o]]t ov I (135) xa övvaTÖv yEvrjxai,. looavzcog de xat eX xig 
XinoL xbv dyiova xtov \ (136) xexvixav, aydavEiCead^u) y,al xd 
XEiq)d^ev dqyvQiov y.al vTtaQxixo) \ (137) sig xdv xcov xsxvixäv 
fxiad^taoLV. ai ös xa diÖQ&ioaig twv v6- \ (138) ,uwv yivrjxai, 
ra^dvxtüv ol öiOQ&cox^QEg slg xovg vouovg xa^wg | (139) xa örj 
x6 dgyvQiov x*'?*^*^^"*« ^ö: de Xomd rcdvxa yivea^co log | 
(140) xa öoyifj ßovXdi xat dXiai xa(A)wg exieiv). yivea^to de 
/iirj- I (141) ^ev vnevavxlov xioi d6yf.iaxi fj.inöi xai öoaei. xäg 
de doOLog xat | (142) xov ygäf-if^axog dvxLyqacpov dvayQdipat eig 
axdXav Xid^ivav "/.ai \ (143) dvad^ef^iev 6[[>']]7r(fi)t xa öoxfj nqo- 
ßovXoig xal Ttgoöinoig xaXiog e'xeiv. \ (144) rag ös dvayQurpcig 
y.al dvad^ea{io)g TtqoßovXovg (.uxd öioiTirjxa \ (145) xat «(»X^- 
xexxovog xdv eTtifXEXuav rtoii^aaad^ai. xb ös ye{v6)- \ (146) /iievov 
dvdXcojiia xa[.ua{v) ööf^isv. 

Die Verbesserungen im allgemeinen nach Boeckb. Eine 
auslassung des t im dativ ist für das original nicht anzu- 
nehmen, ebensowenig eine Vermischung von ei und i. Dagegen 
das L im conjunktiv habe ich nirgends geschrieben, da die 
inschrift jedenfalls zu den jüngeren gehört. 

Z. 2 xexaQxrj. 

5 VvXXag lt4Xyt.ifi.ov ^YlX[ev]g B. , der einen mann Psyllas 
annimmt. Abgesehen davon, dass das mask. sonst WuXXog 
lautet, müsste so ausser 'FAA/g der 10 mal vorkommende genitiv 
^vXXag stets geändert werden; denn einen männlichen genitiv 
^vXXag aus -aog mit B. anzunehmen wird man sich nicht ent- 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 205 

schliessen. Also hier z. 5 WvlXa als femin., mit Ahrens I). D. 
225, und z. 40 tag l4XY.if.iov für xov lA. 

6 Texvittov. 

8 Ich vermuthe, dass das original durchweg eyöavei^w 
und eydävsioig hatte, wie sehr oft auch die abschrift (z. 50. 
72. 77. 79. 122. 131. 136). 

12 Statt cüQ de B. [«/ret] de nach z. 76. Ich nehme keinen 
anstoss. — 14 exöaviaif^rjvai. 

17 aq^ovrai. — 21 y.Of.iipdovg. 

25 ff. «l' xa . . yevoLXO . . dTcootsiXri . . TtagayevoLvto . . 
XiTtrj ist natürlich incorrekt, ob aber durch schuld des Schrei- 
bers oder des abschreibers , will auch B. nicht entscheiden. 
revrjTai': und naqayivoivxon'^ B. , der indes auch an die Strei- 
chung des x' und die herstellung des optativs denkt; nach 
den andern st. (z. 17. 82. 132 f. 135; 29 ff. 65 ff. 72 ff. 100. 
109. 125 ff.) ist dies das correkte, indem der conj. nur 103. 
114. 137, u. zwar mit gutem gründe steht. Confusion zwischen 
conj. u. opt. ist auch z. 84, wo nach z. 17 der conj. zu stehen 
hätte. 

33 die änderung nqoyeyqafiiievov scheint auch B. nicht 
nöthig. 

35 f. leyyixMv, sovxo, öoöevta. 

38 f.l£QXlX0V. 

40 xov aXxifuov, s. zu 5. 

47 evöofirjxovxa. 

55 avvaXXaaaovxai; das. (og abschr. und B. 

59 fuv aQiOxofxevrj. — 60 könnte man auch vrcavtä 
schreiben, vgl. Ttaqavxd. 

61 xQrjfxaxLCovTo. 

67 Bi (.iTj. — 69 aTToxBLa. hat die abschrift selbst z. 110; 
die Schreibung mit - 1 - (auch B.) wird darnach überall zu 
corrigiren sein. 

70 TiagaXaßovxi. 

74 Ttagaöoir^vxo; B. rcagadolev avxo, was nicht völlig 
passt. Tlag. xö (aQyvQiov)? x6 (KecpäXawv ^ tov xönov) vgl. 75 f. 
oTtoxsQOv XTfi. ? oder xo zu streichen, da xolg folgt? 

76 f. TtaqaöovxLj eyöaveiaowvxi. 

82 ev xe dtooei. 

84 «e/J?, exsQov (vgl. z. 17). — 86 xo/z^dong. 

90 nagcxycvovxai. 



206 F. Blase 

93 f. €(p€Q€&€iaiv, ay(jüvo&€Tir]g, Ttoifjtü). 
95 f. ovveÖQaLiovTai xa Ttagalaßeitj ; enaoTj] öoitj^rjorj. 
99 Ttagadovreg wird durchaus erwartet. — Das. u. 100 
rcaQaXaßovTi, Ttaqadovxiy ot de f.ir], 

104 «xAoyiC[«]ö-^w B.; nachher bekannt gewordene formen 
wie sXoa^^io müssen indes vorsichtig machen. 

105 dr]uoaLa, e^ead^o). 
111 aQLOTOfXEvrj. 

116 ff. öojVTO; cpsQETM ayia\f.isiov. 

121 awoLTieu abschr., ovvriY,et, B. 

124 f. eLonqaaaovTai. — Das. TtQoaigovvTai wage ich nicht 
mit B. in -wvTai zu ändern; vgl. oVrwg . . nwXovvxi inschr. v. 
Andania z. 102. 

130 ör]iii6aia abschr. B. 

133 TtagayevovTac abschr., naQctyevoiVio B. ; vgl. oben 
zu 25 ff. 

134 (xxQOL abschr., axQig B., a%Qi? Ahrens D. D. 384. 

139 ö[ß]ri B.; dagegen Ahrens D. D. 308. 

140 ßovXai, Hat, aXiat xad^iog e^ovai abschr.; B. ver- 

muthet, dass die zeichen der lücke nur die Unterbrechung des 
Zusammenhanges bedeuten sollen; in der herstellung trifft er 
mit Mustoxides zusammen. 

143 avad-sf.ievov noi abschr.; dvad^s'i^sv ojiol B., a. bnu 
Ahrens p. 362. 

144 fi". avad^sasig; yeyQa/nixevov ; tufii^. 

21a. 

C. I. Gr. 1846, stein unbekannten Ursprungs, oben ver- 
stümmelt, Maffei Mus. Veron. p. XXXV. Da der inhalt ganz 
ähnlich wie in nr. 1845, auch viele der naraen und die würden 
eines argarayög und Ttqoßovlog (z. 6) aus Korkyra bekannt 
sind, so stellt B. die inschrift vermuthungsweise hierher unter 
die korkyräischen. 

— — I (1) tov Ttävra xqovov. ei de [ti 

zwv iv Taide Tat \ (2) öoaei yeyQa]/nfj.evcov /nij rtoirjöai a jtoXig 
nad^wg yeyQarr[Tat,, tu \ (3) TteQiJovra (?) Ttdvxa eax(o Bad^vov 
tov l^yrjodvdQOv, ^iootqcctov \ (4) tov ylafxla-KOv, JiaxQiTOv tov 
2dd^(jüvog, JafxvXov tov Ja^v- \ (5) Xov^ JJoXe^iÖQxov tov IToXe- 
fidqxov, '^AvÖQüivog tov 2ioviw- \ (6) vog. atqaTayog Evv.XBiö{a)g 
Jiovvoiov. TtQoßovXog Ev(pQd- \ (7) vwq IdqxeXdov. rtoXeixaQxog 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 207 

i^QXi'on' l4Qxitt)vog. itiaQTVQsc; | (8) 2{i6)aTQaTog ^aida-AOv, Idyl- 
(.uov TeXaatüvog, l4Qiatof.t£- j (9) vi]g Atovvog, Xccq^uüv L4qx(xv- 
ÖQOv, "^vÖQtov ^wTiwvog, Zev- | (10) ^ig JtüQitovog. Elo^veyxe 
2ioaTQaTog yiai.uoy.ov. 

Die ergänzungen von B. — 3 Bdd-vog oben V nr. 8. — 
6 Evxlsiöijg Maff. — 8 JSoaTQazog Maff.; l4y{ri\i(x)v? B. 

22. 

Bleiplatte von Dodona mit orakelanfrage, Carapanos 
Dodone p. 72, 5, pl. XXXV, 5; Pomtow Die orakelinschriften 
von Dodona (Jahrb. f. phil. u. paed. CXXVII) s. 308. Auf 
allen seilen bruch; doch ist die inschrift oben und unten voll- 
ständig. 

Qedg. s/rr/.oivi6vv^ai KoQy.[yQaLOL xiöi Jl rcot Ncuml j 

(2) xat töi .Jitüvai, zi'jvi /.a d^eüv \ji rjQiöwv d^vovxag Aal \ 

(3) ei'xojuevoi '/.ä?J]liaTa xat a[^tffra aal vvv aal etg \ (4) zov 
STteiva xQOvov^ foiX€oie[v. 

Die ergänzungen von Pomtow. üeber die zeit s, zu 23. — 
Auf der rückseite steht ein grosses A, nach Pomtow priester- 
vermerk, = ddf.iov oder öa/iiöaiov. 

23. 

Desgleichen, ('arapanos p. 72, 4, pl. XXXIV, 4; Pom- 
tow das., der das fragment XXXIX, 7 damit combinirt. 

Qsöv. T[y']xav dyad^dv. \ (2) s7t[i]iioivi6vTai, zol Ä[o](>xt'- 
Qa^loi] J[iL I (3) NdwL y.al zat J[jL]wvai., rlvi xa [ß^lstov [rj | 

(4) rjQWijov i)-vov[T]Eg '/.al evx[o]f.i£Vo{i) \ (5) 6/itovoouv «[/rjt tw- 
ya&ov. 

XXXIX, 7 giebt die 4 bez. 5 letzten buchstaben von z. 3 
und 4. — Z. 2 [rtöi. Jl tioi Carap. - Fouc. , was für den 
räum zu viel; [tiot Jl Pomt.; es ist aber in XXXIX, 7 über 
dem Q von z. 3 noch rest eines A, was diese beiden ergän- 
zungen ausschliesst, — 3 in NAQI ist hinter A ein spalt; gleich- 
wohl ist nach dem faksimile NA[I]QI nicht wahrscheinlich. Der 
rest schon von Carap. ergänzt; 3 ende (XXXIX, 7) MENON 
des faksimile. — Pomtow möchte diese anfrage mit dem durch 
compromiss beendigten bürgerzwiste i. j. 410 in Verbindung 
setzen; aber allein schon iVaW mit fehlendem /. weist uns ins 
spätere 3. Jahrhundert. Auch nr. 22 wird wohl kaum mit recht 
von P. in die zeit bald nach 425 gesetzt. 



208 F. Blas» 

24. 

C. I. Gr. 1848, stein in Korkyra, widmung eines anathems 
seitens des prytanencollegiums, wie nr. 1847 (nichts dialekti- 
sches). 1849 (s. u.). 1849 b (römisch). 

. . . 6^€vog Molioza TtQvza- j (2) vevaag y.al oi ovvaqxoi \ 

(3) . . wv Mo'k(jo[t']a '^ly.sTaidag | (4) K[lea]Qxos ytiov- 

tog 1 (5) Q . . . Qov S^eoig. 

Z. 3 ^iKSTceiöag vgl. ^ ^giaroldiöag nr. 21 (von '/xerag, 
^ 4Qiar6Xag). 

25. 

C. I. Gr. 1849 vgl. add. p. 986 (Forchhammer); Mu- 
stoxides Delle cose corciresi nr. LIII p. 221; Wachs muth 
Rh. mus. XVIII, 557 nr. 70; Lenormant das. XXI s. 518 
nr. 334. 

Oilo^evog ^laxQicovog | (2) x]al avvägxoi ^Aqtäf.tiTL. 

z. 1 von Forchhammer gelesen; lAPT z. 2 von Le- 
normant. 

26. 

C. I. Gr. add. 1849c; Mustoxides nr. LXXXI p. 234; 
Wachsmuth a. a. o. s. 558 f. nr. 75; Lenormant a. a. o. 
8. 517 nr. 333. Der stein ist oben verstümmelt. Widmung. 

- — I 2d-s[}'i]7t7tog ]Ayad^oy.Xtog \ (2) Tifxiov ^zgärutvog \ 
(3) . . . Iwv l4fX(pLod^ivEog \ (4) z/a[;«]a/j'«rog Oilavögida \ 
(5) . . xdöag l^giaroKleog | (6) KaXXiag uiQLOxoKQäreog \ (8) . . . . 

ad^ivr]g /ndyigog \ (8) Qog vrtrjghag \ (9) tov aotog | 

(10) avog olvnxoog. 

In der angäbe der zahl von fehlenden buchstaben ist 
Mustoxides wie immer unzuverlässig. Z, 1. 4 bergest, von B. ; 
ders. z. 3 ©[e^aj/wv (ebenso möglich QeaQiwv); nach Lenor- 
mant scheinen 4 buchst, zu fehlen. Z. 5 AAAZ M., 

. . AAAZ (mit einer kl. schrägen linie zwischen A u. A) B., 
. . XAAAZ Len, — 7 die Schreibung /ndyigog bezeugt eine 
archaische inschr. von Epidauros, ^Ecprjfj.. dgx- 1885, 197. 

27. 

C. I. Gr. 1850 (Montfaucon Diar. ital. p. 422 cf. 430), 
stein in Korkyra. Testamentarische Schenkung. Vgl. Dobree 
Classical Journal XXX, 140, 1 =- Rose Inscr. graecae p. 408, 1. 



Dialekt-inschriften von Koriuth etc. 209 

Geog tvxav. l4QiaTodd^t{a)g AE [ (2) KATAIMAXXIAAN 
dldcüTL - I (3) TIoXvTif.iwi .... cn y.d (ri) ndöxr^ rdv yäv - . | 
(4) 'ETrä^o[og] l4QLOtoddf.iav[Ti. \ (5) Ja/iiovxiSag E[v]x.lElda, \ 
(6) IIoXvTLf.ia)i [ß>L]X(i)VLdag ^(l)axvXov. \ (7) rdv iv Kviai - -. 

Die abschrift scheint sehr nachlässig zu sein; z. 7 gehört 
offenbar hinter yav z. 3 (Dobree). Am ende von z. 2. 3 sind 
fehlende buchstaben bezeichnet. 

Z. 1 l^QiaTodd/iiag Dobr. : l4QLaz66aN\OJ.. — dsadrag 
BttY-Xidav oder Maxdta 2if.iixiöäv Dobr.; z/€xara(?) sy Bax- 
Xiöav B. 

3 ff. von Dobr. hergestellt. ^ETtd-Koog = (lOQTvg. 

28. 

Eine bedeutende anzahl von Ziegelsteinen mit eingedrück- 
tem namen des prytanen, unter dem die Verfertigung stattfand, 
sind im C. I. Gr. 1851-64, add. 1862 b, bei Vi seh er Epigr. 
u. archaeol. btr. s. 4 f. nr. 5—19 (kl. sehr. II, 9 ff.), Wachs- 
muth Rh. mus. XVIII s. 547 nr. 4- 19 (aus Mustoxides 
Delle cose corciresi), Y. Lenormant das. XXI s. 402 f. 
nr. 289 — 291 mitgetheilt, Formel etzl (AytjodvdQOv). Für den 
dialekt ist der ertrag gering; ich hebe hervor: etcI Alaxvllaxov 
(C. I. 1852, vgl. V. s. 5). yil€^ixiay.ov (V. s. 12, deminutiv 
von l4X€^i-KXfjg?). l4^iiofii]Tov (V. nr. 5). l4QiöTia (W. nr. 4). 
'y4()iaTOxX€og (C. I. 1856, vgl. V. s. 5). l^QLaxof.dvEog (W. nr. 6). 
Botaxov (C. I. 1858). BovßdXov (das. 1859, vgl. V. s. 5). Ja- 
fzoaia (W. 7; etwa z/af^aala?). ^Egif-ivdotov (V. nr. 6). Osgeia 
(W. 11; Qegaia?). NavarAQdveog (C. I. 1862). NiTio^iqdEog 
(V. nr. 16). 2ioa»ivEog (W. 15). 

Die inschriften auf schleuderkugeln von blei und erz (C. I. 
1865—1867; Vischer s. 3 f.; Wachsrauth s. 550. 577; Lenormant 
s. 518) übergehe ich, weil sie für den dialekt nichts bieten, und 
ausserdem z. th. an den ärgsten Unsicherheiten der lösung und 
deutung leiden. Unerheblich sind auch die inschr. auf lampen, 
bechern u. dgl, C. I. 1868; W. 55-66 s. 554 ff. (nr. 63 Msve- 
KQdreog) ; desgl. die auf münzen (sehr reich Catalogue of Greek 
coins 7, 115—167). 

29. 

C. I. Gr. 1870, grenzstein. Noch aus der zeit des dialekts? 
Jtog MrjXtoaiov. 

Andere grenzsteine Lenormant s. 404 nr. 298—299. 



210 F. Blass 

30. 

C. I. Gr. 1871, stein im Museo Naniano. 

— xfW I (2) — -/.gaTSog I (3) ^Egf-iä^i 'Hga^Xel. 
^EQf.iai Mustoxides. [Ö>£o]xfW [JToAi']x^aT£og Paciaudi. 

31. 

C. I. Gr. 1873, ziegelsteinfragment. 
- - - ag lAcpQOÖlxai. 

33. 

C. I. Gr. 1878; Mustoxides LVIII p. 225 (Wachsmuth 
72 s. 558). Basis einer ehrenstatue des M. Agrippa. 

O da/iiog 6 tiov Koq^vqüuov \ (2) Mägy-ov lAyqiTiTtav avto- 
•/.qazoQa \ (3) rov avxov TidxQoyva -/.al oioxrjQa \ (4) d^eoig. 

Z. 3 TTATPONA Maffei, aber mit Q Mustox. 

Aehnliche inschriften 1879 (Germanicus Caesar; dorisch 
nur a noXig); 1880 (M. Antoninus; dor. a 7t]6Xig a Koqkv- 
galiüv, und a'JvTag); 1881 (M. Calpurnius Bibulus; ä nolig, 
€V€QyeTa[v'], 'Eg^iäi); Vi scher nr. 24 s. 11 taf. II, 2, Mu- 
stoxides LIV p. 229, Wachs m. nr. 74 s. 558 (a rcohg Te- 
[jgs]v[Ti.avav'] (so Must.) Nlyqov yvv[cuy.a\ xav \iiQeLxevov[aav])^ 
Vischer nr. 28 s. 12, Mustox. LXIII s. 221, Wachsm. 73 
s. 558 {a nöXig NiyiaQxov ^a'Kqixov dgexäg sv€'/.a xal evvoiag 
tag eig avxdv ^soXg). TlagvaoGog 1880 p. 162: a TtoXig Mva- 
oiXav I ^Qy^i(.nqdeog dgexäg \ sveuev i^al evvoiag | i^eolg. 

33. 

C. I. Gr. 1907 b. Grabschrift. 

MoXwxi xat^e. 

Die grabschriften späterer zeit bieten für den dialekt 
ebenfalls wenig oder nichts. C. I. Gr. 1896 &so/injör]g Hqioxo- 
Xdida. 1901 Klso^eva. 1903 ^a^la 2:ofpiov, ^ocpiog 2oq)o- 
xXevg. 1910 JldvTiiog KoQivd^iov. 1911 uivoiatgätov Ileid^eiag 
{nsLi^iag ^vaiaxgdxov? B.). 1913 ^dtiavögs nix{d^)vl€ (TTI- 
TOYAE) yaiQExt. Wachsm. 36 s. 552 Kagyta yalge. 44 0t- 
Xiaxlg l4Qiaxo/usdovxog , ^HgdxXeia l4Qioxo/ii&dovxog KoQy.vQaia. 
45 WiXo^eva | . . . voii-idyov \ yalqe. 49 BoiXda xalge (vgl. den 
namen BoiXiqv in Dyrrhachion). Korkyräisch sind auch die 
drei im C. I. Gr. (nach Bröndsted) fälschlich unter Kephallenia 
publicirten grabschriften: Eigdva, Koaavcfa, OaixvXe x«*C*> 



Üialekt-inschriften von Korinth etc. 211 

C. I. Gr. 1930c, Wachsmuth (nach Mustox.) s. 582 (wo 
Kooovqxx^ offenbar falsch), Lenormant s. 517 f. nr. 332. 336. 
335. — Riemann Corfou p. 48 (n. d. abschrift eines Kor- 
fioten): 0iXaLvo[y] Jiwvvaie {?,\c'^) XcTiQe. Lenormant s. 403 f. 
nr. 295. 300: ^Yipij^iedwv, ^ATteXX^q Qefiiacüvog. 

Die metrischen grabschriften aus späterer zeit (C. I. Gr. 
1886. 1897. 1907. 1914; Romanos Mitth. d. arch. inst. II, 
290 f.) zeigen zumeist noch in weit höherem masse als die 
älteren einen gemischten dialekt. 1886 (Kaibel Epigr. 184) 
V. 5 Tcoxa (daneben XrjOTcig acc. plur.). Ich weiss nicht wes- 
halb Kaibel hier v. 3 Ttai^ vtvo yaiai statt räid vtco yaiai 
schreibt. — 1907 (Kaibel 185) v. 15 Te^zQtSxovra ; 16 vre 
dXicüi {vTv alio) Ahrens D. D. 39). V. 9 f. schreibe ich sv <5' 
asivaov xaTsiä' 'O/hi^qov deltov (EYAAEINAOI Schinas, EYA- 
AEIAOI Dodw., EYAAEINAEOI Must.). V. 12 x«t ^^ng a 
ßagfjia (AKAPNIA)* rüv irt digeyieg öaelg (AA0ET Schin. 
Dodw., AA.EE Must.) ccTtdvTwv. — 1914 (Kaibel 183) sind 
zwei epitaphien, 1—4 auf Alken, 5—8 auf Sinnas. 

34. 

Diptychon von blei, auf einer gräberstätte gefunden. Bullet, 
dell'inst. 1848 p. 72 (nach Orioli); Mustoxides Delle cose 
corc. nr. LXXII p. 237; Wachsmuth Rh. mus. XVIII, 559 ff. 
Verfluchung von gleicher art wie zahlreiche andre stücke der 
verschiedensten orte, Zeiten und sprachen, die Wachsmuth 
a. a. 0. zusammenstellt. 

ava I (2) 2iXavov rbv voov xot väv yktaa- \ 

(3) aav T0VT61 yiaTayQdcpcD. xat twv f.iccQ- I (4) tvqcov tcov JS't- 
Xavov tdv yXwaaav x- | (5) al tov voov rovrel xaray^cr^w. 
^ErtaL- I (6) vizov tdv yXcoaaav xal xbv voov tovx- \ (7) et 
xarayQdcpo). L4y^vog tdv yXwaaav \ (8) xat tdv voov Tovrei 
■^atayqdcpw. Tif^iaQs- \ (9) zag zdv yXwaaav xat zov voov zov- 

zet xa- I (10) zayQaqxi) — — — — 1(11) — — fw- 

(paivzat. 

Z. 1 nach Orioli u. Must, auch xa möglich; ergänzen lässt 
sich weder diese noch die 11. zeile. 

35. 

Apollonia, Joh. Schmidt Mitth. d. archaeol. inst. VI, 
146. Votivrelief (Artemis); junge schrift. Drei Zeilen; es steht 
aber l^ygöza unter ^AQzdfiizi und /av unter ev. 



212 F. Blass 

(1) ^(.ifiiXa I (2. 3) l^QtdfÄiti 'Ayqötct (d. i. lAyqotiQff) 

36. 

Daselbst, Schmidt s. 135. Gleichfalls votivrelief; schrift 
ähnlich. 

KeQÖfüv yiq- I T€f.iiTi av^ccv. 

37. 

Die grabschriften von Apollonia (C. I. Gr. 1829b; Heuzey 
et Bäumet Miss, en Macedoine s. 402; Aristarchis 'O ev 
KiovatavrivovTtöXei kXXrjv. (piXoX. avlXoyog, avyyg. neqwd. ly 
8. 84 ff., ahg. 52 ff.; Demitsas Mitth. d. inst. IV, 232 f.; 
Schmidt a. a. o.) haben kein dialektisches interesse. — Sehr 
zahlreich sind die münzen (^AnoXktovLOLxav) mit magistrats- 
namen (Mionnet II, 28 ff'.; suppl. III, 314 ff.; Catal. of 
Greek coins 7, 56 ff.). Ich hebe hervor: 'Aqx^Xaoii. Oef^iatoxleog 
(so stets die genitive von denen auf ~r]g). Segaia. UeXliog 
genitiv. IIoqtivov. ngsvgddov, doch wohl = nXsvqdxov. Die 
namen auf -r^v s. unten bei Dyrrhachion. 

38. 

Dyrrhachion, Heuzey et Baum et Miss, en Macedoine 
p. 376 nr. 150. Grabschrift; gute zeit. 

l4vt[i]Ttar\_Q]og Ev7roX[lÖ]BLog. 
So Heuzey; der verstorbene wird ein Thessaler gewesen sein. 

39. 

Daselbst, Heuzey p. 386 nr. 166. Späte grabschrift. 
EvipQCug IIsQiyiveog xolqe. 

40. 

lieber die münzen von Dyrrhachion vgl. ausser Mionnet 
II, 37 ff, suppl. III, 329 ff. J. Brandis Zt. f. numism. I (1874) 
s. 56 ff.; Cat. of Gr. coins 7, 65 ff. Es sind drachmen und triobolen, 
z. th. erst unter römischer herrschaft geprägt. Auffallend 
häufig sind hier und in Apollonia die namen auf -lyv, die in 
Korkyra, Korinth u. s. w. zwar ebenfalls, aber doch nur ver- 
einzelt vorkommen. Ich stelle die mir bekannten zusammen: 
läyrjv Korkyra oben nr. 34, auch in der metr. grabschrift von 
Kork. Mitth. d. inst. II, 290 (oben unter 33), wonach das a 



Dialekt-inschriften von Korinth etc. 213 

lang. Bekannt ist das satyrdraraa '^yjfv des Python. — *^Ax?J[v] 
Amphilochier Korkyra C. I. Gr. 1914 (oben unter 33), nach 
V. Wilamowitz u. Kaibel. — !//^rj»'(?) Apoll. Mionn. suppl. 
nr. 17. — IfdQiOXTQV Dyrrh. Apoll. — Idqxiqv Dyrrh. Apoll. — 
BoiTirjv Dyrrh. Brandis s. 60, Cat. of Gr. coins nr. 45 f. — 
Boil^v Dyrrh. Mionn. Suppl. 157 (vgl. Boiläa Kork, oben 
unter 33). — FoQyrjv Dyrrh. — Jaf.irjV das. u. Apollonia 
grabschrift Aristarchis a. a. o. anhang s. 49. — KalX^v 
Dyrrh. Apoll. — ^a^v Dyrrh. — ^vxj^'v das. Brandis s. 59, 
Cat. of Gr. c. nr. 92. — yLvarjv Dyrrh. Apoll. — Meli&rjv 
Phleius (oben IV, 3). — Mvaoriv Dyrrh. Apoll. — Niyt.riv 
desgl. — TlaQiiirjv desgl. — üareQ^v Dyrrh. — llvd-ijv 
Korinther bei Thukyd. — Tif.ir]v Apoll. — XaiQiqv das. 
(auch Mionnet nr. 21 XacpQ^v wird XaiQ^v sein). 

Von sonstigen namen hebe ich hervor : Jd^iog nomin. z/a- 
voxXsog (so stets die genitive derer auf -i^g; nur einmal Br. s. 67 
nayKQa-cBvg). 'E^axaoiog gen. ? ? M. Suppl. nr. 166, wohl nach 
nr. 172 und Br. s. 64 in ^E^axiarov zu emendiren. 'EoQTaiov 
Mionnet 114, Br. s. 63, Catal. nr. 65 ff. (corrupt anderswo 
Eogaiov und EoQiaiov). Evvovg. Gsgola. KlEitovi/nov? suppl. 
nr. 270. Kvgßdaov. Avy.iay.og vgl. Mevio-Kog., NeßQiaxog, IlaQ- 
^levioKog, (Davioy-og. Msvixya (kurzname zu MsvsKQdtrjg? Me- 
viy.ta wohl verlesen Br. s. 67). Naaqxiäa. Jlvqßa (auf einem 
andern exempl. TTYPPAX, Suppl. nr. 227, Br. s. 65). 2r]ydQ€og? 
Suppl. 236. 

Vil. Unbestimmt. 

Bleitäfelchen von Dodona mit orakelanfrage, Gurlitt 
Archaeol. epigraph. mitth. a. üesterr. IV s. 61 f.; Röhl I. gr. 
ant. nr. 332 (Imag. p. 6(J); Pomtow Dodon. orakelinschr. 
(Jahrb. f. philol. u. paed. CXXVII) s. 344. Links und oben 
(ausser einem kl. stück in der mitte) verstümmelt. Korinthi- 
sches €, welches aber nur « bezeichnet; j/ ist H, dagegen w 
0. Das hat das kreuz; i und a haben die gew. ionische 
form. 

^ErtiKOiv^Tai] . . . AZZX . | (2) //t xat Jnävai , tI]vl xa 
^«w- I (3) V rj dai(.i6v(jnv rj riQ](D(Dv evx[o- \ (4) ^«vog xat d^vwv] 
vyirjg sXrj. 

Wesentlich ergänzt so schon Gurlitt, nur dass dieser z. 2 



214 J. Kaulin 

durch zufügung von Ndicoi (im text auch der artikelformen) 
allzu lang macht. Jil xal Jiojva Röhl, Jl xal J. Pomtow. 
Z. 1 f. Pomtow L^v'jaaaxle-lTog; doch scheint mir weder a 
noch X (obwohl schon Gurlitt beides liest) nach dem faksimile 
irgend sicher, und zwischen den beiden a kann recht wohl 
ein i gestanden haben. F. Blass. 



lieber die (lettische) mundart von Saussen und 
Fehteln (Livland)^). 

Die ausspräche des ä ist hier nicht ganz die normale, 
schriftlettische, sondern neigt sich ein wenig zum o-laut; sie 
congruirt der ausspräche des russischen o vor dem accent, z. b. 
in MojioKü, KopoBa, Mojin^i.ei^'b , roBop«. Spricht man das ö, indem 
man den mund stark zum lachen verzieht, so hat man den 
hiesigen a-laut. — Ein getrübtes i, das dem russischen w und 
Witebskischen y entspräche, kommt in Saussen nicht vor. Das 
i in nafinu ist ebenso schmal, wie das in Uni, mini, Uni, wim^ 
innig. Hebe, nnTb, Gan. Auch das breite l (ao6-b, .iwöHyTb) kennt 
man hier nicht. 

Was unserer mundart vorzugsweise ihr besonderes gepräge 
gibt, sind ihre Umlautserscheinungen. Sie sollen deshalb zu- 
nächst besprochen werden. 

I. 

1. ä vor dem i 
lautet um: äbi beide*), rädi verwandte (neben rads, rada, radu, 
rädeem), iräU räder, wagen, bäri scharen oder auch 2. sing, 
prät. von }^a-)bärt schelten („zanken" heisst bäertees), käri kriege 
(käeri begierige, oder „du hingst auf" von kart), wärt du kannst, 

^) [Die obige höchst wertvolle Schilderung der Saussen-Fehteln'schen 
mundart war ursprünglich in briefform abgefasst und nicht für den druck 
bestimmt. Für ihre gegenwärtige fassung bin ich verantwortlich. B.] 
*) [In diesem worte ist nach herrn Eauliii der umlaut durchgeführt: 
äbu, äbeem, äbus, übös. Anlass zu dieser Unregelmässigkeit mag der alte 
nom.-akk. fem. abi = äbi (in Saussen so vorkommend) gegeben haben. B.] 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 215 

färi zweige {feri borsten), äfi die aehse accus, oder „scharfe" 
von afs scharf, gäni hirten, du hütest, kälpi knechte, wcHgi 
zäume, näfki schnell, ivüfki wachs, käpi kirchhof, äzi das äuge, 
ßcali pergel, ftöhl pfosten, gärdi die schmackhaften, ärkli 
pflüge, wäldi regierst. — Ueber fapins und andere ausnahmen 
(auch der folgenden regeln) s. unter VII. 

Das ä in den präfixen ^j»«; fa, da, ap, at lautet vor dem 
t nicht um: jmkrift, apbirt, fcißß, dalikt, hadu pamirt, at/i/t, 
apwilkt, pagiß, dairt, faßlß es wird erwärmt. 

2. ä vor dem l 
lautet um: fwärlgs wichtig, gärigs geistlich, liibiba getreide, 
härlba speise, wärwlkße regenbogen, ßizit sagen, ädit stricken, 
wädit begleiten, hädlt stossen, krätit schütteln, mänit bemerken, 
gmlt weiden, fwänlt läuten; auch das ä in den ^v'M. pa, fa, 
da, ap, at macht hiervon keine ausnähme: pälidf er hilft, 
pärit übermorgen, päkrlt er fällt (aber pakriß), pädßf, fädfit 
hineintreiben od. heilen, ätflt erkennen, päfit kennen, ättU los- 
wickeln, ßiwlt zusammenwinden, dällß hinzukriechen, äpliß 
wird nass vom regen, ßibitees sich erschrecken, f äpliß wird 
zerschlagen, zerrissen. — Liegt jedoch zwischen dem a dieser 
präfixe und dem i kein consonant, so unterbleibt die umlau- 
tung: palßnat verkürzen. Die Pebaliter sagen pälßnät 

3. «vor t — i 
hat den umlaut: fäßti du zerschlugst, päliki du legtest dar- 
unter, du bliebst, läbini locke!, atfwöbini befreie, tu kiäbini du 
klapperst. Hierher gehören wol auch die Wörter smf infßh ma 
mit vorangehendem a: kälninfßh kleiner berg, gälintßh kl. 
endchen, rätintßh spinnrad, färintßh kl. ast, kätlintßh kessel, 
auch mäfim kl. haare, ßäbini kl. pfosten, fälina kl. insel 
(ligewina liebchen, junges weib, s. unter 5), mäßna die 
kleine (mäeßna Schwesterchen), älina kl. höhle, mälina ränd- 
chen, räßna kl. thau, käßna kl. ziege, känina kl. kanne. — 
In Pebalg sagt man Ints Ina statt intßh ma: rätints, rätina, 
rötlnu, mätlnfs, gälivlna, fälina, mäßna (Saussen: mäeßna), 
märzlna pfund (Sauss. mäerzma). Statt ints (intßh) hört 
man in Pebalg oft its sagen: kaulits, Sauss. kaulintfch, ßäbits 
{S.ßäbintßh); stets: ßoeplnts, kaklinfs. — Vebev pagidi s. w. u. 



216 



J. Kaulin 




4. a vor i — i. 

äpwiftit umwickeln, fämlftU verwirren, päfidU säugen, 
färidit zusammenhetzen, äptirit reinigen, pädidit. 

5. «vor l — i. 

läblblna das liebe getreide, bäribina , 2)älidßni ebne ein 
wenig, fkäplfchi kl. schränke, käriti den löflfel, fwäriqi wichjügv 
tiädfigi üx, käf tlH ksiStchen. Desgl. ä vor i — l: fämlfit aus der 
Ordnung bringen. 

Anmerkung: Wenn das dem «'-laut vorangehende a nicht 
der vokal einer Stammsilbe ist, so wird es in den meisten 
fällen nicht wie ä, sondern wie e ausgesprochen : llgewina s. o., 
nabedjigs statt nabädilys schriftl. nabadfigs ärmlich, grämetina 
büchlein, zeelewina kl. bachstelze, lldezina kl. hecht, wajedfiba 
bedürfniss, Daugeivina, päteri andacht (aber pätarös eet die 
confirmationslehre besuchen), gabelintfch Stückchen, ivakerinas 
abendessen, eemewi schriftl. eemaukti , paperkftUe farrenkraut, 
aferina kl. thräne, wagers aufseher, amefneeks handwerker, 
fchäleßlba schriftl. fcJfeMUßiba. — In läbma, läblha, bärihina 
etc. ist dagegen stets ein ä zu hören. 

IL 

ä (ah) geht vor folgendem i- oder e-laut über in äe. 
mäezit lehren ; vielleicht könnte man die ausspräche dieses 
vocals auch mit a'i bezeichnen, mäezit nur zweisilbig; räedit 
zeigen (rädit schaffen) , wäerpina d. kleine ähre , fträedigs 
arbeitsam, mspäerlgs allgemein, wa^>»U)e^Sgen (wä«i^ = manlt 
bemerken), gaenit verhöhnen (^«^if hulen, wemen), käerkli von 
kärkls die bachweide, .br^id. \^tt^^, ftäeftintfch kleine erzäh- 
lung, mäemina mütterchen, ^ k ä e^ e schaden, ganz anders ausge- 
sprochen a\s fkaida späne, baerens, baerene Waisenkind, käepe 
kohlraupe, gl äefe ?\di?,, mäete mutter, wäele ein Werkzeug zum 
wäscheklopfen ,. ^ ^>^ g iiM^ käepene schneelose stelle auf dem 
wege {kapmes^ ki1feWj,gf), medi solche, faiväedi besondere. Aus- 
nahm^!von dieser regel finden sich nicht. Die Pebaliter 
iehen das äe, das bei uns immer noch ein a-laut ist, in ä 
usammen ; sie sind also in der contraktion einen schritt weiter. 
Wir haben kein langes ä, das aus ah entstanden wäre, wol 
aber eins, das aus eh sich gebildet hat (barni = behrni, lani 
— lehni, grWä^ greftk^ Hierin besteht der hauptunterschied 



(Lettische) niundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 217 

der dialekte Saussens und Pebalgs. Die Pebaliter sagen nicht: 
täedi , fawäedi, mäete etc. sondern tadi^), mate, fäwädi (das 
erste kurze ä wird durch den folgenden g-laut [a] geschwächt). 
Bezzen bergers hypothese über die entstehung des a aus dem 
ä lässt sich mit bezugnahme auf die eben angedeutete laut- 
wandlung meiner meinung nach wol stark anfechten. 

III. 

Bevor wir auf die einwirkung des e-lautes auf das vorher- 
gehende ä zu sprechen kommen, sind die Variationen des 
ersteren einer betrachtung zu unterziehen. 

Das e und e (eh) des Schriftlettischen geht in einsilbigen 
Wörtern in a und a über: as ich, fagt decken, dagt brennen, 
döls söhn, mas wir, jal doch, na-dar taugt nicht (s. u.), wäU 
noch, fchäl schriftl. fchehl, täivs vater {täws dein), b mL M 
^.^jj^flielignj räts der seltene, räz brüllt (von rekt) , ^nads^ 
honig, wazs alt (wezs der alte), lads eis, läz springt, wfl[£jträgt, 
/ans seilet gewohnl. y*äen?; hänis kind, läns d. stille, gläws = 
schriftl. glehws, fpäks kraft, gräk:^ s!H^|de, markt weichen (schriftl. 
mehrkt, aber mahrks ieich), Ulkt springen (schriftl. /aiU«r!luliH«r*** 
Stange), wärpt spinnen (ivalirpfte) , _^aW gilt, malns schwarz, 
tväfs kühl, ficäts, äff essen, palt verleumden, järs lamm (aber 
pwärs, vmrs, kläts; s. unten). — e in der letzten silbe eines 
Wortes wird ä: rlhat, fka^iät, ßäwät, uifftlwät schwer anziehen, 
ft^^kät streichen, wilät, fpindfät^ taläns kalb, fuwäns ferkel 
(== /iwens), zmvaks; e bleibt hier unverändert: ferne, faule, 
toelCf fpoele, -fchnoere, ausgenommen, wenn es der Stammvokal 
des Wortes ist: dfart trinken, fafpart zersplittern vom donner. 

Folgen auf das e, e einige silben, so lautet dasselbe nicht 
jedesmal um, sondern da herrscht folgendes gesetz: 

1. e und e vor a, ä (— schriftlett. «), o, u 
gehen in ä und ä über: kapa tatze, ivaza die alte, azät eggen, 
walät die wasche klopfen, wälät wünschen, parät brüten, prazät 
heiraten, darät taugen (där'd machen), zarät hoffen, mätät hin 
und her werfen, fchalot bedauern, bäda trauer, aka gebäude 
{äka brunnen), dafa wurst, maklädämi, fwätu d. heiligen, jn«^^]^^ 
der Sünden, fpäku die kraft (aber fpaku; s. unten), jäkula 

*) [Der Singular dieses Wortes heisst nach herrn Kaulin in Pebalg 
täds, nicht teds, wie Lett. dial .-Studien s. 84 angegeben ist. B.J 
Ilsitrilge ■/.. Ininde d. indg. spwchen. III. 15 



218 J. KauHn 

langstroh, käräjs, fchalums, wälu, lapoetees, faklums, wärffuiwe 

— schl. wehrftuwe. 

2. e \or i, i, e, e, ee. 
Ein B, wie wir es in ehren, sehr, kehren hören, kennt 
der Saussensche dialekt nicht; das schriftl. eh lautet hier ent- 
weder wie das ä (s. die vorige seile) oder wie das a (während, 
gehären, här) , offenbar, weil es im letzteren falle das ge- 
schwächte ä ist: täwi väter (das folgende i schwächt das ä, 
das diese mundart in täws hat und daher das a), bärßntfch 
von härfs birke, ndeens von äft essen, pareens von imrt prügeln, 
ffärbtees sich kleiden, |^T>ei^6'|KT'6!4i^6ar«j kinder w. bärns, täwija 
Vaterland, parle perle, fi?4i^eens \. f trabt schlürfen, fwMeena 
Sonntag, fpäläfchana spielen, Zäfäneets (genit. von Zasis: Zäfu), 
male zunge, wälä wünscht, fpalä spielt (aber fpäle ^^\q\), 
fchkäle, fchkälä, /märeJ/inH^ scCT^ ert, \k äde ke tte.J kada 
kettet, käwe stute, äwelelioheS von amiiß% (statt äwAle; s. 
R. 216, 5. anm.), ärfels und urfalans d. kl. hengst, fabele siegel, 
fäffelä besiegele ! fä^elä im segel, fmajajs Spötter, warpäja Spin- 
nerin, dwäfele seele, barfchana das schütten (aber bäerfchana 
schelten, weil das ä, das nicht aus eh entstanden, nie in a 
übergeht, sondern nur in äe; s. o. s. 216). Ebenso; täwi väter 

— ^täewi du stehst, käivi d. stute — käetvi du tödtetest, pari 
prügelt^T*^ ^tHd Vi\»«^wäwerlts kl. weher — iräeiverite eich- 
hörnchen, /päre'~—"J-päere, kare —-lc^7'e, zali - zäeli, wali 

— wäeli, bärs braunes pferd — bäers waise. 

3. e vor t, i, e, ä, ä (= schriftlett. e, e), ee 
bleibt unverändert: wepris, ivezlts, lellits, ezäfchana, nefleen, 
pelni, plezi, weint, pele, melni, ferne, feinene, fivehne qualm, eile, 
lezekts, perwe (aber pärwät), kerwes, tele, tefmens, wedäjs 
führer, ftenäjs er habe gestöhnt, perafchana das brüten, zera- 
tees sich heimlich lieben, prezätees sich heiraten, peraklis (öfter 
pärklis) nest. — Eine ausnähme bildet ne nicht, dessen e auch 
dann zu a wird, wenn ihm i allein, oder i vor a oder u folgt: 
as nafinu ich weiss nicht, ivintfch nafin er weiss nicht, riagrib 
will nicht u. s. w. gegenüber tu nefini du weisst nicht, netfchikß 
(i!) u. s. w. 1). 

*) Bei der betonuiig der verneinten imperative findet sich folgende 
eigenthümlichkeit: der ton ruht auf ne- resp. w«-, wenn einfach ein 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 219 

Ueber den umlaut des e in 2 s. unten. — ee ist, ebenso 
wie das i, in Saussen constant. — Dass das i in faimnlza 
(nicht -ze) eine umlautserscheinung der Pebalgschen mundart 
ist (Dialekt-stud. p. 128), ist meiner ansieht nach nicht richtig, 
sondern „iza" ist eine schriftl. endung, die in bafniza, weefnlza, 
feernlza, eefälmza, russ. Mejr.Hnna, j-hcTUHua u. s. w. ganz ge- 
wöhnlich ist. 

Die ausspräche des vokales ä ist eine verschiedene von der 
des e-ablautes. Der letztere laut (o) zeigt nicht die geringste 
neigung zum o. rads verwandter, raU rad, 7'ats selten (schriftl. 
rets), räz brüllt (v. schriftl. rehkt) und räfs particip. pass. von 
rät verweis geben: ein jedes von den b a in den angeführten 
Wörtern wird anders ausgesprochen, ns ich lautet nicht wie 
das deutsche „ass" sondern ähnlicher dem „aas", das ä in pats 
lautet anders, als das in lach eis, und dieses wieder anders als 
laz springe! und läts billig (= schriftl. lehts). 

IV. 

Will man ein schriftl. wort, in welchem auf das ä eine 
oder mehrere e-silben folgen, nach dem Saussenschen dialekt 
richtig aussprechen, so muss man erst darauf sehen, ob die 
letzteren nach den obigen regeln umlauten oder nicht. Ferner 
beachte man folgendes: 

1. ä vor dem a, das aus e oder e entstanden, 
bleibt unverändert: Jcazäns kohlstengel, schriftl. kazens (russ. 
KoqaHi,), kakä7is, taläns (schriftl. telens), hakäns, päläns etwas 
still = palens (aber 2^(^^^^^ manschen), danaß hinzutragen, 
pawaft führen. 

2. a vor e, ä, ee 
lautet um: iaJle ball, m^e klasse, \^ä£(3 tasse, wäteneJg^i'iQ, 
älene hummel von aZa höhle, räfene frauenmantel , läpfene 

verbot ausgesprochen werden soll : ne/kreen, näaldf, natf/kar, nä'Ji geh 
nicht; will man aber mit dem verbot eine drohung verbinden, so wird 
die Stammsilbe des verbs betont: naäldf höre auf zu bitten, oder ich 
werde dich entfernen lassen, nmffkin- rühre es nicht an, oder es geht 
dir schlimm, nafchaüßees, ne/chkt/tän .' was schreiet du, teufel, es ist doch 
zu arg. Die hinzufügung der drohung (wie: naXf/kär, zitäedi tew ees ßikti) 
kommt fast nie vor. — Ein Unwille, eine Verwünschung bewirkt in ähn- 
licher weise Veränderung der betonung: nadod, tu deewin! ach gott! ak 
tu /alä'eplts kakis! du verfluchte geschiebte. 

15* 



220 J. Kaulin 

wespe, käläjs schmied, mälajs , fäleen kriecht hinein, kä- 
meens baumrinde, wäreens mächtig (schriftl. warens), färeem 
den ästen, mäße die kleinen, käpeem dem kirchhof, äheem 
beiden, hälfeens das bindeholz beim Schlitten (aber helfeens 
schlag), päfläpenes das bauchende bei den thieren (von paflept 
verbergen), käreete kalesche {kärlte löffel, auch karoete), würde 
frosch, päpäds ferse, pämeelof bewirthen, pämeeiot etwas hefe 
suchen, äpeet umgehen, päfkreet laufen, päfädi sitze ein wenig, 
fäfeet zusammenbinden, kärfäklis v. karfei heiss machen. 

3. «vor ei. 
pämeitot zu mädchen gehen, käpeika kopeke (aber kapfeins, 
warum?), äpfweizinät begrüssen, pämeita Stieftochter, päheigt 
beenden, fäteikt einreden. 

4. ä vor dem e, 
welches aus a entstanden, s. o. s. 216, erleidet keinen umlaut: 
laketinifch, pape7'dite, gabelinffch, nahedfintfch, aferma, uf ica- 
kereem nach westen u. s. w. 

5. ä vor ai 
lautet ebenfalls nicht um: ^ifar2hj»i8^mil'*>fewijjlen verSteJignl/yfca- 
rains, gabalains, garainas ätinste, palaift, apmaifü, poKaifit, 
famaifit; desgl. fpärnains nicht fpäernains. 

V. 

geht über in oe. 

Dieser umlaut entspricht ganz dem, aus ä in äe: roezina 
händchen, roebi von rohs, loepintfch, wl!TP»»4^^'rti^n, j//oec?/'i^ 
belasten, loezit biegen, ftoepintfch, oere Iastwageii,:^^eD^H^^^__^ 
loede kugel, fpoele spule, fkroeders Schneider, tväloedfe pirol, 
boems, roens, foefs gans, kroefe krug, doefe dose, roefe rose, 

k"iftMjlnie hörner, foetd bieten. 

Ausnahmen s. unten. — Das kurze o, wie gesagt, kennt 
unser dialekt nicht. 

VI. 

ü geht über in u'i (ue). 
muizina kleine tonne, muineem, muini *), guhüina kleines 
feuer, fkuidre ameise, guilfma (aber 7?///^), ^huif.^1^ t\^ „flaacltjiPi 

*) Von muntt (fem. muna, acc. munu) = mans mein. Auch in mun 
„mir" ist bei uns a zu u geworden. 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 221 

zapuire mutze, papuiwe brachland, puitens Schneegestöber, uipe 
fiuss, ruipi grob. — Auf das lange « hat der /- und «-laut 
keinen einfluss: üdeus, müfchlgs, hüwe, hüri, kvle drasch (kvla 
pfriemgras). 

VII. 

Wenn zwischen dem ä, ä, o, ü und dem folgenden i- oder 
^-laut ein ff, §, k, k, i, n, fch^ fch, tfch, dfch, j steht, so kommt 
eine umlautuug nicht vor. 

/■ "' 

(nagt nägel (aber nädfim), ragi (rädfini), fagls, fagligs 
diehiscK^aagh heisst bunt von Schweinen (aber deglis feuer- 
schwamm von dagt brennen), agri, logi, krogi (aber kroedfintfch, 
kroefe), fchogi (nicht fchoegi) geflochtene zäune, oglina kl. kohle, 
aber oelina kl. ei. 

/ ^- . . 

((ams (nicht fäegis) säge, wägt, fogi richter (aber foedlt 
strafen), pägidi dir fiel es ein, kuge (nicht kuige) schilf, luges 
Schneeschuhe, brugis fundament, klugis griff zum drehen, fprogh 
der krause, fkrägis. 

k. 

akmens, nakti in der nacht, jakti die jagd, kaklinf/ch 
(käüintfch), rak/fiC lakftigala, laktma^okftarät, hakftif, aUi 
(aber ärkli)^ plakteem den wanzen, faktei der brosche, plaktmi 
Pfennigkraut, flakters schlächter, J^^]^^^^^^^ schlacht, kaktinä, 
blakeem neben einander, wäki (nicht wäeki) deckel, mäki beutel, 
mäki d. verstehst {mäezi d. lehrst), fäki sage!, fäki d. fingst 
an, koki (aber koezim), fpoki, loki (loezi)^ JsM (j'^^^^ spass- 
\i2di)Jfcfhimki Bchön, tukli feist, lahaki, wazäki eitern 




h 

kakis, fnkis, hräki, hräki, blakeem (ebenso blakeem) i^jjgfegjjag,^ 
päckchen, fpeka (nicht fpaka) specks, äkis haken, bluki (nicht 
bluiki) stamme, /Ä:?^A:/s backfiscK^ fkrukis ofeneisen, puke blume, 
fwäkis schmurgel. 

^v \ 

m th^häben (al%*s4gl{^ th^lliiyi),| gra^W zartes fleisch 
(abeÄ. gälmti des endchens), ja^a umi/fälma, fpaU flachs- 



222 J. Kaulin 

Stengel, hrM{ brraer (bräeli den bruder), zäii küchlein {zäeli 
acc. sing.), /oii schritte, foeli den schritt, foellj biete! foeli 
bänke v. fols, fola etc., toiu (toele), fpolu (fpoele), fmnii 
schmutzfinke (ßnuili), ivaiigs, Gibuii ein gesindename, RumuU 
desgl. (neben Rutuüi desgl.) ^). 

n. 
fkani tönend (fkäni töne!), pl(mi dünn adv. (pläenl ,,die 
dünnen" oder „das tischmesser"), roni{roeni acc. sing.),^amvon 
fpäns spann, ßmi (mchtfuini) von Lfuns ^ Jiiind ,, (Die endung ns 
lautet in Saussen immer wie nz). Warum nicht fuins, da es 
guins, fpäns heisst?^). — Imnina , fcmeem seitwärts {faeni 
Seiten). 

fch. 
pqfcheem (nicht päfcheem), plafchi breit adv. (aber pläti), 
drofchi, droffi dreist, o/chi, oefi esche, lafchi, grafchi (grä/s), 
nafaprafchi, afchi, (ifi scharf (ä/7 achse). 

[eh. 

na fehl (aber nä(i), dafchi, fp)ofchi {fpoedri)-, über fpodn'nät 
s. unten; kufchina liebkosungswort für pferd (kufchinäm still), 
grofchi (groefi), gliifchi, gäldi glufchi gluidi die tische sind ganz 
glatt, rafchigs ergiebig, bafchitees sich beklagen, wafcki leine. 

^ tfch, dfch. 

Iklutfchi (kluizs) klötze|^ klutfchkinas klimpchen, matfchkina 
frauchen, bruntfchi, dant/chi (dänzs), Sprantfchi, krantfchi 
bunde mit weissem halse, dadfchi (nicht dädfchi), wadfchi, 
radfchu gabeli kalkplatten. 

j- 

mäjina, käjina, kräjigs sparsam, peekläjlgs anständig (kläe- 
tees), waj'iba schwäche, fkuj'ma, pujene, fäji flaue, gäji, jäji, 
räji (nicht raeji, aber raji belltest). 

Geht den eben aufgezählten consonanten ein r unmit- 

*) Die namen der gesinde stehen hier alle in der mehrzahl und 
haben meist unlettische (livische?) wurzeln; z. b. Staugäni , Kanhi, 
Mäfchnäm, Smiki, Jäkäni, Deetfchi, Sldeni, Rafäni, Widoeti, Kaukuiri, 
Muizänt, Bruitäni, Boekäni, Wältini. '^) [Weil /uns, neugebildeter 
nominativ des Stammes sun-, im gegensatz zu z. b. guins (lit. ugnis) nie- 
mals ein i enthalten hat. B.] 



f«>K»MW«»il«**'^ 



(Lettische) inundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 223 

telbar voraus, so tritt der u miaut ein : ärkli (aber akli), färgi 
(/(tgij, fwäerki (fwaki bengel), däergi, bäergi, wäergeem, guirki. 
Nach den Zischlauten wird in Saussen stets statt des k 
ein k gesprochen: fclikinkot, fchkinkiha, hrlnifchklgs, fchkäls 
Schafbock , fchkale plattes dünnes brotstück (geschnitten), 
fchkäres scheere, matfchka (^MaryinKa), tatfchkas Schubkarren, 

€'cuirftit hin und herblättern, fchkoere zinne, nafchki rasch, 
'chkma flasc he, die eine platte form hat, /chkirtees, fchkem- 
pergel , splitTSr, fchkavrfna kante, /chkibi, fchkafta dünne 
Stange, fchkirme fortschritt, fchkipfna, ifchkis daumen. Aber: 
fchnoere (nicht fchnoere) y fchnukftät schluchzen, /c^^fc«^, 
fts l^e, fchnäkt, fchnaugt, fchnaparat. ''*""'"~"""^N 

Die umra«tung des e von ne in a wird von keinem conso- 
nanten beeinflusst: nakar {nekerees, weil e — ee folgt), nagald 
(negeldigs), naiaun erlaubt nicht, natfchiirkft vgl. o. s. 218. 
Im übrigen bleibt das e vor den jotirten cons. unverändert: 
fpeka, we^ii (nicht ivägu), pelka der pfütze, wda maete, zeia, 
mefchos, nefchu ich trug, kefcha, pleka wol aber paka, daga 
brannte, faga decke von fagt = schriftl. fegt^ fwetfchu (aber 
fwazaine lichtmesse). 

Das aus dem eh entstandene Saussensche ä geht vor einem 
jotirten cons. in a über: 

ßägi fensterladen von ßägt schliessen, hlanas unsinn, fpa- 
kes eingeweide, märtfchu von markt — schriftl. merkt, arfcliki 
dornen, ftrakös in reihen, waiu oder wälu spät, zahl ich hob 
{zähl „den lockeren" von schriftl. zels), ivaiu ich wälzte {wälu 
ich wünsche), dai wegen (aber iväl noch). 

Auch der buchstabe w spielt bei der umlautung des vor- 
herg. vokals eine grosse rolle. Das wort awins sollte nach 
der regel äivins heissen, was aber nicht der fall ist. Das w 
ist bei der Schwächung neutral: käwi tödtetest, kmvu, räem, 
äwi schaf oder 2. sing, präter. von aut, papuiwe brachland, 
näewe tod — so wird die nichtumlautung des a in awins 
offenbar durch das n bedingt. Man kann hierüber folgendes 
gesetz aufstellen: Wenn auf das i ein n (nicht ein h) und auf 
das n kein i- oder e-laut folgt, so lautet der dem i voran- 
gehende vokal nicht um i). Beisp.: 

faldins süss (die endung -ns lautet in Saussen ausnahmslos 

') [Ich schliesse aus dieser regel, das» ehedem (vgK o. s. 214) in 
Sausseu und l'ehtelu i vor i- und e-lauten anders ausgetjprochen wurde, 



224 J. Kaulin 

wie nz), genit. -ina, aber fäldini, weil dem n ein i folgt, 
ebenso: fäldineem, ßähins etwas schlaff (/läebim, atflaebini er- 
leichtere!), pulk/tins iihr, eig. vielstöhner (pulkii ftenet) aber 
puilkftenintfch/iiitins dolch, tuitenintfch, kupina Schneehaufen, 
kuzins junger hund, a^mät {<ifin(i)s blut), mafinät, purinät 
(nicht puirinät), kurinät (aber kiiirini heize!), ivärdßnät, go- 
dinät (aber goedigs), modinäf, rufchinät/;baffn^\j^%i%lmu,J^er 
jus bälineet), kladfinät gackern (as kladßnu, tuluMßni), noga- 
linät zum tode quälen, labinät, 7'afinät, karinät zerren, maldinat, 
fapms träum (aber äplns), kungi nicht kumgi, wol aber kuin- 
dfintfch. 

Es diene noch folgendes beispiel zur begründung obiger 
behauptung über den einfluss des n: 

Nom. fobins schwert, foebm1>fch kl. zahn; foebini, foebini 
Gen. fobina, foebina; fobinu, foebinu 
Dat. fobinam, foebmam; foebineem, foebineem 
Acc. fobinu, foebiwu; fobinus, foebinus 
Loc. fobina, foebind; fobinos, foebinos. 
Die erwähnte ausnahmestellung von: naßnu,faminu, atminu 
findet hier ihre erklärung. 

In den eben angeführten dingwörtern kommt ein umlaut 
des schriftl. e m i vor, der in den deminutivformen derselben 
nicht stattfindet. 

Schriftlettisch: Saussens dialekt: 

pulkftens, -ena pulkftins, -ina; puilkftenintfch, -ina 
kuzens, -ena kuzins, -ina; kuizenint/ch, -ina 

gredfens, -ena gradßns, -ina; grädfenintfch, -ina 
dibens, -ena dibins, -ina; dibenintfch, -ina 

tutens, -ena tutins, -ina ; tuitenintfch, -ina 

fobens, -ena fobins, -ina; foebeninffch , -ina. 

Schriftl. substantiva auf ens in denen das n im genitiv 
jotirt wird, haben nicht diese lautwandlung; auch ist das n 
für die umlautung des ersten vokals indifferent, und das zwar 
regelrecht, weil dies ens = enis ist. 

Schriftsprache: Saussens dialekt: 

rudens, -ena ruidens, -ena; ruidentintfch 

als vor a, o, «, oder mit anderen Worten, dass das Witebskische getrübte 
i (y) früher auch dort und zwar in regelrechtem Wechsel mit i und ohne 
i-uralaut zu wirken vorkam. B.] 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 225 

Schriftsprache: Saussens dialekt: 

Off mens y -ena äfmens (nicht a/mins); ä/menlts 

akmens, -ena akmens, -ena; akmentintfch 

fibens, -ena ßhens, -ena; fibenlts 

zirzens, ena zirzens, -ena; zirzemU, nebst zäelifs 

oft als liebkosungswort gebraucht. 
tefmens, -ena tefmens 

bärens, -ena bäerens, -ena; bäerenite 

kaupens, -ena kaupetis, -ena; kaupenits 

pläzens, -ena pläezens, -ena; pläezenlts 

taurens, auch taurinfch taurens, -ena; taurenits, etc. 

Anmerkung: Die einwirkung des e- und e-lautes erstreckt 
sich nie auf das vorhergehende wort: kas eet, nie: käs eet (wol 
aber käfeet), dar eet es lohnt sich zu gehen (däreet thut), war 
tu man kann haspeln (wäertU wälzen). Aber: fchoedeen heute, 
koesin wirklich?, gärdibene hut. 

Den Umlautsgesetzen, wie sie im vorhergehenden vorgeführt, 
fügen sich auch alle freradwörter und barbarismen: Wälmeere, 
Oedfeena, Pärife, kläweeres, altäers, kämeels, känzäls, loefe, 
fchnoere, kamendeers, prätvinze, boemäh, käfte, päpirs, oelmza 
yJlbHII^a, boede, raniza, käleers, muindeerintfch, gläefe, täfe, 
mafchintfchj ftänzija, koertals, ziperi, acc. pl. ziparus, platät, 
wefcha, foerns, bakinbürda, Märija. 

kapija kaffee, kapfeins, dabija, dabit^) sind mir darum 
noch immer ein räthsel, zumal da in päbija, fäbija, die dem 
dabija fast congruent sind, der umlaut nie ausbleibt. Dass 
dabit von ^^oßbirb entlehnt ist, ist meiner meinung nach zu be- 
zweifeln, erstens, da für „erhalten, bekommen" im Lettischen 
kein anderes wort existirt 2), zweitens, weil doch wol den formen : 
biju, biß, bija, büt etc. die genuinität nicht abgesprochen 
werden kann 3). 

VIII. 

Eine besondere hervorhebung verdient der umstand, dass 
in Saussens dialekt der umlaut in vielen Wörtern vorkommt, 

*) [Dazu gapele gabel, magfina magazin, welche nach herrn Kaulin 
ebenfalls in Saussen gebraucht werden. B.] *) [Doch ! gut, das auf der 
kurischen nerung gebraucht wird. B.] ") [In anderen gegenden heisst 
es aber nicht dahit^ dabija, sondern dabut, dabät, -buja, -btya und alt ist 
dabuit. B.] 




226 J. Kaulin 

die den umlautbewirkenden vokal gänzlich verloren haben, und 
dieses umsomehr, da in der Schriftsprache und in den meisten 
dialekten sich derartige spuren ihrer entvvickelung nicht finden. 
In muims, juims kommt ein umlaut vor; nach dem vorher- 
gehenden wissen wir, dass ein u nur von einem folg. i- oder 
g-laut angegriffen wird; folglich haben wir den untrüglichen 
schluss, dass auch diesem u ein i- oder e-laut einst gefolgt 
sein muss. Die richtigkeit dieses Schlusses bestätigen zugleich 
die litauischen formen: mumis, jumis. 

Andere beispiele hierzu: hräels (genit. hräia) offenbar aus 
hräeliSf zäels küchlein (aber zäh locker), juims vielliebchen (in 
juims „euch" wird das ui weniger gestossen), kuirivs korb, kuirms 
maulwurf, fchuilts galle, huilts pfeil, huirws zauberer, aber purws 
morast: huirwa purwa, huirwam purtvam, huirwi purwv, buirwee 
purwä, huirwi puirwi, buirwu puvwu, huiriveem puirweem, 
buirwus purwus, huirwos purwös. — /^55^.st^hMjje, |70^m?s kuh^), 
fwärs thier (wäre in diesem worte Tcein ^ gewesen, so wurd^e 
es in Saussen fwärs heissen , ebenso wie daselbst das schriftl. 
jehrs järs heisst). Desgl. wars wald aus laubholzbäumen 
(tannenwald: /ils), bars braunes pferd (aber bär/'s birke), 
fmuils, huilsJJailfm ls ^ -nf jaib (die letzte silbe ganz anders 
auszusprechen, wie ^t^g Qti^)\Jä iiizs gen. Mutfeh a, foels schritt 
und fols bank: /ods^ms/yMa fola {fola er bietet), foiam 
folam, foeli folu, foelee fola; foii foeli, fohi folu, fohem foe- 
leem, foius folus, foiös folos. — warmäezs tyrann, päpads ferse 
(umlaut zweiten grades), fkäps schrank (aber kaps), fläps nass, 
Mäps klappe, (,,^h«|Ukriegt''^^1i*«»«li€sen Wörtern bleibt das ä in 
alleiT^aSTtSr^i/ärs l^^*^nicht gers DS. s. 86): gärüf gäram 
(gäräm vorbei), gäru, gärd ; g'dri, gäru, gäreem, gärus, gärös — 
gars geist: gara, gar am, garu, garä; gäri, garu, gäreem, garus, 
garos. j9ä^a?/;.s Stiefvater, pädals Stiefsohn (gen. pätawa, pädäia) 
— ohne i-u miaut würde es heissen patäws, padals — fchkäls, 
fpäns, fpana (aber funs, funa s. o. s. 222), kruips kröte, 
■chnuips vorsprung bei einer kanne \g\. fcJmift^lts^, knuips, 
juips (aber glups, ftrups, rups), j/räeirs graben, kä^s haken 
(A;ä^^husten), äefs Ziegenbock, jlfs aclisc (aber o/s^ scharf), 
**' "^MeteT^^/*' zeit (aber falts schriftl. felfs)^ äzs äuge, fäets 

1) Das tv von yoews und von deetos, kreewa, täws „vater" u. e. w. 
wird deutlich ausgeBprocheu. 



(Lettische) mandart von Saussen u. Fehteln (Livland). 227 

mässigkeit im essen { fäts gesäet), pläets blechplatte {pläts platt 
gemacht, pläfs breit), kräefz ofen {kräe/riee im ofeii), lä/s, 
grä/s, täe/s birkenrinde, Bäews David, tvärs kupfer, wär/s ochs, 
noewärfs er habe abgewandt (wärs aber bärs schar, zars busch 
von schriftl. zers), ^a^ers (aber ivädars bauch), fkroeders, 
meiders (ohne /-umlaut würde es heissen: maldars), Peeters, 
dakters, moers, roens, fiiiivs (gen. pl. fuiim) fisch, äpäds er habe 
aufgegessen, Jäem Johann, Jäps Jacob, Juirs Georg, kuirs wer. > 

Folgende beispiele kennzeichnen die lautwandlung in den 
verschiedenen casus: 

pläns „dünn" und pläens tischmesser, plana plana, plänam 
plcmam, plänu pläeni, plana pläenee ; pläeni pläni, planu plänu, 
pläeneem plcmeem, planus planus, plänös plänös. — räms ,,still" 
und räerns rahmen, räma räema, rämam räemam, rämu räemi, 
rämä räemee; räemi räemi, rämu räernu, räemeem räemeetih 
rämus räemus, rämös räemos. — wazs „alt" und fwezs der^alteX^ 
waza wetfcha^ wazam ivetfcham, ivazu wezi, wazU ivezee; wezi 
wetfchi, wazu wetfchu, wezeem wetfcheem, wazu wetfchu, wazös 
weffchös. — ^^^g ,ysjlsj|iarz" und y/?W^ ra^^ malna meina, 
malnam meinam^ malmt melni, malnä melnee; melni meini; 
malnu mehm, melneem meineem, malnus meinus, malnös melnos. 
— (milns -na stock.) Nach malns geht walns teufel, pelni 
asche. — bärs „dunkelbraun" undj^^iji pferd, das dieselarbe 
hat, bära bara, bäram bäram, bäru bari, bärä bäree; bari bäri, 
bäru bäru, bäreem bäreem, bärus barus, bärös barös. — as bäru 
ich schelte, tu bar, wintfch bär, mas bäram, jus bäreet, unni 
bär ; as bäeru ich schalt, iu bäeri, wintfch bäere, mas bäeräm, 
jus bäerät, ivini bäere; as bäerfchu ich werde schelten, tu bäerfi, 
wintfch bärs, mas bärfam, jus bäerfeet, wim bärs. — as ftuimu 
ich schiebe, wintfch kräep er betrügt, as koepu ich pflegte, 
mas juimam wir decken ein dach. 

IX. 

Von der w-deklination hat der hiesige dialekt nur einen 
rest und zwar im locativ sing, bewahrt; die wörter: widus, 
tirgUfS, medus, ledus, alus heissen bei uns: wids, tirgs, mads, 
lads, als und werden so deklinirt: ivids, wida, widam, widu, 
widö 1), tirgo, madö, ladu, alö (ebenso wirfo) ^). Für madö, 

^) = widua Lett. dial.-stud. s. 31, das nicht für widuja steht. 
') [Diesen locativeu entsprechen die litauischen locative auf ii (o, 



228 J. Kaulin 

ladö, alo werden aber auch madä, ladä, ald (gleichlautend mit 
alä in der höhle) gebraucht. Das o der loc. wido u. s. w. ist 
gleichlautend dem o (= ua) in koks, roka, logs, poga, krogs. 
(madö reimt auf mado-d gieb nicht!). 

Die Wörter der /-dekl. haben im dativ sing, durchgängig ei, 
plur. eem, loc. sing, ee, plur. ees. Nom. kläts, dat. s. klätei, 
loc. s. klätee, dat. pl. kläteem, loc. klätees. firds, firdei, firdee, 
firdeem, firdees; klints, klinteij klintee, klinteem, klintees; küts, 
kütei, kütee, küteern, kütees; üzs, üzei, äzee, äzeem, üzees ; lezekts 
pallen, lezektei, lezektee, lezekteem, lezektees; pks^ pirtei, pirfee, 
pirteem, pirfees; balfs, half ei, hälfee, half eem, bä^es ; (äj^^^a^[^j^ 
äfei, äfee (bei i^^ „scharfe" wird das ee mehr gestossen), 
äfemi, äfees; futws'^uiwei , fuiwee, fuiweem, puiivees; käerfs 
Stange, käertei, käertee, kaerteem, käertees (as braukfchu käer- 
tees „ich werde nach stangen fahren" oder auch „ich werde 
fahren, um mich aufzuhängen"); äerdees auf den dörrbalken; 
näefs, näefeem, ti'a^fee^ in l3«»*«4Mistgj|j^ foefs (aber pcfs feuer- 
schwdAnmJ^^^ßefei,' foefe'e^^^^^^^ wäets wunde und 

wäete fass, tväets iväetes, wäefei wäetei, wäeti wäeti, wäetee 
wäetä, wäets wäetes, wäfchu wäfchu, wüeteem wäetam, wäets 
wäetes, wäetees wäetäs. — Nach iväets werden deklinirt alle 
Wörter der *-dekl. , die auf s endigen (sämmtlich feminina; 
nom. u. gen. sing, und nom. u. acc. plur. sind alle einander 
gleich), also Xocquinee im feuer, kraefnee im ofen, wägüfee, 
krütees in der hrus'f^ftmlktees im sand; nach iväete die, welche 
die endung e haben: ßme (loc. also femä; fam unter), faule, 
eile ellä, dräbäs in kleidern etc. etc. 

Die Wörter der unächten /-dekl., wie früher schon erwähnt, 
haben den loc. sing, auf ee, pl.' aber auf ös. kamberee kam- 
beros; munä Jäenee naii naka an meinem Johann ist nichts 
dran, Jänös zu Johanni; brnelee braiös; räemee räemos; ftälee 
ftaids; gr'dfee grafchos; pwäree fwaros; udenee und fäelee, bei 
diesen beiden Wörtern ist der nom. sing, gleich dem gen. üdens, 
faels; läfee lafchös (aber (äfä täfiis); ^^»m;£ k^b, unächte 
«-dekl., n n H LZ<^ j|Wio ^^*",r, « ^1^^^^ /-dekl., kuirwa mht'w^kuirwam 
duirwei, kuifTviamrwi, Imm'wee duirwee, kuirtvi duirws, kuirwu 
durwu^), kuirweem duirweem, kuirwus duirws, kuirwos duir- ^ 

ou), welche ich in den Göttinger nachrichten 1885 s. 160 besprochen 
habe. B.] 

*) [Vgl. o. s. 227 fuwu und lit. durü, zuwti. B.] 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 229 

wees. Ich erwähne noch die loc. gräewee, kakee, fpainee im 
spann {ai ist hier diphthong), ruidenee, tefmenee. 

Der nom. s. der contrahirten ,/a-stämme, wie auch der 
nom. und acc. pl. der Wörter der ächten 2-dekl. haben in 
Saussen nicht die endung is, sondern sie werfen das i aus mit 
beibehaltung des durch dasselbe bewirkten umlauts. Beisp. 
milbf^Qhvß»ff'^i?iiijf^f^is = schriftlett. gulbis, läezs bär, 
wee'ä^'''0UW&ets, "^faß krebs, dnqels brutkj;;^^^ graebekls harke, 
glmSj müfs gen. milfcha. Dasselb^Tgeschieht im nom. s. masc. 
das particip prät. act: /pil^s gek)Hift| h^tjjend. /ifs stait ßtis, 
zäh gehoben* m'trs gestorben jW^^ge^ip«ü;^i7N«ä7.s' gemahlen = 
schriftl. malis, päeds satt (eiikübig wie wäg^ wunde), schriftl. 
paedis dreisilb. Der nom. s. der reinen a-stäipme hat selbstver- 
ständHch ebenfalls kein i: taifns d. geradei^^^^^eUar/Vnicht 
katris), arkls, kräfh stuhl, rafns, krakJs. '' AusnahmeT^teht 
vor dem -is ein k oder g, so bleibt das i: kakis, fakis, plikis, 
pikis, ftikis, wegis, klugis, ragis, fkrägis. — Dativ s. -am statt 
-im: krmikiam nicht krauklim, hrälam, Kärlam, akmenam, üde- 
9tam, fakärnam, fihenam, fobrnam, debe/cham (statt debe/im), 
mäne/cham; dat. pl. eem statt m: äfineem dem blut, uf debe- 
feem zum himmel {debefcheem den regenwolken). — Die nomina 
agentis, gebildet von einsilbigen verben, haben hier die endung 
-äjs, wenn der vokal des prät.-stammes, an den sie sich fügt, 
ein a (schriftl. ä oder e) ist; sonst immer äjs. Bielen stein 
führt nur die letztere an. Beisp. piäiväjs (Bielen stein und 
Ulm an n: pimvejs), dfaräjs trinker, ädäjs esser, fchäiväjs 
schütze, räwäj's von rauf, kräwäjs von kraut, zälajs von zalt 
heben, päläjs von palt verleumden, päräjs hyart prügeln), 
wäräjs {wart einfädeln), ^'^^^iiS^^C'"^*^ iy?^^^^*Tt}Vt" Die aus- 
nahmestellung von gäjäjs', jäjäjs, räjajs, kläjäjg, fajäjs bewirkt 
vielleicht das dem suffix äjs vorangehende j. 

Es kommt hier in etwa vier Wörtern die endung -ona vor, 
die dem deutschen präfix ge (in gebrüder, gebüsch, ge- 
würm) entspricht; diese nomina collect, sind: kuftona gesammt- 
vieh im hause, auch Ungeziefer (kuftät); tirpona vertauben, 
tirpona pärgä par wifeem kauleetn ein Schauder ging mir durch 
mark und bein (tirpt) ; futona dünste;/ fttmma getöse fti>4^ 
ferne, kaun^^rnehmbari — Einen prural gifebt es hiervon 
nicht; kuftoni kommt her von ku/tons lebendiges wesen. 

Anstatt des schriftl. derivatioussuffixes -awa ist in Saussen 



230 J. Kanlin 

nur -uiwe, in wenigen fällen, namentlich bei pluralibus tant., 
-uwa, -uwas im gebrauch: fätuhve saatkorb (schriftl. fetawa)y 
wärftuiwe pflugsterz, papuiwe brachland, maltuiive mühle, wala- 
tuiive ein brett zum klopfen der wasche, turätuiwe henkel an 
der sense, leektuiu'e eine Vorrichtung zum verfertigen von krumm- 
hölzern, schlittensohlen etc.; dann: loezituwa gelenk, leetuwas 
regenwetter mehrere tage hindurch, raguwas schütten, feetuwas 
ein tuch ums bein zu wickeln statt des strumpfes (auch rldüfes 
und kuilmetes genannt), dfirnuwas mühle, palwas kaff. Die 
Contrahirten formen dfirmis, ragus, peius sind hier gänzlich 
fremd. — Zur deminution der eigennamen namentlich wird in 
Saussen unter andern die endung -uks gebraucht, die zugleich 
eine stärkere deminuirung auf -nkintfch zulässt. uks drückt 
kleinheit, nkintfch kleinheit und Zärtlichkeit aus. Jäens, Jänuks, 
JöHukintfch ; Brenzs, Brentfchuks (BrentfchukintfchJ; Peeters, 
Pitfchuks, Pitfchukintfch; SpritfcJiuks ; däls, däiuks, dalu- 
kintfch ; teis teiuks, wärfs warfchuks. 

Wörter auf -ize, -eeze habe ich in Saussen nicht gehört; 
anstatt dessen suffix -Iza ^) : däerfniza, flimniza., fwejnlza, pater- 
nlza confirmandin, dedelmza. — Das fem. zu masc. auf -s hat 
hier statt des schriftl. -ene die endung -eene : keifereene, käläj- 
eene frau des schmieds, Stau^eene wirthin des gesindes Stau- 
^äni ; ebenso täeleene, tuireene, kuireene, wäreeni mächtig 
(schriftl wareni). 

Das i als euphonischer laut (grez-i-neeks) kommt hier nicht 
vor, sondern nur e, das auch in obengenannten fällen in a 
übergehen kann: wäldeneeks (nicht -di-), gähcetieeks, ku^eneeks, 
äd.-e-klsj aud-a-kls (beides regelrecht), Ridfenlza, guidreneeks^ 
fäkleneeks, wadakla, pinakls. 

Bei der composition der substantiva werden in hiesiger 
mundart folgende feinheiten beachtet. Es kann ein compositum 
mit einem und demselben grundwort ein verschiedenes geschlecht 
haben, resp. verschiedenen dekliiiationen angehören, je nach- 
dem es determinativ oder attributiv näher bestimmt wird und 
je nachdem es einen gegenständ schlechtweg, oder einen ort 
als ganzes, oder einen theil davon bezeichnet: mefchmüle Orts- 
bestimmung im allgem., mefchmala bekannter speciell bestimmter 



*) Es sei bemerkt, class die endungen der Wörter hier beim sprechen 
nicht verschluckt werden, wie das im westen Livlands der fall ist. 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 231 

ort; nomels Schalbrett (schriftl. nomalis); upmäle upmala; pur- 
mäle pnrmala und efchmels rain, gräeicmäle gräewmala; jür- 
niäle, -mala, feemels iiord; zeimäle plaiitago — zeimala; j)lau- 
mäle piaumala; in platmene breitrand, hut und Palfmene gut 
Palzmar ist l in n übergegangen. — Bei den conipositionen 
von subst. und präpositionen findet sich eine ähnliche geschlechts- 
änderung. Nehmen wir j^o,; durch die Zusammensetzung dieser 
präpos. mit subst. können Wörter gebildet werden, die den 
begriff der localität haben, oder die einen gegenständ schlecht- 
hin nennen. Im ersten falle werden alle composita feminina 
mit dem nom. Charakter e, im letzteren wird das geschlecht 
nicht geändert, ist das grundwort aber ein a-stamm männl. 
geschlechts, so geht das compositum zur unächten e-dekl. über. 
Beisp. pafere ortsbestimm. von fa)-s „zweig" ijjnd p>ätäws Stief- 
vater (aber kniftäws, waztäws, ivintäws, nicht kruftäivs, waz- 
täics), päfere von fars ,,korn zum dörren" unp pädala Stiefsohn 
(kurfdäls aber weendäls)^ pafoele von fols „bank" und pafode 
von foele sohle, pafaide — faule, pawakere i— wakars, pä/wa- 
deenn — fvädeena sonntag, pac/räeive — gräews, pähärß — 
härfs^ pakeine — kains, pafkroede.rs — fkrbeders, paloedfe — 
logs^ pawafara — wafara (auch paufers frühling), paguilte 
räum unterm brett (Biel.-Ulm,: pagulta). 

Pitf wird in compositis oft zu pufch : piifchärfels klopf- 
hengst, pufchnätns halbleinen, pufchwiru halb geöffnet, pvfch- 
lldf, pufcMaizlgi mittelmässig (pufchelneeks hälftner), puifdeena 
mittag, pufdfiws, pußrefcha. Welch ein gesetz hierbei zu 
gründe liegt, kann ich nicht herausfinden. — Befchroezs wind. 
Wenn der wind die thür losmacht, so fragt man: W^er kam da 
herein? Antw. : befchroezs; in compositis kommt sonst nirgends 
hefch vor: haffkauna (merkwürdige schärfung des /), hefdihins 
etc. Warum lautet in pmfdflws piiftrefcha das ii in puf nicht 
um, wie das in puifdeena der fall ist? In puifdeena liegt wol 
der hauptton auf jow«/, während in den zwei andern Wörtern 
der accent auf -dßws und -trc- ist. 

Substantiva gen. comm. auf a braucht man in Saussen sehr 
selten; es heisst hier: flapkaus schriftl. flepkawa, najags statt 
nejega, kttms statt künia; lauwa (auch lawa) ist fem. Auch 
masc. auf e sind selten; ausser bende habe ich keins gehört; 
es heisst hier : kapteins, wagers, preßdents, fupurdanfs. 

Bei den nicht contrahirten ja-stämmen assimilirt sich der 



232 J. Kauliii 

nom.-charakter masc. s nie zu fch (käme solch eine assimilation 
vor, so würde es hier sicher zelfch nicht zelfch heissen): zeh 
schriftl. zelfch^ tcäjs wind, kuimeis füllen, teh kalb, kärs krieg, 
mefchs wald ^), kuirs wer, auch fläps nass. dums ist ein reiner 
«-stamm, gärs lang, iwife lieb, gaifs hell, /afe grün. Steht vor 
dem s ein ti (schriftl. n) so wird es zu tfch (schriftl. fch) : 
kuitnelint/ch, kaulintfch, gäldint/ch, wintfch (fem. wina), kumü- 
fintfch kleiner bissen. 

In mehreren subst. wird in Saussen statt des schriftl. i 
ein u gesprochen : fuwäns statt fiwetis, nftuba stube, fuiws 
fisch, kru/tubas taufe, kruiftit taufen, kruftäws taufvater, 
fchiüdät gleiten (schriftl. flidet), aber: timfs (schriftl. tum/ch), 
pa timfu im dunkeln, dagegen tuimfiba finsterniss, dunkelheit; 
drikat statt drukät, tiwu nah, tiwäk, tiivumä in der nähe, aber 
tuwoetees sich nähern. 

X. 

Beim adjectiv haben die Saussener mehrere sonst nicht 
übliche suffixe. 

ijs: fäelijs salzhaltig, salzig schriftl. fälfch, päpleenijs 
etwas thonhaltig, papuirwijs morästig (der gegensatz von 
papuirwija plawa ist ara piawa), mäelijs lehmhaltig, oHJs 
kiesig, fmüktijs (nicht sandig, sondern) mit sand vermischt. 

ojs: miltojs mehlig (tuipem ir miltoji, miHojs ähoels), fulojs 
saftig {fulojs greefns saftiger schnittkohl), dünojs sumpfig 
{dünojä afarä tiapetikemi paldoetees in einem sumpfigen see ist 
es unangenehm zu baden). 

läjs: duknäjs quebbig, ftaignajs einschiessend, morästig. 
griifnäjs, hälfnäjs.'] 

Ins: agrins wee/s ein am morgen früh gekommener gast, 
täelins vom weiten her, waiins frei, müsse habend. 

igns: wäligns gegensatz von agrins, tuiivigns gegensatz von 
täelins. Diese beiden suffixe scheinen früher eins gewesen zu 
sein. Obgleich Ins gleichlautend ist mit der Pebalg'schen demi- 
nutions-endung in ftoepins, kätlins, Martins (hier MäeHintfcK), 
sind sie doch, meine ich, keineswegs verwandt. 

ms: faldins süss, trvfins spröde, lidflns eben, ratins ge- 

*) In mefchs und ebenso in dafchs, plafchs, grofs „pergelkorb" wird 
das » hinter dem ziscblaut deutlich ausgesprochen. 



(Lettische) mundart von Haussen u. Fehteln (Livland). 233 

mustert, gärins länglich, niärins mittelmässig , randins lau 
(schriftl. remdens)^ entsprechend den subst. auf iw.s; puifchkins 
knabe, dokfchkins salzfass. 

Eine derartige Steigerung des begriffs, wie wir sie beim 
substantivum und verb haben : pa malu maläm, gahahi gabalös, 
lugu lugeem (oft), gadu gädeem (immer), juku jukäm und bädßn 
bögt, na/in na/t, wadin ivaft, lizin likt, wilzin ivilkt (also 
tvilzin, na/ in, nie ivilzin, na/in etc. Biel.) kommt hier 
auch beim adjektiv vor: leelum leels, haltum haüs, ürum Urs, 
gärum gärs, malnum malus, mlium mlh, mlk/tum mlk/ts, 
ftiprutn /tiprs, /käbum /kabs, kärum kärs; in bargum bargs ist 
das a kurz, schriftl. lang; desgleichen gärdum gärds, gärdams, 
gärfcha geschmack (woher der umlaut?), aber därgs. — Auch 
adverbien werden so gesteigert: pa ivi/u ivi/am, pa pilnu pil- 
nam, ar weenu iveen. 

Es werden hier die adverbien von den adjektivis strenger 
geschieden , als es im Schriftlettischen geschieht, tai/ni adj. 
nom. pl. masc. von tai/ns, tai/chni adverb. gerade; /laiki — 
flai/chi; gluidi — glufchi; greifi — greifchi; nä/ki — na/chki 
behend, flink; reti — re/chi; gaufchi dfeed gaudu dfee/mu man 
singt traurig ein trauriges lied ; gai/i — gai/chi {gai/s hell, 
subst. der himmel, die luft); gllti — gli/chi; läni — läni: Läni, 
läni deewint/ch brauze no kälnina lejinä, läni bija deewa firgi, 
länas deewa kamenin's. Volkslied. — Zur Steigerung des adjekt. 
ohne vergleichung wird in Saussen am häufigsten tiri und glufchi 
gebraucht, wo man deutsch „ganz" sagen würde, tiri bäh ganz 
blass, tiri malns ganz schwarz, tiri pliks, glufchi lidfins ganz 
eben. Mun krüts /magi /äp es schmerzt mir die brüst sehr. 
— Von der Schriftsprache abweichende formen des adv. wären 
etwa folgende: päk/chm plötzlich {tik pak/chni jau as to nawaru 
ifdärit so rasch kann ich das nicht fertig machen); leekatni 
sehr {bärns leekatni raud das kind weint sehr, tat päk/chnumä 
as leekatni pär//kätijos in der eile versah ich mich stark); 
laiko ^) {/chitee /wäerki mun tiri laiko dieser rock ist mir ganz 
recht, weder zu klein noch zu gross , kastnu dewe munai 
zapuirei tew but laiko meine mutze passt dir wirkhch nicht)", 
dagegen laikä zur bestimmten zeit, der comparativ davon laikäk 
früher am tage (bütu tu atnäezs laikäk, tad eetu fwejot würdest 

*) Das o in laiko (= uo) klingt anders, als das in wido, tirgo (= wo). 

BeitrRpe z. Ironde d. indg. sprachen. XU. Jg 



234 J. Kaulin 

du früher [etwa am vormittag] hergekommen sein, so würden 
wir fischen gehen), und laiku frühzeitig {atnäz rlt lähi laiku 
komm morgen recht zeitig her) ; ngräk fchita nafträdaja früher 
(vor etwa 25 jähren) arbeitete man nicht so (schlecht); raifchus 
losgebunden {pirgi ftaiga raifchus pa gäniham die pferde gehen 
ungefesselt auf der weide umher) ; ufmnfchu absichtlich (as tiri 
ufma/chu fchur atnätfchu ich kam ganz mit absieht hierher 
[gegensatz von: gelegentlich herkommen]); tlfchi bewusst, ab- 
sichtlich; päteefchi gründlich (tcinam päteefchi födewe er wurde 
ordentlich durchgeprügelt); nülät jetzt erst (wai tu wäl nülot 
eefi? wirst du jetzt erst gehen?); zaur zauräm im bausch und 
bogen ; päer päeräm über und über ; durtenifku krift mit dem 
köpf nach unten fallen; toj so fort {wäl toj we^«/ jetzt sogleich 
wird es noch nicht regnen, wait [= wai tad] fchis paz afcha- 
nas wäl toj nejeefchkis? sagte er, dass er unmittelbar nach 
dem essen noch nicht gehen werde?); ataftu etwas entfernt; 
primfch vor (prim/ch leeldeenäm vor ostern, primfchgalä gegen- 
satz von päzgala); na kuirpin nirgends hin {ar rakftifchanu 
winam nejeet na kuirpin im schreiben macht er keine fort- 
schritte, ar fchito i/käpti tu na kuirpin netikfi mit dieser sense 
wirst du schwerlich vom fleck kommen können [beim mähen]); 
näz fchurpinak komm näher zu mir (wäre das n jotirt, so 
würde das u den umlaut haben); tagaditäs jetzt öfter tagad; 
tvlitäs, seltener als tüllt, gleich; f&rti seitwärts mit dem dativ 
(fäni afaram, fäni uftuhai, fäni därfam) ; pätfch nachher {päz 
Präposition, nach) gewöhnlich im comparativ: pätfchak (mos 
eefam patfohäk ogas wir werden nachher beeren suchen gehen, 
leez mun meera, pätfchak dabifi lass mich zufrieden, nachher 
wirst du bekommen [nie: leez muini meerd^); gana „genug" 
unterscheidet sich von deefgan darin, dass es mehr adverbial, 
dieses aber mehr attributiv gebraucht wird (mun nu ir gana 
ich habe jetzt genug, mun nu ir deefgan fpalwu genug federn) ; 
pirmit neulich (an demselben tage) (as pirmit putnus ufgäju 
vor etwa ein paar stunden fand ich ein Vogelnest); fcMt und 
teijo bedeuten beide „hier" (fchit nau lägas fäeles hier ist kein 
gutes gras, fchit natikfam päer hier werden wir nicht hinüber 
kommen können). Doch ist teijo „hier zu hause": wai weefs 
wäl teijo ist der gast noch hier (in unserem hause)? (as teijo 
napelikfchu ich werde nicht zu hause bleiben). Dem fchit ist 
entgegengesetzt tur dort (weit abgelegen, entfernt) oder fchitur 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 235 

dort (sichtbar, in der nähe): kurf fehlt ir tij grentsdoehe? wo 
ist hier die grandgrube? ekfchitur sieh da. Der gegensatz von 
teijo ist tuirij: täws palika tuirij der vater blieb dort (nämlich 
an dem dir bekannten orte, wo ich war). Pretij entgegen (^rat 
präpos.: prat rlteem gen osten, jjrat mui?ieem mir gegenüber, 
contra me) : tnun pretij mir entgegen, kas tew ir ko pretij runät? 
was hast du einzuwenden ? Wie in den beiden letzten adverbien 
das i gespalten wird, so ist das der fall auch bei : 7iij nij weder 
noch, ij auch, tik ij bij da haben wir es. tij, fchij (netijk, 
pijpe, pretijneeks wage ich kaum so zu schreiben), /che da 
hast du (nicht: hier). Formverschieden von dem Schriftl. sind 
auch: lldfafchk neben, anfchkd oben, api^chkd unten (aufchkäm 
nur in compositis mit verb. zelees aufchkäm steh auf), eefchkä 
drinnen, precfchkd vorn^), widö, ivirfö. 

Nach defmit, fimt, tufktofch wie auch nach den compositis 
dieser zahlen (11—19, volle zehner, volle hunderter etc.) steht 
hier das gezählte consequent im genitiv 3). defmit naglu zehn 
nägel (nicht defmit naglas oder defmits naglu Biel.). Nach 
allen andern zahlen steht das gezählte im nominativ, voraus- 
gesetzt dass keine präposition dem zahlwort vorgefügt ist. tas 
bärns ir gadu peezu wazs (Biel.) sagt ein Saussener nicht, 
sondern gädi peezi, wol aber gadu defmit. Die präpositionen 
ar, no, par, pa, preekfch ändern den casus des Zahlwortes und 
seines subst. gewöhnlich nicht (iveens ausgenommen); nach bef 
ist nur der genitiv üblich. Beisp. ar tfchetri firgi ween to 
fchoedeen nebeigs , mit vier pferden allein wird man heute das 
nicht beenden ; pa tris püri rudfu uf reifes drei loof roggen 
auf einmal; par aftuni warfchi dabijumu 200 ruiblu für acht 
ochsen habe man bekommen 200 rbl. , aber par ivifeem aftu- 
neem ; ar diwdefmit oelekfchu naf wai icaras iftikt ich weiss 
nicht, ob man mit 20 eilen auskommen wird; befch trisdefmit 
peezu afu malkas mas feemas napawädifam ohne 35 faden holz 
kommen wir den winter nicht durch; mun tikin tfchetri aboels 

*) Vgl. ar da/chkäm mit der heugabel (aber ar /aJc/chäm mit decken) 
und pupulak/chki , pak/chki (nicht k), d/enau/chkas. *) Beiläufig be- 
merke ich, dass nach negativen verben hier das objekt im genitiv steht, 
desgleichen nach eet, braukt, riäkt u. s. w. wie in Oppekaln ; dann auch 
bei maklat, dabU, gaidlt: ka mekläja, ta dabija; gaidlfam bräia wollen wir 
auf den bruder warten (gaidlfam, eefam^ nicht gaidi/nn, eeßmj. 

16* 



236 J. Kauün 

ich habe nur 4 äpfel (von ahoeis und akmens sind nom. u. 
gen. s. und nom. u. acc. pl. alle einander gleich). 

XL 

Die persoual-pronomina werden in Saussen so deklinirt: 

Nom. as, tu; mäs, jus 

Gen. muinis, fewis; müfu, jüfu 

Dat. mun od. muineem, tew od. teweem; muhns, j'uims 

Acc. muini, tewi; müs, jus 

Loc. muinee, tewee; inüfos, jüfos. 

Die deklination von wintfch, mna, feiv (dat. feiiieem, few) 
zeigt keine abweichungen. Die genitive muinis, tewis, fewis 
werden höchst selten gebraucht; ynuinis däi „meinetwegen" habe 
ich nur ein paar mal gehört, viel geläufiger ist mun(u)däi, 
tawu däi, /awu paz. Nach der negation stehen die pers. 
pronom. as, tu (auch to, frJio) sing, im acc. , was vielleicht die 
einzigen ausnahmen von dem negationsgesetz sind. Näefmirfti 
muini vergiss nicht mein (eegäda muini gedenke mein), wini 
tewi nejeeradf sie hassen dich, as to nafinu das weiss ich nicht. 

Der dativ hat zwei formen : mun muineem, tew tetveetn, few, 
feiveem; die letztere auf eem wird nur in Verbindung mit prä- 
positionen gebraucht, As pee teweeni nejeefchu ich werde nicht 
zu dir gehen, ar muineem najoko mit mir spasse du nicht, pärn 
wintfch dfiwoja uf feweem voriges jähr lebte er als tagelöhner 
(nicht als knecht). Aber: dod mun gieb mir, as tew räedifchu 
ich werde dir zeigen (drohung). Der gebrauch des locativs 
muinee etc. ist hier ein sehr häufiger. Bielenstein giebt 
diese formen nicht an. Beispiele: eefwerees muinee sieh mich 
ordentlich an (damit du mich nachher erkennst); wintfch tewee, 
mae/in, eefmlläjees er hat sich in dich verliebt, Schwesterchen; 
bräels fewee nofkuims der bruder ist traurig im herzen (dem 
gesiebt sieht man es zwar nicht an) ; as fewee efchu ifdomajs 
domu domas ich habe darüber gedacht und gedacht (aber — ); 
pee darba muinee nafkäteetäs bei der arbeit richtet euch nicht 
nach mir. 

Die possessiv-pronomina taus dein, faus sein, eigen (anders 
gesprochen als faufs trocken) zeigen beim umlaut des Stamm- 
vokals a eine Unregelmässigkeit : taus faus, tawa fawa, tawam 
faivam, tawu fawu, tawd fawd; tewi deine, fewi seine, statt 
täwi, fäwi, ebenso tetveem, feweem gleichlautend mit dem dativ 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 237 

sing, des pers. pronoms. — Formen wie: maneji, taweji, faweji 
(Biel.) kennt man in Saussen nicht. D&ai faweji entsprechend 
kommt liier fäweefchi „die angehöi'igen" vor. — müfijais der 
wirth von unserm gesinde (eigentl. der unsrige), jüfij'ais euer 
hausvater. ivai jüfijais jau pärbrame, müfija wäl najüt ist 
euer vater schon zurück, der unsrige fährt noch nicht. 

Die hiesigen demonstrativ-pronomina sind ; tas (weniger tis), 
fem. tij die (selten ta) und fchitas, fem. fchitij dieser, diese, 
gen. ia täs, fchita fchitäs, dat. tarn tat, acc. to to, loc. tai tat; 
pl. tee täs^ gen. to to, dat. teem täm etc. Nu nü reif tij leel- 
deena hlät nun, jetzt sind einmal die ostern da; fchitas fakäs 
mäks pulkftinus läepit dieser sagt , er verstehe die uhren zu 
repariren. 

Schis^ fem. fchij ist personal -pronomen der 3. person. 
Deklin. : fcMs fchij, fcha fchäs, fcham od fchim fchai, fcho 
fcho, fchajä fchajä; fchee fchäs, fcho fcho, fcheem fchäm, 
fchos fchäs, fchos fchäs. — Kam tu fchajä naklaKfees? warum 
gehorchst du nicht ihm od. ihr? kurt fchee? wo sind die 
übrigen hausmenschen? fchee tväl är sie pflügen. Aifnaf 
fchäm dfart bringe ihnen (die, wie du weisst, dort auf dem 
felde flachs raufen) zu trinken; fcho wäl najüt sie kommen 
noch nicht (tröstende antwort: gan rädtfas werden schon da 
sein); ivinifch nanoefleezäs fchäs nabutfchojs er (der nicht 
anwesende) gab sich keine ruhe, bis er sie (die anwesende) 
geküsst hatte. Wintfch, wina = er, sie (abwes ), fchis, fchij 
= er, sie (anwes.). In der oratio obl. wird fchis fchij auch 
zur hezeichnung abwesender personen gebraucht: Schis winu 
päfift er (anwes.) kennt ihn ; fchis winu päflfts er (der abwes.) 
sagte, er kenne ihn. wintfch teize, ka wintfch braukfchkis 
{wintfch — wintfch zwei versch. personen), wintfch teize, ka 
fchis braukfchkis {wintfch — fchis eine und dieselbe person). 
— Wintfch = jener kommt nur in compositis vor. Wintäws 
{&vich fchotäws) der wirth des anderen gesindes; dem müfijais, 
jijifijais entspricht winijais ■= wintäws; aifej uf winfätu geh 
ins andere gesinde (das gleichen namen hat mit dem unsrigen, 
z. b. Kaln- und Leis-Stau^äni. Für Kaln-Staugani ist Leis- 
Stauffani winfäta, während das noch näher gelegene gesinde 
Jäkäni es nicht ist); windeen neulich: as mndeen wäl 
wiftas no ruidfeem notrinku neulich noch (etwa gestern oder 
vorgestern) jagte ich die hühner vom roggenfeld; winpat^gr 



238 J. Kaulin 

diesen, eben vergangenen frühling vor einem jähr. Diese com- 
posita sind sinnverschieden von weendeen, weegad, weenpaufer 
vor einigen tagen, jähren, ivinfwadeen mäezitäjs fauzäs deew- 
gäldneeku wair nanamt vorigen sonntag hat der pastor bekannt 
gemacht, dass die communionssaison aufgehört habe — tveen- 
fwädeen mäezltajam uf häfnizu hrauzot nalaime notikuife vor 
mehreren wochen sei dem pastor eines sonntags auf der fahrt 
zur kirche ein unglück passirt. winpuf afara jenseit des sees, 
winnedäi vorige woche. — ,, Solcher" heisst hier fchitäds ; fchäds 
vielleicht einzig in dem ausdruck fchäedi täedi verschiedene, 
allerlei : fchäedi täedi fanäkufchi ßla paku laufajin, nau na- 
weena gudra wlra, ar ko mun parunäi (die zweite strophe 
dieses liedchens wird oft variirt in: drikii rijas kuläjin [eine 
sehr leichte arbeit] oder in: plängäldina uirhäjiH, in welchen 
nicht weniger Verachtung liegt, als in fila paku laufäjin). — 
tani und /chini hört man in der Umgangssprache selten, fchimi 
puifä afaram minder gebraucht, als fchaipuf afara. Ganz 
geläufig ist aber in Saussen das Substantiv fchana das hier 
(fchatias, fchanai, fchanu, der loc. fehlt, ebenfalls die mehr- 
zahl); /chatlas täws unser wirth, im gegensatz zu fcho- oder 
wintäws, no fchanas lldf Rigai von hier bis Riga, fchis uf 
f(^anu nanäkfchkis er sagte, dass er hierher nicht kommen 
werde, lidf fchanai ar paftu hrauzot ifees wai wifi diwdefmit 
peezi ruihii. Das interrogativum kas verbindet sich in allen 
casus mit einem t: käst fchit kleedfe? wer schrie hier? {kad 
ist wol eine contraktion von kas und tad, desgl. die übrigen 
formen); kät fchis näezs? wonach ist er gekommen? kamt 
grüdi pirftus guinee? etwa: warum warst du so unvorsichtig? 
kot tirgö redfäji? was sahst du auf dem markt? Dann auch: 
kurt bij näfs? wo war das messer? wait ij wäl toj nanäkfi? 
wirst du auch wol noch nicht so fort kommen? Bei kuirs? 
wer? käds'f was für einer? katrs? welcher von beiden? zik? 
wieviel? kommt eine solche attraktion des tCad) nie vor. — 
In der partikel kaut ist das i lautlos: kau as wärajs pafnägt 
könnte ich erreichen; ebenfalls in compositis: kaukas irgend 
jemand, irgend was (kauka, kaiikam, kaukoj, kaukuirs jeder 
beliebige, kaukur irgendwo, kaukäds qualiscunque; promiscue 
mit diesen formen werden gebraucht: katfchkas = kaukas, 
katfchkur -= kaukur, katfchkuirs, katfchkäds, katfchkam, katfchko. 
— Wird wifi alle substantivisch gebraucht, so wird ihm stets 



(Lettische) mundart von Saussen u. Fehteln (Livland). 239 

noM nachgesetzt: was wi/i noii bijäm fänees wir waren alle 
riezchen suchen, wlneem wifeem noleem dfart grihoetees sie alle 
sollen durstig sein, jus wifas noias tväreet druifzin atkri/t ihr 
könnt euch alle etwas hinlegen (zum mittagsschläfchen in 
grosser arbeitszeit). Aber wifeem harneem, nicht: tin/eem nohem 
bärneem. J. Kaulin. 

(Schlues folgt.) 



Etymologien. 

1) Umbr. aäputrati „arbitratu", lat. arbiter „zeuge, Schieds- 
richter, gebieter", arbitrari „wahrnehmen, einen ausspruch tun, 
zeugen, meinen" — an. nt kveäa „sagen, bestimmen", aikvceäi 
„I a) a technical phrase, esp. in law, ß) a word, expression; 
II a) a decision, sentence ß) now a law term = vote; III 
a decree of täte, a spell, charm" (Cleasby-Vigfusson), 
„ausspräche, geheiss, bestimmung, urteil" (Möbius), kviär 
„zeugniss, zeuge", heimis -kviär „home-verdict", tölftar -kviär 
„verdict of twelve". 

2) Asl. kosvem „schief", poln. koälavy „krummbeinig", 
russ. kosith „krümmen", serb. kosijer ,,wange" u. s. w. sowie 
asl. kosa, poln. kosa „sense", poln. koäiö „mähen" („sicheln"), 

basis koks lat. coxa, coxendix „hüfte", coxa (agrorum) „ein- 

biegung", coxo „hinkend", coxim, cossim „zurück, einwärts 
gebogen" — mhd. hahse „kniebug", hähsenen „die hessen 
durchschneiden" (vgl. Fick Wbch.3 I 516). 

3) An. hröf ,,a shed under which ships are built or kept", 
ags. hröf „dach, schiffsverdeck, tectura, tignum, tigillum, fasti- 
gium, culmen", engl, roof ,,dach" — cech. klr. poln. krokva, 
weissruss. krekva „dachsparren" (Miklosich Etym. wbch. 
s. 141) — gr. TiQooaa {KgcHaoa) „mauerzinne, absatz". 

4) Lit. zirkles „scheere", lett. ßrkles, dßrkles „schafscheere" 
— gr. x(XQ<xaa(x} „spitzen, kerben, einschneiden" — lat. furca 
„gabel, galgen, engpass" (s. Froehde K. Zs. XIV 156). — 
Die Zusammenstellung ist nicht ganz unbedenklich, doch kann 
dßrkles aus ßrkles entstanden sein, wie im Lettischen dfüse 
für ßiss „gans" erscheint, und lat. f = (jh kommt auch 



240 A. Bezzenberger 

8onst vor (Fr o eh de o. III 15, Bersu Die gutturalen u. s. w. 
8. 131). 

5) Tdaoio, von G. Curtius Verbum^ I 319 vermutungs- 
weise auf eine wurzel Tay zurückgeführt, „der es jedoch an 
anknüpfungspunkten in den verwandten sprachen fehle", ist 
ausser mit avest. thanj „anfügen, bändigen", welches Fick 
bereits verglichen hat, verwant mit iit. pafogüs „anständig" 
(evrayiTog) = lett. patägs „bequem" und Iit. su-tögti etwa „sich 
verbinden" „sich versprechen" (su töha [sc. mergä] taj nor su- 
tögti ir susidoröH Juskevic Svotbine reda s. 6). -t 

6) Uebersetzt man öiarrog mit „durchschlag", öiaTTaco 
mit „durchschlagen" so entspricht -Trccto = oäco genau dem 
Iit. tw6ju „ich prügele", das übrigens als „Scherzwort" früher 
eine etwas andere bedeutung (vgl. unser durchwalken u. dgl.) 
gehabt haben mag 

7) Lit. tivainytis „schwänzeln, coquettieren" (Mitteil. d. 
Iit. litter. ges. I 75 anm. 329, Gott. gel. anz. 1885 s. 942) — 
gr. aaivo) „mit dem schwänz wedeln, schmeicheln, liebkosen". 
Der aorist ear]va, mäva ist durch die flexion der übrigen verba 
auf -aivü) veranlasst. 

8) Lit. at-si-iwenkti „sich voll trinken", twlnkti „auf- 
schwellen, anschwellen" — gr. oo^tq)6g (aus aovqng) „schwam- 
mig, locker, porös". 

9) Lit. twlnkti „dämmen", twänkas „schwüle" — germ. 
ßvingan „drücken, pressen, zwingen" (Fick Wbch. I 606) — 
gr. adzTio ,, bepacken, fest eindrücken, feststampfen", arjxSs 
„pferch", aäyr] „bepackung". . -.,^,^^^ 

10) &tf}g4i§ „ein beMltoiss, gef^s^die gebeine^^si^ "'^ß^S., 
storbenen dann 'zu sammeln"^und aufzubewahren", aeiga „seil, 
strick, schnür, band, kette", aegideg ' oeiQai Hes. — lit. tweriii 
„fassen, halten", ap-twaras „gehege", twdrsle „zügel, fahrleine". 
Die Zusammenstellung von ooQog mit dem lukan. aoQofto^ lässt 
sich um so weniger aufrecht erhalten, als das dem letzteren 
zur Seite stehende lat. s'^^f^m'e wahrscheinlich mit Prellwitz 
an lit. sih^Mi ,,behüton7 oewachen" auzuschliessen ist. Trifft 
diese etymologie zu, so entspricht a()^if9^jmx andrerseits mög- 
licherweise unserem sarg "^hd. sarc, safy^hji:,^hiii^, dessen ent- 
stehung aus sarcophagus nicnt** erwiesen ist^). 

*) Nachträglich bemerke ich, dasa uoqös und tvMi bereits von 



Etymologien. 241 

11) Taxvq kann wegen seines comparativs d^aaaiav weder 
dem skr. tdku entsprechen, noch zu xQtyw gehören, stimmt 
dagegen auf das beste zu poln. >AJ|^^,woßltKstre!}*^J^^traclM«^^^ 
eilen" und lit, dangmti „wandern, ziehen, streben", an die wohl 
auch klr. dnzyj „rüstig", ksl. ned^g% „krankheit" (vgl. Mi- 
klosich Etym. wbch. s. 48) und skr. dagh „reichen" anzu- 
schliessen sind. — Beiläufig bemerkt spricht der umstand, dass 
der comparativ von Ttaxvg nicht * rpaooiov ^ sondern rtaaaiov 
heisst, für die Zusammenstellung dieses Wortes mit lat. pinguis 
und gegen die mit skr. bahii. 

12) Nhd. flattern, mhd. vlederen — lit. plezd^ti, pleznöti 
(aus *plezdn6ti) „flattern", plasteti „schlagen (auch vom schlagen 
der vögel mit den flügeln)". Lett. plederSt ist wohl deutscher 
herkunft. ,, _^^^ 

13) Mndd. vlüs, vlüsch Vwollflocke), schaffeJVvIiesz", ags. \ 
flys „vlies"\. s. w. — lit. p^skos „haape^n, haare", lett. j 
plnskas „lumpian, zotten". \ "* '""""^^ 

14) Skr. valgä „zäum, zügel" — lett. tcalgs „strick, schnür, 
viehstrick". ^ 

15) Ägs. vloh „franse, faser, flocke\ — asl. vlakno, „capil- 
lus", russ. votbkßö „faser, faden", poln. wtökno „garn, gespimist" 
— skr. valkd ^';t>ast, splint". Die grundt^m des deutscl*gn 
Wortes ist vlan^a-, 'i^ie der slavischen Wörter fS^no-; die ver^ 
mittlung beider lasse k^ dahin gestellt sein- \ 

J6) AngeI§r'w^2^aM,^'<iUi^s?J/Ygön, siußön, mnM?S^chten 
„seufzeiHs^^ lit. sicgiu, suktt^^timl^, wins|ln (von liundlfej"^ 
lett. südfH „klagen", sükstitls „seufzen, sich beklagen". 

17) Norweg. stauka „1) stossen, hacken 2) langsam gehen, \ 
insbesondere mit einem stock gehen", stauke se „sich auf einen ! 
Stab stützen" (Aasen); ostpreuss. stüken „wiederholt abwärts 
stossen, drücken, stampfen", stükerlg „holperig"; niederhess. 
stokerriy ndd. sfoekeren „herum schleichen und alles durch- 
suchen" — lit. staiigineti „schlendern". 



W. Schulze K. Zs. XXVIII 280 zusammengestellt sind, der weder bei 
Jßffi/f das. mich (o. III 136), noch bei vtiös das. XXVII 604 Fick (o. I 
386) genannt hat. 

A. Bezzenherger. 



242 John B. Bufy Simul. 



Simul. 

Simul gehört zu afia o/nov u. s. w., aber wie erklärt sich 
das l? Man könnte denken, es verhalte sich zu stmilis wie 
facul zu facüis, aber die bedeutung bestätigt diese ansieht 
nicht. Es ist wahr, dass man um eine similitudo warzunehmen 
die verglichenen dinge sozusagen simul ponere muss, doch dess- 
wegen gehören similis und simul nicht unmittelbar zusammen, 
wie facul und facilis. 

Simul bietet meines erachtens ein beispiel von aus d ent- 
standenem l; es entspricht dem auf *dfj,vd beruhenden afj.vSig. 
Vergleiche sub:sus; ah:abs; djiKpi : ä^icpig u. s. w. (s. Bechtel, 
Beitr. X, 287) i). In änlicher weise entspricht aliud aXlvdig. 

Die frage über die entstehung von l aus d ist noch nicht 
erledigt. Die beispiele des in dieser weise entstandenen inlau- 
tenden l berechtigen die annähme, dass diese Verwandlung nur 
in den combinationen od und ud im iulaute (oder im auslaute) 
stattgefunden hat ; 'Oövaasvg : *Olysses : Ulysses, * ödere : olere, 
* mudier : mulier (Fick Beitr. I, 63), *simud : simul ^). In 
aliud illud hat das schon vorhandene l änderung gehindert, und 
das mit ihnen associirte istud ist natürlich auch unverändert 
geblieben. 

Die das anlautende / aus d betreffende frage ist schwieriger. 
Doch scheinen die sichersten beispiele auf rückwirkung eines 
folgenden w-lautes hinzudeuten: lacrVLma (mit u nicht i zu 
schreiben), le\ir (ai. devar, darjQ), lüdo (ai. div-), lingna (got. 
tuggö), laiitia (dautia bei Festus), zeigen alle u. Demnach wäre 
es möglich, laurus entweder aus davrus = doßhv-rus (vgl. brems, 
levis u. s. w.), ddqivT], thess. davxvä zu erklären, oder mit Stokes 
Beitr. XI, 76 zu skr. däru zu stellen; aber Stokes' erklä- 
rung von larix (zu ir. dair Beitr. IX, 88) wäre, diesem 
gesetze gemäss, zurückzuweisen. Es scheint aber bedenklich, 
wie das u in lacruma das anlautende l verursacht haben könnte; 
in ludo, lautia, und auch levir ist es begreiflicher. 

Ist Stokes' etymologie von larix richtig, so kann auch das 
l in lares aus d entstanden sein, und *dares = *dases ein 
pluralis zu ösa~ in öeonoTT^g sein (lat. a = £, wie in magnus, 
f.Uyag u. s. w). Auch dio, mit d6f.iog schwerlich verwandt, 
kann für '^doav *öov (vgl. a/uqxjOy ubhau) stehen. 

*) Ein anderes beispiel ist dvSQaxäg, das ich als dvSQu-xärg {xatg = 
xaiä) deute. *) Ich vermute, dass auch uls uUerior utttmus, die ich von 
ollus olim u. 8. w. trennen und mit vOTtQos vaiaTos, ssk. ud, got. ut 
{uls : ud = abs : ab u. s. w.) verbinden möchte, hierher gehören. 

Dublin. John ß. Bury. 



Hermann Collitz Wahrung meines rechtes. 243 



Wahrung meines rechtes. 

Es ist mir dieser tage eine schrift Osthoffs zugegangen, 
die den titel führt: „Die neueste Sprachforschung und die 
erklärung des indogermanischen ablautes. Antwort auf die 
gleichnamige schrift von dr. Hermann Collitz". Der verf. sucht 
den umstand, dass er sachlich nichts rechtes zu entgegnen 
weiss, durch einen akt persönlicher räche an J. Schmidt und 
mir auszugleichen. Ich für mein teil sehe mich dadurch zu 
folgender abwehr genötigt. 

Ich habe das palatalgesetz während meiner Göt- 
tinger Studienzeit gegen ende des sommersemesters 
1876 selbständig gefunden und habe damals meinen Göt- 
tinger lehrern dr. ßezzenberger und prof. Fick von diesem 
funde mitteilung gemacht (vgl. ßezzenberger Gott. gel. anz. 
vom 25. juni 1879 s. 822). Es sollte nicht nötig sein, dies 
nochmals hervorzuheben, denn ich habe es schon einmal vor 
bald 8 Jahren in Bezzenbergers beitragen und zwar auch da- 
mals Osthoff gegenüber erklären müssen. Osthoff lässt jene 
erklärung unberücksichtigt, er lässt die unter namhaftmachung 
von zwei zeugen abgegebene erklärung , die ihm bekannt sein 
musste und die sein ganzes künstliches gewebe gegen mich 
zerreisst, unberücksichtigt! Es ist mir in erinnerung und ich 
will das hier hinzufügen, dass ich das gesetz fand, als ich s. 28 
des 23. bandes der Kuhnschen Zeitschrift las. 

Erst weit später, im juni 1877, wurde mir bekannt, dass 
dieselbe entdeckung auch von anderer seite gemacht sei. Da- 
mals teilte mir ßezzenberger nach seiner rückkehr von einer 
reise nach ßerlin mit, dass J. Schmidt dasselbe gesetz ge- 
funden habe. 

Im Wintersemester 1877/78 schrieb ich einen aufsatz, der 
in Bezzenbergers Beiträgen II s. 291 ff. gedruckt ist. Am 
Schlüsse dieses aufsatzes stellte ich in aussieht, die 
existenz eines ursprachlichen e aus den palatalen 
zu beweisen. Es ist das der erste in gedruckten 
Worten gegebene, allgemein zugängliche hinweis auf 
das palatalgesetz. Das heft der Beiträge, welches diesen 
hinweis enthält, ist im mai des j. 1878 ausgegeben. Später 
haben Osthoff und Hübschniann, ohne mich zu nennen, den- 



244 Hermann Collitz 

selben gedanken , der ihnen aus andrer quelle auf umwegen 
bekannt geworden war, veröffentlicht (vgl. meine anmerkung in 
Bezzenb. Beitr. III s. 208). 

Ausführlich habe ich das palatalgesetz dann behandelt 
in meiner dissertation, die im november des j. 1878 bei der 
philosophischen facultät der Universität Göttingen eingereicht 
und in Bezzenbergers Beiträgen III s, 177 ff. gedruckt ist. 

Mit J. Schmidt bin ich zuerst im beginne des sommer- 
semesters 1878 in persönliche berührung gekommen. Ich habe 
in jenem semester und später wieder von ostern 1879 ab seine 
Vorlesungen besucht. Ich erfuhr, dass Schmidt bereits im jähre 
1877 in seinen Vorlesungen das palatalgesetz gelehrt habe. Er 
arbeitete im sommer 1878 an seiner abhandlung über die pala- 
tale. Ich würde dies in meiner dissertation erwähnt haben, 
wenn ich nicht erwartet hätte, dass seine arbeit früher als die 
meinige oder doch wenigstens gleichzeitig mit ihr erscheinen 
würde. Schmidts arbeit ist später als meine dissertation, aber 
wie diese im j. 1879 veröffentlicht. Als nach dem drucke 
meiner dissertation Schmidts abhandlung noch nicht erschienen 
war, nahm ich gelegenheit, in einer recension, die im februar 
1879 geschrieben und im Anzeiger f. deutsches altertum V 
8. 318 ff. gedruckt ist, darauf hinzuweisen (s. 356 f.), dass es 
mir in Bezzenb, Beitr. III s. 208 nur daran gelegen habe, mir 
mein recht zu wahren (nämlich Osthoff und Hübschmann gegen- 
über), dass es aber nicht meine absieht sei, Thomseus und 
Schmidts rechte zu bestreiten. 

Dies in bezug auf Thomsen zu erklären hielt ich deshalb 
für meine pflicht, weil sein name in dieser sache noch nicht 
genannt war, ich aber inzwischen erfahren hatte — was mir 
bei der abfassung meiner dissertation noch nicht bekannt war 
— dass er das gesetz früher als ich und wahrscheinlich auch 
früher als irgend ein andrer gefunden habe. Ich erfuhr dies 
durch meinen studiengenossen und freund dr. L. Bornemann, 
der im j. 1878/79 Thomsens schrift über den Ursprung des 
russischen Staates übersetzte. (Die Übersetzung ist Gotha 1879 
erschienen. Bornemann ist erst während der Übersetzung mit 
Thomsen in briefwechsel getreten. Vor dem jähre 1878 hat 
weder er, noch so viel ich weiss irgend sonst jemand unter 
meinen bekannten zu Thomsen in directer oder indirecter be- 
ziehung gestanden). Nach dem empfange meiner dissertation 



Wahrung meines rechtes. 245 

schrieb mir dann Thorasen in einem briefe vom 3. juni 1879 
u. a. folgendes: ,,Es war ein zufall, dass ich dazu kam, mein 
Verhältnis zur frage über die indoiran. palatalreihe in einem 
briefe an Ihren freund, herrn dr. Bornemann, zu erwähnen; 
was mich dazu brachte war ausschliesslich interesse für die 
Sache, keineswegs die absieht, meine eigene person hervorstecken 
zu wollen. Um so mehr danke ich Ihnen für die liebens- 
würdige weise, in der Sie die sache aufgenommen haben. Aus 
Ihrer abh. s. 31 == 207 anm. ersehe ich, dass Sie wenigstens 
im sonimer 1876 den gedanken gehabt haben; gerade um 
dieselbe zeit (während der skandinavischen philologenversamm- 
lung hier in Kopenhagen im juli 1876) erinnere ich mich dass 
ich mein System aussprach, leider nur privat und nicht in einer 
öffentlichen sitzung; aber in Vorlesungen habe ich es schon 
längere zeit früher dargestellt. Ich will mir nichts anmassen, 
was mir nicht gebührt, und ich glaube wir können mit gutem 
gewissen die ehre der entdeckung teilen. Ihnen gehört in 
Deutschland jedenfalls die priorität. Uebrigens scheint die ent- 
deckung gewissermassen in der luft gelegen zu haben; denn 
Saussure ist jedenfalls unabhängig auf dasselbe gekommen" 
[ich will dazu bemerken, dass Osthoff s. 19 in bezug auf 
Saussure andrer meinung ist — H. C] „und mein freund und 
kollege , prof. E. Tegner in Lund , erzählte mir kürzlich , er 
habe schon längere zeit eine abhandlung über denselben gegen- 
ständ gedruckt gehabt, sei aber derselben überdrüssig geworden. 
Ueberhäufung mit andern arbeiten hat gemacht dass ich erst 
während der weihnachtsferien 1877/78 und der sommerferien 
1878 den gegenständ in einer ordentlichen abhandlung (deutsch) 
bearbeiten konnte, aber da ich beinahe fertig war, sah ich, 
dass ich schon zu spät kommen würde, und die ganze abhand- 
lung wurde deshalb bei seite gelegt. Ich gestehe, dass ich 
mich ein bischen ärgerte, nicht sowol der prioritätsfrage wegen 
— denn darauf lege ich nicht so grosses gewicht — als weil 
ich so viele arbeit umsonst gemacht hatte. Doch daran ge- 
wöhnt man sich allmählich in unserer rastlosen zeit und — 
hört auf zu schreiben". 

Thomsen ist bereit, meine ansprüche neben den seinigen 
gelten zu lassen. Aber Osthoff lässt es, wie vor 8 jähren, so 
auch jetzt noch keine ruhe, dass jemand, der ihm und seinen 
genossen von der junggrammatischeu partei gelegentlich etwas 



246 Hermann Collitz 

scharf auf die finger gesehen hat, ein anrecht haben soll auf 
die folgenreichste entdeckung, die in den letzteren jähren seit 
dem Vernerschen gesetze in der vergleichenden Sprachwissen- 
schaft gemacht ist. Er behauptet: „Collitz hat nach eigenem 
wiederholten Zugeständnis später als Joh. Schmidt oder höch- 
stens ,ziemlich gleichzeitig' mit diesem um das gesetz und seine 
gewinnung für die Wissenschaft sich bemüht und verzichtet über- 
dies ja auch freiwillig auf das recht der ersten entdeckerschaft". 
Osthoff hat sich dazu hinreissen lassen, die beiden gelegent- 
lichen bemerkungen (Anz. f. dtsch. alt. a. a. o. und Bezzenb. 
Beitr. XI s. 203), in denen ich anderen gerecht zu werden 
suchte, dadurch zu entstellen und ihren klaren sinn dadurch 
zu verdunkeln, dass er einen misverständlichen ausdruck ein- 
setzt, einen namen unterdrückt, früheres zum späteren macht, 
und das ganze in einen irreführenden Zusammenhang rückt. 
Der misverständliche ausdruck, den er gebraucht, ist „sich um 
das gesetz und seine gewinnung für die Wissenschaft bemühen". 
Dieser ausdruck hebt den unterschied auf zwischen den drei 
Stadien, um die es sich bei der frage nach der priorität han- 
deln kann: entdeckung, Veröffentlichung und begründung des 
gesetzes. Osthoff gewinnt dadurch die möglichkeit, mein „Zuge- 
ständnis", dass ich das gesetz später im drucke veröffent- 
licht habe, als es von J. Schmidt gefunden und in dem 
engeren kreise seiner Vorlesungen bekannt gemacht sei, so zu 
wenden, als hätte ich mich überhaupt erst ,, später als Schmidt 
um das gesetz bemüht", was man dem zusammenhange nach 
so deuten kann, als sei mir das gesetz erst später bekannt 
geworden. Dieser seiner Verdächtigung leistet Osthoff auch 
dadurch Vorschub, dass er gleich darauf wirklich von dem 
„recht der ersten entdeckerschaft" spricht, auf das ich nach 
seinem ausdrucke „freiwillig verzichte". Ich habe ja allerdings 
nirgends den anspruch erhoben, die entdeckung früher als 
jeder andere gemacht zu haben und bin nach wie vor bereit, 
Thomsen, wie übrigens auch jedem anderen glaubwürdigen 
manne, der mir sagt, dass er sie vor dem ende des sommer- 
semesters 1876 gemacht habe, darin den vorrang zu lassen. 
In diesem sinne habe ich mich auch im j. 1879 im Anz. f. 
dtsch. alt. ausgesprochen. Osthoff benutzt jene bemerkung, 
unterdrückt aber den namen Thomsens, und verwendet sie in 
dieser modificierten form in einem satze, in welchem er die 



Wahrung meines rechtes. , 247 

frage der priorität zwischen Schmidt und mir aufwirft, und in 
einem zusammenhange, in welchem er Schmidt das recht der 
selbständigen entdeckung abspricht. Er stellt sich, als fielen 
dann mit Schmidts ansprüchen ohne weiteres auch die meinigen. 
Dabei bedient er sich mir gegenüber einer eigentümlichen jahres- 
zählung: er verlegt das jähr 1878 in eine spätere zeit als das 
jähr 1879. Nach seiner auslegung meines „wiederholten Zuge- 
ständnisses" nämlich habe ich mich „später als Joh. Schmidt" 
(in meiner Veröffentlichung vom j. 1878, vgl. Anz. f. dtsch. 
alt. a. a. o.) ,,oder höchstens ,ziemlich gleichzeitig' mit diesem" 
(in meiner im j. 1879 ausgegebenen dissertation, vgl. Bezzenb. 
Beitr. XI a. a. o.) „um das gesetz bemüht". Die abneigung 
gegen die übliche art der Zeitrechnung, die sich hierin aus- 
spricht, hat Osthoff wol auch dazu bestimmt, die in meiner 
dissertation mitgeteilten Zahlenangaben über die zeit, wo ich 
das gesetz gefunden und zuerst im drucke bekannt gemacht, 
ganz bei seite zu lassen. Er musste diese daten dem leser 
vorenthalten, um meine ansprüche auf das gesetz denjenigen 
Schmidts völlig unterordnen zu können. 

Osthoffs entstellung der wahren Sachlage gegenüber sehe 
ich mich zu der ausdrücklichen erklärung veranlasst, dass ich 
es nach wie vor als mein anrecht betrachte, das 
gesetz vor zehn jähren durchaus selbständig gefun- 
den, dann zuerst im drucke darauf hingewiesen und 
später zuerst in einer monographie den eingehenden 
beweis dafür geführt zu haben. Ich bin mit diesem 
an teile durchaus zufrieden und neide keinem der mitentdecker 
den seinigen, fürchte auch durchaus nicht, es könne einem 
Osthoff gelingen, mir mein anrecht auf die selbständige ent- 
deckung, die bekanntraachung und die begründung dieses ge- 
setzes zu nehmen. 

Einer Widerlegung bedarf hiernach nur noch der versuch 
Osthoffs (s. 18) , für sich und die junggrammatische schule in 
Sachen der palatale wenigstens einen kleinen lorbeerzweig bei 
seite zu legen, nämlich das verdienst der „ersten gedruckten 
mitteilung des palatalgesetzes". Der erste band der „Morpho- 
logischen Untersuchungen", der s. 116 die mitteilung Osthoffs 
enthält, ist mindestens einige wochen später erschienen als das 
4. heft des II. bandes von Bezzenbergers Beiträgen, welches 
auf s. 305 die „erste gedruckte mitteilung des palatalgesetzes" 



248 Hermann Collitz Wahrung meines rechtes. 

von mir enthält. Letzteres heft erschien im mal 1878, während 
die vorrede des I. bandes der Morph, untersuch, vom juni 1878 
datiert ist. Während des druckes dieses I. bandes der Morph, 
untersuch, konnte Osthoff bereits in der anraerkung s. 207 ff. 
gegen den aufsatz, in welchem meine mitteilung enthalten ist, 
polemisieren. Merkwürdig, dass er auch dessen wieder sich 
nicht erinnert. Ich kann ihm also hierin kein Vorrecht ein- 
räumen, meine auch, er sollte von seiner eigenmächtigen Ver- 
öffentlichung einer nicht von ihm gemachten entdeckung lieber 
schweigen, als sich etwas darauf zu gute tun. 

Es ist dies, wie gesagt, das zweite mal, dass ich mir in 
Sachen der palatale mein recht gegen Osthoff wahren muss. 
Das erste mal, vor 8 jähren, hatte er meinen namen ver- 
schwiegen; heute, wo das nicht mehr möglich ist, sucht er ihn 
unter dem vorwande, ich hätte freiwillig verzichtet, aus der 
liste zu streichen. Der Osthoff vom j. 1886 ist des Osthoffs 
vom j. 1878 würdig. Und sein heutiges verfahren dient, wie 
sein damaliges dazu, meine rechte gegen die eingriffe eines 
von Parteileidenschaft verblendeten gegners nur noch fester zu 
sichern. 

Bryn Mawr bei Philadelphia, Dr. Hermann Collitz. 

den 13. november 1886. 



Erklärung. 

Die unterzeichneten erklären auf wünsch ihres freundes 
Hermann Collitz, dass derselbe seine entdeckung des palatal- 
gesetzes ihnen bereits gegen ende des sommersemesters 1876 
mündlich mitgeteilt hat. 

10. XII. 86. A. Fick, A. Bezzenherger. 



249 



Das sechste buch der Atharva-samhitä 
übersetzt und erklärt. 

Vorbemerkung. 

Die ersten 7 bücher der Atb.-samh. sind nach der vers- 
zahl geordnet; dem sechsten buche sind im allgemeinen die 
sogenannten trica, hymnen von 3 versen, zugeteilt. Unter den 
142 hymnen des buches finden sich 12 solche von 4 versen 
und 8 hymnen von 5 versen; die übrigen 122 sind trica i). 

Ein grundsatz bezüglich der anordnung der hymnen inner- 
halb des buches ist nicht zu erkennen; das gleichartige ist 
überallhin verstreut; nur in seltneren fällen steht das dem 
inhalt nach zusammengehörige bei einander, z. b. hymne 8 und 
0; 27, 28 und 29; 42 und 43. 

Nach Vorgang von prof. Weber in seiner bearbeitung des 
dritten buches der Ath.-samh, (Ind. Studien bd. 17, p. 177 ff.) habe 
ich die angaben der Brihatsarvänukramanikä zum Av. und des 
Kaugika-sütra mit dem commentare des Bhatta Därila heran- 
gezogen (das Verzeichnis der stellen bei Kaugika verdanke ich 
der gute des herrn prof. Bloomfield in Baltimore); ausser- 
dem sind die allerdings wenig erspriesslichen angaben des 
Vaitäna-sütra nach Garbe's Übersetzung beigefügt. 

1. 
Abendlied an Savitar. 

1. Bei abend singe, singe laut, 

hell bring hervor, Atharvaspross I 
Lobpreise Savitar, den gott. 

2. Den preis', der innerhalb der fiut 

der Wahrheit söhn, den jüngling [preis'], 
den truglos redend lieben freund. 

3. Er, Savitar, der gott, erweck' 
uns reichlich kraft der ewigkeit. 
Die sänge beide schaffen heil. 

Commentar. Man sollte als metrum eine stark vernach- 

*) Die Brihatsarvänukramanikä zum Av. hat am beginn des betref- 
fenden abschnitts: atbäta? tricasüktakämdamamtrarsichamdodevatä vyä- 
khyäsyämas, tatra tricaprakritir itarä vikritir iti. 

Boitrüfrc ■/.. kmide d. indR. sprachen. XII. 17 



250 C. Florenz 

lässigte gäyatri annehmen; die anukr. ist aber anderer meinung 
und hat zu hymne 1 und 2 folgendes: doso gäya (6, 1, 1) 
imdraya somam (6, 2, 1) iti dve ausnihe, pürvam sävitram, 
uttaram vänaspatyam saumyam; tricav Atharvä 'pagyat, tato 
niamtroktadevän astaud iti; pürvasyä "di/ä tripadä pipilika- 
madhyä sämrn jagati, tatha j^are dve pipüihmnadhye pura usnihe; 
dvitiyasya tisrah parosniha iti. 

Vers 1 lies: dhehi ätharvana, vers 2: yo 'ntah. 

Vers 2 halte ich gegen die anukr. als wahrscheinlich an 
Agni gerichtet; allerdings wird Rk 8, 58, 4 Indra als sünuh 
satyasya genannt. 

Zu dyumat (vers 1) = ,,hell", dann „laut, weitschallend" 
und überhaupt über das zusammenfallen der begriffe von 
„tönen" und „leuchten" vergl. Pischel Z. D. M. G. 35, 718 ff. 

Zu sugätu (vers 3) bemerkt P. W. ,, fehlerhaft, wohl zu 
ändern: ubhe sruti su gätave". Whitney im index verborum 
hat an dieser stelle nicht geändert, und bei sugätave verweist 
er nur auf sugMuyä, 4, 33, 2*. Nach lesung des P. W. würde 
zu übersetzen sein: ,, Beide wege (sruti f. == ausfiuss, weg) sind 
schön zu gehen" (cf. Rk 3, 3, 1 gätave dat. inf. zu gehen p. w.). 
Ich lese : ubhe stuti sugätave „beide lobgesänge (der an Savitar 
und der an Agni ?) gereichen zum Wohlergehen". . stuti kommt 
allerdings sonst im Av. nicht vor, wohl aber mehrmals sustuti; 
man könnte daher auch lesen: ubhe sustuti gätave beide schöne 
lobgesänge sind zum singen. Der dritte pada wird so regel- 
mässig. Auch pada 2 enthält eine silbe zu viel, ohne dass 
indes eine änderung nahe läge (höchstens etwa amritä zu 
lesen?). 

Vait. s. 17, 2 hat: [Nachdem der adhvaryu, pratipra- 
sthätar, prastotar, udgätar, pratihartar, brahman und der 
presser (d. i. yajamäna) sich südlich vom cätväla niedergesetzt 
haben], recitiert der adhvaryu leise dies lied, wobei er den 
udgätar ansieht. Vergl. Käty. Qr. 9, 6, 35. Agv. ^r. 5, 2, 7. 

Kaugika 23 hat: yajümsi yajna iti (5, 26, 1) navacäläydm 
sarpir madhumigram jnhoti ; doso gäyeti (6, 1, 1) dviüyäm dvi- 
tiyeti süktamätram vi9esah, yuktdbhyäm tritiyäm äbhyäm sana- 
mucitägyäm tritiyäm ähutim juhuyät. dnumatim caturthim anu- 
matih sarvam idam iti anayänumatesväheti ke ein mamtränäme- 
tyat. gäldm amgulibhyäm samproksya grihapatnyäsdda upavi- 
cyodapdtram tiinayati uaväm ^äläm udakenä 'mgulibhyäni 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 251 

amaiptraka proksya patnyäsada upavi^yodapatram ninayati, 
bhaktagriha upavi^ya, udapätram märjayati, avasimcodaka- 
mamtrakam. 

KauQ. 50 citiert die Verwendung von 6, 1, 1 in Verbindung 
mit 6, 3, 1. 

KauQ. 59: doso gäyety atharvanam samavrityä 'Qnäti. 

2. An Indra gegen ßakschas. 

1. Für Indra presst den somasaft 

priester! aus, und strömt herbei; 

des preisers rede höre er und meinen ruf. 

2. In den die somatropfen gehn 
wie vögel in den bäum eingehu, 
vollkräftiger! die feinde schlag, die Rakschasbrut. 

3. Dem somatrinker presst den saft, 
dem Indra mit dem donnerkeill 

Ein junger sieger, berrscher ist er, vielgerühmt. 

Metrum: usnih. 1 lies: sunota ä ca dhavata. Vergl. Rk 
7,32, 6 yas te . . . sunoty ä ca dhavati Grassmann: „Der dir 
auspresset und mit wasser spült", Ludw. : „Der presst und 
zuströmen lässt". stotur bezieht sich auf den Verfasser des 
liedes, me auf den, der es recitiert. 

2. lies viganti indavo. 

3. lies somapävane und jetä igänah. 

Mit dem liede „Für Indra presst den somasaft" begleitet 
der adhvaryu den soma, wenn er sich im dronakalaga befindet 
(d. h. das umgiessen desselben in den dr,). Vait. s. 16, 13. 

Kaug. 29 hat: äyam vigamtUi (6, 2, 2) vayo7megane gritam 
ksiraudanam apidfi asyakracali paksivasakagritam ksirauda- 
nam agnati. raksobhaisajyam. / 

3. Gebet um schütz. 

1. Schirmt, Indrapüschan, uns! es schütz' 
die Marutschar und Aditi. 

Apäm napät! ihr sieben flüsse! leihet schütz! 
Vischnu und himrael schütze uns, 

2. Es schütze erd und himmel uns zur förderung; 
der pressstein schütze, Soma schütze uns vor not. 
Die schöne göttin Sarasvati schütze uns, 

es schütz' Agni mit gnäd'gen hilfeleistungen. 

17* 



252 C. Florenz 

3. Schutz leihn soll uns das A^vinpaar, die glanzesherrn ; 
die morgenröte und die nacht beschütze uns. 
Apäm napät! ihr beiden, die das haus selbst fälln! 
Gott Tvaschtar! fördre du zu vollem wohlergehn! 

Vers 1 brihati, 2 und 3 jagati. 

1 lies indräpüsanä aditih ; 2 b lies pätu agnih ; 3 a lies 
devä agvinä, usäsänaktä uta. 

2 b ist devi statt devo zu lesen. (Druckfehler). 

3 b. „0 söhn der gewässer! ihr beiden, die ihr sogar das 
haus zu fall bringt! (sc. schützet!) Gott Tvaschtar! fördere, 
auf dass es [uns] recht wohlergehe", abhihruti bezieht sich 
auf Agni und Tvaschtar. Agni kann durch brand, Tvaschtar 
(der Zimmerer) durch einreissen das haus zerstören? öder ist 
statt abhihruti etwa anders zu lesen, etwa abhihrüto mit ver- 
ändertem accent, pähi zu ergänzen: Agni! schütze vor zerfall 
des hausesl? Ich möchte letzteres vorziehen. 

Dieses und die drei folgenden lieder (A. V. 6, 3 — 6) spricht 
der hotar leise dem prätaranuväka nach. 

Zu hymne 3 und 4 hat die anukr.: 

pätam na indräpüsanä (6, 3, 1) tvasfa me daivyam (6, 
4, 1) iti dve nänadaivate, pürvam jägatam, tatra prathamä 
pathyä, brihati; parasya cä "dyä pathyä brihati dvitiyä sam- 
stärapamktis, tritiyä tripadä viräd gäyatri; dvabbyäm svasty- 
ayanakämo 'tharvä mamtroktadevän ätmagopanäyä 'bhistüya 
'prärthayad iti. 

KauQ. 50 citiert 6, 3, 1 zweimal; zuerst in Verbindung mit 
6, 1, 1 ; dann pätam no (6, 3, 1) ya enam parisidanti yad 
äyuddham dandena vyäkhyätam distyä mukham vimäya sam- 
vJQati trini padäni pramäyottisthati. 

4. Gebet um schütz. 

1. Tvaschtar [schütz'] mir das göttlich' wort, 
Parjanya, Brahmanaspati; 

mit söhnen, brüdern schütz uns Aditi die kraft, 
die unbesiegbar schützende. 

2. Anga, Bhaga, Varuna, Mitra, Aryaman, 
Aditi, Maruts schützen solin! 

Weg geh die feindschaft dessen, der zu falle bringt; 
weit weg schaff er den feind, der nah. 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 253 

3. Zu klugheit seid beliülflich uns, o A^vin! 
errette uns, weitläufiger! nicht lässig. 
Die unholdin wehr ab, o vater himmel! 

Vers 1 brihati und vers 2 satobrihati bilden zusammen 
einen pragätha. 1 a lies daiviarn, 2 a aryaraä aditih. 

Das metrum von vers 3 ist viräj (anukr. tripadä viräd 
gäyatri; vergl. ^at br. 3, 4, 5, 7—8 wo eine viräj mit 33 
Silben erwähnt wird), wobei pra avatam und diauspitar zu lesen. 

Zu 1 vergl. Sa. V. I 4, 1, 1, 7, woselbst no für me und 
trämanam vacah statt träyamänarn sahah. Wenigstens die form 
trämanam ist wohl aus metrischen gründen in unseren text 
aufzunehmen. Vergl. Ludwig Rigveda III 421 (mit welchem 
ich übereinstimme ausser in der bedeutung von träyamäna 
Ludwig = göttlich). Stevenson, Transl. of the s. of the 
Säma Veda übers.: „Let the Divine Artist preserve to us the 
divine gift of speech , and Brahmanaspati give us rain , and 
Aditi save us, and our sons and grandsons, from the malicious 
violence and reproach of our enemies". Benfey, Samaveda 
p. 227: Es zimmert uns ein göttlich wort Parjanya, Brahma- 
naspati! sammt unsern söhnen, brüdern wahr uns Aditi ein 
unbesiegbar schützend wort; vergl. auch trämana in seinem 
glossar. 

2b: änti tarn in der nähe den. Handschrift hat äntitam. 
Vielleicht ist antikam zu lesen, oder noch besser äntitah, welch 
letzteres in diesem sinne öfters im Veda (= aus der nähe). 

3a. urusya wohl: schaffe weiten räum, freiheit, beschütze, 
ähnlich wie urum no lokam kuru. 

Im P. W. ist wohl nur aus versehen prävatam vah statt 
prävatam nah citiert. 

Hierzu Kaug. 23: tvastä ma iti prätar vihhumksyamäno 
japati (! KauQ. hat 'gnäti) gvo vibhägam karisyan särüpavatsara 
agnäti. jyäyum (sie K, D jyämyum) badhnati athavä pretur 
vibhumksyamanah jyäyum badhnati. jyäyur jyäh. damdam 
sampätavamtam visrijya dhärayati. prätar vibhumksyamäno 
damdam sampätavamtam kritvä visrijya dhärayati. 

Kaug. 124: tvastre sväheti hutvä tvastä me daivyam vaca 
ity (6, 4, 1) etena süktena juhuyät. 

Kaug. 135: tvastre sväheti hutvä tvastä me daivyam vaca 
ity atrodapatram niuayati kapäle 'gnira cä "dayopasarpati. 



254 C. Florenz 

5. Erlangung von herrschaft. 

1. Empor führ in die höhe ihn, 

o Agni dem man ghrita giesst! 
Mit lebenskraft versieh du ihn, 
mit kindern reichlich segne ihn ! 

2. Indra! bringe vorwärts ihn, 
von den verwandten herr er sei, 
mit reichtums fülle du versieh! 
zu leben, hohem alter führ! 

3. In wessen haus das havis wir 
darbring'n, den, Agni ! fördre du ! 
Dem spreche Soma tröstend zu 
und dieser Brahmanaspati. 

Vergl. Ludwig, Rk III 431. 

Metrum: anustubh. la lies naya | agne ghritena ahuta 
2 b corrigiere ich des metrums wegen jivatvai statt jivätave (cf. 
Maitr. s. 2, 3, 4). 3a lies tuam. 

enam und imani in vers 1 und 2 beziehen sich schon auf 
das in 3 stehende yasya. 

Ludwig übers. Ib: ,, überhäuf ihn mit glänz" (varcasä); 
2a: „er sei mächtig über seine brüder [gleichaltrigen?]"; 2b: 
rayasposena „mit nahrung des reichtums"; 3b: adhi bravat 
„soll segnen", ist eine zu allgemeine bedeutung. Der be- 
geisternde somatrank soll mut und hoffnung des yajaraäna 
beleben. Möglich wäre auch: „Für den soll Soma fürsprach' 
thun" etc. adhi-brü bedeutet in der rechtssprache : „für jem. 
eintreten". 

2a: sajätäs sind entweder die landsleute, die stammes- 
genossen, oder die engeren familienangehörigen. Ludwig scheint 
das alter im äuge zu haben; ich beziehe das wort lieber auf 
den rang, etwa den rang des familien- oder dorfoberhauptes. 
In ersterem falle hätte das sükta etwa beziehung auf einen 
neuvermählten jungen mann: alle hausgenossen sollen ihm, 
dem nunmehrigen oberherrn des hausstandes, untergeben sein; 
sein hausstand soll aufblühen und reich werden an kindern 
und irdischen gutem. Vergl. Rk X, 85, 46, wo die in des 
gatten haus eingeführte neue gattin zur unbeschränkten herrin 
(ßainräjni) über die eitern, brüder und Schwestern des gatten 
erklärt wird. Ihr soll der regnende Indra (vers 45) söhne und 



Das sechste buch der Atharva-sarahita übersetzt. 255 

guter schenken. Was hier der neuen gemahlin gewünscht wird, 
könnte in entsprechender weise in unserem liede dem gatten 
gewünscht sein. — Sind aber die sajätäs die stammesgenossen, 
die angehörigen desselben dorfes, so wird das lied für den 
gebetet, welcher die herrschaft über die dorfgenossen erlangen 
will. Letzteres bestätigt Kaugika 59: ud enam uttaram naya 
(6, 5, 1) yo 'sman (6, 6, 1) indrah suträmeti(?) grämakämo 
gramasämpadänam apyayo. 

Der pratika: ud enam uttaram naya (6, 5, 1) ist neben 
6, 54, 2 der einzige im ganzen vierten kapitel von Kaugika 
erwähnte Atharvavers. Für unser lied ist indessen daraus 
nichts zu holen, 

Anukr.: ud enam uttaram naya (6, 5, 1) yo 'smän (6, 
6, 1) iti dve anustubhe, pürvam aimdrägnam, uttaram brah- 
manaspatyam saumyam; praguktarsih ; pürvasya prathamay4 
'gnim astaud, dvitiyayemdram, parayä 'gnim; parasyä "dyayä, 
brahmanaspatira, parabhyäm somam; imdremam iti (6, 5, 2 
vierter pada) bhurik. Letztere Unregelmässigkeit des metrums 
ist durch meinen Verbesserungsvorschlag beseitigt. 

Das Vait. s. citiert folgende Verwendungen: 

Vers 2 verwendet bei der zweiten Indra geweihten fett- 
träufelung, welche der adhvaryu in das ahavaniya-feuer voll- 
zieht. Vait. s. 2, 14. Hierzu Katy. Qr. L 8. 41, 42; 3. 2. 1. 

Derselbe vers bei einer spende an Indra (oder Mahendra) 
von der sämnayya-mischung. Vait. s. 3, 3. Hierzu anm. bei 
Garbe p. 7. 

Verwendung des ganzen liedes durch den adhvaryu beim 
anlegen von brennholz citiert Vait. s. 29, 15. Dazu Käty, Qr. 
18. 3. 14. 

6. Gegen feinde. 

1. Wer uns, o Brahmanaspati, 

den göttern feindlich, böses sinnt, 
die alle gieb in meine macht, 
der opfernd ich den soma press'. 

2. Wer, Soma! uns von guter red' 
anfeindet, er, der übles spricht, 

dem schlag mit blitzstrahl ins gesicht, 
zerschmettert soll verschw'inden er. 



256 C. Florenz 

3. Wer uns, o Soma! böses will, 
sei er verwandter oder fremd, 
dess' stärke überwältige! 
recht wie der grosse himmel tot'! 

Vergl. Ludwig Rk III 430. 

Metrum: anustubh. 1 a lies asmän, adevo; 3a: nistiah. 

Vers 3 ist aus Rk 10, 133, 5, wo er an Indra statt an 
Soma gerichtet ist. Sonstige Varianten sind Av. apa-tar, was 
irrig ist statt Rk ava-tar, und vadha statt Rk adha; letztere 
Variante wohl ebenfalls auf missverständnis beruhend. Die Ver- 
bindung adha tmana findet sich nur zweimal im Rk (noch 
I 139, 10). Der refrain in Rk 10, 133 nabhantam etc. ist 
weggefallen, um aus der mahäpankti den nötigen anustubh zu 
bilden. 

Hierzu Kaugika 59 (siehe zu hymne 6, 5, 2). 

7. Gebet um schütz. 

1." Der weg, wo, Soma! ohne trug 
Aditi und die Mitras gehn, 
mit beistand komm auf dem zu uns! 

2. Wo, Soma! zwinger! die Asur'n 
in unsre macht du geben sollst, 
Da tretet hülfreich für uns ein! 

3. Wodurch der dämons kräfte ihr 
o götter! habet abgewehrt, 

dadurch verleiht uns schütz und schirm! 

Metrum: gäyatri. 1 lies yanti adruhah und avasä; 2: sä- 
hantia | asuran; 3: ojamsi avrinidhuam. 

In 2 und 3 ist vielleicht zu yena immer patha zu er- 
gänzen: ,,auf welchem [wege] . . . auf dem etc." 

Vers 1 genau: „Aditi oder die beiden Mitras". Unter 
letzteren sind mit Wahrscheinlichkeit Mitra und Varuna zu 
verstehen. 

Anukr. : yena someti ((>, 7, 1) saumyam, gäyatryam, tri- 
tiyä vai(}vadevi; prathamä nicridyayaddevatyä, tayä tarn evk 
'staud ity, uktarsir. 

Hierzu Kaugika 46: ijena someti (6, 7, 1) yäjayisyamnt 
särüpavatsam agnäti , ärtvijyain karisyan(t) samänavarnain 
vatsäyäh payasiip samskritah särüpah stam agnaty äjyain tarn- 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 257 

trena yäjanakritain enah sprigati. ä no bharety anuktäyena 
some asya vidhäne kramabhedah kim artha ucyate. ä no 
bharety asya yatra tatra sthasya süktam sampratyayärthaiii. 
näsya grahanam ägrahanädinivritih. nidhane yajate, yäjanasam- 
äptau yajate somo devatä maiiitralimgät. nadidyädibhyo 
naidyamdukatvat (?). 

8. Liebeszauber. 

1. Wie die liane einen bäum 
ringsum hinauf umschlungen hat, 
so schlinge du um mich den arm, 
dass du nach mir verlangen trägst, 
dass du von mir nicht wendest dich. 

2. Gleichwie der adler, fliegt er auf, 
die flügel auf den boden schlägt, 
so schlag ich nieder deinen sinn 
dass du nach mir verlangen trägst, 
dass du von mir nicht wendest dich. 

3. Gleichwie den himmel und die erd' 
die sonn' umwandert jeden tag, 
ganz so umkreis' ich deinen sinn, 
dass du nach mir verlangen trägst, 
dass du von mir nicht wendest dich. 

Vergl. Weber, Ind. stud. 5, 261; Grill p. 34. 

Metrum: pankti. 1 lies vriksam dreisilbig (verikSaipi); 
2: bhümiam; 3: silriah; im refrain stets kämini aso. 

Anukr. zu 8 und 9: yatha vriksam libuja (6, 8) vämcha 
ma (6, 9) iti dve kämätmadaivate, pürvasya tisrah pathyäh 
parnktaya, uttarara änustubham; Jamadagnir apagyat, tato 
dvabhyäm äbhyäm kätma- (wohl kamätma-) cetasä mamtrokta- 
näm aprärthayat. 

ad 1: libuja eine Schlingpflanze; vergl. die citate bei Zim- 
mer p. 70. 

ad 2: Roth (bei Grill p. 63): ,, Jeder grosse vogel, wenn 
er auffliegen will, schlägt mit den flügeln den boden, kommt 
gleichsam nicht los. So soll dein manas nicht loskommen". 

Hierzu Kaugika 35 (von Weber 1. c. herangezogen, aber 
noch ohne Därila's commentar, den ich hier beifüge): yathedam 
hhümyd adhi (2, 30, 1) yatha vriksani (6, 8) vämcha me (6, 9) 



258 C. Florenz 

yathdyam väha (6, 102, 1) Hl samspristayor vriksalibujayoh 
(sie Darila, K.: luhujayoh) gakalänamtare ' susthakalämjana- 
kustamadiigharesmamathitatrinam äjyena sanmya samsprigati 
(K.: gakalav ant"; sthakara Weber = „betelnuss??" — P. W. 
== sthagara ein wohlriechender stoff; madhugha. — re§ma- 
mathita Weber: „von seinem band abgerissen"; P. W. „vom 
Sturm abgerissen") vriksasyasyavalyag (?) ca samspristayor amtar 
asya madhyena gakale samcinvate grihitva isusthakaranairi 
amjanakuste prasiddhe madugham yasti madhu resmaraathita- 
trinam vätoksiptam! ghritenaikikritya sarvany ekavadbhävät; 
samsprigati; anurodhanam saravanatvat. yatha vämcha ma iti 
(6, 9) grahanam nanäkarmatvät. 

9. Liebeszauber. 

1. Hab lieb den leib, die füsse mein, 
die äugen lieb, die schenke! lieb! 
dir, nach mir brünstig, sollen aug' 
und haar vor liebe trocken sein! 

2. Dass du in meinen arm dich hängst 
schaff ich, dass du mein herz umfängst, 
damit du mir zu willen seist, 

dass meinem sinn du an dich schmiegst. 

3. Deren verwandschaft lecken ist, 
in deren herz die liebe weilt, 
die kühe, die des ghee mütter, 
sollen diese da zuneigen mir. 

Vgl. Weber, Ind. stud. 5, 264. 

Metrum: anustubh. 1 lies tanuam, vänchäksiau. Der 
zweite pada ist aber vielleicht besser zu lesen: vaiicha aksiau 
sakthiau (metri causa!). 3b lies araüm = „diese dort", be- 
zieht sich auf das mädchen, die vom Jüngling geliebte; ev. ist 
hier der name des mädchens einzusetzen. 

Zu Ib cf. Av. 8, 25, 4: Von verbrennender glut durch- 
bohrt, mit trocknem mund komm her zu mir. 2 b ist eine oft, 
wenn auch wörtlich etwas verändert, wiederkehrende formel, 
cf. z. b. Av. 3, 25, 5b; 1, 34, 2 (zweiter pada) etc. 

10. 
1. Der erde, dem obre (gehörsinn), den bäumen, 
dem oberherrn [dieser] Agni heil! 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 259 

2. Dem atem (atiiiungsvermögen), dem luftraum, 
den vögeln, dem oberherrn [dieser] Väyu heil! 

3. Dem himmel, dem äuge (gesichtssinn?), den 
gestirnen, dem oberherrn [dieser] Sürya heil! 

Dies in prosa verfasste sükta scheint an die elemente und 
ihre oberherrn gerichtet. — Es besteht ein gewisser Zusammen- 
hang zwischen den einzelnen worten der sätze: Die bäume 
wachsen auf der erde, die vögel fliegen (wohnen gleichsam) in 
der luft, die gestirne leuchten (wohnen) am himmel. Das 
dritte in jedem satze; ohr, atem, äuge gehört dem menschen 
an. Der atem entspricht offenbar dem Väyu (dem herrn des 
luftraums), das äuge dem Sürya (dem herrn des leuchtenden 
himmels). Dieses, und wieso das ohr mit Agni (resp. der erde, 
seinem elemente) in Verbindung kommt, belege ich durch fol- 
gende stelle Av. 2, 16, 1—3: 

pränapänau mrityor mä pätam sväha || 1 
dyävaprithivi upagrutyä mä pätam svähä i 2 
sürya caksusä mä pähi svähä || 3. 

Also durch den gehörsinn schützt die erde den menschen, 
durch das atmungsvermögen die luft, durch den gesichtssinn 
Sürya. 

Vergl. ausserdem noch Av. 5, 24, wo Agni als vanaspatinäm 
adhipatih, Sürya als caksusäm adhipatih und Väyu als anta- 
riksasyädhipatih bezeichnet wird. Vergl. auch Nirukta VII, 5: 
Tisrah eva devatäh iti Nairuktäh Agnih prithivi-sthäno Väyur 
vä Indro vä antariksa-sthänah süryo dyu-sthänah. 3 götter 
sind nach den Niruktas, nämlich Agni, dessen platz auf der 
erde ist, Väyu oder Indra, dessen platz in der luft ist, und 
Sürya, dessen platz am himmel ist. 

Anukr. : prithivyai groträya (6, 10, 1) iti dvaipadam, nänä- 
devatyam, prathamä "gneyi, dvitiyä väyavyä, tritiyä sauryä; 
"dyä sämni tristub, dvitiyä präjäpatyä vrihati, parä sämni 
vrihati; 'dam süktam savakarmasu ^amtätih samproksamänä- 
dyartham apagyat. 

Kaugika 9 : prithivyai grotrayeti trih pratydsimcaty äsekas 
tatraiva praksepah. prithivyai grotrayeti vidhikarmaprayogät. 

Eine zweite erwähnung und commentierung von 6, 10, 
welches in Kaug. 9 zwei mal erwähnt wird, habe ich in Därila 
nicht finden können. Ueberhaupt ist der text an dieser stelle 
nicht klar. 



260 C. Florenz 

Kau^ika \2: iJrühivyai grofräya (6, 10, 1) iti juhoti, wozu 
Darila äjyam ergänzt. 

11. Geburt eines sohnes (epithalamium). 

1. AQvattha auf die gatni stieg, 

da ward ein männlich kind gezeugt; 
so wird man eines sohns habhaft, 
das bringen wir den frauen hin. 

2. Im mann ist Samenflüssigkeit, 

die giesst man in die frau hinein, 
so wird man eines sohns habhaft, 
das hat Präjapati gesagt. 

3. Prajäpati, Anumati, 
Sinivali herrichteten, 

wo anders spend' er weibgeburt, 

ein männlich kind schaff er hierher! 

Vergl. Ludwig, Rk III, 477. Zimmer p. 319. Weber, 
Ind. stud. 5, 264 f. 

Metrum: anustubh. 1 b lies strisu ä; 3a: sinivali 
aciklripat. 

9ami = prosopis spicigera L., nach anderen mimosa suma 
Roxb. Es ist eine fabacee. Man nimmt von diesem bäume 
das weibliche reibholz; vergl. Zimmer 59. agvattha = ficus reli- 
gio sa feigenbaum. Von ihm nimmt man das männliche reib- 
holz, das in ein stück aus gami gesteckt und gedreht wird; 
vgl. Zimmer p. 57 und 58; Lassen, Ind. altertumskunde I, 
304 ff. Die entstehung des feuers aus dem agvattha im schösse 
der 9ami ist hier auf die zeugung entsprechend übertragen. 
Die grundidee bildet die symbolisierung der zeugung. (Vergl. 
auch Vait. s. cap. 5, 7.) 

Mit diesem zeugungssymbolischen akte ist hier unter andern 
zugleich auch der genuss eines honigmuses, welchem wohl eben 
besonderer einfluss auf die zeugung zukommt, verbunden 
(Weber). Mit vers 3 wird nach Kaug. 35 eine gheespende auf 
dem schoss des weibes ausgegossen, und ihr das fleisch einer 
roten ziege zu essen gegeben. 

Sinivali und Anumati sind zwei der vier mondphasen, ge- 
mahlinnen des mondes. Sinivali (die neumondsnacht) nach 
Weber, Ind. stud. 5, 228 als genie der zeugung mit der in 



Da« sechtite buch der Atharva-samhitä übersetzt. 261 

ähnlicher weise thätigen Arterais zu vergleichen. Anumati ist 
die vollmondsnacht, vergl. Zimmer 352, ursprünglich die per- 
sonficierte Zustimmung und mildgebigkeit der götter. 

In 1 b : tad bezieht sich auf die in 1 a ausgesprochene 
handlung; tat strisu ä bharämasi sinn: wie's a^vattha mit der 
<;ami machte, so wollen wir es machen, zu unseren frauen 
hingehend. 

In 3b ergänzte ich als Subjekt Prajäpati (Zimmer Siniväli). 

Zu 6, 11, 1 hat Kau5ika35: camhn agvattha iti mamtrokte 
agnini mathitvä ^) puinsyäh sarpisi ^^aidvam '^) iva: 

gamim a^vattha iti süktena Qamigarbhäd agvatthädha- 
rätthäny uttaräranibhyäm agnim mathitvä pumvatsäyäh goghri- 
tena(m) agnini praksipya raja udväsäyäm daksinasyäm nasya 
daksinenämgustheDa. dadhimanthe pdyayati: dadhinä, saktava 
äloditä dadhimamtbam tasmin prakritam agnim pratiniya 
päyati. krisnornähhih parirestä badhnäti : sektäranakasyornä- 
bhis tarn agnim parivestya badhnäti. pumsavanam. 

Kaugika 19: 2, 26, 1; 3, 14, 1; 4, 21, 7 prajäpatir (6, 11, 3) 
iti ekatvebhyo prajävatir ity ekä. padajnastharamataya iti sa 
prajävatigceti paryäyah. gosthakarmäni vaksyamänani karta- 
vyäni; gosthe karmäniti gunavidhih karmanäm degaviddhih. 
gristeh piyüsam ghsmamigram agnäti: dvih-prasütä gaur gristih. 
tasyäh prathame 'hani dugdham piyüsam tasyä eva glesmami- 
gram agnäti. gäm dadäti: samskritäm dadäti. athavodapätram 
abhimantrya gosthe ävartayati. samuhya savyenä 'dhisthäyä'rdham 
daksinena viksipati: samuhya karisam siktam savyena hastena 
äkramya yujyam. tasya pämgupumgasyärdhe viksipati. goväte 
daksinagrahanam savyagrahauät viksepena mamtrah süktänäm 
udapätrasambanidhät. daksineneti savyasyäpihakarauatvät. sdrü- 
pavatse gakrUpimdän guggulnlavane ^). gakritpimdah samäsah 
gakritpinidabahutvasampratyayärthali. pratiniyänäm ekikaranam 
prathame 'hani grapanam pagcagneh grapanägneh pagcän 
nikhananam caturthe 'hani sampätäh tatra grativacanät. tisri- 
näm prätar agnäti: tisriuära ratriaam atikrämtäm prätar agnäti 
caturthe 'hanity arthah. govate karmavacanät. vikrite *) sarri- 



^) D mathitvä. *) K paiddham. ^) K gulguluUavane, D gug- 

gulalavane. *) Vergl. Webers anraerk. zur Übersetzung dieser stelle, 
Ind. stud. 17, 245. 



262 C. Florenz 

pannam: vikrite särüpavatse gamdharasarüpaih saippannaphalam 
pratyetavyaip. ana^ite 'pi ana^ravikritasjaganam. 

Kaugika 35 zu 6, 11, 3: prajäpatir iti prajäkämäyä 
upasthe: äjyam julioti. iha vidhänam garbhägcayatvät. upa- 
sthasya. lohitäjäpiQÜdny dgayati : raktaravarnäjämäipsäni 
ägayati, striyam prajäkäraam. prapänäni i) bhaktasurära 
prapämity etäni ca 'sya karmäni bhavamti. yau te inäteti 
mamtroktau badhnäti. bajah pimgalag ca sarsapau mamtroktau 
guklapitau sampätavamtau kritva drimhanamaiptralirpgät. yas 
te garbham iti jätänäm raksanaip ca eva garbhadrimhanäd an- 
taravidhänam. garbhadrirphanaphaläni ^) samäptäni. 

Anukr. : gamim agvattha iti (6, 11, 1) retodevatyam uta 
mamtroktadevatyam, änustubham, prajäpatir apagyat, tatas tan 
devan astaut. 

12. Zauber gegen Schlangengift. 

1. Wie Sürya um den himmel, schritt 
ich um der schlangen zeugungsort, 

so wie die nacht die lebensAvelt ausser der gans, 
halt ich hiermit dein gift mir fern. 

2. Was von den priestern, sehern und 
den göttern einst gefunden ward, 
was ward, sein wird und jetzo ist, 
dein gift halt ich hiermit mir fern. 

3. Mit madhu füll die fliisse ich, 
berg und gebirg soUn madhu sein; 
madhu Paruschni, ^ipälä; 

heil soll dem mund sein, heil fürs herz. 

Vergl. Ludwig, Rk III, 501. 

Metrum: anustubh. la lies sürio ahinäm. 

la: Ludwig: „um der schlangen geschlechter". 

Ib und 2 b ist madhunä zu tena hinzuzudenken. 

Der dritte pada von vers 1 hat eine silbe zu viel, die 
wohl durch lesung von 'va statt iva zu tilgen ist, also: jagad 
'vänyad (vergl. Grassmann, Wörterbuch 221). Die wörtliche 
Übersetzung von Ib ist: „Wie die nacht alle anderen lebenden 
Wesen, die gans ausgenommen (den abl. hamsät mache ich von 
anyad abhängig (vergl. anyam asmad Av. 6, 20, 1 u. s. w.)), 

') K prayäintani. ^) D °phaläin. 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 263 

[fernhält, d. i. schlafend, gleichsam leblos hält], so halte ich 
mir hiermit dein gift fern (d. i. ich bewirke, dass du mich nicht 
beissest, oder: ich bewirke, dass dein gift mir nicht schadet)". 
Es ist glaube, dass die gans in der nacht nicht schläft! Vergl. 
Väj. s, 24, 22, 35 (Zimmer). Ludwig a. a. 0. hat: „wie die 
nacht das übrige lebende tötet [? dhvansat? 'niedersinken 
macht'; da das wort accentuiert ist, müsste man auf hansa 
schliessen; dann hiesse es 'wie die nacht das übrige lebend von 
dem hansa (der sonne) trennt'], so halt ich fern dein gift". 

2b giebt Ludwig: „[mit dem] halt ich, o rachenbegabtes, 
gewordnes schon, erst werdendes, [vom leibe] mir dein gift". 
Nach P. W. bedeutet äsanvänt „gegenwärtig"; P. W, vermutet, 
dass äsanvänt vielleicht fehlerhaft für äsannam ist. Betreffs 
der Zugehörigkeit von yadbhütam bhavyam (von äsanvat abge- 
sehen) giebt es zwei möglichkeiten : entweder es gehört zu 
visam, wie Ludwig zu deuten scheint; oder yad entspricht dem 
tenä im folgenden pada, und dann ist madhu zu ergänzen. 

3 a lies madhua und nadio. 

Vers 3 wörtlich: Gebirge [und] berge [sollen voll von] 
madhu [sein], [voll] madhu [sollen auch sein] Parusni [und] 
Qipälä. 

Parusni ist ein fluss im Pendschab, die spätere Irävati, 
heutigen tages Rawi (Zimmer 11). Qipala ist nach Zimmer 71 
ein mit gipäla-pflanzen (avaka (blyxa octandra) 9aivala), leicht 
auf der Oberfläche des wassers schwimmenden Wasserpflanzen, 
besetztes w asser. 

NB. Den dritten pada von 1 war ich gezwungen, durch 
mehr als acht silben wiederzugeben. 

Anukr. : pari dyäm iveti (6, 12, 1) taksakadaivatam, 
änustubham, garütmä. 

Nach Kau^. 29 giebt man [dem gebissenen] rasch eine 
best, schleimbrühe zu trinken, besprengt ihn auch damit und 
murmelt dabei dies lied: pari dijam icefi madhu gihJiam päya- 
yati: mamdakam süktasya karma 'bhimamtrya payayati. ja- 
pamcca: etat süktam japann acamayaty abhyuksati; cakärat. 
visaruptarn. Der gegebene trank besteht wohl zumeist aus 
milch oder starken Spirituosen? Dass der gebissene leib- 
schneiden bekommt, scheint als zeichen der Wirkung des giftes 
angesehen zu werden; dann greift man nach besagtem mittel. 



264 C. Florenz 

13. 

1. Den götterwaffen ehrbeweis, 
den königswaffen ehrbeweis, 
und die, die vi^yawaifen sind, 
denen; o tod! dir ehrfurcht sei! 

2. Verehrung dir für fürsprach' sei! 
Verehrung deinem Widerspruch! 
Für gunst, o tod! Verehrung dir! 
für missgunst dir Verehrung auch 

3. Verehrung deinen hexerein! 
Verehrung deinen arzenein! 
Verehrung deinen wurzeln, tod! 
Verehrung den Brahmänen auch! 

Metrum : anustubh, 1 a lies devavadhebhio, räjavadhe- 
bhiah; 3a: bhesajebhiah. 

In devavadha ist deva, wie oft, = brähmana. Diese priester- 
waffen sind heihge glut (tapas) und ingrimm (manyu). cf. 
Zimmer 205 ff. 

Vergl. zu 1 auch Weber, 2 vedische texte über omina u. 
portenta, Abb. d. Berl. ak. 1858. § 104 [12] p. 367: „Den 
götterwaffen verneigung sei! und so den königswaffen auch, 
Und was der Vigya waffen sind! Verneigung sei, o tod, auch 
dir!" Der § beginnt mit den worten: Wenn Brähmana waffen- 
tragend sind etc. devavadha wird also als waffe im eigent- 
lichen sinn aufgefasst. Entgegen meiner und Webers auffassung 
übersetzt Zimmer p. 206 pada4: ,,auch denen sei verneigung, 
tod, um deinetwillen". Ich ziehe tebhyo dem sinn nach 
noch zum dritten pada, und fasse das folgende mrityo namo 
'stu te als besonderen satz. 

Anukr.: namo devavadhebhya (6, 13, 1) iti märtyam, 
änustubham, svastyayanakamo 'tharvä. 

Hierzu Kaug. 15: yadi cinnu fvä (5, 2, 4) namo deva- 
vadhebhya (6, 13, 1) ify anväha. yadi cinnu tvety ricäm para- 
sainikän anubrüyät. pradhänakarma namo :devavadhebhya iti 
BÜktena 'nuvacanaiii. vaigyäya pradänamtani (pradh°i^). vai- 
9yäya rajiie süktanityädini bhavamti vaigyaya yodvatikecit(?). 

Kau^. 104, 105 und 113 sind kurze abschnitte, die nur 
Av. 1, 19, 1 und 6, 13, 1 behandeln. Zu KauQ. 104 vergl. 
den erwähnten abschnitt von Om. und port. 



Das sechste buch der Atharva-samhiüi übersetzt. 265 

KauQ. 104: atha yatraitad brähmanä äyudhino bhavanti 
tatra juhuyät, ya äsurä manusyä ättadhanüli (?) ^) purusarnukhäg 
cärä,niha(?)^) deva vayara manusyas te devah pravigaraasi rudro no 
astu purogavali sa no raksatu sarvata indräya svaheti hutvA, 
mä no vidan (1, 19, 1) namo devavadhebhya (G, 13, 1) ity 
etäbhyam süktäbhyäm juhuyat^). 

Kaug. 105: atha yatraitad devatäni nrityanti cyotanti 
hasanti gayanti va 'nyäni vä rüpäni kurvanti ya asurä manusyä 
mä no vidan (1, 19, 1) namo devavadhebhya (6, 13, 1) ity 
ubhayair juhuyät. 

KauQ. 113: atha yatraitad anadvän dhenum dhayati tatra 
juhuyät. anadvän dhenum adhayad indro vo rüpam ävi^at 
sa me bhütim ca pustim ca dirgham äyug ca dhehi nah. rudräya 
sväheti hutvä tnä no vidan (1, 19, 1) 7iamo devavadhebhya 
(6, 13, 1) ity etäbhyam süktäbhyäm juhuyät. 

14. Gegen Baläsa. 

1. Die innre krankheit, die beim bruch 
des knochens, des gelenks besteht, 
jeden Baläsa vernichte, 

in gliedern und gelenken den. 

2. Den Baläsa dessen, der dran krankt, 
schaff wie ein Muskara ich fort; 

ich schneide seine fessel ab, 

wie von der kürbisfrucht die rank'. 

3. Weg eile, Baläsa, von hier! 
wie'n füllen, das zum rosse läuft. 
Und wie das schilf in jedem jähr 
stirb ab, die männer tötend nicht. 

Metrum: anustubh. Ibliesnä^aya angesthä; 2b: chinadmi 
asya und urväruä; 3a: pata j äguiigah; 3b ist ita iva zu ver- 
schleifen; lies apa drähi. 

Zu baläsa, dem bruder des takman fiebers (Av. 5, 22) 
vergl. Roth „Zur lit. und gesch. des Weda" = abspannung; 
nach P. W. scheint Roth an zehrfieber oder rasches sinken der 
kräfte gedacht zu haben. Weber übersetzt: „auszehrung" Ind. 

*) wohl ättadhanusah? '^) wohl caräni ha. 

•'') lieber einige Veränderungen in der Schreibweise der indischen 
worte sehe man die bemerkung am schluss des aufsatzes. Auch beachte 
man daselbst gleich die verbessernden nachtrage zum vorhergehenden. 

Baiträge z. kuude d. ind^. spracheu. XII. 18 



266 C. Florenz 

stud. 4, 417 (nach Mahidh. zu Väj. s. XII 97 kshayavyädhi ; 
balam asyati ksipati). In der indischen niedizin heisst aus- 
zehrung (consumption) sonst räjayaksma. AusführHches siehe hei 
Grohmann; Medizinisches aus dem Av., Ind. stud. 9, 400 ff. 
Er deutet auf „geschwulst oder krankhafte anschwellung im 
allgemeinen". Grohmann übersetzt demgemäss vers 1: Der 
beim knochenbruch , beim gelenkbruch zugegen ist, die herz- 
krankheit, allen balasa vertreibe, der in den gliedern sitzt, in 
den gelenken. Dagegen Zimmer p. 385 ff. , welcher wieder 
die deutung „Schwindsucht" aufnimmt: Die zugestossene herz- 
krankheit, die knochen und gelenke auseinanderfallen macht, 
jeden balasa vernichte, der in den gliedern und in den ge- 
lenken sitzt. 

Böhtlingk im p. w. verweist auf Grohmann. Ich erkläre 
mich, nach Zimmers argumentation 1. c. für die bedeutung 
„Schwindsucht". 

2 a. muskara P. W. wohl ein kleines tier. Dazu bemerkt 
P. W. „darf man ksinomi in aksnomi umändern, so bleibt 
muskara in der bedeutung testiculatus". Demnach entweder: 
„den balasa des balasakranken schaffe ich wie ein muskara- 
insekt hinweg", oder, indem wir nir aksnomi lesen: „den balasa 
des balasakranken verschneide ich, wie [ich] einen hoden 
tragenden [entmanne]". Aehnlicher vergleich bei krankheits- 
vertreibung Av. 3, 9, 2: krinomi vadhri viskandham muskäbarho 
gavämiva d. h. ich entmanne das viskandha (gliederreissen ?) 
wie ein castrator thut beim rind. 

Zu 2 b finden wir ein analogen in Av. 14, 1, 17: urvä- 
rukam iva bandhanät preto muncämi nämutah. 

müla kann jedes ding genannt werden, woran etwas hängt; 
hier ist es soviel wie bandhana. urvärü f. im sinne von urväru 
und urväruka n. die frucht des kürbis. Vergl. auch Rv 7, 
59, 12: Wie den kürbis vom stiel, will ich vom tode mich lösen. 

3a: ä^unga als n. eines vogels anzunehmen, wie P. W. 
vorschlägt, halte ich hier nicht für zulässig („wohl so viel als 
äguga, n. eines tieres, vielleicht eines vogels. Möglich ist die 
auffassung: Wie ein füllen, dass zum rosse, agu, läuft"). 

3b: Das Schilf stirbt jedes jähr bis an die wurzeln ab; 
80 soll der balasa auch absterben (apa drä eigentl. weg- 
laufen); vergl. Av. 4, 19, 1, wo das gleichbedeutende nada 
Schilfrohr den beinamen värsika „von einjähriger dauer" hat. 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 267 

ita fehlt bei Zimmer, häyana stellt Weber zu zd. zayano, 
somit eigentl. „winterlich", dann „winter, jähr". 

Ebenso wie ita fehlen bei Zimmer noch 2 andere vedische 
namen für „Schilfrohr" väni und tejana. Letzteres nur bei 
Av. 6, 49, 1 mit „röhr" übersetzt. 

Anukr.: asthisrarasam iti (6, 14, 1) baläsadevatyam , änu- 
Stubham, babhrupiiigalam. 

Hierzu Kaug. 29: asthisramsatn iti cakalend 'psvite sampä- 
tavatä 'vasincati: gäntavriksagakalena paninä sampätavad- 
vacanät. 

15. Gebet um macht. 

1. Der kräuter oberherr bist du; 
dir sind die bäume unterthan; 
der soll uns untergeben sein, 

der uns in feindschaft stellet nach. 

2. Sei er verwandt nun oder fremd, 
wer uns in feindschaft stellet nach, 
der stärkste derer möcht' ich sein, 
wie er es von den bäumen ist. 

3. Wie soma aus der kräuterschar 
zum besten havis wird gemacht, 
wie von den bäumen talägä, 

so möcht auch ich der höchste sein. 

Metrum: anustubh. 2b und 3b lies iva aham. 

1. Erster pada bezieht sich auf soma, zweiter pada auf 
den talägä-baum. (Letzterer citiert von Zimmer p. 62). 

2a: sabandhu9cäsabandhu9ca etc. eine bekannte formula 
solemnis; vergl. Av. 6, 54, 3 a. 

2b: „er", d. i. der talägäbaum. 

Vers 1 findet sich auch Kv 10, 97, 23 mit Variante tvam 
uttamäsyosadhe für Av. uttamo asyosadhinäm ; vergl. noch 
Väj. 12, 101. 

Anukr.: uttamo asiti (6, 15, 1) vänaspatyam, änustubham, 
uddälakah. 

Hierzu Kaug. 19: uttamo asiti mantroktam. uttamo asy 
osadhinäm tava vriksa ity asya yad uktam dravyam tanmayaip 
manim badhnäti. kirn coktam. talägäsomasthänayor vikalpa- 
sädhanatvät talägä vallipalagä ämbuketi ke cit. somali prasid- 
dhah. evampürvo 'nugane apätah (apättah) väsanam mä bhüt. 

18* 



268 C. Florenz 

16. Gegen augenkrankheit. 

1. äbayu! geniessbar nicht 
dein saft ist, heftig, äbayu! 
Das mus aus dir verzehren wir. 

2. Vihalha heisst der vater dein, 
Madävati die mutter dein, 

ein solcher nämlich bist du nicht, 
dass du dich selbst verzehret hast. 

3. Tauvilikä! zur ruhe komm! 
zur ruhe komme dieser lärm! 
der braune und braunohrige — 
hinweg geh! niräla. 

4. Alasalä bist vorher du, 
silänjälä bist du nachher, 
nilägalasälä. 

Metrum: vers 1 gäyatri; der erste päda ist unvollständig. 
Vers 2 und 3 sollen wohl anustubh , vers 4 wieder gäyatri 
sein; sie sind stark unregelmässig (vergl. die Anukr.). 

„äbayu, voc. äbayo vielleicht n. einer pflanze (senf?). anä- 
bayo schwerlich voc, wie padap. annimmt (anäbayo iti); viel- 
leicht 3. a+ävaya (von av) ungeniessbar, eine für das Wortspiel 
berechnete bildung", P. W. Whitney citiert nur den padap. 

Zu niräla bemerkt P. W.: „äl, älati; diese wurzel scheint 
mit nis Av. 6, 16, 3 äpehi niräla vom padap. (nih | äla | ) ange- 
nommen zu werden, während man niräla eher als vocativ 
fassen könnte". 

Whitney lässt alles ungewiss. 

Zu alasalä, siläiijälä (wohl eine best, pflanze) und niläga- 
lasälä giebt P. W. keine bedeutung. 

Anukr.: äbayo iti mantroktadevatyam uta cändramasam, 
änuStubham, gaunaka^ caturricam apa^yat; prathamä nicrit 
tripadä gäyatri; tauvilikä (6, 16. 3) iti brihati garbhä kakum- 
maty anustub, alasänä (6, 16, 4; sie in der handschrift; ist 
dies eine andere form oder ein Schreibfehler für das im text 
stehende alasalä?) iti tripadä pratistä (sc. gäyatri!). anena 
hinahidavam astaut. 

Hierzu Kaug. 30: äbayo iti sarSapatailam^) sampätavan- 
tam^) hadhndti. süktasya sarsapavikärah särsapas tanmaniip 

*) D 8araapam°. ^) K saiupätatam. 



Das sechHte buch der Atharva-sainhitä übersetzt. 269 

badhnäti. särsapatailenaiva sampätavantam karoti. sampä-ta- 
vac ca tailain gunavidhanarthain. tantrahomesv ajyam eva. 
daksinata udapätra äjyähütinäm ity ajyagrahanät. sarsapa iti 
taddhitas tailasya bandhanam ma bhüt. kändani pralipya: 
sarsapakandam tailenä 'bhyajya badhnätiti prakaranät. sain- 
pätähsyur bandhyatvat. priktam gäkam i) prayachati. särsa- 
para Qäkara tailena migrain prayachati. catvdri gakaphaldni 
yachati. punah prayachati grahanam priktanam mä bhüt. 
ksiraleham ankte, ksiraleham ärikte, ksiraleham änkte. ksiraiii 
ledhiti santäni ksiralehas tena 'nkte. agnäti. sarväny aksi- 
rogabhaisajyäni. liii gyupavacanät. 

17. Bewahrung der leibesfrucht. 

1. So wie die grosse erde hier 
der wesen keim empfangen hat, 
so werde deine frucht bewahrt, 

dass du nach Schwangerschaft gebierst. 

2. So wie die grosse erde hier 
die bäume festgehalten hat, 

so werde deine frucht bewahrt, 

dass du nach Schwangerschaft gebierst. 

3. So wie die grosse erde hier 

die mächt'gen berge hat bewahrt, 

so werde deine frucht bewahrt, 

dass du nach Schwangerschaft gebierst. 

4. So wie die grosse erde hier 
festhält was allenthalben lebt, 
so werSe deine frucht bewahrt, 

dass du nach Schwangerschaft gebierst. 

Vergl. Ludwig, Rv III 477. 

Metrum: anustubh. Der hymnus ist nicht trica! 

1. Der wesen keim d. i. die keime der pflanzen. Ich hätte 
statt ädadhe eher ädadhre (von ydhar) erwartet: „So wie die 
grosse erde hier der wesen leibsfrucht hat bewahrt" ; allein das 
metrum spricht gegen eine solche conjectur. 

4 a. jagat vistitam die zerstreuten lebenden. 

*) D Qaknum. 



270 C. Florenz 

Die formein dieser hymne beruhen, wie sehr oft sonst, 
auf Sympathie zwischen gleiohuis und Wirkung. Viele germa- 
nische beschwörungen haben genau dieselbe form ; sie stammen 
aus der ältesten heidnisch-germanischen zeit und haben sich 
später mit christlichen Vorstellungen ausgeglichen, vergl. z. b. 
sanguis, mane in venis, sicut Christus pro te in poenis ; sanguis 
mane fixus, sicut Christus crucifixus ; das feuer soll seine funken 
behalten, wie Maria ihre jungfrauschaft behielt etc. 

Anukr.: yatheyara (6, 17, 1) iti caturricam, anustubham, 
garbhadrimhanadevatyam ; Atharva 'pa^yat, tato garbhadrim- 
hanäya mamtroktadevatam anenä 'staut. 

Hierzu Kaugika 35: ridhan mantra ity (5, 1, 1) ekä ya- 
theyam prithivy ucyateti (6, 17, 1) nigarbhadrhnhandni (so bei 
Darila; K. hat acyuteti statt ucyateti; es scheint daher hier 
eine Variante des textes vorzuliegen. Vulgata hat yatheyara 
prithivi tnahi; die lesart acyuta bei K. passt wohl am besten 
in den Zusammenhang des liedes. Ferner hat K. garbhadvriqi- 
hanani). eketi süktaprasaiigat. yatheyam prithiviti nartha- 
süktalingät. ucyate gikhänantariyasüktam etesam garbhavar- 
dhanaphaläni. karmäni bhavanti. jambhagrihUäya lirathamä- 
varjam jyäm trir udgrathya i) hadhnäti: jambhena grihito 
garbho yasyäh striyah tasya jyäm trigunäm kritvä badhnäty 
ridhan mantra ity (5, 1, 1) etam ricam varjayitva. lostdn 
anvricmi präcayati: mrillostän anvricäbhimantritän jambha- 
grihitäm prägayati. na sampätä upasristatvät. gyämasikatähhih 
(layanam parikirati: garbhinyäh gayanam sarvam kirati. 
krisnavarnäbhih prathamävarjam ity evara. yäm iched viram 
janayed iti dhätarvyäbhir f?) tidaram phhimantrayate. iti 
kämyavidhänam. garbhadrimhanam sämänyät. garbhadriipha- 
ijam apidam viraputraphalam api. 

18. Gegen eifersucht. 

1. Den ersten hauch der eifersucht 
und den, der auf den ersten folgt, 
das feuer, diese herzenspein, 
das schaffen wir aus dir hinaus. 

') D udgamthya. 



Das sechste buch der Atharva-satnhita übersetzt. 271 

2. So wie die erde toten sinns 
fühlloser als ein toter noch, 
80 wie der sinn des toten ist, 
ist tot des eifersücht'gen sinn. 

3. Den kleinen flattergeist, der dir 
im herzen sich genistet hat, 

die eifersucht, lös ich dir draus, 
wie aus dem balg den dampf hinaus. 

Vergl. Ludwig III 514; Weber, Ind. stud. 5, 235; 
Grill p. 20. 

Metrum: anustubh. Ib lies hridayyam 4 silbig; 2b: eva 
irsyor. 

2b übers. Grill: „Gleichwie ... sei auch des neiders sinnen 
tot", und fasst „mritam als wünsch, dessen Verwirklichung 
angenommen wird". Ich lege den sinn hinein, dass des eifer- 
süchtigen sinn an nichts denkt als an seine eifersucht, für 
alles andere also gleichsam tot ist. 

3 b. Statt nriter vermutet P. W. vriter oder driter. Paipp. 
liest triter. Weber übersetzt: wie aus dem schlauch den 
hauch hinaus. Er liest driter und denkt an einen blasebalg 
oder einen durch gährung aufgeblasenen schlauch. Ludwig 
übersetzt: „der kleine gedanke (verdacht), der dich zum falle 
bringt, von dort (aus dem herzen) lös ich die eifersucht, wie 
die erhitzung eines tänzers". Grill hält nrite (dat. inf. „zum 
wirbeln") für nicht unmöglich. — Ich lese driter (wie Weber), 
dessen richtigkeit mir die Paipp. zu bestätigen scheint, denn 
Verwechslungen von media und tenuis finden sich öfters. Wegen 
üsman liegt auch nahe, an ein mit deckel verschlossenes gefäss 
zu denken, in dem wasser etc. gekocht wird. Beim lüften des 
deckeis entströmt der dampf. 

Anukr. : irsyäyä iti (6, 18, 1) süktam irsyävinäganadeva- 
tyam, änustubham. 

Hierzu Kau^ika 36: trsyäyä dhräjim (6, 18, 1) janäd 
vigvajanrndt (7, 45, 1) tvdstrenaham (7, 74, 3) iti pratijäpah 
pradänahhimarganäni : yasyersyä(m) vinetum icchati japati 
anyatyamam (?) janäd iti dve. pradanam yat kimcid abhimantrya 
pradadami (-°ti?). abhiraar^anam yasyersyäm vinetum icchati 
tarn abhimrigya japati. prathamena (d. h. mit 6, 18) vaksanäsu 
(sie K; D hat vaksyamänäsu) mantroktam : irsyäyä dhräjim 
ity anena hrklaye 'gninirväpaiiam mantroktatvät. 



272 C. Florenz 

19. Gebet um läuterung. 

1. Mich läutere der götter schar, 
läutern durch andacht Manus solln. 
Läutern solln alle wesen mich, 

der läuterer soll läutern mich. 

2. Der läuterer soll läutern mich 
zu leben, einsieht, tüchtigkeit; 
und auch zu unverletzlichkeit. 

3. Durch beides, o gott Savitar! 

durch seihe und durch pressung auch, 
reinige uns, auf dass wir schaun! 

Vergl. Ludwig, Rv III 431. 

Metrum: vers 1 anustubh, 2 und 3 gäyatri. 

Zu la vergl. Rv 9, 67, 27 a: punantu mäm (Av. mä) deva- 
janäh punantu vasavo (Av. manavo) dhiya; Ib weicht stärker 
ab: vi^ve deväh punita mä jätavedah punihi mä. Vergl. nach 
Vs. 19, 39. Tb. 1, 4, 8, 1. 2, 6, 3^ 4. 

Zu 3 vergl. Rv 9, 67, 25; päda 3 weicht ab: mäm (Av. 
asmän) punihi vigvatah (Av. caksase). Vergl. auch Vs. 19, 43. 
Tb. 1, 4, 8, 2. 2, 6, 3, 4. 

caksase: gemeint ist entweder das geistige schauen und 
erkennen der hl, geheimnisse, oder, was wahrscheinlicher, das 
schauen der sonne, somit (langes) leben. 

Den ersten vers spricht der geweihte (mit leiser stimme), 
wenn er gereinigt wird. Vait. s. 11, 10. — Käty. Qr 7. 3. 1. 
Das ganze lied wird in Verbindung mit Av. 6, 69 und 9, 1, 18 
angewendet vom adhvaryu beim eingiessen der surä in den 
hundertfach durchlöcherten krug (kurabhi). Vait. s. 30, 13. — 
Käty. gr. 19, 3, 20. 

Vers 2 gelangt nebst Av. 18, 4, 59; 8, 3, 26; 7, 6, 1 bei 
den zum agnyädheya erforderlichen (tanühavis) isti an Agni 
Pavamäna, Pävaka, ^uci und die Aditi zur Verwendung. Vait. 
8. 6, 11. - Käty. gr. 4, 10, 7 fgg. 

NB. Vers 3, päda 2 übersetzt Ludwig: „durch das sieb 
und durch die pressung"; Grassmann: „durch antrieb und 
durch läuterung". 

Kau^ika 9 giebt nichts von belang (aufgeführt sind die 
pratikäs von 6, 19, 1; 6, 23, 1; 6, 24, 1 etc.); der text bei 
Därila ist unklar. 

Kaug. 41 führt dieselben pratikäs wie Kaug. 9 an (sie sind 



Das sechste buch der Atharva-saiphitä übersetzt. 273 

hauptsächlich aus dem 6. buche genommen, nämlich VI 19; 
23; 24; 57, 1; 57, 3; 59; 61; 62) ity abhivarsanävasecanäni : 
abhivarsanäni phalavattväbhivarsanäni samutpatantv ity a8ya(?) 
yäni karmfini vihitäni avaseca udakenä "plavanam avasecana- 
phalam arthotthapanam adhikärät. pratikänam vikalpah. 

Kau^. 66: punantu ma devajana iti pavitram krisaram 
(. . . udapätrena sampätavatä samproksyä 'bhiraantrya 'bhini- 
gadya dadyät data väcyamäno . . . ?) 

Anukr.: punantu meti (6, 19, 1) nänädevatyam, gäyatram 
Uta cändramasara ^antätir ädyä 'nustup. 

20. Gegen fieber. 

1. Von Agni gleichsam, der brennt, glühet, geht er aus; 
und wie ein trunkner lallend gehe er hinweg. 

Der gottlose such einen andern heim, nicht uns; 
dem takman mit der glühwaffe Verehrung sei. 

2. Verehrung Rudra, ehrfurcht soll dem takman sein! 
Ehrfurcht dem ungestümen könig Varuna! 
Ehrfurcht dem himmel, ehrfurcht der erde! 

Den kräutern ehrbezeigung ! 

3. Du da, der hitze du verursachst, 

der du die körper alle gelblich färbest, 
dir, der du rotbraun bist, der du fahl bist, 
erweis ich ehr, dem takman, der im wald entsteht. 
Vergl. Ludwig, Rv III 511. 

Ueber die natur des takman (im Rk nicht vorkommend) 
cf. Roth „Zur lit. u. gesch. des Weda, 1846"; Adolph Pictet 
Die alten krankheitsnamen der Indogermanen (Kuhns Zeitschr. 
5, 337). Diese beiden halten den takman für eine hautkrank- 
heit , die kratze (Pictet) , zu vergleichen mit pers. täktah haut- 
ausschlag, und irisch tachas, tochas kratze (letztere beiden 
allerdings nur aus O'Reilly's Dictionary bekannt, also noch 
nicht gut verbürgt). Weber, Ind. stud. 4, 419 erklärt takman 
für fieber; P. W. für „eine best, krankheit oder vielmehr eine 
ganze klasse hitziger krankheiten, welche von hautausschlägen 
begleitet sind". Muir, Orig. sansk. texts 4, 280 übersetzt 
„consumption". Ausführlich ist der takman behandelt bei 
dr. Virgil Grohmann, Ind. stud. 9, 381 fgg.: takman = jvara 
fieber; takman ist der vedische, jvara der spätere sanskritische 
ausdruck für „fieber". 



274 C. Florenz 

Metrum: vers 1 jagati; vers 2 und 3 unregelmässig und 
das metrum nicht genau zu bestimmen. Ich gab in der Über- 
setzung die silbenzahl des Originals wieder. 

la ist dahata eti zu verschleifen , um die richtige silben- 
zahl herzustellen; ähnliche Verschmelzungen vergl. z. b. p. 275 
(sükta 21) bhaga iva. Allenfalls könnte man auch das unbe- 
tonte asya (in der Übersetzung nicht ausgedrückt) beseitigen. 

1 erster pada anspielung auf die glut, die erhöhte blut- 
temperatur, die das fieber mit sich bringt. Auch die „glühende 
waffe" in 1 b geht darauf. 

apäyati Ludwig „geht er weg". 

Ich ziehe vor, avratäs in avratäm zu ändern (so auch 
Ludwig); auf takman bezogen scheint mir das epitheton wider- 
sinnig (vergl. auch kam cid avratam Rv. I 132, 4). Zu den 
gesetzlosen, die die heiligen Obliegenheiten nicht erfüllen, soll 
er gehen; die, welche ihm Verehrung zollen, wie eben die, 
welche das lied anwenden, soll er verschonen; daher: „irgend 
einen andern, einen gesetzlosen, suche er heim!" Zimmer 380 
giebt avratas mit „der ruhelose" (etwa druckfehler für „ruch- 
lose"?). 

Zimmer 380 übersetzt la: „Wie eines sengenden, sprü- 
henden feuers kommt sein (zug), wie ein trunkener gehe er 
murmelnd (unverständlich redend p. 274) weg". Ludwig: „Er 
geht aus gleichsam von diesem Agni, dem brennenden, starken, 
und berauscht und heulend geht er weg, | einen andern als 
uns soll er suchen, irgend einen werklosen, Verehrung 
soll dem takman sein, dess' hitze der tod". 

Ludwig 3a: ,,Der du heftig zu glühn bestrebt, alle färben 
in grün verwandelst" (Zimmer: „die körper alle gelblich 
machst"). Bei einer fieberart mit besonderer gallenaffektion 
zeigt der körper des kranken eine blassgelbliche färbe, cf. 
Zimmer 388. 

arunä P. W. „aussatzfarbig", was aber nicht angeht. 

vanyaya takmane Ludwig: „dem fieber des waldes", Groh- 
mann: „dem wilden (wassergebornen?) takman". 

Anukr.: agner ivasyeti (6, 20, 1) yaksmanäganadaivatam, 
bhrigvaiigirah ; prathama 'tijagati, dvitiyä, kakummati prastära- 
paüktis , tritiya satahpaiiktir ity , anena mantroktän sarvän 
devän astaut. 

Kau^. 30: agner ivety uktam ddve lohitamätrena mürdhni 



Das sechste buch der Atharva samhitä übersetzt. 275 

sampätän anayeti. ity asya bhavati. jvarabhaisajyam. (So 
bestätigt also auch der indische coramentator die richtigkeit 
der Grohmann'schen deutung von takman.) 

Kaug. 36 : agner i) iveti para<juphäntam : paraguna taptena 
kvathitam phantam payayati. pramehanavat. paraguh kuthärah. 

21. Haarzauber. 

1. Die erden, deren drei es sind, 
von denen steht bhümi voran; 
von deren Oberfläche hab 

ein heilend kraut ich abgepflückt. 

2. Die beste bist du der arznein, 
der pflanzen allertrefflichste, 

wie unter den sternen herr der mond, 
wie unter den göttern Varuna. 

3. Ihr prächt'gen habt niemand was an, 
zu spenden seid ihr stets bereit; 

ihr gebt dem haupthaar festen halt 
und wirkt auch Wachstum in dem haar. 

Vergl. Grill p. 32. _ 

Metrum: anustubh. 2a lies virudhanaäm; 2b: bhaga iva 
zu verschleifen. 3 päda 1 hat eine silbe zu wenig, weshalb 
Grill vorschlägt revatias statt revatis zu lesen. Dies ist jedoch 
nicht glücklich. Es ist eher an rayivatis zu denken, was im 
Rv öfters überliefert ist. 

Zu la vergl. Zimmer 357. uttama = die „beste" oder 
„höchste" der drei erdschichten? Auch Muir 5, 305 ist 
zweifelhaft, ob uttama = highest oder best. Aus Av. 4, 20, 2> 
wo tisro divas und tisrah prithivih zusammen genannt werden, 
darf man wohl annehmen, dass beide ähnlich angelegt gedacht 
werden. Nun steht Rv 5, 60, 6 uttamo dyaus im gegensatz 
zu madhyamo mittelster und avamo unterster; ich schliesse 
also, dass wir uttama mit ,, oberste" zu übersetzen haben, und 
dass die beiden nicht genannten als madhyamä und avamä zu 
bezeichnen sind. Erstere allein, der wohnort der menschen, 
ist sichtbar: guha dve nihite dargy ekä Rv 3, 56, 2. 

Ib. jagrabhara stellt P. W. zu den falschen formen. Es 
ist bei Whitney, Roots, unter den perfectformen als plusquam- 
perf. aufgeführt, 

*) D agiiir. 



276 C. Florenz 

2b. yama == wandelstern; wörtlich: Wie der mond als 
Schutzherr unter den Wandelsternen. 

3a Grill: „Ihr präclitgen könnt nicht widerstehn, zu 
spenden ist euch eine lust". 

Zweiter pada wörtlich: ihr spendseligen seid zu spenden 
bereit. Grassmann im Wörterbuch, 1466 (artikel san, sä), 
citiert die stelle unter heranziehung der bedeutung „gut, beute 
erlangen wollen", bei welcher ich mir indes nichts vorzustellen 
vermag. 

Vers 3 ist an die heilkräuter überhaupt gerichtet, soweit 
sie haarwuchs befördern. Das vorzüglichste mittel ist der saft 
der nitatni, womit man die haare übergoss. cf. Av. 6, 136 
und 137. Ludwig, Rv III 343 bemerkt: „die auf haarwuchs 
bezüglichen zauber stehn wohl in Zusammenhang mit der durch 
aussätze bewirkten kahlheit". 

Anukr.: ima ya iti (6, 21, 1) cändramasam, anustubham. 

Hierzu KauQ. 30: imä yäs tisra iti vriksabhümau jätäjvd- 
lenä 'vanaksatre 'vasincati {'vanaksatre fehlt bei D.). vriksasya- 
dhah jätavriksabhümau jatäs tabhir avajvalitäbhir udakaip 
taptam tenävasincati. ksayabhaisajyam. girsaphäntäksaih: ^ir- 
sam raadanam phantam isadusnam udakam. aksa vibhitaka- 
phaläni (Ms. pälani). ete jvälitän avanaksatre 'vasincati. tiika- 
täbhyäm: nikata ca nikatä ca nikate nikatä ikätabhyäni (?) i) 
jvälena 'vanaksatre 'vasincati. 

22. Regen. 

1. Schwarz ist die bahn, die adler feuerfarben, 
wassergekleidet steigen sie zum himmel; 

sie kamen her vom sitz der heil'gen Ordnung, 
sogleich durchtränkten sie mit ghee die erde. 

2. Voll saft und kraft macht wasser und die kräuter ihr, 
sowie ihr euch, o goldschmuckbrüst'ge Marut! regt. 
Kraftvoll gedeihn und wohlwolln lasst reich strömen dort, 
wo ihr, beiden Marut! madhu träufelt hin. 

3. Im wasser schwimm'n die Marut; in bewegung 
setzet den regen, der die tiefen all' füllt! 

Es beb' die erde, wie 'ne maid beim beischlaf, 
wie'n weib, vom gatten in die schäm gestossen. 



*) wohl nikate, nikatäbhyäm etc. 



Das sechste buch der Atharva-saiphitä übersetzt. 277 

Vergl. Ludwig's Übersetzung von vers 1 und 2 Rv III 463 
(3 fehlt). 

Vers 1 = Rv 1, 164, 47 mit Variante prithivi vy udyate 
statt Av. ^rithivim vyüduh. Vergl. ausserdem Av. 9, 10, 22; 
13, 3, 9; Ts. 3, 1, 11, 4; N. 7, 24. Mit apo sind die wasser 
der wölken gemeint; die adler sind die Marut. Man könnte 
auch übersetzen: Auf schwarzer bahn die feuerfarbnen adler 
wassergekleidet auf zum himmel steigen. 

sadanäd ritasya von der Ordnung sitze, von der statte des 
opferwerks. Entweder ursächlich zu verstehen: durch die dar- 
bringung des Opfers werden die Marut (gewitterwolken) aus der 
ferne herbeigerufen; oder räumlich: von der opferstätte her 
(ihrer eigenen, der götter opferstätte?) bringen die Marut ghee 
(regenwasser als das von den göttern verwendete ghee). 

Grassmann übers, den angezogenen vers des Rv: „Den 
dunklen weg [der nacht] durchfliegen die schöngeflügelten rosse 
der sonne in wasser gekleidet zum himmel hin [um am tage 
am östlichen himmel aufzusteigen]; sie eilten herbei vom sitze 
der göttlichen Ordnung [von osten]; dann erst wird die erde 
mit [fruchtbarkeit] benetzt". 

Ludwig: „dunkel der niedergang [flug], golden die vögel". 

2a ist zu übersetzen: „Voller saft und kraft macht ihr 
die wasser; die kräuter [sollen uns] heilsam [sein], wenn ihr" 
etc. cf. 6, 23, 3 oder: „Voller saft und kraft macht ihr die 
wasser [und] die kräuter, wenn ihr segenbringend euch regt" 
etc. In obiger Übersetzung habe ich jedoch ^iva getilgt, was 
metri causa notwendig ist. Ludwig scheint übrigens krinuta 
statt krinutha zu lesen: „Macht milchreich die wasser und 
kräuter und heilsam". 

Zum metrum von vers 1 und 2 ist zu bemerken: 

1 tristubh: ritasya äd und viüduh zu lesen. 

2 jagati: krinutha apa zu lesen, und. wie bereits erwähnt, 
^ivä metri causa zu streichen. 

Vers 3 ist wohl tristubh und zu lesen: 
ejäti glahä kanieva tunnä 
erum tundänä patieva jäyä. 
tundänä med. und tunnä pass. wohl in derselben bedeutung, 
und erum zu tunnä zu ergänzen. 

3a lese ich täm (acc. fem.) statt tan; man sollte tarn 
vristim erwarten, vristi ist aber in den relativsatz hineingezogen. 



278 C. Florenz 

eru (im P. W. ohne bedeutung) stellt A. Raab e Die klagelieder 
etc., vorrede pag. V zu lat. üe, pl. ilia = Unterleib, schamgegend. 

Zu glahä (P. W. ohne bed.) stellt Raabe a. a. o. griech. 
faXiri wiesei, wie zu skr. gldni griech. yaXrjvrj. Diese etymologie 
ist aber gänzlich unsicher. Ich vermute, dass glahä aus einem 
älteren glabhä entstanden sei; man vergleiche den Übergang 
von bh nach h in unzweifelhaften fällen wie grabh — grab, 
gabh — gab, später gäh. (Ist es zufall, dass diese Wörter alle 
mit g anfangen?) glabhä vergleiche ich sodann mit lat. gleba 
schölle; = „erde" überhaupt, Oberfläche der erde. In unserer 
stelle scheint mir allerdings auch diese bedeutung nicht recht 
zu passen. 

Anukr.: krisnam niyänam (6, 22, 1) ity ädityara^mideva- 
tyam, märutam traistubham, ^äntätir iti dve sükte apagyat, tata 
äbhyäm mantroktadevatä astaut; payasvatih krinutheti (vers 2) 
catuspadä bhurig jagati. 

Vait. s. 9, 5 bemerkt: Am kärttika-vollmondstag finden die 
säkamedha (das dritte parvan) statt. An diesem tage wird 
diese hymne nach der handlung mit dem vollen darvilöffel als 
begleitung der darbringung „an die spielenden Marut" ver- 
wendet. — Vergl. Gop. Br. 2, 1, 23. Katy. Qr. 5, 7, 1. Agv. 
gr. 2, 18, 14-16. 

KauQ. 30: krisnam niyänam ity osadhydbhigcotayate: sük- 
täbhyäm golayä sasrusir iti lingyupatäpät. abhivarsanesu graha- 
nät. na iti cennärtham uktatväd. yathä 'tharvänam pitaram iti 
mantroktayä. ayä visteti märutänäm apyayah: iti märutänäip 
mantränam ity asmin karmany api ta[ma]syägamanam i) bhavati. 
sasthinirde^ät. märutänäm amanträ iha gacchantity arthah. 
kartrikarmanoh krititi sasti; atagca tesäm api jalodarabhaisa- 
jyam etat karma ye punar api varnakesu karmasu prakritäga- 
manam vyäcaksate, tesäm tatra sasrusir himavata iti grahanam 
anarthakam anenaiva siddhatvät. idam vacanasütram bhaktya 
samupavarnayitavyam syät. 

23. Herbeiführung der wasser. 
1. Schnell sind, die dies zu thun gewohnt, 
eilend bei tage und bei nacht; 
ich, der ich wohlgesinnt bin, ruf 
die wassser her, die göttlichen. 

') walirBcbeinlicher apyaya ity ägamauaui. 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 279 

2. Man rief die tücht'gen wasser an; 
zur herführung solln lösen sie, 
sogleich solln bringen sie zum gehn. 

3. In gott Savitars anregung 

solln die menschen das werk vollziehn; 

zum heil solln uns die wasser und die kräuter sein. 

Vergl. Ludwig, Rv III 431. 

Metrum: vers 1 anustubh, 2 gayatri, 3 parosnih. 

Erstes pada von 1 hat eine silbe zu wenig, vielleicht etad 
oder idam statt fad zu lesen? Ib lies vareniakratur; 2a: 
karmaniä; 2b: krinvantu etave. 

la Ludwig: tadapasah „die hier thätigen". Ib: „ich von 
trefflicher einsieht". 2: „gestatten sollen die herführung sie, 
allsogleich in gang [uns] setzen". 

itah verbinde ich mit pranitaye, als Subjekt zu muiicantu 
ist deväh oder marutah zu ergänzen; das Subjekt von päda 2 
gilt auch für päda 3. (Oder, was unwahrscheinlicher ist, apah 
dauert als subjekt durch alle 3 pädas fort, dann: sie sollen 
sich losmachen (?) zur herführung (pranitaye passiv), sogleich 
sollen sie in betrieb setzen. Man sollte dann allerdings mun- 
cantäm erwarten). 

Mit diesem lied begleitet der adhvaryu das ausgiessen des 
vorher herbeigebrachten pranitäwassers. Vait. s. 4, 14. — 
Käty. gr. 3, 8, 6. 

Anukr.: sasrusir (6, 23, 1) himavatah prasravantiti (6, 
24, 1) dve abadevatye (wohl apa°), änustubhe, äbhyam apa eva 
'staud. otä äpa iti (6, 23, 2) tripadä gayatri; devasya savitur 
iti (6, 23, 3) parosnih. 

Zu Kau^. 9 und 41 siehe hymne 6, 19. 

24. Gegen krankheit. 

1. Vom Himavat entströmen sie 
im Indus irgendwo vereint. 
Die wasser göttlich sollen mir 
das mittel gegen herz weh leihn. 

2. Was mir am äuge ist verletzt, 
an versen und was vorn am fuss, 
das solln die wasser heilen ganz, 
sie, die die besten ärzte sind. 



280 C. Florenz 

3. Die ihr zur frau und königin 
die Sindhu habt, ihr flüsse all, 
gebt uns die arzenei hierfür, 
der woUn von euch wir uns erfreun! 

Vergl. Grill p. 11. 

Metrum: anustubh. 2a lies pärsnioh; 3a: nadia. 

1 zweiter päda wörtlich: irgendwo in der Sindhu ist ihre 
Vereinigung. Grill: „zur Sindhu hin, wer weiss nur wo?" 

sindhu fluss xar i^oxi^v , der Indus (auch Sarasvati 
genannt). 

Das Himavat - gebirge (schneebedeckte) ist wahrsch. der 
Himalaja. Im Rv findet sich Himavat einmal 10, 121, 4; 
daselbst kann der ausdruck ime himavantah parvatäsah sich 
ebensogut auch auf das Suleiman-gebirge oder den Sefidkoh 
beziehen. 

3b Grill: „den segen möchten wir von euch". 

Siehe hymne 6, 19. Aus Därila pag. 44 b bemerke man 
noch zu Kau^. 9: himavata iti syandamänäm ädityasya gra- 
hanät. — Kau^. 30: himavata iti syandamänäd anvtpam ahärya 
valikaih: praisakritämrodam (?) i) udakam ahärya grihachädana- 
trinair jalodarinam abhigcotate. 

25. 

1. Die fünfe und die fünfzig auch, 
die auf genickes muskeln sind, 
von hier die sämtlich soUn vergehn, 
wie das gesumm der Apacit. 

2. Die sieben und die siebzig auch, 
die auf des nackens muskeln sind, 
von hier die sämtlich soUn vergehn 
wie das gesumm der Apacit. 

3. Die neune und die neunzig auch, 
die auf der schulter muskeln sind, 
von hier die sämtlich solln vergehn 
wie das gesumm der Apacit. 

Uebersetzt von A. Kuhn, Kuhn's Zeitschrift bd. 13, 130. 
Metrum: anustubh. Lies maniä; graiviä; skandhiä. 
Kuhn ist zweifelhaft, ob väkäh durch „schwärme" wieder- 
zugeben sei. 

') viell. praisakritämodam. 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 281 

Solche eigentümliche Zahlenverbindungen wie in dem vor- 
liegenden hymnus sind natürlich nicht genau zu nehmen, 
sondern sie vertreten nur ein unbestimmtes zahlwort; dem ein- 
fachen volksverstande ist aber das unbestimmte ein zu wenig 
fasshcher begriff, und er bedient sich lieber einer bestimmten 
zahl, von der er sich eine mehr oder weniger deutliche Vor- 
stellung machen kann. Als ausschlag gebend für die wähl der 
zahlen kommt die neigung zur zahlensymbolik hinzu, die sich 
meines wissens bei den meisten Völkern findet. A. Kuhn in 
Ztschr. 13, 128 fgg. geht auf diese erscheinung näher ein, 
indem er besonders den deutschen aberglauben berücksichtigt. 
(Beispielsweise führe ich folgende krankheitsbeschwörung aus 
Grimm's Deutscher mythologie an: Unser herr Jesus Christus 
und dieser wasserfluss, ich verbüsse dir sieben und siebenzig 
schuss; sieben und siebenzig seuche, die seind mehr den wir 
verbüssen; weichen von diesem geruch? neunerlei geschuss! 
das sei mir zur busse gezählet im namen etc.) 

Es ist nicht ganz sicher, ob dieser zauber gegen krankheit 
gerichtet ist, obgleich nicht gut etwas anderes zu verstehen ist. 
(Im Deutschen wird nach Kuhn gewöhnlich das fieber als 
„siebenundsiebzigerlei krankheit" bezeichnet). Hier vielleicht 
eine hitzige krankheit mit hautausschlägen auf nacken und 
schultern zu verstehen? Gegen lästige insekten kann der 
zauber wohl nicht sein, da eine art derselben in den vergleich 
hineingezogen ist. 

Die Zahlenverbindung anlangend vergl. noch Av. 6, 139, 1; 
sowie 7, 4 und 19, 47 (citiert und übers, von Kuhn a. a. o.). 

Anukr.: panca ca yä iti (6, 25, 1) mantroktamanyävina- 
ganadevatyam, anustubham, gunah^epah. 

Hierzu Kaug. 30 : panca ca yä iti paficapahcägatam paragü- 
parnän^) kdsfhair ddipayati: anena süktena paragünam paricä- 
yat pancädhikä (pa)ragükarnä(?) iva pargvävasthänt^). tesäm pafl- 
cägatakapälam svamkritva(?) kasthair ädipayati süktena. kapälc 
prasritam kästhendlimpati. karnarasam kästhena grihitvälimpaty 
avasincati. apavidhyati. kimstyagvajämbilodakaraksikämagakä- 
dibhyäm^) davigayati: kimstyah gankhah gvajämbilam gunah 

*) KauQ. 47 zu Av. 2, 12, 1 wird paraQupaläga durch kuthäramukha 
erklärt. ^) sie msc. ; viell. parQvävasthanat? ^) Der dual ist höchst 
sonderbar. 

Beiträge z, kando il. nJ^. sprachen. XU, X9 



282 C. Florenz 

^lesinä. udakaraksika jalükadigrihakolikä. kimstyenalepanara. 
gvajämbilena cäyavaQanklienä "lepanam. tadä jalükäya dain- 
^anaip. yadä Qvajämbilena tadä grihakolikayä "lepane manträli. 
dam^ane ca samänanirdeQat. kimstyädini ceti bahuvacanain 
tadvad aprayogät. 

26. Gegen unheil. 

1. Frei sollst du, unheil, geben mich! 
als herr sollst du uns gnädig sein 1 
hin in die weit des segens mich 

unheil! setze, ungebeugt. 

2. Der du uns, Päpman! nicht verläss'st, 
dich selbst verlassen wir nunmehr. 
Auf andrem wege Päpman soll 

auf einen andern stürzen sich. 

3. Wo anders, nicht bei uns, weil' er, 
der tausendäugige, ewige. 

Wem hass wir zolin, zu dem geh er — 
den töte, dem wir hasser sind! 

Metrum: anustubh. Ib lies dhehi; 2b: anyam; 3a: ni 
ucyatu; amartiah. 

2 b wörthch: Auf der Scheidung der wege soll das unheil 
einem andern nachstellen (d. i. unser weg und der weg des 
Unheils sollen sich scheiden, und auf diesem geschiedenen wege 
soll das unheil zu einem anderen hingehen). 

Anukr.: ava mä päpmann iti (6, 20, 1) päpmadevatäkara, 
änustubham, brahmä 'nena ])äpmanam astaut 

Kaug. 30: nigy ava mä päpmann iti titauni (so D, K: 
tatra) pülyäny avasicyä 'pavidhya: titauni pülyäni dhäraya- 
raäna idam karma bhavati. 

27. Gegen unheil verkündende vögel. 

1. götter, wenn hierher der tauber heischend, 
entsandt als böte der Niiriti, herkam, 
so wolln wir ihm lobsingen, sühne schaffen. 
Heil soll uns menschen sein und heil den tieren, 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 283 

2. Zum heil sei, götter! uns entsandt der tauber, 
unschädlich hin zu unserm haus der vogel; 
der weise Agni freu' sich unsres havis', 

das flügeltragende geschoss verschon' uns! 

3. Nicht soll der pfeil, der schwingen trägt, uns schaden, 
den fuss setzt auf den herd, die feuerstatt er; 

zum heil sei unsern rindern er und männern, 
nicht schade uns, o götter! hier der tauber. 

Vergl. Rv 10, 165, 1 — 3. Abweichungen sind: 

2a: Rv grihesu — Av. grihana nah. 

3a: ästryäm — ästri. 

3b: 9am no — ^ivo. 

gobhyaQ ca — gobhya uta. 

3b lautet im Rv: gam no gobhyaQ ca purusebhyag cästu 
mä no himsid iha devah kapotah. Diese lesart ist aus metri- 
schen gründen der des Av. vorzuziehen; in letzterer müsste 
man gobhya uta verschleifen und no 'stu lesen. 

Metrum: tristubh; päda 3 und 4 von vers 1 sind zwölf- 
silbig (jagati-pädas). 2a hes astu; 3a: dabhäti asmän. 

Hultzsch Prolegomena zu des Vasantaräja Qakuna p. 7 
bezeichnet VI 27 — 29 als „eine verballhornung von Rv 10, 
165". 

3a: ästri fasse ich als lokativ (p, -i iti) = Rv ästryäm; 
cf. Bolle nsen, Z. D. M. G. 22, 606. 

Zimmer p. 89 sagt: „In Rv 10, 165, Av. 6, 29, 2 er- 
scheint er (kapota der täuberich) mit ulüka als unglückbedeu- 
tender vogel, böte der Nirriti, wofern nicht ein anderer 
vogel als taube gemeint ist". Es ist jedoch kein grund 
vorhanden, kapota eine andere bedeutung als ,, taube" zu geben. 
Auch bei andern Völkern ist sie unheilverkündender vogel. Bei 
den Goten z. b. galt die turteltaube so; sie wurde von ihnen 
hraivadubo (leichentaube) genannt. Sagen von ihr zusammen- 
gestellt sind Av. 3, 34 (vgl. Grimm, Deutsche myth. 659 fgg.). 
Hymnus 29 wendet sich auch gegen die eule, die bei den 
Europäern gleichfalls unglück verkündet; cf. z.b. ululae, upupae, 
bubones, toto anno in tectis funebria personantes (Grimm 
a. a. 0. 660). Bei den Arabern gilt der rabe als unglücks- 
bote, bei den Chinesen auch die taube. 

19* 



284 C. Florenz 

Das Adblmta-brähmana (Weber, Omina etc. p. 325) giebt 
Vorschriften für den fall, dass sich unheilverkündende vögel 
zeigen; vergl. z. b. sa udicim di^am anvävartate ^tha yadäsya 
. . . aristani vä vayämsi griham adhyäsate . . . Nach der nörd- 
lichen gegend wende sich (zum sühnopfer) . . . wem da unheil- 
verkündende vögel sich auf das haus setzen. Der coramentar 
erklärt: duhkhasücakäni vayämsi kakädini. Dieses adbhuta ist 
dem gott des reichtums und yaksafürsten Vaigravana geweiht 
(tänyetäni sarväni vaigravanadevatyäny adbhutäni präya^cittäni 
bhavanti). p. 330 : so 'ntariksam anvävartate 'tha yadäsya . . . 
°kapota° dri^yante Nach der luft hin wende sich, in wessen 
hause sich ... taube ... niederlassen. Alle diese sind dem Väyu 
geweiht. 

Die alte formula solemnis: dvipade ^am catuspade gam 
scheint bereits indogermanischer brauch gewesen zu sein; sie 
findet sich auch in den brauchen stammverwandter Völker; (^ara, 
abhayam etc.) gobhyah purusebhyali oder ähnlich ist ebenfalls 
solenne formel. 

Zur bedeutung von ästri siehe noch Säyana. Ich möchte 
es von ya^ essen herleiten, agitar = verzehrend; bezeichnung 
für „feuer"; durch ausfall des i könnte astar entstanden sein; 
davon wurde das adj. ästra „aufs feuer bezüglich" gebildet, 
und von diesem ästri feuerplatz == agnidhäna. 

Anukr. behandelt die hymnen VI 27, 28 u. 29 zusammen: 
deväh kapota (6, 27, 1) ricä kapotam (6, 28, 1) amün hetir 
(6, 29, 1) iti trini süktäni yämyäny uta nairritäni. prathamam 
jägataip, parara traistubham, tritiyam bärhatam, bhrigur apag- 
yat, tata etaih kapotolükajanyäristaksayakämo yamam nirritira 
ca mantroktän devän astaut. Qivali kapota iti (6, 27, 2) 
tristup; parime 'gnim ity (6, 28, 2) anustub, yah prathama iti 
(6, 28, 3) jagaty, avairahatyäyeti (6, 29, 3) tryavasänä sapta- 
padä viräd astir, amün hetir iti dve (6, 29, 1 u. 2) virädnäma- 
gäyatryau. 

Kaugika 46: mantroktänipatitehhyo devah kapota, ricä 
kapotam, amün hetir iti mahägäntim ävapate: mantroktärtham 
ulükakapotäh tebhyah anucitadegagatebhyo yad agarma tan- 
niskritäyedam ucyate. 



Das sechste buch der Atharva-samhita übersetzt. 285 

28. Gegen unheil verkündende vögel. 

1. Mit rigvers treibt den tauber fort! beim treiben 
die spend' geniesseud, führen 'rum die kuh wir, 
verwischend die uns unheil bringenden schritte; 
den trank uns lassend, flieg der rasche fliegen 

2. Das feuer haben diese hier, 
die kuh ringsum herumgeführt, 
der götter lob erlangten sie, 

wer wagt sich nun an sie heran? 

3. Er der zuerst zur himmelshöh gelangte, 
den weg ausspähend für die vielen [andern], 
der herr ist über menschen hier und tiere, 
dem soll verneigung sein, Yama, dem tode. 

Vers 1 : metrum: tristubh; vergl. zu ihm Rv 10, 165, 5: 

Rv: nayadhvam — Av. nayämah. 

samyopayanto duritani vigvä — samlobhayanto duritä padäni. 

patät — padät. 

patisthah — pathisthah. 

pra-patät und patistha (der am besten fliegende d. i. sehr 
gut fliegende) müssen auch im Av.-text gelesen werden! 

Die ceremonie (wie sie sich aus dem mantra selbst ergiebt, 
ohne heranziehung des unten angeführten rituellen textes) scheint 
zu sein: Um das haus (opferstätte etc.), wo sich der tauber 
niedergelassen hat, wird eine kuh herumgeführt (und feuer 
herumgetragen), indem man einen rigvers (den „parime?'') reci- 
tiert und von der is geniesst. (Ich construiere is mit mad, 
obgleich bei mad der instr. gen. loc. gebräuchlicher ist), go 
könnte auch „milch" bedeuten: dann würde also ein milch- 
trank herumgetragen. Die duritä padäni, welche verwischt 
werden, sind wohl die spuren von den füssen des taubers. Die 
auswischung der spuren deutet symbolisch auf die auswischung 
der üblen folgen. Den tauber gewaltsam zu vertreiben, war 
wahrscheinlich nicht erlaubt; man musste ihn durch beschwö- 
rung mit heiligen versen „weidlich schwitzen machen" und ihn 
so hinwegcoraplimentieren. 

pranodam ist gerundium: beim forttreiben, nicht Infinitiv, 
wie Grassmann Wörterbuch. Seine Übersetzung „vertreibt 



286 C. Florenz 

ihn" ist geradezu falsch, madantah fasst er absolut: „fröhlich", 
cf. seine übers, zu 10, 165, 5: 

„Treibt durch gesang den tauber weg, vertreibt ihn, 
den milchtrank führt herum als labsal, fröhlich; 
austilgend gänzlich die gefahren alle; 
uns nahrung lassend flieg der rasche flieger". 

Ludwig: isam madantah „reich an speise". 

Vers 2: anustubh; 2a lies agnim; 2b: devesu. cf. Rv 
10, 155, 5; Väj. s. 35, 18, Abweichung: 

Rv: parime gäm anesata pary agnim ahrisata — Av: pa- 
rime 'gnim arsata parime gäm anesata. 

ime 10, 155, 5 sind die frommen, von Brahmanaspati 
beschirmten, denen die dämonin Aräyi nichts anhaben kann. 

Grassmann, übers, dieser stelle, giebt gäm mit „kuh" 
(10, 165, 5 = milchtrank). Aber an beiden stellen ist die 
bedeutung „kuh" anzunehmen. 

pada 3 Grassmann: Und [haben] preis den göttern dar- 
gebracht. Ludwig: Zu den göttern schafften sie lobpreisung; 
aber Rv X 155, 5: Zu den göttern (sc. haben sie) ihren rühm 
erhöht, kri im medium fügt zu der aktiven bedeutung noch 
die rückbeziehung auf das Subjekt: „bei den göttern haben sie 
sich rühm (anerkennung etc.) erworben". 

Vers 3: tristubh, päda 3 und 4 haben jedoch wie in 
6, 27, 1 je 12 Silben (jagatipädas). Anukr. nimmt daher jagati 
als metrum an. Lies yo'syege viersilbig! 

Zu 3 a vergl. Rv 10, 14, 1: pareyivämsam pravato mahir 
anu bahubhyah panthäm anupaspagänam. (Verehre den Yama) 
der zu den mächtigen strömen fortging und den weg für viele 
ausspähte. Zur bedeutung von pravat cf. Muir V p. 292 
anm. 429. p. 303 übers, er deragemäss unsere stelle: who first 
reached the river, spying out the way for raany. Grassmann 
]Rv 10, 14, 1: „der einst dahinschied zu den sel'gen höhen". 
3a also vielleicht: 

„Er, der zuerst hin zu dem ström gelangte". 
Ludwig: „der gewandelt über die hohen abhänge" etc. 
Zu 3b vergl. Rv 10, 121, 3b: „ya ige asya dvipadag 
catuspadah" kasmai deväya havisä vidhema (so auch Av. 4, 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 287 

2, Ib; kasmai etc. bildet durch ganz 4, 2 in allen versen 
gleichsam den refrain). 

Die fortsetzung tasmai yamäya namo astu mrityave stimmt 
überein mit Rv 10, 105, 4b und kommt Av. 6, 63, 2 noch 
einmal vor; es ist somit Yama hier mit dem tode identificiert, 
während z. b. Av. 18, 2, 27 der tod als böte Yama's gefasst 
wird, der die geister der menschen zu den vorvätern befördert: 
nirityur yamasyäsid dütah etc. Grassmann übersetzt 10, 165,4b 
anders: „dem Yama und dem tode sei Verehrung". 

Kau^. 46: panme ognim ity agnim gdm ädäya nigi käraya- 
mdnas trih <;Mäin parinayaU. (Diese angäbe Kaugikas ist 
blosse wiedergäbe des im mautra enthaltenen, mit der speciali- 
sierung, dass die heruratragung resp. herumführung dreimal 
und zwar nachts stattfindet.) D. : kärayamäuo 'gnim gäm ca 
dadäti. mantrasya kartuh sämarthyät. nigity avayavagrahanaiii 
krityäpratiharanam granthasya nigy upayujyety ädi mä bhüd 
ity akasmät(?). 

29. Gegen unheil verkündende vögel. 

1. In die und die dring das geschoss mit flügeln. 
Dass [hier] die eule schreit, das sei ohn' folgen, 
und dass der tauber an das feuer schreitet. 

2. Nirriti! deinen boten, hergesendet 

zu unsrem hause oder nicht gesendet, 

dem tauber und der eul' soll dies kein ort sein! 

3. Nicht sei zum männerraord er hergeÜogen, 
zum wohl der beiden hab' er sich gesetzt hier. 
Sprich ihn durch einen spruch hinweg 

nach ferner gegend ferne hin, 
auf dass in Yama's hause dich 
ohn' saft und kraft man schauen mög', 
hinfällig ganz man schauen mög'. 

Metrum: vers 1 und 2 viräj. la lies ni etu; vä in Ib ist 
zu streichen. 2 a hes aprahitau; 2 b ist tad als glosse zu 
streichen. In vers 3 könnten b und c, welche näher zusammen- 
gehören, pankti bilden; 3a etwa dvipadä viräj? Anders Anukr., 
welche siehe, arasam in 3 c zu lesen. 

Zu 1 siehe Rv 10, 165, 4 (päda 2 und 3 unseres verses, 
mit weglassung von vä in pada 3). 



288 C. Fl 



oretiz 



moghain übereinstimmend mit Rv; eigentlich raogham zu 
betonen = vergeblich, d. i. ohne üble folge. Statt amün sind 
eventuell namen von personen einzusetzen, yad ist beide male 
als conjunction zu fassen; Grassmann: „v^^as hier die eule 
schreit, das ist erfolglos"; Ludwig: „was die eule spricht, 
ist eitel". 

Zum ersten päda von vers 2 vergl. Rv 10, 165, 4 dritter 
päda: yasya dütah prahita esa etat = als wessen böte er 
hierher gesandt ist. 

30. Haarzauber. 

1. Die madhugerste haben auf 'nem amulett 
die götter eingepflügt am Sarasvatistrand. 
Indra (^atakratu der herr des pfluges war, 

die pflüger war'n die Marut, die reich schenkenden. 

2. Den rauschsaft, den du, strupp'gen wilden haars, hast, 
wodurch den menschen lächerlich du machest, 

von dir an andre bäume will ich schleudern; 
du, gami! spriesse auf mit hundert zweigen. 

3. Breitblättrige, glückselige, 
regengewachsne, heilige I 
Wie eine mutter ihrem söhn 
den haaren, gami! gnädig sei. 

Vergl. Ludwig, Rv III, 512. 

Metrum: 1 jagati; 2 tristubh; 3 anustubh. 

2a lies avakego; 2b: tuad; tuam; 3b: mätä iva putrebhio 
und kegebhiah. 

ad 1: mani amulett. Weber, Om. u. port.: ,.amulett" ist 
in der Atharva-samhitä wie im ganzen Ath.-ritual fast die aus- 
schliessliche; = monile halsband, altd. manikold, ags. mene, 
altn. men, alts. meni. Weiteres, bes. über die Zusammenstellung 
mit semitisch riD.Ta siehe Ind. stud. 17, 202 fgg. 

kinäga und kinära, pflüger, bringt Weber zu Av. 3, 17, 5 
(Ind. stud. 17, 261) mit kina „Schwiele" zusammen, „voll 
Schwielen", von der harten arbeit. Vergl. den nachtrag. 

„Madhugerste", d. i. mit madhu vermischte gerste. 

ad 2: „Der berauschende saft, den du (d. i. gami) hast, 
der herabhängende, struppige haare hat (d. i. der die haare 
herabhängend oder struppig macht), durch den du den menschen 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 289 

lächerlich machst, [den] will ich weit von dir hinweg an andere 
bäume als dich (tvad sowohl zu ärät als zu anyä zu ziehen, 
zwischen denen es steht) schleudern". Der sinn ist wohl: der 
schädliche, berauschende saft der ^ami, die berauschende eigen- 
schaft desselben , soll fortgehen , das heilsame soll bleiben. 
Ludwig übersetzt 2a: „Deine freude [trunkenheit?] an ausge- 
fallnem, zerstreuten haar, durch die du den menschen lächerlich 
machst". Zimmer p. 274 hat: „Die rausche (mada) werden 
Av. 6, 30, 2 einigermassen klassificiert in solche, welche (d. h. 
bei welchen die menschen) herabhängende haare haben (ava- 
ke^a), solche, welche struppige haare haben (vikega) und endlich 
die, welche den menschen lächerlich machen (abhihasya)". 
Zieht man hierzu, was Zimmer p. 60 über die ^ami mit citat 
unseres hymnus sagt: „sie ist vielverzweigt und gilt daher als 
Symbol üppigen haarwuchses, in folge dessen sie bei haarleiden 
angerufen wird" , so ergiebt sich eine wesentliche Verschieden- 
heit seiner und meiner auffassung. An eine klassification der 
rausche im Zimmer'schen sinne ist nicht zu denken, aller- 
mindestens aber ist die dreiteilung falsch, denn abhihasyaip 
kritvä ist sowohl der mado 'vakegah als der mado vike^ah. 

päda 4 von vers 2 passt schlecht in den Zusammenhang. 

Auf Av. 6, 30, 1 und T. br. 2, 4, 8, 7 wird unter vana 
im P. W. bei citierung der ganz entstellten stelle sarasvatyä 
adhi vanäya cakrisuh Pär. Grh. 3, 1 verwiesen. 

Anukr.: devä imam iti (6, 30, 1) Qämyam, jägatam; äyam 
gaur iti gavyam, gäyatram uparibabhravo dve adräksid; yas te 
mado 'vakega iti (6, 30, 2) tristub; brihatpaläga iti (6, 30, 3) 
catuspäcchafikumaty anustup. 

Kaugika 6ß: devä imam madhunä samyutam yavam iti 
(6, 30, 1) paunah^ilam madhumantham hiranyam sampätavan- 
tam [nun folgt der pratika punantu mä (6, 19, 1) etc. ; vorher 
geht äyam gauh (6, 31, 1 folgende hymne) prignir ayam saha- 
sram iti prignim gäm. Zu allen diesen versen ist vielleicht zu 
ergänzen, was ich oben zu hymne 6, 19 bei Kaug. 66 in 
klammer beigefügt habe?]. 

31. 
1. Herbei kam dieser bunte stier, 
Hess nieder vor der mutter sich, 
vorm vater auch, vorgeh'nd zum svar. 



290 C. Florenz 

2. Herein ergiesst sich heller glänz 
vom hauche des ausatmenden, 
zum himmel sah empor der stier. 

3. Durch dreissig häuser strahlet er, 
auf liedes schwinge stieg er auf, 

gen morgen mit dem glänz des lichts. 

Das lied steht Rv 10, 189; Väj. 3, 6-8; Säma 2, 726— 
728. Av. 20, 48, 4-6. gatap. br. II 1, 4, 29. Varianten 
unserer redaktion von der des Rv (Av. 20, 48, 4—6 genau 
wie Rv): 

Rv: apänati — Av. apänatah. 

mahiso divam — mahisali svah. 

dhäma — dhämä. 

pataiigäya dhiyate — pataiigo a^.i^riyat. 

aha — ahar. 

Metrum: gäyatri. 1 lies suah; 2: rocanä asya; vi akhyan; 
Buah. 

2a: Ludwig IV 159 hält des sinnes wegen apänät für 
besser als apänatah; indes ist dies mit dem metrum nicht zu 
vereinbaren. 

Ib viell. zu übers.: „und vor dem vater, dem himmel, 
indem er vorschritt"? (unter „mutter" die erde zu verstehen). 

2b: „Es erleuchtete der gewaltige den himmel", oder: 
„zum himmel sah empor der gewaltige". 

3. Unter den trim^ad dhämä verstehe ich die 30 räume, 
welche die sonne an einem tage durchläuft (tag natürl. im 
astronomischen sinne = 1 tag -f- 1 nacht). In jedem dieser 
dhäma verweilt sie ein muhürta (d. i. eine stunde von 48 
minuteni)), Ludwig a. a. o. deutet jedoch diese worte auf 
die götter (dreissig statt dreiunddreissig). Ausführlicheres bei 
ihm IV p. 11. Dem kann ich nicht beistimmen. Mit Zimmer 
363 halte auch ich dafür, dass diese 30-teilung eine nachbil- 
dung der babylonischen 60-teilung von tag und nacht sei. 

Ich las für die Übersetzung aha (wie Rv). 

Ludwig übersetzt in Rv 10, 189: „Der vermöge des liedes 
beflügelte hat ihn emporschreiten gemacht. Gegen morgen die 
tage hindurch". 

^) In den samhitä hat muhürta allerdings noch die bedeutung „kleine 
weile, augenblick". 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 291 

Taitt. s. hat: praty asya vaha dyiibhih pratiksipa oder prati 
vastor vahaddyubhili „herzu mit des tagesanbruchs - strahlen 
fahrend" (s. Ludwig, Com. zu Tjv X 189). 

Würde man die lesart des Rv patafigäya dhiyate oder der 
Taitt. s. patangäya ^i^riye vorziehen, so hiesse es: Die stimme 
hat auf dem vogel ihren platz genommen, oder: Die stimme 
ist zu dem fliegenden (d. i. der sonne) aufgebrochen (d. i. die 
stimme des priesters hat sich zum preise der sonne erhoben). 

Das lied ist an die soeben aufgehende sonne gerichtet; 
die aoriste sind daher auch richtiger durch unser perfekt zu 
geben, Vater und mutter in vers 1 sind himmel und erde. 

Vergl. auch Friedr. Rosen, Rigveda-samhitä, adnotationes 
p. 53 (vers 3: triginta temporis spatia collustrat etc.); 
M. Müller, Z. D. M. G. IX, s. XI; Grassmann II p. 433; 
Ludwig, Uebers. und besonders commentar. Grassmann 
übersetzt : 

1. „Genaht ist dieser bunte stier. 
Zum vater und zur mutter hat 
Er sich gesetzt beim himmelsgang. 

2. Er wandelt in des hchtes räum, 
vor seinem hauch erlischt das roth, 
Der starke hat den tag erhellt. 

3. Durch dreissig statten strahlet er, 
und sang begrüsst den fliegenden 
Am frühen morgen, tag für tag". 

Vers 1 recitiert der yajamäna, indem er an das (beim 
agnyädheya aus dem gärhapatya zugleich mit dem daksinäfeuer 
herbeigeholte und nun) angelegte ähavaniyafeuer herantritt. 
Vait. s. 6, 3. — Käty. Qr. 4, 9, 18. 

Die Verwendung des ganzen liedes wird citiert Vait. 8. 33, 28 
(am zehnten tage des da^arätra, vergl. § 22—28). 

32. Gegen Pigäcäs. 

1. In des brands mitte opfert schön 

dies spukvertreibende hinein mit ghrita; 

den Rakschas brenn' weithin entgegen, Agni! 

[doch] unsre häuser sollst du nicht verbrennen. 



292 C. Florenz 

2. Rudra die nacken euch zerbrach, Pigäcäs! 
auch eure rippen breche er, gespenster! 
Das kraut, das allenthalben wirkt, 

mit Yama hat's verbunden sich. 

3. Sicherheit, Mitra Varuna! hier sei uns; 

zurück stosst mit dem flaramenstrahl die fresser! 
Nicht beistand, keine wohnstatt soUn sie finden, 
einander tötend solln zum tod sie hingehn! 

Es ist auffälhg, dass Anukr. zu Ja nichts bemerkt. Als 
tristubhhemistich ist er sehr unregelmässig. Ich schlage vor 
zu lesen: antardäve 5 silbig, etwa antarä däve, ferner su etad, 
wonach cäsur; yä° von yätudhäna sodann zweigipflig (yaä) oder 
ich füge ein tad oder yad vor yätudhänaksayanain ein. 

Ib tristubhhemistich: tvam agne zweisilbig zu lesen oder 
tvam als glosse zu streichen; cäsur hinter agne. 

Vers 2 prastärapankti ; vers 3 tristubh, mit einer silbe 
zu viel im ersten päda (no als glosse zu streichen, arcisätrino 
in päda 2 zu lesen). 

Vergl, Zimmer 181: auch der ausdruck Av. 6. 32, 3 = 
8, 8, 21: „Nicht sollen sie einen jnätar (wohl entlastungs- 
zeuge?), eine pratisthä (Zufluchtsstätte?) finden; insgesamt aus- 
einandergetrieben solln sie dem tode anheimfallen" scheint aus 
der rechtssprache hergenommen zu sein. 

Anukr. behandelt hymnen 32, 33, 34, 35 zusammen : antar- 
däve (6, 32, 1), yasyedam ä rajo yujah (6, 33, 1), prägnaya iti 
(6, 34, 1), pancarcara vaigvänaro na iti (6, 35) catväri süktäni 
prathamam (6, 32) traistubhara, uttaräni (33, 34, 35) gäyaträni, 
triny agnindravigvänaradaivatäni, prathamasya dve tritiyam ca 
cätanas, tritiyam atharvä, dvitiyam jäjätikäyanas, turiyam kau^iko. 
rudro vo grivä agarid iti (6, 32, 2; der text der samhitä hat 
die ältere form a^arait, während der verf. der Anukr. die ihm 
ungewöhnliche form durch die spätere agarit ersetzt hat; die 
annähme eines blossen Schreibfehlers ist hier ausgeschlossen.) 
prastärapanktir. nädhrisa ä dadhrisata ity (G, 33, 2) anustup. 

Hierzu Kaug. 31: antardäva iti (6, 32) samantam agneh 
karäväm usnapürnät/äm (so zu lesen! Das ms. von K und D 
ist corrupt) japams trih parikrawija jpiirodägara jtihoti: agneh 
sarvato gartara khätvä. usnodakena pürayitvä japann etat (ms. 
japenni) süktani trih sarvatas tarn gartam kramayati. tatas 



Das sechste buch der Atharva-samhita übersetzt. 293 

tasyäm eva purodä^am juhoti saminirdegät. na tatra pratyrica- 
homali pigäcanäganain. 

33. Lied an Indra. 

1. (Nach dem text der vulgata unübersetzbar; siehe unten.) 

2. Nicht zum dranwagen, wagt man's auch 
dreist, mutig, ist die heldenkraft. 

Wie vorn, so hint'rücks Indras rühm 
und kraft nicht zum dranwagen ist. 

3. Er gebe diesen reichtum uns, 
grossen, von rötlich-gelber färb'; 

Indra der stärkste herrscher ist im wesenkreis. 

"Vers 1: gäyatri; lies suah; rantiam; vers 2: anustubh 
vers 3: usnih; lies janesu a. 

Der text von la ist gänzlich corrupt und eine interpretation 
so wohl nicht möglich. Zu vergleichen sind die Varianten Sa. 
Naigh. 1, 3 und Qänkh. ^r. 18, 3, 2. Qaiikhäyana hat: yasye- 
dam oja ärujas tujo yujo vanam saha; Ib ist wie in der vul- 
gata: indrasya rantyain brihat. 

2. „Nicht zum dranwagen, (mag man (auch) sich dran- 
wagen sehr dreist und ermutigt) ist die heldenkraft (des Indra)", 
oder: „nicht wagt man, sich mutig kühn an die heldenkraft 
heranzuwagen" (dadhrisate 3 praes.). 

Die Wortspiel erei erschwert die Übersetzung; im text ist 
nadhrise zu betonen, im gegensatz zu den mss. und dem edierten 
text, in Übereinstimmung mit Whitney im Index verborum 
(mss. ä, dhrise unbetont). 

3. Zu vyathis bemerkt P. W. „vergl. zu dieser stelle Rv 6, 
28, 2 (lies 3); vyatih gavas zu vermuten". Doch kann man 
Qravas stehen lassen und indrasya sowohl zu gravas als zu 
gavas ziehen. 

In 3 a ist tam besser in tarn zu ändern. 

rayirn pigaiTgasamdrigam reichtum von rötlich -gelbem aus- 
sehen; derselbe ausdruck findet sich Rv 2, 41, 9, wo er mit 
grosser Wahrscheinlichkeit sich auf kühe und pferde bezieht, 
welche die Agvinen verleihen sollen. 

Kaug. 23: yasyedam ä raja ity dyojanänam apyaijah: 



294 C. Florenz 

sirä yunjantity asya yani karmäni pratatayuktany (?) asya 
süktasya bhavanti. aindrä^vinasampätakaranani bahuvacanät. 
anadutsampädanäm nirdegali. anadudyojanatvat. 

Kau^. 59: yasyedam ä rajo 'tharvänam aditir dyaur aditeh 
putränäm brihaspate savitar ity abhyuditam brahmacärinara 
bodhayate. 

34. Besiegung von feinden. 

1. Für Agni stimm die rede an, 
ihm, der der Völkerschaften stier, 
er helf uns durch die feinde hin. 

2. Er, der die Rakschas niederbrennt, 
Agni, mit heissem flammenstrahl, 
er helf uns durch die feinde hin. 

3. Der von der fernsten ferne her 

hin durch die steppen leuchtend glänzt, 
er helf uns durch die feinde hin. 

4. Der alle wesen schauet an, 
und der sie alle überschaut, 

er helf uns durch die feinde hin, 

5. Der an des luftraums aussengrenz' 
entstand, Agni, der leuchtende, 

er helf uns durch die feinde hin. 

Vergl. diese hymne in Rv 10, 187, 1 — 5. Abweichungen: 
Rv: vrisa Qukrena — Av. agnis tigraena. Vers 2 und 3 
haben im Av. ihre stelle gewechselt. 

Metrum: gayatri. la lies ksitinaäm; 2: nijürvati. 

Zu 4 vergl. auch Rv 3, 62, 9, wo dasselbe von Püschan 
gesagt wird. 

Agni wird hier dargestellt als hausfeuer, als wald- und 
steppenbrand, als blitz und sonnenfeuer (Ludwig). 

Grassmann übers, la: „Zu Agni send' ich hin mein 
lied", fasst iraya also nicht als zweite , sondern erste pers. 
imperativi = iraya = irayani. Vers 4: ,,Der alle wesen hier 
und dort mit einem blicke überschaut"; vers 5: „Der hebte 
Agni, welcher dort jenseit der luft geboren ward". 

"Weber zu Av. 3, 11, 3 (Ind. stud. 17) para ==■ ufer. 



Das sechste buch der Atharva-samhita übersetzt. 295 

KauQ. 31: prdgnaye (ye ta!)^) ity upadadhUa: prägnaya 
iti süktan» preto yantity upadhänam. raksacätanam. 

35. Lied an Agni. 

1. Agni Vai^.vänara brach auf 
zur liilfe uns von ferne her 
zu unsern schönen preisungen. 

2. Agni Vaigvänara herbei 

zu eben diesem opfer kam, 
bei Sprüchen in bedrängnissen. 

3. Vaigvanara anordnete 

der Afigiras sangart und spruch, 
gab ihnen glänz und Sonnenlicht. 

Metrum: gäyatri. 2 ukthesu amhahsu, so statt amhasu zu 
lesen? cf. Whitney's index; 3: angirasäm; suar. 

2b. ukthesu amhahsu giebt keinen sinn; etwa: „er kam 
herbei zu uns, die wir, in bedrängnis seiend, Sprüche her- 
sagten". Ausserdem kommt bei der lesung amhahsu das vers- 
mass schlecht weg ; wir erwarten _ w ^^ , also gewiss nicht 
amhahsu. Ich vermutete eher ein auf Agni bezügliches gerun- 
divum, etwa gamsiah (so dann statt ^amsyah zu lesen!); dann 
wäre der sinn : „Agni Vaigvanara kam herbei zu uns zu eben 
diesem opfer, er, der in Sprüchen zu lobpreisen ist". Vergl. 
aber das citat dieses verses in Qaükh. Qr. 10, 9, 17 mit der 
Variante: agnir ukthena vähasä Agni mit spruch und darbrin- 
gung (vähas p. w. = darbringung, Sayana — stotra). Diese 
lesart scheint die ursprüngliche. — Vers 3 ibidem mit Varianten : 
vaigvänaro aiigirasäin (a im anlaut richtiger nicht apostrophiert) 
stomam yajnam ca Jmanat. 

Nach Vait s. 29, 5 begleitet mit vers 1 der adhvaryu das 
bedecken der vierten schiebt (bei erbauung des feueraltars), 
zu welchem behufe das material aus dem schutt genommen 
wird. — Katy. gr. 17, 6, 9—13; 7, 1. 

Kau(j. 31 : vai<^vänarhjähhyäm päyanätii: (mit den beiden 
auf Vai^vanara bezüglichen hymnen sind wohl VI 35 und 36 
gemeint), vaigvänaro na iitaya ity (6, 35, 1) etabhyäm kar- 
mäni kartavyäni bhaisajyesu payanäni vihitani sarvabhaisajyäni 
caitäni lingavi^esät, 

^) eic K; P: preU. Keines von beiden gehört aber ziim pratika. 



296 C. Florenz 

36, Lied an Agni. 

1. Zu Agni, der die Ordnung wahrt, 

zum herrn der Ordnung und des lichts, 
zum ew'gen feuer flehen wir, 

2. Er ordnete die dinge all, 

die Jahreszeiten schafft der herr, 
die opferspeise eraporfördernd, 

3. Agni Käma an fernster statt 
vergang'nes, gegenwärtiges 

als einz'ger oberfürst beherrscht, 

Metrum: gäyatri. 

Der hymnus steht auch Sv. II 8, 2, 19, 1 — 3, mit 
Varianten. 

Vers 2: Sv,: ya idam pratipaprathe yajnasya svarut- 
tiran j ritünutsrijate va^i. 

3. Sv.: priyesu statt Av. paresu. 

Benfey p. 289 übersetzt: 1. Zu dem menschholden, wahr- 
haftigen, dem gebieter des wahren lichts, zum ewgen feuer 
flehen wir. 

2. Der diess entgegen gebreitet hat, überwindend des 
Opfers frucht, mächtig die Jahreszeiten schickt. 

3. In geliebten wohnungen strahlt, des gewordenen und 
werdenden liebe, Agni, als einz'ger herr. 

Ludwig III 424 hat: 1. „Den w^ahrheitsvollen Vai^vänara, 
den herrn des lichtes der Ordnung" (ich construiere ritasya als 
von patim, nicht von jyotisas, abhängig), flehn um [seine] 
ewige glut wir an, 

2. Der zu dieser weit [zu diesem werke] her sich ausge- 
breitet, des Opfers lichthelle emporfördernd, der schafft als 
mächtiger [auch] die Zeiten. 

3. Unter seinen teuren scharen, die Sehnsucht des, was ist, 
und was noch werden wird, strahlt einzig aus als allherrscher. 

Vers 2 findet sich citiert in Qäiikh. ^r. 10, 11, 9 mit 
Varianten: sa vi^vam prati cäklipad. 

Käma ist hier wie an einigen anderen stellen, z. b, 
Taitt. 8. II 2, 3, 1 ; Av. 9, 2, 1 und 8 etc. mit Agni 
identificiert, während an anderen • stellen beide von einander 



Das sechste buch der Atharva-samhitri übersetzt. 297 

geschieden werden, z. b. Av. 9, 2 vers 6 u. 24. Weiteres siehe 
Muir V, 403, anm. 587. 

Vers 2 ist wohl ausdruck jener Spekulation, dass alles 
erschaffene eine consequenz des opfers ist. 

Anukr.: ritävanam (6, 36, 1) upa prägäd (6, 37, 1) iti 
dve prathamam ägneyam, gäyatnim; parara candramasam, 
anustubham, svastyayanakamo 'tharvä 'pagyad iti. 

37. Verfluchung. 

1. Her kam der tausendäugige 
üuchgott, den wagen angespannt, 
aufsuchend den, der mich verflucht, 
wie'n wolf des schafbesitzers haus. 

2. Uns weiche aus, o fluchdämon! 
wie brennend feuer einem see; 
erschlage den, der uns hier flucht, 
wie einen bäum des himmels strahl. 

3. Wer uns, ohn' dass wir fluchen, flucht; 
und wer uns, wenn wir fluchen, flucht, 
wie einem hund den knochenrest, 

so werf ich den dem tode hin. 

Vergl. Grill p. 19; zu vers 3 vergl. Zimmer 233. 

Metrum: anustubh. la lies yuktuä; Ib: vrika iva zu 
verschleifen ; 3b: pestram iva zu verschleifen (pestram 'va). 

1. agät Grill: kommt herbei; aor. fürs eben eingetretene. 

Kau^. 48: 7, 31, 1; 7, 34, 1 ; 7, 108, 1; yo nah, capdd 
(6, 37, 3 oder 7, 59) üaidyudvaWi (sie K, D: vaidyuddhatih). 
vidyuta hato vrikso vidyuddhatah, tasmad vidyuddhatir aranya 
ädadhäti. gramam etya "'vapati. ity evam anuliiigasämänyM. 
yo nah Qapäd ity ubhayoh samanäditvat. kramabhedäc ca. 

38. Gebet um macht. 

1. W^as sich an glänz in löwe, tiger, natter, 
im Brahman Agni, in der sonne findet, 

mit dieser herrlichkeit soll sie uns kommen, 
die Indra'n zeugte, die glücksel'ge göttin. 

2. Was sich im elefanten, panther, golde 

an glänz, in wasser, kühen, menschen findet, 
mit dieser herrlichkeit soll sie uns kommen, 
die Indra'n zeugte, die glücksel'ge göttin. 

BtjitiÄ^e z. künde d. iiulg. sprachen. XII. 20 



298 C. Florenz 

3. Im wagen, in den würfeln, in der stierkraft, 
im wind, Parjanya, Varun's ungestüme, 

mit dieser Herrlichkeit soll sie uns kommen, 
die Indra'n zeugte, die glücksel'ge göttin. 

4. Im kriegervolk, der angespannten pauke, 

im mut des rosses, in des menschen stimmlaut, 
mit dieser herrlichkeit soll sie uns kommen, 
die Indra'n zeugte, die glücksel'ge göttin, 

Vergl. Ludwig Rv III 240. 

Metrum: tristubh. la lies viäghra, sürie. 3a: aksesu: 
4a: räjanie. 

Des besseren Zusammenhangs und Verständnisses wegen 
möchte ich in vers 2 und 3 den wie gewöhnlich lose einge- 
fügten refrain streichen, also 2 a und 3a als vers 2 zusammen- 
fassen. Wir erhalten so auch trica. 

1. pridäku ist eine giftige schlänge, deren häute besonders 
gesucht werden. Weber, Ind. stud. 17, 297 „stinkend?" 

Ludwig übersetzt: „im feuer, im brähmana"; brahmana 
ist aber der beiname Agnis. 

4. dundubhäv äyatäyäm übers. Ludwig: „in der pauke, der 
langgezogen tönenden". Vielmehr ist an den angespannten 
lederüberzug, nicht direkt an den ton, zu denken; vergl. über 
die pauke Av. 5, 20 und 21. 

purusasya mäyau. An und für sich möglich ist auch die 
Übersetzung: im brüllen des äffen (purusa = kimpurusa ein 
verachteter menschenschlag , auch „äffe"; so im P. W\); doch 
ist hier wohl nicht daran zu denken. Vergl. die ganz ähnliche 
auffassung Av. XIX 49, 4. 

Anukr.: siinhe vyäghre (6, 38) yago havir (6, 39) iti dve 
prathamam (6, 38) caturricam, traistubham; yago havir iti 
(6, 39, 1) jagati, para (6, 39, 2) tristub, antyä (6, 39, 3) 
'nustub; ime brihaspatidevatye varcaskämah praguktarsir apa^,- 
yad Uta pürvam tvi.sidevatyain, tato mantroktan devän äbhyäm 
astaut. 

KauQ. 13: etayoh (nämlich VI 38 und 39, wie sich aus 
dem folgenden ergiebt), prdfar agnim (3, IG, 1), giräraraga- 
rdteSu (6, 69, 1), divas prühivyä (6, 125, 2 oder 9, 1, 1 und 
19, 3, 1) iti scqyfa marmäni sthdlipake priktdng arnäti (D: 
ä^aijafi): sii|ihe vyäghre (6, 38, 1) yago havir (G, 39, 1) ity 



Das sechste buch der Atharva-samhita, übersetzt 299 

etayoh prätar agnim ity ädinam ca sarvesäm vikalpah. kar- 
mabhedasya läghavärthatvat. sapta niarmäni pädamadhyäni 
näbhihridayam mürdhä ceti simhadinäm yanträni mantra- 
lingatvät. taddegatväd grahanain niaranaprasaiigät. sapteti 
bahutvaprasangät. sapta ca sthälipakamigritän agnäti. Dann 
Kaugika weiter: akugalmn yo hrähmano lohüam agmyäd iti 
Gärgyah. ukto lomamanih. sarvair (mit allen 5 pratikäs) äpld' 
vayaty, avasincati. caturangulmn trinam rajohai'anam bindunä 
(D: äkägodakabinduna,) 'hhigcotyopamathya. cimi küäsam, aje 
palitam, frine jvaro, yo 'smdn dvesti yain vayam dvismas fastnin 
räjayaksma (D: °m) Hi dakSinä frinam nirasyati (praksipati) 
gandh apravädubh ir cdankurufe. 

39. Gebet um macht. 

1. Zur ehr' gedeih das havis mir, Indraverschafft, 

mit tausend kraft, schön dargebracht, durch kraft gezeugt; 

den havisspender mich, der ich fortwandere 

zu langem schaun, zur Oberherrschaft lass gedeihnl 

2. Zu uns lasst uns den mächt'gen Indra ehren, 
mit herrlichkeit den herrlichen anbetend, 

du schenke uns ein reich Indragefördert, 
wir möchten herrlich sein in deiner gäbe. 

3. Herrlich Indra, herrlich Agni, 
herrlich Soma geboren ward, 
ein herrlicher, von allem sein 
bin ich der allerherrlichste. 

Vergl. Ludwig Rv III 240. 

Metrum: 1 jagati; im ersten pada schiebe ich me nach 
indrajütam ein; im vierten pada streiche ich ma als glosse. 
2: tristubh, lies räsua; siäma. 3: anustubh, lies bhütasya 
aham. 

Ludwig übers, la: „Als herrlichkeit gedeihe das havis (das 
yag.ohavih), von Indra gefördert, mit tausend kräften, wohl 
genährt, mit Übergewalt dargebracht". 

Ib: dirghaya caksase zu langem schauen sc. der sonne, 
d. i. zu langem leben. 

2a: acchä nah zu uns = auf dass er zu uns herbeikomme. 

3b: Ludwig: „Der herrliche von allem wesen, der herr- 
lichste bin ich". Ich zog den genitiv zum Superlativ; es 

20* 



to C. Vloveni 

könnte aber auch heissen: geehrt von allen wesen, der aller- 
geehr teste bin ich. 

Vers 3 findet sich auch Av. 6, 58, 3. 

40. Gebet um schütz vor feinden. 

1. erd und hiinmel! Sicherheit soll uns hier sein! 
Sicherheit Soma und Savitar uns schaffe; 

der weite luftnium Sicherheit uns sein soll, 
Sicherheit sei uns durch's siebenrisihavis. 

2. Nach den vier himmelsrichtungen soll Savitar 
kraftfülle, Wohlsein, heil uns schaffen diesem dorf 
Feindlosigkeit uns, Sicherheit schaff Indra, 

wo anders wende sich der könige grimm hin. 

3. Feindlosigkeit von süden uns, 
feindlosigkeit von norden uns, 
feindlosigkeit, o Indra! uns 

von Westen und von osten schaff! 

Vergl. Ludwig Rv III 373. 

Das metrum von vers 1 und 2 ist äusserst vernachlässigt 
und schwer bestimmbar. Die Anukr. erklärt es einfach für 
jagati. 

päda 1 und 2 von vers 1 sind jagatipädas, wobei äbhayam 
zu lesen; vielleicht dürfte man auch krinotu nah statt nah 
krinotu ändern; pada 3 gehört jedenfalls zum tristubhmass, 
etwa: abhayam no astüru antariksam. päda 4 wäre 12silbig 
zu lesen: saptarshiäm ca havisäbhayam no 'stu. 

In vers 2 müsste ürjam zum ersten päda gezogen, und 
catasra ürjam verschleift (4 silbig) werden; päda 3: agatru 
indro, krinotu, p. 4: maniuli. Die gezwungenheit macht aber 
diese lesung bedenklich. 

Vers 3 ist anustubh. 

Ludwig fasst in vers 2 a auch pradi^ag catasrah als nom. 
resp. Subjekt: die vier weltgegenden sollen — (krinvantu zu 
ergänzen); einzig richtig ist aber wohl nur, prati^a^ catasrah 
als acc. zu construieren : „dieser unsrer (no) dorfschaft soll 
nach den 4 himmelsgegenden hin Savitar kraftfülle, Wohlsein 
und segen schaffen". 

Mit adbarät „von unten", uttarät „von oben", pagcät „von 



Das sechste buch der Atharva-samhita übersetzt. 301 

rückwärts" und puras „von vorne" sind eben die catasrah 
pradigah gern eint. 

Das lied scheint ursprünglich auf kriegsstreitigkeiten und 
deren verliecrungen bezug zu haben; es soll vor diesen schützen 
und ist wahrscheinlich in einem ganz speziellen fall verfasst. 

Kau^. 59 bemerkt hierzu und zu 6, 48, 1: pratidigam 
saptarsin abhayakäma uttarena diksitasya vä brahmacärino va 
dandapradanam. 

Anukr. : abhayam dyäväprithivi (6, 40, 1) asmai gräraäyeti 
(msc. falsch gramayeti) (6, 40, 2) dve jagatyau mantroktade- 
vatye 'bhayaktuno; 'naraitrara no adharäd iti (6, 40, 3) aindrim 
änustubham ca svastyayanakämah. 

41. Gebet um langes leben. 

1. Dem geist, der einsieht, dem gebet, 
der absieht und auch dem verstand, 

dem willen, wissen und dem aug' (schaun), 
woUn huldigen mit havis wir. 

2. Dem apana, dem vyäna, 

dem präna, dem reich nährenden, 
der Sarasvati, die weit reicht, 
wolln huldigen mit havis wir. 

3. Nicht solln verlassen uns die götterrischis, 
die lebensschirmer, die zu uns gehören; 
unsterbliche! naht euch uns sterblichen! 
gebt lebenskraft, dass länger noch wir leben. 

Metrum: 1 und 2 anustubh; 3 tristubh. 

la verschleife äkütaya uta. 2a lies viänäya; 3a: tanuas. 

2a: ,,dem von oben nach unten sich bewegenden hauche 
(apäna), dem sich im ganzen körper verbreitenden hauche 
(vyäna), dem aufwärts gehenden hauche (präna), dem reichlich 
nährenden". 

2b: Sarasvati als genius der stimme und rede. 

3a wörtlich: „Es mögen uns nicht verlassen die rischis, 
welche göttlich, welche leib und leben schirmend zu unseren 
personen gehören". Muir V 296 anm. 443 hat: ,,Let not the 
divine rishis, who are the protectors of our bodies, forsake us. 
Do ye who are immortal visit us who are mortals; put into us 
vitality, that wo may live longer". Muir hat damit die schwierig- 



302 C. Florenz 

keit der stelle einfach unberücksichtigt gelassen. Statt tanüjah 
ist in der ganz ähnlichen stelle Ait. br. II, 27 die Variante 
tapojäh, worauf auch P. W. verweist, zu bemerken. 

Anukr.: manase cetasa iti (6, 41, 1) bahudevatam uta 
candramasam, änustubham, brahmä, "dya bhurin; mä no hasisur 
iti (6, 41, 3) stup (tristup). 

42. Zornbescbwörung. 

1. Wie eine sehn' vom bogen ab 
spann ich vom herzen dir den groll, 
damit einmüt'gen sinnes wir 

wie freunde mit einander gehn. 

2. Dass wir wie freunde einig stehn, 
nehm ich des grolles Spannung dir. 
Wir werfen deinen groll von dir 
hin unter einen schweren stein. 

3. Ich trete drauf auf deinen groll 
mit ferse und mit fussspitz' auch, 
dass du nicht eigenwillig sprechst, 
dass meinem willen du dich fügst. 

Vergl. Ludwig Rv III 515; Grill p. 22. 

6, 42, 3b = 6, 43, 3b. 

Metrum: anustubh. Ib und 2a lies sakhayau va; 3a: 
pärsniä. 

Dieser hymnus, sowie VI 43, 94, 139 werden verwandt, 
um durch hilfe der geheimnisvollen naturkräfte, die in den 
pflanzen liegen, das fast zerrissene (vichinna 6, 139, 5) band 
der liebe wieder zu verknüpfen (Zimmer 309). 

ad la: „Für gewöhnlich war wie beim homerischen bogen 
die sehne nur an einem ende festgebunden, um die elasticität 
des holzes zu schonen" (Zimmer 298). 

3b: avago Ludwig: „ohnmächtig"; Grill: „eigenwillig", mit 
hinweisung auf 43, 3, dessen grund mir nicht verständlich. 

Dies lied (recitiert der behufs anstellung eines somaopfers 
geweihte) bei einem zornausbruch (den er sich während seiner 
diksitaschaft zu schulden kommen lässt). Vait. s. 12, 13. 

Anukr.: ava jyäm iveti (6, 42) mantroktamanyudevatyara 
änustubham, bhrigvafigirä, ädye dve bhurik. 

KauQ. 36: ava jyäm iveti dristvä 'gmdnam ddatte: ekayä 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 303 

striyaip ciristvä päsanam ädattc. dvitiyayd nidadhdti: agmä- 
nam bliümau nidadhäti; dvitiyarcä. trlHyayä 'bhinistivati : tarn 
evä 'gmänam. chäydyäin sajyavi karoti: tannimittato manyus 
tasya chäyäyäm dhanur ägopayati. 

43. Zornbeschwörung. 

1. Dies gras besänftigt zorn'gen sinn 
bei einem selbst, bei fremden auch. 
Hier dieses, das den zorn vertreibt, 
nennt man [drum] zornberuhiger. 

2. Dies hier, das viele wurzeln treibt, 
hinabreicht bis zum meeresgrund, 
das gras, auf von der erd' gesprosst, 
wird zornberuhiger genannt. 

3. Weg nehmen aus der kinnlad dir, 
weg von dem mund die sünde wir, 
dass du nicht eigenwillig sprechst, 
dass meinem willen du dich fügst. 

Vergl. Grill p. 21. 

Metrum: anustubh. la lies suäya. 

2 erster pada ist unvollständig. 

Zu darbha vergl. Zimmer 70. Nach The materia medica 
of the Hindus etc. 296 = saccharum cylindricum. (Angabe 
des p. w.). 

1 dritter päda scheint verdorben; ich lese manyor viman- 
yuko ayam (zur construction vergl. alsdann beispiele wie nas 
tanvas tanüjäh etc.); Grill bemerkt nichts dazu und übersetzt: 
„Wo man den zorn beschwichtgen will, 
da nennt man dies zornmittelchen". 

Es ist doch mehr als fraglich, ob die blosse „nennung des 
zornmittelchens" genügte zur beschwichtigung. Sicher wird mit 
dem darbha irgend welche ceremonie gemacht. 

Anukr. : ayam darbha iti (6, 43, 1) mantroktamanyuQamanain 
devatä karmä "nu8tubham(?) , parasparancittaikikarana ime dve 
sükte apa^yad, äbhyam mantrokte astaut. 

Kaugika 36: ayam darbha ity osadhivat: darbhamülam 
darbhena parivestya kegesu ya? iti. sarvamanyuvinayanalinga- 
vigesät. yathävaga iti (6,43,3) sarvatropapattes trinimittam (?) 
ausadhinayauaiii prakaranät. osadhivad iti karmätidegärthaip. 



304 C. Florenz 

44. Spruch gegen durchfall. 

1. Fest stand der himmel, fest die erd', 
es stand fest diese ganze weit. 

Fest auch die bäum', stehend im schlaf; 
fest soll dir diese krankheit stehn. 

2. Von hundert mittein, die du hast, 
von tausend, die beisammen sind, 
ist dies das beste gegen fluss, 

die beste krankheitstilgerin. 
3. Des rudra harn bist du, der nabel (verwandte) des 
Unsterblichkeitstrankes, Visänakä mit namen bist du, aus 
der väter wurzel entstanden, vernichterin des windbewirkten. 

Vergl. Ludwig III 509. 

Metrum: 1 und 2 anustubh; lies prithivi in la. 3 zeigt 
kein metrum; die Anukr. giebt allerdings tripadä mahä- 
brihati an. 

2b: äsrävabhesajam p. w. heilmittel gegen schaden; 
Ludwig: „heilmittel gegen erkältungsfall (p. 507 krankheits- 
fall)". Grill in Av, II, 3 äsrava = böser fluss, Weber in 
Av. I, 2 (Ind. stud. IV 394) = reissen. äsrava bedeutet jedoch 
„durchfall" = atisära, wie sich aus Därila's bemerkung zu 
Kau§ika 25 (Av. I, 2, 2) ergiebt: atisärabhaisajyam äsräva- 
yabdasya tadväditvät: „heilmittel gegen durchfall, weil das 
wort äsrava dies bedeutet". 

3: vätikrita p. w. = vätikära eine best, krankheit; Ludwig: 
„windbewirktes leid" ohne nähere erklärung. Nach Zimmer 
p. 389 u. 390 hätte väta mit wind nichts zu thun, sondern 
wäre aus vanta — wunde (auch etymol. identisch) entstanden, 
„vätikrita resp. vätikära demnach = yaksma, welcher durch 
(schlecht geheilte, eiternde) wunden (väta) entstanden ist, welcher 
solche als Ursache (kära) hat". Er deutet daher auf „wund- 
fieber". Ich muss jedoch daran festhalten, dass väta == ,,wind"; 
väta ist einer der humores des leibes, und bedeutet auch eine 
zu diesem humor in beziehung stehende krankheitserscheinung 
(p. w.). Diese krankheitserscheinung möchte wohl der durch- 
fall (äsrava, atisära) sein. 

Visänakä ist eine nicht näher bekannte pflanze. Vielleicht 
ist visänakä = visänikä, welche verschiedene pflanzen bezeich- 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 305 

net; nach dem lexicographen : odina pinnata, die sennapflanze, 
asclepias geminata (vergl. p. w. unter visänaka). 

Kau^ika 31 bemerkt: asthäd dyaur ity apagatätjdh svatfam- 
srastena gogringeiia sampätavatä : prathamavatsyäd iti. apa- 
gata gaur vatsavigalitasneha svayampatitena ^ringena sampäta- 
samskritenä "camayati. äläbuna (besser alabunä) "camayati 'ti. 
yatba vibhaktisämänyat. gogrifigena ^cotayati kecit. osadhyä 
'bhigcotayate. vibhaktisämänyat. gogringena gcotayati kecit. 
osadhya 'bhigcotayate. vibhaktisämänyat. japety (sie!, wohl 
japaty) äcämayati. taksakäyä 'iljaHm kritvä japann äcäraayati- 
tyekade^agrahanät. 

Anukr. : asthäd dyaur iti (6, 44, 1) viQvämitramantrokta- 
devatyam uta vänaspatyam, änustubham; rudrasya mütram iti 
(6, 44, 3) tripadä mahäbrihati. 

45. Geistessünde. 

1. Fern geh, o geistessünde, w^eg! 
vv^arum sprichst du ungünstiges? 

Mach dich hinweg! ich lieb' dich nicht; 
den bäumen, hölzern gehe zu! 
bei häusern, rindern ist mein sinn. 

2. Was wir vergingen durch unrecht verlangen, 
abweis, Verwünschung, wachend oder schlafend, 
die widerwärt'gen übelthaten alle 

soll Agni weit hinweg von uns entfernen. 

3. Was, Indra! Brahmanaspati! 

in falscher weise wir auch thun, 
vor Unheil schütze uns, vor not 
der sorgende Angirasa. 

Vers 2 und 3 sind aus Rv 10, 164 genommen, einem 
fragmentarischen liede, wo sie vers 3 und 4 bilden. Varianten: 

Rv: 'bhidroham carämasi — Av. 'pi mrisä carämasi. 

dvisatäm pätv amhasah — durität pätv amhasah. 

Vergl. auch Ludwig, Rv III 443. 

Metrum: vers 1 pankti; 2: tristubh; 3: anustnbh. 

Der erste päda von vers 2 ist unregelmässig; er gehört 
zum jagati-metrum ; sodann lies: upärima; 2h: vigväni apa 
duskritäni | ajustäni ... 3: api und pätu. 



306 C. Florenz 

la übersetzt Ludwig: „was sprichst du, was man nicht 
sprechen soll?'' (liest agasya?). 

3b Ludwig: „vor diesem unheil, der bedrängnis". 

Unter dem Angirasa versteht Ludwig den Agni, Grass- 
mann (übers, von Rv X, 164 band II p. 501) den Brahmanas- 
pati; letzteres entspricht dem sonstigen gebrauch des wertes. 
Die Anukr. scheint den todesgott Yama damit zu bezeichnen? 

Diese und die folgende hymne finden ihre Verwendung, 
wenn man einen bösen träum gehabt hat; dabei wird der mund 
ausgespült (symbolisch! wie die unreinigkeit aus dem mund, so 
werden die üblen folgen des dussvapnya, bösen traums, hinweg- 
gespült). Diese Verwendung hat hymne 45 wohl nur dem aus- 
druck „wachend oder schlafend" in vers 2 zu verdanken, 
sonst ist die beziehung des inhalts auf bösen träum sehr weit 
hergeholt. 

Kaugika 46 hat: paro '2^ehi (6, 45) yo na jiva (6, 46) iti 
svapnani drispvä mnkham vhnärsti: ghoram svapnam dristvä 
'pamärjanam mantrena godhanam. pratikasamuccayo yo na 
jiva iti grahanain vibhogatvät. horaanidhänayos tu lingäd 
yathäyathäsaiikhyam. atighoram dristvä maicrndhänyam puro- 
dä(}am: gatruksetre vä maiitralingät. yathäsaiikhyam vimär- 
janena yogah. grahunasyanyärchät saSgrämikavat. 

Anukr.: paro 'peMtl (6, 45, 1) duhsvapnyanaganadevatyam 
äiigirah pracetä yamagcä, "dyä pathyä panktir, avagaseti (6, 
45, 2) bhurik tristub, yad indrety (6, 45, 3) anustub. ijo na 
jiva (so zu lesen, nicht jivana wie mss.) iti (6, 46, 1) tathar- 
sipürvoktadevatyam uta svapnam, äbhyäm (nämlich mit 45 und 
46) mantroktadevän astaut. 

46. Böser träum. 

1. Der du nicht lebend bist und nicht tot, von den 
göttern [einer bist du], ein kind der Unsterblichkeit, o schlaf, 

Varunäni (Varuna's gattin) ist deine mutter, Yama dein 
vater, Araru heissest du mit namen. 

2. Wir wissen, o schlaf, deine herkunft, der söhn der 
götterschwestern (götterfrauen) bist du, der gehülfe Yamas. 

Antaka (endemacher) bist du, der tod bist du. 
Als solchen kennen wir dich gut, o schlaf! als solcher, 
schlaf, schütze uns vor bösem träum! 



Das sechste buch der Atharva samhitä übersetzt. 307 

3. Wie's sechzehntel, wie's achtel, wie 
die ganze schuld sie tragen ab, 
so bringen wir den bösen träum 
allsamt zu unserm hasser hin. 

Vergl. Ludwig Rv III 498. 

Vers 1 und 2 (eigentlich „abschnitt") sind ohne bestimmtes 
metrum, also in prosa, geschrieben, wenn sich an einigen 
stellen ein rhythmischer fall auch nicht verkennen lässt (vergl. 
unten die Anukramanika). 3 ist anustubh; lies dusvapniam. 

Vers 3 = Rv 8, 47, 17. Varianten: 

Rv: samnayaraasi — Av. samnayantil 

aptye — dvisate. 

Ferner = Av. 19, 57, 1, wo apriye. Ludwig' Com. zu 
VIII, 47, 17 : „apriye viell. statt äptiye". 

Der dazu gehörige refrain: anehaso va ütayah suutayo va 
ütayah ist im Av. weggelassen. 

Die lesart des Rv samnayämasi ist des sinns und metrums 
wegen aufzunehmen: „wie die ganze schuld wir abtragen". 

la: Ludwig: (der du) „in dir trägst der götter amrita 
[Unsterblichkeit?]", zieht also devänäm zum ersten gliede des 
comp. 

1 b. Varunäni, Varunas gtittin, wohl hier „die nacht" selbst. 
Die nacht ist in der indischen mythologie dem Varuna zuge- 
eignet, daher poetisch seine gattin genannt. Die bezeichnung 
der nacht als erzeugerin des schlafes könnte nicht befremden. 
(Varuna -/var der deckende nachthimmel, Weber, Ind. stud. 
17, 212.) 

2a: In Av, 18, 2, 27 heisst der tod der böte (also auch 
diener) des Yama. So kann denn auch der schlaf, als mit 
dem tode verglichen (teilweise sogar identificiert) , der diener 
Yamas heissen. 

3a: Ludwig ,,kaläweise, ^aphaweise wie wir die schuld 
aufbringen". Grass mann Rv 8, 47, 17, bd. I p. 563 über- 
setzt: ,,Wie man die schulden abbezahlt, den pfennig und den 
heller auch, so zahlen jeden bösen träum wir ab an Trita 
Aptia". Vergl. auch Zimmer 181 beim citat dieser Rv-stelle. 
sam-ni rinam eine schuld abtragen , d. h. das vieh zusammen- 
bringen, das dazu nötig war. 

dussvapnya giebt Muir V 404 zu Av. 9, 2, 2 fgg. mit 
,,sleeplessnes8". Diese bedeutung halte ich hier für unzutreifend. 



308 C. Florenz 

Der schlaf ist schlecht, nicht weil er durch langes wachen 
unterbrochen oder verzögert wird, sondern weil ihn beunruhi- 
gende träume, die nach indischem aberglauben in erfüllung 
gehen oder sonstiges unheil anzeigen, durchsetzen. 

Nach Hultzsch, Proleg. zu des Vas. ^äk. s. 15 und 16 
werden als duhsvapnäni im svapnädhyäyah, adhy. 242 des 
Matsyapurana genannt: Aufsteigen (ins haus) von varäha, riksa 
(im Agnipuräna dafür 9van), khara, ustra; spielen mit kravyäda, 
vänara, riksa (fällt im Agnipur. weg). Im Markandeyapuräna 
adhy. 43, vers 1 fg. wird dem sofortiger tod prophezeit, welcher 
im träume auf einem mit riksa, vänara, ustra, räsabha 
bespannten wagen singend nach süden (der himmelsgegend des 
todesgottes Yama) fährt (dasselbe Väyupuräna 19). Vergl. die 
todtbedeutenden träume Ait. Ar. 3, 3, 10 (übersetzt von Auf- 
recht Z. D. M. G. XXXII, 574). 

KauQ. 46 zu vers 2 siehe oben hymne 45. Zu vers 2 
bemerkt er ibidem: vidma te svapneti sarvesäm apyayah: 
asya paryäyasya sarväni svapnaprayagcittäni bhavanti. anu- 
kramabhedavigesasämänyäd eva. 

Anukr.: yo na jiva (6, 46, 1) iti kakummati vistärapank- 
ti(r); vidma ta (6, 46, 2) iti tryavasänä gakvarigarbhä pafica- 
padä jagati. yathä kalam (6, 46, 3) ity anustup. 

47. Gebet um langes leben. 

1. Agni soll bei der frühspend' uns behüten, 
Vaigvänara, allschöpfer, aller Wohlfahrt; 
uns soll der glänzende in reichtum setzen, 
langlebig möchten wir, nahrungversehn sein. 

2. Die götter all, die Marut, Indra, solin uns 
bei dieser zweiten spende nicht verlassen. 
Langlebig, ihnen angenehmes sprechend, 

so möchten in der götter gunst wir stehen. 

3. Dies ist die dritte darbringung der weisen, 

die nach dem rang den becher kreisen Hessen, 
die Saudhanvanäs, die das svar erreichten, 
soirn unser gutes opfer führ'n zur Wohlfahrt. 

Vergl. Ludwig Rv III 429. 

Metrum: tristubh. la lies pätu; Ib: dadhätu; siama. 
2b: siäma; 3b: suar; suistira. 



Das sechste buch der Atharva-samhitä übersetzt. 309 

3a Ludwig: „die nach der Ordnung auseinandergehn den 
becher Hessen". 

3 b. Die Saudhanvanäs, söhne des Sudhanvan (guten bogen 
führend), wird von den Ribhus gesagt. 

Unter recitierung des ersten verses dieser hymne bringt 
der adhvaryu beim prätahsavana eine äjya-spende dar, nach- 
dem der acchäväka genossen hat. Vait. s. 21, 7. 

Vers 2 wird beim mädhyandina, vers 3 beim tritiya reci- 
tiert. Vait. s. 21, 7. 

Anukr.: agnih prätahsavana (6, 47) iti prathame Qravase 
agneyyam, traistubham, dvitiyä (msc. °ä) vaigvadevi, tritiya 
saudhanvanä. prathamayä (6, 47, 1) prathame savane 'gnim 
astaud, dviti(ya)yä mädhyandine vigvän deväms, triti(ya)yä 
(msc. hat merkw. sandhi: deväijinstr") saudhanvanän iti. 

48. Gebet um schütz. 
i. Ein adler bist du, die gäyatri hast du zum metrum, dich 
ergreife ich. 
Zum heil bringe mich, in der (bei der) Vollendung dieses 
Opfers, svähä! 

2. Ein Ribhu bist du, die jagati ist dein metrum, dich er- 

greife ich. 
Zum heil bringe mich, bei der Vollendung dieses Opfers, 
svähä! 

3. Ein stier bist du, tristubh ist dein metrum, dich er- 

greife ich. 
Zum heil bringe mich, bei der Vollendung dieses opfers, 
svähä ! 

Der hymnus ist in prosa geschrieben. 1 ist an Agni 
gerichtet, 2 wohl an Savitar, 3 an Indra. Der hymnus wird 
wie 47 behandelt: 1 wird beim prätahsavana, 2 beim mädhyan- 
dina, 3 beim tritiya gesprochen. Vait. s. 21, 7. 

Ferner erwähnt in Vait. s. 17, 10: 

Bei dem prätahsavana heisst der brahman, wenn das 
bahispavamänastotra gesungen ist, den yajamäna vers 1 sprechen; 
beim mädhyandina vers 3 ; beim tritiyasavana, wenn das ärbha- 
vastotra gesungen ist, vers 2. 

Bezüglich der Verwendung von vers 2 und 3 ist also ein 
Widerspruch der beiden stellen Vait. s. 21, 7 und 17, 10 zu 
constatieren ! 



310 C. Florenz 

Anukr.: gyeno 'si 'ti (6, 48, 1) mantroktarsidevatyam ausni- 
ham iti tisrah saptarsayo (rase. saptars?"yo !) 'nena stüyante. 
Kaugika 59 hierzu siehe hymne 40. 

49. An die presssteine. 

1. Nicht fand an deinem leib, Agni! 
einen wunden fleck der sterbliche. 
Er kaut [wie] ein äffe einen schaft, 
wie ihre nachgeburt die kuh. 

2. Gleich einem beutel ziehst du dich bald eng bald weit, 
wenn der, der oben läuft, frisst und der untere. 
Zusammendrängend köpf an köpf, wange an wang', 
zerkaut die somastengel er mit gmnem maul. 

3. [Wie] adler haben sie geschrien am himmel, 
sie tanzten munter, wie im bau die schwarzen; 
gehn sie herab zum treffen mit dem untern, 
dann Hessen samen viel die sonnenhellen. 

Vergl. Ludwig Rv III 432. 

Metrum : vers 1 anustubh ; lies tanuah , martiah , suam. 
Vers 2 jagati; lies apsasä apso. Vers 3 tristubh nach angäbe 
der Sarvänukramani des Rigveda; ich halte das für falsch, 
und nehme jagati für vers 3 in anspruch, denn nicht die vor- 
letzte, sondern drittletzte silbe der überdies 12 silbigen pädas 
ist lang und somit rhythmisch betont: ^^^j^; lies: akrata upä 
dyavi | äkhare: niyanti, süriagritah. Vers 3 = Rv 10, 94, 5. 
Statt Av. niskritim hat Rv niskritäm. süryagrit ist nach P. W. 
verkehrte lesart statt Rv süryagvit. Rv hat nyan statt Av. 
ni yan. 

Das ganze eine anrede an den pressapparat, die grävänah. 
Zunächst wird die presse mit einem äffen verglichen. Wie 
dieser einen schaft, etwa rohrstengel, zwischen seinen zahnen 
zermalmt, so zermalmen der obere und untere pressstein, 
gleichsam ober- und Unterkiefer der presse, die zwischen sie 
gelegten somastengel. Die presssteine zerkauen die stengel wie 
mäuler von tieren (äffen ?), die ihre wangen traulich aneinander 
drängen und so vereint fressen. Von dem ausgepressten safte 
werden die steine grün (sie bekommen grüne mäuler; ebenso 
l^Lv 10, 94, 2). Das geräusch, welches sie verursachen, indem 
sie sich auf einander bewegen, wird dem geschrei von adlern 



Das sechste buch der Atharva-saiphitä übersetzt. 311 

am himrael (Rv 3, 53, 10 dem schreien von gänsen) verglichen; 
was ihre beweguiig selbst anbetrifft, so tanzen sie wie schwarze 
(mause?) in ihrer höhle. 

ad 1: Was soll Agni in dem sükta? vielleicht adre zu 
lesen. Der stein ist nicht löchrig, ohne krura (= atridila, 
cf. Rv 10, 94, 11). 

[Oder sollte 1 b Agni gemeint sein, der, wie ein äffe einen 
Schaft zermalmt, und wie eine kuh ilire nachgeburt kaut, so 
den purodagam (siehe Kaugika 46 hierzu) frisst?] 

Ib vielleicht: wie ein äffe einen rohrschaft kaut er (näm- 
lich der adrih), wie eine kuh ihre nachgeburt. Vergl. Zimmer 
85: „(Der äffe) zerkaut einen rohrstab (tejana) wie die kuh 
ihre eigene nachgeburt". Ludwig übersetzt: „Der braune 
frisst [aber deine] schärfe, wie ihre bärmutter die kuh". 

2a: Subjekt zu acyase? 

Zu uttaradra hat p. w. : etwa „oberer stein einer mühle 
oder presse", mit citat der stelle. Ludwig:* „wenn der oben 
laufende stein" etc., möchte uttaradräh lesen, was ich annehme. 

2 b ist wohl wieder bloss von einem der adri (aus dem 
Singular zu schliessen) die rede. Er ists, der köpf und wange 
an die des anderen drängt, also wohl der uttaradräh. Zur 
bedeutung von apas, was ich mit „wange" gab, siehe Grass- 
manns Wörterbuch. 

3. Grassmann übers. Rv 10, 94, 5 folgendermassen : 

„Zum himmel schallt der schnellen vögel lauter sang, 

die muntern rehe tanzen in der höhle nun; 

sie gehn herab ins braut gemach des untern steins, 

die sonnenhellen lassen vielen samen dort". 

Zimmer, pag. 288 zu Rv 10, 94, 5 hat: „Wie die adler 
unter dem himmel schrieen sie, wie schwarze (mause?) in ihrem 
bau tanzten sie lustig". Ludwig übersetzt: ,,Die adler haben 
am himmel geschrien, in der höhle tanzten lebhaft die schwarzen, 
wenn sie niedergehn zu des [untern?] Steines be reitung haben 
viel samen erworben die in der sonne wohnenden". In der 
Übersetzung der parallelstelle Rv X 94, 5 in bd. 2 seiner übers, 
übersetzt L. aber: „niedergehn sie in die [für sie] berei- 
tete stelle des Steines, viel samen [flüssigkeit] ergeben die 
sonnenglänzenden". 

Ich interpretiere: Wenn sie (die oberen steine; als oberen 



312 C. Florenz 

teil der presse benutzte man einen oder mehrere steine) nieder- 
gehen zum zusammentreffen mit dem unteren stein, so haben 
viel samen die sonnenglänzenden gelassen (d. i. auf dem unteren 
steine sich sammeln lassen). Der samen sind die indavah, die 
lichten somatropfen , durch deren anhängen die adrayah nun 
„sonnenglänzend" geworden sind. — Ich lese siiryagvitab ; 
Ludwig scheint an erster stelle siiryagritah beizubehalten. — 
Da in 3b sich ni wiederholt, muss man zur lesart des Rv 
greifen: nyaii (lies niari) ni yanti; damit fällt das conditionale 
des Satzes weg: „Herab gehn sie" etc. 

Anukr.: nahi te agna ity (6, 49, 1) ägneyaip, gargya, ädyä 
'nustum; mesa iveti (6, 49, 2 u. o) dve jagatyau parä, virät(?!) 
tatreti. 

Der folgende hierher gehörende abschnitt aus Kaugika 46 
trägt zur erklärung der hymne nichts bei; er handelt von 
ceremonien bei der einführung resp. Wiedereinführung (nach 
bruch des gelübdes) eines brahmanenschülers. Unter recitie- 
rung von 6, 49, 1 schürt der brahmanenschüler (das feuer) auf 
dem Verbrennungsplatz des lehrers, geht dreimal drum herum 
und bringt einen opferfladen dar. 3 nachte (die 3 folgenden 
nachte) liege er ohne sich umzudrehen (das gesiebt nach dem 
Verbrennungsplatz gerichtet). 

50. Spruch gegen feldungeziefer. 

1. Bohrer, samafika, maulwurf tot', o Agvinpaar! 
trennt ab das haupt, zerschmettert ihre rippen. 

Das körn solln sie nicht fressen; bindet ihnen 's maul 
und schaffet Sicherheit für das getreide. 

2. Tarda he! Pataiiga he! 
Jabhya he! Upakvasa! 

Wie'n brahman unvollendetes (d. i. ein unvollendetes havis) 
nicht essend diese körnerfrucht, 
unschädlich macht euch fort hinaus! 

3. tarda-herr! o vaghä-herr! 

rauh von gebiss ihr ! hört mich an : 
Die in der wildnis ihr anbohr'nd, 
wer immer ihr auch seid, anbohr'nd, 
die allesamt zermalmen wir. 

Metrum: vers 1: päda 1 zwölfsilbig, ausgang --—u — ; püda 



Das sechste buch der Atharva-samhita übersetzt. 313 

2 elfsilbig, ausgang u_j^; dem entsprechend pada 3 und 4, 
dhäniäya zu lesen. Die strophe besteht also aus 2 gleichen 
teilen von je einem jagati- und einem tristubh-päda; es ist 
daher zweifelhaft, ob sie besser dem tristubh- oder jagatimetrum 
zuzuweisen ist. Anukr.: viräd jagati. 

Vers 2 und 3 sind pailkti; die beiden ersten päda von 2 
sind unregelmässig, nämlich siebensilbig statt achtsilbig; päda 2 
von vers 3 hat eine silbe zu viel: ä zu verschleifen oder zu 
streichen? 3b hes viadhvara(s). 

Tarda (bohrer, p. w. ein best, käfer oder anderes insekt), 
saraaiika (p. w. ein best, das getreide zerstörendes tier; der 
name ist viell. fehlerhaft; vergl. Zimmer 237), äkhu (maul- 
wurf oder maus?), patanga (heuschrecke) , jabhya (p. w. „ein 
best, dem getreide schädhches tier". Viell. engerling?), upa- 
kvasa (ein best, wurm), vagha (eine würmerart?). 

2b: Wie ein brahman ein unvollendetes havis [nicht isst, 
ganz so] sollt ihr, diese körnerfrüchte nicht fressend, nicht 
verletzend hinweg (ud = „aus der erde heraus", dass man 
euch töten kann?) gehen. 

3. männchen der tarda! o männchen der vaghä, die 
ihr ein rauhes gebiss habt (Ludwig: „trocken — hartzahnige"). 
tristajambhah entweder attribut zu den beiden vorhergehenden 
namen oder gesamtbezeichnung der übrigen den feldfrüchten 
schädlichen tiere. 

vyadhvara P. W. anbohrend, anstechend (von yvyadh); 
Ludwig: „abseits vom wege" (von ädhvan weg). 

äranya gegensatz zu grämya, die mit den menschen unge- 
sellig lebenden, die auf den feldern etc. 

Anukr. : hatam tardam (6, 50) ity atharva "Qvinam, abhaya- 
kämah; prathamä (5, 50, 1) viradjagati; tarda hai (6, 50, 2) 
tardäpata (6, 50, 3) iti dve pathyä paüktir. 

Nach Kau^. 51 ist das cerimoniell, dass mit einem eisernen 
Werkzeuge eine furche (sitä) um das ganze betreffende Saatfeld 
gezogen wird, dass man um das feld schreitet und steine nieder- 
wirft (in die furche?; symbolisch werden so die „häupter und 
rippen" des feldungeziefers zerschmettert). Ein tarda wird 
darauf, den köpf nach unten, mit einem haare (?) in der mitte 
des Saatfeldes eingegraben. An die Agvinen etc. werden spenden 
dargebracht, und der, welcher die cerimonie ausgeführt hat, rauss 
bis Sonnenuntergang stillschweigend dastehen. 

lieitiäge z. kuiule il, iudf,'. spiacksii. XJI. 21 



314 C. Florenz Das sechste buch der Atharva-sanihitä übersetzt. 

hatam tardam (6, 50) ity ayasä sitäm (so wohl statt sisam 
zu lesen?) karsann urvaram parikrämaty, agmano 'vakirati, 
tardmam (wohl tardam zu lesen, oder tardmani in ein loch?) 
avagirasam vananat kegena samuhyorvarämadhye nikhanaty 
uktam cäre baiin haraty agäyä ägäpataye 'gvibhyäm ksetra- 
pataye yadaitebhyah kurvita vagyatas tisthed ä ^stamayät. 



Nachträgliche Verbesserung. Die im ersten bogen (bogen 17 
der Zeitschrift) noch beibehaltene Orthographie der indischen 
handschriften ist in den späteren bogen besser durch die übliche 
transkription ersetzt worden, ebenso das ungebräuchliche Rk 
durch Rv, pada durch päda. 

Am text (die handschriften sind äusserst verdorben, und 
bes. meine publication des Darila ist nur ein unvollkommener 
versuch, der viel nachsieht verlangt) ändere man folgendes: 

p. 250, z. 5 V. u. sammucitäbhyäm; letzte z. amantrakam(?). 
p. 251, z. 27: asyäkracah (^?). p. 252, z. 21: nänädaivate; 
z. 28: dandena. p. 253, letzte z. atrodapätram. p. 256, z. 5 
V. u. nicrid; yä yaddevatyä, tayä etc.; vorletzte z. ärtvijyam 
karisyant samänavarnavatsayah payah samskritah särüpavat- 
sam etc. p. 257, z. 1: anukta yena somety; z. 3: yatrata- 
trasthasya. p. 258, z. 2: gakalänantaresu^ ; z. 10: ghritenaiki- 
kritya. p. 259, z. 8 u. 9 v. u. brihati. p. 261, z. U wohl 
agvatthadhararanyuttararanibhyam; z. 13: rajaüdväsayäm; ny- 
asya statt nasya; z. 20: prajapati9ceti(?); z. 27: besser pamsu°; 
z. 28: savyagrahanad ; z. 31: pratiniyamanam ; z. 34: atikrän- 
tänäm; z. 35: govate. p. 262, z. 4: garbhä^ayatvät ; z. 5: 
raktavarnä° ; z. 7 : prapamity. p. 264, z. 4 v. u. vaigyaya yod- 
dhra iti kecit. p. 271, z. 5 v. u. anyatyamam (?), janad = Av 
7, 45, 1. p. 278, z. 26: atharvanam pitaram iti (Av 7, 2) 
mantroktayä. aya vistheti (7, 3) mär°. p. 280, z. 20: praisa- 
kritamrodam oder praisakritamodam udakam ? p. 288, z. 5 v. u. ; 
Nach Bezzenberger und Fortunatov steht aber kina 
wahrsch. für kilna und hängt mit lat. callum zusammen. Zu mani 
vergl. Windisch's abhandlung in Kuhn's Ztschr. XXVII 168. 

C. Florenz. 



W. Deecke Lykische studien. 11. 315 

Lykische Studien. 

II. 
Die genitive pluralis auf -he. 

In der bilinguis von Lewisü heisst es z. 4 — 5 im griechi- 
schen text: 

'AnolXiovidr^g MoXXiaiog kuI yiarcäQag lAnoXtcovidov, JIvqi- 
(.idfLog o\v.eloi. 
Dem entspricht im lykischen text z. 1 — 2: 

apolänida moUehäsäh sä laparapolänidah j^orehemätHähä pry,- 
näznühe ^). 
Hier ist laparapoläntdah nach der bekannten weise der lyki- 
schen krasis aus lapara apolänidah zusammengezogen; sonst 
s. über die nominative und genitive im ersten aufsatz: 

apolänida, a/polänidah A. I, n. 1 

moUehäsäh C I, n. 10 

lapara A I, hinter n. 23 

p>orelie)nätetähä C I, n. 3. 

Die conjunction sä „und", nur entfernter verwandt mit 
dem entsprechenden gr. xa/, näher mit dem ind. postpositiven 
-6a ^ steht auch aus den andern bihnguen in ihrer bedeutung 
fest. Ueber den stamm prnna- „oI-koq'^ habe ich I, A I hinter 
n. 29, gehandelt; die ableitung *pry.näze „ohelog", eigentlich 
ein mit dem suffix der ethnika -äze, das den „bewohner" be- 
zeichnet, gebildetes adjectiv, siehe ebdt C I, hinter n. 17; und 
vgl. besonders soräze „ein wohner von Sura". Erhalten ist dies 
wort, das hier näher betrachtet werden soll, zunächst im gleich- 
lautenden dat. sg., ebenso wie z. b. tedäeme : ähbe als nominativ 
im sinne von „filius eins", eig. „suus" und als dativ im sinne 
von „filio suo" vorkommt; so hinter der präposition hrppe, 
welche die bilinguen durch 87tl mit dem dativ oder den blossen 
dativ (commodi), der auch im Lykischen stehn kann, wiedergeben : 

a) Xanth. 8, 2 : hrppe : pry.näze (in der Überlieferung t 
für ;, wohl verlesen) = S7tl olv-EUt). 

b) Pin. 2, 2: hrppe pry.näze : ähbe = knl oiiieii^ kavtov 

(eig- ^)- 

*) In einem späteren artikel werde ich nachweisen, dass statt i : tc; 
statt a : m zu lesen ist. Jenes ist eine entdeckung von J. P. Six, dies 
von niii". 

21* 



316 W. Deecke 

c) Kady. 1, 2: hrp2Me : pry,näze : ähhe , desgl., mit alter- 
thümlicherer form der präposition; s. Lim. 17 einmal avahe 
neben dreimal avahae, und ähnlich sä, mä neben säe, mäe; 'giä- 
neben y,täe-; tebä neben tehäe u. s. w. Mit der volleren form 
aui -ae ist etwa -ai m gr. vrcai, -rtagai, xarai u. s. w. zu ver- 
gleichen. Sa wird (Jaftn auch das e des dat. sg. der feminina 
auf -«; z. b.fZad^Ä ^,/i;var/t/''Xvom nom. lada „yvvij'^Sixis -ae -~ 
gr. -äi, -a,Mialectisch -mC, entstanden sein, auch altind. -äi; 
s. noch besonders lat. -ae. 

Der blosse dativus (commodi) steht: 

d) Xanth. 1, 6 — 7: sä peiätö ötre y,tatü pr'g,näze atlahe: 
„und er bestimmte das untere gemach oIksioj suvtiov^^. 

Ueber atla „anima, selbst" s. I, All, n. 9; über den gen. 
pl. atlahe unten A II. 

Das verb peiätö, das noch 6 mal vorkommt, ist 3 sg. praet. 
med., wie pry-navatö (s. I, A I, hinter n. 29); die 3 pl. peiätö, 
gebildet me prynavötö, steht Antiph. 4, 2; stMch peiäte 3 sg. 
praes. act., gebildet wie pry,navafe, findet sich St. X. W. 37; 
endlich begegnet der acc. sg. neutr. eines part. perf. pass. pernio 
Antiph. 4, 3 (neben mey^te „busse, Strafgeld"). Die grundbe- 
deutung des Stammes peia- scheint „heiligen, weihen" (s. beson- 
ders Xanth. 5c, 1; auch 5b, 6), dann, wie lat. sanclre, „be- 
stimmen, festsetzen", im besondern auch von (heiligen) Straf- 
geldern. So entspricht lyk. j>e^W^4§M altital. peiä^ (s. Buech. 
[Lex. It. p. XX) „heiligen, sühnen"; vgl. besonder* das lykische 
)articip peiato (mit gesetzmässigem abfall d^^' m) mit altital. 
mätom^ lat. piätum,^ "^xm aber ist das alfital. j^^^iä- denomi- 
nätiv (ßines nomin^Jön Stammes ^e/o- ,,h^fig", und dieser steht 
für *pueiö- von' wurzel pu „remigen'J^ s. De." Rh. mus. n. f. 
XLI, p. 193. Hierzu stimmt dann J^ieder das auf eine wurzel 
pu zurückzuführende lykische su^tantiv pova (acc. sg. fem.) 
„Strafgeld" Lim. 5, 3; sowie pommad-d-e „zur strafe, als Straf- 
geld" Lew. 3, mit verschiedenen andern ableitungen; vgl. gr. 
TtOLvri = *7tofLvri^ lat. (entlehnt?) poena u. s. w. 

ötre, auch ütre, in verschiedenen casus 5 mal vorkommend, 
ist ein adjectiv generis communis, wie die pronomina ähbe (s. I, 
C II), ähe, khe ; den gegensatz von ihm drückt mehrmals hrzze 
aus (etwa 6 mal). Die beigefügten preise beweisen, dass die 
hrzze benannten grabräume kostbarer waren, als die mit ötre 
bezeichneten; jene waren demnach offenbar für die familie 



Lykische Studien. II. 317 

selbst bestimmt, diese für die olytel&i. So wird hrzzej i^ata 
das „obere" grabgemach bezeichnen/ öYre das ,, untere".) Dazu 
stimmt die etymologie: das hr in Ä^^S^siteht, wie in den ver- 
wandten Präpositionen hre , hrppe (s. I, C I, hinter n. 21) für 
iranisches fr-, ind. pr- (par-) , und so gehört hrzze zu ind. 
pdra-s „der fernere, obere"; paramd-s „der oberste"; bactr. 
fratara- „der höhere"; gegens^IzT ind. dntara-s „der nähere, 
ninfere^ dnfama-s „der nächste, untersTe""', von änta-s „die 
nähe", während paräkä-s „die ferne" heisst (wohl zu unter- 
scheiden von dntara-s „der innere", zu antär „zwischen"; vgl. 
gr. avTa, dvil, lat. ante, gegen gr. svzeqov, lat. inter u. s. w.). 
Das ö; resp. ü, in ö-tre steht für ursprüngliches an, wie 
im acc. sg. der feminina auf -a (neben -«) — s. z. b. das 
folgende wort — und in der 3 pl. praet. med. auf -ötö --=- -avto. 

y.tatü oder ntatö, auch y,tata, in der mittelsilbe auch mit ä, 
etwa 9 mal vorkommend, ist acc. sg. eines femininums * igtata, 
das einen theil des grabes, auch wohl das ganze grab bezeichnet 
(z. b. in der bil. von Lew. 1 u. 3 = (xv^i.ia), also „grabgemach, 
grabkammer". Sicherlich ist es verwandt mit der präposition 
i^tä} einmal i^täe-, auch igia-, die „hinein" bedeutet, im gegensatz 
zu äsä ^,heraus" (s. I, C I, hinter n. 6); sie ist wieder ver- 
wandt mit gr. «vr-og, lat. int-us; ja, vielleicht ist y,täe, resp. 
'^tä, als locativ wesentlich gleich dem lakonischen evvelevöov; 
y,ta könnte dann eine bildung sein, wie gr. k'v^a, svTavd^a. 
Was nun y,ta-ta betrifft, so hängt es wohl mit den verbalformen 
y-ta-tadö (contrahiert y,tadö), nta-tütö (auch '^ta-tätö) u. s. w., die 
den begriff des „hineinbringens" enthalten, zusammen und geht 
auf eine wurzel ta- „geben, bringen" zurück; s. unten ttete 
A I, n. 3e. Der accusativ ist entweder durch blossen abfall 
des m, den lykischen lautgesetzen entsprechend, gebildet worden 
oder das m hat, nachwirkend, das a in ü oder ö verdumpft: 
ebenso findet sich ladürt^Qn. lada ^j^ii>rß«ca", xopü und xopö 
neben %opa „TÜipov^' u. s. w. ^ ,^^^_ 

e) Rhod. a 3 — 4 : pebeiäte pr7j,näze sättare adaeiö „er setzt 
fest für den ol-Aeiog 4 minen", d. h. wenn ein solcher in dem 
grabe bestattet werden soll oder will. 

pebeiäte ist 3 sg. praes., und zwar eines reduplicierten 
praesens von dem oben erörterten verbalstamme peia-; s. die- 
selbe form noch Rhod. a 5 und St. X. 0. 44, und vgl. andere 
reduplicierte formen, wie zazate, x^xhate, tetbäte (auch tätbäte). 



318 W. Deecke 

Die erweichung des zweiten p zw. h zeigen auch pablüte und 
pabrate (neben pohrate); vgl. noch ind. pJMli „er tripl^' von 
pä „trinken' '.... ,....-.'- - „ ^s^^--*«-.*^-*^-^^«^***«**- 

sättäre ist accusativ des Zahlwortes 4, wahrscheinlich dem 
nominativ gleich und generis communis, wie lat. quattuor für 
*quatuores; das s entspricht dem ind. 6, wie in sä „und" = 
ind. -ca; das U ist assimiliert aus tv, genauer ^w; vgl. die latei- 
nische nebenform quattor. Sonst geht allerdings im Lykischen 
tv gewöhnlich in tb über, aber die Zahlwörter zeigen auch sonst, 
wie in allen indogermanischen sprachen, mannigfache Unregel- 
mässigkeiten. Zur vocalisation s. das dialect.-gr. TsoaeQsg. Mit 
eingeschobenem ä findet sich in derselben inschrift (b 7) sätä- 
täre, wie tärä = 3 neben tre- steht. 

adaew, noch 5 mal, ist acc. sg. eines abgeleiteten femini- 
nums ^adaeia „minenwerth", von «G?a „mine", das etwa 11 mal 
vorkommt und undecliniert, wie das deutsche „mark, fuss, 
pfund" der zahl hinzugefügt wird; vgl. zum suffix -eia z. b. 
aravazeia „gebäude" neben arava ,^hsi\x'' '^QÜizeta ,,cohors ami- 
^rum" nehen Jälöße ,,comes" ; trmmeleia „Lykien, dä^ lykische 
Volk oder land" neh&n frmmele ,,lykisch, der Lykier". Six 
erinnert an das gr. (xvaeiov, das seit dem ende der regierung 
des Ptolemaios Phila^elpiros in Aegypten geprägt ward, eine 
goldene octodrachme vom werth einer silbermine. 

f) St. X. 0. 55 — 57 : sä tokädre : kärd^i^e : adä : orobleiö 

hütahä : tobähe : pr'^näze : sälehbäzä : ähbeiä ,,und Tokädre der 

fürst baute ein gedecktes gebäude? für den Tobähe, (seinen) 

oMalog, und alle seine verwandten". Der titel kärd-d-e steht 

t durch Kand. 2 sicher und begegnet noch St. X. 0. 10 u. 49; 

j s. I, C I, hinter n. 21; er ist vielleicht verwandt mit bactr. 



I kar-eifa- „scha?^", deutsch „he^ifde", wovon der „hi*^". Der 
I eigenname tokädre kommt auf der stele noch 3 mal vor, ausser- 
I dem bei Benndorf p. 131, n. 103, und ist vielleicht identisch 

mit dem graecisierten , an xo^ov angelehnten, To^aqig, gen. 

To^agidog (aus To^adgiog?); vgl. noch den skythischen stamm- 

namen Toxccqoi. 

axlä, auch St. X. 0. 57, vielleicht ebdt 61 in adämo (s. 

p. 323), kann dem phrygischen adaes „sd-rjyte'^ entsprechen, da 

schliessendes s im EyTuscTien regelmässig äbfätlt. 

Das object orobleiö, acc. sg. eines collectiven femininums 

'*oroblej^a, gebildet wie die eben erwähnten collectiva aravazeia, 



Lykische Studien. II. 311) 

adaeia u. s. w. (s. unter e), kommt auch N. 9 als object von 
,sttatß.-i;tdzmi, dor. iazßMft", vor, während ein locativ orobleiäde 
t^ 34~erscheint, eiHt** zyfei^r'^oroble[iäJdä 0. 42 — 43 herzustellen 
ist, dort gleichfalls i^ Verbindung mit tokädre. D^ das wort 
St. X. N. 9 parallel ^ stktla „OTi^Ai^v, dor. ö;y^/l&v"|N. 5 u. 7 
gebraucht ist, so muls es eine art denkmal oder gebäude be- 
zeichnen: für letzteren sinn spricht die coUective bildung. Den 
stamm orgjl?^!- nun möchte ich mit gr. oQocp-rj, oQoq)-os „dach'*' 
verwandt glauben (zu iQscp-w, eqtrcTio ,,icb bedecke"), so, das s 
orfMeia ein mehrdachiges, etwa mit terrassendächernjse^sehenes 
geüaüd^ bezeichnete. ^ 

In tobähe bin ich geneigt, den dat. sg. masc. zu dem 
gleichlautenden nominativ eines ml. eigennamens zu sehn, wie 
tnärähe Xanth. 8, 1 ; s. am schluss. y t''' 

In sälehbäzä steckt die conjunction/^£^j^x^' lU»^ wie 
ähbeß zeigt, der dat. plur. eines auf -itze g^isgehenden Sub- 
stantivs ; vgl. te.däemä : ähbeiä „filiis suis" von te^äeme : ähbe 
„filius eins", eig. „suus". Nach den regeln der krasis nuiT 
muss das wort mit a oder ä begonnen haben, wahrscheinlicher 
mit ersterem, so dass es * alehbäze gelautet hat; s. die St. X. 
N. 56; alekämlo W. 3. Wie in letzterem worte, liegt wohl ein 
compositum vor, worin der erste theil ale verwandt scheint mit 
ala „all, gesammt", das in ala-dahale, ala-hade u. s. w. vor- 
kommt (s. A II, b); der zweite theil hbäze dagegen gehört zu 
hbe^ ä}ih^^ = [ind. s^a- „§.\j,u|,, ja, um", so dass ale-hbä-ze „ein 
zur gesammteii Verwandtschaft gehörigerer ein verwandter" wäre, 
eine bedeutung, die an obiger stelle sehr gut passt. 

Das wort hütahä vermag ich noch nicht zu erklären; s. I, 
A I, n. 28. 

Kehren wir nun zur bilinguis von Lewisü zurück, so scheint 
pr'g.yiäzeuihe , dem gr. omaloL entsprechend, zunächst nom. pl. 
zu sein: andere stellen aber beweisen, dass der casus auf -he 
nicht nominativ sein kann. Am lehrreichsten ist in dieser 
hinsieht : 

Xanth. 4, 3— 4 : hrppe äsädäy-nmw : /^«aÄe ; ähbeähe : sä 
d-orttüe : lada : 

Wie oben erwähnt, regiert hrppe den dativ, und ein solcher 

ist im ßg^xisädännäve (vgl. lade, alle), im pl., mit jenem durch 

/^''liSi^^verhundeYi, d-orttüe (vgl. nilohedazüe, teiüe) und lada 

\(nacB hrtpc = hd yvvai^lv auch in der bilinguis von Lewisü). 



320 W. Deecke 

Demnach müsste Yi^nahe : ähl-eahe entweder als apposition zu 
äsädäy,näve auch dativ, oder als attribut dazu genitiv sein. 
Nun aber lautet von ähbe der dat. sg. auch ähbe z. b. bei prn- 
näze (s. b, c), bei öne, lade, alle u. s. w.; der dat. pl. aber 
lautet ähbeiä z. b. bei alehhäzä (s. f), bei tedäemä, aravazeiä 
u. s. w. So muss ähheähe genitiv sein, und zwar, da der gen. 
sg. allgemein auf -hä, resp. -h, ausgeht, gen. pluralis. Auch 
die möglichkeit, dass im Lykischen die apposition etwa ohne 
casusangleichung im nominativ angefügt worden sei, wird z. b. 
durch tedäeme ])uueäläiä — vup UvßiccXrj in der bilinguis von 
Lim. 19 widerlegt, wo puueäläm zweifellos dativ ist, wie tedäeme. 
Ferner würde in äsädäy,näve : äpttähe Xanth. 4, 6 ein unmög- 
licher sinn herauskommen, wenn äpttähe apposition wäre, näm- 
lich „T^ izyovi(jc kavrolg'^ statt „t^ eyiyovla r^ «ai;rwv". Endlich 
ist der nom. pl. von /^^ia in der form xig,naha , worin -aha = 
ind» -äsas, bactr. -äonhö, altpers. -äha (in hagaha „götter") ist, 
St. X. 0. 58 erhalten. Demnach kann x'^nahe : ähbeähe nur 
gen. pluralis sein. Dazu stimmt der vorauszusetzende sinn: 
schon I, A I, hinter n. 29, habe ich beim namen ])ddöxi}ta 
nachgewiesen, dass xV'^a dem idgrm. gi^-to-, gr. ycixo- aus yv%6- 
(s. VYi-ydtaog), goth. kunda- „geboren" entspricht; ebenso 
entspricht wahrscheinlich x^wa einem mit dem gleichbedeu- 
tenden Suffix -no gebildeten participium idgrm. §'^-nö- „ge- 
zeugt"; vgl. noch zur lykischen Vertretung der nasalis sonans 
durch ^ z. b. si^ta, == idgr. Jcrntö-m == 100, litt, szimta-s. 

Das wort äsädännäva, auch äsädö^näva, in verschiedenen 
casus 8 mal vorkommend, enthält die präposition äsä „aus", 
verwandt mit gr. «x, lat. ec-, slav. izü, litt, isz (lyk. s ist meist 
afficierter palatal), und ein collectives femininum -däi^näva, 
ähnlich gebildet wie pr'^nava, arava zu pry,na^ ara u. s. w., 
von einem nomen -däi^ne, das wieder durch die häufige nominal- 
eödiiflg -^we (s. unten vädröy.ne C I, n. 2) abgeleitet ist von 
&\mtii eiiifächefl' &t4Twmel(^ä «(oder dö) der zu einer wesentlich 
gleichlautenden wurzel gehört, die wohl identisch ist mit idgrm. 
^e- „iläUn^i Vg^.^^iatv Sd^»<'{p)^Hti>in;'^m^^ucärtJ'';' ÄialijgeiSurt", 
editor „erzeuger"; s. oben adä und I, C I, hinter >W. ^OV^ß^ 
h'eibsfe '^alko :i ' '&iäMHAäm> b ;fgiW»^ *.*' 'ähbe(i;)äM 'f;\tfji ' ' ikyovl^ rio/v 
^>itW^6vmi>^^C)^ ^ i^öW«!)^ '(ieig(^^Mv)*A»\^Vgfc;/äuf ''gi^öhisöh-lykisöh^ 
g^äbsiWfteti^^ 2^. h'}'''*^^ho^''to'(ktöV i^dh^^rj.^f^v^f^odif&fWniQ 'i§ 
üvtfiii'-^idt^ yi^ii^i'I&oftm'mgi (ß.'iiL G^.i^<teJQ8 ö;'-4246)v'ii'.^s^i{wn) 



Lykische stildien. IL 321 

So bleibt nichts übrig, als dass in der bilinguis von Lewisü 
auch pry,näzeiähe genitiv, und zwar partitiver genitiv ist 
= „(zwei) von den oly.eioL des Pyrimatis". 

Ferner kann in der im anfang leider verstümmelten inschrift 
Lim. 18: 

. . . zexläte : pri^navatä : pexinmak ^ tedäeme läleiünaxssah : pr-g,- 
näzei . . . 
nicht mit Savelsberg (II, 97) prnnäze{[ähe] ergänzt werden, 
sondern nur prnnäzei[ä] als dativ pL, wie ähbe^ä (s. oben), so 
dass zu übersetzen ist: 

. . . Zechläte (?) baute (dies) , der söhn des Pechma , für die 
olneloL des Chälejünachssa". 
Ebenso ist endlich in Telm. 1: 
äböy-nö xopö mänä prnnavatö ^odale zotreah (Bdf. xodale 
zotreiah) ^ tedäeme h. .. . * ;f«0re?«äÄ ^ pry,näzeiähe 
von Savelsberg (II, 98) kaum richtig in z. 3 h[rppe] ergänzt 
worden, da dies sonst nie den genitiv regiert (doch s. unten 
den Wechsel der casus bei öne A I, n. 3 c). Ich bin vielmehr 
geneigt, die synonyme präposition h[re] herzustellen, welche, 
wie das verwandte gr. 7t q6, den genitiv nach sich hat; s. unten 
A I, n. 2a. Die Übersetzung bleibt in beiden fällen die gleiche: 
„Dieses grab hier baute (Ch)odale, des Zotre(j)a söhn, für 
die oiyisloL des Chäzreme". 

Das lykische wort prij,näze == oly.etog wird hiernach nicht 
„sclave" bedeutet haben, sondern eine höhere Stellung, wie 
etwa diejenige des kretischen olxevg nach dem Gortynischen 
gesetze war. 

Ich ordne jetzt die genitive auf -he nach dem Schema der 
ersten abhandlung, indem ich innerhalb jedes abschnittes mit 
den bereits bekannten oder am leichtesten erklärbaren Wörtern 
beginne. 

A. Stämme auf -a. 

I. Masculina. 

ihn J^iiXMf^iuYjon *X^»«» „erzeugter, abkömmling", eig. part. 

BÖ«P,*??\;.)^f;#el^»^ei.^un^Vuv .bui jiiu ,.,,.. 

a) X. 4, 3—4: hrppe Mmwve>:^s3^nqf^fi,ighb^fi^^^:i^^,j^ 

b) X. 6, 2 — 3 ist herzustellen: [hrppe : lade : ahhe ij^smöf 



322 W. Deecke 

däy,näve : xfv-nahe : ähhevähe :] — „ircl zfj ywaml rfj eavTOv y,al 

säsädäy,näve ist aus sä äsädäy-näve zusammengezogen. 

c) Lim. 10, 2—4 ist gleichfalls mit Savelsberg (II, 66) 
herzustellen: hrppe : atfle : äjhbe : sä lade : sä tfejdäemä : äh- 
heiä : [sä : äsäjdäy,näfve : x-^nahe : ähbjeifähje = „sttI kavTqi 
y.al yvvaixl xat Toig violg to7g eavTov y.al xfj sxyovia tüv 
anoyovcov twv mvxov". 

Irrig dagegen hat Savelsberg (II, 150) in der bilinguis von 
Ant. 3, 4 das überlieferte sä vädre vähy,täze in sä vädrevä : 
XV'nähe geändert; s. vähytä auf der münze Six 14, n. 132. 

d) St. X. S. 24: tä yf^sttä : önähe : sä x^^waA?... (über- 
liefert x^^cthy) — „? ? r^xj/wv xat ccTtoyövcov". 

lieber önähe s. C I, n. 1. 

Ein von /^wa abgeleitetes collectiv oder adjectiv steckt in 
Xnmä St. X. W. 18. 

2) /^tomtoAe, von xV'ff^vata „verwandter", das in verschie- 
denen casus etwa 12 mal vorkommt und aus dem part. pft. pass. 
Xy>ta (= x^wa) durch das suffix -va(n)t abgeleitet ist (= gr. 
/£vt), nach lykischem auslautsgesetze durch ein a erweitert. 
Ein collectives femininum xy'f(^vciteia „die Verwandtschaft" (oder 
adjectiv?) scheint St. X. 0. 64 in ^^'■^«vaifeiä erhalten. 

a) St. X. S. 46 — 47: sähaylaza : pahrate : xbedä : hrex'^ta- 
vatahe : 

Hier ist x^^dä „könig" = altpers. khäjatija- (s. unten C I, 
n. 3) das object; pabrate das verb, 3 sg. praes. act., redu- 
pliciert wie pebeiäte (s. d. einleitung); das subject steckt, mit 
sä „und" verschmolzen, in sähaxlaza. 

Die Präposition hre, oben in Telm. 1 hergestellt, begegnet 
sonst noch in composition mit verbis, wie hrealahade Lim. 5, 2; 
hrealadete Lim. 13, 5; hre-i-ärovätete Lim. 9, 2, auch durch 
zwischenstehende Wörter getrennt, wie in hrebäovälahadete Lim. 
8, 2, was ebenso bei den präpositionen hrppe, igiä u. s. w. vor- 
kommt ; ferner im eigennamen hre-xttbele . . . Tlos 1, 1 ; viel- 
leicht in hrex/rima Myr. 6, 1 u. 2. Sie ist ohne zweifei mit 
hr-ppe verwandt, auch mit ind. prd, gr. nqü, iran. /m, und 
bedeutet „vor", dann „für", s. oben. 

Die obige stelle heisst also, soweit sie bis jetzt verständ- 
lich ist: 



Lykische studien. II. 323 

„und Hachlaza(?) den könig für seine ver- 
wandten". 

Eine genitivform mit getrübtem a (s. unten maleiähe neben 
maleiahe C I, n. 6) zeigt die stelle: 

b) St. X. N. 6 — 9: sä yhedä sttatemö : sttala : öte : ulahe- 
beiähe : sä maleiähe : sä märtämähe : sä yj^tavatähe : xbedöy,[nä]- 
he : „und der könig errichtet eine denksäule für seine nach- 
kommen und (für) die alten und todten und (für) die könig- 
lichen verwandten". 

Hier ist sttatemö, das auch z. 9 vorkommt, wegen des 
z. 5 parallel gebrauchten sttate, in sttate und mö zu zerlegen. 
Jenes entspricht, nur ohne reduplication, dem gr. i-atrjai, dor. 
i-aräTi; s. auch etr. sta(tj = „sistit, ponit"; lat. stat, intran- 
sitiv, aber noch auf dem Quirinaltöpfchen transitiv statod = 
„sistito!" In mö, hier zu sttala, z. 9 zu orohleiö gehörig, viel- 
leicht 0. 61 aus adämö abzutrennen und auf läd^d-eulü zu be- 
ziehen, sehe ich den acc. sg. eines femininums * ma, vom idgrm. 
zahlworte sem-, schwach sm- .— 1, indem das anlautende s in 
h überging und dies in der schwachen form vor m abfiel; vgl. 
das griechische femininura f,ua, in compositis auch ^a- z. b. 
jud-xekXa (neben di->i€lXa), /.iiow^ aus *jna-ovv^; etr. ma-x = 
1; ferner lyk. mo-pnimä ,, einfach" (zu mei^tä „busse" Rhod. b 9), 
neben to-pmmä ,, doppelt" (zu se^la ,,seckel" Antiph. 4, 4). 

öte, noch etwa 5 mal vorkommend, ist eine den genitiv 
regierende präposition, zunächst verwandt mit gr. avtl, das 
auch in der bedeutung „für" gebraucht wird; vgl. oben lyk. 
ötre „der vordere, untere", von demselben stamme. 

Ueber die andern wörter s. unten! Der Zusammenhang 
ergiebt, dass yjgtavatähe die „seitenverwandten" bezeichnet, in- 
dem ulahe die descendenten, maleiahe und märtämähe die 
lebenden und todten ascendenten umfasst. 

3) ulahe, etwa 7 mal vorkommend, ist gen. plur. von ml. 
rda „nachkomme, sprössling", das noch etwa 12 mal in ver- 
schiedenen casus begegnet; ein wb. collectiv rdeia „nachkommen- 
schaft" ist im acc. sg. tdeio St. X. W. 59 erhalten. Die idgrm. 
Wurzel ula (oder via) „sprossen, wachsen, zeugen" steckt auch 
in den gr. Wörtern ßla-ozog „spross, abkömmhng"; ßla-OTr] 
„Ursprung, gehurt"; sßlaazsv ^^v/nchs heran"; ßlio-d-gog „hoch- 
gewachsen", die alle auf eine erweiterte wurzelform ulacf, stark 



324 W. Deecke 

ulöcC, zurückgehn; s. noch ind. var(f „wachsen machen, ver- 
mehren"; auch intr. „wachsen, sich vermehren*'. 

a) St. X. N. 7: öte : ulahebeiähe = „avvl tiov ccTtoyoviov 
TÖiv kavTOv (eig. fwv)"; s. 2, b. 

Es ist, nach ausweis der andern stellen^ die krasis aufzu- 
lösen in: ulahe : äbeiühe; s. über letzteres wort unten CI, n. 8. 

b) Lim. 5, 2 — 3 : mä ttläete pova : aetüta : ammüma : uäbä- 
leia : öne : ulahe : äbeiahe : — „der möge bezahlen (als) strafe 
eintausend drachmen mit seinen descendenten". 

Das demonstrativ mä, vollständiger mm, entspricht sehr 
häufig dem relativ sä, resp. säe; letzteres ist verwandt mit ind. 
-ca, cid; bactr. -ca, ci- u. s. w.; ersteres mit gr. (.iriv, fiiv^ fia^ 
filv; lat. met; etr. mi u. s. w. 

ttläete steht neben ttlede (5 mal), wie tobäete (etwa 6mal) 
neben tobede Lim. 5, 3; s. auch komäzäete (4 mal) neben homa- 
zate Sur. 6. Während nun letztere form 3 sg. praes. ind. ist 
(s. über peiäte , pri^navate in der einleitung) , die formen auf 
-ede aber, wie die parallelen auf -ade, -äde in den bilinguen 
zeigen, 3 sg. conj. sind, müssen die formen auf -äete 3 sg. opt. 
praes. oder aor. sein, und zwar würde dem ttläete ein gr. 
*tXcuTL ZU einer 1 sg. *i;Xai^i entsprechen; s. gr. -aLf.u, -oifXL 
u. s. w. Der stamm ttla-, — gr, tkä-, geht zurück auf tel- 
= gr. Tel-, schwach tI-, tüX- „heben, wägen, zahlen"; s. zs- 
Isiv, tdlavTOv. Die Verdopplung des t vor / zeigt auch hrottla 
Lim. 36, 3; sie kommt auch nach ? vor z. b. in y^täxottte Sur. 5 
und findet sich ebenso vor und nach r und sonst oft. Der 
umlaut des a zu. ä ist vielleicht durch das folgende e (= i) 
veranlasst; der conjunctiv ttlede ist gesetzmässig aus ttla-ede 
contrahiert; die erweichung des t zu <^ in der 3 sg. conj. ist 
schwer zu erklären, aber auch in der 3 sg. conj. med. auf 
-adö nachzuweisen. 

pova ist acc. sg. fem., wie xopa, aravazeia, lada, zu gleich- 
lautendem nominativ, abgeleitet von der wurzel pu ,, reinigen"; 
s. die einleitung, und vgl. zur form: ind. pavä „flamme", zur 
bedeutung: pävana-m ,, sühne, busse"; gr. ttolvi] ~ TtoftvTJ. 

aetüta : ammüma : uähäleia sind acc. pl. neutr. , und zwar 
ist das erste wort ein zahlwort, wie kbesntüta in Lim. 13, 3: 
mä ttlede : kbesy^tüta : ümmüma (überliefert -fas statt -ta ;); ebdt 
4: sä ttlede : . . . ümmüma : kbesytüta; und noyiüta in Lim. 36, 3: 
mä ttlede : öne ulahe : äbe0he noißüta ; . . . (s. unten d). Zu- 



Lykische Studien. II. 325 

gleich ergiebt sich hieraus, dass das wort ammüma, welches 
die münzsorte bezeichnet, identisch ist mit ihnmüma, das auch 
noch Rhod. b, 4 vorkommt. Dieser, im Lykischen nicht seltene 
Wechsel von a und ü (z. b. im acc. sg. der a-stämme) deutet 
auf ursprüngliche anwesenheit eines nasals hin, und da das 
folgende m übergangslaut ist, denke ich an gr. v6fxi,(xa im 
sinne von vo^lainaTa; vgl. noch lat. ml. nummus aus vo- 
inifxog. Wahrscheinlich sind darunter drachmen als die ge- 
wöhnlichste rechnungsmünze zu verstehn. Dann aber muss 
-tüta in den obigen Zahlwörtern — 1000 sein, und dazu 
stimmt denn auch die form, indem tüt-j aus *tühnt-, auf idgr. 
tüsy^t- zurückführt, das in der ableitung tüsy^ti oder tüsontjo- 
auch den slav.-germ. formen zu gründe liegt; s. Kluge, Etym. 
w. d. deutschen spr. p. 341. Nun ergiebt sich ferner leicht, 
dass noy,- = idgrm. neim, ind. navan ist; s. lat. novem, mit 
gleicher verdumpfung des e zu o durch den einfluss des fol- 
genden V, das dann selbst ausfiel, wie in altir. noi. Die regel- 
mässige Vertretung der idgrm. nasalis sonans durch ^ haben 
wir schon in z^wö, xV-^^ '^on wurzel gen, schwach gig,, gehabt 
(s. einleitung u. n. 2), wobei auch sy^ta == Tcmto-m 100 erwähnt 
wurde. Ebenso geht khesn- = 5, auf k^e(n)kv'y zurück; s. zur 
endung ind. pancati, zum anlaut gr. Ttivre, lat. quinque; ebenso 
wie das lykische relativ und indefinitum kbe = gr. 7to-, tt«- 
(für re-), lat. quo-, qtle- ist. Endlich wird lyk. ae- == 1 sein, wohl 
identisch mit iran. ai-va-, ae-va-, so dass es zunächst für *aeve 
steht, mit ausstossung des v, wie in noi^; vgl. noch gr. oifo-; 
auch, entfernter verwandt, europ. oitiö-. Dass auch bei ae- der 
plural -tüta steht, kann aus der uns unbekannten grundbedeu- 
tung des letzteren wertes zu erklären sein; vgl. gr. (xvqlu. Die 
summen von 1000, 5000, 9000 drachmen sind nicht zu hoch, 
da die bussen in den griechisch - kleinasiatischen inschriften 
späterer zeit bis zu 10,000 denaren steigen {örjvccQia fivQia z. b. 
C. I. Gr. 2832; 2834). 

uähäleiß ist attribut zu ammüma und noch nicht deutbar; 
vgl. zur endung: treia = tqIo. Xanth. 8, 2. 

Die Präposition öne oder üne endlich, in derselben Ver- 
bindung noch Lim. 36, 3 und 4, wahrscheinlich auch Lim. 14, 
5 und 6, endlich Antiph. 3, 4, gebraucht, kann nach der letzten 
stelle (s. unten C I, n. 9): 



326 W. Deecke 

c) mänä uastto : üne : ulahe : äheiähe 
„der erlösche mit seinen nachkommen", nur die bedeutung 
„mit, sammt" haben. Vielleicht ist sie verwandt mit gr. 
dial. vv- z. b. pamphyl. vkoyog =^- Gxqarog; kypr. vyysftog = 
avXlaßij; vxrjQa = eTtixsiQcc. Einmal, in der inschrift von 
Sura 4: öne tärä : mlohedazüe = „mit drei bürgern (?)", regiert 
öne den dativ. 

d) Lim. 36, 3 : mä ttlech : öne ulahe : äheiähe tioftüta :'. . . 
= „der bezahle mit seinen nachkommen 9000 (drachmen)". 

e) ebdt 4: sä ttete öne ulahe : äheiähe : rmmazataxd^d-asä : 
ada : „und (er) gab(?) mit seinen nachkommen 8 silberstücke 
und (eine) mine". ^ . , 

Hier könnte^J^^e = mA. doM-u, lat JJ|«^1 sein, wepjäf' wir 
in dieser wurzel verhärtung^*dfes d zu. j,^^ t annehm^Bf^ 'dürfen ; 
wie denn auch lyk. taia'' (s. g.) hierhergehört ;vferner y.ta-ta 
u. s. w. (s. d. einleitung); dann täse, zur erweiterten wurzel 
ind. däg, gr. dwx-; endlich vielleicht lyk. tobäete , tobede; vgl. 
umbr. tuv-, dov-, lat. du-; alles zur idgrm. wurzel dö „geben"; 
während das dt von wurzel /5?'^e „thun" zu d geworden ist; s. in 
der einleitung bei äsädännäva." Wir haben hier also eine art 
lautverschiebung, von der sich auch sonst spuren finden. Ebenso 
ist im Armenischen dö „geben'' zu tä verschoben; d^e „thun" 
zu da. 

ririmazataxd^d-asä ist zu trennen in rmmazata : axd-^d •' sä. 
Dem ersteren worte, einem acc. pl. ntr., analog gebildet ist das., 
4mal als münzname in gleichem casus vorkommende ,oÄ«w;ß^a. / 
Im zweiten theile beider wörter sehe ich das part. pft. pass^ 
ind. hatä-, von han „schlagen", hier in der bedeutung ^^j'JW'ä^t^"; | 
iran. zata- (neben aata-; s. Fick Ety jn. wört . P, 464). lin 
ersten theile von rmfhti^zata steckt iTiiiii ui llfft'tftiiijijxy.. neben- 
form von ind. ?>»rtt-'",,dunkel£iiMHbig", als beiname' des Sil bers; 
im ersten theile vöht^oim-2r^?\dag'Wen idgrm. a^^^so-"^Bl•ennend", 
als beiname des goldes; \ IsiVkaiirim aus *aM!»^m; altprfeiiss. 



acc. sg., ausirn „g^"" ~ " 

Dak lyk. ax^^^a ferner ist ~^ idgr. öPb^^hi), ind. astäu, goth. 
ahtau = 8. Das lyk. x^P" findet sich wiecll^ in säx^d-iina St. 



X. 0, 38 u. 58, und ist aurch aspiration au^^/! entstanden 
s. umgekehrt die erweichun^^n gr. oyäoog u. s. iIl Nur halb 





Lykische Studien. II. 327 

durchgeführt ist die aspiration in extta = "/xTag bil. Antiph. 3; 
s. noch -mad^d^e - ^ -/hütc in ponamad-d^e (einleitung). 

f) Lim. 14, 6: ulahe : äheiähe : py,[frä^ne : tajia : sy^ta : pe- 
dänäzö : 

Davor ergänzt Savelsberg, nach M. Schmidt (II, 89): 

g) Lim. 14, 5: [öne : ula]h[e : äbeähe : py^tfräy^ne] 
sicher falsch; obiges ist zu übersetzen: 

„mit seinen abkömmlingen dem Pntränne zahle er 100?" 

py,träy-ne, auch Lim. 11, 6 und 5, 3 (pin.nträ'Q.ne) in gleicher 
Verbindung gebraucht, ist dat. sg. eines gleichlautenden nomi- 
nativs, der durch die häufige, eig. adjectivische endung -^ne 
abgeleitet ist von p^trä-; es wird einen höheren beamten be- 
zeichnen, wahrscheinlich den in griechischen inschriften oft 
enannten vafxiag; vgl. lat. pendere „zahlen". 
■ f .Tai«? schon oben unter d erwähnt, entspricht vielleicht dem 
sinn^ nach dem gr. (5o**^y^es findet sich auch Kady. 4 mit 
dem object menta „bussen". Oder ist [trjia = Tgict zu lesen? 

Auch STg,iä -=^ 100 - idgr. k\ntö-m, lit. szlmta-s^ altsl. süto-, 
ind. catä-m ist bereits mehrfach erwähnt; schwerlich aber steckt 
es in tosytete ... St. X. S. 7. 

Dass endlich in pedänäzö der name einer münze zu suchen 
ist, scheint zweifellos; das suffix erinnert an die ethnika auf 
-äze, -aze (s. I, C I, hinter n. 17), so dass vielleicht ein stadt- 
name zu gründe liegt; s. noch unter n. 5 keiäzö „chiisch" (acc. 
sg, fem.) und auf münzen von Patara: pttarazö; auch auf einer 
neuen münze vahytäzö; die endung ist unklar: man erwartet 
einen acc. pl. 

4) x^sadrapahe zu %ssadrapa Xanth. 5 c, 1 = aaTQCcrtrjg ; 
s. I, A I, hinter n. 29; nur: 

St. X. 0. 26 — 27 : sä xssadrapahe : tnrimele es-g, : eiü- 

nesy, : sppartaze : atünaz[e] 

„und von den Satrapen den lykischen, ischen, jonischen, 

spartanischen, athenischen ..." 

Dass Sparta und Athen hier auch als persische depen- 

denzen erscheinen, entspricht der orientalischen prahlerei; s. in 

der Inschrift von Bisutun col. I, 15 unter den abhängigen land- 

schaften: Spar da, Junä. Der gen. partitivus erinnert an jjv'q- 




328 W. Deecke 

näzeiähe in der bilinguis von Lewisü (s. d. einleitung). Die 
formen auf -^ scheinen acc. sg. masc. ^^ -iöm. 

5) nauorahe von einem ml. nom. *nauora, wohl entlehnt 
aus dor. * vavogog (eig. vavfogög) , att. vecoQog ' ve(OQio(pvla^ 
(Hesych), aber wohl auch ~ vavaqxog: 

St. X. 0. 14—15: sä nauorahe : po bbe : trosy, : 

„und von schiffsaufsehern (resp. schiffscapitänen oder admi- 

ralen) den " 

Die construction scheint ähnlich wie unter 4: in po.... 
steckt sicher ein ethnikon, vielleicht der name der Phönicier; 
s. pona . . . ebdt 2 ; aber ponäräbä ebdt 36. Auch trosy. scheint 
ein ethnikon. 

Zu vergleichen ist noch: 

St. X. 0. 22 : [ejiüna : treiärö : keiäzö : nauo 

„eine jonische triere von Chios der (?) schiffsaufseher " 

[ejiüna habe ich ergänzt nach eiünü ebdt 20; es ist eine 
kürzere form neben eiünesy, ebdt 27 (s. ob.), wie "loivwg neben 
'Icüviyiog. Der endung nach halte ich es für einen acc. sg. 
fem., wie lada, xopa neben ladü, %op'6; s. unmittelbar neben 
einander iQtata und i^tatü Xanth. 1, 4 u. 5. 

treiärö setzt einen wb. nom. *treiära voraus, entlehnt aus 
gr. SQirJQTjg, dessen -r]g wie das der masculina behandelt wurde 
z. ]^. apolätix^a^^ liTVoklcovLÖrjg bil. von Lewisü; s. noch St. X. 
0. 23 treiärö : väröhä „die triere des Chäröe". 

keiäzö ist also gleichfalls acc. sg. eines femininums *keiäza 
zu ^keiäze, das mit dem bekannten ethnikonsuffix -ze gebildet 
ist, = Xm/og,- vgl. pedänäzö (n. 3, f.), pttarazö (münze, Six 
22, n. 199—200) vahy,täzö u. s. w. 

6) St. X. 0. 53 — 55: tabahaza : komäzeia padrMahe : ary.na : 
tomenäheia : konfl!t99ia,.^ükbeia : komäzeia : ^n*. 

Das hier*^mal vorkommende \f ort komäzeia, auch ebdt 
0. 51, ist em collectives femininum, wie aravazeia, von einem 
ethnikon ^^^of^Jägf^ „ ein woInJsr einer *koma (oder *Ä:omä}"= 
gr. Tiafxr]; es bezSlchnet also llsi^gesammtheit der xwfx^Tai, 
etwa „den gau, die gaugenossenschaft, die gaumann schaff, 
wofür griechisch auch *y.(jDiui]T€ia gesagt werden konnte (wie ^ 
TteveaTeia von n€V€aTT]g gebildet ist); s. noch lyk. komät eja ^ 
ebdt 8, das dem vorausgesetzten gr. * TiwfxrjTela genau enC^poricKt, 
wenn es nicht für komäzeia verhauen oder verlesen ist. Mau 



Lykische Studien. II. 329 

erwartet daher vor diesem worte adjectiva von Ortsnamen, und 
in der that ist tabahaza femininum eines ethnikons *tabahaze, 
von einem Ortsnamen "^tahaha, der dem kar.-gr. Taßai genau 
entspricht, das nach St. Byz. von einem einheimischen worte 
Toißa = nsTQa, dessen plural lyk. eben tabaha lautet (s. oben 
Xy^nahä) herstammt. Ferner ist tomenäheia nom. sg. fem. eines 
von tomenähe =^ Tvfir]va (lyk. flecken bei St. Byz.) abgeleiteten 
adjectivs. Dies tomenähe findet sich, wie hier tomenäheia komä- 
ze%a, unmittelbar hinter ary,na =-^ ^!AQvct, dem einheimischen 
namen von Xanthos, auch St. X. 0. 49; ferner ebdt 40 in 
einer aufzählung von Ortschaften und personen, die zu einem 

denkmal beigesteuert haben. Verstümmelt ist tome St. X. 

S. 17; to 0. 6. Das ebdt N. 55 vorkommende tomenüse ist 

wohl aus *tomeuähe-se contrahiei;;t, s. I, C I, unter n. 10. Der 
stamm liegt in/kar. tvfivia == qäßdbc vor, woher auch der karische 
Stadtname Tvjivi]o(a)og. Endlich xükbeia ist adjectiv von %ükbe 
St. X. 0. 7 u. 49 , an ersterer stelle in Verbindung mit to . .. 
und komäteia, an letzterer mit ary^na und tomenähe erwähnt; 
die entsprechende griechische namensform kann ich noch nicht 
nachweisen; allenfalls könnte es auch personenname sein. 

padrßime ist gen. pl. eines ml. Substantivs ^padfeia, wohl 
mit SjCvelsberg (II, 131 note) =^ ind. padrßiu-s ,^ussgän^er" 
zu deuten, so dass die ganze stelle zu übersetzen ist; 

„die gaumannschaft der fusstruppen von Tabai, (die stadt) 
Xanthos, die gaumannschaft von Tymena, die gaumann- 
schaft von Chükbe". 
Einen andern casus zeigt die stelle: 
St. X. S. 31 — 33: äsbäde : hömänäde : trmmel[evä]de : sä mä- 
däzäde : padrütahäde : huudaefiädje : sä mrbbönäde : 
Hier liegt in padrütahäde neben obigem padretahe, wie 
bisweilen auch sonst, ein Wechsel von e und ü vor, vermittelt 
durch ä (s. unten!), erleichtert durch die schwachtonigkeit der 
silbe; vgl. den lateinischen Wechsel von e (resp. i) und o (resp. 
u) in unbetonten suffixsilben. Das wort steht hier im gegen- 
satz zu äshcide, von *ääM, worin man leicht eine ableitung 
von *äsba ~ idgr. elcvo-, md. UQva-, iran. agpa-, asj?« -. „pferd" 
erkennt, etwa =^ ind. agvja-s, bactr. agpjd-, gr. iTtTtiog, also 
„reiter". Der casus ist ein locativ, etwa in der bedeutung 
„zu" : er ist bei padrütahäde vom nom. pl. *padrütaha gebildet, 
wie z. b. gr. dial. q)vXdycaooiv vom nom. (pvXayisg, neben q)v- 

Beiträge z. künde d. indg. sprachen. Xll. 22 



330 W. Deecke 

Xa^LV. Ich üj)ertrage demnach, indem ich noch hömänä = 
abctr. hummanh, ind. sumanas, gr. euf^e-Pea- „gutdenkend, 
befreundet" ansetze: 

„zu den befreundeten lykischen und medischen reitern, den 
fusssoldaten von Hyde und Mrbba(?)". 

*mädäze ist wieder mit dem ethnikonsuffix -ze abgeleitet; 
eine form ma[däze] vermuthe ich Xanth. 5 c, 2; s. dor. u. 
kypr. Mäöot, = Mfjdoi. In *huudaeia könnte man ein vom 
einheimischen namen der karischen stadt "Ydrj abgeleitetes 
adjectiv, gr. '^Ydalog, sehn, oder ist an altpers. nuagija- „susia- 
nisch" zu denken? Die stadt Mrbha(?), von der das adjectiv 
mrhhöne abgeleitet ist, kann ich in ihrer griechischen form 
noch nicht nachweisen; sä mrbhönäde steht auch St. X. 0. 5. 

Ein andrer casus desselben Substantivs *padreta liegt viel- 
leicht vor in: 

St. X. N. 51 : tovepünä padrätä : xäreua : 
Hier haben wir in der mittelsilbe den oben vorausgesetzten 
mittellaut ä. In tovepänä scheint das zahlwort tov- = 2 ent- 
halten; xäreua ist name eines lykischen fürsten; s. I, A II, n. 1. 

Zweifelhafter ist, ob pedreföne N. 57 — 58 hierhergehört; 
auch Savelsberg's ergänzung (II, 130): 

St. X. S. 28 — 29: äsä : przzä .? . [padrjätähe : axü 
ist wegen des -ähe statt -ahe bedenklich; doch s. oben x'gtava- 
tähe neben -ahe, unten maleiähe neben maleiahe. Ich möchte 
dann allerdings anxch przzäfhej ergänzen und übersetzen: „und 
den obersten der persischen fusstruppen" ; vgl. unten C I, 
n. 6, a: axütata. 

7) St. X. 0. 52—53: truu'g,te : pddütahe : uy^nukba : x^ssöne: 
ähbe : 

Dieser passus geht der unter n. 6 zuerst citierten stelle 
unmittelbar vorher, und pddütahe scheint analog mit padretahe 
gebraucht zu sein; doch kann ich den sinn der stelle noch 
nicht enträthseln. Zu pddütahe gehört -wohl pddüte St. X. N. 5; 

pddiit 0. 1 (überliefert t statt t), das , da es nach öte = 

avTL steht, wahrscheinlich auch zu 2^ddüt[aheJ zu ergänzen ist. 
Das wort scheint die präposition pddö oder pddü zu enthalten, 
die vielleicht mit äol. Tiida verwandt ist; s. pddöxy^ta I, A I, 
hinter n. 29. 

8) Sura 5: mäae : y^täxoltte : hr^mü : p^tbahe :nfänö x^'ove: 
mädätävo 



Lykische Studien. II. 331 

Noch im wesentlichen unverständlich: mäae scheint neben- 
form von mäe, mä „dieser, der"; ^taxoUte ist 3 sg. eines mit 
^^ „hmam" zusammengesetzten verbs; hrmmü ist object, acc. 
sg. von *hrmma; es steht auch z. 4, und, wie hier mit dem 
gen. pl. pitbahe, dort mit atlahe (s. unten II, c); ferner Rhod. 
b, 8. Wegen py.trä^ne wird man versucht, pntrahe zu ver- 
muthen, doch lässt sich dies nicht weiter bestätigen. 

9) St. X. 0. 9 : ... äde pzzedäzäs : admmahe : to ... 
Noch undeutbar: s. ebdt z. 6: [ajdnmiüde : 

10) St. X. 47—48: mäemöadrodä : mahüe : säddä : aha- 
taha . ? . önö : ulabe : ähäfähe : sä mahüna : ähätä .... 

Der nom. pl. ahataha (s. ob. XQ'^^^^^) zeigt, dass auch ähä- 
tahe auf einen nom. sg. ahäiä = ahata zurückzuführen ist; 
s. xntavatähe neben -ahe und xQtävätätä . . . Pin. 2, 2. Ursache 
und regel dieses umlauts, der an die vocalharmonie der tura- 
nischen sprachen erinnert, sind noch unklar. Zu vergleichen 

ist noch Lim. 43, 1 ühätö Eine deutung wage ich auch 

hier nicht. 

IL Feminina. 
Mit Sicherheit kann ich hierher nur atlahe von oÜa „seele, 
selbst, person" rechnen; s. I, A II, n. 9. Es findet sich an 
folgenden stellen : 

a) Xanth. 1, 6—7: sä peiäto ötre : igiatü : pri/näze : atlahe : 
„und er bestimmte das untere gemach für einen hausgenossen 

ihrer selbst". 
Der plural atlahe geht auf den Stifter des grabes ahuuade 
und seine gattin hmprüma. 

b) Lim. 4, 3 — 4: Td)e : tekä : tey.täpetade : atlahe : tehä : khex- 
ähe : tebätä : alahadete : mänä : = „wer etwa jemand hinein- 
thun sollte von den eigenen personen oder von irgendwelchen 
(sc. andern) oder irgendwie beschädigen sollte etwas, der " 

]cbe = idgrm. kvö- (oder kuö, kvö), schwach kve, ist relativ 
und indefinitpronomen , letzteres hier im gen. pl. kbeiähe, der 
wie ähbeiähe, priß-näzeiähe gebildet ist, s. unten C I, n. 10. — 
tekä ist = gr. av, xfi(j'), vielleicht aus te = tl und kä ^^ xc 
zusammengesetzt; das folgende te = tivd ist proklitisches object 
zu y-tapetade ^^^ aiq-KOfxiar^; s. I, C I, hinter n. 6. — tebä ist 
„oder", vielleicht contrahiert aus te öÄä „etwa dies" oder „was 
"dies?"; in tebä-tä ist ihm enklitisches ^ä angehängt, eine casus- 
^ — - ■• 22* 



332 W. Deecke 

form von te, wohl adverbialbestimmung zum verb dlahade, das 
wieder te = tl als enklitiscben objectsaccusativ nach sich hat; 
8. I, C I, n. 2. 

c) Sura 4: hrmmü : eiasä : atlahe 

Es ist bereits oben erwähnt worden (n. 8), dass atlahe hier 
von hrmmü abhängt, dessen bedeutung aber, ebenso wie diejenige 
von eiasä, noch dunkel ist. 

Die herstellung von atlahe Kady. 3 durch Savelsberg 
II, 14 ist sehr unsicher. 

III. Neutra. 

Xanth. 8, 2: treia trbbahe : pnnotahe : ohahe 
Hier hängen die 3 genitive von treta = gr. Tgla ab, das 
erläuternde apposition zu dem vom verb pry,navatö == sttoi- 
rjaaro abhängigen object äböy,nö : prnnavü : möte := trjv oUiav 
Tavrrjv ist. Danach müssen die betreffenden Wörter theile des 
grabes bezeichnen. Sie brauchen zwar keineswegs alle neutra 
zu sein, es spricht aber nichts dagegen. 

1) trbb-, vielleicl^t consonantischer stamm, kommt in ver- 
schiedenen casus nocfl^ etwa 5 mal vor; ich habe es bereits 
I, GL n. 4 als „bau, o^, stadt" gedeutet, und an altital. treb- , 
(Bücheier L. i. XX VII^ erinnert; s. noch ^ osk.trtbarakavum 
„bauen". Hier muss es eVen baulichen tMl des grabes be- 
zeichnen, etwa „Camera, ^ceila, elgcüaTrj(gy\ Eine abgeleitete 
verbalform schein^ ^r&^ä^ö /„er^baute , befestigte" St. X. S. 49; 
ebenso ist das al%ekürzjie ttWHd : vor ämö ebdt N. 10 , viel- 
leicht zu| trbbäetfej „er möge mmen'| zu ergänzen. Mit dem 
folgenden \erbum verschmolzen isrkd^ acc. sg. des Substantivs 
in trbb-alahate (Lim. 8, 2) -^^ „soUt^er die cella beschädigen". 
Der ml. eigeima,me.^-bböne7ne (I, C J^n. 4) könnte einem gr. 
Öi-Kov6(j.og entsprecheiiu Unklar ist t^önetenä St. X. W. 64; 
doch s. auf griechischen münzen das Vßthnikon TqeßavvaTwv^ 
von der stadt Tqeßevdai. \ 

2) pnnota kommt sonst nicht vor; nicht sicher schien 
der genitiv eines ml. eigennamens pnnotäh Pin. 3, 2 (s. I, B I, 
n. 7), doch wird er von Benndorf p. 55, n. 21 bestätigt. 

3) ohahe begegnet noch einmal Xanth. 5 b, 9, in undeut- 
licher construction, aber in Verbindung mit aravazeia und prig.- 
nava, so dass es auch dort einen theil oder ausrüstungsgegen- 




Lykischo studien. II. 333 

stand des grabes bezeichnen muss: s. in griechischen inschriften 

die Y.Xivai, (lecti), rtvalideg (arcae), ivaoQia u. vTtoaoQia^ ßw/nol 

u. 8. w. Vielleicht entspricht es letzterem und gehört zur 

Wurzel a?^\,,leuchrej^ brennen"; s. ohac^atu „goldstück". 

B. Stämme auf -ä. 
I. Masculina. 
Nur wenig sichere, wegen der mengung mit den stammen 
auf -e, z. th. auch denen auf -a: 

1) Lim. 32, 1: przzede axüte äsbähe — „persischer reiter- 
oberst". 

przzede ist eine adjectivische Weiterbildung von par(z)a, 
przza „der perser"; s. I, A I, hinter n. 7 u. C I, hinter n. 18, 
und vgl. texzzede St. X. 0. 40, dessen stamm an die kyprische 
Stadt Teyi]oo6g oder Teyiooog efinnert (s. ebdt). 

aJ^S^ jjjder oberste" ist ver\Vs^t mit ay^il (s. -A^I, n. 6) 
un(J axüta^tKls. C I, n. 6 a); vgl. badh'^>«4s«Ä;M- ,,spitze**K[at. 
wb. acu-s^ aciMi^gr. ay.-Qog u. s. w. *"*"^ "^^ ^ 
'*"'^*"'asSi^ ist gen.'^pl. iion *äs&ä „der reifeer", von^^&a f= 
iran. aspa^'JS^pa-, ind. api'^^u idgr. eJcvÖ- „pferd"; s. den jRj^jativ 
äsbäde St. X?^. 31 (unter A*%n. 6). ^ 

Herzustellen ist vielleicht auch: 
Myr. 8, 2: mahanahede axüte [äsjbfäjhe. 
Das erste wort, gleicher endung wie przzede, wird wieder ein 
ethnikon sein; s. z. b. Maioviog. 

Nicht klar ist das vielleicht mit äsbä verwandte äsbötä 
St. X. N. 10. ^ 

2) St. X. N. 8: märtmryme r=: ^^ted^vswTtov , mortuorup** 
(s. A I, n. 2, b), wohl eh^ von einem nom. ^märtämäyaXs 
*märtäme, der vocalhal^monie wegen. Derselbe ist diu?^ ein 
Suffix -mä oder -ä)w/ji^'abgeleitet von martte „vengog, v^g", das 
im gleichlautend§Bf' acc. sg. 3mal vorkommt (Lim. J<^ 4; 14, 4 
u. 5) und wesentlich identisch ist mit ind. 7nrt(iY „todt"; vgl. 
altpers. martija-, ind. mdrtja-s „sterblich; menssfi"; auch bactr. 
mareta-ymdi. märta-s, gr. ßqoto-g u. s. y^y Zum suffix vgl. 
noch '|r. -ifiog z. b. in vooTii-iog, TCOTiuog, d-avctaii-iog u. s. w. 

3) St. X. 0. 8 : '^tärävätähe : Iwmäteia 

„die gaumannschaft der Däräväter"; s. ühQX komäteia AI, n. 6. 
Das nt- im anlaut habe ich durch d wiedergegeben, nach i^ta- 



334 W. Deecke 

reiäosähä ^^ Jagslov; s. I, C I, n. 12. Ich denke an einen 
Ortsnamen, wie das lykaonische Jigßt). 

» II. ^eminina. 
Nur äpttahe von apttä „selbst"; s. I, B II, n. 1. 

a) Xanth. 4, 6; äsädännäve : äpttähe : =^ „tfj iytyovia rfj 

b) Lim. 23, 1: hrppe atle äpttä sänonättäpttäke (über- 
liefert ö sta$t h) = „für die eigene person und für ihre eigenen 
nachkommen (?) ". 

Hier ist äpitüfie „kavtwv"-, das auf den erbauer des grabes 
ärömänöne und seine '^attin 'ItK'iickgeht, klar; unklar istäpUä,' 
das dat. sg. zu sein scheint, als apposition zu atle, sich dann 
aber nur auf den mann allein beziehen würde. Ebenso zweifel- 
haft ist form und bedeutung des vor äpttäke stehenden wortes, 
vielleicht nonättä (oder onättä'f; s. C I, n. 1, b), möglicherweise 
verwandt mit äpy,n-öne „enkel"; doch bleiben eine reihe von 
Schwierigkeiten übrig. 

c) Lim. 9, 1 : [xopa : äjbähe : möteseiöne : tälä : sä lada : 
sä tedäeme : ähbe : ü : sladüe : ähttähe = „dies grab hier hat 
angelegt Täla und frau und sein söhn für 5? ihrer selbst". 

seßne, auch Lim. 8, 1 u. 13, 5, scheint eine 3 sg. prä- 
teriti, wie ttete (Lim. 36, 4), doch ohne reduplication, vielleicht 
verwandt mit ind. ge-, bactr. cai-, gr. x€t- „liegen, legen", das 
gleichfalls die reduplication meidet; unklar bleibt das w; ebenso 
sladüe; s. sladepä St. X. W. 63. Vielleicht gehört es zxim^ 




a"; s. I, A II, hinter n. 9. 



C. Stämme auf -6. 

I. Masculina. 

Sie zerfallen nach der bildung des genitivs pl. in 2 gruppen : 
solche die auf -ähe, und solche die, mit einschub eines i, 
auf -eiähe ausgehn. Zur ersten gruppe gehören: 

1) öndhe von *ö«e „kind, sohn'S erhalten im dat. sg. 
sä-i-öne : ähbe (Myr. 2, 2) :=:^ „und seinem kinde" ; abgekürzt 
im acc. sg. hrexnimü : sä : ön (Myr. 6, 2) ^^ „den Hrechma 
und söhn": 

a) Myr. 5, 2 — 3: mäe ^täpetas^e önähe : hbefiähe : äsjä- 
dä^nävö = „hierin soll man begraben seiner kinder nach- 
koramenschaft". 



Lykische Studien. II. 335 

Die verbalform y,täpetasy,te ist 3 pl. auf nte = y,ti, vielleicht 
praesentis; gewöhnlich steht in dieser construction y-täpetüte 
oder y-fapetöte, wahrscheinlich 3 pl. auf -üte = -ovrt, Da 
das lyk. s auf ein afficiertes k zurückgeht, so liegt wohl eine 
Wurzel lyk. tos, aus tak'' = dök', als nebenform von ta = dö, 
vor; s. A I, n. 3, e. 

äsädännävö ist regelmässiger acc. sg. von äsädäy-näva, s. die 
einleitung. 

b) St. X. S. 24: tä xesstä : önähe : sä xig,nahe ... = „ . .^ . 
der kinder und geborenen", lat. „liberorum et natorum". Die 
stelle ist schon unter A I, n. 1, d besprochen worden. — 
Kaum abzuweisen ist eine etymologische Verbindung v(Wt-4Me 
„loB^^ mit rt£^?»Äw^,enE^^ das in mehreren casus 3 mal 

vorkommt und wieder mit dem oben betrachteten nonättä ver- 
wandt scheint (s. B II, b). Jedenfalls muss äj)y.n -öne getheilt 
werden, und öp^, mit gleitlaut äpy,7i, ist eine, auch sonst vor- 
kommende Präposition, verwandt mit dem gr. STti, ind. dpi, 
bactr. aipi. --,..«.^. - 

^"■"""■ÄnS" " den übrigen idgrm. sprachen klingt nur an altsl. 
vünukü__^^enke\" ; ahd. eninchilin, wenn diese formen nicht als 
"deminutiva zu "ahd. aw3''7!^TI**""gehören. Im vocal noch weiter 
ab liegt gr. Ing, ^"u. ^, jefzräuch auf kyprischen inschriften 
nachgewiesen. 

Zweifelhaft ist die Zerlegung von pddönähmme Lim. 8, 1 ; 
gegen pddö önähe irime spricht, dass pddö sonst nicht den 
genitiv regiert; auch ist der Zusammenhang unklar. 

2) vädrönnähe, neben maletahe Rhod. a 3 (s. unten n. 6 a), 
ist gen. pl. von vädröy.ne, das im gleichlautenden dativ ebdt b 4 
vorkommt, wahrscheinlich nach zu ergänzendem [inalej; s. ebdt 
b 7, mit dem häufigen Wechsel von ö und ä, male : vädräy,ne, 
ebenfalls dat. sg. — Das wort ist durch das häufige suffix -y-ne 
abgeleitet von vädre, das neben väh'g-täze als nom. sg. masc. in 
der bilinguis Antiph. 3, 4 vorkommt; s. auch vädrä St. X. 
0. 30; vaoadra ebdt S. 27. Zusammengesetzt mit vädre ist 
hovädre, das im gleichlautenden dativ neben etlähe und mühüe 
(möhöe) 6 mal sich findet; vielleicht auch säbovädre St. X. 
W. 54; 8. noch trimez kekekete : sähovädrez Antiph. 1, 5; 
[trjuuez säbovädrez St. X. W. 14, wie ähnlich hovädre sä trimas 
Myr. 4, 5—6. Aus der Verwendung und dem Zusammenhang 
geht klar hervor, dass vädre ein appellatives nomen ist, ver- 



336 W. Deecke 

muthlich „löblich , rühmenswerth" , vielleicht substantiviert 
„adliges geschlecht, adel", zur wurzel uad „reden, singen, 
preisen" ; dieselbe bedeutung hat dann verstärkt ho-vädr^ worin 
ho- = ind. SM; iran. hu- ist (s. ho-maleia unter n. 6; hö-t 
A I, n. 6); noch nicht deuten kann ich säbovädre; dagegen 
ist vädrö'^ne wohl „von löblicher d. i. edler abkunft, vornehm". 
In griechischen Inschriften findet sich als beiwort der yeQovTeg 
z. b. GBfxvoi, 

3) xhedÖT^nähe, neben yrn,tavatahe St. X. N. 8 — 9 (s. A I, 
n. 2, b), von '^xhedönne „königlich", zu yjbedä „könig" St. X. 
N. 6; 2 (mit dem zusatze parzza „persisch"); 47; S. 46 = 
altpers. UsajaCija-; vgl. zum anlaut lyk. y!ba(h) = bactr. Usvas 
= 6; ein labiallaut findet sich bei derselben wurzel auch in 
hebr. ^aUsverös = altpers. Tcsiärsä- = Xerxes d. i. „königs- 
weiser", entwickelt; s. I, B I, hinter n. 12. 

4) toborähe in: 

St. X. 0. 15 : sä toborähe : stt 

Das wort scheint analog gebraucht mit dem in z. 14 vorkom- 
menden sä nauorahe (s. A I, n. 5); leider ist die zeile vorn 
und hinten verstümmelt. Ein nom. *tobore wird wahrschein- 
lich durch die 3 mal vorkommende form toborez. Savelsberg 
(II, 214) denkt an einen Ortsnamen, wegen der mythischen 
lykischen Tovßegig, der Schwester der Tigf-iegig und mit ihr 
mutter der ''Ykaf.ioi, (St. Byz.). Ist es ein stadtname im plural, 
wie tabaha, so könnte man sttfrataxcij = argaTr^yog ergänzen; 
8. z. 18 arovüteiäse : sUratfaxaJ. 

Der zweiten gruppe gehören an: 

5) pry^näzetähe von prnnäze „olaslog"; s. die einleitung. 

6) maleißhe, auch maleiähe, von male „y^'^wv", /erhalten 
im gleichlautenden dativ sg. Rhod. b, T; wahrscbeinliteh herzu- 
stellen ebdt 3 (vor vädröy.ne; s. n. 2); vgl. I, C I, hinter n. 6. 
Dort ist auch die Zusammensetzung ^homäle erwähnt (wie 
hovädre gebildet), im dat. pl. ho-mäleiä Myr. 1, 2 „bene adultis 
(sc. filiis)". 

a) Rhod. a 2 — 3: maleiahe vädröy^nähe axütata = „Ttuv 
yeQOvtüJv tüiv aefj-vMv 6 vijjiaTog^K 

Ueber vädröy,nähe s. n. 2; über axü AI, n. 6; axüie C I, 
n. 6a; hier haben wir einen Superlativ auf -lata = gr. -zarog. 

b) St. X. N. 4—5: sä otüna : sttate : öte : maleiahe : = 



Lykische Studien. II. 337 

„xat 'Oidvris iaTr]ai ar^lrjv ccvtI twv yeQovtoyv*'; die Wörter 
sind alle schon erklärt; s. über otüna I, A I, hinter n. 29. 

c) sä maleiahe ~ „xot zwv ysQovTcüv^* in der stelle St. X. 

N. 6 — 8; s. A I, n.' 2'bT"~"-"'**'"**wr«' - . ..-• -..-.t. 

d) St. X. S. 38—39: nälädä : hütahä : pttara : male^he : 
hütahä : xhanä. 

Der Zusammenhang ist hier noch unklar: jpttara scheint 
der name der stadt „Patara" zu sein; s. auf münzen pUarazö 
(I, A II, hinter n. 8): "^ , 

7) täldai0ähe von t(Mze^ „conres" (dies scheint mir jetzt 
wahrscheinlichör, als ,^m|fes"), dal Xanth. 5 b, 3 im nom., 
5c, 2 nach pddö im dat. ^er acclsg. vorkommt; s. I, C I, 
hinter n. 17. Ein davon abgeleitetes collectives femininum 
*talözeia begegnet im acc. sg. tat^j^iö „cohortem" Lim. 16 b, 4. 
Die Wurzel ist vielleicht dieselbe wieim gr. to tiXog „abthei- 
lung, schaar" und das suffix -ze das gleiche wie bei den 
ethnicis. 

a) St. X. N. 12: sävärei . . amüna tälözeiähe : ulü . . . Der 
anfang ist unklar; der schluss heisst „comitum prolem"; s. 
A I, n. 3. 

b) ebdt 0. 13: .... [täjlözeiähe : idaöäsä : tral ... Im 
anfang verstümmelt; ebenso am schluss. Ist ulaö abzutrennen, 
so ist dies vielleicht eine vollere nebenform für ulü oder ylö, 
und auch hier zu übersetzen: „comitum prolem". 

8) ahheiahe, auch hbeiähe, vom nom. ähbe „suus, sua, 
suum"; 8. I, C II, n. 1. Die einzelnen stellen sind schon oben 
betrachtet: 

a) Xanth. 4, 3 — 4: hrppe äsädäy^näve : xi^nahe ähbeähe — 
„tTtig Trjg Eiiyoviag toiv anoyoviav tiov savrov"; s. die ein- 
leitung und A I, n. 1, a. 

b) Xanth. 6, 2 — 3: [hrppe ]säsädäy,näve : x[v,nahe : 

ähheiähe; s. ebdt 1, b. 

c) Lim. 10, 2 — 4 : hrppe [sä : äsäjdäy.nä[ve : %ig.ndhe : 

ähbjei[äh]e; s. ebdt 1, c. 

d) Myr. 5, 2 — 3: . . . önähe : hbe[iähe : äsjädä'^nävö = „twv 
Texviov twv kavTOv rrjv ixyoviav^^; s. C I, n. 1, a. 

Erhalten sind folgende casus: 
Sg. nom. ähbe ml. u. wb. 
„ dat. ähbe, hbe, ml. u. wb. 



338 W. Deecke 

Sg. acc. ähbe, ml, u. wb. 
PI. gen. ähbeähe, hheiähe, ml. 

„ dat. ähbeiä, ähbeä, ml. u. wb. 

„ acc. ähbes (Lim. 4, 2; 5, 2), ml. 

Locativ ähbeßde St. X. S. 41; herzustellen S. 36—37, beide- 
mal bei ezräde. 
Verstümmelt ist ähhei... St. X. S. 21. 

9) äbeiähe, auch äbeähe, kaum von ahbeiähe unterschieden, 
doch nur in Verbindung mit idahe vorkommend (s. A I, n. 3), 
und zwar 7 mal, einmal mit krasis ulahebetähe = „rwy a/ro- 
yoviov twv eavTov oder savtcöv''. 

In der bilinguis von Antiph. 3, 4 u. 7: 
mänä uastto : üne : ulahe : äbeiähe : sä vädre : vähyiäze 

entsprechen sich der lykische und griechische text nur sehr 
ungenau; ersterer bedeutet vielmehr: 

oi/TOg enivQiTtxog (ßi'rj) fisrä twv ctTtoyovwv twv savrov (eig. 
ediv) xat tö yivog (ccvtov) to iv l4iijLq)äXX(fi^ 

uastto ist 3 sg. imper. eines verbums 1^ .,j,,erlo§fefe^g" = 
ind. yasj verwandt mit lat. vastus, germ. ivüst, eig. „verheeH, 
verdorben". Eine verwandte form nasttä findet sich St. X. 
S. 42. Das letzte wort der obigen Inschrift vähntäze ist durcb- 
das häufige suffix -ze abgeleitet von vähyiä, das sich auf einer 
münze des ^ä^'^w« findet (s. I, A II, n. 1) und vielleicht eine 
Stadt oder landschaft bezeichnet, so dass vähy-fäze ein ethni- 
kon wärei). 

Im Singular findet sich ula : übe 4 mal getrennt; 2 mal 
mit krasis: uläbe (Lim. 13, 3) und tdabe (St. X. 0. 48), einmal 
mit einschub und apocope ula-i-äb (Lira. 11, 6). 

10) kbeiähe, vom relativ und indefinitum kbe = idgr. kvö-, 
schwach kve-: 

a) Lim. 4, 3 : kbe : tekä : te rjiäpetade : atlahe : tebä : kbe- 
0he = „Off aV tLva sio^o/nlarj kavicov t] (aklwv) tivwv^'; 
8. A II, b. 

b) Rhod. b, 1—3: kbe : tekä x^-ibade öte p kbe- 

iähe : tekä = „hg av? avrl Tiväiv av 

Der genaue sinn des satzes ist noch nicht festzustellen. 

*) Eine neue münze, deren mitth eilung ich Six verdanke, mit dem 
ethnikon vahntäzö zeigt, dass vahnta oder vähntä wirklich ein stadtname 
war, und nach obiger inschrift kann es nur Antiphellus gewesen sein. 



Lykische Studien. II. 339 

kbe kommt etwa 9 mal vor; acc. pl. schemi kbeßhes Xanth. 
4, 5, vom nom. pl. gebildet, wie padrütahäde (s. A I, n. 6), 
und mit einschub eines i, wie im genitiv hbeiähe; doch s. ähbes. 
Unklar, ja von zweifelhafter Zugehörigkeit, sind kheho St. X. 
0. 6—7 (3 mal) und hbeiöte ebdt N. 4. 

II. 

Feminina sind nicht mit Sicherheit nachzuweisen; ein 
neutrum dagegen scheint: 

mey.tähe von meiQ.te „busse, Strafgeld", das in verschiedenen 
casus etwa 16 mal vorkommt: 

a) Lim. 8, 1 : abähe : xopa : mäeie seiöne : sbeqaza : d^ortta : 
mei^tähe : pddönähmme : = „dies grab hier hat angelegt Sbeqaza, 
die wittwe(?), von den Strafgeldern?" 

Manches ist unsicher; über seiöne s. B II, c. 

b) Antiph. 3 b, 4 — 5 : Tizäfnä : etlähe : tobäete : trmmjele sä 
h[oväd]r[e] sä möhöfe :] meyiähe = „der möge bezahlen dem 
lykischen und hochedlen volke und dem rathe bussen". 

etlähe ist dat. sg. vom gleichlautenden nominativ, vielleicht 
verwandt mit gr. ed^vog; tnöhöe oder mühüe ist gleichfalls dat. 
sg. und nur unsicher deutbar: es kann auf eine wurzel inans, 
Weiterbildung von man „denken'*, zurückgehn. Der gen. meij,tähe 
ist partitiv zu fassen; vielleicht fehlt übrigens der schluss. 



Dass nicht alle formen auf -ähe gen. pl. sind, zeigt das 
eben erwähnte etlähe = ed^vei; auch hatten wir schon oben 
den Ortsnamen tomenähe = Tvfirjva; vielleicht toborähe; ferner 
I, C I, n. 1 die ml. personennamen täläbähe und märähe. 
Ebenso scheint tobähe St. X. 0. 56 (s. oben d. einleitung) ml. 
Personenname im dat. sg. zu sein, trotz tobä ebdt 0. 19; tobä- 
deläbe ebdt N. 61 — 62. Kein genitiv ist ferner das oben unter 
C II, a erwähnte demonstrativpronomen äbähe, das als acc. sg. 
fem. neben xopa Lim. 8, 1; 9, 1; 17a 2; 36, 2; und neben 
iljiatö Lw. 3 (== gr. to (.ivrjfxa xovto) vorkommt; als dat. sg. 
neben /^>t»»^&^ Rhod. b, 11, welch letzteres wort auch noch 
Suraö als dativ sg., im sinne von gr. xwjhi^, sich findet; s. über 
komäzeia A I, n. 6. Ein ml. eigenname imS^ra. endhch steckt 
vielleicht auch in ooähe (anfang unsicher) Tlos 1, 2. 



340 A. Bezzenberger Etymologien. 

Da lyk. h ursprÜDglicliein s entspricht, so wird dies wort- 
bildungssuffix -ähe etwa gleich einem ind. -asja-, iran. -ahja-, 
sein, während im gen. pl. das casussuffix -he dem ind. -säm, 
gr. -((t)wv, lat. -rum (aus -söm) entspricht, eigentlich prono- 
minalendung, aber in verschiedenen idgrm. sprachen mannigfach 
auf die nomina übertragen. Wegen des e neben dem ö anderer 
sprachen vgl. got. -e z. b, in i-ze, hlindaize ; das m fiel lykisch 
lautgesetzlich ab. 

Nicht sicher zu deuten sind endlich die beiden zweisilbigen 
formen zähe und hähe; erstere findet sich: 

St. X. S. 44: sä vaxssäpddeme : öte : zähe : hbüte : ClI : olä 
u. s. w. 

Hier scheint vaxssäpddeme als ml. eigenname subject; hbüte 
3 ps. eines verbs; fasst man dann öte als die präposition ccvti, 
so könnte zähe gen. pl. eines einsilbigen wortes ze sein, und 
ein solches scheint als acc. sg. im sinne von „iuvrjfia, grab" 
Kady. 1, 1 wirklich vorzukommen; s. noch zene St. X. W. 15; 
zete ebdt 47 u. s. w. — CII : olä wäre dann in obiger stelle 
object. — 

St. X. N. 13: ar'^nas : hähe xt^ta : ärbbäde u. s. w. 

Hier ist die abtrennung unsicher, auch zwischen x ^^^ '& 
eine lücke, die freilich ein steinschade sein kann. Eine deutung 
wage ich nicht. 

Buchsweiler. W. Deecke, 



^ 




Etymologien. 



1) Skr. «^whiJrain. wel^', compar. dävlyas, superl. dämstha 
— asl. c?a^5e*^(^m^7^«^?^^^^^ntiquus' ' . 

2) Skr. valagd „ein in einer höhlung oder grübe verbor- 
genes — , überh. ein verstecktes zaubermittel" — asl. vraziti 
„zaubern", russ. vorozith „wahrsagen, hexen", poln. ivrög „böse 
Vorbedeutung". Die Übersetzung von valagd ist offenbar durch 
die erklärung dieses wortes aus i;a?rf ,jhöhle" -\-ga bestimmt. 

A. Bezzenberger, 



341 



Register. 

i. Sachregister. 



Accent s. betonung. 
Adverbien in lett. dial. 233 ff. 
Assimilation s. vocale. 
Auslaut der Wörter im Lyk. 126. 

152. 
Avesta: alter und heimat des A. 
109 ff. Yasna 30 übersetzt 93 f., 
erklärt 94 ff.; Y. 44, 9 übers. 99 f., 
Y. 44, 20 s. 98, Y. 46, 19 s. 98. 
Betonung: ursprachlicbe b. des 
nom. acc. dual, der masc. o-stämme 
79 n. — Einfluss des gestossenen 
und geschliffenen Ions auf die 
vocalisation (s. vocale) 75 ff. 79. 
— Neugriech.: tonlosigkeit des 
artikels 40; der hochton verhin- 
dert die Veränderung des vocals 
soff. 60. 64; grössere entfernung 
des hochtons befördert den abfall 
68 f. ; Verhältnis zwischen ß-pro- 
these und tonstelle 40. 69 ff.; 
durch accentveränderung können 
durch prothese und vocalentfal- 
tung aufgekommene vocale den 
ton erhalten 62. — Bet. verneinter 
imperative in lett. dial. 218 f. n. 
Chronologie der lautgesetze im 

Italischen 86. 
Composition: substantivcomposita 
mit wechselnder endung und be- 
deutung in lett. dial. 230 f. 
Conjugation: k stammbildungs- 
suffix ursprl. im aorist vocalisch 
auslautender wurzeln 84 n. — Inf. 
auf -Im im Avesta 160 f. — Er- 
klärung lykischer verbalformen 
134. 324. — Z;-perfect im Grie- 
chischen 84 n. — Lateini- 
sches praeteritum mit h 91 f., 
mit SS 82 f. — Oskisches prae- 
teritum mit tt und t 80 ff., mit^ 
und / 89 ff. ; das u in o s k, und 
umbr. praeteritis 92. 
Consonanten; ein \or t, th, d, dh 
stehendes t, d wurde schon ur- 
sprachlich assibiliert (p, <f), ita- 
lisch pp (altlat. t) 83. — Lyk. s 
= avest. c, z 129. 320 oder = 
kar.-griech. aa für ns 153; h = 
idg. s 152 f. 320. 340; /ss = 
apers. ÄÄs, gr. ^^ a 128. 129. 134; 



lyk.-griech. m aus hh 131, d = n 
131. 148; anlautendes h aus idg. 
p 149, anl. nt = ii 334, anl. /& 
= apers. khs 140, avest. kh»v 
140. 336; Verhärtung von d zu t 
326; erweichung des zweiten jij in 
der reduplication zu 5 319. 322, 
aspiration von kt zu x^^ 326 f., 
assimiiation von tu zu tt 318, Ver- 
doppelung von t vor und hinter l 
324. — Neugriech.: entwicke- 
lung von Y vor u und o 63 , vor 
V 67, v-vorschlag bei masc. und 
fem. aus dem accus, des artikels 
74. — Etrusk. t aus idg. dh 84. 

— Latein. / aus idg. gh 239; 
l aus d 242 ; idg. zd, dd, zdh, ddh 
zu d (l) 90 n. — Ital. intervocali- 
sches SS (und pp) = umbr. ss 
oder s 89, = osk.-sabell.-volsc. 
tt 82 ff., nach einem consonanten 
zu s 86; idg. ks im Osk. Pael. 
Marruc. zu s«, s 86 ff. Os- 
k i s c h e consonantengemination 
80 ff. 87. 92. — Germanisch vo 
im anlaut aus g/t 161. 

Declination: nom. acc. dual der 
o-stämme im Idg. 79 n. f. ; ablat. 
auf ai. -tasy gr. -to?, lat. -tus 7; 
loc. auf -St, -ff, -f, -ff«, -at, 7; 
ursprüngliche decl. von d-ifxig 7. 

— L y k i s c h : erweiterung conso- 
nantischer stamme durch -a 152 f.; 
nom. sg. verliert das s 151; acc. 
sg. der a-stämme 134 n. 152; sämt- 
liche gen. sg. auf -hä, -h 127 ff. 
= ai. -sya, av. -hyä, -he, gr. -to, 
messap. -hi, -he, -h, venet. -h 153 ; 
dat. sg. 319 f.; nom. pl. auf -aha 
= ai. -äsas, av. -äonhö, apers. -äha 
320; sämtliche gen. plur. auf -he 
320 ff. = ai. -säm 1 52, nicht jede 
endung -Uhe ist gen. plur. 339. — 
Loc. sg. auf -ö bei «-stammen in 
lett. dial. 227 f., dat. und loc. 
sg. und pl. der i-decl. 228, nom. 
sg. der contrahierten ^a-stämme 
229. 231 f.: substantiva gen. comm. 
auf -a 231, masc. auf -e 231; 
decl. der pronomina 236 f. 

Dialekt: s. Hesiod und inschrif- 



342 



Register. 



ten. — Ueber die lettische 
luundart von Saussen und Fehteln 
in Livland 214 flf. 

Eigennamen auf -^v in griech. 
dial. 212 f. 

Gradation: superl. lykisch auf 
-tata = gr. -rarog 336, auf -{ä)eme 
144, comp, auf -äre 144 f. 

Hesiod's Theogonie ursprl. weder 
in ionischer I fl". , noch in äoli- 
scher, sondern in delphischer 
mundart abgefasst 12 f. ; strophen- 
bau darin 14 ff., die ursprl. form 
des textes hergestellt 26 ff. 

Inschriften: die dialect-i. von 
Korinth 169, Kleonai 182, Sikyon 
182 ff., Phleius 184 f, und den 
korinth, kolonieen in Akarnanien 
185 ff., von Korkyra 188 ff 

Krasis: im Lykischen 315. 319. 
324. 326; im Neugriech. 40. 
42 f. 46; s. vocale. 

Laute des Lykischen 124 ff. 

Lautverschiebung: eine art von 
1. im Lyk. und Armen. 326. 

Lehnwörter: im Lyk. 127. 128. 
133. 138. 139. 146 ff. 151. 154. 
328; im Latein. 84. 154, im 
Osk. 86 n., Paelign. 88 f., im 
Lett. 225. 241, im Deutsch. 
158. 

Pronomina im Lyk. 141 ff., 150. 
316. 331; in lett. dial. 236 ff. 

Prothese: im Alt- und Neu- 
griech. 38; von a bei neugriech. 
neutr. 40 f. 69 f s. vocale und 
betonung. 

Suffixe: -öma in iran. u. klein- 
asiat. namen 129. 131 f.; ly- 
kisch -darä (SaQog) = ai. -tar 
153; -e^a 318. 322; -va{n)t, -vata 
= -ftVT 152, 322, -ze 147 f. 327. 
830. 337 f.; -na 320; -pne 320. 
335; •ämä = -ifiog 333- — Neu- 
griech. TttQiv = altgr. triqiov 
49 n. — In lett. dial. -ona 229, 
-mW, -uwa 230, -uks 230, -iza 
230, -eene 230, adjectiva auf -ijs, 
oj's, -äjs, -ms, tgns, ms 232. 

Synkope s. vocale. 

Syntax: in lett. dial. nachdesmit, 
simt, tusktosch der gen. 235, nach 
negativen verben der gen. 235 n. 
mit ausnähme der pronomina 236 ; 
auch nach eet, braukt, näkt u. a. 
der gen. 235 n. 

Umlaut: im Lyk. 145. 331. — In 
lett. dial. u. des a zu ä vor i 
214 f., vor e, ü, ee 219; des « zu 
äe {ä) vor i und «216; des e und 



c zu « und ä vor a, ä, o, u 217 f., 
des o zu oe vor e, i 220, des u zu 
ui 220 f ; beeinflussung des u. 
durch trennende consonanten 221ff.; 
u. auch da, wo der uml. bewir- 
kende vocal verschwunden ist 
225 f , 229. 

Veda: das sechste buch der Atharva- 
samhitä übersetzt und erklärt 
249 ff. 

Verwandtschaftsverhältnisse 
des Lykischen und Karischen 
154. 

Vocale: s. betonung und umlaut. 
— Plötzliche und allmähliche 
vocalveränderung 51. — Auslau- 
tendes geschliffen betontes öi der 
urspr. im Ai. und Av. durch äi 
(lit. ui, gr. (Ol), gestossenes oft 
durch ä (lit. u, gr. w) vertreten 
79. — Assimilation von vocalen 
in nachbarsilben im Lyk. 145, 
im Neugriech. 40. 43. 44. 60. 
64, in griech, lehnwörtern im 
Latein. 159. Lyk. ü aus an 
am 134 n. 152, ö aus an 152. 317 
Synkope von a 128; ae neben e 
äe neben ä im wortauslaut 316 
n Vertreter von nasalis sonans 320, 
325, vocalisches r 128. — Neu 
griech.: e, i, o als anlaut der 
neutra fast ganz verloren 44, aus- 
breitung des a 49, prothese von « 
39 ff., für e, t, o 40 f. infolge 
von krasis 40. 42 f.; abfall des 
unbetonten vocal. anlauts 39. 40. 
46. 64 f., auch des a 49. 68 ff., 
seine grenzen 66 f. ; anl. f , i, o 
vor vocal wird spirantisch 68, 
Schwund von e, t, und des stets 
unbetonten o im anlaut neugr. verba 
73 ; verdumpfung von w zu ov 63 ; 
alter des lautwandels v zu t 57 ff., 
7? zu * 59. — Vocalsynkope zwi- 
schen dentalen im Latein. 84 
u. n. — Svarabhaktisches a im 
Osk. 83 n. — In lit. dial. er- 
scheint geschliffenes a als ü (a), 
gestossenes als äi 75 ff. — Ueber- 
gang von e und e in einsilbigen 
Wörtern zu « und ä in lett. dial., 
von e zu « in der schlusssilbe 
217; ausspräche des e, e vor hellen 
vocalen 218 (cf. umlaut), euphoni- 
sches e 230, u für schriftlett. i 
und i für u 232. 

Wortverlust infolge lautlichen 
zusamraenfalls verschiedener Wör- 
ter im Neugriech. 59, 



Register. 



343 



Sanskrit. 
äksas 129 
aksds 129 
änia 317 
äntama 317 
äntara 317 
apara 127 
abhikhyä 91 f. 
acta 329. 333 
astäu 326 
ätman 137 
ähanas 78 
tdhmds 90 n. 
inddhe 90 n. 
i<ß 91 n. 
MÄÄa 105 
r<üs 127 
katithäs 84 n. 
külica 78 
Art 78 
Areni 78 
Ä/jc 78 
ksatra 134 
yandhäyate 78 
ghand 78 
ghrnä 79 
— ■ ca 315. 324 
ctrf 324 
jamd 136 
yas 338 
<aA;M 241 
dagdha 162 
(/a^TÄ 241 
ddviyas 340 
ddvistha 340 
dar« 241 
dlrgha 101 
rfMfZ/ 162 
rfw/ä 162 
duhitä 85 n. 
rfwra 340 
do/a 162 
nabhas 105 
nat^an 325 
«ä 85 n. 
m<Z«s 90 n. 
pancan 325 
padrathas 129. 329 
/>a^i 138 
paprdcha 84 n. 
para 317 
paramd 317 
paräkd 317 
jaat'ä 324 
jpä 134 
pävana 324 
y«<ä 85 n. 
j9f6a^t 318 



II. Wortregister. 

prkaa 99 
ja'ra' 322 
praydks 161 
jarj 134 
iaÄM 241 
hrahman 104 
hhrajj 104 
majjati 90 n. 
madgus 90 n. 
mdrtya 333 
maA 129 
mitra 133 
rriidhdm 90 n. 
mrVä 333 
yakrttas 7 
ratha 134 
räma- 326 
rudhirds 84 
valagd 340 
va/Aa 241 
va/^ä 241 
«art^Ä 323 
w^Ä« 79 
fä^a 139 

frdddhitam 90 n. 
cw< 127 
sajätäs 254 f. 
SM 145 
sumanas 330 
strbhis 85 n. 
«wa- 142 
Aa^a 326 

Iranisch (Avestisch 
unbezeichnet). 
ajjai 335 
a^fja- 325 
aÄM- 333 
adenaba 105 
anabdafta 105 
anabdäta 105 
apara- 127 
med. Artahsassa 128 
aci^ta 100 
acistä 99 
afjpa- 329. 333 
ap'vätem 97 
a«fl 127 
ahmäi 96 
üctärayeintim 161 
änman 98 
«> 94 

ap. TJtana 134 
ap. Uvakhsathra 139 
ap. Uvajiya 330 
karedha 318 
khraozhdva 90 n. 
ap. khsatrapävan 134 



ap. khsayathtya 140 

322. 336 
ap. Khsiärsa 336 
khsvas 140 
qanicakhta 106 f. 
-cö 324 
cj- 324 
za^a 326 
zevitn 160 
taradhäta 107 f. 
neup. fär«;' 108 
neup <e/ä* 108 
<Aaw/ 240 
rfazt?^ 97 
daregha 101 
dareghu 101 f. 
ap. rfar^a, daraga 101 
neup. daryua 102 
neup. daryoza 102 
neup. darviza 102 
neup. darves 102 
ap. Däryavus 146 
neup. dirang 101 
neup. dir4gh 102 
neup. dirigha 102 
dug{e)dä 85 n. 
dri^g'M 101 
drighu 101 f. 
driwis 102 
ap. drang a 101 
rfre^M 101 
napät 105 
napta 104 
nabänazdista 105 
neup. warn 105 
nämyägu 105 
^atYt 138 
ap. pärcü' 128 
^?ä 85 n. 
barezay 102 
neup. bälänldan 103 
neup. bälidan 103 
mittelir. burzidan 101 
/ra 322 
fratara 317 
frasa 98 
ap. fräisayam 94 
mazista 129 
mazgem 90 n. 
mareta 333 
inithra 133 
mäzdra 95 
yaozhdäiti 91 n. 
yemä 96 
ra^Aa 134 
m 97 n. 
verczyö 97 
cazdyäi 96 



344 



Register. 



ca^te 96. 98 
fkenda 99 
cpayathra 99 
'cpita- 127 
crevtm 160 f. 
neup. säkhta 107 
hti- 145 

med. Hutana 134 
humanaiih 330 
ÄtJa 142 

Lykisch. 
adaeiö 318 
a<Z« 318 
aetiita 324 f. 
alehbäze 319 
ammiima 324 f. 
aparahU 127 
aravaze^a 142. 318 
arinade 136 
arnna 329 
a<Za 137. 316 
a/^^a 326 f. 
axiitata 336 
a/üte 333 
ddavüpartah 130 
ddarssama 129 
ddauasa 129 
ddänävälä 140 
e^töÄe 339 
vaxssa 140 
vädrö'^nähe 335 f. 
väAw<a 338 
växssärü 139 
Ä/aÄ 127 f. 
Äo- 145 
hovädre 335 
Are 317. 322 
hrexama 129 
hrexttbele 149 
Arzze 316 f. 
Arj?j?e 149 f. 316. 317. 

319. 
hömänä 330 
Ä6e 142. 150. 325. 331. 

338 f. 
kbesntüta 324 f- 
Ä6e4 142 
ÄejfÄzö 328 
kezzaprjna 134 

kodalah : xiti<if>' 130 
komäzeia 328. 339 
Äör^^c 318 
/ada 137 
lamra 137 
ma/e 145 
maleiahe 323. 336 
masasah 128 
maxah 131 
mente 339 



mezpäteiä 138 

mo- 323 

mäläeme 144 f. 

märtämähe 323. 333 

mjnohä 140 

mö 323 

möh'öe {mühüe) 339 

nauorahe 328 

nontüta 324 f. 

nonättä 335 

«<ate 316 f. 

«ü« 317 

ntaxoltte 331 

^tUpetasnte 335 

ohazata 326 

oÄaAe 332 f. 

orohleiö 318 f. 

padramah 129 

padretahe 329 

parzza 128 

7r«r«pa 137 

;j<i(/ö, ^rftiä 133. 330. 

337 
pddöpta 133 
pebejMte 317 
^eiätö 316 
pexc^ma 129. 139 
pexüdarä 129. 139 
j9e/rä 129. 140 
nCvaQtt 137 
p^tränne 327 
^owa °316. 324 
^r/e 146 

prnniize 315 ff. 321 
prjnavütö 134 
prinUze 134. 148 
^«ara 137. 337 
rmmazata 326 
»eiö«« 334 
se//e 149 

s^<a 320. 325. 327 
sppitaza 127 
s«a)fe 323 
sä 315 
s«, säe 324 
süttäre 318 
sjtopäh 139 
tabahaza 329 
<aza 327 
<6e^to 149 
<6e50 149 
<e 143. 331 
«eia 331 
tedäeme 144 
<eM 143 
^ejj'a 143 
<eÄa 331 
</ava 137 
totnenUhe 329. 339 
tovepänä 330 



<r6Ä- 144. 332 
<re_ja 332 
tre^äro 149 
treiärö 328 
<reso 149 
trpplö 149 
trqmele 151 
«e^e 326 
«töe^e 324 
tüläbähehä 143 
<tt7öze 337 
tärsse/lüh 149 
<äse 326 
vXa/xog 129 
;f5a(A) 140 
;f6c(Zä 140. 322. 336 
xbedönnähe 336 
;f«wa °320 ff. 325 
;fw<a 320. 325 
Xntavata 322 f. 
Xssadrapa 134. 327 
Xäleiünaxssah 129 
Xäreva 135 
Xitavata 133 
(Vöe 141 

<;YÄ6e 141 f. 150 337 f. 
iikatamla 133. 139 
öpjj 335 

iipnnöne 334 f. 335 
</j9i)«a 334 
UppUihii 141 
<Vp/ 141 
äpitebazah 128 
ärbbena 136 
ärtaxsserazahü 128 
cis6(j 329. 333 
tfs« 145. 320 
äsiidUnnäva 320 
üsädäplUme 145 
äY^ä 141 
ümmüma 324 f. 
itare^osäha 146 
t/nc, M«e 324 f. 335 f. 
«Ye 323. 330. 339 
ö<re 316 f. 323 
wfoAe 323 
Mas«o 338 

Phrygiach. 
atJaes 318 

Karisch. 
Tß/S« 329 
TUjuy^K 329 

Ori entalische 
eigennamen in 
griechischer Schrei- 
bung. 
::^/Sa^i? 127 

'y^/S^O- 135 



Register. 



345 



"AniQlKi 146 
kar. 'yiQßriaats 137 
'u4QinQ(i3r]g 134 
'l4()ra 136. 329 
^QVnTrjs 137 
"^Qxnßc'iCn? 128 
l4(JTKßäQt,os 127 
"AQxa'i^nCn? 128 
l4QTaoväaSr]s 128 
IdQTSfißäQtjg 127 
Ar()07rÜTr]C 134 
A/nrrjs 131 
7i«ya? 131 
BayanctTtjg 131 
Attßog 13U 
AciCSaXog 130 
'Exärofivog 133 
]yk. pfr. ^EXfiidävK 130 
'EfAßÜQtjg 127 
^EQvfivai 150 
KirSavvßov 1 39 
Kva^aQTjg 140 
KvSqUkog 133 
MayaäccTTjg 131 
Mdyag 131 
Mctact-, Maaaa-, Maac- 

129 
MaactvwQttärjg 129 
MnauQig 129 
MfQifiavaaa 129 
MiTQoßnTTjg 133 
jWi;()a 136 
näraqu 137 
niQGrig 129 
//^ypjjf 129. 140 
UCvaQa 137 
ni^dSaqog 129. 13 '2. 

139 
'OnQafj-onv 135 
^Orävrjg 134 
'Pad^d-yoiaog 134 
-TaA«? 130. 136 
lEni&QaSÜTrig 127 
Znid^gidärrig 127 
ZncTccxijg 127 
2^7TiT{ifiag 127 
2niTa^ivr\g 127 
To'ySßt 329 
TfQfiiQa 151 
TfQf^dTjg, Tni^iXrig 151 
TrjXiffitog 143 
r;iw? 137 
Tdfß(«f 318 
To/aQoi 318 
TQKfAßrjXog 127. 151 
TQfßfXvaiog 144 
TQißMai 144 
Tvfivrjaaög 329 
"Yc^jj 330 
'%i;j/??ff 132 



Griechi seh. 
dO^ifißovaa 161 
a'id^og 90 n. 
-^?v^T« 173 
«?(T« 85 
aiqvtScog 161 
««»/;« 161 
«xpd? 333 
ufxvihg 242 
au(p(t) 105 

«rffoKXßff 242 Tl. 

«j'^p 85 n. 
«IT« 317 

«rr/: 317. 323. 330 
ankuTog 161 
dotd-f^ög 16 
daaov 86 n. 
«ffr»J« 85 n. 
uTfjög 187 
atfisvog 78 
difTfiög 78 
ßaardCfiv 85 
/Sf/SAfor 60 f. 
/SA«(Tr7? 323 
/?>l«(JTd? 323 

/5A'?/'? 161 
ßX(i)»Q6g 323 
BQiKQScig 5 
ßQOTog 333 
ßvßXCov 60 f. 
yXcö^fS 161 
/Ictvtißog 140 
thess. (J'«i5;ft'a 242 
StttfVT} 242 
-(Te 5. 136 
«ferd^Aw 162 
dfaTidrjjff 242 
(FtaTTttO) 240 
rf/«rTo? 240 
/luSaC^iov 176 
Söva^ 161 
SqlXog 162 
(fw 242 
frfwy« 84 n. 
ffi? 2 

l^jjxf 84 n. 
f*vo? 339 
/x 320 

^Xä'ffffftn' 86 n. 
fv*a 317 
ivrav(ha 317 
lak.^^iT^ft 317 
^rrd? 317 
Ini^QiTog 16 
^TT/" 141. 335 
ii)&€vi(o 78 
i^/wr 174 
^xf 84 n. 
r]fi(asa 60 
rifxvGv 56 



Beiträge z. künde d. indg. sprachen. XII. 



&aaa(av 86 n. 241 

;><ut«rt 7 

&(fxtarog 7 

S-fTiravog 162 

Sf'TiTivog 162 

&vynTr)Q 85 n. 

fj/J»; 47 

xat 315 

xaQxalQO) 77 

Hes. xaQxtä 77 

xefKfäg 161 

xentpog 161 

xo;5^w 78 

x()dff(ra (x(>aIor<ya) 239 

xwjUJj 328 

^^/»jJa, .^ad"« 137 

XfXdXfJ'OTeg 4. 24 

(U« 324 

fiiixfXXa 322 

jUfV 324 

Mfv^xxa 213 

fxiTriQuiog 16 

//jir 324 

^t« 323 

^aV 324 

M/'rw? 140 

/Liiad^ög 90 n. 

väifd^cc 104 

v((ftXr] 105 

vf(fog 105 

vyjyÜTiog 320 

»»»JptTOf 16 

^nTQUTirjg 134 
dyJoo? 326 
otßog 325 
delph. otV 7. 14 
'OQijrWV 177 
oQocftj 319 
oif'ttja 162 
df/vt'? 162. 168 
naxriQ 85 n. 
nay^vg 241 
TifcJ« 133, 330 
niXttVog 161 
niXag 161 
ntXäaaai 161 
nXaO^dvT) 161 
nXaxovg 161 
7rA«| 161 
7101 193. 196 
noivri 316. 324 
nöaS^tf 90 n. 
Tidfft? 138 
TidffTOf 84 n. 
rfQtvQaöov 212 
yiQictfiai 78 
Tipd 321. 322 
TTi/yTj 79 
a«;^'»j 240 
anlvb) 240 

2S 



346 



Register. 



Zaxig 173 

aaTQdnrjg 134. 327 

aÜTTU) 240 

Oitgä 240 

Hes CfpiJff 240 

arjxös 240 

aCyXos 149 

oixkog 149 

OofKfög 240 

GoQÖg 240 

Hes. aovvimüGüai 80 

TaXavTov 324 

TUQa/ri 162 

rüaaoi 240 

ra^vg 241 

TfAar 324 

rtntä 162 

TiaatQtg 318 

r7]}.vy^jr]g 133 

ror? 14 

T(Ȋ/i;? 162 

Hes. TV(fot 162 

i5-, w- 326 

kypr. vyytfxog 326 

iJyytff 162 

Hes. /«Aß/Sffy 162 

^äfiaäc 7 

^agdaßo) 239 

Hes. yXußöv 162 

Hes. ;fwAai5fr 162 

(faßoxTovog 162 

^«i/y 161 f, 

(fövog 78 

(fio^og 161 

Hes. \povSCa 5. 13 

Neugriechisch. 
fiyovQog 62 ff. 
ayovQvv 64 
«j/ttipt 62 ff". 
(läeXifjivia 42 
!ddtX(f,oC 42 
dxöfxrj 62 
äi»/ 67 n. 75 
ßi}yo 41. 48. 68 
ßi}ri 41. 49. 67 
yJt, yJ^v 47. 67 
yoiov {Jon) 68 
*?« 68 
^ffßff 59 
i(T^ 59 
Ifffff 59 
f/rpß 64 
laxiog 62 
|Ußf 59. 67 
wi 65 f. 
t»^ 75 
^ößegyo 47 
o/TQog 64 
naCQvo} 65 f. n. 



accQc'cvia 54 
aaQcixovra 54 
(TfpßlTß 54 
Ttaaänwv 51 f. 
TtaatQtt 51 ff. 74 f. 
wtV 48. 67. 75 
/ßc^tß 47 

Lateinisch. 
ahahalsamum 159 
acuere 333 
altl. adgretus 83 
ae(7e5 90 n. 
aestas 85 n. 91 n. 
aestimare 85 n. 91 n. 
aestus 90 n. 
ßjnio 105 
aw^e 317 
arae 86 
arbiter 239 
arbitrari 239 
architectura 159 
ßrcre 88 
as 88 n. 
«SSM« 88 
uttentus 85 
aurum 326 
cötZa 90 n. 
convexus 161 
cossim 239 
cottidie 84 n. 
coxa 239 
coxendix 239 
coxim 239 
coa;o 239 
creditum 90 n. 
cref^o 90 n. 
crüdus 90 n. 
cumatilis 159 
altl. e^rc^MS 83. 89 
altl. exfuti 83 
/a6er 88 
/eci 84 n. 
ßanien 104 
ßorae 86. 88 
fornax 79 
frausus 89 
/»rc« 239 
furnus 79 

(jerere 85 

altl. gnitus 83 

/ms^a 90 n. 

Aefees 78 

herpes 1 58 

hostus 90 n. 

infestus 90 n. 

intentus 85 

m^Ms 317 
j^ct 84 n. 
y«6eo 91 n. 



Zares 242 
Zarj'a: 242 
laurus 242 
malus 90 n. 
manifestus 90 n. 
mattus 84 
mergo 90 n. 
mergus 90 n. 
me^ 324 
m«7es 90 n, 
nehula 106 
nepos 104 f. 
Neptunus 104 n. 
w<d//« 90 n. 
nimbus 106 
novem 325 
nubere 106 
«wies 1 06 
nummus 324 
ospratura 159 
ostentum 85 
pendere 327 
piätum 316 
pinguis 241 
planus 161 
poena 316 
poposci 84 Tl. 
portentum 85 

quattor 318 

quercus 77 

querquerus 77 

quinque 142. 325 

quotus 84 n. 

rä^MS 16 

rer» 16 

rutilus 84 

salacaccabia 157 

salgama 157 ff. 

salmacidus 159 

samardacus 157 

Samartia 156 f. 

sarjja 157 

seciari 80 

Segesta 156 

serpullum 157 f. 

servare 240 

shnilis 242 

simul 242 

statod 323 

sualiternicum 157. 159 f. 

Suculae 160 n. 

SUU5 142 

tiZs 242 n. 

ulterior 242 n. 

ultimus 242 n. 

Msto 83 

waror 87 f. 

vastus 338 

«ömer 162 

«öm»« 162 



Register. 



347 



Oskisch. 
aasas 86 
aeteis 85 

atkdafed {aidfaked) 90 n. 
[aßttiüjn 81. 85 
angetuzet 85 
aserum 86 
deketasiüi 86 
eesünt 87 
esee 86 

essM/ 86 f. 88 
exac 87 
exsuc 87 

ßiQOOQU 86 

vorsus 86 

XOTTft 87 

xoTTtirjis 87 

XOTTt 87 

meliissaii 86 
nesimois 86 f. 
n(e)ssimas 87 
niumeriis 86 n. 
patensins 85 
patt{ens) 85 
pruffed 92 
öföTff 87 
aiuttiis 87 
aTaTTitjis 87 
«t«» 87 

triharakattins 83 
trtbarakattuset 83 92 
triharakavüm 332 
MSMr« 86 f. 
ßuusat 86. 88 
fufans 92 
«i«tM/ 81, 83 

Pälignisch. 
ae^a^u 85 
oticus 88 n. 
oesa 88 
usur 88 

Marrucinisch. 
öÄMm 88 
csMC 88 

Sabellisch. 
ßusare 88 

ümbrisch. 
actud 89 
adputrati 239 
rftYw 89 
kuvertu 89 
sesust 89 
<e<M 89 
ustentu 89 
^sw 89 
fisovie 89 



ßssiu 89 
frosetom 89 

Lucanisch. 
aoQojrOifi, 240 

Etruskiscb. 
CÄ^aÄ; 84 n, 
zinace 84 n. 
,9ß/Mre 88 
/ofoa 137 
mo/ 323 
m» 324 
»<a(i) 323 
<ece 84 n. 

Altirisch, 
not 325 

G allisch. 
Mediolänum 161 

Sla visch. 
(Zat?e 340 
rfautn« 340 
pol. dqiyc 241 
klruss. rfw^/ 241 
pol. garniec 79 

^^OJTM 161 

goneti 78 
russ. gornilo 79 
russ. gornü 79 
pol. serb. grttz 79 
pol. guzica 79 
russ. güzka 79 
grünü 79 
ÜM 320 

ßech. klestiti 78 
Ä/^s<a 78 
A;osa 239 
serb. kosijer 239 
pol. koslavy 239 
russ. kostiti 239 
kosvenü 239 
pol. ÄOö'iV 239 
weissr. krekva 239 
ßech. krokva 239 
pol. Ärfa 78 
pol. krsztyna 78 
aruss. krmuti 78 
serb. kusljati 78 
küsinu 78 
kysnati 78 
kvasiti 78 
mtzda 90 n. 
mozgü 90 n. 
nedagii 241 
sw<o 139 
vlakno 241 
russ. volokno 241 
roBB. voroiia 340 



oraSt<» 340 
pol. MJr({jr 340 

AI tp reussisch. 

austn 326 
dragios 162 
Wagnis 168 

Litauisch. 

aftii 105 
aptwaras 240 
atsitwenkti 240 
danglnti 241 
degtas 162 
rfe/8<t 162 
dulineti 162 
^a»a 78 
gendü 78 
WZ 320 
kaketi 77 
kankü 77 
ArtÄza« 78 
Ä/tsze 78 
krieno 78 
krislas 78 
Ärts^ 78 
kuszliis 77 
mazgöti 90 n. 
patogüs 240 
plasteti 241 
plezddti 241 
pleznoti 241 
pldnas 161 
^/o»e 161 
plüskos 241 
sergeti 240 
staugineti 241 
«u^tu 241 
sukakis 77 
su-tögti 240 
szimtas 139. 320 
twainytis 240 
twänkas 240 
twärsle 240 
twenkti 240 
tweriii 240 
ttoinkti 240 
twöju 240 
U5m$ 162 
wägis 162 
warstas 86 
w^ft' 79 
zem. weltui 79 
weUas 79 
SirA;^ 239 

Lettisch, 
dial. beschroezs 231 
rföwt 161 
dfirkUs 239 



348 



Register. 



dfüse 239 
gan 78 
gufcha 79 
kakts 77 
kreens 78 
krisls 78 
Ärjsi 78 
küsät 77 
ÄMsZs 77 
kust 77 
^a%8 240 
ju/aÄ;^ 161 
plederä 240 
pluskas 241 
dial. pusch- 231 
sM<i/e< 241 
sükstitls 241 
/^■rÄ;^e5 239 
walgs 241 
M>e?« 79 

Gotisch. 

ahtau 326 
hrinnan 79 
fähan 77 
faürhtei 77 
faürhts 77 
fullafahjan 11 
gaaistan 91 n. 
gadahän 89 
gadobs 89 
gadrohnan 162 
gahugds 91 n. 
^az<is 91 n, 
ÄtJß- 142 
mahts 91 n. 
mizdo 90 n. 
paürp- 144 

Longobardisch. 
fereAo 77 

Altnordisch. 
atkvcedi 239 
atkveda 239 
dreggr 239 
/« 77 
^«66 161 
gjälpa 162 
ÄroY 239 
At'i^fr 239 
mergr 90 n. 
vangsni 162 

Norwegisch. 
stauka 241 



A ngelsächsisch. 
/y« 241 
/ön 77 
^Äi! 78 
gilpan 162 
Arö/ 239 
seöfan 241 
tealtian 162 
<eors 162 
r^o'Ä 241 

Englisch, 
(^ra/ 162 
gump 161 
Jump 161 
<i7e 162 
<o 5 

Altsächsisch. 
^cZp 162 
fe' 5 

Mittel- 
ried erdeutsch. 

suchten 241 
t'M«, vlüsch 241 
WMcA< 78 
vüchtigen 78 

Niederdeutsch. 

(^ö6e; 162 
stoekeren 241 
ndhess. stokern 241 
ostpr. stilken 241 
ostpr. stükerig 241 
taltern 162 

Neufriesisch. 
tinkeln 162 

Althochdeutsch. 

fagen 77 
fagön 77 
fögen 77 
ywA« 78 
gelph 162 
gitubili 162 
j'agon 161 
«orc 240 
sarcÄ 240 
saruhc 240 
siuftön 241 
süfteön 241 
treber 162 
waganso 162 



t/;aÄ.s 161 
weggi 162 
wekki 162 

se-, z» 5 
zcrs 162 
zwo 5 

Mittelhochdeutsch. 
viuhte 78 
ßedern 241 
gampel 161 
gampen 161 
(/«WZ 78 
gelpfen 162 
gumpel 161 
gumpen 161 
ÄaAsc 239 
hähsenen 239 
suchten 241 
trüebe 162 
^Mie^ 162 
wagense 162 
zelten 162 
ze/<er 162 
zwinzen 162 

Neuhochdeutsch. 
^ßcA 161 
ßaden 161 
ßattern 241 
ßühe 161 
«/«WZ 78 
_^er^e 91 
heerde 318 
AiVe 318 
hundert 16 
^^ß^e 161 
waAe 87 
marÄ; 90 n. 
was< 90 n. 
nächst 87 
Me6e^ 106 
«es< 90 n. 

jo/Mgf 161 

quendel 158 

sor^ 240 

thymian 158 

dial. verzM/'wnzen 162 

tüM«< 338 

ztoingen 240 

zwinken 162 

ztoinkern 162 

T ürkisch. 
anaxtdr 94 n. 



Druck der Univ.-Buchdruckerei von E. A. Huth in Göttingen. 



p 

501 

Bd. 12 



Beiträge zur Kunde der indo- 
germanischen Sprachen 



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